Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: 2
2 Kollektive Güter 4
2.1 allgemeine Charakteristika 4
2.2 Clubtheorie. 5
3 Iannaccones Ansatz 6
3.1 Sekten und radikale Kirchen in Amerika. 6
3.2 Grenzen der Strenge. 8
4 Hamas 10
4.1 Geschichte 10
4.2 Hamas im Modell. 13
4.3 Anwendung der Spieltheorie 18
4.4 Zusammenfassung und Ausblick. 20
5 Literaturangaben 22
1 Einleitung:
Was treibt Selbstmordattentäter der Hamas-Bewegung zu ihren Taten? Diese Frage wird immer wieder aufs Neue gestellt. Je nach Standpunkt werden etwa westlicher (Kultur)Imperialismus, der Islam an sich oder eine auswegslose Situation wirtschaftlichen Elends als Ursachen angesehen. Dabei wird oft vermutet, dass die Täter aus Hass auf die westliche Welt beziehungsweise in vermeintlich göttlichen Mission sich ereifernd, bar jeglicher Rationalität, handeln. Lawrence Iannaccone untersuchte kirchliche Konfessionen und Sekten in den USA, folglich Akteure und Strukturen, die in der Soziologie lange Zeit als irrational und „nicht von dieser Welt“ angesehen wurden. 1 Er stellte die Frage, wie radikale Kirchengemeinden und Sekten es schaffen, dem Problem der massiven Kirchenaustritte erfolgreich zu widerstehen; ein Problem, mit dem moderate Konfessionen zu kämpfen haben. Dies, obwohl die radikalen Gemeinden von ihren Mitgliedern weit mehr Restriktionen und Gebote, die unmittelbar das private Leben betreffen, verlangen. Dazu modellierte er Sekten als religiöse Clubs, die kollektive Güter, wie Gemeinschaft und Spiritualität, herstellen. Er zeigte, dass radikale Gemeinden das Problem des Trittbrettfahrens besser lösen, indem sie mögliche säkulare Alternativen zum Engagement der Mitglieder in und für die Sekte einschränken.
Aufbauend auf Iannaccones Analyse der amerikanischen Konfessionen versuche ich die Rekrutierung und Mitgliedschaft in der Hamas zu erklären. Die Hamas-Bewegung besitzt einen großen karitativen Flügel und ist Verteiler von sozialen und religiösen kollektiven Gütern. Hinzu kommt noch ihr militärischer Arm, der durch gewalttätige Angriffe auf Israelis gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete und für einen islamischen Staat kämpft.
Ich stelle die etwas provokative These auf, dass es im Interesse der Hamasführung liegt, die Mitglieder in Elend, Verzweiflung und Ausweglosigkeit leben zu lassen. Unter diesen Bedingungen unterstützen sie am stärksten die Bewegung mit ihrer Ideologie und haben wenig Anreize zum Trittbrettfahren.
Der theoretische Unterbau des hier verfolgten Ansatzes liegt in der Clubtheorie von James Buchanan. Im ersten Teil werden die Charakteristika von kollektiven Gütern und die Clubtheorie in ihren Grundzügen vorgestellt. Weiter erkläre ich Iannaccones
1 Iannacconne (1992): S.272.
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Ansatz bei der Untersuchung von amerikanischen Sekten mittels Anwendung der Clubtheorie. Drittens folgt ein historischer Abriss der Entwicklungsgeschichte der Hamas und ihrer Strategien. Abschließend wird das Beschriebene spieltheoretisch modelliert.
In dieser Arbeit beschränke ich mich vollständig auf die Funktions- und Arbeitsweise der Hamas. Dies ist keine politische Arbeit und soll nicht klären, wieweit die Hamas als Terror- oder Widerstandsbewegung zu verstehen ist, gleichwohl aber meine These erläutert, dass die Hamas nicht an einem Frieden mit Israel und einer Verbesserung der humanitären Lage interessiert ist. Auch werden Differenzen innerhalb der Organisation und ihr Verhältnis bzw. Beeinflussung durch externen Akteure wie bsp. dem Iran nicht behandelt.
Die Umschrift der arabischen Namen folgt dem Schema der DMG (Deutsche Morgenländische Gesellschaft). Durch die Medien im Deutschen bekannte Namen, so auch der Begriff Hamas, werde ich in der dort üblichen Schreibweise aufführen.
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2 Kollektive Güter
2.1 allgemeine Charakteristika
Theoretische Grundlage dieser Arbeit ist die Clubtheorie, die wiederum ihre Wurzeln in der Theorie Kollektiver Güter hat. Ausgangsfrage ist hierbei die empirisch belegte Tatsache, dass eine große Gruppe von Akteuren mit gleichen Interessen diese oft nicht durchsetzen kann. Fast jeder von uns hat ein Interesse am Erhalt des Regenwaldes, trotzdem schaffen wir es nicht, uns gegen die relativ kleine Gruppe von Interessenten und Profiteuren der Abholzung durchzusetzen. Das Problem liegt darin, dass relativ große Gruppen nicht in ihrem gemeinsamen Gruppeninteresse handeln, wenngleich sie aus eigenständigen und rationalen Individuen bestehen. Reine kollektive Güter sind durch drei Prinzipien gekennzeichnet: Erstes ist das Nichtausschlussprinzip. Werden kollektive Güter von einer Person aus einer bestimmten Gruppe konsumiert, können sie den anderen Gruppenmitgliedern nicht vorenthalten werden. Paradebeispiel hierfür sind Landessicherheit, der Blick auf die Frauenkirche, ausgebaute Autobahnen, die jeweils allen Bewohnern eines Staates, den Besucher Dresdens oder der 'Gruppe der Autofahrer' zugute kommen, egal ob sie sich an den Kosten zur Entstehung und Erhaltung des kollektiven Gutes beteiligen. Zweites Prinzip ist das der Verbundenheit des Angebots. Der Konsum eines Nutzers schließt andere Nutzer desselben Gutes nicht aus. Drittens folgt die Nichtrivalität des kollektiven Guts. Das bedeutet, dass der Konsum eines
Individuums nicht die Menge des vorhandenen Gutes schmälert, das die anderen konsumieren können.
Das Problem liegt hierbei darin, dass die Akteure nur unter bedingten Umständen bereit sind, in die Herstellung des Kollektivguts zu investieren. Mancur Olsen zeigt in seinem Klassiker „Die Logik des kollektiven Handelns“, dass sich bei wachsender Gruppengröße ein Trittbrettfahrer-Problem (free-rider problem) erstellt. Daraus folgt, dass je größer die Gruppe, desto weniger wahrscheinlich die Neigung jedes Einzelnen zu kollektivem Handeln ist. 2 Da jeder Teilnehmer vom Kollektivgut konsumieren kann, ohne sich an den Kosten der Entstehung beteiligen zu müssen, hat er (als rationaler Akteur) einen hohen Anreiz seine eigenen Investitionen in das Kollektivgut zu minimieren und auf Kosten der anderen Teilnehmer „Trittbrett zu fahren“. Erliegen genügend viele Mitglieder dieser Versuchung, kann das Kollektivgut
2 vgl. Olsen 1972.
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nicht hergestellt werden.
Die genannten Prinzipien gelten für reine kollektive Güter. Bei reinen privaten Gütern herrscht hingegen vollständige Rivalität, ein Ausschluss von nicht für das Gut zahlende Akteure ist (zu ausreichend geringen Kosten) möglich.
2.2 Clubtheorie
In der von James Buchanan 1965 entwickelten Clubtheorie ist das Kriterium der Nichtrivalität nur teilweise vorhanden. Buchanan veranschaulicht seine Theorie am Beispiel eines Swimmingpools, der von seinen Mitgliedern finanziert und genutzt wird. Er ermittelt aus Sicht der Clubmitglieder die optimale Anzahl an Mitgliedern und Poolausstattung. 3
Buchanan geht von homogenen Mitgliedern aus, die über die gleiche Ressourcenausstattung und Nutzenfunktion verfügen. Die Kosten (K) des Pools werden über eine Pro-Kopf-Umlage auf die Mitglieder (Clubgröße, n)verteilt. Der Ausschluss von Badegästen ist technisch möglich, für die Clubmitglieder jedoch nicht erstrebenswert, da durch die Kostenfunktion
mehr Badegäste zu sinkenden Kosten des Einzelnen führen. 4
Die Clubmitglieder sind jedoch nicht an einer unbegrenzten Anzahl von neuen Clubmitgliedern interessiert. Mögen mehr Leute im Schwimmbecken zunächst den Spaßfaktor erhöhen, so treten jedoch Nutzeneinbußen auf, wenn die Badegäste sich im Wasser behindern und nicht mehr eine Bahn frei durchschwimmen können. Das Gut „Swimming-pool“ ist hier zu einem rivalisierenden Gut geworden. Es gilt nun die optimale Mitgliederanzahl in bezug auf die Kosten- und Nutzenfunktion zu ermitteln. Clubgüter erfüllen nicht das Kriterium der Nichtrivalität. Sie sind mit Rivalität verbunden, im Regelfall mit Überfüllung.
3 vgl. Breuer 1997, S. 28.
4 Ebd..
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Arbeit zitieren:
Anselm Schelcher, 2005, Hamas und Rationalität, München, GRIN Verlag GmbH
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