Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung: 4
1 Einleitung. 5
1.1 „Tischgesellschaften“ 5
1.2 Festmahl 6
2 Festmahl - Werke von Menschenhand vs göttliche Wirkkraft 9
2.1 Umfeld der Bibel: Festbankett und Dekadenz Cleopatra und Mark Anton. 9
2.1.1 Wetteifer. 9
2.1.2 Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle 9
2.2 Argwohn beim Mahl - David erscheint abermals nicht bei Tisch Saul - David
- Jonatan (1 Sam 20,24f, 32ff 18,10f) 10
2.3 Atemlos: Die Königin von Saba zu Besuch bei König Salomo. 11
2.4 Festgelage mit tödlichem Ausgang (I): Judit erhält den Ehrenplatz beim
Gastmahl des Holofernes. 12
2.4.1 Tischordnung 12
2.4.2 „Wahrhaftig du bist wunderschön“ (Judit 11,21) 13
2.4.3 Zwei Spannungsbögen: Reflexion der Handlung durch Rede und Gebet
14
2.5 Ester und Artaxerxes (Mordechai und Haman) - Der König zu Gast beim
Festmahl
2.5.1 Das persische Königsbankett. 15
2.5.2 Literarische Komposition. 16
2.5.3 Der Vernichtungsbefehl des Artaxerxes 17
2.5.4 Das Toleranzpatent des Artaxerxes 17
2.5.5 Reflexion 18
2.6 „Mene mene tekel u-parsin“: Das große Gastmahl bei Belschazzar. 19
2.7 Festgelage mit tödlichem Ausgang (II): Die Enthauptung des Täufers
Johannes 20
3 Dank, Preisung, Segen und Wandlung. 21
3.1 Melchisedek segnet Abraham. 21
3.2 Das Abendmahl 22
3.3 Die Stunde Jesu 22
4 „Das große Festmahl“: Heilsimplementierung durch Gott unter seinen Gästen
(Lk 14,15-24, vgl Lk 17,21) 23
2
4.1 Paschafest und Befreiungserfahrung: 23
4.2 Das Bild Gottes und das Bild vom Festmahl: 24
4.3 Thematik des Gleichnisses vom Festmahl: 25
4.4 Bildebenen: 25
4.5 Erwählung - Vorzug oder Beschwer? 26
4.6 Versuch einer Auslegung. 27
4.6.1 Situation und Bild: 27
4.6.2 Die erste Anweisung: Einladung zum großen Mahl. 28
4.6.3 Die Ausreden: 29
4.6.4 Die zweite Anweisung: Die Herbeiführung der Ersatzgäste (enger
Kreis ) 31
4.6.5 Die dritte Anweisung: Das Herbeiführen der entfernten Gäste (weiter
Kreis ) 31
4.6.6 Die Antithese. 32
5 Ausblick 33
6 Literaturverzeichnis 34
3
Vorbemerkung:
Die vorliegende Arbeit stellt eine Reihe von Ereignissen vor, die das Festmahl zum Inhalt haben und über die die Bibel berichtet. Bei jenen Banketten, die von ihrer Ausstattung her an Königsbankette hellenistischer und römischer Prägung erinnern, wird darauf Bezug genommen. Die Arbeit kann unmöglich sämtliche Gesichtspunkte des Festmahls behandeln, ebenso wenig können alle in Betracht kommenden Bilbelstellen erschöpfend behandelt werden. Es musste daher eine Auswahl vorgenommen werden, wobei dem berechtigten Einwand, es würden verschiedene Ereignisse willkürlich aneinander gereiht, nur entgegnet werden kann, dass der Autor bemüht war, den „roten Faden“ nicht ganz zu verlieren.
Auch vom Umfang der Arbeit her ist es nicht möglich, die besondere Bedeutung des Opfers, die dem Mahl innewohnt, zu entfalten; dies seiner Vieldimensionalität sowie der religiösen Riten wegen, wie etwa der jüdischen Feste Pesach (das christliche Ostern), Laubhüttenfest, Chanukka; Beschneidung Gen 17,10; Bar Mitzwa, Hochzeit ua. 1 Es sei nur darauf verwiesen, dass das Töten des Tieres durch den Menschen, das dem Verzehr diente und oft in einem gemeinsamen Mahl verspeist wurde, seit jeher eine Störung der Schöpfungsordnung indizierte, worauf es galt, das Opfer (-tier) Gott/den Göttern darzubringen, um so den Eingriff auszutarieren oder zu rechtfertigen. Teile der gesammelten Früchte oder des geschlachteten Tieres wurden und werden geopfert. Die Gabe richtet sich an die Eigner der Tiere und Pflanzen, und das Dargebrachte ist als Ausdruck des Dankes, der Entschuldigung und der Bitte zu verstehen. 2 Anhand der Bibel werden nun Situationen in den Blick genommen werden, in denen das Festmahl eine Rolle spielt, - bei dem sich das Schicksal wendet und so zu einem Geheimnis wird, das man feiert.
1 Lev 23,1ff; zur Einführung s Stemberger, Jüdische Religion 5 (Beck 2006).
2 Vgl Hock, Einführung in die Religionswissenschaft 3 (Darmstadt 2008) 63 u 119: als mysterium tremendum, als
Angst auslösendes Geheimnis, erweckt es im Menschen Gefühle des Schreckens und der Ehrfurcht, und als
mysterium fascinans, als anziehendes Geheimnis, schlägt es den Menschen in seinen Bann.
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1 Einleitung
1.1 „Tischgesellschaften“
In der Bibel finden wir an zahlreichen Stellen Berichte über gemeinsame Mahlzeiten, die das Leben von Menschen verändert haben: Dazu gehört ua der Besuch der Boten bei Abraham und Sara in der Genesis (Gen 18,1-33; vgl 21,8: „Als Isaak entwöhnt wurde, veranstaltete Abraham ein großes Festmahl“), verschiedene Hochzeitsfeiern ebenso 6 , wie das Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat. 7 Das eigentliche Hochzeitsmahl ist regelmäßig ein Bild messianischen Werks und göttlicher Freude, das Hochzeitsmahl ist daher stets ein Fest-mahl (vgl Offb 19,7-10: „Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes“).
Gastfreundschaft, Tischgemeinschaft, Nahrungsaufnahme werden dabei zentral mit Gott in Beziehung gesetzt und mit einem Lobpreis verbunden, wodurch dem Festcharakter des (Abend-) Mahls besonders Rechnung getragen wird, und zur vergeistigten Gotteserfahrung der Teilhabendenden - bis hin zur Realpräsenz Gottes wird. „Der Evangelienbericht vom Letzten Abendmahl (Lk 22,14-20), Gedächtnis des
3 Zur platonischen Symposionkultur s Vössing Mensa Regia 154; vgl MK 14,3-9 (Salbung in Betanien): „Als Jesus im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war“; Joh 21,9-14 (153 große Fische).
4 Mayr-Oehring, Tischgesellschaften (Ausstellungskatalog, Residenzgalerie Salzburg 2003).
5 Dan 5,1-6,1 (Gastmahl Belschazzars, vgl Bar 1,11: „und betet für das Leben des Königs Nebukadnezzars von Babel und für das Leben seines Sohnes Belschazzar“); Mk 6,17-29//Mt 14,6 (Enthauptung des Johannes), vgl Ex
15,20 (Tanz der Mirjam); Plutarch Ant 28, Sokrates v Rhodos (zur Perle vgl Mt 13,45f).
6 Est 2,15-20 (Esters Erhebung zur Königin), vgl Ri 14,10.15 (Trinkgelage, Simsons Hochzeit), 1 Kön 3,1.15 (Salomos Heirat); Joh 2,1-12 (Hochzeit in Kana): „Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verant-
wortlich ist“ (v8); Offb 19,9: „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist“; Mt 22,1-14 (Gleichnis
vom königlichen Hochzeitsmahl).
7 Mt 26,20-29; Mk 14,22-25; LK 22,14-23 (Das Mahl), Lk 24,29f (Der Auferstandene mit “Emmaus-Jüngern“).
5
Opfers Christi, wird Ereignis und Sakrament, wenn er unter Anrufung des Heiligen Geistes in der Eucharistiefeier verkündet wird“ 8 .
1.2 Festmahl
„Festmahl“ bezeichnet ein weites Begiffsfeld. In der Antike (in Babylon, Persien, im Hellenismus, im Römischen Reich) begegnet uns ein opulentes Mahl der Oberschicht, nicht selten ein exzessives Gelage, bei dem der Gastgeber mit seinen illustren Gästen auf Speisesofas zu Tisch liegt. Diener tischen ausgefallen üppige Speisen und Getränke auf. Musiker, Tänzerinnen, auch Schauspieler sorgen für Stimmung. 9 Die Requisiten sind kostbare Speise- und Trinkgefäße, edle Gewänder; nicht zuletzt bietet ein gebührend ausgestatteter Speisesaal - wo möglich mit Aussicht aufs Meer oder über die Dächer der Stadt - den Rahmen für erbauliche Stunden. „Und wahrlich, nicht einmal die Hälfte hat man mir berichtet“, wird die Königin von Saba angsichts der prunkvollen Tafel Salomo anerkennend zurufen, wenn sie dem König ihre Aufwartung in Jerusalem macht (1 Kön 10, 7).
Die Hauptmahlzeit wird am Abend zu Sonnenuntergang eingenommen, die Hitze des Tages ist vorbei. 10 Das Bankett ist oft Ausdruck prahlerischen Zurschaustellen der Herrschaftlichkeit, der Königswürde; ein Herrschaftsgestus, Imponiergehabe des Gastgebers, umgekehrt auch Ehrerbietung gegenüber dem Hauptgast, oder den geladenen Gästen. Regelmäßig liegt dem Fest ein bestimmter Zweck zugrunde, der den Anlaß zur Einladung gibt, und den Verlauf des Abends beeinflusst. Verführung, Einflüsterung, Sinnesbetörung werden dabei als wirksames Mittel gewählt. Geschenke werden mit königlicher Freigebigkeit ausgeteilt, ja den Provinzen werden Steuererlässe gewährt (Est 2,18); ein Akt kraft „imperium“, der Befehls-, Zwangs- und Begnadigungsgewalt. Die Bibel berichtet freilich über Feste, die zum Ritus geworden sind: dabei wird Erinnerung an das wirkmächtige Eingreifen Gottes in der Geschichte Israels wach gehalten, stehen Danksagung und Lobpreis der Herrlichkeit Gottes im Zentrum. Eine literarische Begriffsbestimmung des „Festmahls“ wird daher immer zu kurz greifen. Jedes Mahl verbindet die Beteiligten und stiftet Gemeinschaft, die zu gegenseitiger Solidarität ver-
8 Abschlusserklärungder Bischofssynode 2005, Pkt 8; vgl LG 26: Mysterium des Herrenmahls.
9 Vgl „Die Musikanten und Sänger jauchzen vor Freude im Vorhof des Obeliskentempels“ (Der Kleine Hymnus des Echnaton von Amarna, um 134 v.Chr.); Arzt, Don’t go mistaking Paradise, Protokolle zur Bibel, 3/1994, 129-
138.
10 Vgl Lk 14,12; Vössing Mensa Regia 27; vgl Strack/Billerbeck, Das Ev Mk, Lk, Joh u Apg aus Talmud u Midrasch (München 1989) 204, 207.
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pflichtet. Deshalb rühren auch viele Bilder der religiösen Sprache aus diesem Bereich (vgl Ps 23,5; 42,1-4; Jes 25,6; Ex 24,9-11) 11 .
Uns begegnen also auf der einen Seite ausschweifende Festgelage mit nicht selten niederen/fleischlich-irdischen/vergänglichen 12 Lustbarkeiten - etwa wenn Begierde die Begegnung zwischen Mann und Frau antreibt -, ferner wenn das Verhältnis des Kriegsherrn zu den Unterworfenen gespiegelt wird, nach Eroberung von Land und Volk. Auf der anderen Seite steht der Gestus der Teilhabe an besonderer göttlicher Erwählung oder Errettung des Volkes Israel im Vordergrund (zB Purim-Fest, Ester; ferner Rut), bis hin zu dem eigentlich großen Mahl, dem Herrenmahl. Das Mahl wird als Gnadengabe begriffen, die himmlischunvergänglich ist; das Festmahl ist dann nie Ausdruck eigener Verdienstlichkeit, sondern steht in direktem Zusammenhang und unverbrüchlicher Kontinuität der Zuwendung und Liebe, die unmittelbar von Gott kommt.
Das Festmahl begegnet uns als Ereignis der Bibel, das durch wiederkehrende religiöse Handlung zum gelebten und erlebbaren Symbol der Erlösung und der Befreiung wird. Es folgt eine Auswahl Bezug habender Zitate:
Gen 29,22: Da ließ Laban alle Männer des Ortes zusammenkommen und veranstaltete ein F.
Ri 14,10: Auch sein Vater kam zu der Frau hinab und Simson veranstaltete dort ein Trinkgelage, wie es die jungen Leute zu machen pflegten. (EÜ)
1 Kö 3,15: Als er nach Jerusalem kam, trat er vor die Bundeslade des Herrn, brachte Brand- und Heilsopfer dar und gab ein F. für alle seine Diener.
Est 2,18: Der König veranstaltete zu Ehren Esters ein großes F. für alle seine Fürsten und Diener. 13
Ps 23,5: Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde (vgl Ps 42,1-4)
Jes 25,6: Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein F. geben mit
den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesen Weinen Ex 24,9-11: […] Die Fläche unter seinen Füßen war wie mit Saphir ausgelegt und
11 Ernst, Herders Neues Bibellexikon „Mahl“; die Teilhabe am Mahl ist Teilhabe an dem einen Leib Christi und bewirkt somit auch die Einheit untereinander (vgl 1 Kor 10,16f).
12 Vgl 2 Kor 10,2: „die meinen, wir wandeln nach dem Fleisch“; Didache 1.4: "Enthalte dich der Lüste des Fleisches und des Körpers! "; 1 Petr 2,11.
13 Zürcher Bibelkonkordanz: „Festmahl“; vgl „Die Musikanten und Sänger jauchzen vor Freude im Vorhof des Obeliskentempels, und jedes anderen deines Tempels in Amarna, dieser Stätte der Wahrheit, mit der du zufrie-
den bist, Speise in Fülle werden geopfert in ihrem Inneren“ (Der Kleine Hymnus des Echnaton von Amarna v6f,
um 134 v.Chr.); „Alle fernen Länder, du schaffst ihren Lebensunterhalt („Der Große Hymnus“ cit v9).
7
glänzte hell wie der Himmel selbst. Gott streckte nicht seine Hand
sie
Esra 6,19: Am vierzehnten Tag des ersten Monats feierten die Heimkehrer das
Pascha-Fest.
Mt 8,11 (Lk 13,29): Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen
Lk 22,29f: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken
Offb 3,20: Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten
und wir werden Mahl halten
Offb 19,9: Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist. 15
Ps 103,5: der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt (Mt 6,11: gib uns
heute das Brot, das wir brauchen)
1 Sam 16,11-13: Salbung Davids vorm Mahl
Lk 5,29: großes Festmahl Levis für Jesus
1 Kor 11,17-34: Feier des Herrenmahls
Ferner: Spr 9,5; Ijob 1,4; 1 Kor 11,26 (Maranata); Gen 18,7f; 40,20; Ex 16,8f; 1 Kön 3,15; Ri 14,10; 2 Kön 6,23; Spr 15,15; 1 Sam 2,13; 1 Sam 9,22; 1 Kön 1,41;
2 Kön 6,23; Neh 8,10; Ps 63,6; Spr 17,1; Jer 51,39; Offb 19,17; Tob 2,1
14 Ernst, Herders Neues Bibellexikon „Mahl“.
15 Bultmann synTrad 113, dort FN 3 ua.
8
2 Festmahl - Werke von Menschenhand vs göttliche Wirkkraft 16
2.1 Umfeld der Bibel: Festbankett und Dekadenz Cleopatra und Mark Anton
2.1.1 1Wetteifer
Die römische Gesellschaft der Kaiserzeit mit ihrer scharfen Zweiteilung in Arm und Reich war durch eine ausgesprochen luxuriöse Lebensführung der Oberschicht (einschließlich der neureichen sozialen Aufsteiger) geprägt. Prachtentfaltung und demonstrativer Konsum waren konstitutiv für das Selbstverständnis der Reichen und Mächtigen; Statussymbole dienten vor allem auch dazu, sich innerhalb der Oberschicht gesellschaftlich abzugrenzen. 17
Den exaltierten Feinschmecker Marcus Gavius Apicius, der um die Zeitenwende lebte und als Urheber des ältesten überlieferten Kochbuchs gilt („De re coquinaria“), nannte Plinius der Ältere einen „von Geburt an auf jede Prasserei ausgerichteten Geist“. Im Haus reicher Gastgeber speiste man liegend um einen Tisch, an dem hufeisenförmig Speisesofas aufgestellt waren. Petronius (um 14 bis 66 n.Chr.) schildert in seinem Roman „Satyricon“ ein ausschweifendes Festessen des Gastgebers Trimalchios, bei dem Pfaueneier, Feigenschnepfen, ein Hase mit Flügeln sowie ein gebratener Eber, aus dem lebendige Vögel herausflatterten, aufgetragen wurden. 18
Im Rahmen einer Wette (nach dem älteren Plinius) - bei einem „orientalischen“ Festbankett mit opulenter Speisenfolge - mit ihrem Geliebten Mark Anton war Cleopatra im Begriff, eine maßlos teure Perle in ihren Trinkbecher zu versenken um zu beweisen, dass sie ihrem Liebhaber das teuerste Festmahl aller Zeiten bieten kann. 19 Als Cleopatra noch eine zweite Perle zum Verzehr anbietet, gibt sich Marc Anton geschlagen. Den Wert allein einer von Cleopatras Perlen schätzen Zeitgenossen auf etwa eine Million Unzen Feinsilber (16-60 Mio Sesterzen).
2.1.2 Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle
An solche Erzählungen (oder auch an das Ohrgehänge der Herodia) mögen die HörerInnen des Gleichnisses von der Perle gedacht haben (Mt 13,45f). Der Kauf-
16 VglBar 6,50.
17 Weeber, Luxus im alten Rom - Die Schwelgerei, das süße Gift 2 (Primus Verlag 2007) 176; Sir 32,1: Wenn du
das Gastmahl leitest, überheb dich nicht, sei unter den Gästen einer von ihnen.
18 Pötzl, „Sauzitzen und Pfaueneier“, in: Der Spiegel - Geschichte 1/2009, 86f; vgl Sir 31,21; vgl Vössing Mensa Regia 422.
19 Vössing, Mensa regia - Das Bankett beim hellenistischen König und beim römischen Kaiser (Verlag Sauer 2001) 144.
9
mann, vermutlich ein Großhändler, der nach langem Suchen endlich „eine besonders wertvolle Perle gefunden hatte, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie“.
Im Zentrum der Rede steht einmal mehr das rechte Verstehen des Geheimnisses des Himmelreichs. In dieser Perikope geht es primär um das Verhalten - und der Freude, wobei das Hören vom Tun nicht zu trennen. Wer das „Wort vom Reich“ verstehen will, muss so zum Handeln motiviert sein (Mt 13,44-52; vgl „Vom wahren Schatz“ Lk 12,33; ferner ThEv 76 u 109). Das Vergraben von Wertgegenständen galt in der Antike vor allem in Krisenzeiten, bei Kriegen oder bei längerer Abwesenheit als sichere Art der Aufbewahrung (man denke an die Funde von Qumran) 20 .
Der Finder des Schatzes, von dem Jesus nach Mt 13,44 erzählt, vergräbt den Schatz erneut und verkauft alles, um den Acker kaufen zu können und so in den Besitz des Schatzes zu gelangen, der alle Erfüllungen gewähren kann. Parallel dazu steht das Gleichnis von der Perle, deren Kaufmann gleichfalls alles dahingibt, um dieses alles überragende Gut zu erlangen. 21 Die Gleichnisrede vom Himmelreich stellt vor die Entscheidung, ist selbst wirksames Instrument der Scheidung. Die Geheimnisse des Himmelreichs, die Jesus in Gleichnissen erläutert, wird nur derjenige verstehen, der bereit ist, Jesu Jünger zu sein. Vom „Finder“ der Perle wird ganzer Einsatz gefordert. 22 Wer diesem Anspruch an das Verhalten eines Jüngers nicht entspricht, obwohl ihm die Geheimnisse des Himmelreichs anvertraut worden sind, kann nicht ins Himmelreich gelangen, wie Mt 13,47-50 mahnend in Erinnerung ruft. 23
2.2 Argwohn beim Mahl - David erscheint abermals nicht bei Tisch Saul - David - Jonatan (1 Sam 20,24f, 32ff; 18,10f)
In 1 Sam 20 spitzt sich ein Familiendrama anlässlich eines Neumondfestes zu, das offenbar im Rahmen eines zweitägigen, höfischen Festmahles begangen wurde und bei dem auch David teilnehmen sollte. 24 Jonatan kann zunächst nicht glauben, dass sein Vater ohne sein Mitwissen einen schändlichen Mord plant. Hin und her gerissen zwischen der Treue zu seiner Familie und zu David, hält Jonatan zu Letzterem und versichert ihn seines Beistandes. Saul bemerkte, dass der junge David zu einem
20 Die Schriftrollen wurden in tönernen Gefäßen aufbewahrt (vgl 2 Kor 4,7: Wir sind tönerne Gefäße; Gen 2,7).
21 Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, 88; weiterführend Ernst, „[…] verkaufte alles was er besaß, und kaufte die Perle“ (Mt 13,46), Protokolle zur Bibel 1/1997, 31-46.
22 Merklein, Jesus von Nazaret (KBW Stuttgart 2008) 124-129; Gemeinde ein corpus permixtum.
23 Kuld, Die Gleichnisse vom Schatz, der Perle und vom Fischnetz, abrufbar unter: perikopen.de.
24 Die Bedeutung des Neumondtags beruht auf dem Mondkalender, Num 28,11; Am 8,5; 1 Sam 20,5; Jes 66,22 zit Stemberger, Jüdische Religion, 78.
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ernst zu nehmenden Konkurrenten um die Macht im Staat herangewachsen war. Denn er macht zunehmend auch als glänzender Heerführer von sich reden. Schon singen die Frauen am Hof ein Lied, das in den Ohren Sauls wie eine Verhöhnung klingen musste: „Saul hat tausend Feinde getötet, David derer aber zehntausend“. So kam der Neumond und der König setzte sich zu Tisch, um das Mahl zu halten. Jonatan saß ihm gegenüber, Davids Platz aber blieb leer. Auch am folgenden Tag blieb David dem Essen fern. Im Zorn schleudert Saul einen Speer gegen seinen Sohn Jonatan, der das Ausbleiben seines Bruders David zu rechtfertigen suchte (1 Sam 20,24-34).
2.3 Atemlos: Die Königin von Saba zu Besuch bei König Salomo
„Als nun die Königin von Saba die ganze Weisheit Salomos erkannte, als sie den Palast sah, den er gebaut hatte, die Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre Gewänder, seine Getränke und sein Opfer, das er im Haus des Herrn darbrachte, da stockte ihr der Atem“ (1 Kön 10,4f; 2 Chr 9,3f).
Die Tischgesellschaft, die hier am Hof Salomos zusammentritt, bestand zweifellos aus hochgestellten Persönlichkeiten des Hofstaats. Da ist Salomo, Israels König, Regent an einem Hof von kaum beschreibbarem Glanz. Überall in der Welt als weise und gerecht geschätzt. Er verwirklicht ehrgeizige und extravagante Bauprojekte wie den Königspalast und den Tempel. Und da ist die Königin von Saba. Aus einer Region, die man etwa im heutigen Jemen ansiedeln kann. Salomo zeigt dem Gast all seinen Reichtum, richtet ein opulentes Festmahl aus, bei dem Männer in kostbaren Gewändern dienen, und führt sie auch in den Tempel, in dem er seinem Gott Brandopfer darbringt. Die Königin ist außer sich vor Staunen, ihr stockt der Atem. Alles, was ihr über Salomo zugetragen worden war, wird bei weitem übertroffen.
Die Tischgemeinschaft der beiden gekrönten Häupter repräsentiert hier das Verhältnis der Teilnehmenden zueinander. Dabei wird zunächst die soziale Struktur deutlich, in dem die „Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten seiner Diener und ihre Gewänder“ erwähnt werden. Die Vormachtstellung des Gastgebers zu den Gästen (Herrscher - Beherrschte) wird zugleich demonstriert, stabilisiert und legitimiert. Die Adressaten der Selbstdarstellung, das Publikum dieser Szenerie sind regelmäßig „Konkurrenten“ und das „Fußvolk“. 25
25 vgl Vössing, Mensa Regia, 11f.
11
„Glücklich sind deine Männer, glücklich diese deine Diener“ (1 Kön 10,8; vgl Lk 14,15) - mit diesen Worten wird die Königin von Saba dem Gastgeber den Zoll der Anerkennung und des Dankes für das gelungene „date“ entrichten. „Sie gab dem König hundertzwanzig Talente Gold“ 26 . Lässt sich die Auszeichnung der eigenen Vorrangstellung besser dokumentieren, als durch diesen Gestus der sagenumwobenen Königin? „König Salomo gewährte der Königin von Saba alles, was sie wünschte und begehrte“ (1 Kön 10,13; vgl Jes 60,6). Man ließ sich schließlich nicht „lumpen“, blieb sich nichts schuldig; zu einem Paradigmenwechsel wird uns später gemahnt werden (Lk 14,13f: Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten) 27 .
2.4 Festgelage mit tödlichem Ausgang (I):
Judit erhält den Ehrenplatz beim Gastmahl des Holofernes
2.4.1 Tischordnung
Am vierten Tag gab Holofernes ein Gastmahl nur für seine Dienerschaft (Judit 12,10; Jud 9 u 10; 16,20), bei der mit barbarischer Üppigkeit nicht gegeizt wird. Es wäre wahrhaftig eine Schande für uns, wenn wir eine solche Frau gehen ließen, ohne mit ihr zusammen gewesen zu sein. Sie selber würde uns auslachen, wenn wir sie nicht an uns rissen. Bagoas ging weg, trat bei Judit ein und sagte: Möge das schöne Mädchen nicht zögern, zu meinem Herrn zu kommen; sie soll ihm gegenüber den Ehrenplatz einnehmen, mit uns Wein trinken und fröhlich sein und heute den asyrischen Mädchen gleich werden, die im Palast Nebukadnezzars ihren Dienst tun (Jud 12,12f).
Ähnlich wie oben unter Pkt 3. dargestellt, wird ein Gastmahl ausgerichtet, bei der einer Frau der Ehrenplatz zukommen wird (Jud 12,13). Abermals wird die „Tisch-ordnung“ Ausdruck der hierarchischen Stellung zwischen Gastgeber und dem eingeladenen Ehrengast. Mag die Begegnung zwischen Salomo und der Königin von Saba noch von wechselseitig aufrichtiger Wertschätzung getragen sein, so ist beim Vergleich der Szenerie mit dem Gastmahl des Holofernes die Überordnung des Generals über seinem „angebetenen“ Ehrengast, der wunderschönen Judit, doch augenscheinlich. So mag es Holofernes gesehen haben. - Sollte er sich gehörig geirrt haben? Oder stehen sich vielmehr „zwei Giganten“ gegenüber. Aus dem Ergebnis dieser verführerischen Begegnung zwischen dem mächtigen, durch zahlreiche Schlachten gestählten, Erfolg gewohnten General einerseits und der
26 EÜ; mehr als vier Tonnen Gold - nach der „neuen evangelistischen Übersetzung“ (abrufbar unter: Bibel-Online.net).
27 Lahme und Blinde waren Ausgeschlossene (1 Sam 5,8); Basilius von Cäsarea macht die Beherbergung von Fremden und Bedürftigen zu einer zentralen Aufgabe der Klöster. In der Regel des Benedikt von Nursia heißt es:
Alle Gäste, die zum Kloster kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden.
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verwitweten Judit, die sich durch aussergewöhnliche Schönheit sowie Klugheit auszeichnet andereseits, wird sich zeigen, wem tatsächlich „die Macht gegeben war“ (vgl Jud 3,8).
Die „Sitzordnung“ spiegelt auch das jeweilige Prestige der Gäste wieder, hier erhält Judit den Ehrenplatz. Ist dies Audruck der Ehrerbietung oder ein plumper Versuch der Übertölpelung? Die Hintergedanken Artaxerxes kennen wir. Für Josephus Flavius etwa gehört die Platzordnung zur Strategie des Herodes, mit der er den Großvater seiner Frau Mariamne, den ehemaligen jüdischen König und Hohenpriester Johannes Hyrkanos II., über seine wahren Absichten täuschte: „er empfing ihn mit allen Ehren, räumte ihm bei Versammlungen den Vorrang ein, platzierte ihn bei Banketten oben und nannte ihn Vater“, mit dem Herodes dem alten Mann schmeichelte. 28
2.4.2 „Wahrhaftig du bist wunderschön“ (Judit 11,21)
Als man Judit in den Vorraum des Zeltes geleitet und sie ihre Rede vorgetragen hatte, da geriet das ganze Gefolge ausser Rand und Band: „Es gibt von einem Ende der Erde bis zum andern keine zweite Frau, die so bezaubernd aussieht und so verständig reden kann“. So schlug ihre Schönheit auch sein Herz in Bann, wenn Holofernes fassungslos weltmännisch anhebt und nur noch ihrem Gott - sei es aus Höflichkeit, oder doch im Schock - scheinbar sein geschuldetes Staunen zollt: „Dein Gott hat wohl daran getan, dich aus deinem Volk hergesendet zu haben; […] Wahrhaftig, du bist wunderschön und verstehst ausgezeichnet zu reden.“ (Jud 11,20-23). Hätte er auch nur den Hauch einer Vorahnung gehabt, welches Schicksal ihm beschieden war, so gab es dennoch für ihn keinen Ausweg mehr. 29 Seine irdische Begierde nach dem Besitz allein dieser Frau, und „mit ihr zusammen zu sein“ (Jud 12,16), raubte ihm den Verstand. In der Tat wird er ein zweites Mal den Kopf verlieren. Die herzlose Gier, die sich tief in seine Seele eingegraben hatte und kein Maß kennt, trieb ihn um, ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Ihn, der den Oberbefehl über die Truppen führte im Dienst des selbsternannten „Herrn der ganzen Erde“, um bedingungslos und unverzüglich den Befehl Nebukadnezzars „an der ganzen Erde das Strafgericht zu vollstrecken“, „alles Unheil über die Erde“ zu bringen, „alle zu vernichten, die dem Wort des Königs
28 Jos AJ 15,21f; Vössing Mensa Regia 126.
29 Vgl Sir 9,2f.8: Liefere dich nicht einer Frau aus; Sir 10,13f: Ein See der Maßlosigkeit ist die Sünde, aus ihr quillt Unrecht hervor; Sir 23,16f (31,25f): der nicht aufhört, bis er tot ist.
13
nicht gehorchten“ (Jud 2). „Wenn du tust, was du versprochen hast, dann soll dein Gott auch mein Gott sein“ - Indem Holofernes sein Bekenntnis zu Gott von der Bedingung abhängig macht, fordert er letztlich den Höchsten heraus.
Judits Auftreten und ihre Worte ist als Kunstgriff von Unterlegenen zu verstehen, als reflektierter Umgang einer Machtlosen gegenüber Mächtigen. Judit ist in der biblischen Erzählung nicht die brutale femme fatale, sondern eine Frau, die sich zur Rettung ihres Volkes entschlossen hat, das vor Hunger und Durst umkommt (Jud 7,19-22). 30 Das Unverständnis der Ältesten für die Argumente der vielleicht schriftgelehrten Theologin schafft die Voraussetzungen für Judits Intervention. Das Geschehen, das Rettungshandeln in auswegloser Situation als Gottes-Handeln zu verstehen, ist als Interpretation in der Erzählung durch die Gebete Judits vor und nach der Tat angelegt. Von direktem Eingreifen Gottes wird nicht berichtet. 31
2.4.3 Zwei Spannungsbögen: Reflexion der Handlung durch Rede und Gebet Das Juditbuch ist von sechs großen Reden und Gebeten durchzogen. Diese sind erstens die programmatische Rede des assyrischen Königs Nabuchodonosor (Jud 2,5-13), zweitens die dialogische Auseinandersetzung zwischen Holofernes und Achior (Jud 5,3-6,9), drittens die Auseinandersetzung zwischen Judit und den Ältesten von Betulia (Jud 8,9-36), viertens Judits Gebet (Jud 9,2-14), fünftens die dialogische Auseinandersetzung zwischen Holofernes und Judit (Jud 11,1-23) und sechstens das abschließende Gebet Judits (Jud 16,1-17). Fokussiert man den Blick auf die sechs großen Reden und Gebete, ergeben sie einen eigenen Spannungsbogen innerhalb der Erzählung, der in der Rede und dem Gebet Judits seinen Höhepunkt erreicht, bevor es zur Tötung von Holofernes kommt. „Herr, du Gott aller Macht, sieh gnädig auf das, was meine Hände zur Verherrlichung Jerusalems tun werden“. 32
30 Selbst grandiose Werke der darstellenden Kunst, die dem Judit-Portrait einen lasziven Unterton geben, mögen zwar das Modell fesselnd portraitieren; es wird damit jedoch ein Chambre bedient, das den wahren Charakter der
biblischen Judit-Gestalt keinesfalls richtig wieder gibt.
31 Vgl FN Schmitz, Trickster, Schriftgelehrte oder femme fatale? in: Biblisches Forum - Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive 2004 abrufbar unter:
bibfor.de/archiv/04.schmitz.pdf, mit weiteren Nachweisen.
32 Juristisch käme beim Mord entschuldigender Notstand (§ 10 StGB) in Betracht, wenn die Tötung zur Rettung des eigenen oder fremden Lebens (auch permanente Lebensgefahr) begangen wird, ohne dass dem Täter ein
2 § 75 RN 24f (Manz 1984); ferner Notwehrrecht zusteht: Kienapfel, Grundriss des ö Strafrechts-Besonderer Teil I
dürfte nicht übersehen werden, dass Judit „gerne“ trank: „Sie griff zu, aß und trank vor seinen Augen, was ihre
Dienerin zubereitet hatte“ (Jud 12,18f); doch bedarf es angesichts der aktuellen Dauergefahr nicht des Rückgriffs
auf eine Beeinträchtigung durch Rauschmittel, zumal dieser nicht freispricht, will man nicht hochgradige Sinnes-trübung iSd § 287 StGB annehmen (beachte auch actio libera in causa); eine seriöse Fallösung müsste va das
geltende Recht zur Zeit ihrer Begehung ermitteln (Rückwirkungsverbot §§ 1 u 61 leg cit, nulla poena sine lege).
14
Dieser Spannungsbogen der Reden und Gebete unterscheidet sich grundlegend vom narrativen Spannungsbogen, dessen tiefer Einschnitt zwischen Jud 7, der Schilderung der größten Not in Israel, und Jud 8, der Einführung der neuen Figur Judit, liegt. Der erste Spannungsbogen relativiert den Höhepunkt der Handlung, der in der Tötungsszene in Jud 13 anzusiedeln ist. Während der Spannungsbogen der
Handlung
an der Rettung des Volkes Israel und der Tötung Holofernes durch Judit orientiert ist, entfaltet und reflektiert der
Spannungsbogen der Reden und Gebete
das theologische Profil der Erzählung. Dabei ist zu konzedieren, dass Judits Schön-
heit Ausdruck ihrer Gottesfurcht und Weisheit ist. Judit legt als Betende alle Nöte, aber auch ihr „historisch“-fundiertes Glaubensbektenntnis in die Hände Gottes. Die Existenzbedrohung geht von schwer bewaffneten, schlagkräftigen Gegnern aus, die „ nicht erkennen, dass du der Herr bist, der den Kriegen ein Ende setzt“ (Judit 9,7). 33
2.5 Ester und Artaxerxes (Mordechai und Haman) - Der König zu Gast beim Festmahl (Ester 5,4ff; Zorn und Ohnmacht 5,1d.2b)
2.5.1 Das persische Königsbankett
Ester 1,2-7: „Drei Jahre, nachdem König Artaxerxes in der Burg Susa den Thron seines Reiches bestiegen hatte, gab er ein Festmahl für alle seine Fürsten und Beamten. Die Obersten des Heeres von Persien und Medien, die Vornehmen und die Statthalter der Provinzen waren erschienen und er stellte viele Tage lang seinen ganzen Reichtum und seine königliche Pracht, seine Herrlichkeit und seinen ungeheueren Prunk zur Schau, hundertachtzig Tage lang. Am Ende dieser Tage gab der König allen, die in der Burg Susa waren, vom Größten bis zum Geringsten, sieben Tage lang im Hofgarten des Palastes ein Festmahl. Weißes Leinen, violetter Purpurstoff und andere feine Gewebe waren mit weißen und roten Schnüren in silbernen Ringen an Alabastersäulen aufgehängt. Auf dem Mosaikboden aus Alabaster, weißem und buntem Marmor und Perlmuttsteinen standen goldene und silberne Ruhelager. Man trank aus goldenen Gefäßen, von denen keines den andern gleich war.“
Die Königin Waschti, die für die Frauen ein eigenes Bankett im Palast veranstaltete, weigerte sich zu kommen - sie mochte nicht als des Königs schönstes Schmuckstück zur Schau gestellt werden (Est 1,11ff) -, weshalb Artaxerxes nach Beratung mit den ranghöchsten Auskennern Waschti primär aus generalpräventiven Erwägungen verstieß. 34 Schließlich „wird das Verhalten der Königin allen Frauen bekannt werden, und sie werden die Achtung vor ihren Ehemännern verlieren“, was
33 Jud 9,7; Reiterer in Herders Neues Bibellexikon (Herder 2008) 401f; vgl Jer 51,39: „Ihrer Gier bereite ich das Gelage, berausche sie, dass sie betäubt werden“.
34 Die Sorge der Rechtskundigen galt neben der Hausmacht des Königs vielleicht auch dem Staatsgefüge; „damit alle Männer Herr in ihrem Haus blieben“ (Est 1,22).
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nur Verdruss bringe (Est 1,17f). 35 Dies war letztlich die Chance für Esther, Königin zu werden, nachdem „man für den König schöne junge Mädchen“ gesucht hatte (Est 2,3.17).
Das Festmahl im Buch Ester reflektiert ein zentrales Charakteristikum des persischen Königsbanketts, bei dem das Schicksal der Beteiligten entschieden wird. Ihr Wohl oder Wehe nimmt hier ihren Ausgang, wobei die Diener und Offiziere das persische Reich in seiner Gesamtheit repräsentiert. 36
Von besonderer Bedeutung für das persische Königsmahl ist seine Verbindung mit dem Tributsystem: Der König kaufte keine Lebensmittel, sie wurden vielmehr frei Haus geliefert. Das Bankett war nicht nur Symbol, sondern auch direkte Folge seiner Herrschaft. 37 Von der Ausstattung her werden die goldenen und silbernen Speisebetten und die Goldgefäße herborgehoben.
2.5.2 Literarische Komposition
Als literarisches Grundgerüst lassen sich die Festgelage sowie die Fastenzeiten (Est 4,3. 16) und die beiden Erlässe (Est 3,12-13; 8,9-12) ausmachen. Beim vierten Festgelage wendet sich das Geschick - Widerruf des ersten Ausrottungsbefehls (Est 3,12-13; 8,5) und Ermöglichung des zweiten Erlasses zugunsten der Juden (Est 8,9-12; 8,8). Es werden folgende Königsbankette geschildert:
- Festmahl nach der Thronbesteigung und Konsoliderung der Herrschaft Artaxerxes (1,3)
- Festmahl der Königin Waschti (1,9)
- großes Festmahl zu Ehren Esters nach ihrer Krönung (Steuerlass für Provinzen 2,17f)
35 Zum rechten Verhalten vgl Sir 7,26: Hast du eine Frau, so verstoße sie nicht; Überreste von Persepolis - und noch mehr die von Susa - bezeugen die Situerierung im persischen Reich; man hat Inschriften gefunden, die
zwischen Susa, der Königsburg, und Susa, der Stadt, unterscheiden; so lässt das Buch denn auch ganz richtig
das Mahl für das Volk in der Burg Susa (1, 2), auf dem Vorplatz des Gartens beim königlichen Schloß (1, 5),
stattfinden (Cornfeld, Die Bibel und ihre Welt - Eine Enzyklopädie zur Heiligen Schrift in drei Bänden).
36 Vössing, Mensa Regia 46 u 111, macht darauf aufmerksam, dass Est 1,6f zwar ein Königsbankett des Artaxerxes beschreibt, dieses aber von der Ausstattung her hellenistische Züge trägt (das Buch wurde offenbar in
5 hellenistischer Zeit überarbeitet); vgl Zenger, Das Buch Ester, in: Zenger (Hg.), Einleitung in das Alte Testament
(Stuttgart 2004) 302-311.
37 Vgl Tobit 1,10-12; Neh 1,11; ferner zur prunkvollen Ausstattung eines Festzeltes Josephus Flavius, Jos AJ 11,186f;Vössing Mensa Regia 47, 110; ferner Pflästerer, Paare der Bibel.
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- 2 Festmähler der Königin Ester für König Artaxerxes (5,5.8; und 7,2; plausibel erscheint hier, nach den Gepflogenheiten ein mehrtägiges Bankett anzunehmen)
2.5.3 Der Vernichtungsbefehl des Artaxerxes
Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Xenophobie sind keine Erfindung des
20. Jahrhunderts, wie der Blick in das Buch Ester zeigt. Es beschreibt die Lage der („aus Jerusalem verschleppten“ Diaspora-) Juden im persischen Reich. Ester war ein schönes, anmutiges Waisenkind. Sie verbirgt ihre jüdische Abstammung (Est 2,7.10.20) 38 , erst als Königin bei ihrem Bankett legt sie ihre jüdische Volkszugehörigkeit offen ((5,5.8; 7,2).
Der auf den Fremdenhass des Haman zurück gehende Vernichtungsbefehl des Artaxerxes (Est 3,12ff) lässt Erinnerungen an die rassisch-völkische Weltanschauung der NS-Diktatur hochkommen (Est 3,8). Beim „Reichsparteitag der Freiheit“ verkündeten die neuen Machthaber die schändlichen „Nürnberger Gesetze“, vor allem das ReichsbürgerG und das „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom 15.9.1935, RGBl I 1146, womit die letzten Überreste des ehemals vom Strafgesetzbuch garantierten Rechtsschutzes beseitigt wurden. Damit nahm die reale Möglichkeit des Verfolgens und Mordens konkrete Gestalt an, und führte zu den Pogromen der „Reichskristallnacht von 1938“. 39
2.5.4 Das Toleranzpatent des Artaxerxes
Nach Niederschlagung ihrer Feinde, wie im Erlass angeordnet, feierten die Juden (in den unbefestigten Orten) den „weiteren besonderen Festag“, an dem sich ihr Los gewendet hat (Purimfest 8,12t; 9,17-21). Der Konflikt zwischen Mordechai und dem „Agagiter 40 Haman“ spiegelt die Feindschaft zwischen Amalek und Israel wider, die in der Tora Grundtopos für die fundamentale Existenzgefährdung Israels ist (Ex 17,8-
38 Ester(2,7 persisch Stern; Hadassa hebr Myrthe) nach rabbinischer Tradition die Verborgene, vgl Reiterer Herders Neues Bibellexikon, 190; zur Verfolgung vgl Ps 69,5.22f: die mich grundlos hassen […] Sie gaben mir
Gift zu essen, für den Durst reichten sie mir Essig. Der Opfertisch werde für sie zur Falle, das Opfermahl zum
Fangnetz.
39 Rüthers, Entartetes Recht - Rechtslehren und Kronjuristen im Dritten Reich (Beck 1988) 133, 137 u 207, der im Kap ‚Rechtsordnung als Wertordnung’ folgert: „Staatlich gesetztes Recht ist der Ausdruck eines im Normset-
zungsverfahren verfestigten politischen Gestaltungswillens, eine zu normativer Dauerhaftigkeit und Durchset-
4 zungsfähigkeit ‚geronnene’ Politik; Rüthers, Rechtstheorie - Begriff, Geltung und Anwendung des Rechts
(München 2008) 458: „Rechtsanwendung bedeutet immer einen Akt der Wertverwirklichung“.
40 erinnert an den König Agag von Amalek, den Feind in 1 Sam 15,8; Mordechai ist Benjaminiter (2,5) und Haman geht als Agagiter auf den Stamm Amalek zurück, beide Volksgruppen hatten schon in der Zeit der Landnahme
kriegerische Auseinandersetzungen, zit Siquans Herders Neues Bibellexikon 190.
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16). Der Galgen, den Haman für Mordechai hat aufstellen lassen, wird ihm zur eigenen Richtstätte.
2.5.5 Reflexion
Das Bekenntnis
Das verzögerte Aufdecken des Wunsches der Ester, ein Spannungselement, ist vor allem taktisch klug eingesetzt; es rückt das erhoffte und angestrebte Ziel, das gnädige Gewähren der Bitte, in Reichweite. Das Hinauszögern schafft gleichsam Balance zwischen Bitte und Gewährung, möchte doch nunmehr auch der König etwas von der Königin, und wenn es nur die Offenlegung der Bitte ist. 41 Auch trägt es dem besonderen Gewicht des Wunsches nach Abkehr des Dramas, dessen Erfüllung zu Rettung des jüdischen Volkes unbedingt notwendig ist, Rechnung. Nicht zuletzt ist die Unterbreitung des ersehnten Wunsches untrennbar verknüpft mit dem Eingeständnis „mir und meinem Volk“ (Est 7,3), dem Bekenntnis der Ester.
Der Zornige 42 und die Ohnmächtige
Beachtung verdient die Einladung zu dem von Ester bereiteten Festmahl, die sie dem König bei der Audienz unterbreitete, - nachdem sie alle Türen des Palastes duchschritten hatte, und die vornehme strahlend blühende, bezaubernde Schönheit im Prunkgewande und Schleppe, eskortiert von zwei Dienerin, beim Anblick des zornroten Gesichts Artaxerxes auf seinem Thron zweimal in Ohnmacht gefallen war. 43 Ohnmacht ist mehr als ein das Herz des Königs anrührender Schwächeanfall, er hebelt das regelwidrige, weil ungefragte Erscheinen Esters aus, durfte doch niemand unaufgefordert vorm König erscheinen (vgl 2,14; 4; 5,1f). Von den Lesern des Esterbuches wird Ohnmacht als Ausdruck der Hilflosigkeit zu interpretieren sein, als ein persönlicher Zustand, sich dem Ratschluss Gottes zu überant-worten. Christliche Martyrer antworten mit der Ohnmacht des eigenen Todes auf den gewaltsamen und unausweichlichen Tod Jesu (Einsetzungsbericht des Abendmahls „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). Die Unausweichlichkeit des Todes überliefert Mt „er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen“ (Mt 16,22).
41 „auch wenn es die Hälfte meines Reiches wäre“ (Est 5,3.6,7.2).
42 Est 1,12; 2,1; 5,1d; 7,7.
43 Vgl Sir 8,16: Einem Jähzornigen biete nicht die Stirn.
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Die wichtige Rolle des Banketts bei Entscheidungen über jüdisches Los tritt nochmals in Est 5,5-8 hervor, wenn der König zum Festmahl erscheint, „das Ester vorbereitet hatte“ (ferner Est 6,14), und die Königin Ester beim Mahl dem König antwortet „möge mir und meinem Volk das Leben geschenkt werden. Das ist meine Bitte und mein Wunsch“ (Est 7,3). Ester, der jüdischen Gattin des Perserkönigs, gelang es, diesen zur Rücknahme des Vernichtungsbefehls zu bewegen. Ester und ihr Cousin (Geschwisterkind) Mordechai, der „sie als Tochter angenommen hatte“ (Est 2,7.15.20) rufen in Briefen zur Feier des Festtages auf. 44 Purim wird als das Fest göttlicher Errettung aus größter Lebensgefahr begangen.
2.6 „Mene mene tekel u-parsin“: Das große Gastmahl bei Belschazzar
Belschazzar, Sohn des letzten neubabylonischen Königs Nabonid, gab ein rauschendes Fest „für seine Großen“, 45 bei dem er, sein Hofstaat, seine „Frauen und Nebenfrauen aus goldenen und silbernen Gefäßen tranken, die sein Vater Nebukadnezzar aus dem Tempel des Gotteshauses in Jerusalem“ geraubt hatte, und lobten die Götter, „die weder sehen noch hören können und keinen Verstand haben“ - ein Sakrileg, eine Beleidigung Gottes -, woraufhin „die Finger einer Menschenhand erschienen“ und geheimnisvolle Zeichen an die Wand des königlichen Palastes schreiben. Belschazzar fährt der Schrecken in seine Glieder. 46
Dan 5,25f: Das Geschriebene lautet aber: mene mene tekel u-parsin. Diese Worte aber bedeuten: Mene: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende. Tekel: Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Peres: Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben (peres, Mehrzahl parsin, erinnert zugleich an die Perser).
Daniel war als Einziger in der Lage, die Zeichen als die aramäischen Wörter Mene mene tekel, u-parsin zu lesen und ihren Sinn zu deuten: „Aber den Gott, der deinen Lebensatem in seiner Hand hat und dem alle deine Wege gehören, den hast du nicht verherrlicht.“ Sie prophezeien den Untergang Belschazzars und Babylons. Noch in
44 Entstehung des jüdischen Purimfestes; Est 9,18-22.32; durch das Los, abgeleitet vom hebr pûr, legt Haman nach Genehmigung durch den König einen Tag fest, an dem er gegen die jüdische Bevölkerung des Reiches
vorgehen will an; Brief an die Juden von Alexandria: 10,3; Talmud (Megilla 7b) zit Stemberger, Jüdische
Religion, 40f.
45 Reiterer, Herders Neues Bibellexikon, 79: Belschazzar wäre der vierte Nachfolger Nebukadnezzars gewesen; vgl „König Belsazer machte ein herrliches Mahl seinen tausend Gewaltigen und soff sich voll mit ihnen“ (Luther-
Bibel 1912, abrufbar unter: bibel-online.net“).
46 Vgl den Schock Jedermanns beim Auftreten des Todes beim Gelage (Mysterienspiel von Hugo v. Hofmannsthal).
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derselben Nacht wird Belsazar ermordet (Dan 5,1.25; Bar 1,11) 47 . In anderen Passagen schildert das apokalyptische Buch Daniel, dass nach einer bestimmten Abfolge von Epochen und Königen die Herrschaft Gottes anbrechen wird.
2.7 Festgelage mit tödlichem Ausgang (II): Die Enthauptung des Täufers Johannes
Noch einmal mag bei der Geburtstagsfeier des Herodes Antipas die den Atem raubende Prachtentfaltung „orientalischer“ Herrscher durchschimmern, mochte sich der Leser dieser Perikope an die prunkvollen Bankette babylonischer, persischer, hellenistischer und römischer Potentaten erinnern. Vielleicht bildet die hier dargestellte Szenerie die Naht- und Schnittstelle zwischen Altem und Neuem Testament, baut die Brücke zwischen dem umfehdeten Landstrich Kanaan und dem Ringen um die Erfüllung der Heilszusage Gottes 48 bis hin zur bedrängten Gemeinde um Johannes und Jesus. „Ich sage euch: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes; doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er“ (Lk 7,28).
Die Szene entfaltet abermals königliche Macht. Man denke an die Prunkbauten Herodes des Großen, an den ersten Winterpalast in Jericho (ca 35 v.Chr.). Auch der Speisesaal im „Palast auf der Klippe“ in Caesarea Maritima, weiters der Speisesaal seines Privatpalastes auf der Festung „Herodeion“ war wohl üppig ausgestattet. Herodes Nachfahre Agrippa II. legte sein triclinium 49 im hasmonäischen Palast in Jerusalem so an, dass er weite Teile der Stadt überblicken konnte. „Der König liebte diese Aussicht sehr und pflegte, wenn er hier zu Tisch lag, alles zu betrachten, was im Tempel vor sich ging“. 50
„Als aber der Geburtstag des Herodes gefeiert wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor den Gästen“ (Mt 14,6)
Griechische Könige konnten mit ihren Ehefrauen und Töchtern feiern, oder aber mit Kitharaspielerinnen und Tänzerinnen. Die Teilnehmer beim δεῖπνον (Mk 6,21; Abendessen, Gastmahl) waren Publikum von Vorführungen, Musik und Tanz. 51
47 vgl „Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? LK 12,56; ferner Lk 11,29; ;„Belschazzar, der König der Chaldäer“ (Dan 5,30); neben „gezählt-
gewogen-geteilt“ (verbal) können die Worte des Orakelspruchs (hebr Konsonanten) auch substantivisch gelesen
werden „Mine-Schekel-Halbschekel“, deren abnehmender Wert der Gewichte die drei letzten Könige Babylons
symbolisiert zit Ernst, Herders Neues Bibellexikon, 512f.
48 Vgl Ernst, Herders Neues Bibellexikon, Verheißung 775: Jes 9 u 11; Mi 5; 2 Kor 1,20.
49 Ursprüngl Bedeutung vermtl ‘Dreiersofa”, dann ‚triklinon’ auch Speisesaal, Bankett s Vössing Mensa Regia 561ff.
50 Josephus Flavius Jos AJ 20,189-92; Vössing Mensa Regia 112.
51 Vössing, Mensa Regia, 64, 164.
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Der Name der heute wohl berühmtesten Tänzerin vor „Hofbeamten und Offizieren“ bei einem Königsbankett der Antike wird in den Evangelien namentlich nicht genannt. Herodias hatte aus ihrerer ersten Ehe mit Herodes Philippus (Mk 6,17; Boethus) eine Tochter namens Salome; sie war also Stieftochter des hier gefeierten Herodes Antipas (regierte 4 v. - 39 n. Chr.). Der Tanz der Prinzessin, - die wohl später den 30 Jahre älteren Tetrarchen Philippus (gest 34 n. Chr.) ehelichen sollte sowie dann Aristobul, einen Enkel Herodes dem Großen heiratete - dient der Instrumentalisierung durch ihre Mutter, die die Gelegenheit nutzte, Johannes den Täufer ermorden zu lassen (Lev 18,16). 52 Josephus Flavius berichtet, Herodes habe die Überzeugungskraft des „Johannes, den sogenannten Täufer“ gefürchetet „und er hielt es daher für wesentlich besser, ihn vorgreifend, bevor irgendwelche Neuerungen durch ihn entstünden, zu beseitigen“ (Ant 18, 116-11).
3 Dank, Preisung, Segen und Wandlung
3.1 Melchisedek segnet Abraham
Geschworen hat der Herr, und es wird ihn nicht gereuen:
„Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung/Weise Melchisedeks.“ (Ps 110,4; 76,3)
Wenn in Gen 14,18 ein König auftritt, der zugleich als Priester des Höchsten Gottes vorgestellt wird, mag das irritieren. Doch die Grenzen zwischen weltlicher Herrschaft und Priestertum waren bei den Völkern des Altertums nicht so präzise gezogen, wie wir es heute gewohnt sind. Auch die Funktionen, die Priester und weltliche Herrscher wahrgenommen haben, konnten sich überlagern. 53 „Dieser Melchisedek, König von Salem und Priester des höchsten Gottes; er, der dem Abraham, als dieser nach dem Sieg über die Könige zurückkam, entgegenging und ihn segnete“ (Hebr 7,1-3), brachte nun Brot und Wein heraus und sagte: Gesegnet sei Abram vom Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und gepriesen sei der Höchste Gott, der deine Feinde an dich ausgeliefert hat. Im Blick auf den Reichtum der Hoffnung „haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang; dorthin ist Jesus für uns als unser Vorläufer hineingegangen, er, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester ist auf ewig“ (Hebr 6,19; 7,24; 5,6).
52 Ernst, Herders Neues Bibellexikon, 649; Vössing Mensa Regia 165.
53 Vgl Herzog, Staaten der Frühzeit - Ursprünge und Herrschaftsformen (München 1988) 97.
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3.2 Das Abendmahl
Die Abendmahlsworte Jesu sind im Neuen Testament vierfach überliefert: Mk 14,22-25; Mt 26,26 - 29; Lk 22,15 - 20; 1 Kor 11,23 - 26. Ein Anklang findet sich im Zusammenhang mit der Speisung der Fünftausend in Joh 6,51c; das Mahl selbst wird in Joh 13,21ff vorausgesetzt. Daneben finden sich in der Didache (Kap 9 ua) Abendmahlsgebete, im Ebioniterevangelium und in der Apologie Justins des Märtyrers Hinweise und Ausführungsbestimmungen. 54 Mit dem Brotwort "das ist mein Leib" und dem Weinwort "das ist mein Blut" deutet Jesus sein eigenes Sterben, ja mehr, Jesus macht sich selbst zum Paschalamm. Bewußt wird das Mahl unter dem Zeichen des Kreuzes gefeiert: Der Verräter wird bezeichnet (Mk 14,18-21) und die Verleugnung wird angekündigt (Lk 22,31-34; vgl. Joh 13,3-38). 55
Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche Christi das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tage, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird" (SC 106). Der Tag der Auferstehung des Herrn ist zugleich der „erste Tag der Woche", das Gedenken an den ersten Schöpfungstag, und der „achte Tag", an dem Christus nach seiner „Ruhe" des großen Sabbats den Tag anbrechen läßt, „den der Herr gemacht", den „Tag, der keinen Abend kennt" (Byzantinische Liturgie). Das „Mahl des Herrn" ist sein Zentrum, denn da begegnet die ganze Gemeinschaft der Gläubigen dem auferstandenen Herrn, der sie zu seinem Festmahl einlädt (vgl Joh 21,12; Lk 24,30). 56
3.3 Die Stunde Jesu
Alles, was das Priestertum des Alten Bundes im voraus bezeichnete, findet in Jesus Christus, dem einen „Mittler zwischen Gott und den Menschen" (1 Tim 2,5), seine Vollendung. Melchisedek, „Priester des Höchsten Gottes" (Gen 14,18), wird von der christlichen Überlieferung als ein „Vorausbild" des Priestertums Christi angesehen, des einzigen „Hohenpriesters nach der Ordnung Melchisedeks" (Hebr 5,10; 6,20). Christus ist „heilig, unschuldig, makellos" (Hebr 7,26) und hat „durch ein einziges Opfer die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt" (Hebr 10,14),
54 Bräumer, Die Einsetzung des Abendmahls; vgl Janowski, Hingabe oder Opfer? in: Mincha, Festgabe für Rolf Rendtorff zum 75. Geburtstag, 93-119.
55 Jesus knüpft wohl an Jer 31,31 - 34 an. Doch können auch Sach 9,11 oder Jes 49,8f u 42,6 im Hintergrund stehen. "Das ist mein Bundesblut" bzw. "dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut." Der neue Bund war
von Jeremia angekündigt worden; vgl Sir 32: Gastmahl (Sir 14,10; 18,30); Hebr 9 u 10; Jes 25,6; 55,1;65,13;
Spr 9,1-6; Offb 19,9;
Mt 9,9-13.
56 Katechismus 1166, vgl 1329.
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nämlich durch das einmalige Opfer seines Kreuzes. 57 Papst Benedikt XVI. bringt uns die Bedeutung des Abendmahls nahe, wenn er zu Eucharistie ausführt:
„Ich finde diesen neuen Schritt, den das Abendmahl uns geschenkt hat, sehr schön angedeutet im Unterschied zwischen dem griechischen und dem lateinischen Wort für Anbetung. Das griechische Wort heißt »proskynesis«. Es bedeutet den Gestus
der Unterwerfung, die Anerkennung Gottes als unseren wahren Maßstab, dessen Weisung wir folgen. […] Das lateinische Wort für Anbetung heißt »ad-oratio« -Berührung von Mund zu Mund, Kuß, Umarmung und so im tiefsten Liebe. Aus Unterwerfung wird Einung, weil der, dem wir uns unterwerfen, die Liebe ist. […] Er hat uns aufgetragen, in »seine Stunde« einzutreten. In sie treten wir ein durch das
Wort der heiligen Macht der Verwandlung, die durch das Preisgebet geschieht, das uns in die Kontinuität mit Israel und der ganzen Heilsgeschichte Gottes stellt und uns zugleich das Neue schenkt, auf das dieses Gebet von innen her wartete. Dieses Gebet - die Kirche nennt es Hochgebet - konstituiert Eucharistie. Es ist Wort der Macht, das die Gaben der Erde auf ganz neue Weise in die Selbstgabe Gottes verwandelt und uns in diesen Prozeß der Verwandlung hineinzieht. Deswegen nennen wir dieses Geschehen Eucharistie, was die Übersetzung des hebräischen Wortes »beracha« ist - Dank, Preisung, Segen und so vom Herrn her Verwandlung: Gegenwart seiner »Stunde«.
58
4 „Das große Festmahl“: Heilsimplementierung durch Gott unter seinen Gästen (Lk 14,15-24, vgl Lk 17,21)
4.1 Paschafest und Befreiungserfahrung:
Sich zu erinnern ist in der biblischen Tradition Ausdruck der Befreiungserfahrung, die Gott schenkt. Das Gedenken an den Exodus ist dem Volk Israel von Gott aufgetragen (Ex 12,14). Das jährliche Paschafest dient der Erinnerung an den Auszug des Volkes aus der Sklaverei und an die Konsequenz, in die der Einzelne im kultischen Handeln einbezogen und von ihm betroffen ist. Wie stark die Erinnerung an den Exodus das tägliche Leben des Volkes Israel bestimmt, lässt sich auch an den vielfältigen Exodusbezügen des Neuen Testaments erkennen, nicht zuletzt an dem Bezug des Abendmahls und der Passion Jesu auf den Exodus. Entweder wird das letzte Mahl Jesu als Paschamahl dargestellt oder Jesus als Paschalamm (Joh 1,29.36; 19,14.33.36; Apg 8,32), wobei weniger an das Schlachten des Lammes gedacht ist, als an seine Wehrlosigkeit, in der die widerständige Ausdauer des Märtyrers erkannt wird (vgl Röm 8,36 u Ps 43,23). Das Abendmahl mit seinem Gedenken an Jesus Christus lässt sich also in das Gedenken an die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei einordnen.
57 Katechismus 1544; „Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken, und ihr sollt auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme
Israels richten“ (Lk 22,30).
58 Predigt von Benedikt XVI. beim Weltjugendtag in Köln am Sonntag, den 21.8.2005; vgl Nachsynodales Apostol. Schreiben Sacramentum Caritatis.
23
Auch bei der Erzählung von der Salbung in Bethanien wird das Geschehen mit einem Mahl in Verbindung gebracht (Mk 14,9: „Als Jesus in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war“; Mt 26,13.17.26-28: „Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis (…) Dann nahm er den Kelch, sprach das Denkgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Woten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“) Im LkEv (7,36-50) kommt zu dem Mahl mit Gästen eine Frau, die Jesus salbte. 59
4.2 Das Bild Gottes und das Bild vom Festmahl:
Das Bild vom endzeitlichen Festmahl begegnet bereits in Jes 25,6-8 (Völkerwallfahrt zum Zion): „Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen. […] Er beseitigt den Tod für immer“. Das Mahl wird nicht nur für Israel, sondern für alle Völker bereitet (vgl Ps 91,16).
Der Einbezug aller ins (universale) Heilsgeschehen erfolgt unter zwei Bedingungen: 60
1. Umkehr und Nachfolge Jesu
2. Tun der Gerechtigkeit
Die Einladung ist einmal mehr Aufruf zur Umkehr zum rechten Zeitpunkt. Das Gleichnis hat appelativen, aufrüttelnden Charakter, - mahnt zur Entscheidung und bereitet die nachfolgende Belehrung (Lk 14,25-27).
Nach der Darstellung des Johannesevangeliums beginnt das öffentliche Wirken Jesu mit der Hochzeit zu Kana, wo er das vom Scheitern bedrohte Fest - die Hilflosigkeit der Brautleute - rettet, indem er Wasser zu Wein wandelt. Das Reich Gottes erscheint in seiner Verkündigung als ein großes Festmahl, zu dem er einlädt. Und ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen (Mt 8, 11). 61
59 Bieler/Schottroff, Das Abendmahl - Essen, um zu leben (Gütersloher Verlagshaus 2007) 221f; zur Komplexität der Metapher Lamm s Brandt, Opfer als Gedächtnis (Münster Lit-Verlag 2001) 225-231; Wengst, Das Johannes-
2 (StuttgartKohlhammer 2000) 91f. evangelium, 1. Teilband
60 Erlemann, Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen (Stuttgart Kohlhammer 1988) 188f, 193; vgl Prostmeier, Kleine Einleitung in die Synoptischen Evangelien, 143.
61 Huber, Die Welt zu Gast bei Freunden.
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4.3 Thematik des Gleichnisses vom Festmahl:
Bei Mt steht das Hochzeitsfest γάμους (Mt 22,2) im Mittelpunkt, bei Lk das δεῖπνον μέγα. 62 Dabei bindet Lk durch das Stichwort δεῖπνον das Gleichnis an den vorausgehenden Kontext 63 sowie an das Ereignis der Einladung zum Mahl „während er in das Haus eines Führenden (der) Pharisäer am Sabbat kam um Brot zu essen […]“ (Lk 14,1).
Die Lektüre des Gleichnisses sollte nicht isoliert erfolgen; vielmehr sollte bei der Lektüre das gesamte Kapitel Lk 14 - Tischgespräche (Gastmahl mit tödlichem Ausgang III) - in den Blick genommen werden, eingebettet in die „Zeichen der Zeit“ 64 und dem Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15,1-10; vgl Jer 23,3). Das hier untersuchte Gleichnis verweist auf das Mahl im Königreich Gottes, die Erstgeladenen auf die ürsprünglichen Träger der Verheißung, vermutlich Pharisäer 65 und Schriftgelehrte. Unterstellt man, dass dieser Adressatenkreis gemeint ist, so wird ihnen vorhergesagt, dass sie das Heil nicht erlangen werden. Die Späteren, Blinde und Lahme, können als Hinweis auf die messianische Zeit gewertet werden. Wenn die zuerst Angesprochenen nicht für die Nachfolge bereit stehen, gibt Gott den Vorzug an andere weiter. 66
4.4 Bildebenen:
Statt der Erstgeladenen kommen andere zum Festmahl. Die Hauptakteure sind ein Gastgeber - ἄνθρωπός (Mensch, v 16) bzw ὁ κύριος (Herr, v 21-23)
ὁ οἰκοδεσπότης (Hausherr, v 21) - und zwei Gruppen von Gästen. Dazwischen tritt ὁ δοῦλος (Sklave) 67 als Bote des Herrn. Der Spannungsbogen wird mit der
Absage der Erstgeladenen eröffnet und zieht sich bis zum Fest mit den anderen. Dabei steht die Frage auf, wie es dazu kommt, dass die zuerst Eingeladenen nicht teilnehmen, sondern „die Armen, Krüppel, Blinden, Lahmen“, soziale Randgruppen, Aussenseiter, und schließlich all diejenigen, die sonst noch zu ihren Plätzen
62 großes Abendessen (Hauptmahlzeit, oft festlich; EÜ: großes Festmahl, v 16b).
63 Vgl v 8: γάμους / Hochzeit(-sfeier); v 12: ἢ δεῖπνον / Abendessen; Übers Ernst, Arbeitsexemplar; vgl Lk 5,29 großes F. Levis für Jesus.
64 diesem Zeitpunkt: Wer zum entscheidenden Zeitpunkt der Einladung nicht nachkommt, schließt sich vom Fest aus; vgl Lk 12,56.
65 Unter Königin Alexandra (76-67 v. Chr.) kamem einige von den Pharisäern in den Hohen Rat; die Evangelien mochten Auseinandersetzungen mit ihnen in die Jesusüberlieferung übertragen haben; weiterführend Ernst,
Herders Neues Bibellexikon, 590.
66 Vgl Erlemann, Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen, 170f, 179.
67 „Nebenfigur“, vielleicht ein Bild für die Propheten.
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gewiesen werden. Die Erstgeladenen haben sich, durch mehr oder weniger plausible Erklärungen, selbst ausgeschlossen, indem sie dem Ruf Jesu in die Nachfolge nicht zur rechten Zeit nachkommen. 68 Soziales Engagement und Absehen von gesellschaftlichen Verpflichtungen führen zum Heil (rechtes Tun, der richtige Entschluss wird belohnt). Der Ruf Gottes ergeht an möglichst alle Menschen, ohne Ansehen der Person.
4.5 Erwählung - Vorzug oder Beschwer?
Allerdings bleibt offen, ob es sich um ein rein internes Problem der lukanischen Gemeinde handelt, mithin ob der unbedingte Wille zur Nachfolge (Besitzverzicht) eingemahnt wird. Diese Deutung hat das Argument für sich, dass der Akutalitätsbezug der apellativen Gleichnisrede Jesu erhalten bleibt, und die Warnung jeden - zeitungebunden bis heute (hic et nunc) - angeht. Wer sich sicher ist, er habe es sich aufgrund welcher Verdienstlichkeiten auch immer oder gar zufolge vermeintlicher Vorzüge längst eingerichtet, läuft Gefahr, dass seine Einschätzung einst als Trugbild entlarvt werden wird. Der „Erwählungsvorzug“ ist kein Habitus, er kann vielmehr - mangels entsprechender Haltung, Wachsamkeit und Buße - wieder entzogen werden.
In der Perikope Mt 22,11f wird ein Mann, der bereits seinen Platz eingenommen hatte, hinaus geworfen, weil er kein Hochzeitsgewand trug. Das Tragen festlicher Kleidung ist wohl äußeres Zeichen der rechten Gesinnung, vielleicht auch der Bereitschaft zu Umkehr und ständiger Buße. 69 Der Wille Gottes, das Heil unter Ausgestoßene, Blinde und Lahme zu implementieren, korrespondiert mit dem Willen der (ersatzweise) herbei geführten Gäste, an der Heilsveranstaltung teilzunehmen. Der Hinauswurf im matthäischen Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl engt den Adressatenkreis keineswegs ein, er unterstreicht vielmehr die aus der liebevollen Zuwendung Gottes entspringenden Einladung, die an alle Menschen, „Böse und Gute““, ergeht.
Sie ist keine Einladung zu einer geschlossenen Veranstaltung, sondern öffentliche Kundmachung. Sie wird durch seine Diener zu jeder Zeit selbst dort hingetragen, wo die Gebote Gottes mit Füßen getreten werden, und erst Recht in den öffentlichen Raum des Aufklärungszeitalters; auch dorthin, wo Menschen Gott beiseite
68 zur Entscheidung, die der Einzelne selbst trifft, vgl auch das Gleichnis von den zwei Söhnen Lk 15,11-32; vgl Erlemann, Bild Gottes, 174f, 185.
69 auf die Verknüpfung von Gerichts- und Mahlmetaphorik kann hier nur verwiesen werden; Jes 65,13.
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schieben, und der Glaube nicht mehr im Herzen des Menschen, sondern - dem scheinbar unwiderleglichen Zwang der naturwissenschaftlichen Theorien folgend - ins Reich der Phantasie verortet wird. Wir müssen das Angebot nur annehmen. Die Annahme wiederrum drückt sich durch unsere Haltung aus, wofür das Bild des Festkleids steht: 70
Noch eine Überleugung zum „Freund“-Wort: Der König sagte zu ihm: ἑταῖρε - den Begriff verwendet Mt auch an anderen Stellen für Freund. Wenn er auch nicht den Begriff φίλος (Feund, Vertrauter) gebraucht, so soll am Rande doch erwähnt werden, dass in der Profanliteratur, soweit ich das beurteilen kann, dieses Wort im Zusammenhang mit einer bestimmten Gruppe von Tischgenossen nicht ungebräuchlich war. So konnten jene bezeichnet werden, die zwar im Kreis der Geladenen geleichfalls zu Tisch lagen, aus der Perspektive der „Ehrenhaften“ abermangels Tributleistung an den Herrscher - nicht mit vollem Recht am Bankett teilnehmen durften, weshalb sie eher in die Nähe der „Schmeichler“ gerückt wurden. 71
4.6 Versuch einer Auslegung
4.6.1 Situation und Bild:
In Lk 14,1 erfahren wir, dass Jesus „in das Haus eines Führenden Pharisäer am Sabbat kam um Brot zu essen“. 72 Jesus erzählt das Gleichnis während eines Abendessens. Wir haben somit eine Parabel über ein Festbankett - erzählt bei einem Abendmahl - vor uns, gleichsam ein Gleichnis von einem Festmahl im Ereignis einer Tischgemeinschaft am Sabbat.
„Glückselig, wer Brot isst im Königreich Gottes“, resümiert ein aufmerksamer Zuhörer der Tischgesellschaft auf die in der vorhergehenden Perikope überliefer-
70 vglJes 29,18; 35,5; Ps 25,7; vgl Erlemann, Bild Gottes, 186.
71 Der Gedanke ist nicht gesichert; vgl allenfalls Vössing, Mensa Regia, 92.
72 Übersetzung Ernst, Arbeitsexemplar für die Exegese-VO: Das Evangelium des Lukas.
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tenMahnung Jesu, gerichtet an diejenigen, die zu einer Bewirtung einladen, nicht Freunde, Verwandte oder gar reiche Nachbarn herbei zu rufen, sondern Arme, Krüppel, Lahme und Blinde.
73
Die Seligpreisung könnte von Jesus stammen, doch ist die Erzählung so komponiert, dass Lk das behaglich anmutende Wort nicht ihm, sondern einem Zuhörer vortragen lässt. Die Seligpreisung wird so Anlass und auslösender Zeitpunkt fürdas Gleichnis, wobei Lk beginnt: „Er aber sagte ihm“. Der Makarismus im Einstieg ist auch deshalb gelungen, weil er an die
Symposien
erin-
nert, bei denen die Belehrung der Tischgemeinschaft dominiert und das Mahl, das nur als Rahmen dient, untergeordnet ist. 74 Die Gleichisrede ist zugleich
Weckruf (Appell)
Unheilsansage (prophetisch und apokalyptisch; vgl Lk 13,28-30)
Heilspredigt, eine Botschaft der Befreiung
Der Vergleichspunkt zwischen Bild und Sache wurde von A. Jülicher in einem einzigen tertium comparationis gesehen. Erst durch diese Erkenntnis wurde die traditionelle allegorisierende Auslegung der Gleichnisse, die sie Punkt für Punkt auslegte, überwunden. Die HörerInnen Jesu verstanden sie ohne allegorisiernde Deutung. Das Neue bei Jesus sind nicht die Bilder, sondern deren Aktualisierung in Gleichnissen. 75
4.6.2 Die erste Anweisung: Einladung zum großen Mahl
„Ein Mensch veranstaltete ein großes Abendessen und rief viele und er sandte seinen Sklaven zur Stunde des Abendessens, um den Gerufenen zu sagen: Geht, denn schon ist es bereit!“ (Lk 14,16f).
Die Erzählung beginnt mit einem Nominativanfang „Ein Mann / Mensch…“. Nach J. Jeremias seien die Gleichnisse an Gegner Jesu gerichtet gewesen, nach Ostern aber an die Jünger umadressiert worden. Ein energisches Plädoyer für die Berücksichtigung des Rahmens trägt B. Gerhardsson vor. Dieser Rahmen müsse
73 „Und du wirst glückselig sein, weil sie nichts haben, um dir wiederzuvergelten; es wird dir nämlich wiedervergolten werden, bei der Auferstehung der Gerechten“ Lk 14,14).
74 Vössing, Mensa Regia - Das Bankett beim hellenistischen König und beim römischen Kaiser (Leipzig 2004) 18f, 157f.
75 Bultmann, Die Geschichte der synoptischen Tradition - mit einem Nachwort von Gerd Theißen 10 (Göttin-
gen 1995) 430; die Vorstellung vom messianischen Mahl ist alt: vgl Jes 25,6; ath Hen 60,7; 62,14; 4 Esra
6,52; snr Bar 29,4; Apk 3,20 19,9; Mt 8,11; Lk 22,29f (Aufzählung bei Bultmann synTrad 113, dort FN 3); vgl Lk 13,29: καὶ ἀνακλιθήσονται ἐν τῇ βασιλείᾳ τοῦ θεοῦ / „und sie werden zu Tisch liegen in der Königsherrschaft Gottes“.
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die Gleichnisauslegung steuern, er könne den ursprünglichen Sinn nicht ganz verfehlen. Die Pointe wäre häufig eine weisheitliche Paränese, wie sich der Mensch zu Gott, und seinen Mitmenschen verhalten soll. Für Vertreter einer anspruchsvollen theologischen Sprachtheorie sind Gleichnisse Paradigmen religiösen Redens überhaupt. Sie gelten als Sprachereignis, das den Menschen umschafft und nicht nur von der Gottesherrschaft berichtet, sondern die Adressaten für sie öffnet. Sie gelten als eine Art „Inkarnation“ der Königsherrschaft Gottes: In ihnen sei Jesus - in Gestalt einer impliziten Christologie - in seinem Wort präsent. Diese hermeneutische Strömung führt zu so anspruchsvollen Interpretationsleitsätzen wie dem von E. Jüngel, Paulus und Jesus (1962) 135: „Die Basileia kommt im Gleichnis als Gleichnis zur Sprache“. 76 „Kanonische Exegese“, so Benedikt XVI., d.h. Lesen der einzelnen Texte der Bibel in deren Ganzheit, ist eine wesentliche Dimension der Auslegung, die zur historisch-kritischen Methode nicht in Widerspruch steht, sondern sie organisch weiterführt und zu eigentlicher Theologie werden lässt. 77
Üblicherweise ging einem großen Mahl eine separate, auch schriftliche, Vorankündigung der Einladung voran. Dies wird auch hier der Fall gewesen sein, sodass die dargestellte Herbeirufung keine spontane Einladung war, sondern eine nochmalige, letzte Erinnerung an die Geladenen erfolgte. „Geht denn schon ist es bereit!“ (v 17). 78 Der Gastgeber lässt zum zubereiteten Mahl bitten, doch die Geladenen kommen nicht, sie sagen ab, und schützen mehr oder weniger unaufschiebare Hindernisse vor (Schutzbehauptung).
4.6.3 Die Ausreden:
„Ich kaufte einen Acker […] halte mich für entschuldigt“; „Fünf Gespanne (Joch) Ochsen kaufte ich…“ (Lk 14,17-19).
Wie begreiflich erscheinen uns doch diese exemplarisch angeführten Entschuldigungsgründe, wie oft greifen wir selbst gerne dazu; oft ist uns eine Einladung lästig, wir haben besseres, wichtigeres zu tun - Gründe für die Ablehnung: „Sonst gerne!“ - gibt es zur Genüge, schließlich „muss ein jeder selbst schauen, wo er bleibt“ (sagt uns eine leider gebräuchliche Redewendung). - Wie oft lassen wir
76 Bultmann synTrad Nachwort v Theißen 431ff; die Forschungslage hat sich in Bezug auf die Logienquelle durch die Entdeckung des EVThom in Nag Hamadi 1946 verändert, auch das EvThom ist eine Spruchsamm-
lung.
77 Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, 18.
78 Mit der offiziellen Einladung zum griechischen Herrscherbankett ließ der König besonders hervorgehobenen Gästen auch königliche Geschenke überreichen: Vössing, Mensa Regia, 93.
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uns eigentlich bitten? Wie oft schon haben wir selbst eine Einladung ausgerichtet und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut ein Ereignis gebührend vorzubereiten, um es zu einem freudigen Fest werden zu lassen. Wir wurden brüskiert, ent-täuscht, waren einer Täuschung erlegen. Wieviele Plätze am gedeckten Tisch blieben leer? Auch Lukas lässt dies scheinbar offen. Platz im Haus des Gastgebers ist sicherlich genug; haben wir jedoch bedacht, als wir glaubten, die Einladung zurückweisen zu müssen, welche Konsequenz unser Handeln nach sich zieht? Was, wenn der Platz von einem anderen an unserer Statt eingenommen wird?
„Eine Frau heiratete ich und deswegen kann ich nicht kommen.“ (Lk 14,20)
Bei der ersten und zweiten Entschuldigung tritt - nach der Intention der Perikope - die anti-merkantilistische Tendenz deutlich hervor (vgl Lk 14,33). Jesus und seine Jünger lebten einen sozial abweichenden Lebensstil - ohne stabilitas loci, distanziert gegenüber Familie und Besitz. 79 Der Dritte entschuldigt sich gar nicht, so als sei eine Hochzeit selbstredend eine Entschuldigung für das Verhindert- Sein. Lkgipfelt die Unverfrorenheit der Ausreden (Verhaftet-Sein in der Welt) mit der Ausschlagung der Einladung durch den Dritten auf und entlarvt so die Bedenkenlosigkeit und Selbstgefälligkeit der Erstgeladenen. Das Fest lässt sie kalt, sie stehen dem Fest nicht einfach gleichgültig gegenüber, dem Gastgeber lassen sie durch den zurückkehrenden Sklaven ihre Ablehnung ausrichten. Eine Ablehnung, die nur vordergründig das Fest bzw das Geschehen betrifft, zielt sie doch auf den Einladenden selbst. Die Ausschlagung der Einladung kommt somit einer Verhöhnung des Hausherrn gleich, sein Eifer um das Wohl der Gäste wird mit Spott quittiert. 80
Eine Analogie findet sich im ThomEv L 64: „Er ging zu einem anderen und sagte: Mein Herr hat dich eingeladen. Der erwiderte: Mein Freund heiratet, und ich richte das Hochzeitsmahl aus. Ich kann nicht kommen und bitte, mich zu entschuldigen“. 81
79 Bultmann synTrad - Nachwort v Theißen 422.
80 Vgl Hebr 6,6: Denn sie schlagen jetzt den Sohn Gottes noch einmal ans Kreuz und machen ihn zum Gespött.
81 Mein Freund wird heiraten, und ich werde ein Mahl geben; Übers Haenchen, in: Quattuor Evangeliorum, 525.
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4.6.4 Die zweite Anweisung: Die Herbeiführung der Ersatzgäste (enger Kreis) Hierauf lässt der Gastgeber Ersatzgäste für das zu feiernde Mahl (Teilnahme am endzeitlichen Festmahl der Tischgenossen) von seinem Sklaven/Knecht herbeiholen.
„Da wurde der Hausherr zornig und sagte seinem Sklaven:
Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Blinden und Lahmen hierher!“ (Lk 14,21)
Die Einladung muss hier und jetzt angenommen werden, die wesentliche Frage ist also nicht, wann das Reich kommt, sondern w e r daran teilhaben wird, oder anders ausgedrückt: Was geschieht mit den Erst-Geladenen? 82 Das Aussprechen der Einladung vergegenwärtigt das Kommen des Erlösers, die Annahme zieht das Festmahl an sich. Hier wird der appellative Charakter des Gleichinsses deutlich. Das Wort von den Armen und Blinden gemahnt an die 6. Antithese der Bergpredigt - Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde (Mt 5,43). 83 Die Nachfolge Christi hat absolute Priorität:
„In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13,1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen.“ 84
4.6.5 Die dritte Anweisung: Das Herbeiführen der entfernten Gäste (weiter Kreis)
„Und es sagte der Sklave: Herr, es ist geschehen, was du angeordnet hattest, und es ist noch Platz. Und es sagte der Herr zum Sklaven: Geh hinaus an die Wege und Zäune und zwinge sie einzutreten, damit mein Haus angefüllt werde!“ (Lk 14,22f)
Der Hausherr befiehlt schließlich seinem Sklaven, nunmehr auch ausserhalb der Stadt die Gäste zur Teilnahme am Gastmahl nachdrücklich zu bewegen. Hier wird die Dringlichkeit des Aufgebots vor Augen geführt: ἀνάγκασον (nach Gemoll: zwingen, nötigen, veranlassen).
82 Die Frage nach der Auferstehung der Gerechten, wer ihrer teilhaftig werden wird, ist offen (Lk 14,14; 14,5); zudem ist auf die Gerichtsmetaphorik hinzuweisen (vgl Lk 22,30); vgl Vögtle, Gott und seine Gäste, 13f;
Bovon, Das Evangelium nach Lukas, EKK (Benziger).
83 Vgl Lev 19,18.34 (auf die Thematik des ethnischen Partikularismus, die ein Teil der Forschung bei der Stelle in Lev auszumachen meint, kann nur verwiesen werden).
84 Aus dem Brief von Papst Benedikt XVI. vom 10. März 2009 an die Bischöfe der Weltkirche, zur Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bischöfe; abrufbar unter: zenit.org).
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Mit „damit mein Haus voll wird“ schließt Jesus das Gleichnis ab. Der Heilswille Gottes ist unerschütterlich, sein Auftrag unbedingt zu erfüllen. Im folgenden Vers 24 spricht Jesus in direkter Rede an seine Zuhörerschaft (Heraustreten aus dem Gleichnis) mit der Wortfolge: „Denn ich sage euch:
Keiner von jenen Männern, die gerufen worden waren,
wird von meinem Abendessen kosten!“
4.6.6 Die Antithese
Die Antithesen ziehen besondere Aufmersamkeit auf sich. E. Lohse zeigte, dass die Rabbinen mit der Formel „Denn ich sage euch / Ich aber sage…“ ihre Auslegung einer anderen Auslegung entgegensetzen, nicht aber der Thora. Das tue nur Jesus. Lohse plädiert daher für eine thorakritische Auslegung der Antithesen. 85 Den Erstgeladenen droht der Selbstausschluss, sie haben die Konsequenz selbst herbei geführt. Joh 3,17-21 überliefert uns, dass Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt hat, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet. Bei Jer 31,30: Jeder stirbt nur für seine eigene Schuld. So ist Annahme der Einladung zugleich Eintreten in die Nachfolge, die die eigene Lebenshingabe mit einschließt („Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen“ Lk 17,33).
Wenn Jesus das Gleichnis mit der Ausrichtung des δεῖπνον μέγα beginnen lässt
und der Herr den Sklaven zur ὥρᾳ τοῦ δείπνου (v 17; vgl Joh 13,1; 12,23) los-
schickt, so ist die Prophetie des Schlusswortes μου τοῦ δείπνου unmissverständlich, wenn wir die Stunde und das Abendessen in Bezug setzen („Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch“ Lk 22,14). „Jesus kann seinen Leib austeilen“, sagt uns der Heilige Vater in der schon oben im Kapitel III.3. zitierten Predigt, „weil er wirklich sich selber gibt.“ Deswegen nennen wir dieses Geschehen Eucharistie, was die Übersetzung des hebräischen Wortes „beracha“ ist - Dank, Preisung, Segen und so vom Herrn her Verwandlung: Gegenwart seiner Stunde.“
85 Bultmann synTrad - Nachwort v Theißen 428; der Gedanke des Selbstsausschlusses dürfte schon früh im Selbstverständnis des Volkes Israels präsent gewesen sein, vgl Dtn 5,22 zu den apodyktischen Rechtssätzen (im
Unterschied zum Wenn-Dann-Schema des konditionalen Recht: Tatbestand und Rechtsfolge).
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5 Ausblick
Die Präsenz Jesu erfüllt sich bei den Emmaus-Jüngern, die zunächst nicht begreifen, dass der Herr mit ihnen unterwegs ist. So beginnt die Jesu-Nachfolge erst richtig nach seiner Auferstehung. Sie bedeutet hinter dem hergehen, der geheimnisvoll präsent ist. An seine Gegenwart erinnert besonders die Feier der Eucharistie, sinnbildhaft dargestellt im Mahl am Ufer des Sees von Tiberias (Joh 21,12f). Aus persönlicher Christusnachfolge bis hin zur Schicksalsgemeinschaft erwächst eine Sendung zu den Brüdern und Schwestern Jesu (Joh 20,17), die ohne die tragende Gewissheit, vom Herrn geliebt zu sein, nicht möglich wäre („ich weiss: mein Erlöser lebt“ Ijob 19,25). Modellgestalt ist „der Jünger, den Jesus liebte“. 86
A.M.D.G.
86 Hasitschka, Christusnachfolge im Johannesevangelium, in: Mitteilungen der ö Jesuiten 3/2002, 8-10.
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6 Literaturverzeichnis
Arzt, Don’t go mistaking Paradise, Protokolle zur Bibel, 3/1994
Benedikt XVI., Jesus von Nazareth (Herder 2006)
Bieler/Schottroff, Das Abendmahl - Essen, um zu leben (Gütersloher Verlagshaus 2007)
Bovon, Das Evangelium nach Lukas, EKK (Benziger) Brandt, Opfer als Gedächtnis (Münster Lit-Verlag 2001) Bräumer, Die Einsetzung des Abendmahls
Bultmann, Die Geschichte der synoptischen Tradition - mit einem Nachwort von Gerd Theißen 10 (Göttingen 1995)
Cornfeld, Die Bibel und ihre Welt - Eine Enzyklopädie zur Heiligen Schrift in drei Bänden
Erlemann, Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen (Stuttgart Kohlhammer 1988)
Ernst, Arbeitsexemplar für die Exegese-VO: Das Evangelium des Lukas Ernst, „[…] verkaufte alles was er besaß, und kaufte die Perle“ (Mt 13,46), Protokolle zur Bibel 1/1997, 31-46 Ernst, Herders Neues Bibellexikon Haenchen, in: Quattuor Evangeliorum
Hasitschka, Christusnachfolge im Johannesevangelium, in: Mitteilungen der ö Jesuiten 3/2002
Herzog, Staaten der Frühzeit - Ursprünge und Herrschaftsformen (München 1988) Hock, Einführung in die Religionswissenschaft 3 (Darmstadt 2008) Huber, Die Welt zu Gast bei Freunden
Janowski, Hingabe oder Opfer? in: Mincha, Festgabe für Rolf Rendtorff zum 75. Geburtstag
Kienapfel, Grundriss des ö Strafrechts-Besonderer Teil I 2 (Manz 1984) Kuld, Die Gleichnisse vom Schatz, der Perle und vom Fischnetz, abrufbar unter: perikopen.de.
Mayr-Oehring, Tischgesellschaften (Ausstellungskatalog, Residenzgalerie Salzburg 2003)
Merklein, Jesus von Nazaret (KBW Stuttgart 2008) Pflästerer, Paare der Bibel
Pötzl, „Sauzitzen und Pfaueneier“, in: Der Spiegel - Geschichte 1/2009 Prostmeier, Kleine Einleitung in die Synoptischen Evangelien (Herder 2006) Reiterer, Herders Neues Bibellexikon (Herder 2008)
Rüthers, Entartetes Recht - Rechtslehren und Kronjuristen im Dritten Reich (Beck 1988) Rüthers, Rechtstheorie - Begriff, Geltung und Anwendung des Rechts 4 (München 2008)
Schmitz, Trickster, Schriftgelehrte oder femme fatale? in: Biblisches Forum - Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive 2004 abrufbar unter: bibfor.de/archiv/04.schmitz.pdf Siquans, Herders Neues Bibellexikon Stemberger, Jüdische Religion 5 (Beck 2006).
Strack/Billerbeck, Das Ev Mk, Lk, Joh u Apg aus Talmud u Midrasch (München 1989)
34
Vögtle, Gott und seine Gäste
Vössing, Mensa Regia - Das Bankett beim hellenistischen König und beim römischen Kaiser (Verlag Sauer Leipzig 2004)
Weeber, Luxus im alten Rom - Die Schwelgerei, das süße Gift 2 (Primus Verlag 2007) Wengst, Das Johannesevangelium, 1. Teilband 2 (Stuttgart Kohlhammer 2000) Zenger, Das Buch Ester, in: Zenger (Hg.), Einleitung in das Alte Testament 5 (Stuttgart 2004) Zürcher Bibelkonkordanz: „Festmahl“
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Hermann Spatt, 2009, Das Festmahl - Symbol und Ereignis der Bibel, unter besonderer Berücksichtigung des Gleichnisses vom Festmahl (Lk 14,15-24), München, GRIN Verlag GmbH
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