Freie Universität Berlin Otto-Suhr-Institut Fachbereich Politikwissenschaft Hausarbeit von Robert Kneschke PS 15133 „Medien der Politikanalyse“ Wintersemester 2002/2003
Politikanalyse in Comics
Inhaltsverzeichnis
1. Vorgehensweise 4
1.1 Was sind Comics 4
1.2 Kurze Geschichte der Comics 6
1.3 Unterschiede zwischen Comics und Karikaturen 7
1.4 Was ist Politikanalyse 7
2. Quantität der Politikanalyse in Comics 8
3. Qualität der Politikanalyse in Comics 11
3.1 Die Montage 12
3.2 Beeinflussung der Lesegeschwindigkeit 13
3.3 Beeinflussung der Zeit 13
3.4 Benutzung von Symbolen 14
3.5 Die Aufteilung der Panels 15
3.6 Zusammenspiel zwischen Wort und Bild 15
3.7 Humor und Fiktion 16
3.8 Die Nutzung von Farbe 18
4. Einschränkungen des Comic-Genres 18
5. Die Lektüre von Comics 19
6. Zusammenfassung 19
Literaturverzeichnis 20
Bücher Dissertationen: 20
Zeitungs- und Zeitschriftenartikel: 21
Comics: 22
3
1. Vorgehensweise
In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie Politik in Comics analysiert wird. Welche comicspezifischen Mittel werden dazu genutzt, was sind die Stärken der Comics, was können sie nicht leisten? Dafür werden zuerst Comics definiert und es wird ein kurzer geschichtlicher Ablauf aufgezeigt. Politikanalyse wird ebenfalls definiert. Karikaturen als Vorläufer und nahe Verwandte der Comics werden verglichen, um beide voneinander abzugrenzen. Dann wird ein Blick auf die Verbreitung von Politikanalyse in Comics geworfen und schließlich die Qualität der Analysen betrachtet. Dabei wird untersucht, inwieweit einzelne Stilmittel des Comic-Genres zu einer Politikanalyse beitragen können.
Die Quellenlage zum Thema ist leider gering. Es gibt Literatur über Politikanalyse und viel Sekundärliteratur über Comics. Untersuchungen über Politikanalyse in Comics sind jedoch fast nicht zu finden. Eine löbliche Ausnahme ist "Comic Books as History" von Joseph Witek, allerdings legt das Buch den Schwerpunkt auf die Analyse der Erzählperspektive. Zwar gibt es Bücher, die sich mit der Politikanalyse in Karikaturen befassen, das verwandte Medium Comic wird dabei jedoch meist außen vor gelassen. Außerdem erschien die gefundene Literatur meist zwischen 1970 und 1990. Auf dem deutschen Markt erschienen in den letzten Jahren nur ein Comic-Lexikon, welches Charaktere und Zeichner auflistet (Feige 2001) und 1994 ein Buch über Comics in der DDR mit dem Schwerpunkt auf Zensurmaßnahmen Comics gegenüber.
1.1 Was sind Comics?
Wie bei so vielen Phänomenen gibt es auch für Comics keine allgemeingültige Definition. Die Spannbreite der Comics reicht je nach Definition von allen "narrativen Bilderfolgen" bis hin zu "gezeichneten Bilderfolgen, die – mit Ausnahme der elektronisch-akustischen – in allen Medien präsent“ seien und ausdrücklich animierte Filme einschließen (Dolle-Weinkauff 1990:14). Die weiteste Definition beschränkt sich auf das Vorhandensein mehrerer Bilder, um von einem Comic zu sprechen (Kaps 1990:38).
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Innerhalb dieser sehr großzügig ausgelegten Definitionen hat sich eine andere Definition herausgebildet (vgl. u.a. Feige 2001, Fix 1996, Kaps 1990, Dolle-Weinkauff 1990, Barker 1989, Witek 1989, Knigge 1985, Gubern 1979). Auch die ist zwar nicht universell, doch mittlerweile weit verbreitet und meiner Ansicht nach gut geeignet, um zum Beispiel die Bildergeschichten eines Wilhelm Busch oder Trickfilme von "Comics" zu unterscheiden. Die Definition enthält drei grundlegende Punkte.
1. Die Handlung eines Comics muss in einer Folge von Einzelbildern (sog. Panels) gezeigt sein. Einige Definitionen (z.B. Zimmermann 1969:62) gehen davon aus, dass in den Bildern eine Geschichte erzählt werden muss, es also nicht ausreiche, wenn eine Person einen Monolog führe.
2. Comics haben wiederkehrende Charaktere. Hier wird manchmal zwischen dem Comic als Literaturform und dem Trägermedium getrennt. Letzteres kann zum Beispiel durchaus in jeder Ausgabe andere Charaktere präsentieren, die in der Comic-Serie trotzdem wiederkehren (vgl. Dolle-Weinkauff 1990).
3. Ein visuelles und ein verbales Zeichensystem müssen gleichzeitig auftreten, das heißt, Bilder werden mit einem Text in Form von Sprechblasen, Blockkommentaren oder lautmalerischen Zeichen, Phoneme genannt, ("Klirr", "Peng", "Zisch", "Knall") kombiniert; meist dominiert der Bildanteil.
Einige Definitionen erweitern diese Punkte zum Beispiel durch "Comic-Konventionen" (vgl. Barker 1989:9) bzw. integrieren diese in obige Punkte. Damit sind bestimmte Regeln gemeint, die allen Comics gemein sind: Die Größe der Schrift impliziere die Lautstärke der gesprochenen Sätze, eine Glühbirne über einem Kopf symbolisiere eine Idee, die verschiedenen Einzelbilder zeigen eine Zeitfolge, gerade Linien hinter einer Figur implizieren Bewegung und so weiter.
Andere Definitionen weisen auf die Fiktionalität der Geschichten hin, die jedoch – Comic-Serien wie "Im Schatten keiner Türme" über den 11. September 2001 (vgl. Spiegelmann 2002) beweisen das – ebenfalls nicht zwangsläufig gegeben sein muss. Das Gleiche gilt für die Periodizität der Geschichten, die in einigen Definitionen gefordert wird (vgl. Zimmermann 1969:62)
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Weil das vielschichtige und experimentelle Phänomen Comic immer wieder Ausnahmen hervorbringt, kann keine Definition den Begriff vollständig fassen. Deshalb ist es angebracht, von einem Comic zu sprechen, wenn eine Vielzahl obiger Kriterien erfüllt ist.
1.2 Kurze Geschichte der Comics
Die Geschichte der Comics wird schon immer "mehr vom Kommerz als von der Kunst" bestimmt (Zimmermann 1969:62, vgl. Videlier 1996). Der erste Comic "The Yellow Kid" erscheint 1896 in den USA in der New York World. Das Konkurrenzblatt New York Journal beginnt 1897, mit "The Katzenjammer Kids" einen anderen Comic regelmäßig zu drucken. Sind die Comics bis in die Dreißiger Jahre meist lustige Geschichten mit Kindern und Tieren, entsteht 1929 mit "Tarzan" der Vorreiter einer Reihe von ernsteren Abenteuergeschichten. Detektive wie "Dick Tracy", Ritter wie "Prinz Eisenherz" und Superhelden wie "Flash Gordon" und "Superman" beginnen, in Comics ihre Plätze zu finden. 1929 bis 1940 gelten als "das Goldene Zeitalter der Comics", vor allem in den USA (Gubern 1978:8). Nachdem besorgte Eltern Widerstand gegen den "Schund" organisieren, wird 1954 in den USA der "Comic Act" als Selbstverpflichtung der Comics Magazine Association of America eingeführt, der es unter anderem verbietet, Schweißperlen zu zeigen (Althen 1995:97). Diese Selbstzensur enthält außerdem die Verpflichtung, zum Beispiel keine Morde an Polizisten, glückliche Kriminelle, korrupte Autoritäten, Drogengebrauch, Scheidungen oder erfolgreiche Verbrechen zu zeigen (Witek 1989:48).
Ein Jahr später, 1955, wird in Deutschland ebenfalls unter Druck der Öffentlichkeit die „Freiwillige Selbstkontrolle für Serienbilder“ eingeführt, um „gröbere Verstöße gegen ‚abendländische’ Vorstellungsklischees zu unterbinden (Pforte 1969:24). Durch diesen äußeren Rahmen kann Politikanalyse schlecht funktionieren, da in der Realität diese "heile" Welt eben nicht immer existiert.
In Frankreich entstehen in den fünfziger Jahren einflussreiche Comics wie "Asterix", "Tim und Struppi". In den sechziger Jahren beginnen vereinzelt Serien mit sozialen Kommentaren zu erscheinen, wie zum Beispiel "Doonesbury", "Pogo" oder "Bloom County". Erst 1971 wurde der "Comic Act" in den USA erheblich gelockert, aber von den großen Verlagen unabhängige Zeichner haben ihre Chance bereits genutzt. Underground-Comics wie "Fritz the Cat" oder "Fabulous Furry Freak Brothers" etablieren sich in alternativen Medien (O' Sullivan
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Arbeit zitieren:
Dipl. pol. Robert Kneschke, 2003, Politikanalyse in Comics, München, GRIN Verlag GmbH
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