Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
1.1 Ausgangssituation 1
1.2 Ziel und Vorgehensweise der Arbeit 2
2 Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 4
2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen 4
2.1.1 Direktinvestitionen und multinationalen Unternehmungen 8
2.1.2 Formen der Direktinvestitionen 9
2.2 Klassifikation der Direktinvestitionen 10
2.2.1 Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestitionen 11
2.2.2 Additive und substitutive Direktinvestitionen 12
2.3 Ökonomische Aspekte und Motive von ausländischen Direktinvestitionen 13
2.3.1 Beschaffungsorientierte Motive 13
2.3.2 Absatzmarktorientierte Motive 14
2.3.3 Effizienzorientierte Motive 15
2.3.4 Strategische Motive 16
2.4 Erklärungsansätze von Direktinvestitionen 16
2.5 Der Eklektische Ansatz von Dunning 21
3 Intensität der ausländischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa23
3.1 Förderung und Anreize ausländischer Direktinvestitionen 23
3.2 Standortfaktoren als Determinanten von ausländischen Direktinvestitionen25
Inhaltsverzeichnis
II
3.2.1 Allgemeine Standortfaktoren 25
3.2.1.1 Geographische Entfernung und soziokulturelle Standortfaktoren 25
3.2.1.2 Infrastruktur in den MOEL 28
3.2.2 Wirtschaftliche Standortfaktoren 29
3.2.2.1 Inflation und Wechselkursstabilität 29
3.2.2.2 Zahlungsbilanz und Auslandsverschuldung 31
3.2.2.3 Lohnkosten und Humankapital 34
3.2.2.4 Größe und Wachstum des Marktes 36
3.2.3 Politische Standortfaktoren 38
3.2.3.1 Länderrisiko 38
3.2.3.2 Rechtliche Unsicherheit 39
3.2.3.3 Außenhandelspolitik 41
3.2.3.4 Privatisierung und Restrukturierung 44
3.3 Umfang und Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen in MOE 46
3.3.1 Ziel- und Herkunftsländer 48
3.3.2 Sektorale Verteilung ausländischer Direktinvestitionen in MOEL 52
4 Ökonomische Auswirkungen der ausländischen Direktinvestitionen auf
Gast - und Geberländer 55
4.1 Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf
mittelosteurop äischen Ländern 55
4.1.1 Allgemeine Auswirkungen. 55
4.1.2 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2004 60
4.1.3 Auswirkungen auf die EU-Beitrittsländer 2007 65
4.2 Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf die Geberländer67
5 Zusammenfassung 70
Literaturverzeichnis 72
Abbildungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Liberalisierung des Handels
(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Babetskij, Ian/ Babetskaia-Kukharchuk, Oxana/ Raiser, Martin, 2003, S. 3) .............................................. 43
Abbildung 2: Ausländische Nettodirektinvestitionen in den MOEL-7 in Mrd. EURO (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustria.at) ................................................................................ 46
Abbildung 3: Herkunftsländer für ADI in MOEL-7
(Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Dresdner Bank Group Economics, 2007; Bank Austria Creditanstalt, http://www.bankaustria.at) ......................... 51
Tabellenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Betrachtungsebenen bei Direktinvestitione (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Zschiedrich, Harald, 2006, S. 3) ............................................ 6
Tabelle 2: Einzelpositionen des internationalen Kapitalverkehrs (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Schratzenstaller, Margit, 2002, S. 29) ................ 7
Tabelle 3: Vorteile von Neugründung und Akquisition (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Maisch, Christof, 1996, S. 204, S. 206) ........... 10
Tabelle 4: Bedingungen für unterschiedliche Bearbeitungsformen von Auslandsmärkten gamäß dem OLI-Paradigma (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Bodenbender, Oliver, 2006, S. 54) ........................................... 22
Tabelle 5: Aufteilung der ADI in den MOEL-7 nach Herkunftsländer in Prozent (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Dresdner Bank Group Economics, 2007; Bank Austria Creditanstalt, http://www.bankaustria.at) ......................... 26
Tabelle 6: Infrastrukturindex der MOEL-7 (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Deutsche Bank Research, 2004, S. 22) ..................................................... 29
Tabelle 7: Wechselkurs in den MOEL-7 (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Deutsche Bank Research, 2006, S. 10) ............................................................. 30
Tabelle 8: Inflationsrate, Veränderung zum Vorjahr in Prozent
(Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Statistik Austria, 2008) .................... 31
Tabelle 9: Leistungsbilanzsalden der MOEL-7 in Prozent des BIPs (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustria.at) ................................................................................ 32
Tabelle 10: Auslandsverschuldung der MOEL-7 in Prozent des BIPs (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustia.at) ................................................................................. 32
Tabelle 11: EWU-Konvergenz 2007
(Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Statistik Austria, 2008) .................... 33
Tabelle 12: Lohnkostenvergleich in der MOEL-7 (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Dresdner Bank Group Economics, 2007) ...................................... 35
Tabelle 13: Bruttoinlandsprodukt in den MOEL-7 und ADI-Zuflüsse in Prozent des BIPs (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustria.at) ................................................................................ 37
Tabelle 14: Corruption Perceptions Index 2007, Regional Highlights: EU and Western Europe (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Transparency
International, CPI 2007) .................................................................................... 41
Tabellenverzeichnis V
Tabelle 15: Privatisierungsindex der MOEL-7
(Quelle: Eigene Darstellung, Daten aus: EBRD, 2003, S. 128-129) ................ 45
Tabelle 16: DI-Leistungsindex 2004-2006
(Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: UNCTAD, http://www.unctad.org) . 47
Tabelle 17: Zuflüsse von ausländischen Nettodirektinvestitionen in den MOEL-7 in Mrd. EURO (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: UNECE, 2000, S. 269, http://www.unece.org; Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustria.at) ................................................................................ 49
Tabelle 18: Ausländische Direktinvestitonen in Prozent des BIPs nach Ländern (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Bank Austria Creditanstalt,
http://www.bankaustria.at) ................................................................................ 50
Tabelle 19: Deutsche Direktinvestitionen in MOEL-7 in Mrd. EURO (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Deutsche Bundesbank, 2008) .......... 52
Tabelle 20: Verteilung der ADI auf Branchen in den MOEL-7 in Prozent (Quelle: Eigene Darstellung, Daten von: Dresdner Bank Group, 2007; Bank Austria
Creditanstalt, http://www.bankaustria.at) ......................................................... 53
Abkürzungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
ADI Ausländische Direktinvestitionen BIP Bruttoinlandsprodukt Corruption Perception Index CPI Direktinvestition/-en DI
EG
EIB Europäische Investitionsbank EU Europäische Union 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union EU-15 Europäisches Währungssystem II EWS II EWU Europäische Währungsunion FDI
GATT
GUS Gemeinschaft Unabhängiger Staaten HH Haushalt IWF Internationaler Währungsfonds KMU Kleine- und mittleren Unternehmen M&A Mergers & Acquisition (Fusionen und Akquisitionen) MO Mittlerer Osten MOE Mittel- und Osteuropa MOEL Mittel- und Osteuropäischen Länder MOEL-7
OLI-Paradigma Ownership-Location-Internalization-Paradigma P Prognose RGW Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe
Abkürzungsverzeichnis VII
UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken UNCTAD
United Nations Economic Commission for Europe UNECE
Einleitung 1
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Fast 50 Jahre war Europa in zwei Systeme geteilt: Das Wirtschafts- und das Gesellschaftssystem. Im November 1989 kam es mit dem Fall der Berliner Mauer in den Staaten Mittel- und Osteuropas zu fundamentalen Umbrüchen, die wenige Jahre zuvor völlig undenkbar waren. Eine außergewöhnliche Systemtransformation von sozialistischer Planwirtschaft hin zur marktwirtschaftlichen Wirtschafts-ordnung steht im Mittelpunkt dieses ökonomischen Transformationsprozess. Diese Umwandlung war eine große Herausforderung für die Staaten Mittelosteuropas und die damit verbundenen Aufgaben bezogen sich besonders auf die binnen-und außenwirtschaftliche Liberalisierung der Märkte, die Schaffung eines neuen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmens, Modernisierung, Strukturierung sowie Privatisierung von ganzen Unternehmenssektoren. Dieser ökonomische Trans-formationsprozess in Mittel- und Osteuropa (MOE) stellt einen historischen Präzendenzfall dar und förderte die Stabilisierung und Weiterentwicklung dieser Staaten. 1
Gleich nach dem Transformationsprozess am Anfang der 90er Jahre hatten viele Bürger eine optimistische Einstellung und erwarteten schnelle fundamentale Verbesserungen der ökonomischen Situation in den jeweiligen Volkswirtschaften MOEs. Die Erwartungen auf schnellen Fortschritt sowie das Erreichen eines Wohlstandsniveaus westlicher Staaten wurde jedoch im Laufe der Zeit nicht erfüllt, sondern vielmehr mit ökonomischen Problemen, die durch den Transformationsprozess entstanden, verbunden. Nach dem Zusammenbruch des planwirtschaftlichen Wirtschaftssystems MOEs, verlief der Transformationsprozess, abhängig von der Ausgangssituation des jeweiligen Landes, unterschiedlich. Dieser Zusammenbruch führte zu nicht marktgemäßen Preisen in den MOE-Staaten gegenüber der westlichen Länder. Eine ineffiziente Waren- und Regionalstruktur des Handels und eine geringe Tiefe der internationalen Arbeitsteilung war die Folge dieser Abschottung von den westlichen Absatzmärkten. 2
1 Vgl. Cluse, Reinhard (1999), S. 10.
2 Vgl. Brandmeier, Michael (2005), S. 2.
Einleitung 2
Nach dieser Transformationskrise nahmen die mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) vermehrt an die internationale Arbeitsleistung teil und wurden immer stärker in die internationale Kapitalverflechtung einbezogen. MOEL strebten mehr und mehr nach einer näheren Anpassung an die Weltwirtschaft. Seit dem haben die ausländischen Direktinvestitionen (ADI) in MOE einen enormen Wachstumsschub der jeweiligen Volkswirtschaften bewirkt. Das wirtschaftspolitische Interesse an ADI ist seit einigen Jahren ungebrochen und die weltwirtschaftlichen Verflechtungen zeichnen sich heute durch eine hohe internationale Arbeitsleistung aus. Als Grund für die gestiegene ADI wird die Vertiefung und Erweiterung des Binnenmarktes in der Europäischen Union und anderen Wirtschaftsgemeinschaften genannt. 3
1.2 Ziel und Vorgehensweise der Arbeit
Da die Dynamik des Transformationsprozess und die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den MOE-Staaten mit sehr vielen Unterschieden und Komplexität verbunden sind, gibt es Anlass, aufgrund des stark gestiegenen Zuflusses an ADI in diesen Ländern, sich mit dieser Themenstellung zu beschäftigen.
Aus diesem Grunde ist das Ziel dieser Arbeit, die Entwicklung der ADI in den ausgewählten MOE-Ländern 4 zu analysieren und ihre ökonomischen Auswirkungen auf Empfänger- und Herkunftsländer zu erläutern. Vor dem Beginn der Untersuchung wird die Vorgehensweise dieser Arbeit kurz vorgestellt: In dem zweiten Kapitel werden zunächst die theoretischen Grundlagen der ADI erläutert. Dieses stellt die Definition sowie die Klassifikation der Direktinvestitionen (DI) vor. Weiterhin werden die ökonomischen Aspekte und die Motive der ADI erläutert, gefolgt von verschiedenen Erklärungsansätzen, wie der eklektische Ansatz von Dunning, der verschiedene partielle Theorieansätze kombiniert. Das ganze wird als Basis für die Erklärung der Bedeutung und Entwicklung der DI in den Länder MOEs im weiteren Verlauf dieser Analyse dienen. Das dritte Kapitel analysiert die Intensität der ADI in den MOE-Staaten. Es werden hier sowohl die Förderun- 3 Vgl.Cluse, Reinhard (1999), S. 10-11.
4 Anm.: Ausgewählten MOEL sind: Bulgarien, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tsche- chien und Ungarn, kurz MOEL-7.
Einleitung 3
gen und Anreize, als auch die Standortfaktoren, die die wichtigsten Determinanten für die ausländischen Investitionsentscheidungen bilden, detailliert vorgestellt. Schließlich werden in drittem Kapitel der Umfang und die Entwicklung der ADI nach Ziel- und Herkunftsländer sowie nach ihrer sektoralen Aufteilung analysiert. Kapitel vier beinhaltet die ökonomischen Auswirkungen der ADI auf MOE-Ländern und in einem weiteren Schritt wird auf die Einzelländerebene detailliert eingegangen. Weiterhin werden die Auswirkungen der ADI auf die Hauptinvestitionsländer, die Länder aus der Europäischen Union (EU) und insbesondere auf Deutschland beschrieben. Schließlich werden in dem fünften und dem letzten Ka- pitel die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit kurz zusammengefasst.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 4
2 Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinves-
titionen
Für eine analytische Untersuchung der ADI in den Ländern MOEs ist als erstes zu erklären: Was sind überhaupt ADI? Nach einer definitorischen Erklärung sowie Zielsetzung der ADI in dem ersten Abschnitt dieses Kapitels, werden weiter die Klassifikationen der DI aufgezeigt. Dies wird in dem zweiten Unterkapitel erläutert, gefolgt von den grundlegenden Motiven und ökonomischen Aspekten der ADI, die im dritten Unterkapitel vorgestellt werden. Weiterhin werden wichtige Erklärungsansätze der DI präsentiert, die sehr oft in der Literatur zu lesen sind und für einen weiteren Verlauf dieser Arbeit dienen. Sie haben eine besondere Bedeutung zur Erklärung der Bestimmungsfaktoren für Investitionen in den MOEL. Vergessen wird hier nicht die eklektische Theorie von Dunning, die mit den anderen Partialansätzen zusammen in dem letzten Teil des zweiten Kapitels analysiert werden.
2.1 Definition ausländischer Direktinvestitionen
Der Begriff der DI wird in der Literatur nicht einheitlich definiert, sondern es ist in einer ausreichenden Anzahl von Definitionsansätzen zu finden. Aufgrund dessen wird die Definition der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) betrachtet, die auch in der Folge als Grundlage für diese Arbeit dient:
Eine DI wird nach der OECD als eine grenzüberschreitende Investition definiert, bei der ein Investor (Direktinvestor) das Ziel hat, dauerhafte Wirtschaftsbeziehungen (Langfristigkeit) an einem Unternehmen (Direktinvestitionsobjekt) im Aus-land zu schaffen. 5
Der Direktinvestor, die Langfristigkeit und das Direktinvestitionsobjekt sind von der oben genannten Definition der ADI von besonderer Bedeutung und werden im Folgenden kurz erläutert.
Als ein Direktinvestor kann eine Person- oder Kapitalgesellschaft, eine Einzelperson, eine Regierung oder ein Zusammenschuss dieser Personen oder Unternehmen
5 Vgl. Zschiedrich, Harald (2006), S. 1; Detscher, Stefan (2006), S. 13.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 5
mit oder ohne eigene Rechtsfähigkeit genannt werden, der ein Direktinvestitionsobjekt, wie Tochtergesellschaft, Niederlassung oder ein verbundenes Unternehmen in einem Land erwirbt. 6
Ein Unternehmen mit eigener Rechtsfähigkeit wird als Direktinvestitionsobjekt (Direktinvestitionsunternehmen) bezeichnet, wenn einen ausländischen Investor mindestens zehn Prozent der Stimmrechte oder Stammaktien dieses Unternehmens hält. Alternativ kann es sich auch um ein Direktinvestitionsobjekt handeln, wenn der ausländische Investor einen vergleichbaren Anteil an einem Unternehmen ohne eigene Rechtsfähigkeit besitzt und dessen Geschäftspolitik maßgeblich beeinflussen kann. 7
Bei Vorliegen von eigener Rechtspersönlichkeit des Zielobjekts werden die Investitionsunternehmen in zwei Formen differenziert: in Tochterunternehmen und in assoziierte Unternehmen. Der Unterschied der beiden Unternehmensformen liegt in der Beteiligungshöhe des Auslandsinvestors. Liegt der Anteil der stimmberechtigten Aktien des ausländischen Investors zwischen zehn und fünfzig Prozent, so handelt es sich um ein assoziiertes Unternehmen. Übersteigt der Anteil des nicht gebietsansässigen Investors diese fünfzigprozentige Grenze, so spricht man von einem Tochterunternehmen. 8
Unternehmen ohne eigene Rechtsfähigkeit werden als Betriebsstätten oder Zweigniederlassungen bezeichnet, wenn sie eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:
• bewegliche Anlage, die innerhalb eines Gastlands mindestens ein Jahr lang unterhalten und vom Betreiber getrennt ausgewiesen wird, • eine nicht rechtsfähige Personengesellschaft oder eine Kooperation von Gesellschaften zwischen Direktinvestoren und Drittunternehmen, • ständige Niederlassung oder Niederlassungsbüro des Investors und • Immobilie, die im unmittelbaren Eigentum des Direktinvestors steht. 9
Durch die Kontrolltätigkeit des Direktinvestors auf das Management des Direkt-
6 Vgl.Kuttenkeuler, Dirk (2007), S. 90.
7 Vgl. Kuttenkeuler, Dirk (2007), S. 90.
8 Vgl. Kuttenkeuler, Dirk (2007), S. 90-92.
9 Vgl. Kuttenkeuler, Dirk (2007), S. 90-92.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 6
investitionsunternehmens wird die Langfristigkeit der Investition repräsentiert, welche von der OECD mit einer Mindestbeteiligung von zehn Prozent am Eigenkapital quantifiziert wird. Das Involvieren in unternehmenspolitische Entscheidungen, bedeutende Transaktionen zwischen Direktinvestor und Direktinvestitionsobjekt, die Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern des Zielobjekts durch den Direktinvestor sowie Transaktionen von Technologie, Personal und Bereitstellung von kostengünstigen Krediten zwischen beiden Parteien, können als weitere Fak-toren für eine dauerhafte Beziehung der Investition aufgeführt werden. 10
Um die DI richtig zu erfassen, ist es wichtig, eine Unterscheidung nach Art und Richtung der jeweiligen Investitionsgrößen zu erläutern.
• Outward Foreign Direct Investment (FDI): Bezeichnen Investitionen, die aus Inland in anderen Ländern fließen
• Inward FDI: Verkörpern ADI, die aus anderen Ländern nach Inland kommen
• Bestandsgrößen: Charakterisieren die kumulierten Beständen an FDI („FDI-Stocks“)
• Flussgrößen: Bezeichnen die Zuflüsse bzw. Abflüsse, die in der Regel während eines Jahres entstehen.
In der folgenden Abbildung werden diese Zusammenhänge dargestellt. 11
Tabelle 1: Betrachtungsebenen bei Direktinvestitionen
(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Zschiedrich, Harald, 2006, S. 3)
Es ist zu beachten, dass in der Zahlungsbilanz internationale Kapitalströme nach
10 Vgl. Detscher, Stefan (2006), S. 14.
11 Vgl. Zschiedrich, Harald (2006), S. 2-3; Zschiedrich, Harald (2002), S. 13.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 7
Portfolioinvestititonen und DI unterschieden werden. Der Grund dafür ist, dass der Portfolioinvestor Interesse an der Rendite und Sicherheit der Anlage hat und eine direkte Einflussnahme auf die Geschäftstätigkeit nicht von Bedeutung ist. Portfolioinvestitonen sind Vermögensanlagen mit dem Ziel, Kapitalerträge zu erzeugen und sind im Gegensatz zur DI kurzfristig. Auf Grund der fehlenden unmittelbaren Einflussnahme auf die Tätigkeit, Entwicklung und Entscheidungsprozesse der ausländischen Firma und kurzfristigen Betrachtung spielt ein Kontrollmotiv sowie eine langfristige Anleihe bei Portfolioinvestitionen keine Rolle. 12
Weiterhin sind die ADI neben den Portfolioinvestitionen von Finanzderivaten sowie von Kreditverkehr abzugrenzen. Der Kreditverkehr umfasst Handelskredite sowie kurz- und langfristige Finanzkredite. Bei den Finanzderivaten handelt es sich um Options- und Termingeschäfte auf ausländische Finanztitel. 13
In der folgenden Abbildung werden die Einzelpositionen des internationalen Kapitalverkehrs nach der Systematik der Deutschen Bundesbank dargestellt.
Tabelle 2: Einzelpositionen des internationalen Kapitalverkehrs (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Schratzenstaller, Margit, 2002, S. 29)
Bei Investitionen in MOE ist vor allem festzuhalten, dass DI auf dauerhafte Wirtschaftsbeziehungen zielen und sie nicht auf isolierte, kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Die DI streben nach Gewinnen, die den langfristigen Zielvorstellungen der Unternehmen in einem ausländischen Markt entsprechen. 14
12 Vgl. Plum, Monika (1995), S. 6; König, Markus (2001), S. 9.
13 Vgl. Detscher, Stefan (2006), S. 15.
14 Vgl. Zschiedrich, Harald (2006), S. 1-2.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 8
2.1.1 Direktinvestitionen und multinationalen Unternehmungen
Der Begriff der multinationalen Unternehmung ist eng mit den DI verbunden. Aufgrund der zahlreichen Begriffe in der Literatur, gibt es keine allgemein akzeptierte Definition für ein multinationales Unternehmen. Durch DI führt ein inländisches Investorunternehmen seine DI-Tätigkeit grundsätzlich in mehreren Ländern durch und wird somit als ein multinationales Unternehmen bezeichnet. Um über eine multinationale Unternehmung zu sprechen, ist eine hundertprozentige Beteiligung des Investitionsunternehmens nicht erforderlich, sondern es reicht eine Beteiligung auf die Geschäftsführung bei weniger als hundert Prozent aus. 15 ADI inländischer Unternehmen begründen multinationale Unternehmungen mit Service-, Vertriebs- und/oder Produktionstätigkeiten in mehreren Ländern. Sie beinhalten sowohl Kapitaltransfer als auch Transfer von Kontrollrecht, Organisationsstruktur und Know-How. Für die Abgrenzung von unterschiedlichen Unterneh-mensformen wie z.B. Franchising oder Joint Venture zu multinationalen Unternehmen durch ADI, müssen einige Abgrenzungskriterien erfüllt sein:
Multinationale Unternehmen werden durch die Eigenarten ihrer Struktur, ihrer Leistung und ihres Verhaltens sowie ihre institutionelle und oder funktionale Besonderheiten definiert. Weiterhin werden die multinationalen Unternehmen von den anderen Unternehmensformen durch ihre geistige Einstellung abgegrenzt. Alle diese Abgrenzungskriterien können in zwei große Gruppen, also in merkmalsmäßig-qualitative- und in statistisch-quantitative Abgrenzungen zusammengefasst werden. Handelt es sich um merkmalmäßig-qualitative Abgrenzung, so wird im Gegensatz zu statistisch-quantitativen Ansätzen versucht, die Unternehmenseigenschaften mit geringerem Einsatz von Zahlen zu beschreiben. Statistisch-quantitative Abgrenzungen stellen die Auslandsanteile bei Produktion, Anlagevermögen, Investitionen, Umsatz, den Mitarbeitern usw. den entsprechenden Zahlen für das Inland gegenüber. 16
15 Vgl. Schuman, Rolf (1999), S. 19-20.
16 Vgl. Pfaffermayr, Michael (1996), S. 2; Broll, Udo (1990), S. 20; Heinen, Hjalmar (1982), S. 5- 9; Dülfer, Eberhard (2001), S. 6-7; Tesch, Peter (1980), S. 59.
Theoretische Grundlage der ausländischen Direktinvestitionen 9
2.1.2 Formen der Direktinvestitionen
Ausgehend von den in der Tabelle 2 genannten Positionen der DI, wird als nächstes die Position des Beteiligungskapitals an Direktinvestitionsobjekten erläutert. Sie spielt in der Realität die größte Rolle und ist strategisch wichtigste DI. Die restlichen Positionen des internationalen Kapitalverkehrs von DI werden vernachlässigt, da sie im Rahmen dieser Arbeit von geringerer Bedeutung sind. 17 Im Folgenden werden die Neugründung, die Komplettübernahme und die Minderheitsbeteiligung eines ausländischen Unternehmens als Erscheinungsformen des Beteiligungskapitals kurz erläutert.
Die Neugründung eines Auslandsunternehmens, das auch als „Greenfield Investment“ bezeichnet wird, wird von den Empfängerländern präferiert und aufgrund der originären Kombination der Produktionsfaktoren, stellt diese Form der DI ein internes Unternehmenswachstum dar. Zu beachten ist bei der Neugründung eines Unternehmens in den MOE-Staaten, dass es zu keinen rechtlichen, staatlichen oder wirtschaftlichen Hindernissen kommt. So kann das Sozialprodukt des Gast-landes erhöht werden. Weiterhin kann der Staat durch Export Deviseneinnahmen beschaffen und Arbeitsplätze gewinnen. 18
Eine weitere Form der DI ist die Komplettübernahme eines Auslandsunternehmens, die in der Fachsprache als „Merger & Acquisition“ („M&A“) genannt wird. Als Akquisition wird einen dauerhaften vollständigen Erwerb eines Auslandsunternehmens oder auch der Mehrheitserwerb von Kapitalanteilen dieses Unternehmens bezeichnet. Ein direkter Erwerb von Betriebsmitteln bietet sich bei dem Kauf von Betriebsstätten oder Niederlassungen im Rahmen eines „Asset Deals“ an, wobei nicht alle Assets des Unternehmens gekauft werden müssen. 19 Stammen die Käuferunternehmen und das Zielobjekt aus zwei verschiedenen Ländern, so kann von einer grenzüberschreitenden Übernahme gesprochen werden. 20
17 Vgl. Schratzenstaller, Margit (2002), S. 30-31.
18 Vgl. Autschbach, Jörg (1997), S. 78.
19 Vgl. Maisch, Christof (1996), S. 223.
20 Vgl. Ostaszewska, Ewa (2002), S. 17.
Arbeit zitieren:
Tihomir Sevov, 2008, Ausländische Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa und deren Auswirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
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