Inhaltsverzeichnis
1. Aufbau und Vorgehen der Arbeit 1
2. Der Text und sein Exeget 1
3. Synchrone Analyse 2
3.1. Textkritik 2
3.1.1. Äußere Bezeugung 2
3.1.2. Innere Bezeugung 2
3.1.3. Fazit 3
3.2. Abgrenzung des Textes 3
3.3. Rohübersetzung 4
3.4. Sprachlich- Syntaktische Analyse 4
3.5. Semantische Analyse 6
3.6. Pragmatische Analyse 8
3.7. Gliederung 10
3.8. Text in seinem Kontext 10
3.9. Exkurs: Die Hohepriestertheologie im Hebräerbrief 11
4. Diachrone Analyse 12
4.1. Formgeschichte 12
4.2. Traditionsgeschichte und Redaktionsgeschichte 14
4.3. Quellenkritik 14
5. Der Text in seiner Umwelt 16
5.1. Entstehungssituation des Textes 16
5.2. Semantische Umwelt und Religionsgeschichte 17
5.3. Soziale Umwelt 22
6. Synthese der exegetischen Beobachtungen 23
6.1. Versexegese 23
6.2. Ziel des Textes 25
6.3. Endgültige Übersetzung 25
7. Wirkung des Textes 26
7.1. Rezeptionsgeschichte 26
7.2. Homiletische Überlegungen 27
8. Kritische Würdigung und Ausblick 27
9. Anhang 29
9.1. Auszüge Apostolische Väter 29
9.2. Apokryphen 30
10. Literaturverzeichnis 31
I
1. Aufbau und Vorgehen der Arbeit
Die exegesierte Perikope ist sehr kurz, aber enthält mit dem Hohepriester einen Terminus, zu dem der Hebräerbrief eine eigene Theologie entfaltet. Aus diesem Grund wurde ein „Exkurs“ über den Hohepriester im Hebräerbrief eingefügt. Desweiteren bedingt die Kürze und Brückenfunktion der Perikope, dass in einzelnen Arbeitsschritten primär der Makrokontext der Perikope betrachtet werden musste. So geschehen insbesondere bei der Traditions-,Form-, Redaktions- und Rezeptionsgeschichte.
Der Arbeitsschritt der Literarkritik entfiel, da die Integrität des Verfassers für diese Perikope unbestritten ist. 1
Die Arbeitsschritte der semantischen Umwelt- und Religionsgeschichte werden zusammen bearbeitet, da die Semantik und Religionsgeschichte nur schwer zu trennen sind.
Die Arbeitsschritte semantische Umwelt und soziale Umwelt wurden getauscht, da die semantische Klärung des Hohepriesters wesentlich zur Erarbeitung der sozialen Umwelt beiträgt.
2. Der Text und sein Exeget
Mir war die Verbindung Priester und Christus nur im Kontext des allgemeinen Priestertums geläufig (1.Petr 2,4ff.). Wie sich der Hohepriester Jesus dazu positioniert, vermag ich nicht zu sagen. Das Himmeldurchschreiten erinnert mich an Himmelfahrt, fraglich ist, warum für Himmel der Plural verwendet wird. Mit Bekenntnis assoziiere ich das apostolische Glaubensbekenntnis. Die Bezeichnung des Gnadenthrons oder Gottesthrons ist mir hauptsächlich aus christlichem Liedgut bekannt (Mercy Seat, Herr im Glanz deiner Majestät) aber auch aus der Offenbarung des Johannes als Ort des Gerichtes.
1 Vgl.: Schnelle, Einleitung 412f..
1
3. Synchrone Analyse
3.1. Textkritik
Es gibt nur eine bezeugte Textvariante: In Vers 16 das Verb eu[ rwmen ausgelassen
3.1.1. Äußere Bezeugung
Die Auslassung von e; rwmen Bezeugt in Majuskel B03 Città del Vaticano, Bibl. Vat.
gr. 1209, ständiger Zeuge erster Ordnung, IV. Jh., Kategorie I. 2
Die Majuskel B ist ein ständiger Zeuge und qualitativ eine gewichtige Quelle. Da sie jedoch die einzige überlieferte Textvariante ist, fällt sie unter Berücksichtigung des quantitativen Kriteriums weniger stark ins Gewicht. 3
3.1.2. Innere Bezeugung
Im Folgenden werden nur die relevanten Kriterien zur inneren Bezeugung dargelegt.
a) Lectio difficior prohabilior
Das Hinzufügen eines weiteren Vollverbs könnte eine vereinfachte Lesart sein. Dies
spräche somit für ein Auslassen von eu[ rwmen.
b) Lectio brevior potior
Wird eu[ rwmen in diesem Kontext mit „erlangen“ und nicht mit „finden“ übersetzt,
läge eine Doppelung mit la, bwmwen vor, das dem Sinn nach ebenfalls
2 Vgl.: Nestle/ Aland, Graece 568.
3 a.a.O.: 16*, 690.
2
erhalten/erlangen bedeuten kann. Dies spräche für das Auslassen von eu[ rwmen als
verkürzte Lesart.
Ein versehentliches Vergessen des Wortes ist möglich, da die
aufeinanderfolgenden Worte eu[ rwmen und eiv j eu; karion mit denselben
Buchstaben beginnen. Allerdings ist die Intonation der beiden Wörter sehr unterschiedlich.
c) Kontextstimmigkeit
Auf der einen Seite könnte Gnade als Gabe angesehen werden, somit wäre
eu[ rwmen im Kontext unstimmiger als sein Auslassen. Auf der anderen Seite könnte
das Hinzutreten zum Thron der Gnade eu[ rwmen begründen, da hier der Ort der
Gnade ist, bei dem Gnade zu finden ist.
3.1.3. Fazit
Die äußere Bezeugung legt nahe, eu[ rwmen beizubehalten. Bei der inneren
Bezeugung liegt eher ein Auslassen des Wortes nahe. Im Folgenden wird der äußeren Bezeugung aufgrund ihrer Eindeutigkeit mehr Gewicht beigemessen und
die Bezeugung mit eu[ rwmen als die Ursprünglichste angesehen.
3.2. Abgrenzung des Textes
In Kapitel 4 wird die Sabbatruhe thematisiert, das Thema endet mit einer Mahnung :
Zw/ n ga. r o` lo, goj tou/ qeou/ @)))# u` pe. r pa/ san ma, cairan di, stomon @)))#) Es ist
ein thematischer Bruch von Sabbatruhe zum Hohepriester zu erkennen. Auch das
ma, cairan di, stomon in Vers 15 und qro, nw| th/ j ca, ritoj in Vers 16 sind
gegensätzlich, so dass ein Anfang einer neuen Perikope in Vers 14 angenommen werden kann.
3
Ein weiteres Indiz ist die Makrostruktur des Hebräer Briefes. Sie ist an die antike oratio angelehnt. Der erste Hauptteil der narratio erstreckt sich von 1,1 bis 4, 13. In
2, 5-18 wird der Gedanke der Erniedrigung des Sohnes als Grundlage für Heil entfaltet. In diesem Kontext wird der Titel des Hohepriesters erstmals benutzt. Der
1. Hauptteil schließt mit einer Mahnung an den Leser ab (3,1 - 4,13). In Kapitel 5
wird dann im 2. Hauptteil der Terminus des Hohepriesters weiter entfaltet. Die Verse 4,14-16 bilden die Überleitung zwischen 1. und 2. Hauptteil und verbinden den Gedanken von Hauptteil 1 mit der "Hohepriester Christologie". 4
3.3. Rohübersetzung
14 Habend einen großen Hohepriester, der durchschritten ist die Himmel, Jesus der Sohn Gottes, wir wollen festhalten das Bekenntnis,
15 Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht vermögend ist Mitgefühl zu
empfinden in unserer (körperlichen) Schwäche. aber der versucht worden ist gemäß allem, gemäß Gleichheit, außer der Sünde.
16 Demnach wollen wir hinzutreten mit Offenheit (im Reden) zum Thron der
Gnade, damit wir empfangen Erbarmen und Gnade erlangen hin zur rechtzeitigen Hilfe.
3.4. Sprachlich- Syntaktische Analyse
Der Text wird von Nomina dominiert (21 zu 10 Verben und Partizipien) was ihn als argumentativen Text ausweist. Die häufige Verwendung von verbindenden und folgernden Konjunktionen (6 Stück) weist auf eine hohe Textdichte hin. Zwei Konjunktionen sind negierend.
Besonders auffällig sind die Worte dielhluqo, ta, e; leoj und boh, qeian, die jeweils
nur einmal im Hebräerbrief vorkommen. Av rciere, a und a` marti, aj sind mit 14- bzw
4 Vgl.: Bull, Bibelkunde 107ff..
4
21-maliger Erwähnung Leitbegriffe des Hebräerbriefes. Ouv ranou, j entwickelt sich
zu einem Leitwort im zweiten Hauptteil (8 malige Erwähnung) und wird in 4, 14 eingeführt.
Für die grammatikalische und syntaktische Analyse ist eine Zweiteilung des Textes in die Verse 14 und 15 und den Vers 16 auszumachen, da in Vers 14 und 15 Partizipien und das Präsens dominieren, während in Vers 16 der Aorist und der Konjunktiv dominieren.
Vers 14 und 15:
Die Verse 14 und 15 enthalten 4 Partizipien, 3 Vollverben und einen Infinitiv. Die 3
Partizipien dielhluqo, ta, duna, menon und pepeirasme, non stehen jeweils im
Akkusativ und bestimmen als participium conjunctum av rciere, a näher.
Die Partizipen dielhluqo, ta und pepeirasme, non sind im Tempus Perfekt. Sie
beschreiben jeweils einen Zustand der Vergangenheit im Sinne eines historischen
Präsens. Dem gegenüber stehen e; contej und duna, menon im Präsens als eine
Beschreibung des Gegenwärtigen mit durativem Charakter. Der Infinitiv
sumpaqh/ sai steht im Aorist, aber passt sich dem Zeitaspekt von duna, menon an.
Dem Hohepriester, der die Himmel durchschritt und der versucht worden ist, wird der Hohepriester, der jetzt, ständig präsent ist und ständig Mitgefühl zeigt, entgegengestellt.
Das Vollverb e; comen steht in der 1.Pers.Sing.Präs.Ind.Akt. und kratw/ men in
1.Pers.Sing.Präs.Konj.Akt. Der Konjunktiv ist ein voluntativer, adhortativer Konjunktiv. 5
Vers 16:
Prosercw, meqa steht im Präsens Aktiv, die Verben la, bwmen und eu[ rwmen im
Aorist. Das Präsens drückt wieder einen durativen Charakter aus, der Aorist kann ingressiv oder effektiv verstanden werden.
5 Vgl.: Hoffmann/Siebenthal, Grammatik 353f.
5
Arbeit zitieren:
Sebastian Gräbe, 2008, Exegese Hebräer 4,14-16, München, GRIN Verlag GmbH
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