Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Goethes Faust in der Oper
Am Beispiel von Charles Gounods Faust
Anne Oppermann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Goethe, Faust und die Musik ... 1
2.1. Musik im Faust ... 1
2.2. Goethe und Faust-Vertonungen ... 2
3. Charles Gounod: Faust ... 5
3.1. Historischer Abriß ... 5
3.2. Michel Carrés Faust et Marguerite ... 5
3.3. Vergleich von Gounods und Goethes Faust ... 6
3.3.1. Erster Akt ... 6
3.3.2. Zweiter Akt ... 8
3.3.3. Dritter Akt ... 10
3.3.4. Vierter Akt ... 12
3.3.5. Fünfter Akt ... 15
4. Resümee ... 16
5. Literaturverzeichnis ... 18
1. Einleitung
Die Tragödie Faust I von Johann Wolfgang von Goethe regte wie kaum ein anderer Stoff die Komponisten zu Vertonungen in verschiedensten Gattungen an. Als besonders beliebt erwiesen sich hier die Gattung des Liedes und der Oper. In den Liedern wird der Text meist originalgetreu übernommen, lediglich die Ausführung variiert. Sie reicht – der historischen Entwicklung entsprechend – von der (von Goethe bevorzugten) strophischen bis zur durchkomponierten Form. Die Opernkomponisten bzw. ihre Librettisten gingen wesentlich freier mit Goethes Vorlage um. Offiziell orientieren sich die meisten an Goethes Tragödie – nur wenige folgen wie Ferruccio Busoni dem Puppenspiel oder wie Albert Lortzing Grabbes Text – doch wurde der Schwerpunkt des jeweiligen Werkes meist neu festgelegt und Goethes Faust dazu passend gekürzt, ummodelliert und neu gedeutet. Es läßt sich in den Faust-Opern die Tendenz beobachten, daß nur eine der der drei Figuren – Faust, Mephistopheles oder Gretchen – als Hauptfigur betrachtet wird. Verständlicherweise wird oft die Titelfigur Faust, sein Wissensdrang, seine faustische Suche als zentrales Motiv gedeutet. „Ich, Faust, ein ewiger Wille“1 wie es so passend bei Busoni heißt. So geschehen zum Beispiel bei Ludwig Spohr und Hector Berlioz. Andere wie z.B. Arrigo Boito und Carlo Conit sahen in Mephistopheles die treibende Kraft und somit die Hauptfigur. Charles Gounod hingegen entschied sich für Gretchen als Zentralfigur.
Diese Arbeit befaßt sich mit Charles Gounods Oper Faust, die sich als die erfolgreichste Faust-Vertonung auf der Bühne behauptet hat. Im ersten Teil werde ich darstellen, welche musikalischen Vorraussetzungen bereits in Goethes Faust I angelegt sind, welche Vorstellungen Goethe von einer dem Faust angemessenen Musik hatte und wie seine Reaktion auf entstehende Faust-Musiken war. Der zweite Teil der Arbeit wird der Frage nachgehen, welche Änderungen Gounod und seine Librettisten Jules Barbier und Michel Carré an Faust vornahmen, um ihn opernbühnentauglich zu machen und welche Auswirkungen dies auf die Charakterdarstellungen hat.
2. Goethe, Faust und die Musik
2.1. Musik im Faust
Von je her zeigten die Komponisten ein großes Interesse an der Figur des Doktor Faust. Über 60 Faust-Opern zählt man inzwischen. Die älteste stammt aus dem Jahre 1797, die jüngste aus dem Jahre 1995. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Faust-Lieder, -Singspiele, -Kantaten, -Symphonien, -Ballette und sogar Faust-Oratorien. Die meisten dieser Werke folgen dabei mehr oder weniger Goethes Faust-Tragödie. Dies mag daran liegen, daß in der Tragödie ein gewisser Drang zur Musik und zum Musiktheater zu spüren ist. Musikbezüge und -einlagen in Schauspielen sind an sich nichts Ungewöhnliches, doch allein die dichte Aufeinanderfolge der geforderten Musik im Faust I muß erstaunen: „Glockenklang und Chorgesang“2 der Osternachtsfeier, „Tanz und Gesang“3 des Volkes in der Szene Vor dem Tor, Gesang der Geister in der Studierzimmerszene, Solo- und Chorgesang der Studenten sowie Mephistopheles’ Flohlied in Auerbachs Keller, Gretchens Lied „Es war ein König in Thule“4, Mephistopheles’ Ständchen in der Szene Nacht · Straße vor Gretchens Tür, die Domszene mit „Orgel und Gesang“5, verschiedene musikalische Einlagen in der Walpurgisnacht, sowie Gretchens Gesang im Kerker.
[...]
1 Busoni, Ferruccio: Doktor Faust. Libretto von Ferruccio Busoni. Hrsg. von Erato Disques S.A. Paris 1999. S. 145.
2 Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Der Tragödie erster Teil. Stuttgart 1999. S. 23.
3 Ebd. S. 29.
4 Ebd. S. 79.
5 Ebd. S. 110.
Arbeit zitieren:
M.A. Anne Oppermann, 2005, Goethes Faust in der Oper , München, GRIN Verlag GmbH
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