1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Konstantinischen Schenkung. Der Hauptaspekt soll auf der Herausstellung der Bedeutung des Dokuments für die Gründung des Kirchenstaates liegen.
Zunächst wird diese Arbeit anhand biografischer Daten Kaiser Konstantins Weg zur Alleinherrschaft über das Römische Reich beschreiben, da dieser maßgeblich mit der späteren Hinwendung des Kaisers zum Christentum zusammenhängt. Beginnen wird dieser Teil bei der Geburt Konstantins als Sohn eines Offiziers. Hierbei wird besondere Rücksicht auf den Einfluss der christlichen Religion genommen.
Außerdem wird das Verhältnis von Universalmonarchie zur christlichen Kirche angesprochen. Dabei soll vor allem der prochristliche Kurs Kaiser Konstantins mit einbezogen werden. Des Weiteren soll ergründet werden, inwiefern der Kaiser christliche Strukturen auf staatliche Angelegenheiten anwandte. Überdies wird Konstantins Einfluss beim Konzil von Nicäa kurz skizziert, ohne dass detailliert auf dessen Inhalte eingegangen wird. Eine genaue Nennung aller in Nicäa besprochenen Punkte würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Deshalb wird der Fokus besonders auf einen beispielhaften Streitfall innerhalb des Konzils gelegt und eben nicht auf die Formulierung des Glaubensbekenntnisses.
Daraufhin soll der Hauptteil dieser Arbeit folgen. Zunächst wird ein ausgewählter Überblick über die Situation des Christentums im Frühmittelalter gegeben. Doch besonders soll in diesem Kapitel die Konstantinische Schenkung, also das Dokument selbst, näher betrachtet werden. Ziel dessen ist, für die Interpretation relevante Ergebnisse zu erhalten. Im nächsten Schritt werden die Konstantinische Schenkung und die Silvesterlegende sowie ihre Auswirkungen auf die Gründung des Kirchenstaates geschildert.
Abschließend werden im Fazit die in der Analyse des Dokuments erhaltenen Ergebnisse zusammengefasst und bewertet.
2 Kaiser Konstantin und das Christentum
Kapitel zwei beschäftigt sich mit Konstantins Werdegang. Besondere Aufmerksamkeit soll der Einflussnahme der Religion auf dessen Handeln gelten. Insofern werden in diesem Kapitel die näheren Umstände zur Zeit Konstantins erläutert. Daraufhin wird auf die Rolle des Christentums im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin eingegangen. In Abschnitt 2.3 wird der Konflikt um Arius bzw. dessen Ergebnis als Beispiel für das geänderte Verhältnis von Staat und Kirche genannt.
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2.1 Konstantins Weg zur Alleinherrschaft
Über das genaue Geburtsdatum Konstantins herrscht Unklarheit. Vermutlich wurde er am 27. Januar 275 geboren. 1 Sein Vater Constantius war Offizier unter den Kaisern Aurelian und Probus. Constantius, Stiefsohn des zusammen mit Diokletian regierenden Kaisers Maximian, wurde im Jahr 293 in Diokletians Tetrarchie zum Unterkaiser. 2 Von dort an lebte Konstantin am Hof des Kaisers Diokletian, ehe er den späteren Kaiser Galerius, zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Unterkaiser, in einen Krieg an der Donau begleitete. 305 traf Konstantin seinen Vater in Britannien wieder. In einem Feldzug gegen die Pikten gelang er zu so hoher militärischer Anerkennung seitens der Truppen, dass er nach dem Tod seines Vaters von diesen zum Oberkaiser ausgerufen wurdehttp://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_der_Gro%C3%9Fe -
cite_note-2. Nach Diokletians Rücktritt gab sich Konstantin allerdings zunächst mit dem Unterkaiser Titel, verliehen durch den in der Hierarchie aufgerückten Oberkaiser Galerius, zufrieden.
Die römischen Soldaten hingegen waren dem dynastischen System mehr zugetan als der Tetrarchie. 3 Spätestens mit dem Rücktritt Diokletians verlor die Tetrarchie, in die auch Konstantin nun aufgenommen wurde, immer mehr an Stabilität. Aufgrund innerer und äußerer Unruhen kam es zu Usurpationen. Rom, einst blühende Hauptstadt des Römischen Reiches, wurde den anderen Städten des Reiches mehr und mehr gleichgestellt, was den Unmut der Bevölkerung regte. Außerdem sorgten vor allem Germanenstämme und Goten für kriegerische Auseinandersetzungen und Gefahr an den Grenzen des Reiches. Zunächst schlug Konstantin den Usurpatoren Maxentius, Sohn des zurückgetretenen Kaisers Maximian, im Jahr 312 an der Milvischen Brücke.
Im Jahr 313 trafen Konstantin und sein Mitkaiser Licinius die sogenannte Mailänder Vereinbarung, die eine freie Religionsausübung gestattete. 4 Nach einer aufgedeckten Verschwörung einiger Anhänger des Licinius gegen Konstantin kam es zwischen beiden Kaisern 316 auch zum bewaffneten Kampf. Obwohl dieser zunächst beigelegt wurde, rissen die Interessenskonflikte zwischen den zu Kontrahenten gewordenen Kaisern nicht ab. Diese endeten mit Konstantins Sieg über Licinius im Jahr 324 bei Chrysopolis. Somit wurde Konstantin zum Alleinherrscher über das römische Reich und das dynastische Prinzip löste das tetrarchische
1 Vgl.: SCHMITT, Oliver: Constantin der Große. Stuttgart 2007, S. 84f.
2 Vgl. zu diesem Abschnitt: ebd. S. 102- 106
3 Vgl. zu diesem Abschnitt: KUHOFF, Wolfgang: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie. Frankfurt/Main 2001, S. 30ff.
4 Vgl. zu diesem Abschnitt: SCHMITT, Oliver: Constantin der Große. Stuttgart 2007, S. 171-213
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endgültig ab. In diesem Sieg kam „die ganze Unerbittlichkeit zum Ausdruck, mit der Constantin die Alleinherrschaft für sich, das Kaisertum für sein Haus in Anspruch nahm.“ 5
2.2 Kaiser Konstantins Hinwendung zum Christentum
Konstantin erlangte 312 im Sieg über Maxentius die Macht über das gesamte römische Westreich. In diesem sah er nicht nur den Durchbruch seiner Karriere sondern auch sich selbst als Instrument der Gottheit, die ihn als „Repräsentanten der Weltlenkung erwählt hatte“. 6 Vor dieser Schlacht hatte Konstantin beschlossen, mit den christlichen Insignien von Sonne und Kreuz in diese zu ziehen und im Falle seines Sieges einen prochristlichen Kurs einzuschlagen. 7 Aufgrund der Unruhen der Zeit versuchte Konstantin im Gotteskult der Christen die Motive für seine religiösen und politischen Veränderungen zu erklären. Außerdem begründete er den von ihm erdachten Umschwung mit einer Vision des Kreuz- bzw. Christuszeichens, in der ihm seine einflussreiche Zukunft zugesichert wurde. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass Konstantin in Proklamationen beispielsweise zwar immer von einem Gott sprach, aber für diesen keinen konkreten Namen benutzte. Er umschrieb diesen höchstens mit „Gottheit“. Konstantins Vorstellung war eine Religion strenger Alleinherrschaft im Gottes- und Weltbild für das Imperium unabdingbar. Diese sollte sich „in der politischen Monarchie des absolutistischen Kaisertums“ 8 wiederfinden. Konstantin erließ im Laufe seiner Herrschaft Gesetze, die eine starke Humanisierungstendenz aufwiesen und somit mit christlichen Geboten deckungsgleich waren. 9 Sein prochristlicher Kurs hingegen erklärt sich zum Einen aufgrund der im Christentum vorkommenden klaren Strukturen, die sich Konstantin auch im Staat wünschte. Zum Anderen stimmen sie mit seiner Wahrnehmung eines römischen Kaisers in Verbindung mit dem einen Gott, der im Christentum gegeben ist, überein. Zur Verbindung von Staat und Christentum wird im nächsten Abschnitt dieser Arbeit noch näher eingegangen.
2.3 Universalmonarchie und christliche Kirche
Nach seinem Sieg über Licinius 324 war Konstantin auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er konnte aufgrund der nun vorhandenen inneren und äußeren Ruhe ungestört walten. 10 So erwirkte er eine Beschleunigung der Christianisierung, wobei seine eigene Gläubigkeit eher römischpolitisch blieb. Insofern sorgte er dafür, dass das Christentum zum Staatskult wurde.
5 VOGT, Joseph: Constantin der Große und sein Jahrhundert. München 1949, S. 192
6 BROX, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums. Düsseldorf 2004, S. 60
7 Vgl. zu diesem Abschnitt: ebd. S.60f.
8 BROX, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums. Düsseldorf 2004, S. 61
9 Vgl. zu diesem Abschnitt: PIEPENBRINK, Karen: Konstantin der Große wendet sich nicht dem Christentum zu. In: Brodersen, K. (Hrsg.), Virtuelle Antike, Darmstadt 2000, S.133- 141
10 Vgl. zu diesem Abschnitt: BROX, Norbert: Kirchengeschichte des Altertums. Düsseldorf 2004, S. 62
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Arbeit zitieren:
Klaus Bruns, 2008, Die Konstantinische Schenkung und ihre Bedeutung für die Gründung des Kirchenstaates, München, GRIN Verlag GmbH
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