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Berufsausbildung in der Antike

Titel: Berufsausbildung in der Antike

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 21 Seiten , Note: 2,7

Autor:in: Peter Brendebach (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Normaler Weise kann man, was man braucht“. So beschreibt Burkhard Meißner die Helden in Homers Epen. Dies lässt sich durchaus auf die gesamte Arbeitswelt in der Antike übertragen. Denn tatsächlich bereitet es Schwierigkeiten, wenn man dieses „Können“, vor allem die Aneignung dessen näher beleuchten und untersuchen will. Vor allem in der archaischen Gesellschaft, aber auch bis tief in die römische Zeit hinein und sogar darüber hinaus scheint es absolut üblich zu sein, dass Berufsgeheimnisse von Generation zu Generation innerhalb der Familie weitergegeben werden, die Söhne sprichwörtlich in die Fußstapfen der Väter treten.
Eine nach heutiger Vorstellung staatlich gelenkte oder zumindest von Organisationen überwachte Berufsausbildung hat es in der Antike nicht gegeben. Will man sich dennoch ein Bild verschaffen von Art, Umfang, Inhalt und Dauer einer Ausbildung, muss man auf das Wenige zurückgreifen, was uns vorliegt. Denn dass es so etwas gegeben haben muss ist einerseits aus logischen Gesichtspunkten absolut unabdingbar und andererseits in den literarischen Quellen nur allzu oft bezeugt. Leider schweigen diese Quellen aber über die genaue Organisation der Berufsausbildung. Anders sieht es aus bei Ausbildungsverträgen, die uns aus dem römischen Ägypten auf Papyri überliefert sind und zum Teil erstaunliche Bestimmungen bis hin zu Konventionalstrafen bei Vertragsverstößen und Arbeitsschutzklauseln wie bezahltem Urlaub enthalten.
Im Folgenden will ich auf diese beiden Quellengattungen ebenso eingehen, wie auf inschriftliche Belege wie Signaturen und die Entwicklung der Berufsausbildung von der archaischen Zeit bis in die römische Kaiserzeit untersuchen.
Wenn auch in der Forschung das „antike Handwerk“ an sich mittlerweile recht umfangreich beleuchtet worden ist und die soziale Stellung von Handwerkern teils kontrovers diskutiert wird, so mangelt es doch immer noch an Arbeiten zur antiken Berufsausbildung, da die Quellenlage zu dieser Thematik mehr als dürftig ist.

Leseprobe


Gliederung

I. Einleitung

II. Berufsausbildung in den literarischen Quellen

III. Inschriftliche Quellen und Signaturen

IV. Außerfamiliäre Ausweitung der Berufsausbildung

V. Ärzte und ärztliche Ausbildung

VI. Berufsausbildung im Hellenismus

VII. Form und Inhalt der ägyptischen Ausbildungsverträge

A. Beteiligte

B. Gestellungs- und Ausbildungspflicht

C. Lohn, Unterhalt, Steuer und Urlaub

VIII. Die Rolle des Staates bei der Berufsausbildung

IX. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Organisation, Struktur und rechtliche Einbettung der Berufsausbildung in der Antike. Dabei wird der Wandel von der primär innerfamiliären Weitergabe von Fertigkeiten bis hin zur zunehmend außerfamiliären Lehrlingsausbildung in der römischen Zeit analysiert, wobei insbesondere ägyptische Papyri als zentrale Quellenquelle dienen.

  • Entwicklung der Berufsausbildung von der archaischen Zeit bis zur römischen Kaiserzeit.
  • Analyse der Bedeutung des Familienbetriebs und der familiären Wissensvermittlung.
  • Untersuchung der Struktur und Vertragsinhalte antiker Ausbildungsverträge aus Ägypten.
  • Rolle des Staates bei der Förderung und steuerrechtlichen Privilegierung von Ausbildungsverhältnissen.
  • Vergleich der Ausbildungssituation in verschiedenen Berufen, insbesondere der Medizinerausbildung.

Auszug aus dem Buch

VII. Form und Inhalt der ägyptischen Ausbildungsverträge

Im nun folgenden Abschnitt möchte ich die Inhalte der Ausbildungsverträge, welche uns aus dem römischen Ägypten auf Papyri erhalten sind und wohl die wichtigste Quelle zur Untersuchung der Organisation der antiken Berufsausbildung darstellen, erörtern und auf deren Aussagewert hin überprüfen. Die meisten dieser Verträge stammen aus der Stadt Oxyrhynchos, eine „wichtige Stadt in Mittelägypten […], etwa 300km südl. von Alexandria, [… welche] bereits im Ptolemäerreich Sitz einer griech. Kolonie [und] seit dem 2. Jh. n. Chr. halbhellenistische Stadt [war]“34 Dass es sich bei den meisten der erhaltenen Verträge um solche aus dem Weberhandwerk handelt, lässt zwar die Vermutung zu, dass es speziell in diesem Gewerbe üblich war, seine Ausbildung nicht innerfamiliär anzutreten und daher Ausbildungsverträge abzuschließen, eine entsprechende Ausweitung auf alle anderen Handwerke ist aber anzunehmen.

Die Ausbildungsverträge lassen sich in zwei Gruppen teilen: die Lehrverträge und die Unterrichtsverträge. Erstere sind solche, bei denen der Lehrling nicht nur ausgebildet wird, sondern selber auch Arbeit leistet, die der Meister gewinnbringend einsetzen kann. „Die Arbeitsleistung des Lehrlings ist einerseits Voraussetzung und Mittel der Ausbildung, andererseits Entschädigung für die Ausbildungsarbeit des Lehrherren.“35 Bei den Unterrichtsverträgen handelt es sich um Ausbildungen zum Beispiel in Stenographie oder Flötenspiel. Es ist offensichtlich, warum hier unterschieden wird: der Lehrmeister bringt dem Auszubildenden etwas bei, das dieser erst nach Ablauf der Ausbildung in der Form beherrscht, dass es für den Ausbilder von Nutzen sein könnte. Daher erhält er für seine Tätigkeit ein Honorar.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Quellenlage zur antiken Berufsausbildung und benennt die Zielsetzung der Untersuchung, sowohl literarische Quellen als auch ägyptische Ausbildungsverträge zu analysieren.

II. Berufsausbildung in den literarischen Quellen: Das Kapitel belegt, dass in den Epen Homers die Berufsausbildung primär als innerfamiliärer Prozess dargestellt wird, bei dem Fähigkeiten vom Vater auf den Sohn übergehen.

III. Inschriftliche Quellen und Signaturen: Hier wird verdeutlicht, dass inschriftliche Belege zwar Handwerker und Lehrlinge nennen, aber kaum konkrete Informationen zur Organisation der Ausbildung liefern.

IV. Außerfamiliäre Ausweitung der Berufsausbildung: Dieses Kapitel erläutert, warum und wie Handwerker begannen, Lehrlinge von außerhalb der Familie zu rekrutieren, etwa durch Adoption oder die Aufnahme von Sklaven.

V. Ärzte und ärztliche Ausbildung: Es wird dargelegt, dass der Arztberuf eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung außerfamiliärer Ausbildungsstrukturen einnahm, was im Hippokratischen Eid seinen Niederschlag findet.

VI. Berufsausbildung im Hellenismus: Hier wird der Prozess der zunehmenden Spezialisierung und der damit einhergehenden Zunahme schriftlicher Ausbildungsverträge in hellenistischer Zeit untersucht.

VII. Form und Inhalt der ägyptischen Ausbildungsverträge: Dieses Kapitel analysiert detailliert die verschiedenen Bestandteile von Ausbildungsverträgen, wie etwa Beteiligte, Ausbildungsdauer, Lohnzahlungen und Urlaubsansprüche.

VIII. Die Rolle des Staates bei der Berufsausbildung: Abschließend wird aufgezeigt, dass der Staat primär aus steuerrechtlichen Interessen in die Berufsausbildung eingriff, besonders in der römischen Kaiserzeit.

IX. Zusammenfassung: Diese Zusammenfassung resümiert die Entwicklung von der archaischen innerfamiliären Tradition hin zu den formalisierten, vertraglich geregelten Ausbildungsverhältnissen der römischen Zeit.

Schlüsselwörter

Berufsausbildung, Antike, Handwerk, Ausbildungsvertrag, Papyri, Lehre, Familienbetrieb, Hellenismus, Römische Kaiserzeit, Hippokratischer Eid, Handwerker, Steuerrecht, Ausbildungsinhalte, Wissensvermittlung, Spezialisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Organisation und der Struktur der handwerklichen Berufsausbildung in der antiken Welt, von der archaischen Zeit bis in die römische Kaiserzeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die innerfamiliäre versus außerfamiliäre Wissensvermittlung, die Rolle von Ausbildungsverträgen sowie der Einfluss staatlicher Regelungen auf die Ausbildungspraxis.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, trotz einer dürftigen Quellenlage ein Bild über Art, Umfang, Dauer und Organisation der antiken Ausbildung zu zeichnen und die Bedeutung von Ausbildungsverträgen als primäre Informationsquelle zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine quellenkritische Analyse literarischer Texte, Inschriften und insbesondere ägyptischer Papyri durchgeführt, um die Entwicklung der Ausbildungsstrukturen nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung literarischer Zeugnisse, die Rolle des Handwerks als Familientradition, die Ausbildung in der Medizin, den Wandel im Hellenismus sowie die detaillierte Auswertung ägyptischer Ausbildungsverträge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind Berufsausbildung, Antike, Ausbildungsverträge, Handwerk, Papyri, Lehre und staatliche Privilegierung.

Welche Rolle spielten Ausbildungsverträge in Ägypten genau?

Sie dienten als rechtliche Absicherung der Ausbildung, wobei sie Aspekte wie Dauer, Lohn, Verpflegung, Steuerpflicht und sogar Konventionalstrafen bei Vertragsbruch regelten.

Inwiefern beeinflusste der Staat die Ausbildung?

Der Staat griff inhaltlich nicht in die Ausbildung ein, förderte jedoch ab der römischen Kaiserzeit gezielt technische Berufe durch Steuerprivilegien, um den Fortbestand des Gemeinwohls zu sichern.

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Details

Titel
Berufsausbildung in der Antike
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Seminar für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Bäcker, Banker und Banausen. Zur Arbeitswelt in der Antike
Note
2,7
Autor
Peter Brendebach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V126202
ISBN (eBook)
9783640322572
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufsausbildung Antike
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Peter Brendebach (Autor:in), 2005, Berufsausbildung in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/126202
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