Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zu den Begriffen Erziehung, Sozialisation und Unterricht 4
3. Die Schule in der Klassengesellschaft 5
3.1. Die höhere Bildung 7
3.2. Die niedere Bildung 9
4. Lernziel: Untertan 9
5. Das Militär und die Schule der Kaiserzeit 12
6. Schlussbetrachtung 14
7. Literaturverzeichnis S 15
1. Einleitung
„Wir müssen als Grundlage für das Gymnasium das Deutsche nehmen; wir sollen nationale junge Deutsche erziehen und nicht junge Griechen und Römer.“ 1 Diese Worte machen deutlich, was Kaiser Wilhelm II. von den Schulen erwartet, beziehungsweise, was er als Voraussetzung jeden Unterrichts ansieht. Der Schule kamen in jeder Zeit wichtige gesellschaftliche Funktionen zu. In der Zeit des deutschen Kaiserreiches zwischen 1871 und 1918 muss man diese allerdings kritisch beleuchten und hinterfragen. Veränderte sich die Schule in der aufkommenden Industriegesellschaft und wenn ja, auf welche Weise? Welches Ziel stand in der schulischen Bildung des Kaiserreichs im Mittelpunkt? Die vorliegende Arbeit beginnt zunächst mit einem Kapitel zur Klärung der Begriffsdefinitionen von Sozialisation, Erziehung und Unterricht. Anschließend ist die Schule in der Klassengesellschaft Gegenstand der Betrachtung. Dabei wird auch ein genauerer Blick auf die höheren Schulen und die Volksschulen geworfen. Der größte Abschnitt wird dann die Ziele des Unterrichts im Kaiserreich behandeln, wobei ein Blick auf Anweisungen durch den deutschen Kaiser und Schulbücher aus der Kaiserzeit geworfen wird. Abschließend erfolgt noch ein kurzer Blick auf das Militär und seine Interessen am Schulwesen. Die Literatur zum Thema ist vielseitig. Allerdings beschränken sich viele Monographien und Aufsätze auf schulgeschichtliche Aspekte. Aus diesem Bereich wurde hier das Werk von Bruno Hamann verwendet, der eine übersichtliche Einführung in alle wesentlichen Aspekte der einzelnen Schulformen in knapper Form gibt. 2 Daneben gibt es aber auch zahlreiche Arbeiten, die sich explizit mit Themen beschäftigen, die für diese Arbeit geeignet waren. An dieser Stelle sei nur auf zwei Bücher verwiesen. Zum einen „Erzieherisches Denken und Handeln“ 3 von Hans Rauschenberger und zum anderen „Die Bildung der Nation“ 4 von Hellmut Becker und Gerhard Kluchert. Beide beschäftigen sich intensiv mit Fragen der Wechselbeziehungen zwischen Schule und Gesellschaft und den Intentionen, die die Schule im Kaiserreich verfolgte.
1 Berthold, Michael/Schepp, Heinz-Hermann: Die Schule in Staat und Gesellschaft: Dokumenten zur deutschen Schulgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Göttingen, Zürich 1993. Hier S. 187.
2 Hamann, Bruno: Geschichte des Schulwesens: Werden und Wandel der Schule im ideen- und sozialgeschichtlichen Zusammenhang. Bad Heilbrunn 1986.
3 Rauschenberger, Hans: Erzieherisches Denken und Handeln: gesellschaftliche Entwicklungen in ihrer Wirkung auf Schule und Unterricht. München 1999.
4 Becker, Hellmut/ Kluchert, Gerhard: Die Bildung der Nation: Schule, Gesellschaft und Politik vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Stuttgart 1993.
2. Zu den Begriffen Erziehung, Sozialisation und Unterricht
Bevor man einen konkreten Blick auf die Schule im deutschen Kaiserreich wirft, muss man sich zunächst einmal theoretisch mit wichtigen Begriffen auseinandersetzen. Als erstes wäre an dieser Stelle der so oft benutzte Begriff der Sozialisation zu nennen. Darunter versteht man bekanntlich den Prozess, durch den Individuen im Umgang mit anderen - Individuen, Gruppen und Organisationen - sozial handlungsfähig werden. Innerhalb dieses Prozesses lernen sie Normen und Werte der Gesellschaft kennen. 5 Auffällig an dieser Definition ist, dass Sozialisation offenbar ein Prozess ist, der unabsichtlich geschieht. Der Umgang mit anderen, durch den die Normen und Werte gelernt werden, scheint nicht geplant und nicht unbedingt auf ein Ziel ausgerichtet zu sein. Mit den Worten von Niklas Luhmann erbringt Sozialisation folgende Leistung: „Sozialisation vermittelt natürliche und soziale Verhaltensbedingungen als Selbstverständlichkeiten.“ 6 Damit ist ein Teil der „Untertanenkultur“ im Kaiserreich erklärt, aber vollständig lässt sie sich dadurch noch nicht verstehen. Die Schule stellte damals, sicher noch mehr als heute, einen wichtigen Teil der Sozialisation dar. Die Schule erzieht und hat erzogen. 7 Was aber ist unter dem Begriff Erziehung zu verstehen? „Erziehung ist dagegen ein Prozess, in dem Personen, Gruppen oder Organisationen versuchen, das Verhalten einzelner gezielt, nach Plan, zu ändern.“ 8 Bereits in diesem Satz zeigt sich der markante Unterschied zum Begriff der Sozialisation: Erziehung geschieht mit Absicht. Erziehung, beziehungsweise das Erziehungssystem, ist eine Institution, deren Hauptintention die gesellschaftliche Reproduktion ist - es sollen brauchbare Gesellschaftsmitglieder hergestellt werden. 9 Wie sich zeigen wird, handelte die Schule des Kaiserreichs vorbildlich nach dieser Intention. Niklas Luhmann markiert noch einen Unterschied zwischen den beiden Begriffen: die Kommunikation. „Mit der Angewiesenheit auf Kommunikation ist Erziehung zwangsläufig ein gesellschaftlicher Prozeß, während Sozialisation über Handlung und Nachahmung laufen kann.“ 10 Wie wichtig dabei die Form der Kommunikation ist, bleibt hier offen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass eine offene Kommunikation einer Erziehung wohl förderlicher ist. In der Schule des Kaiserreiches war diese - wie sich zeigen wird - nicht unbedingt gegeben. Dies soll aber nicht heißen, dass
5 Vgl. Feldmann, Klaus: Soziologie kompakt: Eine Einführung. Wiesbaden 2006. Hier S. 239.
6 Luhmann, Niklas: Das Erziehungssystem der Gesellschaft. Frankfurt am Main 2002. Hier S. 53.
7 Vgl. Feldmann: Soziologie kompakt. S. 239.
8 Ebda.
9 Vgl. Ebda. S. 244.
10 Luhmann: Das Erziehungssystem der Gesellschaft. S. 53.
die Erziehung im Kaiserreich als schlecht zu bewerten ist. Erziehung verfolgt, wie oben gesagt, einen Plan, beziehungsweise ein Ziel. Wenn dieses erreicht ist, hat die Erziehung nicht versagt. Eine Bewertung von Erziehung ist erst im Nachhinein möglich und auch nicht Ziel dieser Arbeit.
Zum Ende dieses Kapitels noch eine kurze Definition von Unterricht, in dessen Form sich Erziehung schließlich in der Schule ausdrückt: „Unterricht ist die planmäßige Interaktion von Lehrenden und Lernenden zum Aufbau von Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz im institutionellen Kontext der Schule.“ 11 Betrachtet man diese Definition, so fallen sofort die Parallelen zur vorher durchgeführten Begriffserklärung für Erziehung auf: sowohl Erziehung als auch Unterricht verfolgen planmäßig bestimmte Ziele und zeichnen sich durch Kommunikation aus. Die Ziele, die die Schule dabei erreichen soll, werden ihr als gesellschaftlicher Institution von eben dieser Gesellschaft vorgegeben.
3. Die Schule in der Klassengesellschaft
Betrachtet man die Zeit des deutschen Kaiserreiches, so wird deutlich, dass es hier zwei mögliche Blickwinkel gibt. Zum einen die kleinbürgerliche Idylle, deren typisches Symbol die „Gartenlaube“ war. Auf der anderen Seite steht ein staatlich geordnetes Zusammenleben, das das Leben mit Strenge verwaltet. Letztlich war es der Staat, der den Menschen Handel und Wandel gestattete und dafür ihre Treue einforderte. 12 Typisch für die Zeit des Kaiserreiches war der Gegensatz zwischen Aufbruchstimmung und starkem nationalen Ordnungsdenken. Die Wirtschaft blühte und den Menschen zeigte sich eine Wirklichkeit, in der Grenzen zu verschwinden schienen. Andererseits war die Politik im Innern von einer starren Ordnung geprägt. Wer seine soziale Stellung behaupten oder verbessern wollte, musste sich an der staatlichen Autorität orientieren. In einer Zeit starker Industrialisierung, Verstädterung und Vermassung vergrößerte dies letztlich die Kluft zwischen Bessergestellten und einfachen Arbeitern. 13 Diese Entwicklung betraf in zweifacher Weise auch das Schulsystem. Auf der einen Seite wirkte diese gesellschaftliche Entwicklung auch in der Schule, auf der anderen Seite die Schule an dieser gesellschaftlichen Entwicklung mit. Wie sich das Schulsystem in den Augen eines Zeitgenossen darstellt, zeigt folgender Bericht: „Das deutsche Schulwesen der Gegenwart bietet auf den ersten Blick das Bild einer bunten
11 Jank, Werner/Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, Frankfurt a.M. 1991. S. 46.
12 Vgl. Rauschenberger: Erzieherisches Denken und Handeln. S. 11.
13 Vgl. Ebda. S.12ff.
Arbeit zitieren:
Nico Mehlhorn, 2008, Der Untertan als Lernziel, München, GRIN Verlag GmbH
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Gesetze und Praxis eines umstr...
Hausarbeit, 17 Seiten
Luther und sein Einfluß auf das Verhältnis von Schule und Staat
Pädagogik - Geschichte der Päd.
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Hurra! Jetzt darf ich in die Schule
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