Inhalt
1 Einleitung 2
2 Netzwerktheorie/Netzwerke: Definition und Entstehungs-
absicht 2
3 Gesellschaftliche Voraussetzungen für die Entstehung von
Netzwerken 4
4 Verhandlungslogik in Netzwerken 5
5 Quantitative Netzwerkanalyse im Politikfeld Arbeit 7
6 Stärken und Schwächen des Ansatzes/ Zusammenfassung 13
7 Literaturverzeichnis 15
1 Einleitung
Netzwerke stehen derzeit im Zentrum des politikwissenschaftlichen Diskurses. Ob sie lediglich „Hochkonjunktur“ (Jansen/Schubert 1995: 7) haben (und damit vielleicht genau so schnell wieder verschwinden) oder die Politikwissenschaft damit gar ein „neues Paradigma“ 1 (Benz 1995: 185) gefunden hat, lässt sich derzeit nicht beantworten. Allerdings spielen Netzwerkanalysen im politischen Bereich eine wichtige Rolle, weil sie aufzeigen, wie der politische Entscheidungsprozess jenseits offizieller Strukturen und Institutionen abläuft. Als informelle Form der Entscheidungsfindung sind Netzwerke aus dem modernen, kooperativen Staat mit seinen komplexen Strukturen und Verflechtungen nicht mehr wegzudenken. Diese Verschriftlichung soll verdeutlichen, welche zentralen Prämissen der Netzwerktheorie zu Grunde liegen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen damit es zur Bildung von Netzwerken kommt und nach welcher Logik sowie Interaktionsformen Netzwerke funktionieren. Um aufzuzeigen, wie Netzwerke politikwissenschaftlich untersucht werden können, wird eine quantitative Studie aus dem Politikfeld Arbeit vorgestellt und kritisch gewürdigt.
2 Netzwerktheorie/Netzwerke: Definition und Entstehungsabsicht
Die Netzwerktheorie beschäftigt sich mit der Art der Einflussnahme von Interessengruppen auf die Entscheidungsträger. Der Einfluss erfolgt dabei direkt oder indirekt innerhalb eines geschlossenen Systems durch gegenseitige Informationspreisgabe und kann sich dabei auf jede der drei Stadien des Policy-Prozesses (Problemwahrnehmung, Agenda-Setting und Politikentwicklung) beziehen. Um die Kommunikation der Beteiligten zu sichern, bilden sich
1 Der Begriff des „Paradigma“ geht auf den Physiker und Wissenschaftstheoretiker Thomas S. Kuhn zurück. Eine Lesart in seinem Werk „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ ist, ein Paradigma als „die Quelle aller Methoden, Problemgebiete und Lösungsnormen, die von einer reifen wissenschaftlichen Gemeinschaft zu irgendeinem Zeitpunkt gemacht werden“ (Kuhn 2001: 116) anzusehen. Kuhn definiert Paradigma ganz unterschiedlich und es bleibt offen, ob die Sozialwissenschaften überhaupt Paradigmen herausgebildet haben. Bei Anlegung weniger strenger Kriterien und auf die politikwissenschaftliche Diskussion über Netzwerke übertragen, würde der Status eines Paradigmas bedeuten, dass die Netzwerktheorie mehr Erklärungskraft besitzt als andere Theorien, die denselben Gegenstandsbereich (im weiteren Sinne) erklären und sie somit anderen vorzuziehen wäre. Gleichwohl - und das tun Theorien niemals - können damit alle Sachverhalte, die sich daraus ergeben, erklärt werden.
2
Netzwerke, die als „ein Beziehungsgeflecht von an einem Politikfeld interessierten und einflussreichen Akteuren“ (Sebaldt/Straßner 2004: 54) zu beschreiben sind.
In Nohlens kleinem Lexikon der Politik wird Netzwerk allgemeiner definiert als eine „Bezeichnung für ein Geflecht sozialer, wirtschaftlicher und/oder politischer Beziehungen, das mehr oder weniger auf Kontinuität angelegt ist und auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruht. Netzwerk ist somit ein politisch-soziologischer Begriff, der (neben den freien, i.d.R. anonymen Marktbeziehungen und den hierarchischen, auf Über- und Unterordnung beruhenden Beziehungen) auf eine dritte Kategorie von Beziehungen verweist: Personen oder Organisationen unterhalten oder streben Beziehungen zu anderen Personen oder Organisationen an, mit dem Ziel der Kooperation, der Unterstützung, des Austausches etc.“ (Nohlen 2003: 330, meine Hervorhebungen).
Präzisierend, ergänzend und zusammenfassend stellt Arthur Benz fest:
„Netzwerke seien - dem gängigen Verständnis der politikwissenschaftlichen Diskussion folgend - definiert als relativ dauerhafte, nicht formal organisierte, durch wechselseitige Abhängigkeiten, und gemeinsame Verhaltenserwartungen Orientierungen sowie Vertrauensbeziehungen stabilisierte
Kommunikationsstrukturen zwischen Individuen und Organisationen, die dem Informationsaustausch, der kooperativen Produktion eines Kollektivgutes oder gemeinsamer Interessenformulierung dienen“ (Benz 1995: 194, meine Hervorhebungen).
Netzwerke folgen dabei keiner expliziten Entstehungslogik, sondern sind Ergebnisse von strategischem Handeln individualinteressengeleiteter Akteure, die ihre Handlungen nicht hierarchisch untereinander koordinieren. Die Entstehung von Netzwerken erfolgt durch die Absicht die einzelnen Interessen möglichst früh im Netzwerk an zentraler Stelle zu verorten. Sie entstehen weiterhin dadurch, weil sie für staatliche Akteure und Interessengruppen sinnvoll und nützlich sind um gegenseitig eventuell vorhandene Spannungen abzubauen, verkrustete Positionen durch informelle Verhandlungsmuster aufzuweichen, Unsicherheit abzubauen bzw. wechselseitiges Vertrauen (wieder) zu erlangen und damit Lösungen zu finden, die auf formalisiertem, institutionellem Wege nicht realisierbar wären ( Vgl. Sebaldt/Straßner 2004: 54f., Benz 1995: 195).
3
3 Gesellschaftliche Voraussetzungen für die Entstehung von
Netzwerken
In modernen Gesellschaften sind eine Vielzahl an öffentlichen und privaten Organisationen am Politikprozess beteiligt. Die tatsächlichen Entscheidungsstrukturen werden dabei durch die wachsende Bedeutung von formalen Organisationen verschoben. Netzwerke entstehen als eine Reaktion darauf und spiegeln damit eine Fragmentierung politischer Macht wieder. Das Aufkommen von Netzwerken ist daher zum einen ein Zeichen für einen schwachen Staat, zum anderen aber auch ein Indikator für zunehmende Komplexität und Konsensbedürftigkeit (Vgl. Mayntz 1993: 40f.).
Dass die Einbeziehung der Interessengruppen auf solchem Wege überhaupt möglich ist, setzt eine funktionale Differenzierung der Gesellschaft in einzelne, voneinander abgrenzbare und relativ autonome Subsysteme voraus. Um wiederum in einzelnen Teilsystemen kollektive Handlungsfähigkeit zu gewährleisten, müssen formale Organisationen existieren, die in Gesellschaften mit vielen Millionen Mitgliedern die Handlungen vieler Einzelpersonen aggregieren und diese damit repräsentieren können. Die korporativen Akteure müssen in einem zweiten Schritt imstande sein für ihre Mitglieder verbindliche Entscheidungen zu treffen, mit anderen zu verhandeln und Kompromisse zu schließen. Diese Fähigkeit, „ohne Zwang verantwortungsbewußt zu handeln, ist die generelle Vorbedingung kollektiver Entscheidungsfindung in allen Arten interorganisatorischer Netzwerke“ (Mayntz 1993: 43).
Ähnlich wie Renate Mayntz sieht auch Arthur Benz die gesellschaftlichen Prämissen für die Entstehung von Netzwerken. Er stellt fest, dass der Staat der Gesellschaft nicht mehr untergeordnet werden kann, sondern dass es spätestens mit der Genese des nicht nur regulierenden, sondern auch leitenden Sozialstaates offensichtlich wird, dass Staat und Gesellschaft eng miteinander verflochten sind. Die Steuerung des Staates erfolgt dabei immer weniger durch hoheitliche Zwangsgewalt, sondern durch Kooperationsverhältnisse mit gesellschaftlichen Akteuren (Vgl. Benz 1997: 89f.).
Damit hängt das effektive Wirken des Staates von der Kooperation mit nicht-staatlichen Entscheidungsträgern ab, die dadurch in eine privilegierte Position der Zusammenarbeit und Interessendurchsetzung gelangen.
4
Arbeit zitieren:
Martin Schultze, 2008, Interessengruppen im kooperativen Staat: Netzwerkanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Warum fiel Thomas Morus in Ungnade?
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 10 Seiten
Korporatismus in der BRD - Von der Konzertierten Aktion zum Bündnis fü...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
Einflusssphären von Interessenverbänden auf den politischen Entscheidu...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 14 Seiten
Das System der Interessengruppen in Deutschland und den USA
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit, 21 Seiten
Der Einfluß von Interessenverb...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 20 Seiten
Der Verbandseinfluss auf die Gesetzgebung in Österreich und Deutschlan...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Die Kompetenzen des Hohen Vertreters der Union für Außen- und Sicherhe...
Programm und Wirklichkeit
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union
Die Fortentwicklung der vertra...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Der Deutsche Föderalismus-Modell für die EU?
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 19 Seiten
Zu: Thomas Morus - Die konträren Seiten Utopias
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung im Kindes- und Jugendalter
Erscheinungsformen
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Hausarbeit, 28 Seiten
Die Utopia des Thomas Morus und deren kommunistische Rezeption durch K...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Utopia des Thomas Morus im Vergleich zum frühneuzeitlichen England
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 14 Seiten
Martin Schultze hat den Text Interessengruppen im kooperativen Staat: Netzwerkanalyse veröffentlicht
Martin Schultze hat einen neuen Text hochgeladen
Strategieorientierte Planung im kooperativen Staat
Alexander Hamedinger, Oliver Frey, Jens S. Dangschat, Andrea Breitfuss
Graphentheoretische Netzwerkanalyse als Beitrag zur empirischen Erfass...
Franziska Hasselmann
Entsteht hier ein Cluster? Eine Netzwerkanalyse der Bochumer IT-Sicher...
Jan-Alexander Scheideler
Terror und Staat. Der 11. September - Hintergründe und Folgen
Geostrategie, Terrorismus, Geh...
Ronald Thoden
Staats- und Galawagen der Wittelsbacher
Kutschen, Schlitten und Sänfte...
Rudolf H. Wackernagel
0 Kommentare