Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Aktueller Forschungsstand Seite 6
2.1 Gemeinsame Hörgewohnheiten Seite 7
2.2 Geschlechtsspezifische Differenzen Seite 14
3. Praktische Umsetzung Seite 19
3.1 Programme für Männer Seite 19
3.2 Programme für Frauen Seite 21
4. Fazit Ausblick Seite 24
5. Literatur- und Bildnachweise Seite 27
Hegewald Hören Frauen anders Radio
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1. Einleitung
Die Programme aus dem klassischen Hörfunk müssen um ihr Fortbestehen kämpfen. Das Fernsehen, das Internet, MP3-Player und Podcasts graben ihnen massiv Marktanteile ab. Jetzt soll durch die Digitalisierung und die damit verbundene Marktöffnung nahezu jeder einzelne in die Lage versetzt werden, seinen eigenen Radiosender betreiben zu können. Digital, im Internet. Für den Rezipienten macht es diese technische Entwicklung einfacher, entweder selbst als Akteur tätig zu werden und folglich zugleich als Rezipient für andere Sender nicht mehr in Erscheinung zu treten. Oder er kann sich alternativen Medien zuwenden, deren Konsum für ihn bequemer ist. Um im Radio Zusammenhänge zu erschließen und dem Geschehen folgen zu können, muss ein gewisses Maß an Fantasie und Konzentration aufgewendet werden. Das ist beim Fernsehen zum Beispiel nicht unbedingt vonnöten. Es lässt sich durch das zusätzliche Angebot von Bildern zum Ton einfacher konsumieren.
Alle diese und noch weitere Faktoren haben zur Folge, dass die Zahl der Hörfunk-Hörer pro Sender schrumpft. Weil aber hinter privaten Rundfunkstationen in vielen Fällen strikt kalkulierende Wirtschaftsunternehmen stehen, versucht die Hörfunkbranche, dem Trend des Hörerschwundes entgegen zu wirken. Das
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geschieht auf verschiedenen Ebenen: Es werden Zielgruppen definiert, die Bedürfnisse und die Wünsche dieser Zielgruppen werden – zum Teil sehr detaillierten – Analysen unterzogen und die Programme werden nach den gewonnenen
Untersuchungsergebnissen branchenübergreifend dieselben Forschungsmethoden angewandt werden, führt das dazu, dass sich die Radiosender derselben Sparte häufig klanglich, inhaltlich und zum Teil sogar personell sehr ähneln. Die Hörer stoßen bei verschiedenen Sendern auf dieselbe Musikfarbe, bekommen im redaktionellen Bereich eine ähnliche Themenauswahl serviert und auch die agierenden Personen unterscheiden sich stimmlich zwischen den einzelnen Programmen nur marginal. Grotesk mutet es dabei schon an, dass gerade diese stark nach Umfragewerten konstruierten (und damit quasi gleichgerichteten) Programme allesamt mit Vehemenz von sich behaupten, sie würden den Hörern die größte Vielfalt bieten. Was in diesen Untersuchungen jedoch häufig vernachlässigt wird, ist der Gender-Faktor. Sowohl bei der Messung der
Einschaltquoten, als auch Hörerbedürfnisse, wird nur in seltenen Einzelfällen zwischen Männern und Frauen unterschieden. „Der Hörer“ wird vom Hörfunk wie eine geschlechtslose Masse behandelt. Die
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Programmverantwortlichen 1 setzen üblicherweise voraus, dass Männer und Frauen den gleichen Musikgeschmack haben, sich von der gleichen Ansprechhaltung angezogen fühlen und sich für dieselben Themen interessieren. Damit wagen sie einen Spagat, indem sie versuchen ein Mainstream-Programm anzubieten, das einerseits niemanden zu sehr stört oder zum Ab-, bzw. Umschalten bewegt, aber eben keines der beiden Geschlechter auch wirklich zufrieden stellen kann. Dieses Phänomen ist heute in Deutschland stark verbreitet zu beobachten. Als Musterbeispiele hierfür gelten etwa die Programme der Mainstream-Sender wie Radio SAW, Radio RSH oder RPR1.
Dass die geschlechtlichen Unterschiede im Programm sogar oft dem puren Zufall überlassen werden, schilderten Petra Werner und Lars Rinsdorf bereits 1998 in ihrer Studie „Ausgeblendet? Frauenbild und Frauenthemen im nordrhein-westfälischen Lokalfunk“. Darin beschreiben sie, dass die Auswahl und Präsentation von Frauenthemen oft allein von der personellen Besetzung der Redaktion abhängig sind. In Sendern wie bei Radio Bonn/Rhein-Sieg, wo der Anteil weiblicher Redaktionsmitglieder etwas höher lag (82,3 Prozent der gesamten Belegschaft), in denen wurde auch entsprechend häufiger über Frauenthemen berichtet. Hier immerhin in beachtlichen 95,2 Prozent des
1 gemeint sind hier die Macher von massentauglichen Mainstream-Radiosendern
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Gesamtprogramms. Bei einem Sender wie Radio Rur im Kreis Düren, dessen Redaktion zu 98,4 Prozent aus Männern bestand, wurden hingegen im Untersuchungszeitraum bemerkenswert wenige Frauenthemen berücksichtigt (insgesamt 82,7 Prozent frauenfreie Beiträge). 2 Die verstärkten Bemühungen der Hörfunkbranche um die Hörergunst haben in jüngerer Zeit auch dazu geführt, dass einzelne Programme aus dem Mainstream-Segment ausgegliedert und in Spartenprogramme abgewandelt wurden. Seitens der Programmverantwortlichen werden neben Musik, Kultur und Nachrichten offenbar auch „die Frauen“ und „die Männer“ als jeweils eine separate Sparte betrachtet. So gibt es nun Programme, mit denen versucht wird, gezielt die Bedürfnisse der jeweiligen Gendergruppe zu befriedigen. Interessant ist dabei, dass speziell für Männer entwickelte Programme wie „Sportradio 90elf“ oder „Rockland Radio“ in Deutschland bis zu einem gewissen Grad funktionieren und sich durchaus auch wirtschaftlich zu tragen scheinen. Während Radiosender, die speziell für eine weibliche Zuhörerschaft produziert werden, entweder schnell wieder vom Markt verschwinden (z. B. Radio Victoria 3 ), ein Schattendasein als Webradio mit sehr geringer Hörerzahl fristen (z. B. radio-
2 Werner und Rinsdorf, „Ausgeblendet“, 1998, Seite 87
3 auf Sendung in Süddeutschland von 03/89 bis 03/94
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ladysfirst.de 4 ) oder bereits in der Planungsphase wieder aufgegeben werden (z. B. das DAB-Frauenradio-Projekt der Regiocast Digital in Mitteldeutschland 5 ).
Woran liegt es, dass frauenspezifische Radioprogramme auf dem Markt nicht bestehen? Treffen die Programmverantwortlichen trotz aller Analyse nicht den Geschmack ihrer Hörerinnen? Hören Frauen anders Radio? Ist das Radio vielleicht gar das falsche Medium, um Frauen zu erreichen? Was sind die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede von Männern und Frauen bei der Hörfunkrezeption? In dem vorliegenden Buch soll versucht werden, eine Antwort auf diese Fragen zu finden.
4 Maximale Reichweite: 25 Hörer simultan, gemessen am 13.2.2009
5 Quelle: eigene Recherche
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2. Aktueller Forschungsstand
Bei den regulären Messungen der Einschaltquoten, bzw. bei den Hörerresearches gibt es vereinzelt Bemühungen, die Ergebnisse nach Geschlechtern getrennt anzugeben. Vor allem punktuell, wenn gezielte Aktionen für einzelne Gendergruppen geplant werden. Von Kontinuität kann in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein. Auch werden die Untersuchungsergebnisse von den Programmverantwortlichen nur selten über einen längeren Zeitraum, d. h. nicht länger als ein Jahr, was beim klassischen Hörfunk zwei Quotenmessungs-Intervallen entspricht, beobachtet. Eine Verknüpfung von aktuellen und älteren Ergebnissen wird in der Regel nicht vorgenommen. Das liegt unter anderem daran, dass die Rahmenbedingungen für ein Hörfunkprogramm im Laufe der Zeit häufig starken Schwankungen unterworfen sind. Deutlich häufiger werden genderspezifische Gesichtspunkte in der Hörfunkforschung berücksichtigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die agierenden Einrichtungen nur selten daran interessiert sind, ein Programm nach wirtschaftlichen Kriterien zu strukturieren. Vielmehr ist es hier von Interesse, Wirkungsforschung zu betreiben.
Da davon ausgegangen werden muss, dass vor allem Ergebnisse aus der Hörfunkforschung auf Grund ihrer Erhebungsmethoden
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Arbeit zitieren:
Mark Hegewald, 2009, Hören Frauen anders Radio?, München, GRIN Verlag GmbH
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