Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltsverzeichnis 1
2. Einleitung 2
3. Was ist soziale Emergenz? 3
4. Theorie nach Max Weber 4
4.1 Handlungsbegriff (Ego) 4
4.2 Soziales Handeln, soziale Beziehung, soziale Ordnung als Ego-Alter-Konstellation
und soziale Emergenz. 6
5. Theorie nach Parsons. 9
5.1 Handlungstheorie (Ego) 9
5.2 doppelte Kontingenz, soziale Ordnung als Ego-Alter-Konstellationen und soziale
Emergenz. 11
6. Vergleich beider Theorien 13
8. Fazit 16
1
2. Einleitung
„Parsons’ gesamte Ordnungsarchitektonik muß an jedem Punkt von oben nach unten gelesen werden. [...] Den gegenläufigen Prozeß, daß [...] innovative Institutionalisierungsprozesse gleichsam von ‚unten nach oben’ Ordnung konstituieren [...], gemäß Webers Strategie [...], kommt Parsons nicht in den Blick.“ 1
Ist das wirklich so? Muss man bei Parsons seine sozialtheoretischen Ansätze von „oben nach unten“ lesen und bei Weber umgekehrt, von „unten nach oben“? Zunächst muss einmal geklärt werden, was überhaupt mit den Richtungen „von unten nach oben“ und von „oben nach unten“ gemeint ist. Wie der Titel dieser Ausarbeitung schon anklingen lässt, geht es hier um soziologische Theorienvergleiche. Es soll untersucht werden, welche sozialtheoretischen Ansätze die Soziologen Talcott Parsons und Max Weber vertreten. Genauer: Welche Auffassungen sie vom Handeln eines einzelnen Akteurs 2 (Ego 2 ), vom Handeln zweier Akteure (Ego und Alter 2 ) und vom Handeln mehrerer Ego-Alter-Beziehungen (Gesellschaft) haben. Diese Theorienanalyse soll mit besonderer Rücksicht auf die soziale Emergenz betrachtet werden. In Kapitel 2 soll genauer erklärt werden, was darunter zu verstehen ist. Entscheidend bei der Frage, ob von „unten nach oben“ oder umgekehrt, ist die Herangehensweise der beiden Soziologen. Werden die Handlungsstrukturen von Ego durch einen allgemeingültigen gesellschaftlichen Orientierungsrahmen beeinflusst und damit von „oben nach unten“ erklärt? Oder wird gesellschaftliche Ordnung aus den Handlungen einzelner Individuen abgeleitet und damit „von unten nach oben“ erklärt?
Genau das soll die entscheidende Frage dieser Arbeit sein. Dieser Frage bzw. diesen Fragen soll nachgegangen werden und sie sollen vor dem Hintergrund der sozialen Emergenz untersucht werden. Dabei ist die Arbeit so strukturiert, dass in Kapitel 3 die soziale Emergenz genauer erklärt wird, danach in Kapitel 4 und 5 die beiden Theoretiker einzeln betrachtet werden und sie in Kapitel 6 miteinander verglichen werden. Am Ende der Arbeit erfolgen ein Fazit und ein Rückgriff auf die hier eingangs gestellten Fragen.
Als orientierende Basisliteratur, auf die ich mich für diese Arbeit beziehe, dient das von Wolfgang Ludwig Schneider erschienene „Grundlagen der soziologischen Theorie 1 - Weber - Parsons - Mead - Schütz (Bd. 1)“.
1 Schwinn, Thomas: S. 94.
2 mit der maskulinen Form ist auch die feminine Form berücksichtigt.
2
3. Was ist soziale Emergenz?
Soziale Emergenz ist in diesem Zusammenhang der Hauptaspekt der Theorienvergleiche. Aber was ist darunter zu verstehen? Das Phänomen der sozialen Emergenz ist nicht einfach fest und klar zu definieren. 3 Trotzdem soll hier ein Versuch unternommen werden, dieses Phänomen deutlicher zu machen.
Emergente Phänomene treten in globalen, gesellschaftlichen Systemen auf. Sie sind daran zu erkennen, dass sie in niedrigen gesellschaftlichen Ebenen (also kleiner werdende Anzahl von Akteuren) unvorhersagbar sind. In diesen gesellschaftlichen Systemen lassen sich emergente Phänomene nicht auf einzelne Akteure zurückführen. 4
Keith Sawyer spricht hier von einem „paradigm of complexity“ 5 , also von einem Komplexitätsparadigma. Komplexitätstheoretiker stellten nach Sawyer fest, dass soziale Emergenz in Systemen zu finden ist, wo viele Akteure in dichten und verwobenen Netzwerken handeln und wo gesellschaftliche Eigenschaften nicht bei einzelnen Akteuren geortet werden können. Außerdem tritt Emergenz da auf, wo ein allumfassendes gesellschaftliches System nicht in Subsysteme und Unter-Subsysteme unterteilt werden kann und wo Akteure interagieren, die sich einer komplexen und hochentwickelten Kommunikation bedienen.
Um das deutlicher zu machen, lassen sich an dieser Stelle zwei Beispiele nennen. Die in einem Vogelschwarm existierenden Kommunikationen setzen einfache Regeln voraus, die aber erst durch die hohe Zahl der Vögel in einer Gruppe konstituiert werden. 6 Märkte sind auch Beispiele für Emergenz: Erst die Masse der Handelnden macht einen komplexen Markt aus. Was wäre ein wirtschaftlicher Markt ohne Betriebe, Beschäftigte und Kunden? Bei einem einzelnen Akteur lassen sich die Eigenschaften der Märkte jedoch nicht nachzeichnen. Erst bei der Menge an Akteuren, die an einem Markt beteiligt sind, lässt sich das (emergente) Phänomen „Markt“ feststellen.
Dennoch versuchen Soziologen, emergente Phänomene von „unten nach oben“ durch den methodologischen Individualismus zu erforschen. Diese Herangehensweise führte dazu, dass man eine Unterscheidung in starke und schwache Emergenz vornehmen muss. Starke Emergenz sei dasjenige Phänomen in der Gesellschaft, das soziale Ordnung nicht auf das Handeln einzelner Akteure zurückzuführen sei und schwache Emergenz sei das gesellschaftliche Phä-
3 Sawyer,Keith: S. 4.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Ebd., S. 4f.
3
nomen, das die soziale Ordnung der Gesellschaft über das Handeln der einzelnen Akteure und der Ego-Alter-Beziehungen konstituiert. 7
4. Theorie nach Max Weber
4.1 Handlungsbegriff (Ego)
Bevor man Aussagen über die emergente Ordnung von Max Weber machen kann, muss zunächst geklärt werden, wie Weber Handlung überhaupt definiert und wie eine Interaktion zwischen Ego und Alter vor sich gehen kann.
In einem ersten Schritt unterscheidet Weber Verhalten und Handeln. Verhalten ist durch den Beobachter von außen sichtbar. Handeln ist sinnhaftes Verhalten. Schneider nennt hier das Beispiel, dass jemand eine Tür öffnet. Jemand bewegt sich auf eine Tür zu, streckt den Arm heraus, umfasst die Türklinke und drückt sie herunter und öffnet die Tür. Jemand hat also mit seinem Verhalten einen (subjektiven) Sinn verbunden, nämlich das Öffnen der Tür. Dies ist laut Weber Handeln. Wenn jemand aber gestolpert ist und dabei zufällig die Tür geöffnet hat, so ist das reines Verhalten, weil kein Sinn mit dem Verhalten verbunden wurde. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der subjektive Sinn des Verhaltens immer vom Beobachter unterstellt wird. Der subjektive Sinn unterteilt sich nach Weber in aktuelles und erklärendes Verstehen. Das aktuelle Verstehen stellt die Frage, welche Handlung vollzogen wurde und das erklärende Verstehen geht der Frage nach, warum diese Handlung vollzogen wurde. Weber geht noch einen Schritt weiter und definiert das soziale Handeln. Soziales Handeln sei ein Handeln, welches sich auf das Verhalten anderer bezieht. Jedoch muss man analog zu der gerade genannten Definition hier kritisch fragen, ob sich Handeln auf das Verhalten oder auf das Handeln anderer bezieht (s. 4.2). Beides ist durchaus denkbar, wird bei Weber aber nicht erwähnt. Weber untersucht auch die Beweggründe von Ego, also die Motive, für ein bestimmtes Handeln. Er unterscheidet dabei vier (Ideal)Typen. Diese vier Typen sind eine Vervollständigung zum erklärenden Verstehen, denn sie geben den Grund des Handelns an (s. o.). An Webers Spitze steht das zweckrationale Handeln. Dies ist laut Schneider auch beabsichtigt, denn Weber hebt hervor, dass zweckrationales Handeln vom wissenschaftlichen Beobachter komplett verstanden wird. Schneider dazu treffend: „Ein Handeln, das aus der Perspektive des Beobachters zweckrational ist, kann von diesem vollständig verstanden werden.
7 Lindemann, Gesa: S. 2.
4
Arbeit zitieren:
Sören Lindner, 2009, Max Weber vs. Talcott Parsons, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mediation - Grundlagen der Alternative zum Rechtsstreit
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 14 Seiten
Sinn und Unsinn der Gesundheit...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 29 Seiten
Punk in der DDR. Wahre Rebellion oder Spaßnische
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 26 Seiten
Sören Lindner's Text Max Weber vs. Talcott Parsons ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sören Lindner hat den Text Max Weber vs. Talcott Parsons veröffentlicht
Sören Lindner hat einen neuen Text hochgeladen
Soziologische Paradigmen nach Talcott Parsons
Eine Einführung
Ditmar Brock, Matthias Junge, Heike Diefenbach, Reiner Keller, Dirk Villányi
Talcott Parsons on Institutions and Social Evolution Talcott Parsons o...
Talcott Parsons, Leon H. Mayhew
Talcott Parsons: Economic Sociologist of the 20th Century
Talcott Parsons, Laurence S. Moss, Andrew Savchenko
Talcott Parsons: Economic Sociologist of the 20th Century
Talcott Parsons, Laurence S. Moss, Andrew Savchenko
Talcott Parsons Today: His Theory and Legacy in Contemporary Sociology
Neil J. Smelser, A. Javier Trevino
0 Kommentare