In diesem Essay möchte ich auf die Doppelrolle der Frau eingehen und werde versuchen herauszufinden, ob man wirklich noch von einer doppelten Belastung nur für die Frau sprechen kann, oder ob nicht ein inzwischen ein Wandel stattgefunden hat und vielleicht sogar Männer mittlerweile vor dem gleichen Problem stehen. Nämlich dem Problem Beruf und Haushalt gleichzeitig bewältigen zu müssen. Inwiefern hat sich also die Rolle der Frau verändert?
Solange ich denken kann, also etwa die letzten zwanzig Jahre, kann ich mich an eine Diskussion über die Diskriminierung der Frauen erinnern und auch heute ist es ein Thema das ständig analysiert wird. Aber hat sich an der Rolle der Frau wirklich nichts bzw. kaum etwas verändert, wie es viele behaupten, oder gab es schon längst eine entscheidende Veränderung in unserer Gesellschaftsstruktur?
Es ist nicht immer einfach als Frau über die Rolle der Frau zu sprechen, da man schnell in die Schublade der Feministinnen gesteckt wird. Daher möchte ich auch nicht näher darauf eingehen, dass Frauen sich ungerecht behandelt fühlen. Ich werde mein Hauptaugenmerk auf die Analyse der „doppelten Vergesellschaftung“ legen und dabei vor allem die Texte zu diesem Thema von Reinhard Kreckel und Regina Becker-Schmidt heranziehen und mich mit deren Aussagen dazu auseinandersetzen. Zu aller erst möchte ich aber damit beginnen den Begriff der „doppelten Vergesellschaftung“ dieser beiden Autoren näher erläutern:
Reinhard Kreckel sieht die Wurzeln der Geschlechterunterschiede innerhalb der privaten Haushaltsführung vor allem in den historischen Voraussetzungen und verweist dabei auf deren sozialen Zusammenhang. Dieser Voraussetzungen sind, dass Frauen schon immer für den Haushalt und die Erziehung der Kinder verantwortlich waren und die Männer im Gegensatz dazu jagen gegangen sind um für die Erhaltung der Familie zu sorgen. Die Entwicklung zum Kapitalismus führte dann dazu, dass das Familien- und Erwerbsleben immer stärker voneinander getrennt wurde. Die Frau war demnach ausschließlich für
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die Reproduktionsaufgaben zuständig wodurch sich die Ideal-Arbeitskraft des „Nur-Arbeiters“ mit der „Nur-Hausfrau“ an seiner Seite ergab. Laut Kreckel gab es zwei gesellschaftliche „Faustregeln“. Die erste ist, der Mann ernährt seine Familie und die zweite lautet, Frau und Mann konkurrieren nicht miteinander.
Der Begriff der „doppelte Vergesellschaftung“ bedeutet, nach Kreckel, dass Gesellschaftsmitglieder Berufsleben und Haushalt gleichermaßen miteinander verbinden und berücksichtigen müssen. In der modernen kapitalistischen Gesellschaft gebe es eine Trennung zwischen Produktion und Reproduktion, und Frauen wie Männer müssen sich mit dieser Ambivalenz auseinandersetzen. Wie sie dies tun sei aber unterschiedlich, denn Männer lösen den Konflikt, in dem sie ihr Privatleben dem Beruflichen unterordnen, und diese Unterordnung habe zur Konsequenz, dass die Frauen sich um das Familienleben kümmern müssen. Die Frau wird also dadurch benachteiligt, da die Reproduktionsarbeit die unbezahlte ist und somit in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft nicht zählt. Da diese Doppelrolle der Frau solche Probleme mit sich bringt ist heute eine Entwicklung festzustellen, bei der Frauen sich immer häufiger für eine Karriere entscheiden und nicht mehr für Familie. Die Sozialstrukturen der Gesellschaft differenzieren sich dadurch immer mehr und somit rückt auch die Entwicklung der eigenen Individualität immer mehr in den Vordergrund. Außerdem ist zu beachten, dass sich auch die sozialen Betrachtungsweisen verändert haben, und dass die traditionellen Pflichtwerte immer mehr an Bedeutung verlieren und an ihre Stelle Selbstverwirklichungswerte gesetzt werden, das dazu führt, dass Frauen ein stärkeres Verlangen nach Selbstständigkeit und Annerkennung entwickeln. Allerdings muss die Frau sich diese Selbstständigkeit und Annerkennung eigenständig erarbeiten, wohingegen diese bei den Männern bereits historisch gegeben ist. Eine weitere und entscheidende Veränderung findet in der Familienstruktur statt, welche sich unter anderem daraus ergibt, dass die Bildungschancen von Mann und Frau angeglichen werden, der Haushalt immer mehr technisiert wird und durch die verbesserten Verhütungsmethoden di Geburtenkontrolle vereinfacht wird. Diese Gesichtspunkte machen deutlich,
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welche Auswirkungen es hat, wenn die Frau im Grunde nur die gleichen Rechte einfordert wie der Mann. Das heutige Problem der Kinderlosigkeit ist demnach auf diese Individualisierung der Frau zurückzuführen und auf ihren Wunsch nach Karriere, da sich das erheblich auf den gesamten Reproduktionsprozess auswirkt. Ein weiteres Problem, ist der neu entstandene direkte Konkurrenzkampfe zwischen Männern und Frauen im Erwerbsleben. Auch wenn Frauen früher schon gearbeitet haben, haben sich die Berufsebenen von Männern und Frauen unterschieden und somit bot sich keine Fläche für Konkurrenzkämpfe zwischen den Geschlechtern. Das Bild über diese Berufsebenen existiert allerdings immer noch in den Köpfen der meisten Menschen verankert und so wird zum Beispiel eine Frau in einer Führungsposition heute als „Mannsweib“ angesehen, und ein Mann der einen typischen „Frauenberuf“ ausübt, wie zum Beispiel den eines Sekretärs gilt gleich als homosexuell. Frauen und Männern werden aufgrund ihres Geschlechts Tätigkeiten zugewiesen und das Geschlecht bildet die Grundlage der Bewertung dieser Tätigkeiten.
Im Unterschied zu Reinhard Kreckel bezieht Regina Becker-Schmidt das Konzept der „doppelten Vergesellschaftung“ der Arbeitskraft im modernen Kapitalismus ausschließlich auf die Frauen. Ihrer Meinung nach werden Frauen in der heutigen kapitalistischen Gesellschaft dazu gezwungen sich ambivalent zu verhalten und dass sie dabei sowohl familienorientiert als auch berufsorientiert untergeordnet sind. Becker-Schmidt geht in ihrer Analyse davon aus, dass sich Männer dieser Ambivalenz nicht beugen müssen, da diese bereits eindeutig in das Erwerbsleben eingegliedert sind. Mit dem Begriff der „Doppelsozialisation“ benennt sie diese zweifache Orientierung mit der sich die Frau auseinandersetzen muss. Diese Doppelbelastung bringt, laut Becker-Schmidt sowohl qualitative als auch quantitative Probleme mit sich. Das Bestehen der Gesellschaftsform, in der der Mann die oberste Verfügungsgewalt über alle Familienmitglieder hat, erschwert die Partizipation der Frauen am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben außerhalb des Hauses. (Becker-Schmidt, 1987, S.22). Doch dadurch, dass Frauen von diesem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden, entstehen für
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Arbeit zitieren:
Susanne Sommer, 2006, Kind und/oder Karriere, München, GRIN Verlag GmbH
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