Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Zeit im Wandel. 4
2. Qualitäten der Mediennutzung und Medienästhetik. 5
3. Massen- vs. Individualmedium. 7
4. Fernsehen als kulturelle Ware. 8
5. Medienzeitbudget. 9
6. Bedeutung der Fernsehforschung. 10
7. Auswertung der Forschungsergebnisse. 11
8. Veränderungen der Fernsehnutzung. 13
9. Fernsehrezeption von Kindern und Jugendlichen. 15
10. Ausblick: Delphi-Befragung. 17
11. Nullmedium Fernsehen? 18
12. Schlussbetrachtung. 19
13. Quellenverzeichnis. 21
2
1. Einleitung: Zeit im Wandel
„Um dich begreiflich zu machen, musst du zum Auge sprechen! (Gottfried Herder) 2
Für das Lesen der folgenden Seiten benötigt der Geneigte in etwa eine halbe Stunde. Zeit, die er an gleicher Stelle für keine andere Beschäftigung aufwenden kann. In eben dieser Zeit möchte ich mich über die Nutzung der selbigen auseinander setzen in zweifacher Art und Weise. Zum einen geht es um die kulturelle Verwendung und Aneignung von Medien und die Barriere zwischen Kunst und Kommerz Zum anderen will ich die ökonomischen Aspekte der Mediennutzung ansprechen sowie den Unterhaltungswert des Fernsehens und das Rezeptionsverhalten seiner Nutzer.
Was stellt der Mensch mit seiner freien Zeit an, warum nutzen wir Medien überhaupt und welche Wichtigkeit haben dabei statistische Zahlen und Einschaltquoten? Immer wieder natürlich mit dem Anspruch auf eine gewisse Ästhetik, die fortlaufend in Frage gestellt werden sollte?! Wichtig finde ich eine Auseinandersetzung aus dem Grund, da wohl zu recht behauptet werden kann, dass die Mediennutzung in unserer heutigen Gesellschaft die häufigste und für viele auch die wichtigste Beschäftigung ist. Die rasende Sucht nach Rekorden wohnt so wohl dem Medium Fernsehen inne wie keinem anderen bisher. Es gab schon dreitägige Opern-Aufführungen als Live-Übertragung auszuhalten, den allergrößten Bildschirm der Welt hatten wir gerade noch bis gestern, übermorgen wird der nur noch wie ein Daumenkino anmuten. Das immer Flachere gilt als das Maß für die Dimension der Empfangsgeräte wie für das Angebot der Sender. Die „Glotze“ ist Inbegriff für die bevorzugte und wohl am meisten verbreitete Weise der Rezeption. „Du bist, was Du siehst, bist das, was sich in Dich hineinversendet.“, „Du bist die Antenne der dialektischen Wellen“. Wo Strom fließt, kann auch das Wechselspiel von Sinn und Unsinn die Spannung erzeugen. Also lieber Leser, seien Sie gespannt auf die folgenden Zeilen und..., nehmen Sie sich die Zeit.
2 Zit. In: Bredemeier/ Schlegel (1991): S. 9.
4
2. Qualitäten der Mediennutzung und Medienästhetik
In neueren Debatten zu den Wechselwirkungen zwischen Medien- und Kulturentwicklung wird den Medien meistens eine herausragende und zudem immer noch wachsende kulturelle Bedeutung beigemessen. Weniger einig ist man sich allerdings, ob die Entwicklung der Kultur tendenziell in der Medienentwicklung aufgeht. 3 Die Wichtigkeit der Medien wird in den Raum gestellt, welche Faulstich auch als die Ära der „Geschichte der Ästhetik der Medien“ bezeichnet. Damit liegt der Begriff der Medienästhetik sehr nah, da sie sich auf die Möglichkeiten und Grenzen der künstlerischen Gestaltung und Wirkung im Rahmen der jeweiligen Medien im Alltag bezieht. Das Wort „Medium“ wird dabei einmal als technischer „Kanal“, als bloßer „Vervielfacher“ und „Transporteur“, als „Hülle“ begriffen - so etwa das Fernsehen; zum anderen werden drei „Medien ästhetischer Kommunikation“ definiert: Geschmack, Stil und Zeitgeist. Sicherlich darf das Ästhetische nicht auf Kunst reduziert werden, sondern vielmehr sollte Medialität als Kategorie der ästhetischen Repräsentation fiktionaler Vermittlung unserer gesamten Kultur begriffen werden. 4 Dabei geht es darum, „einige traditionelle [...] Begriffe der Ästhetik im Blick auf das Fernsehen neu zu denken und zu modifizieren“. 5 Die Aussagen beruhen freilich nicht auf der Behauptung, dass es beispielsweise grundsätzlich (k)eine Ästhetik des Fernsehens gibt, sondern vielmehr findet eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik statt, die Genanntes auch immer wieder in Frage stellt. Spricht man heute vom Ästhetischen, ist nicht selten die Rede von einer anderen Bezeichnung „für die scheinhafte Anwesenheit, für eine auf den Wahrnehmungsvollzug gerichtete Aufmerksamkeit, für eine sinnliche Sinnhaftigkeit und oft schlicht für die Wahrnehmbarkeit einer Sache“. 6 Ästhetiken traten immer wieder mit dem Anspruch auf, Grundlagen für zukünftige Entwicklungen nicht ausschließlich auf dem Gebiet der Kunst, sondern ebenfalls in den Bereichen der Gesellschaft und Kultur zu legen. 7 Böhme spricht von einer zunehmenden „Ästhetisierung der Lebenswelt“ 8 und schildert die Entwicklung der modernen Kunst, in der das Sein verdrängt werde durch den Schein, was für den Rezipienten eine bloße Wahrnehmung, nicht mehr Interpretation der Werke bedeute. Deutlich wird, dass sich die Barrieren
3 Vgl. Paschen/ Wingert/ Coenen/ Banse (2002): S. 13.
4 Vgl. Faulstich (2004): S. 93.
5 Gendolla/ Ludes/ Roloff (2002): S. 46f.
6 Wiesing (1997): S. 9.
7 Vgl. Wiesing (1997): S. 11.
8 Ebd.: S. 173.
5
zwischen Kunst und Kommerz längst verwischt und teilweise aufgelöst haben 9 und die Kunst sich immer mehr in den Blickpunkt des Alltags verschoben hat. Gesagt werden kann, dass „das Entstehen neuer Medien, Gattungen und Genres [...] stets auch verändernd auf bereits Vorhandenes gewirkt“ hat. 10 Die Medien des 20. Jahrhunderts ermöglichen eine Interaktion mit völlig neuen Kunstformen: Multimedia-Performances, webbasierte Kunst, Digitalfotografie etc. Gab es jedoch einst noch recht unverkennbare Abweichungen der Genres, welche in zunehmendem Maße in Beliebigkeit des Gebrauchs der technisch frei verfügbaren, zudem individuell manipulierbaren Kunstleistung aufgehoben wurden, sind heute alle Genreformen in Presse, Funk, Fernsehen in einem neuen Gesamtkonzept vorhanden: in politischer Information, Sportberichten, Reportagen, Reiseberichten, Werbung usw. Die neue Ästhetik der Medien untersucht also diejenigen Lebensbedingungen und Lebenstätigkeiten, „in denen die Individuen ihre Entwicklungsmöglichkeiten in gestalthafter Form erfahren, in denen individuelle Subjektivität über die Gestaltqualität von Lebenstätigkeit und Beziehungen zur Anschauung gebracht wird und damit zum Objekt kommunikativen Genusses - in diesem Sinne des sozialen Selbstgenusses - wird“. 11 Dabei sei das Fernsehen, so Roloff, durch die inszenierten Wahrnehmungsformen und Sinnlichkeit der aisthesis im ursprünglichen Sinne des griechischen Wortes zuzuschreiben. Es gehe um besondere Formen der sinnlichen, audiovisuellen Wahrnehmung, deren Komplexität und Eigenart nur im Blick auf die historischen Dimensionen und Spielräume der Ästhetik erfasst werden können. 12 Als entscheidendes Medium habe das Fernsehen „die Wirksamkeit und Dynamik des Spektakulären der Gesellschaft repräsentiert und vermittelt“, da es an den meisten Sport-, Musik- oder Politikereignissen (un)mittelbar beteiligt sei. 13 Es finde dementsprechend eine kulturelle Auseinandersetzung statt. Cavell hingegen meint, dass „es bis jetzt noch nicht gelungen ist zu begreifen, wofür das Medium“ Fernsehen da ist; was seine Besonderheiten und Stärken sind. 14 „Die tatsächlichen Gestaltungsformen, die vorhandenen Oberflächen und ästhetischen Erfahrungen oder die Erscheinung des Fernsehens werden weder im journalistischen noch im medienwissenschaftlichen Rahmen systematisch als ästhetische Phänomene reflektiert.“ 15 Diesem Phänomen sollte man sich stellen und versuchen eine neue Art
9 Vgl. Ebd.: S. 12.
10 Friebach/ Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978): S. 496.
11 Ebd.: S. 258.
12 Vgl. Gendolla/ Ludes/ Roloff (2002): S. 45f.
13 Vgl. ebd.: S. 55f.
14 Adelmann (2002): S.128
15 Adelmann/ Stauff. In: Fahle/ Lorenz (2005): S. 55.
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Arbeit zitieren:
Katharina Bucklitsch, 2007, Zeitversendung: Eine Untersuchung der wachsenden Fernsehnutzung und Medienabhängigkeit , München, GRIN Verlag GmbH
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