Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03
2. Zur Person: Bernhard von Clairvaux 04
3. Zur Schrift: Ad milites templi. De laude novae militiae 08
3.1 Historischer Kontext der Entstehung 11
3.2 Gewaltdarstellung im Text 13
3.2.1 Beschreibung der Gewaltdarstellung 13
3.2.2 Bewertung der Gewaltdarstellung 16
4. Schluss 19
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1. Einleitung
"Wohl keine Gestalt des Mittelalters hat in ähnlicher Weise und Intensität wie Bernhard aktives und kontemplatives Leben miteinander verbunden, keine war mit vergleichbarem Einfluß zugleich als Politiker und Diplomat auf verschiedenen Ebenen wie als Denker, Prediger und Schriftsteller tätig". 1 Diese gewagte, stark von der christlichen Hagiographie geprägte Einschätzung muss keinesfalls geteilt werden um festzustellen, dass Bernhard von Clairvaux eine außergewöhnliche Rolle in dem an Veränderungen und Umbrüchen reichen 12. Jahrhundert gespielt hat. Untrennbar verbunden ist sein Name mit dem zweiten Kreuzzug, in dem mit den Templern zum ersten Mal eine Ritterschaft auf den Plan getreten war, die sich zugleich als christlicher Orden begriff - die Tempelritter waren Krieger und Mönche zugleich.
Einen wesentlichen Beitrag zu dem Erfolg und dem relativ starken Zulauf, den der Templerorden zu Beginn des zweiten Kreuzzuges erfuhr, leistete Bernhard mit der vorliegenden 'Lobrede auf das neue Rittertum'. Selten sind die Kreuzzüge je positiver bewertet worden als hier 2 ; nie zuvor wurde von Christen so aggressiv zur Gewalt gegen Andersgläubige aufgerufen.
Neben der Untersuchung der vorliegenden Quelle bezüglich der Darstellung von Gewalt richtet sich der Fokus dieser Arbeit vor allem auf die Frage, auf welche Art und Weise die Gewalt in einem christlichen Kontext gerechtfertigt werden konnte und wie sie bewertet wurde. Zu beachten ist dabei zunächst, dass Bernhards Schrift keinen beschreibenden Charakter hat, ihr also kein reales Ereignis zugrunde lag, sondern, dass es sich um einen Aufruf zur Gewalt handelt. Dem entsprechend sind die Gewaltdarstellungen nicht detaillierter, sondern eher allgemeiner und abstrakter Art.
Aus Gründen, die unten noch erläutert werden, beschränkt sich die Untersuchung der Schrift auf die ersten vier Kapitel. Dabei spielt allein physische Gewalt eine Rolle; psychische und strukturelle Gewalt bleiben ausgeblendet, auch wenn gerade die vorliegende Quelle in dieser Hinsicht wohl sehr interessante Einsichten liefern könnte. Dazu ist hier aber kein Platz.
1 Köpf 2000, S. 414. 2 Auffahrt 2005, S. 257.
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Zu Beginn dieser Arbeit steht eine Auseinandersetzung mit der Person Bernhard von Clairvaux. Hierfür war es nötig, auf Beschreibungen und Urteile zurück zu greifen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Das hat vor allem damit zu tun, dass es sich bei Bernhard um eine im katholischen Sinne 'heilige' Figur handelt, was zu dem Ergebnis führt, dass die Auseinandersetzung mit seiner Person selbst in jüngster Zeit oft erschreckend unkritische und hagiographische Züge aufweist. Dem gegenüber steht oft eine 'moderne' Herangehensweise, die Gefahr zu laufen scheint, den zeitlichen Kontext und die hochmittelalterliche Vorstellungswelt aus dem Auge zu verlieren und zu 'modern' zu urteilen. In dieser Arbeit ist es hoffentlich gelungen, beide Pole gegenüber zu stellen und gleichzeitig den Spielraum für historische Interpretationen zu belassen.
2. Zur Person: Bernhard von Clairvaux
Es soll kein Versuch unternommen werden, das Leben Bernhards umfangreich darzustellen. Neben den grundsätzlichen Angaben zu seiner Herkunft und seinem Wirken sind hier allein Facetten relevant, die mit der bereits erläuterten Fragestellung in direktem Zusammenhang stehen. Andere Fragen, die Bernhards Einfluss auf seine Zeit und die Nachwelt betreffen, bleiben weitgehend ausgeblendet. In der Bernhard-Forschung besteht das Problem, dass zwar auf relativ umfangreiche schriftliche Überlieferungen zurückgegriffen, direkte oder einfache Rückschlüsse auf die Person aber nur selten gezogen werden können. Wie erwähnt scheinen nach Bernhards Tod verfasste hagiographische Schriften wie die vita prima nach wie vor zu unreflektiert in die heutige Forschung mit einzufließen. 3 Dabei werden zum Beispiel die Tatsachen vernachlässigt, dass die vita prima von mehreren Personen verfasst und mehrmals "dem neuen politischen Klima an der Kurie in Rom" 4 angepasst wurde, sowie zuallererst den Zweck hatte, eine Kanonisation Bernhards zu bewirken. 5 Selbst wenn aber den von Bernhard verfassten Schriften Vorrang eingeräumt wird, kommt es zu dem Problem, dass diese oft nicht in der originalen Fassung überliefert sind. 6 Elementar wichtig ist es, die historische Figur Bernhard
3 Bredero 1996, S. 16-21. 4 Goez 2005, S. 193. 5 Evans 2000, S. 5. 6 Köpf 2000, S. 415.
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von der 'heiligen' Figur der christlich-katholischen Betrachtung strikt zu trennen und "jeden einzelnen Beleg kritisch auf seine Aussagekraft hin zu untersuchen" 7 . Bernhard wurde 1091 bei Dijon in einer adeligen Familie geboren. Schon früh wurde ihm eine Ausbildung bei den Kanonikern von St. Vorles de Châtillon zuteil, die ihn direkt auf ein klerikales Leben vorbereiten sollte. Wahrscheinlich erwarb er hier sowohl seine hervorragenden Latein- wie auch seine umfangreichen Bibelkenntnisse. Im Alter von 22 Jahren soll Bernhard sich für den Eintritt in das Kloster Cîteaux entschieden haben. Im Zusammenhang dieser Entscheidung wird zum ersten Mal ein Charakterzug Bernhards beschrieben, der in allen Darstellungen als wesentlich hervorgehoben wird: sein Charisma. Angeblich hat er sich nicht nur selbst zum Eintritt ins Kloster entschieden, sondern auch eine Reihe seiner Verwandten und Begleiter davon überzeugt, sich ihm anzuschließen. Generell soll "sein publikumswirksam inszeniertes Vorgehen" 8 großen Einfluss auf die Menschen seiner Zeit gehabt haben. Allerdings wird auch an dieser Stelle auf die "Perpetuierung des Charismas Bernhards von Clairvaux im Zisterzienserorden" 9 hingewiesen, die zunächst wesentlich durch die Bemühungen des Ordens um seine Kanonisation bestimmt war und vielfach bis in die heutige Zeit reflektionslos fortgeschrieben worden ist.
Bereits 1115 gründete Bernhard das Kloster Clairvaux und wurde dessen Abt, der er bis zu seinem Tod 1153 auch blieb. Die Gründung selbst glich einem "Familienunternehmen" 10 : Die überwiegende Mehrheit seiner Mitstreiter entstammte seiner Familie. Selbst der zur Verfügung gestellte Grund war der eines Familienmitglieds. Der heutige Name Clairvaux leitet sich aus der ursprünglichen Benennung als 'helles Tal' ab. 11 Die Anfangszeit, also vor allem der Bau des Klosters zuerst als Holzkonstruktion, wird in den Quellen als sehr hart beschrieben. Die rasch wachsende Zahl der Klosterinsassen sowie reiche Spenden scheinen aber eine schnelle Konsolidierung schon in den kommenden Jahren bewirkt zu haben. Obwohl Bernhard zeitweise großen Einfluss auf die Politik seiner Zeit ausübte und ihm eine Vielzahl an hohen Ämtern (z.B. mehrmals die Bischofswürde) angetragen
7 Ebd. 8 Goez 2005, S. 178. 9 Goez 2005, S. 173. 10 Dinzelbacher 1998, S. 31. 11 Ebd.
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worden sind, hatte er nie Ambitionen, Clairvaux zu verlassen. Ebenso verzichtete er offenbar zeitlebens auf die ansonsten für seine Stellung üblichen Pfründe. Andererseits war das Kloster Clairvaux mit bis zu 700 Bewohnern zeitweise geradezu überfüllt, somit konnte Bernhard auch ohne institutionelle Erhebung auf einen relativ großen Stamm an 'Personal' zurückgreifen: etwa in Form von Schreibern, Beratern oder Verwaltern. Zudem brachte die substituive Wirtschaftsweise der Zisterzienser auch in Clairvaux eine relative wirtschaftliche Autarkie des Klosters mit sich 12 , was die Notwendigkeit für Pfründe beträchtlich verringerte. Der in der Literatur oft so dargestellte 'edle Verzicht' auf höhere Ämter und Pfründe erscheint so in einem etwas anderen Licht, auch wenn Bernhards anscheinend überwiegend asketische Lebensweise damit nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen werden soll.
Askese und Verzicht scheinen Grundpfeiler im Denken Bernhards gewesen zu sein; er war "beseelt von einem missionarischen Eifer in Fragen der Askese, der keine Rücksicht selbst auf die eigene Gesundheit zuließ" 13 . Eine direkte Auswirkung waren gesundheitliche Konsequenzen in Form eines chronischen und schmerzhaften Magenleidens, das auf mangelnde bzw. einseitige Ernährung zurückzuführen war und Bernhard zeitlebens verfolgt haben soll. Es ist nicht unplausibel anzunehmen, dass diese chronischen Schmerzen die Entwicklung von Bernhards Denken entscheidend beeinflusst haben. Der Gedanke ist zwar spekulativ, sollte aber für die Betrachtung der hier relevanten Quelle trotzdem präsent gehalten werden. Bernhard wurde im Alter, so ein Teil der Forschung, zur "geistliche[n] Führergestalt der westlichen Welt". 14 Er sei zugleich "Vaterabt, [...] gelehrter Briefschreiber und Theologe und kirchlicher Berater" 15 sowie "der geborene Dichter und Schriftsteller" 16 gewesen. All diese Zuschreibungen lassen sich, sollten sie wahr sein, mit Charisma allein nur schwer erklären; nicht nur deswegen bestehen an dieser Stelle auch Zweifel. Nach eingehender Betrachtung der Entwicklungen des 12. Jahrhunderts, so andere Stimmen, "zeigt sich Bernhards Führungsrolle darin weniger maßgebend als
12 Winkler 1990, S. 15f. 13 Lohmer 2000, S. 16. 14 Winkler 1990, S. 19. 15 Knoch 2003, S. 279. 16 Winkler 1992, S. 34.
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Arbeit zitieren:
2007, Darstellung von Gewalt in Bernhard von Clairvauxs Traktat "Ad Milites Templi. De Laude Novae Militiae", München, GRIN Verlag GmbH
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