Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Sprachgesellschaften: ein historischer Abriss bis 1945. 4
3. Sprachgesellschaften und Fremdwortdiskurse ab 1945 6
4. Zur gegenwärtigen Anglizismenkritik 8
5. Die einzelnen Sprachgesellschaften 10
5.1. Staatlich geförderte Institutionen und Vereinigungen. 11
5.1.1. Die Gesellschaft für deutsche Sprache. 11
5.1.2. Das Institut für deutsche Sprache in Mannheim 12
5.2. Private Vereine und Organisationen. 13
5.2.1. Der Verein deutsche Sprache e.V. 13
5.2.2. Der Bund für deutsche Schrift und Sprache. 16
5.2.3. Der Verein für Rechtschreibung und Sprachpflege 17
6. Schlussbetrachtung. 18
Literaturangabe. 19
2
1. Einleitung
Seit einigen Jahren besteht seitens der Öffentlichkeit ein reges Interesse an sprachlichen Themen. Nicht nur Zweifelsfälle der Orthografie, sondern auch das Auftreten von Fremdwörtern in Fernsehsendungen, der Werbung, Zeitungsartikeln und teilweise auch in alltäglichen Kommunikationssituationen erhitzen immer wieder die Gemüter. Die vielfachen Debatten um Sprachbenutzung, Sprachpflege und Sprachrichtigkeit werden allerdings vorwiegend von selbsternannten Sprachschützern bedient. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte entstanden zahlreiche Gesellschaften zum Schutz und zur Pflege der Sprache, wie beispielsweise der Verein Deutsche Sprache (VDS). Im Mittelpunkt des sprachpflegerischen Bestrebens dieses Vereins steht vor allem der Kampf gegen Fremdwörter bzw. Anglizismen. Nach Ansicht des VDS trage ihr übermäßiger Gebrauch zum Sprachverfall bei und zerstöre die Schönheit der deutschen Sprache. Aus diesem Grund gibt der VDS einen in regelmäßigen Abständen aktualisierten Anglizismenindex heraus, der ein breites und zum Teil recht amüsantes Angebot an Übersetzungsvorschlägen für ‚überflüssige‘ Fremdwörter darstellt. Sprachgesellschaften dieser Art sind allerdings keine Erfindungen der Gegenwart, bereits im 17. Jahrhundert befasste sich die in Weimar gegründete Fruchtbringende Gesellschaft nach Vorbild der Accademia della Crusca mit der Förderung des Deutschen. Doch während man sich zu dieser Zeit darum bemühte, die deutsche Sprache als eigenständige gesprochene und geschriebene Sprache gegen das Französische und das Latein durchzusetzen, sehen die heutigen Sprachschützer ihre Muttersprache durch das Englische bedroht.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der Sprachgesellschaften und Fremdwortdiskurse ab 1945. Dabei sollen ausgewählte private sowie staatlich gestützte
1 Der Verein der deutschen Sprache: Der VDS vorgestellt. Deutsch oder Denglisch? 1. Das Ärgernis, in: http://www.vds-ev.de/verein/index.php, (Zugriff 28.04.2009)
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Institutionen und Vereine vorgestellt und ihre Positionen zum Anglizismengebrauch näher untersucht und beleuchtet werden. Den Einstieg in das Thema bildet zunächst ein kurzer Überblick über die entstehungsgeschichtlichen Hintergründe der Sprachgesellschaften vom
17. Jahrhundert bis 1945.
2. Die Sprachgesellschaften: ein historischer Abriss bis 1945
Wie bereits erwähnt, traten sprachkritische Tätigkeiten bereits zu einem sehr viel früherem Zeitpunkt in der Geschichte des Deutschen hervor. Beginnend mit dem ersten deutschen Fremdwörterbuch von Simon Roth 1571 und dem Versuch, bestimmte fremde Wortschatzbereiche zu verdeutschen, setzt sich diese Arbeit in den zahlreichen Sprachgesellschaften des 17. Jahrhundert fort, die unter dem Einfluss niederländischer und italienischer Vorbilder entstanden sind 2 . Hier wären Sprachgesellschaften wie Die Fruchtbringende Gesellschaft, Die Aufrichtige Gesellschaft von de Tannen, Die Deutschgesinnte Genossenschaft, Der Hirten-und Blumenorden an der Pegnitz und Der Elbschwanenorden zu nennen 3 . Ziel aller dieser Vereinigungen war es, jeweils mit mehr oder weniger intensiver Ausprägung, das Deutsche zu festigen, es als Literatur-, Wissenschafts- und Nationalsprache zu entwickeln, und gegen fremdsprachliche Einflüsse zu verteidigen. Dieser aktiven Arbeit an der deutschen Sprache sind einige Verdienste zuzurechnen, zu denen die Verbesserung der Übersetzungstätigkeit (Übersetzungsliteratur), die Herausgabe von Büchern über die Rechtschreibung und Wörterbüchern und einige erfolgreiche Verdeutschungen fremdsprachlicher Ausdrücke zählen. Vor allem das letztgenannte Arbeitsfeld gehört, neben der Vermeidung von veralteten, regionalen, vulgären und fachsprachlichen Wörtern 4 in das Feld des Sprachpurismus, der eben für diesen Zeitabschnitt bis ins folgende Jahrhundert hinein als typisch galt. Und auch hier tritt bereits die Befürchtung auf, dass eine Fremdwortaufnahme zum Verlust des deutschen Stammwortes führen kann, die Sprachstruktur verändert würde 5 und somit als Folge Verständnisschwierigkeiten und Sprachschädigungen auftreten könnten. Im 18. Jahrhundert befand sich das Deutsche auf dem Weg zur Etablierung als schriftsprachliche Norm und löste damit das bisher immer noch vorherrschende Latein als Wissenschafts- und Gelehrtensprache
2 Schiewe, Jürgen: Sprachpurismus als Aufklärung. In: Strocka, Volker Michael (Hrsg.): Die Deutschen und ihre Sprache. Reflexionen über ein unsicheres Verhältnis. Bremen: Hempen Verlag, 2000. S.42
3 vgl. Pfalzgraf, Falco: Neopurisumus in Deutschland nach der Wende. Lang: Franfurt am Main, 2006. S. 14f; ab sofort zitiert als Pfalzgraf
4 Henning Kaufmann-Stiftung: Deutscher Sprachreis 2000. Peter von Polenz. Sprachgeschichte und Sprachkritik. Schliengen: Edition Argus, 2000. S. 27
5 Pfalzgraf, S. 15, zitiert nach Kirkness, Alan: Zur Sprachreinigung im Deutschen 1789-1871. Eine historische Dokumentation. 2 Bände. Tübingen: Narr, 1975.
4
allmählich ab. Weiterhin wurde die Vermeidung von fremdsprachlichen Ausdrücken, insofern es ein deutsches Äquivalent gab, fortgeführt, man sprach sich allerdings auch sowohl gegen einen übermäßigen Fremdwortgebrauch als auch gegen eine Fremdwortjagd aus 6 . Stattdessen wurden die Sprecher zum Patriotismus 7 ermuntert, denn Sprache wurde zunehmend als Grundlage für ein Gefühl der geistig-kulturellen Zusammengehörigkeit betrachtet 8 . Dementsprechend „geht das Lob der eigenen Sprache mit der Abwertung des sprachlich Fremden einher, meist der als unnötig empfundenen Fremdwörter […].“ 9 Mit der Gründung des Deutschen Bundes und dem Hochloben der eigenen Kultur in Abgrenzung zu den anderen (wie beispielsweise Frankreich), färbten sich die puristischen Sprachpflegetätigkeiten zunehmend auch nationalpoloitisch. Nach Alan Kirkness lassen sich vier Hauptrichtungen von Sprachpflege unterschieden: „Eine volksaufklärerische-bildungspolitische (Campe), eine sprachstrukturelle (Kolbe), eine radikal-vernünftelnde (Krause) und eine politischnationalistische (Jahn).“ 10 Grundzug jeder dieser Richtungen war es, die Sprache von fremdsprachlichen Einflüssen zu befreien, die Intentionen unterschieden sich aber jeweils hinsichtlich der Verständlichkeit, andererseits ging es auch um die Rettung der deutschen Sprache vor strukturellen Schäden, um das Durchrationalisieren aller Strukturen der Wortbildung oder eben einfach um die Ablehnung des Fremden, demgegenüber die eigene Sprache und Kultur als überlegen galt. 11 Pfalzgraf zufolge wurde im folgenden Jahrhundert der Sprachpurismus im Zuge einer Neuorganisation des Behördenapparates institutionalisiert 12 und zahlreiche Begriffe aus dem Postwesen, Bauwesen, der Eisenbahn und der Heeressprache eingedeutscht. Die Fremdwortjagd avancierte zu einer Freizeitbeschäftigung der Deutschen und stellte die Weichen für die Gründung von Vereinen wie beispielsweise dem ADSV (Allgemeiner Deutscher Sprachverein), dessen Betätigungsfeld vor allem in der Sprachreinigung aber auch in kulturell-nationalen Bemühungen lag (Entwicklung eines nationalen Bewusstseins der Sprecher). Dem ADSV ging es vor allem darum, fremdsprachliche Ausdrücke zu verdrängen, insofern es sich um ‚überflüssige‘ Fremdwörter vor allem aus dem Französischen handelte. Er gab Verdeutschungsbücher für Fremdwörter heraus, die thematisch nach speziellen Bereichen
6 Ebd.
7 Gardt, Andreas: Die Sprachgesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Besch, Werner, Betten, Anne, Sonderegger, Stefan und Recimann, Oskar (Hrsg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 1. Teilband. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1998. S. 345
8 zitiert nach Kirkness, Alan, In: Pfalzgraf, S. 16
9 Gardt, S. 345
10 zitiert nach Kirkness, in: Pfalzgraf, S. 16
11 vgl. Pfalzgraf, S. 16f
12 hierzu auch Polenz, Peter von: Deutsche Sprache vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. 3. Band. Berlin (u.a.): de Gruyter, 1991, S. 268; ab sofort zitiert als Polenz
5
untergliedert waren, viele dieser Wörter sind bis heute im Gebrauch 13 . Gesteigerte Bedeutung erlangten die Positionen des Vereins ab 1930, als die Fremdwörterjagd, zunächst von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke unterstützt, in ihren extremsten Erscheinungen zu Freiheitsentzug für Sprachsünder und Bücherverbrennungen führte. Die Machthaber selbst schmückten ihre öffentlichen Reden allerdings zu gerne mit Fremdwörtern, daher wurde diese Unterstützung nur kurze Zeit gewährt, die Arbeit des Vereins zunehmend gerügt und durch staatliche Erlasse (wie dem von 1940 gegen die Verdeutschung von Fremdwörtern durch Hitler) eingeschränkt. Der ADSV selbst löste sich gegen 1943 mit der Einstellung der Vereinszeitschrift auf 14 .
3. Sprachgesellschaften und Fremdwortdiskurse ab 1945
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Sprache wieder zunehmend als Kommunikationsmittel gesehen, man ging nicht mehr von einem kulturellen Gut aus, das vor einem fremdsprachlich-verderblichen Einfluss zu schützen sei. Sprachwissenschaftler distanzierten sich von den traditionellen Positionen mit sprachpuristischer Tendenz, Fremdsprachpurismus wurde im öffentlichen Diskurs nahezu tabuisiert 15 .
Sprachkritik wurde nach 1945 behutsamer in einer Art selektiven Purismus betrieben, das heißt, die wertende nationalistische Argumentationsart wich Hinweisen auf Verständigungsschwierigkeiten bei der Benutzung von Fremdwörtern, die auftreten können, wenn Menschen verschiedener Generationen, Bildung und sozialer Herkunft mit ihnen konfrontiert würden. Kritisiert wurden auf Westdeutschem Gebiet die Russizismen in der DDR, während im Gegenzug hierzu auf dem ostdeutschen Gebiet der Gebrauch von Anglizismen in der BRD (hier wiederum politisch gefärbt als Zeichen des US-Imperialismus) diskutiert wurde. Allerdings lehnte man deutlich eine von staatlicher Seite durchgesetzte Verdeutschung oder Einführung von Sprachgesetzen wie in Frankreich ab als einen Eingriff in die Privatsphäre, die Bürgerrechte und Redefreiheit 16 . Seit den 1968ern wurde ein zunehmender Anstieg der Anglizismen beobachtbar. Polenz begründet dies mit dem Nachholbedürfnis der Bevölkerung etwas an Internationalität nachzuholen, um nicht provinziell zu wirken 17 . In der Übernahme der angloamerikanischen Ausdrücke über Jugendsubkulturen und die Unter-
13 Pfalzgraf,S. 21
14 Pfalzgraf, S. 18ff
15 vgl. Polenz, S.268
16 Zu diesem Abschnitt vgl. Polenz, S. 286f
17 Ebd., S. 287
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Arbeit zitieren:
Anja Vitting, 2009, Sprachgesellschaften der Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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