Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 3
1. Anfang und Entwicklung der Elternarbeit 4
2. Definition, Ziele und Begründungen der Elternarbeit 6
2.1 Definition 6
2.2 Ziele 6
2.3 Gesetzliche Begründung der Elternarbeit 7
2.4 Pädagogische Begründung 7
2.5 Die Adressaten der Elternarbeit 8
3. Zusammentreffen von Eltern und Erziehern 8
3.1 Verhaltensformen von Eltern 9
3.2 Anforderungen an die Erzieher 10
3.3 Kompetenzbasiertes Arbeiten mit Eltern. 11
4. Die verschiedenen Formen der Elternarbeit 12
4.1 Kontaktpflege und Betreuung als einfachste Form 12
4.2 Methodische Arbeit mit fester Zielsetzung 13
4.3 Familientherapeutisch orientierte Elternarbeit 14
4.4 Elternarbeit als Trauerarbeit 15
4.5 Elternarbeit ohne Eltern 16
5. Theoretische Grundlagen für eine systemische Sichtweise 18
5.1 Die Familie als ganzheitliches natürliches System 19
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5.3 Erziehung des Kindes an zwei Orten 20
5.4 Emotionale Barrieren im Erzieher-Eltern-Verhältnis 21
5.5 Soziale Hindernisse im Erzieher-Eltern-Verhältnis 23
6. Kritik und Zweifel an den Formen der Elternarbeit 23
7. Ein Einrichtungsgebundenes Konzept 27
8.Schlussbetrachtung 28
Literaturverzeichnis 30
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0. Einleitung
Durch mein 5-monatiges Praktikum in einer WAB Wohngruppe (Wohnen mit alternierender Betreuung) habe ich einen Eindruck von den Arbeitsweisen in stationären Einrichtungen erhalten. Die Kooperation von Eltern und Erziehern empfand ich jedoch meistens als unbefriedigend. So scheiterte die Elternarbeit häufig an Eltern, die sich gegen uns stellten. Auch kompetenzbasierte Ansätze, auf die ich später näher eingehe, schienen nicht zu funktionieren. Die Eltern hatten meist mit eigenen Problemen zu kämpfen und kein Interesse an positiver Zusammenarbeit. Kontakte stürzten das Kind in innerliche Konflikte und Unzuverlässigkeit gegenüber dem Kind (z.B. fehlende Anwesenheit am Geburtstag, trotz Verabredung) hinterließen jedesmal negative Auswirkungen.
Bisher hatte ich keinerlei Erfahrungen in diesem Themenfeld gesammelt. Auch in der Ausbildung wurde Elternarbeit nicht behandelt. Die Facharbeit ist mir wichtig, um Handlungsweisen zu finden, die möglicherweise eine gute Kooperation mit den Eltern ermöglichen und nicht nur auf den Ablösungsprozess hinzuarbeiten.
Mir ist klar, das es keine Patentlösung gibt, jedoch sollen einige Handlungsmöglichkeiten dargestellt werden, die eine gute Kooperation mit den Eltern ermöglichen. Auch die Eltern, wie sie von den Erziehern gesehen werden, sollen vorgestellt werden.
Die Facharbeit kann einen kleinen Einblick in das sehr breit gefächerte Themenfeld der Elternarbeit bieten. Im besonderen möchte ich auf die Aspekte einer positiven Zusammenarbeit eingehen und welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten es auch bei mangelnder oder nicht möglicher Zusammenarbeit gibt. Aber auch die Kritik soll nicht zu kurz kommen, so werden im letzten Teil nochmals einige Methoden der Elternarbeit in Zusammenhang mit dem System der Familie in Frage gestellt. Auch ein für unsere Verhältnisse nicht ganz alltägliches Konzept einer australischen Einrichtung, dass sicher diskussionswürdig ist, soll einen neuen einen Einblick in die Arbeit mit Eltern geben. Vergleicht man das Konzept mit der Kritik am Ende, müsste dies die optimale Form der Elternarbeit bieten. Die Kritik ist gedacht, um weitere Denkanstöße zu liefern und soll nicht meine persönliche Meinung wiederspiegeln.
These: Elternarbeit muss als Anspruch für eine wertvolle pädagogische Arbeitsweise und darf nicht als Mittel zur Verkürzung der Aufenthaltsdauer reduziert gesehen werden. Sie muss in ihrer gesamten Vielfalt wahrgenommen werden.
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Ich möchte anfangs einen kurzen Überblick darüber gehen, wie in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts grundsätzlich neue Sichtweisen zu Theorie und Praxis der Heimerziehung ent-standen sind. Danach soll erläutert werden, was man unter Elternarbeit versteht und welche Grundlagen und Ziele formuliert worden sind. Anschließend will ich auf typisches Elternverhalten bei einer bevorstehenden Heimaufnahme des Kindes hinweisen und schildern, welche Anforderungen gerade bei diesem Trennungsprozess an sie gestellt werden. Der nachfolgende Abschnitt soll über die verschiedenen Formen der Elternarbeit informieren, die schlimmstenfalls auch ohne die Teilnahme der Eltern stattfinden soll. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit einer sehr weit gefassten Sichtweise von Elternarbeit, die das gesamte familiäre System einschließt. Hier wird auch auf die Schwierigkeiten eingegangen, die durch die Zugehörigkeit des Kindes zu zwei Systemen entstehen. Danach folgt die Zusammenfassung einer ziemlich umfassenden und-grundsätzlich orientierten Kritik an der Elternarbeit. Schließlich soll an einem Beispiel in Australien dargestellt werden, dass Elternarbeit in anderen Ländern sehr unterschiedlich zu der in Deutschland eingeführten Praxis gesehen werden kann. Schlussendlich versuche ich ein Resümee aus dem gewonnenen Wissen zu ziehen.
Die gesamte Facharbeit gründet sich auf Fachliteratur, da meine eigenen Erfahrungen nicht als repräsentativ gewertet können. Ich beziehe mich auf stationäre Jugendhilfeeinrichtungen nach dem KJHG §32- §34. Der Begriff Heim, wird zum besseren Verständnis verwendet. Die hier dargestellten Methoden können je nach Einrichtung und Anwendung in der Praxis abweichen. Elternarbeit ist ein sehr komplexes Themenfeld, in der es keine 100%ige Lösung gibt, sondern nur Ansätze zur möglichen Erreichung der Ziele.
1. Anfang und Entwicklung der Elternarbeit
Die Heimkampagne linker Studentengruppen Ende der 60er Jahre kann als Anstoß zu einem völlig neuen Denkmodell für die Heimpädagogik gesehen werden, bei der die Eltern als wichtiger Bestandteil beteiligt werden (vgl. Conen, 1990, S.12).
Das Untersuchungsergebnis der Studenten über 400 Jahre Heimerziehung in Deutschland fiel erschütternd aus: Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum etwas verändert. Anfangs noch von überschaubarer Größe, wuchsen die Heime infolge der nach den dicht aufeinander folgenden Kriegen immer größer werdenden Zahlen von Wai-
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sen und Halbwaisen immer mehr und mit ihnen die zu betreuenden Gruppen, so dass individuelle Kontakte zwischen Erziehern und Kindern weitgehend verhindert wurden. Hinzu kamen die so genannten Niemandskinder, Ausgesetzte, Verstoßene, sowie Kinder aus zerrütteten Familienverhältnissen, meist als schwer erziehbar bezeichnet. Die Heimstrukturen waren fast ausnahmslos autoritär. Die Kinder standen recht- und hilflos den Erziehern gegenüber, die mit sittenstrengen Vorschriften agierten, deren Nichteinhaltung in der Regel streng bestraft wurde, und die unbehelligt ihre Macht ausüben konnten, was nicht selten zum Missbrauch führte. Die Pädagogik beschränkte ihr kulturelles Angebot häufig auf die Vermittlung einfacher christlicher Werte und zielte auf die Heranbildung der Jugendlichen zu arbeitsfähigen Menschen.
Der Kontakt mit den Eltern war, wenn überhaupt, selten und unstrukturiert und hatte keinen Einfluss auf die Erziehung. Diese Einrichtungen, die man bis zum Ende des 19.Jahrhundert meist Anstalt nannte, waren als Heime noch über 20 Jahre nach dem Ende des 2.Weltkriegs nahezu unverändert in Betrieb.
In Zusammenhang mit der Forderung der 68er-Bewegung nach einer anti-autoritären Erziehung der Jugend wurden auch, unterstützt durch Berichte über die antiautoritäre Internatsschule Summerhill und andere fortschrittliche Einrichtungen in England, Neuseeland und den USA, Reformbestrebungen für die Heimerziehung in Gang gesetzt. An erster Stelle stand auch hier die Abschaffung repressiver und autoritärer Methoden.
Hier wurde der Keim gelegt für die Beteiligung der Eltern an der Erziehung ihrer im Heim untergebrachten Kinder mit Übernahme der entsprechenden Verantwortung zusammen mit den Erziehern. Als Instrument zur Installation und Durchführung dieser Zusammenarbeit dient die Elternarbeit der Erzieher, die 1990 im Kinder-und Jugendhilfegesetz (KJHG) ihre gesetzliche Grundlage gefunden hat.
Seitdem sind wieder fast 20 Jahre vergangen, und die Einsicht, dass Elternarbeit positiv und notwendig ist, hat sich allgemein durchgesetzt. Die Umsetzung jedoch stößt auf mannigfaltige Schwierigkeiten, auf die später noch eingegangen wird. Viele Faktoren sind für den Erfolg ausschlaggebend und so verwundert es nicht, dass es neben einer Vielzahl von positiven Beispielen auch Misserfolge und Verweigerungen gibt. Hier stehen vor allen Dingen den Erziehern noch Lernprozesse ins Haus, weil jeder Fall für sich betrachtet und individuell behandelt werden muss.
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2. Definition, Ziele und Begründungen der Elternarbeit
Elternarbeit ist ein vielfältiger Begriff und umfasst in stationären Einrichtungen einen weiten Bereich. Dazu zählen Elterngespräche, Elternberatung, Familienarbeit oder Familientherapie, mit unterschiedlichen Zielsetzungen, Methoden und Anwendungen. Nicht zuletzt werden auch Kinder und Jugendliche in die Elternarbeit einbezogen, indem sie ein Mitspracherecht bei ihrer Heimerziehung und der Formulierung ihrer angestrebten Lebensperspektiven haben (insbesondere beim Hilfeplan). Aufgrund des großen Umfangs kann jedoch nicht jeder Bereich durch dieser Facharbeit abgedeckt werden.
2.1 Definition
Birtsch (1995) meint mit Elternarbeit alle Erzieheraktivitäten, die sich auf den Kontakt mit den Familienangehörigen der betreuten Kindern beziehen. Dazu gehören auch Gespräche mit den Kindern und die Reflexion des eigenen Verhaltens, dass sich aus der Elternarbeit ergibt. Eine differenziertere Beschreibung liefert Büttner, er versteht Elternarbeit als den vom Heim aus geplanten und durchgeführten Kontakt mit der Herkunftsfamilie des Kindes. Ergänzen sollte man noch, dass der Kontakt auch mit anderen Bezugspersonen erfolgen kann.
2.2 Ziele
Elternarbeit ist auf das Wohl des Kindes gerichtet und soll bewirken, da-Kind -Beziehung auf Dauer beseitigt oder so verbessert werden kann, dass eine Ablösung vom Heim und die anschließende Rückführung in die Familie möglich ist. Ist dies nicht erreichbar, bietet Elternarbeit dem Minderjährigen Hilfe bei seiner Identitätsfindung und kann den Ablöse-vorgang von der Familie begünstigen. Um die genannten Ziele zu erreichen, soll eine Stärkung der elterlichen Erziehungsfähigkeit bewirkt werden. Bei jedem Kind müssen individuelle Ziele zur Elternarbeit je nach Situation und Möglichkeit entwickelt werden.
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2.3 Gesetzliche Begründung der Elternarbeit
Elternarbeit ist im KJHG gesetzlich fest verankert. In § 34 Abs. 1 wird die Rückkehr des Kindes in die Familie als Ziel festgelegt, dieses ist ohne Elternarbeit nicht zu erreichen. Genauer verdeutlicht wird Bei Hilfen nach § 32-34 und § 35a Abs. 2 soll darauf hingewirkt werden, dass die Pflegepersonen oder die in der Einrichtung verantwortlichen Personen und die in der Einrichtung für die Erziehung verantwortlichen Personen und die Eltern zum Wohle des Kindes oder des Jugendlichen zusammenarbeiten. Durch Beratung und Unterstützung sollen die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie innerhalb eines auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen vertretbaren Zeitraumes so weit verbessert werden, dass sie das Kind oder den Jugendlichem wieder selbst erziehen kann. Während dieser Zeit soll durch begleitende Beratung und Unterstützung der Familien darauf hingewirkt werden, dass die Beziehung des Kindes oder Jugendlichen gefördert wird. Ist eine nachhaltige Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie innerhalb dieses Zeitraumes nicht erreichbar, soll mit den beteiligten Personen eine andere dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen för-
Grundlage für Elternarbeit in Hinblick auf eine Rückführung, geht aber auch vom einer weite- beifehlenden Erfolgsaussichten aus. Die Elternarbeit
ist immer auf das Wohl des Kindes ausgerichtet, so wird den Eltern geholfen, um die Situation des Kindes zu verbessern.
2.4 Pädagogische Begründung
Zwischen Eltern und Kind besteht eine enge bioemotionale Bindung, die eine bedeutsame Rolle in der Entwicklung des Kindes spielt. Die Qualität dieser Bindung ist für das seelisch körperliche Befinden von großer Bedeutung. Eine Störung oder gar ein strikter Abbruch der Kontakte zwischen Eltern und Kind kann auf beiden Seiten zu Versagensängsten führen und die weitere Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen.
Die Eltern und Familienarbeit soll auch dazu beitragen, typische Probleme innerhalb der Heimerziehung zu vermeiden, wie zum Beispiel Konkurrenzdenken von Eltern und Erziehern, die oft Loyalitätskonflikte zu einer Seite oder beiden auslösen können.
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2.5 Die Adressaten der Elternarbeit
Bei der Beschreibung der Elternarbeit und deren Zielsetzung unterscheidet Günder die Maßnahmen und Zielsetzungen, die primär auf das Wohl und die Entwicklung des Kindes ausgerichtet sind von solchen, die im Interesse der gesamten Familie, in der das Kind aufgewachsen ist, ergriffen werden.
Die unterschiedlichen Möglichkeiten und Verfahren einer Elternarbeit vom Heim aus können also zunächst einmal von dem Grundgedanken geleitet sein, dass die Inhalte und Methoden vorrangig im Interesse der Minderjährigen selbst erarbeitet werden.
Die Eltern werden zwar einbezogen, die Wirkung wird aber vor allem bei den Kindern und Jugendlichen erwartet. So sollen bei ihnen die die Entwicklung behindernden Schwierigkeiten im Verhältnis zu den Eltern verringert werden, sodass möglicherweise eine Rückführung möglich wird. Die Verarbeitung von Problemen und Konflikten kann aber auch für die Minderjährigen Wege zur Neuorientierung aufzeigen und die Ablösung vom Elternhaus unterstützen. Eine andere Vorgehensweise geht von dem Gedanken aus, dass es dem Kind gut gehen wird, wenn es gelingt, die Familie zu stabilisieren. Hier geht man davon aus, dass das Kind in einer Familie gelebt hat, deren Kommunikations- und Verhaltensstruktur Defizite aufweist. Eine Wiedereingliederung des Kindes oder Jugendlichen erscheint nur möglich, wenn diese Defizite abgebaut werden können. Hier werden die Interessen nicht nur des Kindes, sondern der ganzen Herkunftsfamilie, Geschwister und Großeltern eingeschlossen, ins Blickfeld gerückt. Ihnen soll geholfen werden, ihre Erziehungskompetenzen zu verbessern und Probleme zu beseitigen. So kann man als Ziel der Elternarbeit die Beseitigung negativer Entwicklungsbedingungen für das Kind und alle anderen Familienmitglieder und die Schaffung von langfristig positiven Bedingungen l Kin- derdorf e.V.,1999,S.21).
3. Zusammentreffen von Eltern und Erziehern
Bei der Vorbereitung der Kooperation aller Beteiligten müssen die Erzieher in der Lage sein, auf unterschiedliche Verhalten mit hoher Profession einzugehen.
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Arbeit zitieren:
Dominik Molnos, 2009, Elternarbeit in stationären Einrichtungen nach dem KJHG §34, München, GRIN Verlag GmbH
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