Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - Was war die DDR? 3
2. Die Planwirtschaft. 4
a) Voraussetzungen nach dem Zweiten Weltkrieges. 4
b) Wirtschaftsordnung und Machtinstanzen im Sozialismus. 7
c) Ziele und Möglichkeiten der zentralen Lenkung. 8
d) Innovationsgedanke in Forschung und Entwicklung. 9
e) Mobilität in der DDR - Der Trabant. 10
f) Grenzen und Krisen bei unerfüllten Plänen. 12
3. Schlussbetrachtung - Was bleibt von der DDR? 14
4. Quellenverzeichnis. 16
2
Als Ende des Jahres 1989 tausende Menschen in der ehemaligen DDR auf die Straße gegangen sind, um für eine bessere Gesellschaft zu demonstrieren, für mehr Freiheit und Mitspracherecht, war auch ich dabei. Warum wusste ich nicht, dass wurde mir erst einige Jahre später bewusst. Damals jedenfalls war ich in einem Alter, in dem die ersten Sommerferien ein großes Ziel waren und Fragen wie, was wohl der Weihnachtsmann für Geschenke bringen mag von Bedeutung. Aber noch heute passiert es mir, dass ich beim Riechen von Kerzenwachs die Erinnerungen an jene kalten und aufregenden Abende kurz vor der Wiedervereinigung wachrufen kann, laufend durch die leuchtenden Straßen einer ostdeutschen Kleinstadt. Und auch wenn ich nicht behaupten kann, die davor liegende Zeit und ihre Umstände in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Sicht eigentlich mitbekommen zu haben, bin ich doch froh, bei den so genannten Montagsdemonstrationen dabei gewesen zu sein. Ein Teil meiner Geschichte, ein Teil jener Geschichte, mit der ich mich in vorliegender Arbeit tiefgründiger auseinander setzen möchte, da es immer noch sehr differente Antworten und unterschiedliche Meinungen gibt, was die Frage betrifft: Was war eigentlich die DDR?
Mein spezielles Thema ist die Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsentwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik; Merkmale, Vor- und Nachteile der Planwirtschaft und wie es überhaupt zu einer solchen Staatsform kommen konnte. Mit Fragen wie: Sind Planlosigkeit und Unwirtschaftlichkeit tatsächlich die einzigen Merkmale der Planwirtschaft, die aus heutiger Sicht noch erwähnenswert erscheinen? 1 Oder: Warum ist dieses System letzten Endes gescheitert? will ich mich befassen, da es meines Erachtens auch noch nach bald zwei Jahrzehnten nach Niedergang der DDR Gründe gibt, darüber nachzudenken, was zu jener Zeit das Leben der Menschen bestimmte und bis heute doch noch immer so nachhaltig zu prägen scheint. Sicher, und das sollte hiermit noch erwähnt sein, gibt es wahrscheinlich keine tatsächlich historische Wahrheit. Trotz allem habe ich versucht eine Objektivität dieser Arbeit zu Grunde zu legen, da mein Wissen größtenteils wie oben bereits erwähnt aus dokumentarischen Quellen stammt und weniger aus persönlichen Erfahrungen.
1 Vgl. Schulz/ Wagener (2007): S. 22.
3
Der Wirtschaftswissenschaftler Walter Eucken beschreibt, dass sich „zu allen Zeiten und überall [...] das menschliche Wirtschaften in Aufstellung und Durchführung von Wirtschaftsplänen [vollzieht]. Auf Plänen beruht also alles wirtschaftliche Handeln. Genauigkeit und zeitliche Reichweite der Pläne sind bei den verschiedenen Menschen sehr verschieden...Ohne Pläne aber wirtschaften Menschen niemals.“ 3 Ein Plan steht gewissermaßen für erforderliche Regeln, damit eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform funktionieren kann. Ganzes wurde auf mehr oder weniger erfolgreiche Weise in der DDR betrieben, beruhend auf Gesetzen und Verordnungen, die von der Regierung erlassen wurden. 4 Eilend von Plan zu Plan, war es Ziel, eine neue Gesellschaft zu schaffen. Es ist die Geschichte einer wachsender Wirtschaft und ihren Innovationen (als Beispiel sei die Herstellung des Trabants genannt), es ist aber auch die Geschichte vom ewigen Mangel oder Schlange stehen vor HO-Läden. 5 Begriffe wie „totalitäre Gesellschaft, [...], Diktatur, Organisationsgesellschaft, autoritärer Obrigkeitsstaat, [...], arbeiterliche Gesellschaft, Nischengesellschaft, Sozialismus, Kommunismus“ oder auch das Einbeziehen des Privaten in das politische Geschehen und die staatliche Überwachung sind Aspekte, welche bei der Charakterisierung der DDR eine Rolle gespielt haben 6 und auf welche ich im Folgenden eingehe.
Ausgangspunkt für die Entstehung der Planwirtschaft in Deutschland bildet das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg war für die Deutschen verloren. Über vier Jahre nach Ende des Krieges dauerte der Wiederaufbau der durch Bomben zerstörten Städte und Fabriken, die Entminung landwirtschaftlicher Nutzflächen, die Wohnraum- und Arbeitsplatzschaffung an. 7 Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion einigten sich auf Demontagen und auf die Beschlagnahme von
2 Vgl. Thießen (2001): S. 10.
3 Eucken. In: Gutmann (1990): S. 3.
4 Vgl. Kusch/ Montag/ Specht/ Wetzker (1991): S. 87.
5 Vgl. Steiner (2007): Klappentext.
6 Schulz/ Wagener (2007): S. 12.
7 Vgl. Judt (1998): S. 87.
4
Auslandsguthaben, Lieferung aus der laufenden Produktion und auf die Verwendung deutscher Arbeitskräfte als Reparationsleistungen. Festgestellt wurde aus sowjetischer Sicht, dass der Kapitalismus in Depression und Stagnation geführt hatte. Man fand Übereinkunft, „dass die Stunde des Sozialismus und der staatlichen Wirtschaftsordnung geschlagen hatte“. 8 Schon vor Kriegsende hatten die Alliierten beschlossen, Deutschland gemeinsam zu verwalten und in Besatzungszonen zu gliedern, unter Abtrennung seiner Ostgebiete. Deutschland wurde in zwei Teile gegliedert - in den östlichen und den westlichen Teil. Die Deutsche Demokratische Republik war „geboren“. Zum Sowjetischen Besatzungsgebiet, DDR genannt, gehörten fortan die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen, sowie die ehemals preußischen Provinzen Brandenburg und Sachsen (1947 Sachsen-Anhalt). Man knüpfte an die marxsche Analyse an und konstruierte ein Alternativsystem, das die negativen Seiten kapitalistischer Ökonomie beseitigen sollte. Das private Eigentum an Produktionsmitteln sah man als Ursache der „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“. Dies galt es zu abzuschaffen und stattdessen die Wirtschaft planvoll im vornherein zu lenken, um mannigfaltige Verluste und Kosten zu vermeiden. 9 Der sowjetische Sieg im Zweiten Weltkrieg lieferte zusätzlich Motiv durch die Behauptung, die politische Planwirtschaft hätte den Sieg erst ermöglicht. 10 Außerdem spielte die Mangelsituation der unmittelbaren Nachkriegsjahre eine Rolle, von der viele glaubten, ihr wäre nur mit strikten Bewirtschaftungsmethoden entgegenzutreten. 11 So kam es, dass sich der östliche Teil Deutschlands in eine Planwirtschaft verwandelte, welche als „Zentralverwaltungswirtschaft sowjetischen Typs“ bezeichnet wird. 12 Im Angesicht wirtschaftlicher und sozialer Folgen des Zweiten Weltkrieges stand die Verwaltung der ostdeutschen Arbeitsverwaltung vor beachtlichen Aufgaben. Unter anderem musste sie sowjetischen Reparationsforderungen nachkommen, die zurückkehrenden Soldaten in die Arbeitswelt eingliedern und Flüchtlinge und Vertriebene mit Arbeit beschäftigen. 13 Ebenso die materiellen Voraussetzungen nach Kriegsende waren es, die die spätere Wirtschaftsentwicklung der DDR eindringlich prägten. 14 Gesagt werden kann, dass die sowjetischen Demontagen im Osten des Landes viel umfangreicher waren als im Westen und die sowjetischen Entnahmen aus laufender Produktion, die verfügbares
8 Schulz/ Wagener (2007): S. 118.
9 Vgl. Steiner. In: Schulz/ Wagener (2007): S. 136.
10 Vgl. Judt (1998): S. 93.
11 Vgl. Schulz/ Wagener (2007): S. 118.
12 Gutmann (1990): S. 3.
13 Vgl. Hoffmann (2002): S. 538.
14 Vgl. Judt (1998): S. 89.
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Arbeit zitieren:
Katharina Bucklitsch, 2007, Planwirtschaft in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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