1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit handelt von Antonio Callado’s Bildungsroman „Quarup“. Zu Beginn wird der Lebenslauf des Autors kurz geschildert, so dass einem der Zusammenhang zwischen seinem Leben und dem Buch später deutlicher wird. Im 3. Kapitel folgt die ausführliche Zusammenfassung des Romans. Sie ist notwendig, um die darauffolgenden Kapitel mit den geschichtlichen und geographischen Hintergründen besser mit der Geschichte des Romans in Verbindung bringen zu können. Bei den geschichtlichen Hintergründen handelt es sich um die Jesuiten-Reduktionen, das Quarup-Fest der Indianer am Xingú und die politische Situation Brasiliens zwischen den Jahren 1930-1968. Den geographischen Hintergrund bildet der Rio Xingú, an dem sich ein Großteil der Geschichte des Romans abspielt. Alle vier Aspekte werden nach ihrer Erläuterung einzeln mit dem Roman in Verbindung gebracht, und es wird analysiert, warum der Autor diese in seinen Roman hat einfließen lassen.
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2. Lebenslauf des Antonio Callado (1917-1997)
Antonio Callado ist am 26. Januar 1917 in Niterói, Rio de Janeiro, geboren. 1936 beginnt er sein Jura-Studium. Im folgenden Jahr arbeitet er als Reporter für die Zeitung Correio da Manhã . 1 Er beginnt damit seine journalistische Laufbahn und unternimmt im Auftrag der Zeitung viele Reisen. Einige seiner Reiseerlebnisse verarbeitet er in seinen späteren Werken. 1939 schließt er sein Jura-Studium erfolgreich ab.
Während des 2. Weltkriegs, im Jahr 1941, schließt er mit BBC in London einen Vertrag als Reporter ab. Er arbeitet dort bis Mai 1947. 1943 heiratet er die Engländerin Jean M. Watson. Sie bekommen 3 Kinder, lassen sich aber schließlich scheiden. 1977 heiratet er die Journalistin Ana Arruda Callado. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien arbeitet er erneut für den Correio da Manhã und den O Globo 2 . Von 1954-1960 ist er der Chefredakteur des Correio da Manhã. Er wechselt zum Jornal do Brasil und geht dort wieder der Tätigkeit eines Reporters nach. 1974 geht er als Visiting Scholar 3 an das Corpus Christi College, Universität von Cambridge, in England. 1975 beendet er vorläufig seine journalistische Karriere, arbeitet aber weiterhin mit der Presse zusammen.1981 unterrichtet er als Visting Professor 4 an der Columbia Universität in New York. 1992 arbeitet er als Kolumnist für die Folha de S. Paulo 5 .
Neben dem Journalismus beschäftigt er sich viel mit der Literatur. In der Bibliothek seines Vaters liest er vor allem Bücher europäischer Autoren, die seine eigenen Werke später beeinflussen. Er verarbeitet seine Aufenthalte in Europa und seine Reisen nach Bogotà, Washington, Havanna und an den Rio Xingú, sowie die wichtigsten Ereignisse seiner Zeit in seinen Romanen. Sein erstes Buch veröffentlicht er 1953. Seine bekanntesten Werke sind Quarup (1967), Bar Don Juan (1971), Reflexos do baile (1976), Sempreviva (1981). Sie alle spiegeln die Zeit der brasilianischen Militärdiktatur aus der Perspektive seiner Gegner wieder.
1 o.A. (2007): Antonio Callado.
Online:http://www.biblio.com.br/conteudo/biografias/antoniocallado.htm. [Stand: 26.07.2007]
2 Vgl.: www.biblio.com
3 Vgl.: www.biblio.com
4 Vgl.: www.biblio.com
5 o.A. (2007): Antonio Callado (1917-1997).
Online:http://educaterra.terra.com.br/literatura/litcont/2005/01/14/000.htm [Stand: 26.07.2007]
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Antonio Callado muss aufgrund seiner politischen Einstellung zweimal ins Gefängnis: 1964 nach dem Militärputsch und 1968 nach der Erweiterung der Sondervollmachten des Präsidenten durch den 5. Institutionellen Akt. 1982 gewinnt er den Goethe-Preis des Goethe Instituts in Rio de Janeiro für sein Buch Sempreviva. 1985 erhält er den Preis Brasília de Literatura 6 . In den Jahren 1985, 1986, 1989 folgen weitere Preise.
6 o.A. (2007): Antonio Callado (1917-1997).
Online:http://educaterra.terra.com.br/literatura/litcont/2005/01/14/000.htm [Stand: 26.07.2007]
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3. Das Buch Quarup
3.1. Das Beinhaus
Nando entdeckt im Beinhaus des Klosters, in dem er Franziskanermönch ist, Levindo, einen jungen Revolutionär, der zusammen mit Landarbeitern gegen die Besitzer der Zuckermühlen kämpft 7 .Er wurde bei den Kämpfen verletzt und versteckt sich dort. Levindo´s Verlobte Francisca besucht oft das Kloster. Nando mag sie sehr, er scheint sogar in sie verliebt zu sein. Er ist mit dem englischen Ehepaar Winifred und Leslie befreundet. Leslie ist Journalist und schreibt ein Buch über den Nordosten von Brasilien. 8
Nando soll auf Bitten von Superior Dom Anselmo an den Rio Xingú fahren und dort die Mission antreten, die Indianer durch Christus mit der Zivilisation in Berührung zu bringen, so wie es im 16.-18. Jahrhundert die Jesuiten mit den Guarani-Indianern gemacht haben. 9 Nando aber schiebt diese Aufgabe vor sich her, weil er den Anblick der halbnackten Indianerinnen fürchtet. Er hat die Wahl zwischen Keuschheit, wie er sie gelobt hat, oder Mission unter den Indianern. 10 Derweilen versucht er, sich anders nützlich zu machen, und hilft zusammen mit seinen Freunden auf den Zuckermühlen. Die Situationen dort sind verheerend. Vor allem Levindo und Januário, ebenfalls ein Revolutionär, versuchen, den armen Landarbeitern zu ihrem Recht zu verhelfen. Sie bewegen die Landarbeiter dazu, in die Landarbeiterligen einzutreten, um sich besser gegen die Zuckermühlenbesitzer wehren zu können, die ihnen keinen anständigen Lohn zahlen wollen. 11
Nando wird krank. Er wird in das Haus der Engländer gebracht und dort gepflegt. Als es ihm wieder besser geht, hat er zum ersten mal in seinem Leben Geschlechtsverkehr mit Winifred, die ihn verführt. 12 Durch dieses Erlebnis überwindet Nando seine Angst vor den Indianern und berichtet Dom Anselmo, dass er an den Rio Xingú fahren wird.
7 Callado, Antonio (1991): Quarup. Köln: Kiepenheuer & Witsch, S.14
8 Vgl.: S.22
9 Vgl.: S.24ff
10 Vgl.: S.97
11 Vgl.: S.55
12 Vgl.: S.106
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3.2. Der Äther
Nando ist nach Rio de Janeiro gefahren, um dort seine Reise an den Rio Xingú vorzubereiten. Er trifft mit dem Direktor Ramiro Castanho des SPI (Amt zum Schutz der Indianer) zusammen, der ihm die Genehmigung für seine Mission erteilen muss. 13 Durch Ramiro lernt er weitere Personen kennen, wie Ramiro`s Nichte Vanda, die auch seine Sekretärin ist, den Journalisten Falua, der bei der Zeitung Folha da Guanabara 14 arbeitet, die Russin Sonia, in die alle Männer verliebt sind, den Ex-Kommunisten Otávio, Lídia und Fontoura. Fontoura ist der SPI Mann beim Posten Capitão Vasconcelos am Rio Xingú, dem Posten, an dem Nando seine Mission gründen möchte. Fontoura ist gegen Nando’s Mission, weil er glaubt, dass dieser die Indianer zu Messdienern 15 machen und sie nicht als Indianer erhalten will. Ramiro hingegen denkt bei dieser Mission an die nächsten Wahlen, denn gute Arbeit seitens des Landwirtschaftsministeriums bringt Wählerstimmen. Daher sagt er Nando seine und Minister Gouveia’s Unterstützung zu. Ramiro lädt Nando zu einem Abendessen ein, zusammen mit dem Minister, Fontoura und allen anderen Freunden. Sie sprechen über die Situation der Indianer am Xingú. Fontoura ist der Meinung, dass ein Indianer-Reservat gebaut werden muss, um die Indianer vor illegalen Siedlern schützen zu können, die sie immer mehr aus ihren Gebieten verdrängen. 16 Der Minister sagt, dass der Präsident Getúlio Vargas ihm versprochen hat, demnächst das Dekret zur Schaffung des Reservats zu unterzeichnen. Sie haben die Idee, dass der Präsident im August zum Quarup des Uialapiti-Stammes, der direkt am Posten Capitão Vasconcelos liegt, kommen könnte, um dann vor Ort das Dekret für das Reservat zu unterzeichen. Damit könnte er seine Chancen für die Wahlen verbessern. 17
Ramiro, der nebenbei Besitzer einer Apotheke ist, holt eine Flasche Äther hervor, und sie alle, inklusive Nando, schnüffeln daran und erleben einen Rausch. 18 Nach dem Essen zeigen Vanda und Ramiro Nando die Apotheke. Es kommt zu einer zweiten Äther-Orgie und Nando trinkt sogar Whiskey. Er schläft zum zweiten Mal in
13 Callado, Antonio (1991): S.122
14 Vgl.: S.119
15 Vgl.: S.123
16 Vgl.: S.131
17 Vgl.: S.134
18 Vgl.: S.143
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seinem Leben mit einer Frau, Vanda. 19 Er geht mit ihr eine Art Beziehung ein, um unter anderem seine Technik beim Sex zu verbessern. Nando reist zum Xingú.
3.3. Der Apfel
Nando kommt am Posten Capitão Vasconcelos an. Es taucht nur ein Indianerpaar auf, und dieses spielt Nando die Apfelszene von Adam und Eva vor. Es ist ein Streich, den sich Fontoura zur Begrüßung ausgedacht hat. 20 Der ganze Stamm kommt auf Nando zugerannt, und er fragt sich, warum er sich vor diesen armseligen Frauen gefürchtet hat. Nando und Fontoura unterhalten sich über die Situation der Indianer. Fontoura möchte ihnen mit einem Reservat eine Möglichkeit zum überleben schaffen, da die Indianer vom Aussterben bedroht sind. 21 Sie sollen nicht in die Bevölkerung des Landesinneren integriert werden. Nando möchte hingegen die Indianer dazu bringen, dass sie mit Fischfang, Jagd, Ackerbau etc. ihren Unterhalt bestreiten und sich gleichzeitig als Indianer weiterentwickeln können. Doch Fontoura ist dagegen. Er möchte am liebsten um seinen erträumten Nationalpark einen Graben bauen lassen und ihn mit einem elektrischen Zaun gegen Brasilien 22 schützen. Die Indianer sollen genauso wild und unzivilisiert bleiben, wie sie jetzt sind. Lídia kommt zum Xingú und berichtet, dass Präsident Vargas zum Quarup kommen wird. Nando geht mit Lídia spazieren. Sie verführt ihn an einer abgelegenen Stelle, und sie schlafen miteinander. Er möchte von ihr wissen, wie er seine Technik verbessern kann, weil er perfekt sein will. 23
Ronaldo Vilar, ein bekannter Schützer der Indianer, kommt an. Sie sitzen zusammen am Posten und unterhalten sich über die schlechte politische Lage. Der Präsident muss anständige Regierungsarbeit leisten, um aus der Misere wieder herauszukommen. Das Gespräch kommt auf den Quarup. Fontoura möchte, dass alle beim Fischen helfen. Früher, als die Indianer noch fruchtbares Land hatten, konnten sie den Quarup leicht ausrichten, aber heute brauchen sie Hilfe von Zivilisierten, weil diese sie Jahrhunderte lang ausgebeutet haben. 24
19 Callado, Antonio (1991): S.174
20 Vgl.: S.187
21 Vgl.: S.193
22 Vgl.: S.194
23 Vgl.:,S.216ff
24 Vgl.: S.225
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Ramiro und seine Nichte Vanda kommen zum Capitão Vasconcelos. Ramiro hasst den Urwald, er empfindet die medizinische Versorgung für die Indianer als ungenügend. Er ist der Meinung, dass sie unbedingt zivilisiert werden müssen, und dass sie sich den Zivilisierten unterwerfen müssen, weil diese ihnen helfen. 25 Minister Gouveia kommt zum Xingú. Er hat schlechte Nachrichten. In Rio de Janeiro ist auf Carlos Lacerda, einen Journalist, geschossen worden, und man versucht nun zu beweisen, dass der Präsident darin verwickelt ist. Fontoura hat Bedenken, dass Präsident Vargas nicht mehr kommt. Der Minister aber meint, dass er kommen muss um zu zeigen, dass eine kleine Schießerei auf einen Journalisten das Vorhaben der Regierung nicht verhindern kann. 26 Der Minister fordert alle auf, sich mit Leib und Seele für den Präsidenten einzusetzen. Wenn er zum Xingú kommt, soll er als Vater der Indianer 27 wieder abreisen. Ramiro beschließt, dass das Reservat Präsident-Vargas Reservat 28 genannt werden soll. In der Zwischenzeit sind schon einige Indianerstämme angereist, um an der Totenfeier des großen Uialapiti-Häuptlings Uranaco teilzunehmen. 29 Die Indianer bereiten den Quarup vor, während die Zivilisierten ihnen auf Fontoura´s Anordnung hin nur diskret helfen, um nicht in die kultbedingten Abläufe des Totenfestes einzugreifen. Der Posten bekommt Nachricht über Funkgerät, dass sich die politische Situation in Rio de Janeiro geändert hat. Präsident Gétulio Vargas will zurücktreten und nicht mehr zum Quarup kommen. Alle sind in heller Aufregung. Das Quarup-Fest beginnt, und während die Indianer mit ihrem Tauschmarkt zwischen den Stämmen beginnen, warten die Weißen auf Nachrichten aus Rio. Das Fest ist in vollem Gange, aber kein Weißer guckt zu. Sie alle sind sehr aufgeregt wegen den politischen Unruhen. Die Indianer tanzen bis in die Nacht hinein. Im Morgengrauen berichtet Falua die Neuigkeit, dass Präsident Vargas zurückgetreten ist. Die Regierung ist gestürzt. 30 Der Quarup geht weiter, die Indianer tragen rituelle Stammeskämpfe aus, und die von den Indianern bemalten Quarup-Stämme werden traditionell ins Wasser gestoßen. Fontoura berichtet schreiend, dass der Präsident Selbstmord begangen hat. 31
25 Callado, Antonio (1991): S.236
26 Vgl.: S.243
27 Vgl.: S.245
28 Vgl.: S.247
29 Vgl.: S.259
30 Vgl.: S.309
31 Vgl.: S.314
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3.4. Die Orchidee
Es ist viel Zeit vergangen. Nando ist kein Priester mehr. Er geht ins Freudenhaus, in der Hoffnung, da er kein Priester mehr ist, sich als Mann in der Gewalt zu haben. 32 Nando hat Francisca, die in Europa ist, einen Brief geschrieben, in dem er ihr seine Liebe gesteht. Francisca’s Verlobter Levindo ist bei einem Kampf an einer Zuckermühle erschossen worden. 33
Nando bekommt durch Ramiro eine Anstellung beim SPI und reist zurück an den Xingú, um zusammen mit Fontoura Indianerstämme zu befrieden. Jahre vergehen. Nando befriedet unter anderem die Stämme Gorotire und Txikão. Eines Tages kommt ein Flugzeug mit Mitgliedern einer Expedition zum geographischen Zentrum Brasiliens 34 zum Posten. Mit dabei sind Ramiro, Francisca, Fontoura´s Nachfolger Vilaverde, der Pilot Olavo und der Ethnologe Lauro. Nando, der auch mit auf die Expedition gehen wird, ist überwältigt von Francisca. Die Expedition soll 3 Monate dauern, zum geographischen Zentrum Brasiliens führen und nebenbei Indianerstämme befrieden.
Die Gruppe mit Fontoura und Nando beginnt ihre Expedition. Schon nach ein paar Tagen treffen sie auf Suiá-Indianer. Vilaverde und Nando schaffen es, durch einen Überraschungseffekt und durch Geschenke den Stamm zu befrieden. 35 Sie setzen ihre Expedition fort, und ein paar Tage später entdeckt Fontoura Spuren der Txukarramãe Indianer. Sie werden von Indianern mit Pfeilen beschossen, können sie aber nicht finden. Sie reisen weiter bis zum Posten Diauarum ohne auf weitere Spuren der Txukarramãe zu treffen. Am nächsten Morgen beschließen sie, etwas von der Richtung zum geographischen Zentrum abzuweichen, um die Txukarramãe zu suchen und zu befrieden. Auf ihrem Weg machen sie am Rio Jarina und den Von-Martius-Wasserfällen Rast.
Nando paddelt alleine zu der Stelle, an der der Rio Jarina in den Xingú mündet. Er entdeckt dort einen Orchideen gesäumten Wasserarm 36 . Er bringt Francisca zu diesem wunderbaren Ort und schläft zum ersten Mal mit ihr. Er hat das Gefühl, durch sie vollkommen zu sein. Er glaubt, dass alles, was er vorher erlebt hat, eine
32 Callado, Antonio (1991): S.321
33 Vgl.: S.327
34 Vgl.: S.324
35 Vgl.: S.363
36 Vgl.: S.386
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Übersetzerin Andrea Koschützke, 2008, Geschichtliche und geographische Hintergründe zu Quarup von Antonio Callado (1967), München, GRIN Verlag GmbH
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