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Deutsche Monokultur

Die Vorstellung von sprachlicher Einheit im soziokulturellen, politischen und historischen Kontext

Titel: Deutsche Monokultur

Hausarbeit , 2007 , 20 Seiten , Note: A

Autor:in: Anna Milena Jurca (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die deutsche Kulturpflanze wird seit mehreren Jahrhunderten unter dem Stern ihrer Sprache sorgsamer Pflege unterzogen, wobei ihre „Auswüchse“ zielstrebig klein- und breitgetreten werden, um dem Ganzen ein gesundes Wachsen und Gedeihen zu ermöglichen. Auf der Suche nach den Voraussetzungen für die entstehende Nachfrage nach bestimmten sprachlichen Normen stellt diese Arbeit dar und analysiert, welche Bedingungen zur Etablierung von Standards beigetragen haben. Die These lautet, dass Sprache eines der Felder ist, auf dem kulturelle Konflikten ausgetragen werden und dass sprachliches Handeln bestimmte Interessenverhältnisse widerspiegelt. Eine der Hauptstrategien hierbei ist die Konstruktion idealerweise organisierter, geschlossener und homogener Einheiten, deren Einfluss nach außen (soft power) besonders auf unorganisierte Strukturen wirkt und nach innen Identifikationsmöglichkeiten anbietet.
Kapitel 1 zeichnet die Schritte in der Entwicklung eines „Standarddeutsch“ nach, die von unterschiedlichen Bevölkerungsteilen zur Durchsetzung politischer, wirtschaftlicher und soziokultureller Absichten vorangetrieben wurde. In einem historischen Überblick über die wesentlichen Stufen der Standardisierung der deutschen Sprache wird der Schwerpunkt auf die Mittel der Standardisierungsbemühungen, die sprachkulturellen Auswirkungen und die
dahinterstehenden politischen und ökonomischen Mächte gelegt.
In Kapitel 2 wird in die Vorstellung von sprachlicher Einheit der Kontext der Nati-
onswerdung Deutschland und das Bild einer „Kulturnation“ miteinbezogen, in denen jeweils mit ähnlichen Strategien kultureller Hegemonie und Bildung von Einheiten Macht zu fokussieren und Legitimation zu begründen versucht wurde.
Die Konstruktion eines kulturellen Standards verläuft prinzipiell kaum ohne Gegenbewegungen oppositioneller Interessen, Ablehnung von Standards und unbewusste oder schlicht unintendierte Verstöße gegen die geschaffene Norm, weswegen in Kapitel 3 auf die „Normvergehen“ und Verstöße gegen den Standard eingegangen wird, besonders unter Hinblick auf die Sanktionsmechanismen und Kritik an dem „schlechten“ Sprachgebrauch (Sprachverfallsthese).
Im letzten Kapitel wird ein Über- und Ausblick auf alternative Vorschläge und Konzepte gegeben, die die versimplifizierenden Idee von „Standarddeutsch“ sowohl unter geographischen, politischen, historischen und linguistischen Gesichtspunkten einer kritischen Prüfung unterziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kleine Geschichte der Standardisierung des Deutschen

III. Vorstellungen von Einheit in Sprache, Kultur und Nation

IV. Normverstöße und ihre Sanktionen

V. Deutsch als plurizentrische Sprache und die Globalisierung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die soziokulturellen, politischen und historischen Hintergründe der Konstruktion eines standardisierten Deutschen. Ziel ist es, die Bedingungsfaktoren für die Etablierung sprachlicher Normen aufzuzeigen und dabei die These zu prüfen, dass Sprache als Feld fungiert, auf dem kulturelle Konflikte ausgetragen werden und Machtverhältnisse sowie Identitätskonstruktionen gespiegelt werden.

  • Historische Etappen der Standardisierung der deutschen Sprache
  • Die ideologische Verknüpfung von Sprache, Nation und Kultur
  • Kritik an Sprachverfallsthesen und die Sanktionierung von Normverstößen
  • Herausforderungen an den Standardbegriff im Zeitalter der Globalisierung
  • Alternative Konzepte: Deutsch als plurizentrische Sprache

Auszug aus dem Buch

II. Kleine Geschichte der Standardisierung des Deutschen

Der Bedarf eines sprachlichen Mindeststandards offenbarte sich erstmals, als Handelskaufleute der Hanse ab dem 14. Jahrhundert auf die Versorgung mit verlässlichen Nachrichten über Handelsangelegenheiten angewiesen waren, um sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Frühneuniederdeutsch, die erste Standardversion deutsche Sprache im norddeutschen Raum, war daher entschieden von dem Sprachgebrauch der ungefähr 70 bis 80 Hansestädte geprägt und schlug sich beispielsweise in Handelsdokumenten, Kanzleibriefen und Gesetzestexten nieder (Young/Gloning, 2004, S. 175-176). Die Verständlichkeit von Kaufmannsbriefen und Handelsnachrichten über die Region ihres Ursprung hinaus wurde durch die Übereinkunft über die Grundlagen des Kommunikationswerkzeuges gewährleichstet – eine zunehmend standardisierte Ausdrucksform wurde notwendig, und zwar sowohl was Sprache als auch die Genre betreffend, in denen sie sich artikulierte. Eines dieser Genres, die aus den zunehmend regelmäßigen Handelskorrespondenzen der Hanse entstanden, war die Zeitung, die ab 1609 mit zunächst wöchentlicher Regelmäßigkeit in Erscheinung trat. Mit dem Niedergang des wirtschaftlichen Einflusses der Hanse wurde auch das von ihr gebrauchte Niederdeutsche zur Dialektform zurückgedrängt.

Von einer ganz anderen Seite erfuhr die deutsche Sprache ab dem Jahre 1522 eine deutliche Aufwertung gegenüber dem Lateinischen, das seit fast anderthalb Jahrtausenden mit der katholischen Kirche verbunden war: Luthers Bibelübersetzung in die „Volkssprache“ und die Positionierung und Abgrenzung des protestantischen Glaubens gegenüber dem Katholizismus. Dies hatte eine religionspolitisch motivierte Aufwertung der deutschen Sprache und eine sich in den darauf folgenden Jahrhunderten verstärkenden Ablehnung von lateinischem Einfluss zur Konsequenz. Stilistisch und lexikalisch zielte Luther mit seiner Übersetzung auf sowohl das Ziel breiter Verständlichkeit als auch feierlicher Kanzelrhetorik ab (Stolt, 1983, S. 13-16) – ein intellektuelles Unterfangen, das der deutschen Volkssprache den Zugang zum religiösen Diskurs eröffnete und damit ihre kulturelle Bedeutung verstärkte, während es dem Protestantismus zur Etablierung eines mächtigen Gegenpols zum Katholizismus verhalf.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung legt die These dar, dass Sprache als Feld kultureller Konflikte dient und die Konstruktion eines homogenen Sprachstandards als Machtinstrument zur Identitätsbildung fungiert.

II. Kleine Geschichte der Standardisierung des Deutschen: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Standarddeutschen nach, von der Hanse über Luthers Bibelübersetzung bis hin zu staatlichen Bildungsinitiativen und dem Einfluss des Bildungsbürgertums.

III. Vorstellungen von Einheit in Sprache, Kultur und Nation: Der Autor analysiert die enge historische Verwobenheit der Konzepte Nation, Kultur und Sprache in Deutschland und wie diese als konstruierte Einheit zur Legitimation des Nationalstaates genutzt wurden.

IV. Normverstöße und ihre Sanktionen: Das Kapitel untersucht die Sprachverfallsthese und die ideologischen Sprachhaltungen, die Abweichungen vom Standard als Bedrohung für die kulturelle Integrität interpretieren.

V. Deutsch als plurizentrische Sprache und die Globalisierung: Der Abschluss hinterfragt die traditionelle Vorstellung eines homogenen Standards im Zeitalter der Globalisierung und stellt plurizentrische Modelle als zeitgemäßere linguistische Perspektiven vor.

Schlüsselwörter

Standardisierung, Deutsch, Sprachgeschichte, Kulturnation, Sprachnationalismus, Sprachverfallsthese, Normen, Plurizentrik, Globalisierung, Identitätskonstruktion, Bildungsbürgertum, Sprachkritik, Lingua Franca, Homogenität, Sprachpflege.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Entstehung und ideologische Aufladung der deutschen Standardsprache im Kontext gesellschaftlicher und machtpolitischer Interessen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?

Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Standardsprache, die Identitätsbildung durch Sprache und Nation sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Wunsch nach sprachlicher Homogenität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Bedingungen und Mechanismen aufzudecken, die zur Etablierung eines sprachlichen Standards geführt haben und wie dieser zur Machtausübung eingesetzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf eine historisch-analytische und diskurslinguistische Methode, um die Zusammenhänge zwischen Sprachgeschichte und Kulturgeschichte darzustellen.

Was sind die Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung der Standardsprache, die Analyse des Konstrukts der Kulturnation, die Untersuchung von Sprachkritik und die kritische Prüfung des Standardbegriffs im Zuge der Globalisierung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Besonders prägend sind Begriffe wie "Sprachnationalismus", "Plurizentrik", "Standarddeutsch" und "Kulturnation".

Inwiefern spielt die Hanse eine Rolle für die Standardisierung?

Die Hanse wird als ein früher Ausgangspunkt genannt, an dem ein funktionaler, regionaler Mindeststandard für wirtschaftliche Korrespondenz notwendig wurde.

Wie bewertet die Autorin die heutige Relevanz von "Sprachverfallsthesen"?

Die Autorin betrachtet diese Thesen als methodisch fragwürdig und ideologisch motiviert, da sie auf einem unhistorischen, statischen Sprachverständnis beruhen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Deutsche Monokultur
Untertitel
Die Vorstellung von sprachlicher Einheit im soziokulturellen, politischen und historischen Kontext
Hochschule
Georgetown University  (German Department)
Veranstaltung
From Monastery to Chatroom
Note
A
Autor
Anna Milena Jurca (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V127390
ISBN (eBook)
9783640347599
ISBN (Buch)
9783640347889
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche Monokultur Vorstellung Einheit Kontext
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Milena Jurca (Autor:in), 2007, Deutsche Monokultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127390
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Leseprobe aus  20  Seiten
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