Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Thesenformulierung 3
2. Forschungssituation 4
3. Der Weg zur Aufführung 4
4. Die Kunstdebatte zwischen Friedrich Wolf und Berthold Viertel 6
5. Die Entwürfe Conrad Felixmüllers zu „Das bist du“ 7
6. Uraufführung und Pressereaktionen 8
7. Die kritisierenden Stimmen 10
8. Beseitigung der naturalistischen Elemente? 11
9. Kurze Schlußbemerkungen 12
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1. Einleitung und Thesenformulierung
Das bist du - Tat twam asi. Diese buddhistische Glaubensformel hat der Autor Friedrich Wolf in seinem Drama „Das bist du” zum Thema gemacht. Aus dieser Religion kommt der Glaube, daß jeder Mensch schon einmal gelebt hat. Daß jeder mit jedem verwandt ist beziehungsweise einmal verwandt war. „Wir erleben nichts anderes als irgendwann einmal als Tat von uns selbst ausgegangen ist.” 1 Die Anhänger des buddhistischen Glaubens sehen daher in unbekannten Menschen keine Fremden, weil man sich aus einem früheren Leben kennt: „Das bist du noch einmal, gestalt-gewordene eigene Vergangenheit, gestalt-gewordene eigene Tat.” 2 Jeder ist also immer „früherer Folge Folge”. 3 Warum hat Friedrich Wolf diese buddhistische Lehre in seinem Drama verwendet? Gelangte solch ein Werk überhaupt zu einer Aufführung auf der Bühne? Und falls ja, was schrieben die Kritiker? Hinzu kommt, daß Friedrich Wolf sich in mehreren Artikeln gegen die naturalistische Bühnengestaltung ausgesprochen hat. 4 Wie hat er aber dann eine Aufführung von seinem Drama „Das bist du” realisiert? Mußten da nicht notgedrungen Kompromisse eingegangen werden? Oder fand Wolf Unterstützung bei ähnlich Denkenden?
In dieser Arbeit werde ich diese Fragen zu beantworten versuchen. Der Schwerpunkt wird dabei auf den Fragen der Realisierung des Bühnenbildes und den Pressestimmen liegen. Warum aber ist meine Wahl nun eigentlich ausgerechnet auf das Drama „Das bist du” gefallen? In der Sekundärliteratur wird diesem Drama oftmals nur ein kurzer Absatz, eine Erwähnung zugestanden. 5 Jedoch wichtig im literarischen Schaffen Friedrich Wolfs ist dieses Werk insofern, daß es das erste dramatische Werk des Autors ist. 6 Ebenso das erste Schauspiel 7 , zeigt also Wolfs Schritt zur Bühne. Die Möglichkeiten der Gestaltung eines Bühnenbildes wurden bei der Uraufführung stark erweitert, revolutioniert. Auf diesen Punkt werde ich später genauer eingehen. In der heutigen Zeit jedoch scheint das Drama keine große Rolle zu spielen, denn es war mir nicht möglich, heutige Aufführungen oder Aufführungsorte von „Das bist du” zu finden.
1 Internet: http://www.uni-marburg.de/dir/GRUPPEN/interku/ejgr_dialogerituale.html
2 Internet: http://www.uni-marburg.de/dir/GRUPPEN/interku/ejgr_dialogerituale.html
3 Wolf: Das bist du. S. 99.
4 vgl. zum Beispiel Friedrich Wolf: Die expressionistische Bühne. Eine Forderung.
5 vgl. zum Beispiel Schriftsteller der Gegenwart. S. 84.
6 vgl. Pollatschek: Friedrich Wolf. S. 48.
7 vgl. Schriftsteller der Gegenwart. S. 84.
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2. Forschungssituation
Was die Literaturrecherche betrifft, gibt es eine Vielzahl von Abhandlungen über den Expressionismus. Durch die umfangreiche Behandlung des Themas werden dem Leser auch viele unterschiedliche Sichtweisen dargestellt. Aber es wird wesentlich schwerer, wenn man Texte über die Bühnenpräsenz, die Bühnendarstellung und über Aufführungsbeispiele dieser Bewegung sucht. Wenn es sich dann auch noch speziell um solch ein heutzutage recht unbekanntes 8 Drama wie Friedrich Wolfs „Das bist du” handelt, erreicht man schnell die Grenzen einer Bibliothek. Rezensionen über Aufführungen dieses Stückes waren für mich gar nicht auffindbar, von der Tagespresse einmal abgesehen. Ebenso erging es mir mit Interpretationen. Und auch was den Autor Friedrich Wolf selbst betrifft, ist die Biographiesituation recht mäßig. Wolfs bekanntester und viel zitierter Biographieverfasser Walther Pollatschek ist sicherlich mit Vorsicht zu genießen, da seine Wertungen doch sehr sozialistisch beeinflußt sind. 9 Im Internet, dem modernen Informationsmedium, waren keinerlei Texte zum Drama „Das bist du” auffindbar.
3. Der Weg zur Aufführung
Als Friedrich Wolf sein Stück „Das bist du” dem Sächsischen Landestheater in Dresden anbot, lehnten die Zuständigen dort eine Aufführung ab. Als Begründung gab man an, daß dieses Drama unaufführbar wäre, weil es die Bühnentechnik vor unlösbare Anforderungen in der glaubhaften Darstellung stelle 10 . Außerdem wollte man aus diesem einen Drama zwei machen, indem Vor- und Nachspiel getrennt werden sollten von dem Mittelteil mit der eigentlichen Handlung.
Warum nun hat Friedrich Wolf sich gerade an Conrad Felixmüller gewandt, auf der Suche nach Unterstützung bei der Realisierung der Aufführung von „Das bist du”? „Er, der damals Zweiundzwanzigjährige, genoß bereits einen Ruf als einer der fähigsten jungen Maler.” 11 , so Friedrich Wolf damals über den jungen Künstler. Wolfs erstes Treffen mit Felixmüller wurde
8 Mir waren keinerlei Nennungen von heutigen Aufführungen oder -orten oder auch Interpretationen zu diesem Drama zugänglich.
9 Walther Pollatschek verfaßte die Biographie zu Friedrich Wolf zu DDR-Zeiten, 1963. Aufgrund der kommunistischen Einstellung Wolfs wurde dieser wohl durch Pollatschek nicht ausreichend kritisch und objektiv betrachtet.
10 vgl. Gleisberg: Conrad Felixmüller. S. 49.
11 Wolf/Struzyk: Auf wieviel Pferden ich geritten. S. 363.
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durch Berthold Viertel in die Wege geleitet, der damals schon als Regisseur für das Bühnenstück „Das bist du” feststand. 12
Aufgrund eines Artikels Conrad Felixmüllers in der Kunstzeitschrift „Der Zwinger” ging Wolf zu diesem und bat ihn um Vorschläge für ein Bühnenbild zu seinem Drama. Denn beide Künstler hatten jeweils in einem Aufsatz eine anaturalistische Bühne gefordert. 13 Wolfs Forderung „Was soll der schrillste Lärm auf einem naturalistischen Friedhof, da Kreuze und Grabsteine ebenso fühllos neugierig wie ihre menschlichen Komparsen diesem Rasen der Verzweiflung zuschauen? Der Raum selbst muß rasen!” 14 suchte die Lösung Felixmüllers: „Diese Probleme zu lösen, zu verwirklichen, ist einfacher als es scheinen mag. Ich habe das Technische des Bühnenraumes und -bildes kennengelernt und habe gesehen, wieviele Möglichkeiten der Bühnengestaltung auf unserem Wege bereits da sind - sie schlummern nur noch! Vieles ist in anderer Form schon getan; was heute gefordert wird, ist ein Ausbauen und Weitergehen, welches viel Unnötiges, Unwesentliches und Unsachliches abstreift - als erstes aber den naturalistischen Zufall.” 15
Also traf sich Wolf mit Felixmüller und las ihm sein Stück selbst vor: „Er las begeistert, gab dazu das Szenarium an ... In Gesten, in Worten, emphatisch, mal stehend, mal laufend, mal sitzend.” 16 Sofort beim ersten Hören gestaltete Felixmüller ein paar Skizzen für ein Bühnenbild, die der Dichter der Leitung des Schauspielhauses später vorlegte. Aufgrund dieser Entwürfe entschlossen sich die Verantwortlichen des Staatsschauspiels Dresden dann nun doch noch zu der Übernahme von Wolfs „Das bist du” in ihr Programm. Dieter Gleisberg äußert in seiner Biographie über Conrad Felixmüller, daß die Intendanten des Schauspielhauses Wolfs Stück in ihr Programm aufgenommen hätten, weil sich durch die Bühnenentwürfe Felixmüllers die vorher gedachte Unaufführbarkeit nun als falsch erwiesen habe 17 . Meiner Meinung nach ist aber auch anzunehmen, daß Prestigegründe von seiten des Theaters nicht völlig auszuschließen sind, als man sich entschloß, dieses expressionistische Stück in den Spielplan aufzunehmen. Schließlich war das Dresdner Schauspielhaus ein großes Theater und der Expressionismus erfreute sich großer Beliebtheit unter dem Bildungsbürgertum. 18 Also unter Leuten, die häufig ins Theater gehen. Somit konnte sich das Schauspielhaus ein gewisses Besucherpotential ausrechnen. Auch Friedrich Kummer vom
12 vlg. ebd.
13 Ebd. S. 371-379.
14 Wolf: Die expressionistische Bühne. S 227.
15 Felixmüller: Von der neuen Bühne. S. 327.
16 Pollatschek: Friedrich Wolf. S. 52.
17 vgl. Gleisberg: Conrad Felixmüller. S. 49.
18 vgl. Inhalt des Seminars NDL III: Expressionismus in Dresden, geleitet von Dr. Frank Almai.
Arbeit zitieren:
Jenny Ebert, 2001, Friedrich Wolf: Das bist du - Hintergründe, Uraufführung, Reaktionen, München, GRIN Verlag GmbH
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