Danksagungen
Ich darf mich hier herzlich bei allen Personen bedanken, die mich bei der Erarbeitung dieser Diplomarbeit unterstützt haben.
Besonders bedanke ich mich bei Herrn Univ. Prof. Dr. Andreas Wiebe, LL.M, durch den erst mein Interesse an E-Commercerecht geweckt worden ist und der mir während der Erstellung mit Rat, Tat und Erfahrung zur Seite gestanden ist.
Wichtige Impulse erhielt ich immer wieder in Diskussionen mit meinen Freunden Lukas Erhart, Mag. Johannes Hackl, DI Matthias Hackl, Dr. Christian Hofer, Mag. Astrid Maier und Thomas Rittmannsberger. Für die Bearbeitung der Arbeit möchte ich mich außerdem recht herzlich bei Martina Müller bedanken, die sich trotz ihres stressigen Alltags Zeit für mich genommen hat.
Zu guter Letzt möchte ich mich noch bei meiner Familie bedanken, die nie die Hoffnung aufgegeben hat, dass dieses Studium ein Ende finden würde.
I
Inhaltsverzeichnis
Danksagungen I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis. V
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 1
1.2 Aufbau der Arbeit. 5
2 Grundlagen des Digital Rights Managements. 6
2.1 Definition DRM. 6
2.2 Definition DRMS. 8
2.3 Historische Entwicklung 8
2.4 Urheberrechtsverletzungen im Internet. 10
2.5 Probleme des DRM 12
2.5.1 Standardisierung 12
2.5.2 Die Nachteile für die Nutzer. 13
2.6 Fazit 15
3 Komponenten und die Technologie eines DRMS 16
3.1 Die Funktionen 16
3.1.1 Zugangskontrolle 16
3.1.2 Nutzungskontrolle 17
3.1.3 Abrechnung 17
3.1.4 Management von Rechtsverletzungen 17
3.1.5 Weitere funktionale Anforderungen. 18
3.2 DRMS - Technologien 19
3.2.1 Digitale Wasserzeichen 19
3.2.2 Verschlüsselung. 20
3.2.2.1 Symmetrische Verschlüsselung 22
3.2.2.2 Asymmetrische Verschlüsselung 22
3.2.2.3 Hybride Verschlüsselung. 22
3.2.3 Unterstützende Technologien. 23
3.2.4 Rechtedefinitionssprachen. 24
II
4 Downloads, Internet und der private Nutzer 25
4.1 Überblick 25
4.2 Technische Grundlagen. 25
4.2.1 Das Internet. 25
4.2.2 Kompressionsverfahren 26
4.3 Torrents und Downloadclients. 27
4.3.1 „Edonkey2000“ und „BitTorrent“ - Netzwerk 29
4.4 Die Musikindustrie - Facts and Figures 29
4.4.1 Wirtschaftliche Bedeutung. 30
4.4.2 Gründe für diese Problematik 32
4.4.3 Apple’s iTunes Store 39
5 Der rechtliche Aspekt. 41
5.1 Urheberrecht. 41
5.1.1 Das Urheberrecht im eigentlichen Sinn 42
5.1.2 Die Leistungsschutzrechte. 43
5.1.3 Internationale Vorgaben 43
5.1.4 Voraussetzungen und Definitionen. 44
5.1.5 Schranken und Beschränkungen des Urheberrechts 46
5.1.6 Urheberrechtsverletzungen und deren Rechtsfolgen. 48
5.1.7 Die Vervielfältigung zum eigenen Gebrauch. 48
5.1.7.1 Rechtspolitische Optionen. 50
5.1.8 Das Vervielfältigungsrecht des §15 UrhG. 51
5.1.9 Das Verbreitungsrecht des § 16 UrhG. 52
5.1.10 Das Senderecht des § 17 UrhG. 53
5.1.11 Das Zurverfügungsstellungsrecht des § 18 a UrhG 53
5.1.12 Die Folgen einer Verletzung der Verwertungsrechte. 54
5.1.13 Die Vorlageproblematik 56
5.1.14 Zusammenfassung und Fazit 58
5.2 Internationales Urheberrecht und Gemeinschaftsrecht 60
5.2.1 Internationales Urheberrecht 60
5.2.1.1 Die Revidierte Berner Übereinkunft 60
5.2.1.2 Das Welturheberrechtsabkommen 61
5.2.2 Gemeinschaftliches Urheberrecht 62
III
5.3 Die urheberrechtliche Regelung bezüglich technischer Schutzmaß-nahmen 63
5.3.1 Zum Rechtsschutz gegen Umgehung 66
5.4 Rechtliche Schutzmöglichkeiten 69
5.4.1 Zivilrechtliche Ansprüche 69
5.4.1.1 Der Unterlassungsanspruch. 69
5.4.1.2 Der Beseitigungsanspruch 70
5.4.1.3 Der Anspruch auf verschuldensunabhängiges Entgelt 71
5.4.1.4 Der Anspruch auf Schadensersatz und Herausgabe des Gewinnes 72
6 Schlussbetrachtung. 78
6.1 Bewertung der Rechtslage 78
6.2 Ausblick 80
6.3 Zusammenfassung 82
7 Anhang 84
7.1 Literaturverzeichnis. 84
7.1.1 Artikel 84
7.1.2 Bücher. 84
7.1.3 Internetquellen. 86
7.1.4 Judikatur 87
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Piracy Rate by Region (in )
Abbildung 2: 2007 Dollar Losses by Region (in Millionen USD)
Abbildung 3: Weltweiter Umsatz mit Tonträgern (in Mio. USD)
Abbildung 4: Umsätze in den USA (in Mrd. USD)
Abbildung 5: Absatz von CD- und DVD Rohlingen (in Mio. Stück)
Abbildung 6: Durchschnittliche Preise von CD- und DVD Rohlingen (in )
Abbildung 7: Inhalte, die auf CD gebrannt wurden (in Mio. Stück)
Abbildung 8: Inhalte, die auf DVD gebrannt wurden (in Mio. Stück)
Abbildung 9: Die Anzahl an Musikdownloads und die durchschnittliche Downloadanzahl pro
Person (Basis: 64 Mio. Deutsche, ab 10 Jahre)
V
Einleitung
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Diese Arbeit setzt sich auseinander mit einem der wichtigsten Aspekte der Informationswirtschaft und der Wissensindustrie. Es geht um die Problematik und die Auswirkungen der Digitalisierung von Waren und Werken. In der vergangenen Dekade fand eine Verschiebung vom individuellen Urheberrecht zum Handelsrecht des „right to copy“ oder „Copyright“ statt. Durch diese substantielle Veränderung von Gütern gibt es einen Trend vom Verkauf zur Lizenzierung. Dabei sind die üblichen Kontrollmechanismen nicht mehr adäquat und müssen durch neue technische Maßnahmen, vor allem DRMS (Digital Rights Management Systeme) ausgeübt werden. Diese Kontrolle ist auch notwendig, denn die beliebige Vermehr-/Kopierbarkeit ohne wesentlichen Qualitätsverlust regt die Konsumenten zu illegalen Vervielfältigungsmaßnahmen an, die für die Wirtschaft schädlich sind (die negativen Auswirkungen werden weiter unten genau veranschaulicht). Die positiven Aspekte der Veränderung des klassischen Geschäftsmodells sind etwa niedrigere Produktionskosten, Transaktionskosten und Globalisierung der Verteil- und Zugriffsmärkte. 1
Um in der Softwareherstellung, der Film- oder Musikbranche, der Wissenschaft etc. bestehen zu können müssen die hergestellten Produkte rechtlich geschützt werden, da sie sonst von Jedermann beliebig benutzt und verwendet werden könnten, was nicht im Sinne des Urhebers wäre. Dies geschieht heutzutage durch das sogenannte Copyright. Dadurch werden urheberrechtliche Ansprüche auf den Erfinder oder Produzenten übertragen, der damit die Vervielfältigung und Verwendung kontrollieren kann. 2
Dieser Schutzmechanismus ist jedoch durch die rasend schnelle Entwicklung im technologischen Sektor nicht mehr ausreichend, da ein Teil der Konsumenten die Möglichkeit des illegalen Downloads, die sogenannte „Internetpiraterie“, bevorzugt. Internetpiraten nutzen die einfache Trans-
1 Vgl.BÜLLESBACH A. u. DREIER T.: Wem gehört die Information im 21.Jahrhundert? - Proprietäre versus nicht
proprietäre Verwertung digitaler Inhalte, Stuttgart/Karlsruhe 2004, S. 5f.
2 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 19.
1
Einleitung
ferierbarkeit durch das Internet um digitale Daten, die urheberrechtlich geschützt sein können, illegal zu verbreiten, ohne dass der Urheber einen Nutzen aus der Verbreitung seines Werkes lukrieren kann. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Der Benutzer braucht für die Ware nicht zu bezahlen und er wird in der Benutzung nicht eingeschränkt. 3
Die ausschlaggebenden Faktoren für diese Entwicklung im Einzelnen sind Folgende:
- Durch die Digitalisierung der Medien ist die Vervielfältigung ohne nennenswerten Qualitätsverlust möglich geworden.
- Als zweiten Faktor nennt FRÄNKL das Vorhandensein von leistungsfähigen Kompressi-onsalgorithmen (s.u.), ohne die der Transport und damit die Vervielfältigung um einiges schwieriger fallen würden.
- Der letzte und auch entscheidende Faktor für die rasche Entwicklung der Produktpiraterie ist das ubiquitäre Internet. Durch diese weltweite Verbindung, mit der man Dateien und Informationen in Sekundenschnelle rund um die Welt schicken kann, ist dem Austausch von Daten kaum Grenzen mehr gesetzt. 4
Um den Ernst der Lage in Zahlen auszudrücken und die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen erstellen die BSA (Business Software Alliance) und IDC Global Software jährlich eine Studie; die Piracy Study, die 2007 zum fünften Mal veröffentlicht wurde. Die Studie erfasst die folgenden Softwaretypen: Betriebssysteme, Anwender- und Unterhaltungssoftware. 5
Was eine Senkung des Anteils raubkopierter Software in Deutschland von 28 auf 18 Prozent bewirken würde zeigt folgende Statistik:
12.300 zusätzliche Arbeitsplätze, 6,4 Milliarden USD zusätzlicher Umsatz und 1,9 Milliarden USD Steuereinnahmen. 6 Ob eine derartige Besserung tatsächlich eintreten würde bleibt fraglich. Dennoch soll durch eine solche Auswertung klar gemacht werden, dass die Internetpiraterie ei- 3 Vgl.FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 19f.
4 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 19f.
5 http://w3.bsa.org, vom 27.8.2008
6 http://w3.bsa.org/germany//piraterie/idc-studie.cfm, vom 27.8.2008
2
Einleitung
nen sehr großen Einfluss auf die Marktwirtschaft hat und durch ihre Bekämpfung große Teile der Bevölkerung profitieren.
Außerdem folgende Ergebnisse: 7
“By the end of 2007, there were more than one billion PCs installed around the world; nearly half have pirated software on them. With more PCs being shipped into emerging markets, lowering that percentage will be a long-term challenge.”
“The worldwide piracy rate increased three percentage points to 38%.”
Abbildung 1: Piracy Rate by Region (in %) 8
7 http://global.bsa.org/idcglobalstudy2007/studies/2007_global_piracy_study.pdf, vom 26.8.2008, S. 3.
8 http://global.bsa.org/idcglobalstudy2007/studies/2007_global_piracy_study.pdf, vom 26.8.2008, S. 3.
3
Einleitung
Abbildung 2: 2007 Dollar Losses by Region (in Millionen USD) 9
Um diese Tätigkeiten unterbinden bzw. einschränken zu können wurden verschiedene Schutzmechanismen eingeführt. Einer davon ist das Digital Rights Management. Allerdings kritisieren sowohl Konsumenten als auch die Besitzer der Urheberrechte und deren Distributoren diese Vorgehensweise, da sie mehr oder weniger stark in der Benutzung eingeschränkt werden bzw. ihren Bedürfnissen nicht entsprechend nachgekommen wird (zu den Problemen des DRM siehe Kap. 2.5).
Im Laufe der Arbeit sollen die positiven und negativen Eigenschaften des DRM herausgearbeitet und die Frage beantwortet werden, ob sich Digital Rights Management am Markt behaupten kann. Außerdem wird die rechtliche Situation betreffend illegaler Downloads und Rechtsverletzungen im Internet erörtert.
9 http://global.bsa.org/idcglobalstudy2007/studies/2007_global_piracy_study.pdf, vom 26.8.2008, S. 5.
4
Einleitung
1.2 Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit behandelt die Grundlagen des Digital Right Managements, die Auswirkungen der technischen Entwicklungen auf dem Sektor des Internets und eine rechtliche Beschreibung der momentanen Situation.
Zu Beginn (Kap.2) werden die grundlegenden Eigenschaften von DRM und DRMS erörtert. In diesem Teil wird sowohl auf die Bedeutung der Begriffe und die historische Entwicklung von DRMS als auch auf die Nachteile und Kritikpunkte der Gegner eingegangen.
Kapitel 3 erfasst das technische Fundament dieser Systeme. Hierbei werden insbesondere die Funktionen/Anforderungen und Technologien von DRMS erklärt. Außerdem wird die Funktions-und Arbeitsweise beleuchtet, die sich auf die Wahl des DRMS in den verschiedenen Einsatzgebieten auswirkt.
Das daran anschließende Kapitel (Kap.4) zeigt die Entwicklungen im Umfeld von DRMS auf, wobei auf das Internet, technische Voraussetzungen und vor allem auf Statistiken aus der Musikbranche eingegangen wird. Da der Musikmarkt in Österreich eher klein ist wird hier meist auf Zahlen aus Deutschland oder Amerika zurückgegriffen.
Der rechtliche Aspekt (siehe Kap.5) stellt den Hauptteil der Arbeit dar. Er umfasst die rechtliche Lage aus den Blickwinkeln des Urheber- und Wettbewerbsrechts. Um diese rechtlichen Ansätze abzurunden wird oberflächlich noch auf das Strafrecht und auf internationale Aspekte eingegangen. Auch die Schutzmöglichkeiten, Optionen und Folgen für den privaten User werden beleuchtet.
Zum Schluss folgt noch eine Bewertung der momentanen Rechtslage mit einem abschließenden Ausblick auf die Zukunft von Rechtsschutz im World Wide Web.
5
Grundlagen des Digital Rights Managements
2 Grundlagen des Digital Rights Managements
2.1 Definition DRM
Grundsätzlich muss erwähnt werden, dass die Definition von Digital Rights Management in der Praxis sehr umstritten ist. Die Unterschiede bezüglich Zweck, Umfang und Funktion sind einfach zu unterschiedlich um eine einheitliche Definition formulieren zu können. 10
Die EU-Kommission beschreibt DRMs folgendermaßen:
“DRMs are technologies that identify and describe digital content protected by IPRs. They can be used to enforce usage rules set by rightholders or prescribed by law for digital content. They can also facilitate legal copying and reuse of content by establishing a secure environment in which right-holders are remunerated for private copying, on-line content is paid for, and illegal copying is prevented.” 11
Im Großen und Ganzen erscheint diese Umschreibung des Begriffes Digital Rights Management bereits sehr umfassend. Diese neuere Definition aus dem Jahre 2004 unterscheidet nicht mehr zwischen dem “Management digitaler Rechte” und dem “digitalen Rechtemanagement”, wie die Definition aus dem Jahr 2001. Die Differenz zwischen diesen beiden Begriffen war für die Praxis auch nie wirklich relevant.
Die Problematik mit der sich DRM auseinandersetzt entstand bereits Anfang der 90-er Jahre. Die damaligen Lösungsansätze wurden allerdings, aufgrund der zu hohen Komplexität, nie von den Benutzern akzeptiert. 12
An dieser Stelle sollte allerdings noch der Unterschied zwischen DRM und dem volksüblichen Begriff des „Kopierschutzes“ erörtert werden. Beim einfachen Kopierschutz wird nämlich ledig- 10 Vgl.FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 22ff.
11 http://ec.europa.eu/information_society/doc/factsheets/020-ipr_drm-october04.pdf, vom 26.8.2008
12 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 22ff.
6
Grundlagen des Digital Rights Managements
lich der Datenträger an sich und nicht der Inhalt geschützt. Mit Hilfe von gratis downloadbaren Programmen ist dieser Kopierschutz meist sehr einfach zu umgehen. Die Anleitung dazu konnte man bis zur Umsetzung der Inforichtlinie (siehe Kap. 5.6.3) sogar in populären Computermagazinen finden. Mit Hilfe von Suchmaschinen im Internet findet man allerdings auch heute noch in kürzester Zeit Hilfestellungen und Anleitungen wie man den gewünschten Datenträger problemlos kopieren kann. Das Cracken des Kopierschutzes und das Brennen von handelsüblichen Film-DVDs dauert meist unwesentlich länger als das Brennen von nicht kopiergeschützten Daten derselben Datenmenge. Lediglich minimale Qualitätseinbußen sind manchmal in Kauf zu nehmen. 13
Die Problematik der Raubkopie beschränkt sich allerdings nicht nur auf Filme und Audiodateien. Auch Software und viele andere digitale Werke sind davon betroffen. Der größte Softwareproduzent überhaupt, Microsoft, hat das System der Produktaktivierung eingeführt um sich vor illegalen Raubkopierern zu schützen. Dies erwies sich als eine relativ wirkungsvolle Maßnahme um DRMS bei Massenprodukten einzusetzen. Ein großer Vorteil dieses Systems ist, dass es vollkommen anonym ist und keine personenbezogenen Daten aufgenommen werden. Gerade die Anonymität stellt für viele Konsumenten einen großen Bonus dar, der bei vielen DRMS nicht beachtet wird. Wird das Produkt nicht aktiviert so ist dessen Verwendung zwar möglich, allerdings nur eingeschränkt (Ausnahme: Vista ohne Service Pack 1). 14
Allerdings ist es mit etwas Aufwand auch möglich diesen Schutz zu umgehen. Produktlizenzierung stellt also in dieser Form noch keinen hundertprozentigen Schutz dar.
13 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 22ff.
14 Vgl. BÜLLESBACH A. u. DREIER T.: Wem gehört die Information im 21.Jahrhundert? - Proprietäre versus nicht
proprietäre Verwertung digitaler Inhalte, Stuttgart/Karlsruhe 2004, S. 66f.
7
Grundlagen des Digital Rights Managements
2.2 Definition DRMS
Digital Rights Management Systeme werden als Systeme bezeichnet, die die unkontrollierte/illegale Weitergabe und Vervielfältigung von Medien verhindern sollen. Somit stellen DRMS die praktische Umsetzung der Ziele des DRM dar. Sie sind, wenn man so will, das Werkzeug, das man benötigt, um Rechteinhabern Schutz zu gewährleisten. Dieses Ziel kann entweder durch Eingriffe in Hard- oder in Software verfolgt werden. Zu den verschiedenen DRMS Technologien und deren Funktion bzw. Vorgehensweise siehe Kap. 3. 15 Die Definition von FRÄNKL lautet:
„Digital Rights Management Systeme (DRMS) sind technische Lösungen zur sicheren zugangs- und nutzungskontrollierten Distribution, Abrechnung und Verwaltung von digitalem und physischem Content.“ 16
Er schließt daraus die Erkenntnis, dass DRMS eine Kombination technologischer Komponenten sind, mit denen man einen möglichst einfachen, aber kontrollierten Zugang zu den Inhalten ermöglichen möchte. 17
2.3 Historische Entwicklung
Wie bereits erwähnt war die Entwicklung und Ausbreitung des Internets einer der Hauptgründe für das wachsende Aufkommen von Raubkopien und der illegalen Verbreitung rechtlich geschützter digitaler Inhalte. Seit Mitte der 90-er Jahre wurde diese beliebige Kopierbarkeit, insbesondere im Sektor der Musikindustrie, zu einem ernsthaften Problem. Zu dieser Zeit wurden CD-Brenner für den Durchschnittsverbraucher erschwinglich und die PCs leistungsstark genug um komprimierte Daten wiederzugeben. Bei Musikdateien hat sich das MP3-Format durchgesetzt, das es ermöglicht Audiodateien so zu komprimieren, dass sie trotz geringer Speicherplatzanforderung mit hoher Qualität abgespielt werden können. Außerdem ist das MP3 Format das einzige
15 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 27.
16 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 27.
17 Vgl. FRÄNKL G. u. KARPF P.: Digital Rights Management Systeme - Einführung, Technologien, Recht, Ökonomie
und Marktanalyse, München 2004, S. 27.
8
Grundlagen des Digital Rights Managements
Format das man auf dem iPod, auf allen Mobiltelefonen (inklusive iPhone) und allen anderen MP3 Playern abspielen kann.
Dadurch hat die Medienindustrie bis heute mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Ende der 90er Jahre wurde dieser Effekt durch das Aufkommen von Internet-Tauschbörsen noch zusätzlich verstärkt. Auf diesen Tauschbörsen ist es möglich Dateien ganz einfach von den Festplatten der anderen User zu kopieren. Je mehr Nutzer, desto schneller funktioniert der Transfer. Hierbei geht es allerdings nicht nur um Musik, sondern auch um Filme, Software, Bilder etc., die in den meisten Fällen dem Urheberrechtsschutz unterliegen und somit nicht auf diese Art und Weise verbreitet werden dürfen. 18
Die neu eröffneten digitalen Vertriebswege über das Internet wurden von der Industrie wegen der unbegrenzten Vervielfältigungsmöglichkeiten erst sehr spät genutzt. Aus diesem wachsenden Druck auf die Firmen entwickelte sich das DRM wie wir es heute kennen. Erst im Jahr 2003 wurde der Handel von Musikdateien im Rahmen des iTunes Music Stores kommerzialisiert. 19
Aus rechtlicher Sicht ist für die USA der sogenannte „Digital Millennium Copyright Act“ - DMCA von Bedeutung. Dies ist die Umsetzung einer Richtlinie der World International Property Organisation - WIPO, die eine Umsetzung und den Umgang mit Rechten an Inhalten in der digitalen Welt beschreiben und regeln. 20
Innerhalb der EU wurde die Europäische Urheberrichtlinie (2001/29/EG) erlassen, deren Umsetzung ins nationale Recht (zum Beispiel in Deutschland) nicht zur Zufriedenheit der BSA (Business Software Alliance) erfolgte. Am ersten Regierungsentwurf wurde kritisiert, dass die bisherigen Regelungen zur analogen Nutzung und Verbreitung von Werken fast unverändert auf den digitalen Bereich übertragen wurden. Schon alleine aufgrund dieser ungenügenden Umsetzung (erst
18 Vgl. PICOT A., THIELMANN H.: Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management, Ber-
lin Heidelberg 2005, S. 4.
19 Vgl. PICOT A., THIELMANN H.: Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management, Ber-
lin Heidelberg 2005, S. 4f.
20 Vgl. PICOT A., THIELMANN H.: Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management, Ber-
lin Heidelberg 2005, S. 4f.
9
Grundlagen des Digital Rights Managements
die zweite Vorlage wurde im Jahr 2001 von den Mitgliedsländern angenommen) kann man sich vorstellen, dass auf diesem Gebiet noch einiges an Handlungsbedarf besteht. 21
2.4 Urheberrechtsverletzungen im Internet
Was mit illegalen Musikdownloads begonnen hat ufert mittlerweile in nahezu unkontrollierbare Downladstreams aus, die nicht nur Musikstücke, sondern auch Videos, Filme, Grafiken, Software und Sprachwerke beinhalten. 22 Laut einer Studie des „Bundesverbandes Musikindustrie“ entfallen rund 70 Prozent des Datenverkehrs auf die Nutzung meist illegaler Tauschbörsenangebote“. 23
In Bezug auf illegale Internetpiraterie stehen auf der einen Seite die Gruppen derer, die nicht auf Gewinn orientiert sind. Diese fallen unter die „private Kleinkriminalität“. Auf der anderen Seite stehen Gruppen der organisierten „gewerbsmäßigen Piraterie“. 24
Trotzdem sich die Statistiken laut dem IFPI (Internationaler Verband der Phonographischen Industrie) im Jahr 2007 weiter verbessert haben und einen „vorsichtig optimistischen Ausblick“ auf 2008 werfen, sind die Zahlen noch immer erschreckend und schädigend für die Musikindustrie. 25
„Auf eine gekaufte CD kommen drei Kopien, auf einen legalen Download zehn illegale.“ 26
Der größte Konkurrent der Plattenfirmen ist heutzutage der Markt der gebrannten CDs. Im Jahr 2007 wurden 148,6 Millionen CDs verkauft. Trotz eines gewissen Abwärtstrends wurden den-
21 http://w3.bsa.org/germany/presse/newsreleases/Umsetzung-der-EU-Richtlinie-nicht-sorgfaltig-in-Angriff-
genommen.cfm, vom 28.8.2008
22 Vgl. GUTMAN D.: Urheberrecht im Internet in Österreich, Deutschland und der EU - Missbrauch, technische
Schutzmöglichkeiten und rechtliche Flankierungen, Wien 2003, S. 121.
23 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02.
pdf, S. 2.
24 Vgl. GUTMAN D.: Urheberrecht im Internet in Österreich, Deutschland und der EU - Missbrauch, technische
Schutzmöglichkeiten und rechtliche Flankierungen, Wien 2003, S. 121.
25 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02.
pdf, S. 6.
26 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02.pdf, S. 22.
10
Grundlagen des Digital Rights Managements
noch 412 Millionen (2006: 447 Millionen) Musikalben auf CD oder DVD gebrannt. Somit kommen auf eine gekaufte CD immer noch drei gebrannte CDs/DVDs. 27
Ebenfalls im Rückgang ist der Download von Titeln aus Tauschbörsen: Im Jahr 2002 lag die Anzahl der aus dem Internet heruntergeladener Songs noch bei 622 Millionen (exklusive der kostenlosen Titel von Tauschbörsen). Im Jahr 2007 lag diese Zahl nur mehr bei 407 Millionen mit folgender Aufteilung:
312 Millionen kostenlose Titel von Tauschbörsen, 61 Mill. kostenlose Titel von Homepages und 34 Mill. kostenpflichtige Titel. 28
Einer der Hauptgründe für die steigenden Downloads ist die steigende Beliebtheit von MP3-Playern, MP3 fähigen Handys und PCs. Die Zahl der MP3-Player Besitzer verdoppelte sich in den letzten drei Jahren (2005-2008) auf 19,1 Millionen. Die Zahl der Besitzer von MP3 fähigen Handys ist im gleichen Zeitraum um rund 1.040% gestiegen, und zwar auf 15,6 Millionen. Die zweite Zahl lässt sich allerdings auch damit begründen, dass nur mehr wenige neue Handys nicht MP3fähig sind. Wie viele davon den MP3-Player am Handy wirklich nutzen zeigt die Studie nicht. Wären nur 10% der Downloads gekauft worden, dann hätte die Musikindustrie einen um 600 Mill. Euro höheren Umsatz. 29
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Wirtschaft, hier im Speziellen der Musikindustrie, sehr unter den illegalen Downloads leidet und jede Unterstützung und Verbesserung der Lage enorme Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Länder hätte.
27 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02.pdf, S. 25.
28 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02.pdf, vom
28.8.2008, S. 26.
29 Vgl. IFPI, Jahresbericht 2007,
http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_branchendaten_jahreswirtschaftsbericht_2007_02. pdf, S.
28.
11
Grundlagen des Digital Rights Managements
2.5 Probleme des DRM
2.5.1 Standardisierung
Die Standardisierung und die daraus folgende Inkompatibilität unterschiedlicher Systeme ist einer der Hauptkritikpunkte der DRM-Gegner. Da viele Hersteller versuchen durch eigene Me-dienformate die Konsumenten an sich zu binden entstehen immer mehr, oft inkompatible Formate, die sich mit Hardware anderer Hersteller nicht verwenden lassen. Dadurch sind es insbesondere die Konsumenten, die sich gegen die Verwendung von DRM aussprechen, da sie sich nicht an einen einzelnen Anbieter binden wollen und so von anderen Technologien abgekapselt wären. 30
Erwähnt werden sollte die bisher größte Standardisierungsinitiative, die „Secure Digital Music Initiative (SDMI)“, die allerdings 2002 aufgrund zu unterschiedlicher Standpunkte der Parteien erfolglos blieb. Das Besondere an dieser Initiative war, dass sie sogar das nicht steuerbare MP3-Format mit eingeschlossen hätte, ohne dessen Verwendung einzuschränken. 31
Eines der bekanntesten Beispiele für die Abwendung von DRMS ist die Musikbranche. Aufgrund der Ablehnung der Konsumenten von DRM-geschützten Dateien wenden sich immer mehr Onlineanbieter ab. „7 Digital“, ein britischer Onlineanbieter, veröffentlichte Statistiken, mit folgenden Inhalten:
Im November 2007 waren lediglich 40% seiner Musiktitel durch DRM geschützt, bis Sommer 2008 wollte er gänzlich auf DRM verzichten. Weiters war das Verhältnis von verkauften DRMgeschützten MP3 Files zu nicht DRM geschützten Dateien 1:4.
Schlussendlich wird nun DRM weder von den vier Major-Music-Labels noch von kleineren Labels verwendet (näheres dazu siehe unten). 32
30 Vgl. PICOT A., THIELMANN H.: Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management, Ber-
lin Heidelberg 2005, S. 86.
31 Vgl. PICOT A., THIELMANN H.: Distribution und Schutz digitaler Medien durch Digital Rights Management, Ber-
lin Heidelberg 2005, S. 87.
32 http://www.golem.de/0711/55948.html, vom 2.9.2008
12
Arbeit zitieren:
Michael Zöchling, 2009, Digital Rights Management und der Rechtsschutz im World Wide Web, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Softwareentwicklung und Vertragstypen
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Seminararbeit, 25 Seiten
Informationen zur Rechtewahrnehmung im Urheberrecht
Der Schutz von Digital Rights ...
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Doktorarbeit / Dissertation, 249 Seiten
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