Gliederung:
I. Einleitung 3
II. Berufsausbildung in den literarischen Quellen 4
III. Inschriftliche Quellen und Signaturen 5
IV. Außerfamiliäre Ausweitung der Berufsausbildung 6
V. Ärzte und ärztliche Ausbildung. 7
VI. Berufsausbildung im Hellenismus. 9
VII. Form und Inhalt der ägyptischen Ausbildungsverträge 10
A. Beteiligte 12
B. Gestellungs- und Ausbildungspflicht 13
C. Lohn, Unterhalt, Steuer und Urlaub. 14
VIII. Die Rolle des Staates bei der Berufsausbildung 16
IX. Zusammenfassung. 18
X. Verzeichnis der verwendeten Literatur. 20
A. Quellen 20
B. Lexika 20
C. Sekundärliteratur 21
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I. Einleitung
„Normaler Weise kann man, was man braucht“ 1 . So beschreibt Burkhard Meißner die Helden in Homers Epen. Dies lässt sich durchaus auf die gesamte Arbeitswelt in der Antike übertragen. Denn tatsächlich bereitet es Schwierigkeiten, wenn man dieses „Können“, vor allem die Aneignung dessen näher beleuchten und untersuchen will. Vor allem in der archaischen Gesellschaft, aber auch bis tief in die römische Zeit hinein und sogar darüber hinaus scheint es absolut üblich zu sein, dass Berufsgeheimnisse von Generation zu Generation innerhalb der Familie weitergegeben werden, die Söhne sprichwörtlich in die Fußstapfen der Väter treten. Eine nach heutiger Vorstellung staatlich gelenkte oder zumindest von Organisationen überwachte Berufsausbildung hat es in der Antike nicht gegeben. Will man sich dennoch ein Bild verschaffen von Art, Umfang, Inhalt und Dauer einer Ausbildung, muss man auf das Wenige zurückgreifen, was uns vorliegt. Denn dass es so etwas gegeben haben muss ist einerseits aus logischen Gesichtspunkten absolut unabdingbar und andererseits in den literarischen Quellen nur allzu oft bezeugt. Leider schweigen diese Quellen aber über die genaue Organisation der Berufsausbildung. Anders sieht es aus bei Ausbildungsverträgen, die uns aus dem römischen Ägypten auf Papyri überliefert sind und zum Teil erstaunliche Bestimmungen bis hin zu Konventionalstrafen bei Vertragsverstößen und Arbeitsschutzklauseln wie bezahltem Urlaub enthalten.
Im Folgenden will ich auf diese beiden Quellengattungen ebenso eingehen, wie auf inschriftliche Belege wie Signaturen und die Entwicklung der Berufsausbildung von der archaischen Zeit bis in die römische Kaiserzeit untersuchen. Wenn auch in der Forschung das „antike Handwerk“ an sich mittlerweile recht umfangreich beleuchtet worden ist und die soziale Stellung von Handwerkern teils kontrovers diskutiert wird, so mangelt es doch immer noch an Arbeiten zur antiken Berufsausbildung, da die Quellenlage zu dieser Thematik mehr als dürftig ist.
1 Meißner, Burkhard: Mündliche Vermittlung und schriftliche Unterweisung in der antiken Berufsausbil-
dung, in: Horster, Marietta und Reitz, Christiane (Hrsg.): Antike Fachschriftsteller: Literarischer Diskurs
und sozialer Kontext, Wiesbaden 2003 (Palingenesia, Band 80), S. 155.
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II. Berufsausbildung in den literarischen Quellen
Betrachtet man die Gesellschaft in den Epen Homers, so stellt man fest, dass die Berufsausbildung hier keine große Rolle spielt. „Eine Ursache dafür liegt im geringen Grad der Differenzierung dieser Gesellschaften, ein anderer aber in der Strenge dieser Differenzierung, die das Überschreiten von Statusunterschieden und beruflichen Grenzen nur ausnahmsweise erlaubte. Daher wird die berufliche Ausbildung nicht detailliert geschildert, sondern in den Epen nur eben tangiert.“ 2 Es handelt sich in dieser Bevölkerungsstruktur vornehmlich um Bauern, die wie selbstverständlich ihr Wissen zum Bestellen der Felder und anderer wichtiger Arbeitstechniken durch die Mithilfe in der Landwirtschaft von klein auf vom Vater erlernt haben.
Burkhard Meißner macht es deutlich: „Weil die innerfamiliäre Weitergabe elementarer beruflicher Fähigkeiten […] selbstverständlich ist, wird sie nur dann zum Gegens-tand der Betrachtung, wenn die Familie in ihrer Ausbildungsfunktion versagt oder ausnahmsweise keine Rolle spielt.“ 3 Dies lässt sich am Beispiel des Achill zeigen, der - über die „normalen“ Fähigkeiten hinaus - ebenso Krieger, heilkundig und musisch gebildet ist: „Mich sandte mit dir ja der graue reisige Peleus / Damals als er aus Phthia zum stolzen Atriden dich sandte, / Jung wie du warst, noch unerprobt im verheerenden Kriege, / Auch in des Rates Verhandlung, darin sich Männer hervortun. / Darum sandt’ er mich fort, um dich alles zu lehren, / Wohlberedt in Worten zu sein und rüstig in Taten.“ 4 So etwas wie eine Lehre ist hier zwar nur zu erahnen, darf aber sicherlich als solche angesehen werden. Ebenso in folgender Stelle bei Homer: „Aber nun schütz’ mich, indem du zum schwarzen Schiff mich geleitest; / Schneide den Pfeil aus dem Schenkel und spüle davon mit erwärmtem / Wasser das schwärzliche Blut, und streue mir heilende milde / Kräuter darauf, wie dich’s Achilleus, heißt es, gelehrt hat, / Der es von Chiron gelernt, dem rechtlichsten aller Kentauren.“ 5 Noch eine weitere Stelle bei Homer bezeugt eine Berufsausbildung, nämlich lässt Penelope Sklavinnen in der Textilverarbeitung schulen: „Fünfzig dienende Weiber hast du hier in dem Hause, / Wir haben selber sie angelernt im häuslichen Wesen, / Wolle gar fein zu krempeln und allen Dienst zu verrichten.“ 6
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Homer: Ilias, 9, 438-443.
5 Ebd., 11, 828-832.
6 Homer: Odyssee, 22, 421-423.
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Nach Alison Burford ist das „Weitergeben von Berufsgeheimnissen innerhalb einer Familie von Generation zu Generation […] immer der wichtigste Faktor im Entwicklungsgang eines Handwerks.“ 7 Dies lässt sich auch im alten Israel beobachten, was einige Stellen in der Bibel belegen. So lässt zum Beispiel Salomo aus Mangel an fachkundigen Baumeistern eben solche in sein Land bringen, die diese Fertigkeiten von ihren Vätern gelernt haben, um den Tempel zu bauen. 8 Auch die Anordnungen für Heiligtum und Kult im zweiten Buch Moses setzten Handwerker voraus, deren Fähigkeiten unmittelbar auf göttliche Inspiration zurückgeführt wird. 9 Ähnliche Beschreibungen, bei denen jedoch ebenfalls Ausbildungsvorgänge ausgespart werden, finden sich auch bei Hesiod. 10
Nicht ergiebiger ist Platon: „Ja ich glaube nicht einmal, wenn du nachfragtest, wer wohl die Söhne unserer Handwerker in der Kunst unterrichtete, die sie bereits von ihrem Vater, soweit er dazu imstande war, und von seinen kunstverwandten Freunden gelernt haben.“ 11
Eine Berufsausbildung hat es also offensichtlich gegeben. Die literarischen Quellen bezeugen dies, stellen sie wie selbstverständlich dar. Sie war jedoch weitestgehend innerfamiliär und die Organisation bleibt unklar.
III. Inschriftliche Quellen und Signaturen
Bei der Betrachtung der Quellengattung der Inschriften gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass sich auch hier keine neuen Befunde in Bezug auf die Organisation der Berufsausbildung gewinnen lassen. Zwar gibt es zahlreiche inschriftliche Belege, die Auszubildende in verschiedensten Berufen nennen und diese auch deutlich von den Lehrherren unterscheiden, aber konkrete Aussagen oder Bestimmungen zur Organisation fehlen vollkommen. 12
Alison Burford hat jedoch interessante Befunde erlangt, als sie Signaturen zum Beispiel von Bildhauern oder Töpfern untersucht hat: „Sehr häufig schließen Handwerkersignaturen auch ihre Vaternamen mit ein; und es gibt genug Söhne, von denen
7 Burford, Alison: Künstler und Handwerker in Griechenland und Rom, Mainz 1985 (Kulturgeschichte
der Antiken Welt, Band 24), S. 98.
8 Vgl. Das zweite Buch Samuel, 5,11, Das erste Buch der Könige, 5,15-7,51 und Das zweite Buch der
Chronik, 2,1-5,1.
9 Vgl. Exodus, 25,1-27,19; 28; 30; 31,1-11.
10 Vgl. Meißner, a.a.O., S. 156f.
11 Platon: Protagoras, 328a.
12 Vgl. Weeber, Karl-Wilhelm: Alltag im Alten Rom. Ein Lexikon, Düsseldorf/Zürich 1995, S. 49.
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wir durch literarische Hinweise mit Sicherheit wissen, daß sie dieselbe Laufbahn wie ihre Väter einschlugen, so daß wir ziemlich sicher sein dürfen, daß etwa der Bildhauer Kallonides aus Athen mit seiner Signatur ,Kallonides, Sohn des Deinios’ sagen wollte, daß auch sein Vater Bildhauer gewesen sei, und er mit der Angabe seines Vaternamens sich als gebührend ausgebildeter Handwerker - einer, der bei Deinios gelernt hatte - auswies.“ 13
Indem sie diese Beobachtung unter Berücksichtigung der Genealogien auf verschiedene Handwerksberufe ausweitet 14 , hebt sie die Bedeutung des Handwerks als Familientradition nochmals deutlich hervor. Aber leider lässt sich auch hierdurch erneut lediglich feststellen, dass es Berufsausbildung gab, meist innerfamiliär. Inhalte, Ablauf und Organisation bleiben weiterhin im Dunkeln.
IV. Außerfamiliäre Ausweitung der Berufsausbildung
Im Vorangegangenen habe ich die Bedeutung des Familienbetriebs für ein Handwerk - eine Bedeutung, die wohl bis heute nicht geringer geworden ist - und die damit verbundene Weitergabe von Berufsgeheimnissen von Generation zu Generation deutlich gemacht. Für die Berufsausbildung hat dies zur Folge, dass es sie zwar zweifelsohne gegeben hat, die genaue Organisation aber nicht durch Quellen in der archaischen Zeit belegt ist. Für das Anlernen des eigenen Nachwuchses erscheint dies zugegebenermaßen ja auch nicht als unbedingt nötig. Alison Burford beschreibt jedoch ein Problem, aus dem resultierend die Hoffnung besteht, neue Befunde zu erlangen: „Es ist mehr als wahrscheinlich, daß viele Handwerker in allen Handwerkszweigen kinderlos blieben und daß sie selbst einzige Söhne waren, so daß sie keine jungen Verwandten hatten, die sie als Helfer und eventuelle Nachfolger in ihre Werkstätten holen konnten.“ 15
Auch ist es nahe liegend, dass Handwerker Kinder hatten, die, was vor allem bei einem höheren Grad der Spezialisierung durchaus denkbar erscheint, eventuell untalentiert oder gar uninteressiert waren. Nach Burford hatten Handwerker verschiedene Möglichkeiten, diesen „Mangel an Talent oder Neigung innerhalb der eigenen Familie wettzumachen oder um überhaupt das Fehlen von Familienmitgliedern auszuglei-
13 Burford,a.a.O., S. 100.
14 Vgl. ebd., S. 100 ff.
15 Ebd., S. 104.
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Arbeit zitieren:
Peter Brendebach, 2005, Berufsausbildung in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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Sklavenarbeit im Römischen Reich - Arbeit, Nichtarbeit und Identität
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