Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Historischer Hintergrund 4
2.1 Demokratische Reformen 4
2.2 Die Agora der klassischen Zeit 6
3 Institutionen der politischen Verwaltung auf der Agora 7
3.1 Archon Basileus 7
3.2 Die Boulé: Der Rat der 500 9
3.3 Die Prytaneis 10
4 Repräsentation der demokratischen Ordnung durch die Bauten an der Westseite der
Athener Agora 11
4.1 Die Stoa Basileios 11
4.2 Das Alte Buleuterion 13
4.3 Das Neue Buleuterion 15
4.4 Die Tholos 16
4.5 Die Zeus-Stoa 17
4.6 Die Eponymen Heroen 18
5 Fazit 20
Quellen- und Literaturverzeichnis 21
2
1 Einleitung Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Agora von Athen als ein wesentlicher Faktor zur Repräsentation und Festigung der demokratischen Verfassung ange- sehen werden kann.
Im 5. Jh. v. Chr. entwickelte sich das klassische Athen durch einschneidende Reformen zu einer radikalen Demokratie. Nahezu zeitgleich bzw. nur mit geringer zeitlicher Verzögerung entstanden auf der Agora zahlreiche staatsbürgerliche Bauten an der Westseite der Agora. Diese Arbeit soll zunächst in einem kurzen Überblick die einzelnen Reformen auf dem Weg zu einer demokratischen Verfassung in der Polis Athen vorstellen sowie die einzelnen politi- schen Institutionen, die im 5. Jh. v. Chr. auf der Agora vertreten waren. Anschließend sollen die einzelnen Bauten erläutert sowie ihre Bedeutung herausgestellt werden. Bezugspunkt wird dabei immer die Frage sein, inwieweit diese Bauten die neue demokratische Ordnung reprä- sentieren konnten und ob durch sie sogar eine Festigung der Demokratie erzielt werden konn- te. Bestand also zwischen Agora und politischer Ordnung eine bewusste Verbindung? Wann wurden welche Gebäude errichtet und zu welchem Zweck dienten sie? Standen sie in Verbin- dung mit den demokratischen Reformen eines Kleisthenes oder Ephialtes? Dies sind nur eini- ge der Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit dem Thema ergeben haben und die durch die vorliegende Arbeit möglichst beantwortet werden sollen.
Der Begriff der Agora war von der ursprünglichen Bezeichnung der Volksversammlung auf den Versammlungsort 1 selbst übergegangen. Es zeigt sich folglich eine politische Funktion als Tagungsort der Volks- bzw. Heeresversammlung sowie auch des Rates und des Gerichts. 2 Da die Agora stets auch als Kultstätte von Göttern galt und Stätte des Klein- und Großhandels war 3 , lässt sie sich als politischer, religiöser, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Mittel- punkt der Polis charakterisieren.
Zwar steht die Akropolis als Symbol für Athen, doch das Leben der Stadt hat sich wohl am intensivsten zu ihren Füßen auf der Agora abgespielt. Die Entwicklung dieser Stadt lässt sich anhand der Agora nachvollziehen, sowohl die Blütezeit der demokratischen Ordnung als auch die größte Bautätigkeit auf der Agora lassen sich auf das 5. Jh. v. Chr. datieren. Unsere Kenntnisse der Athener Agora, der politischen Einrichtungen, die hier ihren Platz fan- den sowie deren Bedeutung, verdanken wir zahlreichen antiken Quellen. Insgesamt sind fast
1 Dtv- Wörterbuch, S. 30.
2 Kolb: Agora und Theater, S. 2.
3 Börner: Die bauliche Entwicklung Athens, S. 2.
3
700 Belege antiker Schriftsteller überliefert, die explizit die Agora und ihre Gebäude und
Denkmäler erwähnen. 4 Als wichtigste Einzelquelle gilt der griechische Reise- und Kunst- schriftsteller Pausanias, der zwischen 150 und 175 n. Chr. den Reiseführer „Reisen in Grie-
chenland“ verfasste 5 . Mithilfe dieses Werkes konnten viele Gebäude der Agora identifiziert werden, da Pausanias diese sehr detailreich beschreibt.
Als weitere Quellen fungieren etwa 7500 Inschriften 6 auf der Agora, die von Gesetzen und Verträgen, über Ehre- und Weihinschriften bis hin zu Grenzsteinen und Statuensockeln rei- chen. Ist eine Identifizierung durch schriftliche Quellen oder Inschriften nicht möglich, erfolgt eine stilistische Analyse der Gebäude. Die Athener Agora stellt einen archäologischen Glücksfall dar, da viele der antiken Überlieferungen durch die Ausgrabungen, die in den 1930er Jahren starteten, bestätigt werden konnten.
2 Historischer Hintergrund
2.1 Demokratische Reformen
Die Polis Athen erfuhr im 6. und 5. Jh. v. Chr. grundlegende Änderungen ihrer politischen Ordnung von einem durch wenige Adelsfamilien regierten Stadtstaat hin zur demokratischen Ordnung, die im Laufe der Zeit auch durch Neuerrichtungen auf der Agora sichtbar werden sollte. Doch welche Reformen beeinflussten diesen Prozess auf entscheidende Weise? Gene- rell setzte der Wandel des politischen Bewusstseins in Athen nicht durch eine einzige Reform ein, vielmehr war er Konsequenz einer komplexen Wandlung der allgemeinen politischen und sozialen Lebensbedingungen. Dennoch sind die politische Taten dreier Männer von besonde- res Bedeutung für die Entwicklung des athenischen Staates, die Reformen des Solon, Kleisthenes und Ephialtes.
Die politische Ordnung vorsolonischer Zeit bestand aus vier Phylen, in denen der Adel das
Sagen hatte, Athen also von einer Gruppe adliger Familien beherrscht wurde. 7 Seit den Anfängen des 7.Jhs. v. Chr. geriet die Adelswelt in den griechischen Staaten jedoch enorm unter Druck, da es wirtschaftliche und auch militärische Schwierigkeiten gab. Solon wurde 594 v. Chr. zum Archon gewählt wurde und mit einigen Vollmachten ausgestat- tet. Er erkannte in den sozial-wirtschaftlichen Spannungen ein hohes revolutionäres Potenzial und setzte sich zum Ziel, diese zu beseitigen. Seine wichtigste Veränderung war die sei- sachtheia, die Befreiung von den auf den Grundstücken liegenden Lasten, sodass der Grund-
4 Camp: Die Agora von Athen, S. 18.
5 Schuller: Im Glanz und Schatten der Akropolis, S. 244.
6 Camp: Die Agora von Athen, S. 18.
7 Bleicken: Die athenische Demokratie, S. 17.
4
stock dafür gelegt war, dass die Menschen Attikas zu einer Gemeinschaft wachsen konnten. Mit Solon hielt ebenfalls die Timokratie in Athen Einzug, die Fähigkeit zu politischem Ein- fluss war fortan nicht mehr an die Herkunft, sondern an das Vermögen geknüpft. Aristoteles schreibt hierzu:
„Nach Schätzung teilte er [Solon] vier Steuerklassen ein, wie sie auch früher eingeteilt wa- ren: Fünfhundertscheffler, Ritter, Zeugiten und Theten.“ 8 Die 1. Klasse der Großgrundbesitzer musste mindestens 500 Scheffel Ertrag pro Jahr vorwei- sen, Ritter der 2. Klasse 300 Scheffel und die Zeugiten mindestens 200 Scheffel. Lohnarbeiter und kleine Bauern bildeten die 4. Klasse der Theten, Sklaven und Metöken blieben ohne Bür- gerrecht. 9 Alle vier Klassen waren nun an der Volksversammlung beteiligt, die erste bis dritte Klasse bildete den Rat der 400 und aus der ersten Klasse wurden neun Archonten auf ein Jahr gewählt, ehemalige Archonten bildeten den Areopag. Das oberste Amt blieb somit zwar den Vornehmsten vorbehalten, doch jeder konnte nun in eine Klasse hineinwachsen und der Kreis der Politikberechtigten war insgesamt sehr viel größer geworden.
Auch während der anschließenden Tyrannis der Peisistratiden blieb die solonische Ordnung erhalten, Institutionen und Gesetze behielten ihre Gültigkeit. 10
Wenige Jahre nach dem Sturz der Tyrannen führte Kleisthenes 508/507 seine Reformen 11 durch und teilte ganz Attika in 3 große Bereiche ein: Stadt (Asty), Binnenland (Mesógeios) und Küste (Paralia). Jeder dieser Bereiche war wiederum unterteilt in zehn Einheiten, die zehn Trittyen. Aus je einer Trittys aus den Bereichen Stadt, Binnenland und Küste wurde nun eine Phyle gebildet. Als kleinste lokale Einheiten wurden Demen geschaffen, die als lokale Selbstverwaltungseinheiten konstituiert waren. Durch diese Organisation verlieren die Adels- familien wichtige Grundlagen ihres Einflusses, soziale Abhängigkeitsverhältnisse werden aufgelöst.
„[...] Er [Kleisthenes] hatte den Plan, sie zu vermischen, damit mehr an der Staatsverwaltung beteiligt würden“ 12 und in Zukunft keine dominierenden lokalen Einflüsse mehr entstehen konnten.
Kleisthenes schaffte ebenfalls einen neuen Rat der 500, der durch jeweils 50 Mitglieder einer Phyle gebildet wurde 13 .
8 Aristoteles, Athenian Politeia, 7.
9 siehe Schaubild in Schuller: Die attische Demokratie, S.29.
10 Bleicken, Die athenische Demokratie, S. 25.
11 Aristoteles, Athenian Politeia, 21; zur Reform siehe auch Der große Ploetz, S. 139.
12 Aristoteles, Athenian Politeia, 21.
13 Einzelheiten zur Zusammensetzung und Organisation des Rates der 500 sind dem Punkt 3.2 zu entnehmen.
5
Durch die Phylenreform werden die politischen Institutionen und gleichsam das Zentrum Athens gestärkt, da das Zentrum Sitz dieser Institutionen ist. Diese Ausweitung der Staatlich- keit und die Beseitigung der sozialen Abhängigkeitsverhältnisse sind entscheidende Voraus- setzungen für die Entstehung der attischen Demokratie.
Unter Kleisthenes kam es somit zu einer territorialen und politischen Neuordnung, der Areo- pag behielt dabei weiterhin seine exekutive Macht. Dies sollte sich jedoch schon wenige Jahre später ändern.
Die Reformen des Ephialtes 462/461 v. Chr. stellen schließlich den ausschlaggebenden Schritt zu einer demokratischen politischen Organisation in Athen dar. Ephialtes „unterband alle hinzugekommenen Funktionen, die den Rat zur staatlichen Aufsichtsbehörde machten, und schlug sie teils den Fünfhundert [Boulé], teils dem Volk [Volksversammlung] und teils den Richtern [Volksgericht] zu.“ 14 Im Zentrum der politischen Verwaltung steht nun die Ekklesia, die durch den Rat der 500 vorbereitet und einberufen wird. Die Exekutive Athens ist damit abhängig von Organen, in denen eine große Anzahl von Athenern (Boulé oder Geschworenengerichte) oder sogar alle Bürger (Ekklesia) versammelt sind. Jeder Beamte war damit während seines Amtes und auch nach dessen Niederlegung der Aufsicht aller unterstellt. Durch die Entmachtung des Areopags wurde in Zukunft auf die politische Mitwirkung des Adelsgremiums verzichtet. Dies leitete endgültig zur radikalen Demokratie über, auch wenn der Grundstock durch Kleisthenes ge- schaffen worden war, durch den die Bürger Athens an Selbstbewusstsein gewonnen hatten und zu politischer Befähigung herangewachsen waren. 15
2.2 Die Agora der klassischen Zeit
Bevor man sich explizit den staatsbürgerlichen Gebäuden und deren Bedeutung zuwendet, in denen seit den demokratischen Reformen die neue politische Ordnung Athens praktiziert wurde, ist es notwendig, sich einen Überblick über Gestalt und Bedeutung der athenischen Agora der klassischen Zeit allgemein zu machen.
Die Athener Agora stellt im 5. Jh. v. Chr. die räumliche Mitte des bürgerlichen Lebens dar. Auf dem freien Platz in der Mitte wurden sportliche Wettkämpfe oder Feste ausgetragen und Opferfeiern gehalten. 16 Östlich der Panathenäenstraße lagen viele private Läden oder Werk- stätten und auch private Wohnhäuser.
14 Aristoteles, Athenian Politeia, 25.
15 Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, S. 351.
16 Ebd., S.442.
6
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Britta Wehen, 2007, Die Agora von Athen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Britta W.'s Text Die Agora von Athen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Britta W. hat den Text Die Agora von Athen veröffentlicht
Britta W. hat einen neuen Text hochgeladen
Europäische Demokratie in guter Verfassung?
Tagungsband zum Kolloquium von...
Klaus Hofmann, Kolja Naumann
Justice as an Aspect of the Polis Idea in Solon's Political Justice as...
Joseph A. Almeida
Solon of Athens: New Historical and Philological Approaches
Josine H. Blok, A. P. M. H. Lardinois
0 Kommentare