Inhaltsverzeichnis
1. DAS BERICHTIGEN DER ´NAMEN´ 3
2. VIER TUGENDEN: MITMENSCHLICHKEIT(y), GERECHTIGKEIT(B), SITTLICHKEIT( ),
KLUGHEIT (U) 4
3. WELCHE BEDEUTUNG HAT DER KONFUZIANISMUS FÜR DAS THEMA WILLENSFREIHEIT?
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4. LITERATURVERZEICHNIS 10
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1. Das Berichtigen der ´Namen´
Das Leben des Konfuzius fällt in die Chunqin-Zeit (722-481 v. Chr.), eine nach den Annalenõ(Chunqin, wörtlich ôFrühling und Herbstõ des Staates Lu benannte Epoche zwischen der westlichen Zuou-Zeit (11. Jh. - 771 v. Chr.) und der Zeit der Streitenden Reiche (Zhanguo-Zeit, 481-221 v. Chr.). Es ist eine unruhige Epoche des Übergangs. Der Feudalstaat der Zhou, die China seit dem 11. Jahrhundert beherrschten, ist im Zerfall begriffen und die ehemaligen Lehnsnehmer machen sich zunehmend politisch unabhängig. Um die Macht konkurrierend, dezimieren sie einander in einer langen Kette von Schlachten, bis schließlich ein einziger Staat übrig bleibt und eine neue Zentralherrschaft errichtet: der Staat Qui, der die Grundlagen des späteren Kaisertums legt und dem im Übrigen der westliche NameôChinaõ zu verdanken ist. 1 Dieser politisch und gesellschaftlich chaotische Hintergrund ist der Ausgangspunkt der Gedanken des Konfuzius. Seine gesamten gedanklichen Bemühungen richten sich auf die Erneuerung der Ordnungsprinzipien der Zhou und die Wiederherstellung des Systems des Altertums. In diesem Sinne kann man sagen, Konfuzius sei ein Philosoph, der sich wenig für die Frage nach dem Sein oder Nichtsein interessiert. 2 Das Charakteristische an der konfuzianischen Problemlösung ist: Konfuzius sieht die Krise der damaligen Gesellschaft als eine Krise der ´Namen´. Die Verwirrung und das Missverständnis von Wort und Bedeutung spiegeln nach der Auffassung von Konfuzius die Kluft zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart wider. In der Wortesammlung Lunyu (chin. Nó) steht:
„Der Fürst Ging von Tsi fragte den Meister Kung über die Regierung. Meister Kung sprach: õDer Fürst sei Fürst, der Diener sei Diener; der Vater sei Vater, der Sohn sei Sohn.ô " 3
Das ist die Lehre vom Berichtigen der Namen (¢2), die besagt, dass das Berichtigen der Namen der Klärung, was Herrscher-, Bürger-, Vater-, Sohn-Sein oder andere Begriffe konkret aussagen, dient. 4
Aus diesem Grund warnt Konfuzius seine Schüler vor den trügerischen Worten.
„Der Meister sprach: õGlatte Worte und einschmeichelnde Mienen sind selten vereint mit Sittlichkeit.ô " 5
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Ich glaube, der Konfuzianismus setzt in diesem Zusammenhang Folgendes voraus: Der Mensch ist im Wesentlichen ein soziales Lebewesen, das sich in einem Netzwerk von Namen befindet. Der Mensch tritt auf der Bühne namens Welt auf, indem er eine oder mehrere Rollen, wie Vater, Sohn, Lehrer usw., übernimmt. Im Konfuzianismus wird der Mensch nicht als ein isolierter Untersuchungsgegenstand wie bei Descartes, Hobbes oder bei den gegenwärtigen Gehirnwissenschaftlern betrachtet. Der Mensch kann im Grunde dadurch ein Mensch sein, dass er in ein bestimmtes gesellschaftliches Netzwerk eingebettet ist. Im letzten Kapitel werde ich versuchen, zu verdeutlichen, was dies für das Thema Willensfreiheit bedeutet.
2. Vier Tugenden: Mitmenschlichkeit(y), Gerechtigkeit(B), Sittlichkeit(°),
Klugheit(U)
Konfuzius träumte von dem Jun-Zi Staat. Jun-Zi ist der Inbegriff des idealen Menschen, den Konfuzius selber im Laufe seines gesamten Lebens erreichen wollte. Wie oben erwähnt wurde, ist die Frage: ´Wie kann die Gesellschaft die Ordnung und die Harmonie erlangen?´, ein Hauptthema des Konfuzius.
Die Antwort des Meisters ist: Man kann in der Gesellschaft die Ordnung und die Harmonie nicht dadurch realisieren, dass man ein starkes Staatsgesetz schafft, sondern nur dadurch, dass jeder Mensch versucht, moralisch zu werden. Nur durch die innere Kraft des Menschen kann man ein Jun-Zi werden und dementsprechend eine gesunde Gesellschaft schaffen, in der die einzelnen Bürger harmonisch miteinander leben können.
Es geht um vier Tugenden, die Mitmenschlichkeit (y), die Gerechtigkeit (B), die Sittlichkeit (°) und die Klugheit (U), welche die ostasiatischen Länder, wie China, Korea und Japan stark beeinflusst haben. Ich gehe in meinen Ausführungen nur auf die Mitmenschlichkeit, die Sittlichkeit und die Klugheit ein.
N Mitmenschlichkeit
Der Begriff Mitmenschlichkeit ist so wichtig, dass er im Lunyu insgesamt 109 Mal erwähnt wird. Das Zeichen y besteht aus den zwei Zeichen für x(Mensch) und J(Zwei). 6 Diesen Begriff hat Konfuzius niemals eindeutig definiert. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Begriff bei Konfuzius unklar geblieben ist. Im Lunyu kann man eine Szene, in welcher der Meister vor seinen allen Schülern einen Unterricht hält, nicht finden. Diese Wörtersammlung besteht aus den Dialogen zwischen dem Meister und einem oder zwei seiner Schüler. Wenn ein Schüler den Meister fragt, was Mitmenschlichkeit ist, dann berücksichtigt der Meister den Charakter und das Niveau seines Schülers, bevor er ihm eine Antwort gibt. Genau diese pädagogische Strategie erzeugt jene große Überzeugungskraft, durch die der Schüler
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Arbeit zitieren:
Nam-Ho Kim, 2009, Konfuzianismus und Willensfreiheit, München, GRIN Verlag GmbH
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