Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Ideal der Tugend- Was ist tugendhaft 4
2.1. Allgemeine Definitionen von Tugend 4
2.2. Der Tugendbegriff in der Zeit von Lessing (17 Jahrhundert) 4
2.3. Der Tugendbegriff in Lessings Dramen 6
3. Miss Sara Sampson 7
3.1. Einführung in das Drama 7
3.2. Fremd- und Eigencharakterisierung der Figur Sara Sampson 8
4. Inwieweit entspricht die Figur Sara Sampson dem Tugendideal der Zeit Lessings 13
5. Persönliche Stellungnahme 17
6. Literatur 19
7. Anhang: Zusammenstellung der Textpassagen zur Fremd- und Eigencharakterisierung von
Sara Sampson 20
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1. Einleitung
Tugendhaft- als ich letztens in einer Runde mit Freunden fragte, was sie darunter verstehen kamen verschiedene Antworten. Der eine meinte, es wäre ein altmodisches Wort. Eine andere sagte, es wäre so etwas wie zurückhaltend, abstinent, keusch, bescheiden und ernst, irgendwie nicht fröhlich. Als ich fragte, ob sie „tugendhaft“ als etwas Positives auffassen würden, sagten sie nein, weil es altmodisch und ernst sei und „etwas Zwanghaftes“ besäße. Was ist tugendhaft und mit welchen Assoziationen und mit welcher Konnotation wurde dieses Wort in der Zeit von Lessing gebraucht?
Ich habe dies an dem Charakter Miss Sara Sampson aus dem gleichnamigen Drama von Lessing untersucht.
Ich habe zunächst den Begriff „tugendhaft“ definiert. Einmal in allgemeiner Hinsicht und zum zweiten aus den Vorstellungen der Zeit Lessings (17. Jahrhundert). Welche Charaktereigenschaften musste ein Mädchen zu Zeiten Lessings haben, um tugendhaft zu sein?
Danach habe ich Miss Sara Sampsons Charaktereigenschaften aufgrund der Fremd- und Eigencharakterisierung im Drama untersucht. Vorher erschien mir eine kurze Einführung in das Drama anhand einer kurzen Inhaltsangabe sinnvoll, damit der Kontext, aus dem die Figur stammt und in dem sie sich selber charakterisiert und von anderen charakterisiert lässt, verständlich wird.
Danach habe ich die Charaktereigenschaften von Sara Sampson auf das vorher erstellte Profil des Tugendideals der Zeit Lessings bezogen.
Inwieweit entspricht das Charakterprofil von Sara Sampson dem Tugendideal der Zeit von Lessing? Ist Sara Sampson im Sinne der Moralvorstellungen des 17. Jahrhunderts tugendhaft? Eine persönliche Stellungnahme schließt die Hausarbeit ab
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2. Das Ideal der Tugend- Was ist tugendhaft?
2.1. Allgemeine Definitionen von Tugend
Der Brockhaus schreibt, dass Tugend aus drei Richtungen unterschiedlich verstanden werden kann. Er nennt zunächst die Ethik, in deren Sinne die Tugend die „ursprüngliche Tauglichkeit oder Tüchtigkeit einer Person oder Sache“ (Brockhaus, S.101) ist. Dabei ist nicht nur die Handlung tugendhaft, sondern auch die innere Haltung der Person. Hier wird die Richtungstugend (Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit) und die Haltungstugend (Mut, Geduld, Fleiß) unterschieden. Die Richtungstugend enthält dabei die Forderung „auf besondere Handlungsziele“ (Brockhaus, S.101), die Haltungstugend zeigt hingegen die „Festigkeit gegenüber sittlichen Versuchen“ (Brockhaus, S.101). Die Ethik sieht die Tugend immer von zeitlichen Umständen sowie von kulturellen Umständen abhängig.
Als zweites nennt der Brockhaus die Christliche Sittenlehre, in der Tugend auch den „Früchten des Geistes“ gleichgesetzt werden kann. Dies sind z.B. Liebe, Freude, Geduld, Frieden, Treue und Freundlichkeit oder die „drei Göttlichen Tugenden“: Glaube, Hoffnung und Liebe.
Im Mittelalter wurde Tugend als das Gegenteil von Laster gesehen. Das Fundament der Tugend war die Glaubensbindung an Gott.
In der Religionsgeschichte wird Tugend als „die Verwirklichung sittlicher und religiöser Werte als Voraussetzung heilvoller Verbindung mit der Gottheit“ (Brockhaus, S.102) gesehen. Die Tugenden beziehen sich hier hauptsächlich auf die sozialen Tugenden, also das Verhalten des Menschen in einer Gemeinschaft.
Zusammenfassend kann man also Tugend in religiöser Hinsicht mit der Bindung an Gott gleichsetzen, aus der positive Eigenschaften und Taten des Menschen entspringen. Die Ethik spricht hingegen nicht von Gottverbundenheit, nennt Tugend aber auch die Tüchtigkeit eines Menschen aus der gute Taten entspringen.
Zu der Frage, wie der Begriff der „Tugend“ heute konnotiert ist, schreibt der Brock leider nichts.
2.2. Der Tugendbegriff in der Zeit von Lessing (17. Jahrhundert)
Ingen schreibt, dass die Frömmigkeit eine unabdingbare Eigenschaft des tugendhaften Menschen ist (vgl. Ingen, S.47). Ein tugendhafter Mensch ist fromm, also gottverbunden. Außerdem gehören „zartfühlende Liebe und gefühlsstarke Religiosität“ zu den Eigenschaften eines tugendhaften Menschen im 17. Jahrhundert. Dies deckt sich mit der Definition der
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christlichen Sittenlehre aus dem Brockhaus (siehe oben). Die Moralvorstellungen der Zeit sind noch stark „vom religiösen Geist bestimmt“ (Ingen, S.54).
Auch Peter Weber schreibt über den Tugendbegriff im 17. Jahrhundert, dass sie eine christliche Schicksalsergebenheit ist, die „Bereitschaft zum Leiden im Dienste des Tugendideals“ (Weber, S.126).
Die moralische Pflicht eines jeden Menschen ist es sich in sein Schicksal zu begeben (vgl. Brüggemann, S.74/75). Dabei geht es aber nicht darum, unempfindlich gegenüber des Schicksals zu sein, sondern etwas, was man nicht ändern kann, mit Geduld zu ertragen. Es geht darum ein leidender und mitleidender, empfindsamer Mensch, kein stoischer, unempfindlicher, stolzer Mensch zu sein (vgl. Weber, S.128). Deshalb ist auch Tränenreichtum ein „Merkmal des tugendhaft-frommen Menschen“ (Ingen, S.52). Er empfindet Wehmut, Sehnsucht, Unmut, Trauer, Dank und Freude (vgl. Ingen, S.52). Der tugendhafte Mensch ist ein empfindender Mensch, denn nicht nur die Vernunft führt zur Moralität oder Tugend, sondern auch das Gefühl, denn das Gesetz Gottes wird durch das Gefühl wahrgenommen (vgl. Weber, S.123).
Gellert nennt aber noch weitere Eigenschaften eines guten und tugendhaften Menschen: „Der vollkommene Christ würde zugleich der liebreichste, dienstfertigste, friedlichste und durch alle diese Eigenschaften des Herzens der angenehmste Gefährte des Lebens seyn.“ (Gellert, nach Weber, S.125). Gellert nennt also als Ergänzung zu einem tugendhaften Charakter noch Friedfertigkeit, Hilfsbereitschaft und die Fähigkeit Liebe zu empfinden und zu geben.
Der Gegensatz der Tugend ist das Laster (vgl. Ingen, S.54). Ein lasterhafter Mensch besitzt schlechte Eigenschaften wie z.B. die Kunst sich verstellen zu können: „wer sein wahres Gesicht hinter einer Maske verbarg, galt in pietistischen Kreisen als lasterhaft“ (Ingen, S.52). Auch galt es im 17. Jahrhundert als Charakterfehler, wenn man sich gegen die Liebe eines Menschen unempfindlich zeigen würde (vgl. Ingen, S.55). Auch Rache wurde als gotteslästerlich empfunden, weil man Gott eigenmächtig in der Gestaltung des Schicksals vorgreifen würde. Auch der Selbstmord wurde als eigenmächtiges Vorgreifen empfunden (vgl. Brüggemann, S.76). Als weitere lasterhafte Eigenschaften wurden Egoismus, Eigenliebe, Stolz, Eigennutz und Wollust angesehen (vgl. Weber, S.126). Auch Sinnlichkeit und Sorglosigkeit können dazu führen das „Gute“ zu unterdrücken und lasterhaft zu sein (vgl. Weber, S.130).
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Um noch einmal einen Überblick zu geben werde ich die Eigenschaften eines tugendhaften Menschen im Folgenden in Stichworten zusammenfassen. Man kann es auch als „Profil“ eines tugendhaften Menschen betrachten.
Ein tugendhafter Mensch ist:
- fromm und religiös,
- schicksalsergeben, aber nicht stoisch
- fähig zu Leid, Mitleid und Empfindsamkeit, sodass er auch weint
- friedfertig, hilfsbereit, fähig Liebe zu empfinden und zu geben
- gefühlsbetont, also manchmal wehmütig, sehnsüchtig, traurig, dankbar und freudig
Ein tugendhafter Mensch hat folgende Eigenschaften nicht:
- Unempfindsamkeit gegen die Liebe eines anderen Menschen
- Kunst, sich verstellen zu können
- Egoismus, Eigenliebe, Eigennutz
- Stolz und Rachesüchtigkeit
- Sorglosigkeit
- Wollust und Sinnlichkeit
2.3. Der Tugendbegriff in Lessings Dramen
In Lessings Dramen spielt der Tugendbegriff eine sehr große Rolle (vgl. Ingen, S. 45) „aber seine wesentlichen Merkmale werden nur in Umrissen sichtbar. Seit dem 17. Jahrhundert war die Tugend- wie ihr Gegenteil: das Laster- im Drama ein stereotyper Begriff, dessen Inhalt meist recht vage bleibt; die dem Zeitgenossen vertrauten Moralvorstellungen machten eine nähere Erläuterung überflüssig.“ (Ingen, S.45). Diese Moralvorstellungen des 17. Jahrhunderts sind es, die es uns Menschen aus dem 21. Jahrhundert erschweren, die Dramen von Lessing genau in demselben Kontext zu sehen, wie Menschen damals, denn die Moralvorstellungen heute unterscheiden sich stark von den Moralvorstellungen damals. Ingen erwähnt aber auch, dass Lessing genaue Vorstellungen von „Mitleid und tugendhafter Vollkommenheit“ (Ingen, S.51) hatte. Er hatte nicht nur genaue Vorstellungen von dem Inhalt des Tugendbegriffs, sondern auch genaue Vorstellungen zu der Einsetzbarkeit dieses Tugendbegriffs (und des Mitleids) in das dramatische Geflecht eines Theaterstückes. Zudem hatte er genaue Vorstellungen, wie Theaterstücke auf die Zuschauer wirken sollten. Nach Lessing sollte eine Figur eines Dramas immer tugendhaft sein, damit man für ihn Mitleid empfinden kann. Der Held muß in eine Situation geraten, in dem er seine
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Ursula Mock, 2004, 'Tugend', Munich, GRIN Publishing GmbH
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