Disposition
1 Theologische Sichtung anhand von Leitdifferenzen und unter Einbeziehung
von Aussagen der EKD, der ev. luth. Landeskirche Sachsens, der LUST und
der VELKD zur Frage „Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen
Lebenspartnerschaft leben“ 3
1.1 biblische Leitdifferenz 3
1.1.1 Conclusio: „Ist gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft biblisch oder
unbiblisch ?“ 12
1.2 Christusgemäß? 16
1.2.2 Jesus Bezug zu Maria Magdalena. 17
1.2.2 Jesus Bezug zu Johannes. 18
1.2.3 Jesus Bezug zu Lazarus. 19
1.2.4 Jesus Bezug zu Petrus 19
1.2.5 Coclusio: Jesus war nicht homosexuell geprägt 20
1.3 Bekenntnisschriften 21
2 conclusio finalis 22
3 Anlagen eMail Texte und Material Verschiedener Institutionen 24
3.1 EKD Evangelische Kirche in Deutschland 24
3.2 VELKD Vereinigte evang. Kirchen in Deutschland 25
3.3 Lutherischer Weltbund. 26
3.4 LUST - lesbische und schwule Themen - http://www.lust-zeitschrift.de/ 27
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1 Theologische Sichtung anhand von Leitdifferenzen und unter Einbeziehung
von Aussagen der EKD, der ev. luth. Landeskirche Sachsens, der LUST und
der VELKD zur Frage „Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen
Lebenspartnerschaft leben“
Innerhalb dieses Punktes soll anhand dreier so genannter Leitdifferenzen systematisch theologisch beurteilt werden ob Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft begehen können. Oder ob eine solche Lebenseinstellung als unchristlich angesehen werden darf. Ausschlaggebend für die Beurteilung ist demzufolge die kategorieartige Deklaration ob eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft evangelisch bzw. unevangelisch, oder biblisch bzw. unbiblisch, oder eben christusgemäß bzw. nicht christusgemäß ist. Derartige Leitdifferenzen berühren und lenken das Leben eines Christen sie dienen als normative Vorgabe und Orientierung in Glaubens- sowie Lebensfragen. Aus diesem Grunde dürfen, gar müssen sie in diese Betrachtung mit einbezogen werden. Letztlich beschreiben sie christliches Leben welches mit der Frage nach gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft berührt wird.
Eine Reihenfolge oder Priorität der drei Leitdifferenzen bedarf an diesen Punkt noch keiner Heraushebung und soll erst im Laufe des Punktes, insbesondere in einer Conclusio Betonung finden. Demzufolge möchte ich mit einer biblischen Systematisierung beginnen.
1.1 biblische Leitdifferenz
Wie in dem vorangegangen Punkt bereits deutlich geworden ist und aus den noch nachfolgenden Beispielen ersichtlich werden wird, ist der Umgang mit homosexuellen Prägungen zu einer besonderen Herausforderung geworden. Dabei soll die Deklaration meinerseits als „besondere Herausforderung“ nicht im Sinne einer Wertung zu verstehen sein, sondern vielmehr als gesellschaftliche Wandelungserscheinung angesehen werden. („Coming Out“, volle Akzeptanz, Sympathie bis hin zu verstärkter Intoleranz). Viele Homosexuelle und Lesben erwarten eben das die Gesellschaft oder Kirche ihre Lebensform akzeptieren. Auch wenn das einige wenige vielleicht hinter dem „Schleier“ der Aussage „Was andere Denken ist mir / uns doch egal“ tun. Denn letztendlich gehen auch sie mit ihren
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Aussagen an die Öffentlichkeit, um Akzeptanz zu bewirken. Homosexuelle und Lesben möchten sich zu ihrer Sexualität bekennen und diese auch in festen Partnerschaften leben. Nun stehen Christen vor besonderen Herausforderungen im Umgang mit solchen Lebenspartnerschaften. Insbesondere, wenn Zugang zur Beurteilung anhand biblischer Texte gesucht wird. Zu diesem Zweck möchte ich zu Beginn einige Stellen des Alten Testament zu Rate ziehen. Zum Großteil werden diese Stellen, wie fest zu halten ist, recht naiv ausgelegt und in die Rubrik „Bibel und Homos“ gepresst. Dabei sind viele Stellen enorm differenzierter zu betrachten. Ich möchte versuchen Struktur in die Thematik zu bringen, indem ich sowohl eisegetische, exegetische, geschichtliche als auch situationsethische Ansätze in die Betrachtung einbeziehe.
Nun ein paar exegetische Gedanken. Ob die Homosexualität als Lebensform so vom Schöpfer vorgesehen ist sollte aus biblischer Sicht anhand Genesis 1, 27-28 zu erkennen sein:
„Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, zum Bild Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde...“ 1
Daraus ergibt sich logisch:
erste Prämisse Gott schuf uns als Mann und Frau damit wir fruchtbar sind und uns mehren.
zweite Prämisse Der Mensch mehrt sich anatomisch nur als Mann und Frau dieserhalben folgt die Conclusio Nur Partnerschaften zwischen Mann und Frau sind von Gott vorgesehen.
Genesis 2, 18:
„Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht.“ 2
1 Genesis 1, 27-28; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
2 Genesis 2, 18; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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Gott hätte problemlos noch einen zweiten Mann schaffen können. Doch er spricht ganz klar von einer Gehilfin. Jetzt könnte manch einer hervorbringen das auch die Tiere für dem Menschen eine Hilfe darstellen linguistisch gesehen auch eine Gehilfin sind (vgl. Vers 20). Doch diese Darstellung kann klar widerlegt werden denn weiter heißt es in Vers 20 „Aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden…(unter den Tieren)…“. Gott spricht aber deutlich von einer Gehilfin, einem ergänzenden Gegenstück zum Mann.
Dass die Gemeinschaft von Mensch zu Mensch in einer besonderen Einzigartigkeit hervortritt, und es sich eben um eine Frau handeln muss, wird in anderen Übersetzungen dieser alttestamentlichen Stelle noch besonders hervorgehoben. So zum Beispiel eine Stelle in der Guten Nachricht, Hoffnung für Alle. Dort heißt es „die zu ihm passt“.
Die Idee, dass der Mann nicht allein perfekt ist und Gott Mann und Frau bewusst unterschiedlich geschaffen hat, damit sich beide gegenseitig ergänzen, gibt uns zwar keine konkretisierte Aussage über Homosexualität, verdeutlicht aber die grundsätzliche Schöpfungsidee Gottes. Hier erkennt man deutlich, dass wenn von Partnerschaft die Rede ist, immer eine zwischengeschlechtliche Beziehung zwischen Mann und Frau gemeint ist. Am Ende der Schöpfung sagt Gott: "Und siehe es war sehr gut" 3 Er hat es also nicht bereut wie er es gemacht hat.
In späteren Stellen wird im alten Testament die Ablehnung homosexueller Neigungen sogar in expliziter Nennung noch deutlicher. So zum Beispiel in Levitikus 18, 22 dort wird über schwerwiegende Vergehen gegen Gottes Heiligkeit gesprochen. „Du sollst nicht bei einen Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“ 4 Danach folgt eine aus unserer heutigen Sicht absolut unhaltbare und drastische Forderung in Levitikus 20, 13: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben“ 5 . Diese Aussage möchte ich allerdings hier nicht so unreflektiert stehen lassen und vorgreifend doch eine kurze Stellung dazu abgeben. Im Alten Orient wurde die Homosexualität zwischen Männern unterschiedlich beurteilt. In manchen
3 Genesis 1, 31; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
4 Levitikus 18, 22; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
5 Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 dt. Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung; Erläuterung zu Levitikus 20, 13
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Kulturen galt sie als normale Form der Sexualität. Von solchen Praktiken heidnischer Völker möchte sich Israel allerdings als erwähltes Gottesvolk abgrenzen.
Weiterhin fließt in den nachfolgenden Betrachtungen auch ein eisegetischer Bezug ein.
Eine andere Stelle nicht direkt auf Homosexualität allein bezogen, aber auf transvestite Handlungen findet man in Deuteronomium 22, 5: "Eine Frau soll nicht Männersachen tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel." 6
In den nun folgenden Stellen, wird auf den ersten Blick homosexuelle Prägung / Leben aufs schärfste verurteilt. Nun sollen geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge im Hauptbezugspunkt stehen. Dennoch sollen meinerseits auch einige apologetische Aspekte eingebracht werden, welche auch eine Deutung der Schrift zulassen. Es muss also nicht unbedingt von einer Verurteilung homosexueller Aussagen ausgegangen werden. In Genesis 19, 4-13 finden wir die Sodom-Erzählung in der von einer versuchten Vergewaltigung an (männlichen / Engeln) Gästen des Lot berichtet wird.
Die Sünden Sodoms und Gomorras schreien zum Himmel, so dass Gott Boten (Engel) auf die Erde schickt, um die Gerichtsreife der beiden Städte zu prüfen (Genesis 18, 20). Diese beiden Engel werden von Lot überredet seine Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen.
Die Engel kehren bei ihm ein. In der Nacht versammeln sich dann alle Bewohner Sodoms bei Lot und verlangen von ihm, seine Gäste herauszugeben, damit sie von ihnen "erkannt" werden könnten. In der Luther-Übersetzung fand ich den Ausspruch: „…damit wir uns über sie hermachen.“ 7
Im hebräischen Urtext ist allerdings der Ausdruck JADA zu finden, der zwar die Bedeutung hat den Geschlechtsverkehr zu praktizieren, allerdings gibt es auch eine andere Auffassung der Bedeutung welche von Verfechtern der Homosexualität gern angebracht wird.
6 Deuteronomium 22, 5; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
7 Genesis 19, 4-13; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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Die Erzählung berichtet weiterhin, das die Bewohner Sodoms, Lots Gäste homosexuell missbrauchen wollten und Lot das verhindern will indem er sogar bereit ist, mit Sodoms Einstellung zur Verderbtheit einen Kompromiss zu schließen und den Sodomiten seine beiden jungfräulichen Töchter als Ersatz für seine Gäste zu geben. Die Bewohner Sodoms wollen sich nun an Lot vergehen, jedoch retten die beiden Engel Lot. Sodom und Gomorra werden wegen ihrer unbeschreibbar zahlreichen Sünden durch Gott vernichtet. Nur Lot und einige seiner Angehörigen werden errettet. Für viele Interpretationen spielt bei der Zerstörung Sodoms, als auslösender Faktor, die Homosexualität eine entscheidende Rolle.
Allerdings gibt es auch eine andere Auslegung, wie bereits im Eingang dieses Abschnitts erwähnt. Denn das Wort JADA steht ebenfalls in der Bedeutung "kennen, kennen lernen". Nun kann man folgern, dass die Bewohner Sodoms keinen Gedanken daran gehabt hätten, Lots Gäste homosexuell zu missbrauchen. Sie wollten sie einfach nur "kennen lernen". Nach Meinung der Bewohner Sodoms hätten die Fremden ja durchaus feindselig sein können und nun hätten die Sodomitter überreagiert. Die Schuld der Bewohner Sodoms wird also allein im Bruch des Gastrechtes gesehen, welches heilig war.
Allerdings deckt dieses Gegenstück zur ersten Interpretation einige Probleme auf, und nicht alle Fakten ab. Einige mögliche Fragen dazu möchte ich an diese Stelle setzen.
• Lots Töchter werden als Mädchen bezeichnet „…die wissen von noch keinen Manne…“ 8 der Ursprungstext gebraucht hier auch das Wort JADA und lässt auch keine andere Übersetzung des Textes zu. Begeht man die weitere logische Folgerung so muss man zu den Schluss kommen, das auch im vorangegangen Satz die Vulgata um das Wort JADA eindeutig mit seiner Bedeutung im Geschlechtsverkehr liegen muss.
• Warum sollte Lot die Sodomiter bitten, nichts Übles zu tun, wenn diese nur ganz harmlose Absichten hatten?
• Warum hatte Lot vor den Sodomiten Angst, wenn diese seine Gäste nur "kennen lernen" wollten?
8 Genesis 19, 6; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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• Lot bietet seine jungfräulichen Töchter für alles was die Sodomiter mit ihnen tun wollen ersatzweise an. Dieser Sachverhalt zeigt schon recht deutlich, dass es um etwas Schwerwiegendes, wie eben sexuelle Absichten gehen musste.
Bei manchem Leser wird jetzt vielleicht der Eindruck entstanden sein, Sodom und Gomorra wurden zerstört, weil dort homosexuelle Begierden ihre Äußerung fanden. Doch sei hier klar und deutlich gesagt, dass dies nicht der einzige Grund war. Denn das Alte Testament gibt uns noch viele Stellen in denen die Vielzahl der Sünden welche „… zum Himmel schreien …“ genannt werden. So zum Beispiel in Genesis 18 in Abrahams Fürbitten für Sodom. „Und der Herr sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, das ihre Sünden sehr schwer sind.“ 9 Diese Sünden sind schwer in ihrer bei Gott verursachten Schuld. Das lässt sich auch daran erkennen, dass der Fall von Sodom und Gomorra immer wieder aufgegriffen wird. Wenn es zum Beispiel um die Sünde des Ehebruchs und Betrugs geht so wird man im Buch des Propheten Jeremia fündig. Dort wird in Kapitel 23 Vers 14 Jerusalems Gesellschaft aufs schärfste verurteilt und Sodom gleichgestellt „Aber bei den Propheten Jerusalems sah ich grauenhafte Dinge: Sie brechen die Ehe, gehen mit Lügen um und bestärken die Bösen, sodass keiner umkehrt von seinem bösen Treiben. Für mich sind alle wie Sodom, Jerusalems Einwohner sind für mich wie Gomorra“. 10
Geht es um Hochmut und Habgier werden wir im Buch des Propheten Hesekiel 16 fündig dabei ist der Bezug zu Sodom in Vers 46 zu finden, hier dient es als Vergleichsgröße.
Weiterhin ist der Bezug zu Sodom und Gomorra im Falle von Heuchelei und sozialer Ungerechtigkeit bei Jesaja 1, 9 zu finden: „Hätte uns der Herr Zebaoth nicht einen geringen Rest übrig gelassen, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra.“ 11
Mit diesem kleinen Exkurs in die Prophetischen Bücher des alten Testaments sollte nur noch einmal deutlich werden, wie Sodom und Gomorra eine Unzahl der Sünden beherbergten. Dennoch ist in Genesis 19 die Homosexualität als letzte auslösende
9 Genesis 18, 20; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
10 Jeremia 23, 14; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
11 Jesaja 1, 9; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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Ursache für Gottes Gericht über Sodom und Gomorra anzusehen. Was nicht heißen soll das Homosexualität eine schwerwiegendere Sünde als andere Sünden ist.
Vielen wird der Noahbund ein Begriff sein. Gott schließt nach der Sintflut mit Noah einen neuen Bund. Ein Neuanfang ist gemacht, aber nun tritt ein Ereignis ein, welchem man auf den ersten Blick keinerlei homosexuelle Komponente abgewinnen kann. Der Text ist nicht so deutlich erkennbar wie wir es in Genesis 19 erfahren haben. Dennoch gibt es hier einen Ansatz dazu. Allerdings muss dafür noch eine weitere Quelle, das Buch des Propheten Habakuk zu Rate gezogen werden. Eingans erst einmal ein Abriss des geschichtlichen Verlaufs. Nach dem Neuanfang kommt es erneut zu einem Sündenfall, denn Noah errichtet einen Weinberg. Die Folgen treten augenblicklich ein, Noah liegt völlig nackt und volltrunken in seinem Zelt. Sein Sohn Ham sieht dies und erzählt es seinen Brüdern. Diese handeln mit ihrem Vater respektvoller. Um ihn nicht zu beschämen, nähern sie sich ihm mit abgewandtem Gesicht und bedecken seine Blöße. Noah segnet seine Söhne Sem und Japhet und deren Nachkommen. Die Nachkommen Hams werden hingegen wegen respektlosen Verhaltens verflucht.
Eingangs habe ich den Propheten Habakuk genannt um eine Verbindung dieser Stelle mit Homosexualität herzustellen. Im Buch Habakuk Kapitel 2, 15 scheint auf das Geschehen in Genesis 9 angespielt zu werden. „Wehe dem, der seinen Nächsten aus Schalen und Schläuchen trinken lässt und ihn dadurch trunken macht, damit er seine Blöße sehe". 12
Daraus werde ich die eisegetische nahe Vermutung äußern, dass die Schande Hams darin liegt, sich am gleichgeschlechtlichen Körper lustvollen zu ergötzen. Zum Ergötzen ist nichts im Text bei Genesis 9 zu finden. Aber einen Versuch diese Behauptung zu untermauern könnte am Faktum Kanaan fest gemacht werden. Denn Ham ist der Stammvater der Kanaaniter, der Ureinwohner Palästinas. Die Kanaaniter vollführten pervertierte sexuelle Praktiken zum Teil sogar bei der Götzenverehrung.
Zur Verteidigung sei aber gesagt, dass die klassischen Kulturen Griechenlands und Roms der Homosexualität gegenüber sehr tolerant eingestellt waren. Plato schrieb in
12 Habakuk 2,14; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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seinem Symposium von einem Bankett, bei dem ein Redner die Aufmerksamkeit des Sokrates auf die „schönen Jungen und jungen Männer" lenkt. Platon schreibt über die Steigerungen der Liebe. Darin hält er fest das die Liebe zwischen Männern als höher stehend, als die Liebe zwischen Mann und Frau anzusehen ist. (siehe Platon, Symposion) 13 Diese Einstellung war in der griechischen Zivilisation weit verbreitet.
Paulus schreibt den ersten Brief an die Römer unter anderen als Weisung der griechisch-römischen Zivilisation diese Praktiken zu unterlassen. Paulus schreibt, dass es den Gründern dieser Zivilisation (als „nicht -Gottesvolk“ im Gegensatz zu Jerusalem) nicht daran gelegen ist Gott in ihre Erkenntnis mit einzubeziehen. Daraufhin hat ihnen Gott einen verkehrten Sinn gegeben. Dieser Sinn führt dazu, dass sie keine richtige Entscheidungen in Lebenssituationen treffen können (siehe Römer 1, 28).
Durch den Fluch gegen die Söhne Hams also den Kanaanitern lässt sich auch eine Verbindung zum bereits erwähnten Levitikus 18,22 und 20, 13 schaffen. Mann könnte diese Zeilen auch als Kodex verstehen. Dieser beschreibt die Heiligkeit Gottes und die Forderungen, die die Heiligkeit des Volkes Israel verlangt. Die Kanaaniter wurden aus ihrem Land ausgestoßen wegen ihrer sexuellen Sünde. Weiterhin stehen die Levitikus Stellen im Zusammenhang mit den Gesetz zum Schutz von Ehr und Familie.
Als letzte alttestamentliche Bibelstelle soll nun noch das Buch der Richter angeführt werden. Im Konkreten möchte ich Kapitel 19, 22 in die Betrachtung ziehen. Richter 19 handelt von der Sünde der Leute zu Gibea. Beim Lesen des Textes fällt eine starke Ähnlichkeit zum Bericht in Genesis 19 (Sodom) auf. Der Bericht kündet von einen Leviten und seiner Nebenfrau. Sie sind gezwungen in Gibea zu übernachten und dort das Gastrecht zu beanspruchen. Gibea ist eine jüdische Stadt in Vers 22 tauchen nun „ruchlose Männer“ auf, welche auch hier verlangen den Leviten homosexuell zu missbrauchen. Auch hier findet wieder das Wort JADA in der Vulgata seien Ausdruck.
13 Platon, Symposion, hg. von Boll/Buchwald, München 1969, S. 83-111
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Die Benjaminiten als Einwohner Gibea´s bekommen vom Gastgeber das Angebot unterbreitet seine jungfräuliche Tochter und die Nebenfrau als Ersatz zu bekommen. Schließlich übergibt der Levit der ruchlosen Meute die Nebenfrau, damit diese sie sexuell missbrauchen konnten.
Besonders bemerkenswert ist hier: Das Gastrecht welches auch für die Frau gilt ist der Levit bereit zu brechen nur um die Benjaminiten von homosexuellen Handlungen abzuhalten.
Wie bereits angeführt wird auch hier wieder das Wort JADA gebraucht, aber hier ist der Ansatz aus Genesis 19 (nur „Kennen lernen“, nur Bruch im Gastrecht) sofort zu verwerfen. Denn die folgende Massenvergewaltigung der Nebenfrau zeigt eindeutig die sexuellen Motive der Leute auf. Weiterhin werden Adjektive wie „unrecht, schändlich, ruchlos“ gebraucht, um das Verhalten der Leute zu deklarieren. Diese wären wohl viel zu hart wenn es nur um einen Bruch des Gastrechts ginge. Dass dieses Ereignis besonders bedeutenswert ist und eben klar machen will dass diese Stelle die homosexuellen Handlungen verurteilt, zeigt sich am folgenden Verlauf des Textes. „…Da legte er sie auf einen Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort. Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied und sandte sie in das ganze gebiet Israels.“ 14 Der Levit zerstückelt seine Frau wie ein Opfertier. Diese grausigen Handlungen werden als Sünde von Gibea im Buch des Propheten Hoseja 9, 9 - 10 aufgegriffen.
Aber auch im Neuen Testament findet man diverse Stellen zu dem Thema: So zum Beispiel im Brief des Paulus an die Römer Kapitel 1, 26-27 (Lutherbibel): „[...] denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.“
14 Richter 19, 28+29; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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1. Korinther 6, 9 (Hoffnung für alle):
„Habt ihr vergessen, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes Reich kein Platz sein wird? Darauf könnt ihr euch verlassen: Keiner, der unzüchtig lebt, keiner, dem irgend etwas wichtiger ist als Gott, kein Ehebrecher, kein Mensch, der sich von seinen Begierden treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird einen Platz in Gottes Reich haben.“
1. Timotheus 1, 10 (Gute Nachricht):
„Wir dürfen nämlich eines nicht vergessen: Das Gesetz ist nicht für Menschen da, die tun was Gott will, sondern für solche, die sich um Recht und Ordnung nicht kümmern. Es ist für Sünder bestimmt, die Gott und seine Gebote verachten, für Leute, die Vater und Mutter töten, Mord und Unzucht begehen und als Männer mit Knaben oder ihresgleichen verkehren, für Menschenhändler und solche, die lügen und falsche Eide schwören oder sonst etwas tun, was im Widerspruch zur gesunden Lehre steht.“
Auch hier gibt es eigentlich keinen Zweifel daran, dass Homosexualität ganz klar nicht im Willen Gottes ist, es wird hier in einem Atemzug mit diversen anderen Sünden genannt.
Nun haben wir anhand vieler Stellen erfahren können das Homosexualität nicht sehr positiv bewertet wird, dennoch ist die Thematik wie ich glaube differenzierter zu erfassen. Um eben nicht in reinen biblischen Fundamentalismus zu enden und das Ziel der Wahrheit aus den Augen zu verlieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Verfasser der biblischen Texte immer auch Kinder ihrer Zeit waren. Um zur Conclusio zu kommen möchte ich kurz anhand zweier Ansätze, Stellung zu den biblischen Aussagen nehmen.
1.1.1.1 Der situationsethische Ansatz
Das Gegenmodell zur Situationsethik stellt die Ordnungsethik dar. Ordnungsethik nimmt die biblischen Gebote zum Maßstab um eben zu beurteilen was richtig oder falsch ist. Findet hingegen die Situationsethik Anwendung stehen nicht mehr nur starr die Gebote im Mittelpunkt. Nichts was aus Liebe zu Gott und zu dem Nächsten
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geschieht, kann nach diesem Ansatz falsch sein. Die Liebe steht moralisch gesehen sozusagen über den Geboten. Dazu kann man begründend Matthäus 22, 40 heranziehen. In der dort beschriebenen Erzählung will ein Schriftgelehrter mit seiner Frage Jesus Gesetzestreue auf die Probe stellen. Jesus stellt dort aber die Liebe als Gesetzteserfüllung dar. Gleiches wird von Paulus in den Brief an die Römer in Kapitel 13, 10 aufgegriffen.
So wird in der Situationsethik die Liebe zum endgültigen Maßstab. Das Bild eines strafenden Gottes wird durch die Liebe verändert. Die Liebe findet in den Evangelien durch Jesu so ihre besondere Bedeutung. Explizit ist aber zu sagen, dass dies keine Aufhebung von Gottes Geboten darstellt.
Weiter könnte man aber nun den Schluss verfolgen da ja geschrieben steht „Die Liebe tut den Nächsten nichts Böses“ und „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung“ 15 das in Liebe und Treue gelebte Homosexualität keine Sündhaftigkeit ist, egal wie die biblischen Gebote auch lauten mögen.
Schwachpunkte daran sind aber:
• Liebe braucht als Richtlinie das Gesetz. Niemand kann die Liebe zwischen 2 Menschen über das Recht, welches gesellschaftliches Leben beschreibt, stellen. Dieses Faktum würde eben bedeuten, dass sich liebende über andere Menschen erheben dürfen.
• Liebe ist nicht der endgültige Maßstab. Zum Beispiel darf niemand berechtigt sein aufgrund der Güte seiner Liebe zu einer anderen Person, den eigenen Ehebund zu brechen. Und somit den Partner tief zu verletzen. Ein weiteres, wenn auch überspitztes, Beispiel: Es darf nicht sein das ein Mensch einen anderen, aufgrund seiner auch hochwertigen Liebe für den Partner, tötet. Daraus wird wohl deutlich, dass die Güte einer Liebe nicht der Maßstab sein kann, anhand dessen beurteilt wird, was falsch oder richtig ist. • Wer will beweisen, dass die Liebesgüte einer homosexuellen Beziehung ausreichend groß ist um diese vor Gott zu rechtfertigen.
15 Stuttgarter Erklärungsbibel; Neues Testament; Der Brief des Paulus an die Römer 13, 10
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1.1.1.2 Der exegetische Ansatz
Dieser Ansatz ist bei weitem ernster zu nehmen, als der eben erwähnte. Er verschweigt nicht, dass mehrere Bibelstellen eindeutig die Homosexualität ablehnen und setzt sich mit ihnen auseinander. Bestimmte Bibelstellen werden hierbei aber außer Kraft gesetzt. Dieser Ansatz nennt den Grund für die Ablehnung der Homosexualität in kultischen Gegebenheiten. Heidnische Völker im Lande Israel betrieben zur Zeit des AT auch homosexuelle Handlungen innerhalb kultischer Götzenanbetung. In exegetischer Sicht ist man also der Meinung, dass die Homosexuellen Verbote als gewollte Abgrenzungserscheinung gegenüber heidnischen Völkern zu sehen seien. Die biblischen Verbote beziehen sich also auf den heidnischen Tempelkult. Daraus folgt, das nicht die Homosexualität perse verboten ist, sondern die Telnahme an heidnischen Kult der diese bedingt. Die Verbote dienen also nur zur Reinhaltung der Beziehung mit Gott und beziehen sich nicht auf das Leben der Einzelnen.
Diese Punkte scheinen alle recht „Schwulenfreundlich“ und das sind sie auch. Gerade deshalb habe ich sie mit Absicht in dieser Arbeit festgehalten. Es gibt viele gewichtige Punkte die gegen die Homosexualität als göttlich gewollt sprechen. (siehe biblische Leitdifferenzen) Wir müssen immer bedenken nicht in biblischen Fundamentalismus zu verfallen und den Gesamtkontext der Schrift zu verlieren. Menschen, Einstellungen und Trends ändern sich. Die Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber Homosexuellen ändert sich ebenso. Doch etwas ist stetig und ändert sich nicht. Wir müssen wahrhaben das sich Gott nicht verändert und an irgendwelchen Trends anpasst. Wenn Gott Homosexualität damals als nicht gut empfand, hat sich daran auch heute nichts geändert. Doch wir sind frei. Jeder kann seine präferierte Sexualität auszuleben. Es wäre eben falsch zu behaupten, es ist in Ordnung vor Gott ein homosexueller Christ zu sein. Nein es ist Sünde das sollte uns schon klar sein. Doch wir müssen im gleichen Atemzug verstehen, dass diese Sünde keine schwerwiegendere Sünde ist als eine andere. Homosexuelle sollten niemals von Christen verurteilt werden - das ist falsch! Gott gab uns die Wichtigkeit des Gebotes der Nächstenliebe zu erkennen. Es ist eben eine Sünde wie jede andere auch. Jesus ist auch dafür gestorben. Steuerhinterziehung ist auch eine Sünde, auch das verurteilen von Anderen ist eine Sünde.
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Nachfolgende ergänzende Stellen sollen nur noch einmal verdeutlichen das Homosexualität in der Bibel nicht ungewöhnliches ist und auch unterschiedlich gedeutet werden kann. Aber dennoch auch einer Wandlung unterliegt. Nichts des so trotz bieten die Texte Anregung um auch einmal mit anderen Augen zu lesen. • Das Hohelied der Liebe: Dort findet sich viel Erotik, aber eindeutig die Erotik zwischen Mann und Frau.
• "sexuelle Minderheit" in der Bibel: Eunuchen, Entmannte Die "Verschnittenen" (Luther-Übersetzung), die nicht zur Zeugung von Nachkommen fähig sind, im Alten Testament: (Widerspruch Wandel): „Kein Entmannter oder Verschnittener soll in die Gemeinde des HERRN kommen“ 16
„Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; der besser ist als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“ 17 • Liebe zwischen Männern: David und Jonathan
Die Freundschaft, ja Liebe zwischen David und Jonathan, ist vielen bekannt. Sehr bekannt ist die Klage Davids über Jonathans Tod: „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonatan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.“ 18
• Erotik zwischen Männern: breit ausgemalten Einzelheiten aus der Freundschaft zwischen David und Jonathan "... er hatte ihn so lieb wie sein eigenes Herz", Verabredung auf dem Feld weisen in der Tat auf eine erotische Komponente 19
16 5. Mose 23, 2; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
17 Jes. 56, 4-5; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
18 2. Samuel 1,26; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
19 1. Samuel 20, vor allem V. 17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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• Liebe zwischen Frauen: Ruth und Naemi
"Wo du hingehst, da will auch ich hingehen" 20 Der Text erzählt die Rollen der beiden Frauen Schwiegermutter (Naemi) und Schwiegertochter (Ruth). Im Kapitel 2-4 wird geschildert wie Ruth einen Mann (Boas, ein entfernter Verwandter der Naemi) kennen und schätzen lernt
Das, was Boas an Ruth so bewundernswert finden, ist ihre Treue und Zuneigung zu Naemi.
1.2 Christusgemäß?
Bei der Ermittlung ob eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft Christusgemäß ist so gibt es mehrere Teilbereiche des Christusgemäßen, welche auch gefahren für die Systematische Interpretation beherbergen. Damit die Interpretation am Christusgemäßen umfassend wird werde ich versuchen alle 4 Christusbilder, also das biblische, das historische, das der Kirche und mein Eigenes aufzuführen. Begründet wird diese Notwendigkeit an 4 Punkten aus dem methodischen Leitfaden zur systematischen Theologie und Religionsphilosophie von Herrn Prof. Dr. Martin Leiner aufgeführt werden:
• Ermittelt man die Christlichkeit einer Aussage durch Vergleich mit den biblischen Aussagen über Christus, so wird Christus letztlich doch wieder einem Teil der Schrift untergeordnet. Man Kann diese Position als Biblizismus bezeichnen
• Unterstellt man die Bestimmung des christlichen allein den hypothetischen Rekonstruktionen des historischen Jesus so entsteht durch die Unsicherheit und Wandelbarkeit des historisch-kritischen Jesusbildes leicht ein Relativismus
• Beurteilt man die Christlichkeit einer Aussage vom kirchlichen Christusbild aus, dann unterstellt man Christus doch wieder der Kirche, deren kritisches Gegenüber er doch sein sollte. Die Gefahr eines kirchlichen Triumphalismus ist bei dieser Sicht immer gegeben.
• Beurteilt man theologische Positionen allein von seinem eigenen Christusbild aus, dann entsteht leicht Subjektivismus. 21
20 Ruth 1, 16-17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
21 Methodischer Leitfaden Systematische Theologie und Religionsphilosophie; Prof. Dr. Martin Leiner; 2008; Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen;
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Bei den Recherchen zum Thema gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften stieß ich auf ein Buch von einen Oldenburger Schriftsteller Namens Klaus Dede. Zugegebenermaßen hielt mich der Buchttitel anfangs eher davon diese Schrift näher ins Auge zu fassen. Dennoch musste ich nach weiteren Recherchen erkennen, das das Thema des Titels „Jesus - schwul?“ eine enorme Reichweite hat. Eine solch plakative Aussage erhitzt eben das Gemüt. Im Klappentext de Buches heißt es: „Die Pastoren wissen es seit eh und je. Manche Gläubige ahnen es. Klaus Dede sagt es: Jesus war schwul…“ 22
Dede bezeichnet sich selbst als Atheist. Er zieht zu seiner Interpretation unter anderen, das Johannesevangelium in Kapitel 13, 23 oder die Lazarus - Erzählung (Johannes 11, 36) heran.
Im Folgenden gilt es diese Stellen und noch eine weitere Quelle, nämlich Mathäus 19, zu untersuchen. Auch auf Petrus möchte ich zu sprechen kommen.
Vorweg sei allerdings gesagt, dass es zu Jesus als sexuelle Person explizit keinerlei Berichte in der Bibel gibt. Meiner Meinung nach ist es auch äußerst unwahrscheinlich das Jesus homosexuell veranlagt war, denn wäre sein Sexualleben auffällig gewesen so hätten Jesus Gegner diesen Punkt wohl gegen ihm angebracht. Die verschiedenen Autoren im NT interessierte sein Sexualleben einfach nicht. Diese Tatsache lässt den logischen Schluss zu, dass es in den Augen der Menschen seiner Zeit für einen Wanderprediger nicht außergewöhnlich oder bemerkenswert gewesen sein muss.
1.2.2 Jesus Bezug zu Maria Magdalena
Des Weiteren wird oftmals ein eventuelles Verhältnis zwischen Jesus und Maria Magdalena angebracht. Doch das entbehrt sich, wie auch die Thesen zur Homosexualität von Jesus, jeder beweisbaren Grundlage.
Maria Magdalena war nicht die Geliebte von Jesus. Sie wird oft als diejenige angeführt, welche Jesus salbte. Doch wenn wir aufmerksam das Lukas Evangelium verfolgen so wird Maria Magdalena erst nach der Salbung mit vollständigen Namen
22 Quelle: Jesus - schwul?: Die Kirche, die Christen und die Liebe - Eine Antwort; Schutter Verlag; 2006;
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genannt. Eine Anonyme „Salberin“ könnte also auch denkbar sein. Maria Magdalena wird durch Jesus von sieben Dämonen befreit (siehe Lukas 7,36-8,3). Daher muss sie Jesus sehr dankbar gewesen sein und verehrte ihn demzufolge auch. Sie war gut gestellt und konnte so, wie auch andere, Jesus und seine Jünger unterstützen. Sie war also einfach nur eine starke Frau mit festen Zielen. Diese Entschlossenheit zu Jesu Lebzeiten kann uns auch als Erklärung dienen, warum sie die Ehre erfuhr Jesus als Erste nach der Auferstehung zu erblicken.
Andererseits ist das Argument gerechtfertigt, Jesus als Mensch habe auch menschliche Bedürfnisse in sexueller Sicht.
In der Bibel wird aber auch von seiner - vielleicht auch nur "platonischen" - Liebe zu Einem einzelnen Jünger berichtet. "Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte." 23 Diese Stelle wird immer wieder von Befürwortern der These „Jesus war schwul“ angebracht. Insgesamt berichtet die Bibel von drei Menschen, welche von Jesus auf eine andere Art geliebt wurden. (Nachfolgend betrachtet: Johannes, Petrus, Lazarus)
1.2.2 Jesus Bezug zu Johannes
Den Bezug zu Johannes als Jünger den er liebte muss man aber nicht als homoerotische Komponente erkennen, sondern eher als Auserwählten. Johannes bekam den Auftrag sich nach dem Tod Jesu um Maria (der Mutter Jesus) zu kümmern.
„Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.“ 24 Im irdischen Leben nahm Johannes die Stelle Jesu ein. Von allen Jüngern erkennt nur Johannes Jesus nach der Auferstehung. (Jesus ruft vom Ufer aus zu den Jüngern)
„Da sagt jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr.“ 25 Daraus lässt sich, meines Erachtens, eher erkennen, dass Johannes Jesus am besten kannte.
23 Johannes 13, 23; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
24 Johannes 19, 26+27; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
25 Johannes 21, 7; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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1.2.3 Jesus Bezug zu Lazarus
Lazarus wurde durch Jesus von den Toten auferweckt. Aber die Erzählung berichtet auch von der besonderen Beziehung, die Jesus zu Lazarus hatte: „Es war aber einer krank, Lazarus, von Bethanien, aus dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Martha. [...] Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank. [...] Jesus aber liebte die Martha und ihre Schwester und den Lazarus. [...] Jesus sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sagen zu ihm: Herr, komm und sieh! Jesus weinte. Da sprachen die Juden: Siehe, wie lieb hat er ihn gehabt!“ 26
Die hier explizit genannte Liebe Jesus zu Lazarus ist meines Erachtens als stilistisches Mittel zu verstehen. Auch die Liebe zu Martha und Maria wird genannt. Es soll an dieser neutestamentlichen Stelle verdeutlicht werden, wie Jesus diese Menschen, stellvertretend für alle Menschen auf der Welt, liebt.
1.2.4 Jesus Bezug zu Petrus
Nach der Auferstehung Jesu, am Meer von Galiläa, setzt Jesus ihn als Haupt in der Gemeinde ein:
„Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm, Ja Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Wiederum spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hüte meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!“ 27
Auch hier ist keinerlei sexuelle Absicht erkennbar. Denn durch die Frage nach der Liebe will Jesus anhand Petrus Antwort seine Würdigkeit zum Stellvertreter auf Erden prüfen.
26 Johannes 11, 1, 3, 5, 34-36; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
27 Johannes 21, 15-17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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1.2.5 Conclusio: Jesus war nicht homosexuell geprägt
Auf jeden Fall sollten wir im Hinterkopf behalten, das es für unser Wort "Liebe" mehrere Übersetzungsmöglichkeiten im Griechischen gab: • Agapao - soziale und moralische Liebe, Nächstenliebe, Liebe Gottes zu uns • Phileo - die Liebe zwischen Freunden • Eros - erotische Liebe • Storge - fürsorgliche Liebe
Diese kurze Definition ist jetzt aber nicht als starre Vokabeltabelle zu verstehen. Denn innerhalb eines neutestamentlichen Textes, können verschiedenste Arten der oben genannten Definitionen von Liebe für ein und denselben Sachverhalt auftauchen.
Wiederum finden wir auch einige Sätze Jesus, die sich eigentlich gegen die Familie richten
(siehe unten) und somit im Grunde gar nicht richtig zu unserem Verständnis von Kirche und Familie passen wollen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch nicht das Jesu gegen Familien war und daraus folgernd für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft. Ich denke bei Jesus ist es wesentlich die Botschaft und das Verständnis vom Reich Gottes, welches es für ihn zu verbreiten galt zu erfassen. Wir müssen uns hüten in eventuell auch stilistische Gestaltungsmittel der Autoren Dinge hinein zu interpretieren die nicht der Überlieferung entsprechen. „Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“ 28 Er will erst seinen Vater begraben. Jesus aber spricht: „Folge du mir, und laß die Toten ihre Toten begraben!“ 29
28 Markus 3, 31-35; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
29 Mathäus 8, 22; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung
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Man sollte bei den Spekulationen um Jesus sexuelle Verhältnisse daran denken das Jesus immer eine besondere Liebe zu Randgruppen und Ausgestoßenen praktizierte. Um solche in die Gemeinschaft aufzunehmen und Anderen das wichtige Gebot der Nächstenliebe Nahe zu bringen. Auch wenn dieses Handeln oft entsetzen hervorbrachte (siehe Zachhäus „…bei einen Sünder ist er eingekehrt…“.), diente es doch der Beschreibung des neuen Glaubens und Liebens im Kontext mit Gott dem Vater.
Ein letzter aber wichtiger Punkt ist, dass Jesus an keiner Stelle der Bibel die Homosexualität verurteilt. Er spricht aber sehr viel von Liebe.
1.3 Bekenntnisschriften
In den Bekenntnisschriften der evangelisch lutherischen Kirche selbst waren für mich keine direkten Informationen über gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften aufzufinden. Jedoch viele Punkte in denen die Ehe beschrieben wird. Dabei wird Bezug auf die Ehe zwischen Mann und Frau genommen, welche wir zweifellos als Gegenstück zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft ansehen können.
Im Brief an die Korinther 4, 7 ist die Ehe als Gottes gute Schöpfung beschrieben. Die eheliche Gemeinschaft wird nicht vordergründig als von Menschen hervorgebracht angesehen, sondern als göttlicher Stand. So in der Confessio Augustana nachzulesen: „Wir sollen diesen göttlichen Stand (der Ehe) ehren und auf überaus herrliche Weise segnen... Denn wenns auch ein weltlicher Stand ist, so hat er dennoch Gottes Wort für sich...“ Andere Stände werden in der Confessio unterschieden und abgegrenzt: „denn die Ehe „...ist nicht von Menschen erdichtet oder gestiftet wie der Stand der Mönche und Nonnen“ 30
Das die Ehe durch Gott besondere Würdigung erhält, geht auf die Begründung aus der Schöpfung zurück. Sie findet ihre Verdeutlichung bei Paulus und ihre Betonung bei Thomas von Aquin. Das heißt laut Bekenntnisschriften der evangelischen Kirche ist eine Gleichgeschlechtliche Ehe nicht möglich. Denn die Ehe ist ein von Gott erdachtes Gut. Nichts desto trotz schließt diese Aussage eine Segnung (fälschlicherweise oft als Homo-Ehe bezeichnet) nicht aus. Denn diese steht in einen anderen Kontext (siehe Punkt 2).
30 Confessio Augustana, Traubüchlein, 529
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Weiterhin beschreibt die Confessio Augustana in ihrer Apologie im 23. Artikel die Ehe als „…gut christlich und heilig des Glaubens willen im Christentum…“ Dabei wird Bezug auf den ersten Korintherbrief, Kapitel 7, 14, genommen. Weiter finden wir im Artikel 23 noch Aussagen wie „…die natürliche Neigung… diese Neigung ist wahrhaftig eine göttliche Hinordnung des Geschlechts zum Geschlecht“. 31 Natürliche menschliche Triebe werden hier als gottgewollte Ordnung erklärt. Entgegen den Verfechtern des Priester Zölibats, welche die Reinheit des Menschen zu Gotte im nicht eingehen einer Ehe als einzige Möglichkeit verstehen.
2 conclusio finalis
Beginnen möchte ich mit einer Stellung der VELKD, welche in den Leitlinien kirchlichen Lebens von 2003 zu gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften folgendes festhält: „…Der evangelischen Kirche ist es geboten Menschen, die in anderen Lebensformen oder mit einer bestimmten sexuellen Prägung verbindlichen und treue, liebevolle und tragfähige Partnerschaften suchen, aufmerksam und ohne Abwertung wahrzunehmen und zu achten…“ 32 Die Betonung sollte in diesen Satz auf der Art der Lebenspartnerschaft liegen (Liebe, Treue, Festigkeit) erst das stellt sie der Ehe näher.
Diese Arbeit sollte eigentlich herausgestellt haben, das uns die Gebote Gottes klar machen, dass Homosexualität auch eine Sünde ist. Aber sie ist eine Sünde wie jede andere. Christus zeigt uns deutlich, dass das Gebot der Nächstenliebe immer seine Anwendung finden muss, auch bei homosexuellen Menschen. Die Zugehörigkeit zur Kirche kann und darf nicht durch ethische Kriterien wie eine eventuelle Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bestimmt werden, sondern muss sich allein auf das Bekenntnis des Glaubens berufen. Auch wenn Homosexuelle Prägungen nicht von Gott vorgesehen sind so macht Jesus, als neue Instanz des göttlichen Willens klar, dass diese nicht verurteilt werden dürfen.
Daraus folgt: Christen können in einer gleichgeschlechtlichen
Lebenspartnerschaft leben. Denn sie haben ihren freien Willen. Sie sind als Glaubende absolut gleichwertig, doch sie sollten sich bewusst machen, dass sie
31 Confessio Augustana, Apologie, Artikel 23
32 Leitlinien kirchlichen Lebens; 2003; VELKD; nachzulesen unter: http://www.velkd.de/downloads/Leitlinien_kirchlichen_Lebens(2).pdf Stand: 03.02.2009
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höchstwahrscheinlich in ihrem sexuellen Leben nicht der göttlichen Vorsehung entsprechen. Doch sobald das Bewusstsein dafür geschaffen wird kommt jeder Mensch in der Verbindung mit Gott näher. Die Forschung kennt nicht mit Gewissheit die Ursachen homosexueller Prägung. Es gilt also, Raum für Anerkennung der Homosexuellen in der Kirche zu schaffen. Das wird durch die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erreicht. Es gilt dies Fortzusetzen und keinen Ausschluss für diese Menschen zu praktizieren, denn jeder soll die seelsorgerische Tätigkeit der Kirche in Anspruch nehmen dürfen.
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3 Anlagen
eMail Texte und Material Verschiedener Institutionen
Hier habe ich Texte und Quellen aufgeführt die mir bei dieser Ausarbeitung noch zusätzlich zur Verfügung standen.
3.1 EKD Evangelische Kirche in Deutschland -----Ursprüngliche Nachricht-----Von: Markus Kreißl Theologie Uni Jena
Bereitgestellt: Donnerstag, 22. Januar 2009 01:03 Bereitgestellt in: Presseservice
Unterhaltung: Stellung der EKD zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft Betreff: Stellung der EKD zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich schreibe im Studium der evangelischen Theologie eine Arbeit zu dem Thema "Können Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen". Die Betrachtung erfolgt im Fach der Systematischen Theologie, daher sammle ich auch verschiedene Stellungen zum Thema. Nun würde ich sie gerne bitten ob sie mir weitere Informationen zur Position der EKD geben können. Vielen Dank für ihre Mühe.
mit freundliche Grüßen Markus Kreißl
Sehr geehrter Herr Kreißl,
vielen Dank für Ihre Mail, in der Sie nach der Stellung der EKD zur Homosexualität fragen. Der Rat der EKD legte 1996 eine Orientierungshilfe zum Thema "Homosexualität und Kirche" unter dem Titel "Mit Spannungen leben" vor und kam zu dem Ergebnis: Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen. Homosexuelle Praxis als solche wirdin Übereinstimmung mit den allgemeinen biblischen Aussagen zum Menschenbild und zur Sexualität - als dem ursprünglichen Schöpferwillen Gottes widersprechend qualifiziert. Angesichts der zentralen Stellung, die das Liebesgebot in der Heiligen Schrift hat, darf jedoch auch homosexuelles Zusammenleben nicht von seiner Geltung ausgenommen werden. Das heißt: Der im Liebesgebot ausgesprochene Wille Gottes gilt auch für die ethisch verantwortete Gestaltung homosexuellen Zusammenlebens.
Für das Zusammenleben von Menschen unter dem Aspekt der Sexualität und Generativität sind aus der Sicht des christlichen Glaubens Ehe und Familie die sozialen Leitbilder. Denjenigen homosexuell geprägten Menschen, die aufgrund ihrer
24
Lebensgeschichte und Selbstwahrnehmung ihre homosexuelle Prägung als unveränderbar verstehen und denen das Charisma sexueller Enthaltsamkeit nicht gegeben ist, ist zu einer vom Liebesgebot her gestalteten und darum ethisch verantworteten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu raten. Diese Position muss eine Spannung zwischen dem biblischen Widerspruch gegen homosexuelle Praxis als solche und der Bejahung ihrer ethischen Gestaltung in Kauf nehmen.
Die Kriterien, die für eine vom Liebesgebot her verantwortete homosexuelle Lebensgemeinschaft gelten, sind - bis auf die Funktion, Lebensraum für die Geburt und Erziehung von Kindern zu sein - dieselben wie die für Ehe und Familie: Freiwilligkeit, Ganzheitlichkeit, Verbindlichkeit, Dauer und Partnerschaftlichkeit. Gegenüber dem Staat, so die Orientierungshilfe, sollte die Kirche für eine Aufhebung sachlich unbegründeter Benachteiligungen eintreten, denen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften ausgesetzt sind. --In der evangelischen Kirche ist der Wunsch, Pfarrer zu werden, noch nicht hinreichend, um Menschen zum Pfarramt zuzulassen. Vielmehr wird anhand von Kriterien nach der Eignung gefragt. Der Rat der EKD hat sich in seiner Orientierungshilfe "Mit Spannungen leben" dafür ausgesprochen, dass eine generelle Öffnung des Pfarramtes für homosexuell lebende Menschen nicht vertretbar ist. Wohl aber kann verantwortet werden, dies nach gründlicher Prüfung in Einzelfällen zu tun, nämlich dort, wo die homosexuelle Lebensweise ethisch verantwortlich gestaltet wird.
http://www.ekd.de/homosexualitaet/index.html
"Homosexualität", in dem sowohl eine ausführliche Einführung in das Thema (s. http://www.ekd.de/homosexualitaet/einfuehrung.html)
als auch alle von der EKD veröffentlichten Texte zur Thematik eingestellt sind. Bitte machen Sie sich dort kundig.
Mit freundlichem Gruß
3.2 VELKD Vereinigte evang. Kirchen in Deutschland Sehr geehrter Herr Kreißl,
bzgl. Ihrer Anfrage verweise ich aus dem Bereich der VELKD auf die Stellungnahme der Bischofskonferenz vom O9. März 2004. Sie finden diese unter
http://www.velkd.de/downloads/amtsblatt_15_07_2004.pdf
Mit freundlichen Grüßen
25
3.3 Lutherischer Weltbund -----Ursprüngliche Nachricht-----Markus Kreißl Matrikel 103228 Theologie Uni Jena < > 22/01/2009 01:08 AM >>>
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich schreibe im Studium der evangelischen Theologie eine Arbeit zu dem Thema "Können Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen". Die Betrachtung erfolgt im Fach der Systematischen Theologie, daher sammle ich auch verschiedene Stellungen zum Thema. Nun würde ich sie gerne bitten ob sie mir weitere Informationen zur Position des lutherischen Weltbundes geben können. Vielen Dank für ihre Mühe.
mit freundliche Grüßen Markus Kreißl
Gesendet: Freitag, 23. Januar 2009 15:06 An: Markus Kreißl Matrikel 103228 Theologie Uni Jena
Subject: Re: Stellung zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft
Lieber Herr Kreißl,
mit dem Thema gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften haben sich zahlreiche Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes seit Über 20 Jahren beschäftigt. Es gibt eine Fülle von Material dazu. Das Spektrum der unterschiedlichen Positionen ist groß. Deshalb gibt es auch nicht "die" LWB Position zum Thema. Vor zwei Jahren wurden Leitlinien zum Umgang mit dem Thema von einer Arbeitsgruppe des LWB erstellt. Sie finden das englische Dokument auf:
http://www.lutheranworld.org/LWF_Documents/2007_Council/Task_Force_Report-EN.pdf
Unsere US amerikanische Mitgliedskirche, die ELCA, hat sehr viele ihrer Materialen online:
http://www.elca.org/What-We-Believe/Social-Issues/Social-Statements-in-Process/JTF-Human-Sexuality/Resources.aspx
http://www.elca.org/What-We-Believe/Social-Issues/Social-Statements-in-Process/JTF-Human-Sexuality.aspx
Auch die schwedische Kirche hat intensiv dazu gearbeitet, dort könnten Sie vielleicht auch einmal direkt nachfragen. Die Website der Kirche ist: www.svenskakyrkan.se
Der Schwerpunkt vieler Argumentationen liegt auf exegetischen bzw. hermeneutischen Reflexionen oder ekklesiologischen Fragen, d.h. was bedeutet es für das Kirche-Sein von Kirche, wenn
26
ethische Fragen zum Kriterium für die Zugehörigkeit zu einer Kirche bzw. Kirchengemeinschaft werden.
Ich wünsche Ihnen interessante Entdeckungen in diesem komplexen Feld.
Mit freundlichen Grüßen,
3.4 LUST - lesbische und schwule Themen - http://www.lustzeitschrift.de/
----- Original Message -----From: Markus Kreißl Theologie Uni Jena Sent: Thursday, January 22, 2009 12:59 AM Subject: Anfrage zur Stellung der LUST zur Kirche
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich schreibe im Studium der evangelischen Theologie eine Arbeit zu dem Thema "Können Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen". Die Betrachtung erfolgt im Fach der Systematischen Theologie, daher sammle ich auch verschiedene Stellungen zum Thema. Nun würde ich sie gerne bitten ob sie mir weitere Informationen zu ihrer Position geben können. Mich interessieren sämtliche Meinungen unabhängig vom Bekenntnis der jeweiligen Kirche. Den Text: 72. LUST, Herbst 02, September / Oktober / November Kirche und Ehe, Recht und Gesetz habe ich bereit auf Ihren Seiten gefunden. Vielen Dank für ihre Mühe. mit freundlichen Gruß Markus Kreißl
Hallo Markus,
das hast Du sicher in einer Print-Ausgabe gefunden, denn ich haben den Artikel nicht im Internet gefunden, obwohl ich dort intensiv danach gesucht habe. Also habe ich die 72.LUST rausgesucht. Dort handelt es sich um einige Presseerklärungen des LSVD, genauer zu einem seiner Sprecher, dem ehemaligen Bundsanwalt Manfred Bruns. Die Presseerklärungen wurden derart lieblos dort reingeklatscht, das es heute meinen Augen wehtut.
Die Frage nach der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft einerseits und dem, was Christen nun wirklich können, kann nicht beantwortet haben. Aber mit religiösen Organisationen jedweder Art müssen, so meinen wir, Auseinandersetzungen geführt werden, wenn sie versuchen, auf statliche Gesetze Einfluss zu nehmen und so das Leben von Menschen, die nicht religiös sind, in dieser Weis vergiften zu suchen. Wenn Du ins Internet gehst: www.lust-zeitschrift.de findst Du den Link "Artikel". Un dann ist dort der Link zum Artikel- "Archiv" zu finden. Dort sind eine Unzahl von Beitägen in den verschiedenen Rubriken, die sich auch mit der Fragestellung Religion und Homosexualität auseinenderzusetzen haben.
Ab Herst 03 haben wir dort die Rubrik "Religion" eingerichtet und dort viele Artikel zugeordnet. Da könntest Du auch fündig werden. Ansonsten rate ich Dir, auf die
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Internet-Präsenz des LSVD zu gehen. Der setzt sich nämlich mit diesem Thema auseinander, sodass Du dort Einiges finden könntest: http://www.lsvd.de/ Wir selber veröffentlichen oftmals Beiträge und Pressemeldungen, wenn diese aus der Szene stammen und es also Menshcen gibt, die sich damit auseinandersetzen. Da wir selber gar nicht religiös sind, ist uns selber diese Fragestellung doch recht fremd. Uns interessiert und für unser eigenes Leben nämlich überhaupt nicht, was irgend ein Religionsverkünder glaubt, sagen zu müssen.
Schau mal nach unserem Aufruf unter dem Link
http://www.rosalueste.de/aufruf1.html den haben wir auf der Buchmesse zusammen mit Verlegern einiger Verlage unserer Szene und anderen emanzipativen Denkansätzen formuliert, das gibt in etwa unsere Auffassung wieder.
Viele Grüße
28
Arbeit zitieren:
Markus Kreißl, 2009, Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben?, München, GRIN Verlag GmbH
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Pränatale Diagnostik und Präimplantationsdiagnostik - ein Thema für de...
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Referat (Ausarbeitung), 31 Seiten
Zuckmayer, Carl - Der Hauptmann von Köpenick
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Eva-Angelika Herbst hat den Text Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben? kommentiert
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Bei einem ersten Überblick ist mir die doch etwas mangelhafte Grammatik und Satzzeichenverwendung aufgefallen, das macht das Lesen schwer. Ein wichtiger Hinweis zum Namen "Jesus", da hier das genannte Problem besonders in den Überschriften auffällt: Im Nominativ (1. Fall) heißt es "Jesus", im Genitiv (2. Fall) muss es heißen "Jesu", also "Jesu Verhältnis zu Maria Magdalena" und "Jesu Verhältnis zu Lazarus". Vielleicht können solche doch gravierenden Fehler in einer neuen Auflage korrigiert werden.
am Friday, October 01, 2010-