Ausarbeitung des Referats
,,Jugendsprache in den Medien"
vom 17.06.08
Universität Siegen
Fachbereich 3
Seminar: ,,Jugendkultur in den Medien"
SoSe 08
Katharina Beyer
Deutsch/ Geschichte
Gymnasium
Ausarbeitung: Jugendsprache in den Medien
2
Inhalt
1. Jugendsprache in den Medien - Einleitung...3
2. Die historische Studentensprache...4
3. Sprachstile Jugendlicher heute ...7
4. Das Prinzip der Substandardisierung und Sprachwandelprozesse ...11
5. Literaturverzeichnis ...16
Ausarbeitung: Jugendsprache in den Medien
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1. Jugendsprache in den Medien - Einleitung
Das Referat, das dieser Ausarbeitung zugrundegelegt wurde beschäftigt sich mit dem
Phänomen der Jugendsprache(n), insbesondere mit dem der Skatersprache unter
Berücksichtigung des Jugendromans ,,Slam" von Nick Hornby (2008)
1
.
Der in dieser Arbeit behandelte Referatsteil soll eine Einführung in die Jugendsprache mit
ihren Funktionen, Besonderheiten und Einflüssen auf die Standardsprache geben.
Außerdem soll das in der Öffentlichkeit vorherrschende negative Bild von
jugendsprachlichen Erscheinungen durch einen anderen Blickwinkel neu beleuchtet
werden und Verständnis für jugendliche Spracherscheinungen geweckt werden.
Um dieses zu leisten ist es vonnöten, eine historische Jugendsprache, die Studentensprache
zu betrachten, um deutlich zu machen, dass es sich bei der Jugendsprache nicht um ein
Phänomen der Gegenwart handelt, sondern dass das Phänomen der Jugendsprache bereits
in früheren Epochen aufgetreten ist, ohne dass ein spürbarer ,,Verfall der Sprache"
eingetreten ist (Kapitel 2).
Im darauffolgenden Kapitel 3 wird der Blick auf die Gegenwart gelenkt, und es soll ein
kurzer Einblick in ,,Sprachstile Jugendlicher heute" gegeben werden. Insbesondere soll das
mediale Interesse an Jugendsprache beleuchtet werden und der Frage nachgegangen
werden, in welchem Verhältnis Jugendsprache zur Standardsprache steht.
Auf diese Frage wird in Kapitel 4 näher eingegangen, indem das Prinzip der
Substandardisierung und die damit verbundenen Prozesse des Sprachwandels tiefergehend
untersucht werden.
Diese Arbeit soll einen groben Überblick über jugendsprachliche Erscheinungen geben und
in Ansätzen deutlich machen, dass ein Abweichen von bestehenden Sprachnormen nicht
mit einem Sittenverfall gleichzusetzen ist.
Der Referatsteil, den diese Ausarbeitung umfasst ist die Grundlage für die Untersuchung
der Skatersprache, unter besonderer Berücksichtigung des Jugendromans ,,Slam", deren
Untersuchung im zweiten Teil des Referats von einer Kommilitonin durchgeführt wurde.
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Vgl. Nick Hornby (2008): Slam. 1. Aufl. Köln.
Ausarbeitung: Jugendsprache in den Medien
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2. Die historische Studentensprache
Jugendsprache ist kein aktuelles Phänomen der Gegenwartssprache, sondern ein
historisches Phänomen, das seine Anfänge mit der historischen Studentensprache bereits
im 16. Jahrhundert hat.
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Ein charakteristisches Merkmal der historischen Studenten-, und damit Jugendsprache ist,
dass ihr Sprecherkreis nur auf einen kleinen Teil der damaligen Gesellschaft beschränkt ist,
nämlich auf männliche Personen mit akademischem Hintergrund.
3
Damit stellt die Gruppe
der Sprecher auch nur eine geringe Teilmenge der damaligen Jugendlichen dar.
Dass Jugendsprache schon zu der Zeit der historischen Studentensprache als negativ
beurteilt wurde, beweist folgendes Zitat von Robert Salmasius, aus seinem ,,Kompediösen
Handlexikon der unter den Herren Purschen [sic!] auf Universitäten gebräuchlichsten
Kunstwörter" von 1749 in dem das ,,Feldgeschrei" der ,,Purschen" den Sittenverfall
einläutet:
4
,,O Zeiten! O Sitten! Wo höret man noch ein angenehmes Feldgeschrei
der praven Purschen [sic!] auf der Gasse und aus den Fenstern?"
5
Die Funktion dieser
Ausprägung einer Jugendsprache liegt darin begründet, dass eine ,,Abgrenzung zu den
bürgerlichen Konventionen der Standardsprache" vorgenommen wurde, die insbesondere
durch die Ausbildung einer Sonderlexik vonstatten ging.
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Man grenzte sich jedoch nicht nur von der Standardsprache im Allgemeinen ab, sondern
auch begrifflich von anderen Gruppierungen, vor allem von den nicht- studentischen
Bürgern, den ,,Philistern", den nicht-studentischen Jugendlichen, den ,,Gnoten", und den
nicht- burschikosen Studenten, den ,,Muckern, Klössen und Finken."
7
Aus dem überlieferten studentischen Wortschatz lassen sich zentrale Erfahrungsbereiche
und soziale Handlungsräume der historischen Studenten ableiten, wie etwa der Bereich des
Studiums selbst, in dem Begriffe wie ,,einschreiben", ,,schwänzen", ,,oxen" oder ,,Hefte
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Eva Neuland (2003a): Jugendsprachen im gesellschaftlich- historischen Wandel. Ein Beitrag zur Geschichte
der Jugendsprache. In: Eva Neuland (Hg.): Jugendsprache Jugendliteratur Jugendkultur. 2. Aufl.
Frankfurt a.M. S.92.
3
Neuland 2003a, S.92.
4
Eva Neuland (2003b): Entwicklungen und Perspektiven der Jugendsprachforschung. Zur Einführung. In:
Eva Neuland (Hg.): Jugendsprachen Spiegel der Zeit. Internationale Fachkonferenz 2001 an der Bergischen
Universität Wuppertal. Band 2. Ohne Auflage. Frankfurt a.M. S.10.
5
Salmasius (zit. nach Neuland 2003a, S. 91).
6
Neuland 2003a, S.100.
7
Neuland 2003a, S.102.
Ausarbeitung: Jugendsprache in den Medien
5
führen" geprägt wurden. Ein weiterer Bereich umfasst das studentische Brauchtum, in
dem Wendungen wie ,,Skandale haben" und ,,Lektion hauen", und Verben wie
,,anscheißen" und ,,pauken" auftauchen.
8
Einen weiteren Handlungsraum stellt die
materielle und finanzielle Reproduktion dar, mit Begrifflichkeiten wie ,,pumpen",
,,hebräisch lernen" und ,,Moneten". Auch soziale Beziehungen, wie etwa die Graduierung
des Studentenstandes, bekamen studentische Bezeichnungen, wie ,,Fuchs", ,,Brandfuchs",
,,Jung- und Altbursch" etc.
9
Insbesondere im Bereich der Sexualität und Frauenwelt kristallisierten sich Bezeichnungen
heraus, die Frauen insbesondere nach der sozialen Herkunft (,,Küchenbesen") und nach der
Käuflichkeit (,,Schnalle", ,,Nymphe", ,,Zobel") kategorisierten. Die Standardsprache wurde
so um Begriffe erweitert, für die es bislang keine Bezeichnung gab.
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Ein Phänomen, das bei der Herausbildung der Studentensprache auffällig ist, ist die
sprachliche Spiegelung und Gegenspiegelung des sozialen Umfeldes der Studenten.
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Es
handelt sich also nicht um die Neu-Erfindung einer Sprache mit eigener Grammatik,
sondern es wurde sprachliches Material aus dem sozialen Umfeld durch verschiedene
Stilbildungsprozesse aufgenommen und umgedeutet, wie es in der heutigen Jugendsprache
zu beobachten ist
12
. Es lassen sich drei Hauptherkunftsgebiete für die sprachlichen
,,Neu"schöpfungen beobachten:
Eine wichtige Rolle spielt die Antike mit ihren Sprachen Latein und Altgriechisch, die als
Sprachen der Gebildeten in der Welt eines Studenten eine vorrangige Rolle spielten. Man
sprach in diesem Bereich von einer ,,derb-komischen Verschmelzung von Deutsch und
Latein", dem sogenannten ,,makaronischen Latein"
13
. Aus diesem Herkunftsbereich
stammt etwa das Verb ,,promovieren", das im Sinne von ,,entwenden" gebraucht wurde
(abgeleitet vom lateinischen Verb ,,promovere"), oder der Begriff ,,Illiade", der für die
Besingung einer Bierreise steht. Hier lässt sich besonders deutlich die abgrenzende
8
Neuland 2003a, S.101.
9
Neuland 2003a, S.102.
10
Neuland 2003a, S.103.
11
Neuland 2003a, S.104.
12
Eva Neuland (2003c): Subkulturelle Sprachstile Jugendlicher heute. Tendenzen der Substandardisierung in
der deutschen Gegenwartssprache. In: Eva Neuland (Hg.): Jugendsprache Jugendliteratur Jugendkultur. 2.
Aufl. Frankfurt a.M. S. 145.
13
Kluge (zit. nach Neumann 2003a, S. 105).
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