Inhalt
EINLEITUNG 3
1. SPRECHSTUNDENGESPRÄCHE AN DER HOCHSCHULE 5
1.1 Institutioneller Rahmen 5
1.2 Ungleichheit in institutionellen Gesprächen 6
1.3 Sprechstundengespräche 7
1.4 Zusammenfassung 9
2. ANALYSE 10
2.1 Anfangsphase 10
2.2 Gesprächskern: Formulierung und Bearbeitung des Anliegens 12
2.3 Endphase 17
2.4 Schlussfolgerung 18
3. FAZIT 19
4. LITERATUR 21
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EINLEITUNG
„Keine Frage: Institutionelles Handeln bestimmt unsere Gesellschaft. Die Frage ist nur, wie lange diese Gesellschaft es sich leisten will, daß sich die Kommunikationsverhältnisse in den Institutionen unbegriffen reproduzieren und gegen die Handelnden verselbständi- gen.“ (Hoffmann/Nothdurft, 1989:131)
Sprechstundengespräche in der Hochschule sind aus der Perspektive der Studierenden sowie der Lehrenden von großer Bedeutung. Gerade im Bereich der Geisteswissenschaften mit hohen
Studierendenzahlen 1 ist das Sprechstundengespräch eine der wenigen Möglichkeiten für Studie-
rende, den persönlichen Kontakt zu Lehrenden aufzubauen, Betreuungsangebote für das weite- re Studium wahrzunehmen und sogar wertvolle Erfahrungen im Bereich „Bewerbungsgesprä- che“ zu sammeln. Aber auch Lehrenden bietet sich die Möglichkeit, sich über ihre Lehrtätigkeit bei den Studierenden Feedback einzuholen (Boettcher/Hellermann/Meer, 2001:4). Trotzdem werden Sprechstundengespräche sowohl von Studierenden als auch von Lehrenden häufig als
Last empfunden 2 . Umso wichtiger ist es deshalb, mögliche Problemfelder aufzuzeigen, um diese
besser zu verstehen und die Chancen, die Sprechstundengespräche mit sich bringen, besser nutzen zu können.
In hochschulischen Sprechstundengesprächen zeichnen sich bestimmte Gesprächsmuster ab, die positionsspezifische Unterschiede zwischen Lehrenden und Studierenden deutlich machen (Meer, 2000: 19ff). Die Leitfragestellungen meiner Studienarbeit lauten:
Gibt es zwischen Lehrenden und Studierenden ein asymmetrisches Machtverhältnis? Tragen die Gesprächspartner mit ihren kommunikativen Handlungen dazu bei, bestehende institutionelle Hierarchien zu bestätigen und wenn ja, wie?
Zur Beantwortung dieser Fragen muss zunächst geklärt werden, was institutionelle Gespräche
1 An der Ruhr-Universität Bochum studierten im WS 2007/2008 32.607 Studierende, davon allein 12.466 im Bereich der Geisteswissenschaften, 6.127 Studierende studierten ein Fach aus dem Bereich der Philologie. Im Vergleich
dazu studierten nur 489 Studierende Mathematik. Weitere Zahlen und Statistiken finden sich auf der Homepage
der Ruhr-Universität Bochum. Dezernat 1: Angelegenheiten der Selbstverwaltung, Hochschulstruktur und –planung.
[URL]: ://www.uv.ruhr-uni-bochum.de/dezernat1/statistik/aktuelles/rubrik2007.pdf
2 Vgl. hierzu die Ausführungen von Boettcher, W. / Meer, D. (2000): „Ich hab nur ne ganz kurze Frage“ – Umgang mit knappen Ressourcen. Sprechstundengespräche an der Hochschule, S. 1ff.
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eigentlich sind und wie Sprechstundengespräche innerhalb von Hochschulgesprächen 3 ein-
zuordnen sind.
Des Weiteren ist es nötig, die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe zu klären. Begriffe wie Do- minanz oder Macht sind in der Alltagssprache negativ konnotiert und rufen Assoziationen von Unterdrückung, Herrschaft und Gewalt hervor. Ein Wort wie Einfluss klingt demgegenüber neut- ral bis positiv. Zu kritisieren ist aber, dass der eher neutral wirkende Begriff Einfluss für die Ana- lyse zu ungenau ist. Deshalb halte ich es für notwendig, die Termini Macht, Hierarchie, Asym- metrie und Dominanz in einem weiteren Schritt zu definieren, um den Gebrauch der Begriffe deutlich zu machen und eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.
Im Anschluss soll dargelegt werden, was in hochschulischen Sprechstundengesprächen typi- scherweise zu erwarten ist. Dazu werde ich die empirischen Ergebnisse von Boettcher/Meer (2000) nutzen, die sie auf der Grundlage des von ihnen erstellten Transkriptbands (Boett- cher/Limburg/Meer/Zegers, 2005) zu Sprechstundengesprächen an der Hochschule erzielt ha- ben.
Auf dieser theoretischen Grundlage folgt der Schwerpunkt der Arbeit, die exemplarische Analy- se des Sprechstundentranskripts Nr. 9 aus dem Transkriptband von Boett- cher/Limburg/Meer/Zegers (2005:51-52). Zunächst wird der für dieses Transkript spezielle em- pirische Rahmen skizziert und eine Gliederung des Transkriptes in die Phasen des Gesprächs vorgenommen. Anschließend folgt die Analyse von Auffälligkeiten und deren Zuordnung zu den oben genannten Analysekriterien. Mit Hilfe der Analyse soll herausgearbeitet werden, in wie weit die Interaktionspartner mit ihrem Verhalten die zu erwartenden Verhaltensmuster bestäti- gen und welches Verhalten von den vorher getroffenen Annahmen abweicht.
Zu beachten ist, dass ich bei der Analyse auf individuelle Erfahrungen und Wirkungen zur Un- terstützung von Interpretationsmöglichkeiten kommunikativen Handelns zurückgreife. Mir er- scheint eine rein objektive Analyse von transkribierten Gesprächen generell unmöglich, den- noch unterliegt diese Arbeit einer kontrollierten Subjektivität.
3 Als Form von institutioneller Kommunikation
4
1. SPRECHSTUNDENGESPRÄCHE AN DER HOCHSCHULE
1.1 Institutioneller Rahmen
Nach Ehlich/Rehbein sind Institutionen Formen gesellschaftlicher Vermittlung, in denen kom- munikatives Handeln eine wichtige Rolle spielt. Institutionelle Kommunikation unterscheidet sich grundsätzlich von so genannter Alltagskommunikation (Ehlich/Rehbein, 1994:308ff.). Institutionelle Kommunikation vollzieht sich nach Hoffmann/Nothdurft auf der Grundlage sozial verbreiteten Wissens über Formen kommunikativen Handelns. Dieses „Betriebswissen“ schließe Wissen über die Ausgangskonstellation, die wichtigsten Teilhandlungen und ihre Abfolge ein (Hoffmann/Nothdurft, 1989:118ff.). Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Interak- tionspartner durch ihr Betriebswissen bewusst oder unbewusst mit bestimmten Erwartungshal- tungen in ein Gespräch gehen, selbst wenn sie über keine eigene Erfahrung verfügen. Ein häufiges Problem kommunikativer Praxis ist nach Hoffmann/Nothdurft die Konstellation Laie vs. Institutionsvertreter. Bei der Klärung von Sachverhalten liegt eine asymmetrische Beteiligung am Gespräch vor - der Institutionsvertreter steuert das Gespräch massiv, während dem Laien
eine reaktive Rolle (zum Beispiel in Form von Hörrückmeldungen) zukommt 4 . Ein weiteres Prob-
lem ist, dass Rationalität und Objektivität im universitären Kontext eine zentrale Rolle einneh- men, weshalb Studierende die Situation an der Hochschule als anonym empfinden (Zegers, 2004:9).
Innerhalb des institutionellen Rahmens Hochschule finden sich unterschiedliche Gesprächssitua- tionen (z.B. Unterrichtsgespräche oder Sprechstundengespräche), die wiederum unterschiedli- chen Gesprächszwecken dienen.
1.2 Ungleichheit in institutionellen Gesprächen
Zur Beschreibung von Ungleichheiten in institutionellen Gesprächen - und somit auch Sprech- stundengesprächen an der Hochschule - finden sich in der Forschungsliteratur Begriffe wie: Macht, Hierarchie, Asymmetrie oder auch Dominanz, die teils synonym, teils komplementär ge-
4 Diese Definition kann den voreiligen Rückschluss zulassen, dass der Laie in seiner reaktiven Rolle keine Möglich-
keit zur Beeinflussung des Gesprächsverlaufs hat, jedoch sind meiner Meinung nach beide Interaktionspartner am
Gesprächsverlauf beteiligt und nicht Gefangene asymmetrischer Handlungsmöglichkeiten, wie sich später am konk-
reten Beispiel zeigen wird.
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nutzt werden. Brock/Meer diskutieren in ihrem Aufsatz (Brock/Meer, 2004) verschiedene An- sätze und Verwendungen der genannten Termini. Auch die fehlende Trennschärfe zwischen den Begriffen ist ein wichtiger Kritikpunkt bei Brock/Meer. Dabei beziehen sie sich zum Beispiel auf
Ausführungen von Becker-Mrotzek, Brock, Deppermann, oder auch Ehlich/Rehbein. 5
Durch die Gegenüberstellung und Ergänzung der Ansätze verfassen Brock/Meer gelungene ter- minologische Vorschläge zur Verwendung der Begriffe, die ich im Folgenden kurz vorstellen werde.
Brock/Meer definieren…
… Macht als Option auf Handlung zur Konstituierung ungleicher Beziehungen zwischen Interak- tionspartnern.
Jemand besitzt Macht nicht, sondern kann Macht aufgrund positionsspezifischer Autorisierun- gen (institutionelle bzw. gesellschaftliche Vorgaben) ausüben. Dadurch entstehen Abhängigkei- ten (Abhängigkeit vom Rahmen, der Interaktionspartner usw.…), die den Begriff an eine Vielzahl von Einflüssen binden. Im Zusammenhang mit gesprächsanalytischen Untersuchungen müsse es darum gehen, „die Heterogenität bzw. Mehrdimensionalität der Ursachen und Wirkungen der Ungleich- heit der Gesprächsbeteiligten herauszuarbeiten und ausgehend von diesen Detailbeo- bachtungen die unterschiedlichen Machtwirkungen des Gesamtfeldes zu rekonstruieren.“ (ebd.:201)
… Hierarchie als institutionelle Rangunterschiede, die in vertikalen Asymmetrien (strukturell bedingte Ungleichheiten) realisiert werden.
Hierarchie kann durchaus vorrangig als Teil des institutionellen Rahmens begriffen werden. Zu beachten ist aber, dass die dort vorhandenen Organigrammstrukturen nicht zwangsläufig Rück- schlüsse auf das kommunikative Verhalten zulassen. (ebd. 186,202)
… Asymmetrie als Differenz, die aus hierarchieneutralen Aufgaben entsteht. Zur Beschreibung von Ungleichheiten in institutionellen Gesprächen wird der Begriff nach Brock/Meer häufig zu
5 Genauere Angaben zur verwendeten Literatur finden sich im Literaturverzeichnis von Brock/Meer ab Seite 204ff.
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Janine Winkler, 2009, Sprechstundengespräche an der Hochschule , Munich, GRIN Publishing GmbH
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