Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Bilder und Mythen in den Έργα 4
2.1 Der Weltaltermythos 4
2.2 Das Gleichnis vom Habicht und der Nachtigall. 5
2.3 Stadt der Gerechtigkeit und Stadt des Unrechts. 6
3 Der zentrale Begriff der δίκη 7
4 δίκη als „Schlachtruf“ der unteren Schichten 8
5 Ein Ruf nach einer Kodifizierung des Rechts? 9
6 Fazit. 12
7 Verwendete Literatur. 13
2
1 Einleitung
Hesiod, der Bauernsohn aus Askra in Böotien, schrieb zur Zeit Homers 1 neben der Theogonie ein zweites größeres, jedoch im Umfang in keinem Fall mit dem der Odyssee zu vergleichendes, Gedicht: die Werke und Tage. Die Έργα setzen sich aus zwei großen Teilen zusammen und beinhalten neben einigen Mythen, Bildern und Gleichnissen ganz praktische Anweisungen, welche Bedingungen etwa für eine ertragreiche Feldarbeit erfüllt werden sollten. Darüber hinaus können sie auch als Anklageschrift gegen Hesiods Bruder Perses gelesen werden. Eine eindeutige und abschließende Interpretation der Έργα gestaltet sich aufgrund der Vielzahl von verschiedenen Breichen, die das Werk anspricht, auch als außergewöhnlich schwierig. Des Weiteren scheint der erste Teil von Hesiods Gedicht (Έργα) nicht so recht zum zweiten (den Ηµέραι) zu passen. Folglich ist dieses Opus in der Literatur bereits in vielerlei Hinsicht interpretiert und analysiert worden. Für die vorliegende Eruierung ist vor allem der erste Teil der Έργα (Vers 1-381) von Interesse. Es soll bei der Untersuchung dieser Verse der Frage nachgegangen werden, inwieweit Hesiods Forderung, das Recht zu achten und einen redlichen Lebensstil zu verfolgen, ein (implizites) Postulat darstellt, in einer Polis das Recht zu kodifizieren. Auf
den ersten Blick erscheint die Fragestellung leicht beantwortbar, (1) da solch ein Postulat in dem sonst sehr detailreichen Text nirgends aufgestellt wird. (2) Andererseits ist dies vielleicht auch gar nicht erforderlich, da es sich - wie noch zu zeigen sein wird - notwendigerweise aus der Argumentation Hesiods ergibt. Das Ziel dieser Arbeit besteht also darin, diese beiden Gedanken (1 und 2) sowie die dafür wesentlichen Textstellen zu erörtern, um schlussendlich durch Abwägen zu einer Aussage über die jeweilige Wahrscheinlichkeit zu gelangen -Wahrscheinlichkeit deshalb, weil der Text wohl eine definitive Antwort nicht erlaubt und viel der individuellen Interpretation überlassen bleiben wird.
Der Aufbau der Beweisführung dieser Arbeit vollzieht sich wie folgt: Um überhaupt einen Zugang zu Hesiods Denken und Argumentation zu bekommen, werden nacheinander seine Theorie der Weltzeitalter, das Gleichnis des Habichts und der Nachtigall sowie das Bild der zwei Städte vorgestellt. Diese dienen als Grundlage, um sich anschließend eingehend mit der von Hesiod so vehement geforderten δίκη auseinandersetzen zu können. Dabei soll nicht nur zur bloßen Häufigkeit des Wortes und seiner unterschiedlichen Sinnrichtungen im Text Stellung bezogen werden, sondern auch auf den Bedeutungswandel, der δίκη in den Έργα
1 Die Diskussion in der Forschung, ob er nun eine oder zwei Generationen nach Homer schrieb oder gar noch
vor ihm, ist für diese Arbeit absolut vernachlässigbar.
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zum „Schlachtruf“ der unteren Bevölkerungsschichten machte. 2 Aus diesem lassen sich dann Rückschlüsse für die weitere Argumentation ziehen. Zu guter letzt sollen aus der verfügbaren Sekundärliteratur Gedanken angeführt werden, die eine unterstützende Rolle beim Abwägen der aufgestellten These einnehmen.
2 Bilder und Mythen in den Έργα
2.1 Der Weltaltermythos
Um den Appell an seinen Bruder Perses eindrucksvoll zu untermauern und somit ihm und dem Leser zu zeigen, welche Lebenseinstellung die Göttern bei den Menschen gern sähen, nämlich durch redliche und ehrlich Arbeit den Lebensunterhalt verdienen, führt Hesiod verschiedene Mythen und ein Gleichnis an. Der Mythos der Weltalterlehre (V. 110-200) soll im Rahmen dieser Arbeit zumindest skizzenhaft vorgestellt werden, da dies eine wichtige Grundlage für den weiteren Gang der Argumentation darstellt.
Hesiod berichtet, dass sich das zu seiner Zeit lebende Menschengeschlecht bereits im fünften Weltzeitalter befinde und stellt die vier vorangegangenen jeweils kurz vor. Das erste sei das Goldene Zeitalter gewesen, in dem die Menschen mit Reichtum und allerlei Gütern gesegnet waren, weder an Krankheiten litten, noch einen qualvollen Tod starben. Auch die Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes war dem Menschen dieser paradiesischen Epoche weitestgehend fremd. Es ereignete sich nun, dass Prometheus durch eine List das Feuer vom Göttervater stahl und es den Menschen brachte. Zeus, durch diesen Betrug höchst verärgert, bestrafte alle Menschen für dieses Unrecht und läutete somit das zweite, das Silberne Zeitalter für die Menschheit ein. Dieses kennzeichnet sich besonders durch die frevlerische Gewalt der Sterblichen untereinander und durch die fehlende Verehrung des Zeus. Diese Umstände erregten nun abermals den Zorn des Göttervaters derart, dass er die Erdenbürger ein weiteres Mal bestrafte und das Eherne Geschlecht - als drittes und sehr leidvolles Zeitalter - über die Menschheit verhängt. „Das Eherne Alter ist unförmig, wild und übt Krieg und Hybris; von Gerechtigkeit ist wenig zu sehen.“ 3
Das darauf folgende Geschlecht der Heroen sei zwar zumindest zum Teil gerechter und besser (δικαιότερον καì άρειον, V. 158) gewesen, doch vernichtete sich der Großteil dieses Menschengeschlechts in den Kämpfen vor Theben und Troja selbst. Die Gerechteren und
2 Vgl. Ehrenberg, Viktor: Die Rechtsidee im frühen Griechentum. Untersuchungen zur Geschichte der
werdenden Polis, Darmstadt 1966, S. 61.
3 Hesiod: Tage und Werke. Griechisch / Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart
2007, Nachwort, S. 71.
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Arbeit zitieren:
Daniel Sosna, 2009, Hesiods Werke und Tage , München, GRIN Verlag GmbH
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