Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmung. 2
2.1 ökonomische Modernisierung. 2
2.2 Transformation. 4
3. Die ökonomische Modernisierung in der Bundeswehr 6
3.1 Das Modell der Kosten- und Leistungsverantwortung (KLV) 8
3.2 Privatisierungen. 10
4. Die ökonomische Modernisierung im Meinungsbild. 13
5. Probleme und Kritik 15
6. Fazit. 18
7. Literaturverzeichnis 20
Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr Seite 1
1. Einleitung
„Die Transformation der Bundeswehr zu einer Armee im Einsatz erfordert erhebliche Anpassungen und Modernisierungen. Das Spannungsverhältnis zwischen
verteidigungspolitischen Erfordernissen und finanziellem Bedarf für andere staatliche Aufgaben wird auch in Zukunft fortbestehen. Sicherheits- und Verteidigungspolitik können nicht unabhängig von der allgemeinen Haushaltsentwicklung gestaltet werden. Das zentrale finanzpolitische Ziel der Bundesregierung, die Fortsetzung der Konsolidierung des Bundeshaushaltes, gibt daher auch für die Planungen der Bundeswehr einen verbindlichen Rahmen vor.“ (BMVg 2006; S. 78)
Diese Aussage aus dem Weißbuch 2006 des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) beschreibt bereits zentrale Fragestellungen bei der Umgestaltung der Bundeswehr. Wie können angesichts eines in eine allgemeine Politik der Haushaltskonsolidierung eingebundenen und daher weitgehend gleichbleibenden Verteidigungshaushaltes, die Mittel bereitgestellt werden, die für die Transformation der Bundeswehr zu einer Einsatzarmee und die damit erweiterten Aufgaben benötigt werden? Als Antwort darauf gilt die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr. Der Prozess der ökonomischen Modernisierung soll in dieser Hausarbeit untersucht werden. Dazu sollen zunächst die zentralen Begriffe der ökonomischen Modernisierung im Allgemeinen, sowie der der Transformation bestimmt werden. Im Folgenden werden dann die Gründe für den Beginn der ökonomischen Modernisierung in der Bundeswehr im Speziellen untersucht. Weiterhin erfolgt eine Darstellung der verschiedenen Elemente. Besonderes Augenmerk soll dabei auf dem Konzept der Kosten- und Leistungsverantwortung (KLV) und der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb (g.e.b.b.) liegen. Nach einer Einbeziehung des Meinungsbildes zur ökonomischen Modernisierung in der Bundeswehr und der kritischen Untersuchung des Prozesses folgt dann ein abschließendes Fazit.
Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr Seite 2
2. Begriffsbestimmung
2.1 ökonomische Modernisierung
Mit dem Begriff der ökonomischen Modernisierung wird speziell für die Bundeswehr ein Prozess beschieben, der in der Literatur weitgehend unter der Bezeichnung „Ökonomisierung“ bekannt ist. Aus soziologischer Sicht kann der Prozess der ökonomischen Modernisierung als eine zunehmende Ausrichtung des Handelns an ökonomischen Kategorien, Normen, Werten und Prinzipien verstanden werden. Für die Bundeswehr bedeutet dies die Einführung betriebswirtschaftlicher Denkweisen, Strukturen, Verfahren und Instrumente, sowie der dazugehörigen Fachterminologie. (vgl. Richter 2004; S. 40 ff) Die ökonomische Modernisierung stellt somit auch gewissermaßen die Umkehrung der Beeinflussung von Militär und Wirtschaft dar. Während in der Vergangenheit militärisch Organisationsprinzipien, wie die Linienorganisation oder die Abteilungsbildung, Vorbild für zahlreiche Unternehmen waren, ist nun ein gegenläufiger Trend zu beobachten. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist ein weltweiter Trend zu beobachten, wonach im Gegenzug betriebswirtschaftliche Steuerungskonzepte und Managementmethoden in das Militär vordringen.“ (Richter 2004; S 40) Die ökonomische Modernisierung ist damit auch Teil eines allgemeinen Trends zur Umgestaltung des öffentlichen Sektors. Es handelt sich dabei um eine „[…] Neubewertung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung zwischen Staat und privatem Sektor: welche gesellschaftlichen Aufgaben- und Versorgungsbereiche müssen in unmittelbarer staatlicher Verantwortung bleiben, welche können an private Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure abgegeben werden?“ (Richter 2005; S. 1) Seinen Ursprung haben diese Ansätze Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien, Australien und Neuseeland, wo unter dem Begriff des New Public Management (NPM) Reformen im öffentlichen Sektor durchgeführt wurden. Gemeinsam waren diesen Ansätzen:
• die Stärkung der Marktorientierung sowie des Wettbewerbsdenkens • an Privatunternehmungen orientierte Managementkonzepte
• die Trennung von strategischer und operativer Verantwortung (auch als Trennung von Politik und Verwaltung aufgefasst) • Konzepte der ziel- und ergebnisorientierten Steuerung • Die Schaffung dezentraler teilautonomer Organisationsstrukturen (vgl. Richter 2004; S. 41)
Allgemein wird dabei die generelle Überlegenheit des Marktes gegenüber dem Staat bei der Verteilung der Mittel unterstellt. Diese Annahme liegt auch der deutschen Variante des NPM,
Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr Seite 3
dem Neuen Steuerungsmodell (NSM) zugrunde. Das NSM wurde Anfang der 1990er Jahre von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) nach niederländischem Vorbild entwickelt. Dieses zunächst nur für die kommunale Ebene gedachte Modell wurde dann auch auf Bundes- und Länderebene übernommen. Insbesondere nach dem Regierungswechsel 1998 wurde dies verstärkt in Angriff genommen, wobei dem Verteidigungsministerium dabei durchaus eine Vorreiterrolle zugesprochen werden kann. (vgl. Richter 2004; S. 41)
Gregor Richter sieht das Leitkonzept des NSM insbesondere in fünf Dimensionen: • Verhältnis Öffentliche Verwaltung/Bürger: Im NSM wird der Bürger als „Kunde“ definiert, während er in der klassischen Konzeption von Verwaltung vor allem als Adressat hoheitlicher Aufgaben angesehen wurde. Verwaltung versteht sich zunehmend als Dienstleistungsunternehmen mit direktem Kontakt zum Bürger. • Entscheidungsstrukturen: Während die klassische Verwaltung durch einen pyramidenförmigen Aufbau mit stark zentralisierter Entscheidungsstruktur gekennzeichnet ist, sollen im NSM flachere und dezentrale Aufbaustrukturen angestrebt werden. Dies soll zu einer stärkeren Verantwortung und Situationsorientierung auf allen Ebenen führen.
• Steuerung der Finanzmittel: Kennzeichnend für die deutsche Verwaltung ist die Trennung von Fach- und Ressortführung, die im NSM zusammengeführt werden soll. Umgestellt werden soll ebenfalls die starre Haushaltsstellensystematik, an deren Stelle die flexible Budgetierung tritt soll. Somit wird die kameralistischen Inputorientierung im klassischen Verwaltungsmodell, durch die betriebswirtschaftliche Outputorientierung abgelöst.
• Personal: Im NSM sollen Honorierung und Aufstieg stärker als bisher am Leistungsprinzip ausgerichtet werden. Bisher galt im Öffentlichen Dienst das Laufbahn- und Anciennitätsprinzip, das die Beförderung entsprechend dem Dienstalter vorsah.
• Institutionen: Bisher von Staat in Eigenregie ausgeführte Aufgaben werden an private Unternehmen vergeben. Der Staat tritt dann als Nachfrager auf einem Markt auf, der auf der Marktgegenseite durch Wettbewerb unter den Leistungserbringern gekennzeichnet ist. (vgl. Richter 2005; S. 2)
Als Gründe für die Einführung des NSM in Deutschland, sowie weiteren auf dem NPM basierenden Reformen weltweit, kann zum einen die staatliche Finanzkrise angeführt werden.
Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr Seite 4
Angesichts der Defizite in der Staatskasse mussten Wege gefunden werden, um die Aufgaben des Staates wirtschaftlicher zu erbringen. Privatwirtschaftlichen Methoden wird dabei eine höhere Effizienz unterstellt. „Es gibt Hinweise darauf, dass nicht nur die Übernahme von privatwirtschaftlichen Methoden in die öffentliche Verwaltung zu Kostensenkungen führt, sondern dass private Unternehmen per se eine höhere Produktionseffizienz aufweisen als öffentliche Unternehmungen.“ (Richter 2004; S. 42) Ein weiterer Grund kann in der mangelnden Steuerbarkeit von Verwaltungsapparaten gesehen werden. Bürokratien entwickeln oft Eigengesetzlichkeiten und sind somit von außen nur noch schwer steuerbar. Die Modernisierung und die Ablösung traditioneller Steuerungsinstrumente soll somit das Primat der Politik gegenüber der Verwaltung wieder herstellten. Zuletzt gibt es aber auch einen nicht zu verleugnenden gesellschaftlichen Druck. Die von der Öffentlichkeit unterstellte mangelnde Leistungsfähigkeit erhöht den Druck für Reformen. Ein von neoliberalen Gesellschafts- und Ordnungsvorstellungen getragener Zeitgeist, der in der Privatisierung von staatlichen Aufgaben die Lösung für zahlreiche Probleme des modernen Wohlfahrtsstaates sieht, tut ein Übriges die Reformen anzustoßen. (vgl. Richter 2004; S. 43)
Abschließend gilt es noch die Unterschiede zwischen verschiedenen Formen der Ökonomisierung zu unterscheiden. Die Ökonomisierung im engeren Sinne bezeichnet die Einführung von betriebswirtschaftlichen Steuerungsformen und Managementinstrumenten in die öffentliche Verwaltung. Eine zweite Form der Ökonomisierung umfasst Prozesse bei denen vormals vom Staat selbsttätig ausgeführte Aufgaben an Private abgegeben werden. Dies wirdgemeinhin mit dem Begriff der Privatisierung umschrieben. Hierbei müssen die Aufgabenprivatisierung (materielle Privatisierung), bei der die Leistungstiefe der Verwaltung durch die Vergabe von bestimmten Aufgaben an private Anbieter reduziert wird und die Organisationsprivatisierung (formelle Privatisierung), bei der die gesamte Verwaltungseinheit in eine privatrechtliche Gesellschaft umgewandelt wird, unterschieden werden. Zudem gibt es noch die so genannte funktionelle Privatisierung, bei der der Staat zusammen mit der Wirtschaft gemeinsame Unternehmen gründet. Dies wird auch mit dem Begriff der Public-Private-Partnership (PPP), oder zu deutsch Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) bezeichnet.
2.2 Transformation
„Die Transformation ist […] eine Antwort auf die Veränderungen des klassischen Kriegsbildes, mithin das Bemühen, sich auf veränderte Konfliktbilder und neue Bedrohungen angemessen einzustellen und vorzubereiten“ (Wolfgang Schneiderhan, zitiert nach: BMVg 2006; S. 96) Mit der Veränderung der Bundeswehr, die seit 2004 unter dem Stichwort „Transformation“ firmiert, hin zu einer Armee im Einsatz, ergeben sich zahlreiche neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Landesverteidigung ist nun nicht mehr alleinige Aufgabe, somit ergibt sich ein komplett neues Fähigkeits- und Anforderungsprofil. Das neue Fähigkeitsprofil stellt
Arbeit zitieren:
Martin Giese, 2007, Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr als Teil der Transformation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
International Marketing Strategies, Example: Coca Cola
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 35 Seiten
Erstellung einer Marketingkonzeption für die flächendeckende Einführun...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Diplomarbeit, 232 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen der relativen Einzelkostenrechnung am Beispi...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Masterarbeit, 68 Seiten
Die Ökonomisierung der Bundeswehr unter der Betrachtung des Situativen...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 20 Seiten
Martin Giese's Text Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr als Teil der Transformation ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Martin Giese hat den Text Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr als Teil der Transformation veröffentlicht
Martin Giese hat einen neuen Text hochgeladen
Die ökonomische Modernisierung der Bundeswehr
Sachstand, Konzeptionen und Pe...
Gregor Richter
From Confrontation to Cooperation: The Takeover of the National People...
Frederick Zilian, Werner Von Scheven
Ökonomische Analysen zu den Effekten von Aufsichtsrats- und Betriebsra...
Schmollers Jahrbuch, 131. Jg. ...
Joachim Wagner
La Transformacion del Liberalismo en Mexico A Fines del Siglo XIX = Th...
Charles A. Hale, Purificacion Jimenez
Eine Einführung in die Geschichte des ökonomischen Denkens 4 Teil 2
Die Ökonomik des 19. Jahrhunde...
Hans W. Holub
O Blessed Night!: Recovering from Addiction, Codependency, and Attachm...
Francis Kelly Nemeck, Omi, Marie Theresa Coombs
0 Kommentare