Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Geschichtlicher Überblick der Kleidung in Afrika 5
3. Vom Altkleidercontainer bis zum afrikanischen Konsumenten 7
4. Bedeutung und Folgen von Gebrauchtkleidung für Afrika 10
5. Fazit 17
7. Literaturverzeichnis 21
Internetquellen: 22
2
1. Einleitung
Afrika ist mit Abstand der ärmste Kontinent der Welt und befindet sich heute im Durchschnitt in einer schlechteren wirtschaftlichen Lage als noch vor 25 Jahren. Während sich in anderen Dritte-Welt-Ländern die Wirtschaftslage - wenn auch beschwerlichstetig verbessert, stagniert die Wirtschaft Afrikas faktisch seit jeher. Der in Folge über die Jahre entstandene und noch immer anhaltende Teufelskreis betrifft nicht nur die afrikanische Wirtschaft, den Handel und die Investitionen der Industrie, sondern auch das Durchschnittseinkommen, die Gewalt innerhalb der Gesellschaft sowie die Lebenserwartungen der in Afrika lebenden Menschen. Diese Faktoren spiegeln sich wieder in der politischen Instabilität zahlreicher afrikanischer Staaten. Alle soeben genannte Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Bewertung der Bedeutung von Gebrauchtkleidung für Afrika.
Besonders seit den 1980er Jahren wird Gebrauchtkleidung zunehmend in Dritte-Welt-Länder exportiert, vor allem nach Subsahara-Afrika. Dort erfreut sie sich wachsender Beliebtheit, vor allem, weil sie für einen Preis, welcher 10-20 % unter dem von Neuware liegt, erworben werden kann und, wie ich in dieser Arbeit aufzeigen werde, qualitativ oft über dem Standard von lokal produzierter Ware liegt. Gebrauchtkleidung stellt mehr als ein Drittel der in Afrika gekauften Waren dar, und die Prognosen der Vergangenheit, welche für eine weitere Zunahme dieses Marktes sprachen, lagen durchaus richtig 1 . Rivoli summiert passend über die Gebrauchtkleidungsindustrie der Industriestaaten: „[…] das Herz dieser Branche ist der Handel mit Afrika, wo das explodierende Angebot von abgelegter Kleidung der Reichen auf die unstillbare Nachfrage nach Kleidung für die Armen trifft.“ 2
Der Umfang der Gebrauchtkleidungsindustrie hat mittlerweile horrende Ausmaße angenommen und einen stetig steigenden Zuwachs zu verbuchen: Während im Jahre 1980 Ware im Wert von 73,1 Millionen Dollar die USA verließ, so war es im Jahre 1995 bereits Ware im Wert von 340,5 Millionen Dollar. In Deutschland stieg im selben
Zeitraum der Export von einem Wert von 22,8 auf 187 Millionen Dollar. Der weltweite Export von Gebrauchtkleidung stieg von einem Warengegenwert im Jahre 1980 von 207 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden Dollar im Jahre 1995 an 3 . Bezeichnenderweise befinden sich unter den zehn Hauptimporteuren von Gebrauchtkleidung aus dem Jahre 1995 fünf afrikanische Staaten, nämlich Tunesien, Uganda, Tansania, Niger sowie Nigeria. Laut den Angaben der Vereinten Nationen importierten die Staaten Subsahara-Afrikas 1995 fast ein Viertel der weltweiten Gebrauchtkleidung (Ware im Wert von 379 Millionen Dollar) 4 .
Ob dieser massige Export von Gebrauchtkleidung jedoch tatsächlich problemlos in andere, vor allem arme Regionen der Welt (und in diesem speziellen Fall Afrika) stattfinden kann und dort ohne Folgen tatsächlich einen rein karikativen Charakter erfüllt, soll in dieser Arbeit im Rahmen des Seminars „Konsum in Afrika“ erörtert werden.
Grundsätzlich lässt sich summieren, dass fast alle Autoren der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Texte einen grundsätzlich positiven Eindruck über den Konsum von Gebrauchtkleidung vermitteln. Ferner gelangt der Großteil der Autoren zu der Überzeugung, dass die übermäßig kritische Betrachtung des Gebrauchtkleidermarktes die positiven Möglichkeiten, welcher dieser den Konsumenten eröffnet, leichtfertig ignoriert. Es steht außer Frage, dass der Wunsch nach neuer Kleidung im wohlhabenden Westen zugleich den Bedarf an Gebrauchtkleidung in der dritten Welt stillt. Ob dieser Zyklus jedoch langfristig nicht eine einseitige Begünstigung bzw. Benachteiligung manifestiert, soll hier kritisch beleuchtet werden.
2. Geschichtlicher Überblick der Kleidung in Afrika
Grundsätzlich spielt die Bedeutung von Kleidung in Afrika eine wesentlichere Rolle als man möglicherweise annehmen könnte. Bereits im vorkolonialen Afrika, also zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert, besteht eine enge Verbindung zwischen dem Besitz und dem Tragen von erlesener Kleidung und dem damit verbundenem Reichtum und der Macht des Besitzers bzw. des Trägers innerhalb der Gesellschaft. Demnach ist Kleidung bereits zum damaligen Zeitpunkt die Ware, welche Macht und Reichtum symbolisiert 5 . Auch westliche Kleidung findet bereits lange vor der Kolonialzeit Einzug nach Afrika, spätestens jedoch mit den europäischen Missionaren. In der Folgezeit wird Kleidung ein wesentlicher Bestandteil der Missionierung durch die Europäer. Im Zuge der Missionierung kommt es zur Einführung westlicher Traditionen in Bezug auf Kleidung, welche durch Missionare verstärkt propagiert wird und als Zeichen des Fortschritts gelten soll. Argumentationen der damaligen Zeit sind beispielsweise Aussagen, dass nur, wer sich gut kleidet auch ein vorbildlicher und fortschrittlicher Christ sein kann und nur jenem somit geholfen werden kann. In Folge der Missionarisierung Afrikas wird Kleidung ein wesentlicher Bestandteil bzw. ein Zeichen der Entwicklung und des Fortschritts 6 . Während der Kolonialzeit wird Kleidung zu einem entscheidenden Exportgut der Europäer nach Westafrika. Als Folge des Sklavenhandels, welcher vor allem ab 1600 durch den steigenden Bedarf Amerikas an Arbeitern floriert, wird Kleidung als wesentliches Bezahlungs- bzw. Tauschmittel genutzt. In den folgenden Jahren werden die Motive dieser neuen und alten Kleidung stetig der afrikanischen Nachfrage angepasst 7 . Ebenso wird es zur Norm, den westlichen Kleidungsstil zu übernehmen, was als modern und fortschrittlich und somit erstrebenswert gilt, da es den eigenen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft festigt 8 . War Kleidung ursprünglich ein Merkmal von Fortschritt und Wohlstand für Könige und Häuptlinge, wird sie nun auch zu einer Ware, welche sich als unerlässlich für den Tauschhandel mit Nahrung herausstellt und sich in Folge gar als Zahlungsmittel etabliert. Spätestens mit der Revolution des Motortransports in den 1920er
Jahren wird Kleidung von allen gesellschaftlichen Schichten durch Geld erworben 9 . Es lässt sich summieren, dass Kleidung weiterhin mit Fortschritt und Wohlstand gleichgesetzt wird.
Westliche Kleidung wird in den Folgejahren ein schichtübergreifendes, integriertes Konsumgut und Bestandteil der afrikanischen Gesellschaft: „[…] by the postwar era Africans hade definitely made Western-style clothing and dress practices their own.” 10 . Zu jenem Zeitpunkt ist Kleidung schon lang nicht mehr nur eine Notwendigkeit für die Bevölkerung, sondern vor allem einem kulturellen Verlangen geschuldet. Zeitgleich stößt der erhöhte Bedarf der afrikanischen Bevölkerung während der Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkriegs auf Unverständnis in der westlichen Welt und wird oft als „unnötig“ und „übertrieben“ dargestellt 11 . Hansen argumentiert diesbezüglich, dass bereits in der Nachkriegsphase keine nennenswerte landeigene Textilherstellung in Afrika existiert. Fast alle Konsumgüter werden importiert, auch Gebrauchtkleidung. Folglich sind besonders Näher sehr gefragt, um die importierte Ware den landeseigenen Bedürfnissen anzupassen 12 .
[…] the incorporation of European-style clothing articulated African perception of class, status, and ethnicity during the rapidly changing colonial situation. […] They had clearly made European-style dress conventions their own in their active engagement with a changing world.” 13
Mit der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten stellen Ende der 1980er Jahre die heimische Textilhersteller weiterhin qualitativ schlechte Ware her, welche zugleich für den Großteil der afrikanischen Bevölkerung zu teuer ist. Folglich wird Gebrauchtkleidung die primäre Bezugsquelle für Kleidung, vor allem in den armen Staaten Subsahara-Afrikas. Der Handel zwischen den einzelnen Staaten versorgt somit auch jene, welche durch Einfuhrverbote der Verbreitung von Gebrauchtkleidung Einhalt gebieten wollen 14 . „[…] after years of standing in queues and ending up empty handed because people had little money and clothing was not readily available, salaula made it possible for ordinary people to wear clothes rather than rags.“ 15
Arbeit zitieren:
Kris Ralph, 2009, Gebrauchtkleidung in Afrika , München, GRIN Verlag GmbH
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