Regenbogen
Der „Regenbogen“ bzw. „Regenbögen“ werden in Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ an den folgenden sechs Stellen erwähnt 1 :
• S.26 z.32 ff.
• S.64 Z.1 ff.
• S.128 Z.17 ff.
• S.272 Z.13 ff.
• S. 272 Z.26 f.
• S.371 Z.22ff.
Die erste Stelle an der Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“ den Regenbogen erwähnt findet sich in der Vorrede. Die Vorrede ist die Beschreibung der ersten Begegnungen, die Zarathustra mit unterschiedlichen Menschen hat, nachdem er vom Berg heruntergestiegen ist. Im neunten Teil der Vorrede, in welchem der „Regenbogen“ steht, ruft Zarathustra dazu auf, dass es Gefährten sein sollen, welche ihm folgen, da sie sich selbst folgen wollen; wie diese Gefährten sein sollen, führt er im Weiteren aus (vgl. ebd. S.25 f.). Zarathustra lässt den toten Seiltänzer, seinen ersten Gefährten zurück mit dem Vorsatz: „Den Schaffenden, den Erntenden, den Feiernden will ich mich zugesellen: den Regenbogen will ich ihnen zeigen und alle die Treppen des Übermenschen“ (ebd. S.26 z.32 ff.). Der Regenbogen wird hier also symbolisch als eine Brücke oder ein Übergang verstanden, welche/ welcher den Weg zum Übermenschen freimachen kann. Zarathustra stellt die eigentliche Existenz des Regenbogens nicht in Frage, doch auch die Menschen, die schaffen, ernten und feiern und damit nach seiner Auffassung die Möglichkeit haben dies zu erkennen, müssen diesen Weg dann noch selbst gehen.
Im Kapitel „Vom neuen Götzen“ (ebd. S.61ff.) spricht sich Zarathustra gegen den Staat bzw. die Form wie dieser praktiziert und geführt wird aus. In diesem Kontext ist wieder der „Regenbogen“ erwähnt: „Dort, wo der Staat a u f h ö r t, - so seht mir doch hin, meine Brüder! Seht ihr ihn nicht, den Regenbogen und die Brükken des Übermenschen?“ (ebd. S.64 Z.1 ff.). Hier ist der Regenbogen ebenfalls Symbol für etwas das aus den alten oder traditionellen Mustern ausbricht und nicht allen ersichtlich ist. Der Staat wird als Götze, teilweise als „Gottheit“ beschrieben, die
1 Die Seiten- und Zeilenangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Colli, G./ Montinari, M. (Hrsg.): 11 Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Kritische Studienausgabe. München 2007 .
bereit ist, alles zu geben, wenn man ihm alles gibt - doch diese Sicht- und Lebensweise schließt den Übermenschen aus. Wer in dieser Abhängigkeit mit dem Staat lebt, ist nicht fähig den Übermenschen zu sehen oder gar selbst dazu zu gehören. Wieder ist der Regenbogen Zeichen für etwas, was über das menschliche Schaffen hinausragt. Ebenso erscheint der Übermensch; er ist Ziel, jedoch vom jetzigen Zustand der Menschen weit entfernt. Ein Regenbogen ist eine Lichtbrechung, die wir sehen, wenn sich die Sonnenstrahlen in Regentropfen brechen. Ein Regenbogen ist damit nicht fassbar, kann leicht übersehen werden, je nachdem wie intensiv seine Farben am Himmel
erscheinen und ob es der Hauptregenbogen oder ein Nebenregenbogen ist. 2 Vereinfacht gesagt ist der Regenbogen ein Naturphänomen, auf dessen Entstehung der Mensch kaum Einfluss hat, da er weder den Sonnenschein noch das Fallen des Regens beeinflussen kann. Ist der Regenbogen jedoch entstanden, so kann man diesen durch ein genaueres Hinsehen und das Ändern der Blickrichtung entdecken. Ähnlich fasse ich auch den Regenbogen bei Nietzsche und die Brücken zum Übermenschen auf; wer sich darauf einlässt und dafür bereit, ist seine alten Muster zu verlassen (die Blickrichtung zu ändern), kann auch dieses Ziel erreichen. Auch in der Mythologie findet der Regenbogen seine Erwähnung; bei den Griechen ist es die Verbindung zwischen dem Götterhimmel und der Erde, auf welchem die Göttin Iris reist. Den Sitz der Götter (Asgard) und die Verbindung mit der Menschenwelt (Midgard) stellt der Regenbogen bei den Germanen dar. Bei den Ureinwohnern Australiens, den Aborigines, wird im Regenbogen eine Schlange gesehen; diese ist nach ihrem Glauben für die Schöpfung alles Lebendigen verantwortlich.
Im alten Testament ist der Regenbogen das Zeichen Gottes für den neuen Bund zwischen ihm und den Menschen, mit dem er Noah das Versprechen gab, dass es fortan nie wieder eine solche Sintflut geben werde (1. Mose, 6ff.). „Denn dass der Mensch erlöst werde von der Rache: das ist mir die Brücke zur höchsten Hoffnung und ein Regenbogen nach langen Unwettern“ (ebd. S.128, Z.17ff.). Der Regenbogen erscheint bei Zarathustra als Zeichen, welches auf dem Weg zu einem höheren Ziel (z.B. dem Übermenschen) als vorläufiges Ziel
2 Eine weitere Vertiefung dieses naturwissenschaftlichen Phänomens würde den Rahmen dieser Ausarbeitung überschreiten, darum sei an dieser Stelle auf die Homepage der Universität München (http://leifi.physik.uni-muenchen.de/web_ph09/umwelt_technik/13regenbogen/regenbogen.htm) verwiesen, auf welcher dieses Phänomen nach Descartes erklärt ist.
interpretiert werden kann. Es wird hier jedoch auch als eine Art Erlösung verstanden bzw. als Zeichen, dass ein neuer Schritt beginnen kann, etwas Altes abgeschlossen ist und dies durch den Regenbogen veranschaulicht wird. Weiterhin wird der Regenbogen verglichen mit Worten und Tönen, so genannten „Schein- Brücken zwischen Ewig- Geschiedene[m]“ (ebd. S.272, Z. 14 f.); hier wird noch einmal das Naturphänomen aufgegriffen, denn der Regenbogen ist ein Scheingebilde.
Wanderer
Nietzsche befasst sich in seinem „Zarathustra“ an den folgenden Stellen mit dem
Wanderer 3 :
• S.12 Z.17 ff. • S.309 Z.14 ff. • S. 380 Z.19 ff.
• S.193 ff.
• S.193 Z.11 ff. • S.379 Z.1 ff.
Die erste Stelle an der Nietzsche sich mit der Figur des aufgreift ist im zweiten Teil der Vorrede: „Nicht fremd ist mir dieser Wanderer: vor manchen Jahre gieng er her vorbei. Zarathustra hiess er; aber er hat sich verwandelt“ (S.12 Z.17 ff.). Beschrieben wird hier die Begegnung des Greises mit Zarathustra, der Zarathustra sah, als dieser auf den Berg ging und ihn nun verwandet wieder herunterkommen sieht. Der Greis ist verwundert, dass Zarathustra den er folgendermaßen beschreibt: „Verwandelt ist Zarathustra, zum Kinde ward Zarathustra, ein Erwachter ist Zarathustra: was willst du nun bei den Schlafenden?“ (ebd. Z.25 ff.), wieder zu den Menschen hinabsteigen will, denn der Greis erlebt ihn als einen Menschen, der dies eigentlich nicht nötig hätte. In dem Zustand in dem Zarathustra sich befindet kann man ihn beschreiben als von Religion (bzw. Religionen) und Philosophie befreit. Dennoch tritt bei Zarathustra ein religiöses Motiv auf, das der Liebe oder der Nächstenliebe, denn Zarathustra gibt an, um der Menschen willen zurück zu kehren: „Ich liebe die Menschen“ (ebd. S.13 Z.1), er will die Menschen beschenken und sie an seiner neuen Erkenntnis teilhaben lassen.
3 Die Seiten- und Zeilenangaben beziehen sich -soweit nicht anders angegeben - auf die Ausgabe: Colli, G./ Montinari, M. (Hrsg.): Fridrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Kritische Studienausgabe.
11 München 2007 .
Arbeit zitieren:
Stephanie Plenge, 2009, Begriffe aus Nietzsches Zarathustra, München, GRIN Verlag GmbH
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