Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
1.1 Vorbemerkung zur Verwendung des Begriffs Wasserfrau’ 5
2. Liebe, Sprache, Kunst: Die thematischen Aspekte im einzelnen 7
und in ihren Zusammenhängen
2.1 Kunst, Sprache, Liebe: Zusammenhänge 7
2.2 Der Aspekt Kunst’ in Bezug zur Wasserfrau 8
2.3 Zur Kunstfigur Undine/Wasserfrau 11
2.3.1 Zur Entstehung der zentralen Wasserfrauenfigur der Undine 11
in der Romantik
2.3.2 Wasser als imaginärer Raum und die Wasserfrau als aquatische 12
Muse
2.3.3 Grenzfigur Wasserfrau 15
2.4 Pygmalion und die Wasserfrauen 17
2.5 Der Aspekt Sprache’ in der Wasserfrauenliteratur 20
2.6 Das Phänomen Liebe’ in der Wasserfrauenliteratur 24
2.6.1 Liebe - eine Erfahrungsmodalität der Erkenntnis 25
2.6.2 Liebe als Kommunikationsform und Sprache 26
2.6.3 Utopisches Moment der Liebe: Wandlung und Belebung durch 27
Liebe
2.6.4 Liebe als Fiktion und Mythos 29
3. Textanalysen vor dem Hintergrund der Aspekte von Liebe, Sprache 33
und Kunst
3.1 Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“ - Integration von Poesie in 33
die Gesellschaft durch Liebe?
3.2 Hans Christian Andersens „Die kleine Seejungfrau“ - Erzählung bewegt 55
3.2.1 Exkurs: ‚Mignon’ als Kunstfigur und Parallele zur Kunstfigur der 56 Wasserfrau 3.2.2 „Die kleine Seejungfrau“ 59
3.3 Oscar Wildes „Der Fischer und seine Seele“ - Kunstliebe und Sprache 70 als Verführungsinstrument
3.4 Jean Giraudoux’ „Undine“ - Kunst und Liebe als ‚wahre’ Illusion 79
3.5 Ingeborg Bachmanns „Undine geht“ - Utopien von Sprache und Liebe 88
4. Schluß 101
Literaturliste 103
1. Einleitung
Der mythische Kern des Wasserfrauenstoffes, die Begegnung von Wasserfrau und Mensch, fasziniert schon seit der Antike bis in die heutige Zeit hinein und wird daher in Kunst und Literatur in den unterschiedlichsten Variationen und Bearbeitungen immer wieder thematisiert.
Die andauernde Attraktion des Stoffes liegt sicherlich auch darin begründet, daß er eine Ansammlung von essentiellen Sehnsüchten und Phantasien, utopischen Hoffnungen und Ängsten des Menschen beherbergt und dessen Darstellung ermöglicht. Entsprechend wird die Wasserfrau auch immer wieder als Inkarnation der Liebe, Kunst, Tod, als Wunschprojektionsfläche und „als Platzhalter für alle reinen Grö-
ßen“ 1 bezeichnet.
Da es sich dabei aber immer auch um eine Beziehung zwischen einer Wasserfrau und einem Menschenmann handelt, hat sich nicht zuletzt deshalb auch die feministische Literaturwissenschaft dieser Literaturrichtung angenommen, weil sie in ihr einen Schauplatz insbesondere von männlichen Phantasien, Ängsten und Wunschbildern vertreten sieht, infolgedessen die Figur der Wasserfrau geradezu als Paradebeispiel für männliche Projektionen und imaginierte Weiblichkeitsbilder gilt. Zu diesem Themenschwerpunkt liegen daher bereits eine Vielzahl von Arbeiten und Untersuchungen vor, so daß die vorliegende Arbeit aus diesem Grund nicht als ein weiterer Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Frauenforschung beabsichtigt ist. Zudem geht „[d]ie Darstellung einer solchen Liebesbeziehung [...] in jedem Fall über
die Beschreibung einer menschlichen Liebesbeziehung hinaus“ 2 und läßt sich daher nicht auf diese reduzieren. Denn die Besonderheit der Liebeskonstellation zwischen Mensch und Wasserfrau ist durch eine Ungleichheit beider Partner gekennzeichnet, die zum einen die Verbindung zu einem phantastischem Wesen schon an sich als utopisch ausweist und zum anderen die Wasserfrau als übernatürliches Geschöpf zur Repräsentantin und Trägerin von Utopien in den Vordergrund rückt. Die vorliegende Arbeit will sich daher unabhängig von der Geschlechterproblematik den utopischen Momenten in der europäischen Wasserfrauenliteratur widmen, die über das Dreieck der Aspekte Liebe, Sprache und Kunst in Erscheinung treten. Dabei soll versucht werden zu zeigen, daß in der Wasserfrauenliteratur Utopien der absolu- 1 Nawab:Ingeborg Bachmanns „Undine geht“. S. 123
2 ebd. S. 5
4
ten Liebe und Formen eines nicht entfremdeten Daseins entworfen und dargestellt werden, die zugleich auch immer im Zusammenhang mit Kunst und Literatur stehen. Daher werden anhand den Texten auch das Verhältnis von Autor/Künstler und Mensch zur Kunst und Sprache, bzw. ob und wie Kunst und Leben miteinander vereinbar sind, verhandelt und der Frage nachgegangen, inwiefern Kunst und Sprache eine Rolle bei der Verwirklichung von Utopien spielen können. Zu diesem Zweck ist die Arbeit in einen theoretischen und in einen darauf folgenden analytischen Hauptteil gegliedert. Im ersten Teil der Arbeit sollen die Aspekte Liebe, Sprache und Kunst jeweils im einzelnen näher beleuchtet und ihre Bezüge zueinander aufgezeigt werden, um auf diese Weise den Hintergrund und Ausgangspunkt für die Textanalysen im zweiten Teil zu bilden. Anhand dieser Textanalysen sollen die abstrakten und theoretischen Aussagen und Erörterungen zu den Aspekten Liebe, Sprache, Kunst exemplarisch an ausgewählten zentralen Texten der Wasserfrauenliteratur konkretisiert werden. Bei der Literatur handelt es sich um eine Auswahl aus dem europäischen Raum, wobei sich die Ausweitung über den deutschen Sprachraum hinaus aus der Internationalität des Phänomens ergibt. Die Textgrundlage für meine Arbeit bilden daher Friedrich DE LA MOTTE FOUQUÉs „Undine“ (1811), Hans Christian ANDERSENs „Die kleine Seejungfrau“ (1837), Oscar WILDEs „Der Fischer und seine Seele“ (1891), Jean GIRAUDOUX’ „Undine“ (1938/39) und Ingeborg BACH- MANNs „Undinegeht“ (1961).
1.1 Vorbemerkung zur Verwendung des Begriffs ‚Wasserfrau’
Da sich die vorliegende Arbeit auf eine Auswahl der europäischen Wasserfrauenliteratur bezieht, der Großteil davon aber explizit auf die Gattung der ‚Undinen’ rekurriert, ist zur Definition der ‚Wasserfrau’ im nachfolgenden noch anzumerken, daß die im weiteren gebrauchten Bezeichnungen ‚Undine’ bzw. ‚Wasserfrau’ teilweise gleichbedeutend für Nixen, Sirenen, Undinen und Wasserfrauen verwendet werden. Denn trotz der Unterschiede zwischen dem auf der einen Seite sehr speziellen Begriff ‚Undinen’ und der sehr allgemeinumfassenden Bezeichnung ‚Wasserfrau’, die z.B. auch das Wasserfrauengeschlecht der Melusinen mit einbezieht, werden die auszuführenden Feststellungen in den allgemeineren Abschnitten weder in Bezug zu den ‚Undinen’ bei FOUQUÉ, GIRAUDOUX und BACHMANN, noch bei den namenlosen Ni-
5
xen bei ANDERSEN und WILDE im wesentlichen durch die vorhandenen Verschiedenheiten verändert, wie sich im Verlauf der Arbeit zeigen soll. Die nötigen Differenzierungen sollen daher an gegebener Stelle bei den Einzelanalysen der Texte ergänzend aufgegriffen und dargelegt werden.
6
2. Liebe, Sprache, Kunst: Die thematischen Aspekte im einzelnen und in ihren Zusammenhängen
2.1 Kunst, Sprache, Liebe: Zusammenhänge
Um die Aspekte Kunst, Sprache und Liebe im nachfolgenden auf die Wasserfrauenliteratur anzuwenden, möchte ich zunächst kurz erläutern, inwieweit sie als zusammengehörig zu betrachten sind. Dabei bestehen die für meine Arbeit relevanten thematischen Zusammenhänge von Liebe, Sprache und Kunst hauptsächlich in dem utopischen Moment, das in ihnen Ausdruck findet und durch sie vermittelt wird. Wie ich im weiteren Verlauf genauer zeigen werde, liegt die utopische Kraft der Liebe, Sprache und Kunst besonders in deren Eigenschaften zur Wirklichkeitserschaffung und -überschreitung, Grenzerweiterung und Bewußtseinsveränderung. Aus diesem Grund wird mit diesen Bereichen die Hoffnung auf eine nichtentfremdete Existenz verbunden, da sie mögliche Mittel darstellen, eine eigene die defizitäre und nutzorientierte Welt auf eine bessere ganzheitliche hin zu transzendieren oder ihr eine eigene vollkommenere Welt gegenüberzustellen, indem die poetische Sprache, künstlerische Imagination und der ‚andere Zustand’ der Liebe einen Raum erschaffen, der jenseits der rational begrifflichen Welt der Gesellschaft und des Alltags steht.
Die Beschränkungen aufhebende und befreiende Kraft utopischer Zustände birgt dennoch auch ein destruktives und isolierendes Element in sich, das einerseits eine gerade notwendige Eigenschaft darstellt, um eben erst befreiend wirken zu können, andererseits generell auch eine Gefährdung bedeuten kann. Der Bezug zur realen Welt kann durch totale Auflösung, Zertrümmerung oder Herauslösung aus bestehenden Ordnungen zerstört werden und in einen völligen Orientierungs- und Selbstverlust münden, dem häufig psychische Zerstörung in Form von Wahnsinn, oder auch physische Zerstörung (Tod) folgen.
Aus diesem Grund sind solche Utopien in der Realität nur in Ansätzen zu verwirklichen und finden ihren vollständigen Ausdruck nur in der Kunst, wobei aber auch dort oftmals zugleich ihr Scheitern dargestellt wird, wie es in der Wasserfrauenliteratur durch den strukturell angelegten Verrat, sowohl an bestehenden Ordnungen als auch an den Wasserfrauen, sichtbar wird.
7
Das Wort „Verrat“ [...] gehört ja auch seiner Natur nach zum Undine-Stoff. [...] Es wird Verrat geübt an der Ordnung um der Undine willen, und es wird Verrat geübt an Undine um der Ordnung willen. 3
Der Mensch muß also immer wieder in sein Gesellschaft und Orientierung bietendes System zurückkehren, wenn er in letzter Konsequenz seiner Vernichtung entgehen will. Daher bleibt der utopische Zustand für ihn nur zeitlich begrenzt und momenthaft erfahrbar.
Auch wenn Utopien selbst nicht wirklich lebbar sind und als zum Scheitern verurteilt erscheinen, besteht ihre Wirkung und Sinn aber dennoch nicht nur darin, daß sie einen Moment der Erholung und der Belebung bieten, denn dann würden sie lediglich nur zur Stabilisierung der bestehenden Ordnung beitragen, sondern in dem Ermöglichen, in andere Wirklichkeitsbereiche vorzustoßen und dadurch ein verändertes Bewußtsein zu erreichen, welches wiederum dazu beitragen kann, die bestehende Ordnung zu verändern.
2.2 Der Aspekt ‚Kunst’ in Bezug zur Wasserfrau
In dem vielzitierten Ausschnitt aus einem Interview mit Ingeborg BACHMANN wird die BACHMANNsche Undine mit der Kunst gleichgesetzt:
Die Undine ist keine Frau, auch kein Lebewesen, sondern, um es mit Büchner zu sagen, ‚die Kunst, ach die Kunst’. Und der Autor, in dem Fall ich, ist auf der anderen Seite zu suchen, also unter denen, die Hans genannt werden. 4
Jedoch gilt diese Aussage nicht nur eingeschränkt für Bachmanns Undine, sondern auch für die Wasserfrauen von FOUQUÉ, ANDERSEN, WILDE und GIRAUDOUX, denn es handelt sich dabei um eine Kunst, die den Menschen durch ihre Wirkung mittels der ihr eigenen Darstellungsmöglichkeiten, wie z.B. die poetische Sprache, für andere Daseinsformen und -realitäten über die alltägliche Normalität hinaus empfänglich machen und zugleich seine eigenen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern oder verändern soll.
In der Wasserfrauenliteratur spiegelt sich daher ein Kunstverständnis wider, das die Kunst als das ganz ‚Andere’ jenseits der gesellschaftlichen Realität ansiedelt, das in
3 von Matt: Liebesverrat. S. 244
4 Koschel: Wir müssen wahre Sätze finden. S. 46
8
seiner Wirksamkeit jedoch in der Lage ist, die trennenden Grenzen zu transzendieren und den Blick auf eine zwar nicht vorhandene, aber mögliche Welt eröffnet. Da
Kunst mit sich selbst identisch ist 5 erlaubt sie auch dem Individuum, abseits der nutzorientierten produktiven Gesellschaft, im Reservat einer zweckfreien Zone, ein ganzheitliches und nichtentfremdetes Erleben, eine „Harmonie und ‚Koncinnität’, die
6 das Leben, das Geschäft, die Politik nicht bieten können [...]“ Neben dieser befreienden Aufgabe liegen die utopischen Qualitäten in dem Offenbarungscharakter und der damit verbundenen sinnstiftenden Funktion von Kunst, die sich somit als Religionsersatz erweisen kann, da das Göttliche „im Rätsel der Natur, des Subjekts, in den
7 Rätseln der Kunst und des Weiblichen“ aufscheint.
Sie [die Kunst, Natur, Weiblichkeit, Subjekt] alle sind materiell, bergen aber einen immateriellen Überschuß, der im Begriff des Göttlichen oder Okkulten gefaßt wird. So kann der vormals himmlische Trost im Irdischen gesucht werden. [...] In ihrem Okkulten offenbart sich genau wie in der Natur das, was unfaßbar bleiben muß und darum 8 Gott heißt.
In dem Hinausweisenden und auf das ‚Andere’ Zielende der Kunst wird das eigentlich Unfaßbare zur Anschauung gebracht. Kunst ist dabei aber nicht dieses Göttliche oder die Wahrheit selbst, sondern diese vermag nur am und durch das Medium Kunst
sichtbar zu werden, welches auf diese Weise als Erkenntnismittel fungiert. 9 Daher vollzieht sich das Erkennen über Kunst nur als ein mittelbares, denn ihr Wesen ist nicht das Unmittelbare, sondern nur ihr Gehalt, der durch sie aber „er-formt
10 werden kann.“
Kunst geht auf Wahrheit, ist sie nicht unmittelbar; insofern ist Wahrheit ihr Gehalt. Erkenntnis ist sie durch ihr Verhältnis zur Wahrheit; Kunst selbst erkennt sie, indem sie an ihr hervortritt. Weder ist sie als Erkenntnis diskursiv noch ihre Wahrheit die Widerspiegelung eines Objekts. 11
Trotz ihrer Mittelbarkeit kann Kunst eine nicht diskursive und daher begriffslose Erkenntnisform darstellen, die aufgrund dessen zum Träger des begrifflich nicht darstellbaren Elements der Sehnsucht zu werden vermag, welches durch das in der
5 vgl. Althoff: Weiblichkeit als Kunst. S. 113 6 ebd. S. 113 7 ebd. S. 117 8 ebd. S. 117
9 vgl. Adorno: Ästhetische Theorie. S. 419 10 Althoff: Weiblichkeit als Kunst. S. 155
11 Adorno: Ästhetische Theorie. S. 419
9
Kunst aufscheinende utopische Moment und den damit sichtbar werdenden Mangel an der vorhandenen Realität deutlich wird. Sehnsucht ist dabei sowohl Produkt als auch Abbild des entstehenden Mangels, der aus der Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit herrührt. Insofern spiegelt das Phänomen der Sehnsucht zum einen die Verneinung und Kritik an der bestehenden Gesellschaft wider und zum anderen verweist sie in ihrem Verlangen, auf eine mögliche bessere, aber außerhalb liegende und damit unerreichbare Welt. Jedoch künden die Kunstwerke von diesem fernen Bereich und „deute[n] darauf, daß das Nichtseiende sein könnte. Die Wirklichkeit der
Kunstwerke zeugt für die Möglichkeit des Möglichen.“ 12 Daher ist auch in der romantischen Kunstauffassung die Hoffnung auf Erlösung der Welt an die Kunst gebunden, eine Kunst, die Kraft der Imagination und schöpferischen Phantasie die mangelhafte Realität auf eine bessere hin transzendieren und mittels poetischer Durchdringung der hiesigen Welt auf das utopische Ziel einer befreiten und nichtentfremdeten hin annähern sollte.
Dazu war jedoch erst eine Kunst imstande, die aufgrund veränderter Bewertungskriterien eine Eigengesetzlichkeit zugeschrieben bekam, nach der Kunst nicht mehr nur an die Nachahmung der Natur gebunden war, sondern nach der sie als Ausdruck reiner Imaginationskraft des Künstlers der Natur als ebenbürtige und autonome Wirklichkeit gegenübergestellt werden konnte.
Die Distanzierung von der Realität und die gesellschaftliche Abseitigkeit neigt jedoch auch dazu, von der bürgerlichen Arbeitswelt und Gesellschaft zu entfremden. Als ästhetisches Phänomen vermag Kunst ein Versinken des Betrachters in der Anschauung herbeizuführen und ihn in eine ästhetische Gestimmtheit zu versetzen, die ihn von der nüchternen Realität entrückt. Diese Erfahrung und der Vergleich zwischen der vorhandenen Welt und dem utopischen Versprechen der Kunst kann das Ungenügen an der Realität zu einer Unerträglichkeit steigern, die eine unstillbare Sehnsucht nach dem ‚Anderen’ hervorruft und die im Falle des Verharrens in dieser Sehnsucht in eine hermetische Innerlichkeit und Isolation münden kann. Problematisch erweist sich auch eine mögliche Verwechslung von Kunst und Leben, die dadurch begünstigt wird, daß Kunst in der Gerafftheit der Zeit und Darstellung von Ereignissen jener Langweiligkeit und Weitläufigkeit des Lebens entbehrt und deshalb die Kunst einen Anschein von Lebendigkeit und Authentizität zugeschrieben
12 ebd. S. 200
10
bekommt, die das Leben selbst zu übertreffen scheint. Als eine mit der Realität verwechselbare Fiktion offenbart sich der in der Kunst innewohnende Illusionscharakter. Dadurch erscheint die Kunst als paradoxes Phänomen, indem sie einerseits auf Wahrheit verweist, andererseits in die Nähe von Zauberei und Täuschung rückt und insofern verdeutlicht wird, daß sie neben dem Potential der Erkenntnis auch das der Verblendung und Irreführung birgt.
Da die hier getroffenen Aussagen über Kunst in den von mir ausgewählten Texten anhand der Wasserfrauenfigur thematisiert werden, soll deshalb im nächsten Abschnitt die Gestalt und Funktion der Wasserfrau als Kunstfigur näher betrachtet werden.
2.3 Zur Kunstfigur Undine/Wasserfrau
In der Forschungsliteratur ist in Bezug auf Undinen/Wasserfrauen oftmals von
14 Kunstprodukten 13 , Kunstfiguren die Rede, von Verkörperungen des Wunderbaren und des Phantastischen. Als Gestalt gewordene Imagination werden sie zu Vertretern der Kunst, Liebe und Literatur, die, weil sie dem Imaginären entstammen und in die Welt einzutreten vermögen, als Mittler zwischen diesen Sphären fungieren. Ausgehend von einer kurzen Erläuterung der Entstehungsbedingungen und Eigenschaften der FOUQUÉschen Undine als ein zentraler Text der Wasserfrauenliteratur, dessen Wirkung bis ins 20. Jh. fortdauert, sollen in diesem Abschnitt die Aussagen der Forschungsliteratur aufgegriffen werden und die in den Wasserfrauenfiguren strukturell angelegten Merkmale und Bezüge zum Imaginären verdeutlicht und dadurch nachvollziehbar gemacht werden, wodurch sie sich im wesentlichen als Kunstfiguren auszeichnen.
2.3.1 Zur Entstehung der zentralen Wasserfrauenfigur der Undine in der Romantik
FOUQUÉs „Undine“ geht auf PARACELSUS’ Beschreibung der Undinen in seiner natur-philosophischen Abhandlung aus dem 16. Jh. zurück. Daß es so lange dauerte, bis aus den durchaus naturwissenschaftlich gemeinten weiblichen Elementargeistern des
13 vgl. Nawab: Ingeborg Bachmanns „Undine geht“. 14 vgl. Weigel: Liebe - nichts als ein Mythos?
11
Wassers bei PARACELSUS die literarische Gestalt der Undine bei FOUQUÉ wurde, hing mit den sich in der Romantik entwickelnden Kunstauffassungen zusammen, die das ‚Auftauchen’ von „Undine“ erst ermöglichten. Wie oben schon erwähnt, bekam die Kunst zum einen den Status der Eigengesetzlichkeit zuerkannt, zum anderen sollte die Welt mittels Poesie transzendiert werden. Eine der romantischen Forderungen zur Erreichung dieses Zieles bestand in der
Poetisierung und Personalisierung der Natur, de[n] Rückgriff auf märchenhafte und sagenhafte Figuren vergangener Zeiten [...] 15
Aus diesem Grund wurden auf der Suche nach geeigneten Stoffen und Figuren die Vorstellungen von Elementargeistern wieder populärer:
Mit der Romantik belebt sich das Interesse für die Elementargeistervorstellungen. Die wiedererwachende Sehnsucht nach dem Phantastischen sieht in den Elementargeistern diejenigen, die die (von der Naturwissenschaft für tot erklärte) Natur wieder beleben, sie verzaubern und wieder mysteriös erscheinen lassen. [...] [S]o werden sie in der Romantik die „Geheimnisträger“ der Natur, die die Schöpferkraft, die Größe und auch den Abgrund der Natur offenbaren. Die Elementargeiser gelten nicht mehr als reale Geschöpfe, sondern sie werden als Gegenstand der Phantasie betrachtet und werden zu Figuren des phantastischen Überschreitens der Wirklichkeit. 16
Als solche finden PARACELSUS’ Elementarwesen Eingang in die Konzeption der literarischen Gestalt der Undine bei FOUQUÉ, die sich in ihrer Eigenschaft als Elementargeist und phantastisches Geschöpf als nahezu perfektes Medium erweist, um die romantischen Kunstideale in einer Figur darzustellen: Als Verkörperung der Natur werden die Elementarwesen Undinen zu Repräsentantinnen für die personifizierte und poetisierte Natur und damit für die Poesie selbst.
Undines eigentliche Natur, ihr Herkommen ist die Wasserwelt, ihrem Wesen nach aber 17 ist sie bei Fouqué Poesie.
2.3.2 Wasser als imaginärer Raum und die Wasserfrau als aquatische Muse
In der Romantik bekam das Element des Wassers einen hohen Stellenwert eingeräumt, da es durch seine fließende, formlose und wandelbare Gestalt als poetischer Stoff sogar als Quelle der Poesie selbst angesehen wurde. Als Element ohne Gren- 15 Trüpel-Rüdel:Undine. Eine motivgeschichtliche Untersuchung. S. 53
16 ebd. S. 53
17 Fassbind-Eigenheer: Undine oder die nasse Grenze zwischen mir und mir. S. 38
12
zen, das man als der menschlich beschränkten Welt diametral entgegengesetzt dachte, entsprach es in seinen Eigenschaften den romantischen Vorstellungen eines poe-
tisch-utopischen Raumes 18 und - wegen seiner Verschmelzungsfähigkeit - der grenzenlosen Liebe. Aber auch nach der Romantik bleibt weiterhin die Bedeutung der Natur und speziell die der Wasserwelt als Ursprung des Imaginären bestehen, so wie auch die Figur der Wasserfrau als Repräsentantin dieser sprachlosen Sphäre und damit des vorsprachlichen Zustandes fortlebt.
Als Verkörperung des poetischen Elements verleihen die Wasserfrauen, wie schon die Sirenen des HOMERischen Mythos, der sprachlosen Natur eine Stimme und eine Gestalt, die es der Natur erst ermöglicht, für den Menschen hör- und sichtbar und damit überhaupt verständlich zu werden. In dieser Vermittlerrolle zwischen dem Menschen und dem Chaotischen der Natur können die Wasserfrauen als Musen fungieren, wie auch die direkte Abstammung der Sirenen als Töchter der Musen nahe-legt. 19
Eine Begegnung mit den Wasserfrauen ist - wie auch schon diejenige Odysseus’ mit den Sirenen - immer eine Begegnung mit dem Imaginären und Vorsprachlichen, das sich in der unmittelbaren ästhetischen Wirkung von Gesang, Stimme und Schönheit äußert. Auf diese Weise vernehmbar geworden, bedarf die Stimme der Natur einer Art Übersetzung, die durch den Mensch, vornehmlich Künstler/Dichter, der sie hört, in den sprachlichen Bereich überführt wird, indem er der sprachlosen Natur eine begriffliche Sprache verleiht und sie somit in Poesie oder Kunst umformen kann. Für den Poeten ist dabei die Wahrung einer gewissen Distanz zum Imaginären und die Verweigerung einer völligen Hingabe vonnöten, denn wie Inge STEPHAN in Bezug auf EICHENDORFFs Gedicht „Der stille Grund“ feststellt, so kann auch allgemein konstatiert werden, daß
Poesie nur entstehen [kann], wenn [der] Dichter [...] den verlorengegangenen Kontakt mit der Natur, d.h. auch mit der eigenen unterdrückten Natur, sucht, auf ihre Stimme, d.h. auch auf die Stimme des eigenen Unbewußten hört, und sich dem „stillen Grund“ als poetischer Inspirationsquelle annähert, ohne dabei das eigene Bewußtsein vollständig auszuschalten. 20
Die Distanz soll also vor Überwältigung und Auflösung des Individuums schützen, die von der gleichsam magischen Wirkung der Wasserfrauen ausgeht, weshalb Odys- 18 vgl. ebd. S. 38
19 vgl. Fink: Who’s who in der antiken Mythologie. S. 284
20 Stephan: Weiblichkeit, Wasser und Tod. S. 121
13
seus sich aus diesem Grunde fesseln läßt, um anders als seine (sinnes)tauben Gefährten gleichzeitig Hörender/Wahrnehmender bleiben zu können und dennoch später von den genossenen Stimmen berichten zu können, was nicht möglich gewesen wäre, wäre er den Sirenen gänzlich anheim gefallen. Im Falle von Odysseus initiiert also die Begegnung mit den Sirenen bei gleichzeitigem Beibehalten des Abstandes seine Erzählung über dieses Abenteuer, verhelfen ihm die aquatischen Musen zu seiner Erzähler- und Autorschaft, oder wie es STUBY ausdrückt, zu einer „sinnstiftende[n] kulturelle[n] Leistung, [so daß] Odysseus den Sirenengesang der eigenen Erinnerung
- und später dem eigenen Text - einschreiben [kann]“. 21 Das schon angeklungene Element der Unerreichbarkeit der Musen spiegelt sich in ihrer Stilisierung zu göttlichen, zumindest aber überirdischen Gestalten und hat seine Funktion darin, sie zu einer „inspiratorische[n] Anregerin und Auslöserin der [...]
22 Kunstproduktion“ zu machen, die jedoch durch den Abstand und die Ferne zu einem unbedrohlichen Abbild und Ideal gerät, das zwar die Phantasie berührt und beflügelt, den Körper jedoch von einer überwältigenden physisch präsenten Sinnlichkeit ausnimmt und das Individuum vor dem Selbstverlust bewahrt bleibt. Von diesem Aspekt aus ergeben sich thematisch Parallelen zwischen der Muse, der/dem idealisierten fiktiven Geliebten, wie auch zum Pygmalion-Motiv, das später an gesonderter Stelle besprochen werden soll.
Sprach, so BRONFEN, die Muse zunächst selbst durch des Künstlers Mund, so wird sie im weiteren Verlauf der Entwicklung auf ihre bloß anregende und auslösende Funktion, die sich bis in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts geltend macht, festgelegt und die Rolle der einst göttlichen Muse auf die idealisierte Geliebte über-
tragen. 23
Die Distanz zur Geliebten und Muse, sei es durch Idealisierung oder durch körperliche Abwesenheit, erlaubt eine nur ästhetische und damit künstliche Sinnlichkeit, die sich in dem Substitut der imaginierten Bilder oder leblosen Statuen manifestiert, deren Ungefährlichkeit garantiert und die in einer damit einhergehenden Entlebendigung von Muse/Geliebte ihren Ausdruck findet. So stellt BRONFEN fest, „daß mit der
21 Stuby: Liebe, Tod und Wasserfrau. S. 16 22 Bronfen: Die schöne Leiche. S. 109
23 ebd. S. 109
14
24 Romantik gerade die sterbende oder tote Geliebte zur Muse ernannt wird“ , „[d]enn,
25 für die Rhetorik der Invokation ist ihre Abwesenheit Bedingung.“ Als Verkörperung des Imaginären sind Wasserfrau, idealisierte ferne Geliebte und Muse also aus dem gleichen Stoff gemacht, aus dem die Träume sind und treten daher in der Literatur als Inkarnation der Liebe, Kunst und Poesie in Erscheinung.
2.3.3 Grenzfigur Wasserfrau
Die Wasserfrau weist als ein Mischwesen Strukturen auf, die sie zu einer nicht festlegbaren Figur machen, indem sie Grenzen in sich vereint, übertritt und verdeutlicht. Am offensichtlichsten manifestieren sich diese Strukturen in ihrer Fähigkeit, zwischen und in den voneinander getrennten Welten des Wassers und der Erde auftreten zu können und weiterhin in ihrer eigenen Gestalt, die entweder sowohl Anteile eines menschlichen als auch tierhaften Körpers enthält (bei den Nixen und Sirenen) oder zumindest aus dem Wasser selbst stammt und auf diese Weise selbst eine Grenze,
zwischen Mensch und Natur, in sich trägt. 26 Auf den zweiten Blick erweisen sich auch ihre magischen Kräfte und ihr außerordentlicher Liebreiz als grenz- und wirklichkeitsüberschreitend, indem zum einen die Gesetze der Menschenwelt außer Kraft gesetzt und überboten werden und zum anderen, indem die bezaubernde Wirkung der Wasserfrauen die normale Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen zu erweitern vermag, so daß dieser in die Lage versetzt wird, hinter den vordergründigen Erscheinungen der Welt die Stimme der Poesie und Natur zu vernehmen. Diese wahrheitsvermittelnden Fähigkeiten der Wasserfrau rühren von den Sirenen her, die aufgrund ihres speziellen Zugangs zur Wirklichkeit im Ruf der Allwissenheit standen, die all denen zuteil werden sollte, die zu ihnen in Kontakt traten und auf-grund dessen die Gestalt der Wasserfrau oftmals kindliche und naive Züge aufweist, denn
[d]as unschuldige, noch nicht in die gebildete und verbildete Welt der Erwachsenen integrierte Kind wird damit die Mittlerfigur zwischen einem ‚vorgeschichtlichen’ Einssein des Menschen mit der Natur und einem utopischen Bild 27
24 ebd. S. 110
25 ebd. S. 109
26 vgl. Fassbind-Eigenheer: Undine oder die nasse Grenze zwischen mir und mir. S. 73f.
27 ebd. S. 92
15
einer vollkommeneren und nichtentfremdeten Existenz, in der die Diskrepanz zwischen Sein und Schein aufgehoben ist. Wie auch die Kunst identisch mit sich selbst ist, ist analog dazu die Figur der Wasserfrau charakterisiert durch völlige Durchsichtigkeit und Klarheit in bezug auf die Übereinstimmung von Denken und Handeln, die von demjenigen, der sich mit einer Wasserfrau einläßt, ebenso unbedingt konsequentes Sein und Tun fordern und dem der mit Mängeln behaftete Mensch freilich über-fordert gegenübersteht, so daß er an den totalitären Ansprüchen und Bedingungen in Bezug auf Liebe, Treue, Dasein und/oder Poesie zwangsläufig an seine Grenzen und Beschränkungen stößt und scheitert.
Am okkulten Charakter der Wasserfrau wird deutlich, worin ihre zugleich spezifische Attraktion und Bedrohlichkeit begründet liegt und sie gleichzeitig bewundernswert, aber auch furchterregend, fremd, abstoßend und daher zutiefst ambivalent erscheint. Die vormals faszinierenden Besonderheiten der Wasserfrau werden als unheimlich und ängstigend empfunden, sobald das gewöhnliche und menschlich erträgliche Maß überschritten wird und die Außergewöhnlichkeiten der Wasserfrau der Zauberei und anderen unrechtmäßig und eventuell bösartig erscheinenden Kräften zugeschrieben werden, die die Menschen zu überwältigen drohen und denen er sich ohnmächtig ausgeliefert fühlt. Aus diesem Grund haftet selbst den Undinen, die vom Erscheinungsbild keine organischen Anomalien aufweisen (wie ihre Schwestern, die Nixen und Sirenen, die zur Hälfte Mensch und zur anderen Fisch/Vogel sind) eine gewisse Monstrosität an, die sowohl eine teilweise reizende als auch grauenerregende Wirkung verursachen. Für eine gewisse Zeit jedoch vermag „[d]ie Eigenschaft der
Schönheit [...], daß die Frau weiterhin begehrt wird“ 28 und daß die zwiespältigen Gefühle und das Grauen durch den ästhetischen Schein neutralisiert und die Unheimlichkeit überdeckt werden.
Monströs wirkt die Wasserfrau auch deshalb auf den Menschen, weil sie für ihn auf ganzer Linie immer ein ‚Zuviel’ bedeutet, eine Unfaßbarkeit, die sich nicht nur in dem übernatürlichen Wesen, den geheimen Fähigkeiten oder dem utopischen Glücksversprechen äußern, sondern in der Unbestimmbarkeit, die ihr als Grenzgängerin und Vertreterin einer formlosen, schwankenden und nichtfestlegbaren Welt anhaftet. Paradoxerweise kann sie als eigentlich ungreifbares und schleierhaftes Wesen, das eine schwebende Position zwischen Wasser und Erde einnimmt, da sie ja nie
28 Trüpel-Rüdel: Undine. Eine motivgeschichtliche Untersuchung. S. 114
16
endgültig in der Menschenwelt Fuß faßt, den Schleier der verborgenen Wirklichkeit für den Menschen lüften und ihm, wenn auch nur kurzfristig, zu deren Erkennen verhelfen, wodurch sich noch einmal der utopische Charakter der Beziehung zu einer Wasserfrau als zu einem überirdischen und erleuchtenden Wesen offenbart. Sinnfällig werden die wertvollen Funktionen der Wasserfrau auch in dem Motiv ihrer aristokratischen Herkunft, denn so, wie Kunst und Poesie ein hohes Ansehen genießen, entspricht die gesellschaftlich edle Abstammung der gleichen Wertschätzung und ist daher ein Merkmal, das den positiven Außenseiterstatus des phantastischen höheren Wesens verdeutlicht, wie auch Liebe, Kunst und Poesie stets als außerhalb und über der Ordnung stehende Bereiche betrachtet werden. Zudem deutet das Motiv der aristokratischen Abstammung eine aufwärtsstrebende Neigung und vertikale Bewegungsrichtung der Wasserfrauen an, die mit dem Komplex Seele/Seelenerlangung eine Weiterführung und Ausgestaltung erfährt, denn wie FOUQUÉs Undine zum
Wunsch nach einer Seele sagt: „[...] alles will höher, als es steht.“ 29 Selbst wenn das Seelenmotiv später nicht mehr im Zusammenhang mit einem Wunsch nach christlicher Beseelung steht, wie ursprünglich bei FOUQUÉ und ANDERSEN, dann doch im Sinne einer Belebung, die auf eine thematische Parallele zu dem Pygmalion-Mythos verweist, dessen Bedeutung für die Wasserfrauenliteratur im nächsten Abschnitt genauer betrachtet wird.
2.4 Pygmalion und die Wasserfrauen
In der Wasserfrauenliteratur tauchen immer wieder Hinweise auf den Pygmalion-Mythos auf. Sei es, daß im Text direkt darauf bezug genommen wird, sei es, daß Sta-tuen oder imaginierte und belebte „schöne Bildchen“ 30 in den Erzählungen an zentralen Positionen erscheinen, denn im Pygmalionstoff verschränken sich sowohl Liebes-, Beseelungs-/Belebungs- als auch Kunstmotive ineinander. Gleich der Beziehung zwischen Wasserfrau und Menschenmann basiert die Beziehung zwischen dem sich als Pygmalion verstehenden Künstler und seinem Kunstwerk auf der Liebe, die als das verbindende Element die Voraussetzung dafür schafft, daß der entzündende Funke überspringen und die Belebung/Beseelung her-
29 Fouqué:Undine. S. 149
30 ebd. S. 113
17
vorrufen kann. Möglich wird dieser Vorgang in einer Liebesbeziehung erst durch Selbsterweiterung auf das Gegenüber oder Objekt hin, durch die die Ich-Grenzen zum ‚Du’ durchlässig werden und ein Teil des Eigenen auf den anderen übergehen oder projiziert werden kann, wodurch die Wasserfrau letztendlich in den Besitz einer Seele gelangen oder das Kunstwerk belebt werden kann. Nach außen hin erscheint dieser Prozeß als gleichsam magisches Phänomen, wobei der schöpferischen Phantasie und verwirklichenden, durchdringenden Kraft der Liebe eine zauberische Wirkung zugeschrieben wird, die den Künstler gewissermaßen als Magier und göttlichen Schöpfer auszeichnen, der imstande ist, Leben, Kunst und Wirklichkeiten zu erschaffen und zu erwecken.
Ort und Bedingung für den Akt der künstlerischen Produktion und Imagination ist die Abgeschiedenheit, die in einer örtlichen und geistigen Abweichung von der Normalität besteht. Daher begegnen sich der menschliche Protagonist und die Kunstfigur Wasserfrau an einer außerordentlichen Stätte, die sich entweder durch eine idyllische Landschaft und/oder absondernde Neigungen der Inselhaftigkeit oder der Weitläufigkeit des Wassers auszeichnet. Derartige Eigenschaften lassen diese besonderen Orte als losgelöstes Zwischenreich der Phantasie und damit zum Bereich des Imaginären zugehörig erscheinen und das Auftauchen des Kunstproduktes ‚Wasser-
frau’ als folgerichtigen Ausdruck der Sehnsucht nach einem ‚anderen Zustand’. 31 Die aus dem Reich der Einbildungskraft entspringende Wasserfrau stellt als artifizielle Traumfrau eine Alternative und Gegenentwurf zur realen Frau allgemein, wie auch speziell in der Wasserfrauenliteratur zur gesellschaftlichen Konzeption der
Frauenfigur dar. 32 Dabei vermag das erst vom Künstler geschaffene schöne Bild und Kunstprodukt die wirkliche Frau zu verdrängen und die ästhetische Liebe sich als eine narzisstische zu erweisen, da die Traumfrau ganz das Abbild der eigenen Wün- 33 sche, Projektionen und Vorstellungen ihres Schöpfers repräsentiert. Aufgrund ihrer Künstlichkeit tritt
[d]ie Kunstfigur [...] nicht ins Leben [...], sondern der Mensch hebt in der Ekstase seiner 34 schöpferischen Phantasie die reale Zeit in ästhetischer Fiktion subjektiv auf.
31 vgl. Nawab: Ingeborg Bachmanns „Undine geht“. S. 20f.
32 vgl. Berger: Metamorphose und Mortifikation. S. 266 33 vgl. Roth: Hydropsie des Imaginären: Mythos Undine. S. 9 34 Nawab: Ingeborg Bachmanns „Undine geht“. S. 122
18
In diesem Zustand des Außer-sich-Seins und durch den damit verbundenen Austritt aus der linearen Zeit vermag der Mensch Augenblicke einer Annäherung an die Unsterblichkeit zu gewahren. In der Wasserfrauenliteratur ist dieses Ereignis stets an die Begegnung mit einer Undine/Nixe geknüpft und greift damit ein thematisches Motiv aus dem älteren Melusinenstoff auf, nach dem sich die Wasserfrau als das klar überlegene Wesen erweist und der Mensch/Mann zu ihr in einem abhängigen Verhältnis steht.
Dort nämlich erstrebt der Mensch die Verbindung mit der Mahrte, um an ihrer übernatürlichen Kraft teilhaben zu können; die Mahrtenehe verspricht dem Menschen die Unsterblichkeit. 35
Im Zuge der Christianisierung übernimmt nun das Konstrukt ‚Seele’ als einzig zulässiges Mittel die Funktion der Erlösung durch das an sie gekoppelte Versprechen der Unsterblichkeit. Da die Wasserfrau ursprünglich der heidnischen unbeseelten Natur entstammt, ausgestattet mit magischen Fähigkeiten, und der Mensch nun im Besitz einer unsterblichen christlichen Seele ist, kehrt sich das Abhängigkeitsverhältnis um: die vormals den Menschen erlösende, bereichernde und gesellschaftlich fruchtbringende Wasserfrau wird, mangels einer unsterblichen Seele, selbst erlösungsbedürftig und daher abhängig von der Liebe eines Menschen/Mannes, durch die ihr allein eine Seele und weltliche, gesells chaftliche E ingliederung zuteil werden könnte.
Während beispielsweise Melusine die Reintegration Raimunds initiiert und sich durch außerordentliche gesellschaftliche Produktivität auszeichnet, also pragmatisch orientiert ist, tendiert der Undinenstoff zur Abstraktion, zur Distanzierung gesellschaftlicher Einflußnahme. Der Wunsch nach einer Seele ist [...] zunächst immateriell und impliziert vielmehr eine Wesensänderung bzw. eine Wesenserweiterung des Betreffenden, die an und für sich keinen sichtbaren, gesellschaftlich objektiven Erfolg nach außen trägt. Ausdruck hierfür ist die Kinderlosigkeit der Mahrtenehe. 36
In dem Motivkomplex Seele überschneiden sich also verschiedene Bedeutungsbereiche: Ermöglicht die Erlangung einer christlichen Seele ursprünglich in religiöser Hinsicht Erlösung und Unsterblichkeit und in bezug auf das eigene Dasein und Wesen eine verwandelnde und erweiternde Wirkung, so wird daneben durch ihre in die patriarchalisch christliche Kultur einbindende Funktion zugleich auch ihr zivilisatorischer Zweck und damit ihr konträr zur Natur stehender Charakter deutlich und der Akt der Beseelung von Natur (Wasserfrau) gleichsam zu einer Unterwerfung dersel- 35 ebd. S. 101
36 ebd. S. 102
19
ben. Auf diese Weise versinnbildlicht das Konstrukt der christlichen Seele geradezu
37 die bezwungene und „wegdressierte Natur“ , die zwar unsterblich, aber aufgrund ihres gesellschaftlichen Selbstzwangcharakters dennoch weiterhin erlösungsbedürftig erscheint und paradoxerweise einer nichtentfremdeten Existenz im Wege steht. Als gesellschaftliches Produkt stellt die Seele für FOUCAULT denn auch ein Machtinstrument dar, mit dem man „Prozeduren der Überwachung, der Züchtigung, des
38 Zwangs“ ausüben kann:
Diese wirkliche und unkörperliche Seele ist keine Substanz; sie ist das Element, in welchem sich die Wirkungen einer bestimmten Macht und der Gegenstandsbezug eines Wissens miteinander verschränken; sie ist das Zahnradgetriebe, mittels dessen die Machtbeziehungen ein Wissen ermöglichen und das Wissen die Machtwirkungen erneuert und verstärkt. [...] Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen Befreiung man einlädt, ist bereits in sich das Resultat einer Unterwerfung, die viel tiefer ist als er. Eine ‚Seele’ wohnt in ihm und schafft ihm eine Existenz, die selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt. Die Seele: Effekt und Instrument einer politischen Anatomie. Die Seele: Gefängnis des Körpers. 39
In diesem Zusammenhang wird verständlich, daß der Verlust oder das Fehlen der christlichen Seele in der Wasserfrauenliteratur zum Teil nicht mehr als Mangel betrachtet wird, sondern sogar zur Auszeichnung und Vorbedingung für ein wirklich beseeltes (im Sinne eines lebendigen und nichtentfremdeten) Dasein gerät. Auf diese Weise erfährt das Motiv der Seelenerlangung eine erneute Umwertung, indem nun nämlich der Mensch über die Begegnung mit der Wasserfrau quasi ihrer Naturseele teilhaftig wird und in den erfüllten Momenten außerhalb der engen Grenzen der Ordnung und Gesellschaft eine Belebung erfährt.
Dadurch kommt auch dem Pygmalionmotiv eine veränderte Bedeutung zu, da die Richtung der belebenden Wirkung nicht mehr nur allein vom Künstler ausgeht, sondern auch er über die Berührung mit dem Imaginären zu einer Annäherung an einen ursprünglichen vollkommenen Zustand gelangt.
2.5 Der Aspekt ‚Sprache’ in der Wasserfrauenliteratur
In der Wasserfrauenliteratur lassen sich etliche Bezüge und Hinweise zum Thema ‚Sprache’ finden, die mal explizit, wie bei ANDERSEN und BACHMANN als Sprachlo-
37 Roth:Hydropsie des Imaginären: Mythos Undine. S. 67
38 Foucault: Überwachen und Strafen. S. 41f.
39 ebd. S. 42
20
sigkeit und Sprache selbst, mal eher indirekt in Bezug auf die Literatur als sprachliche, dichterische Kunst erscheinen.
Als Verkörperung des sprachlosen Bereichs des Wassers und des Imaginären stehen der Wasserfrau vor Eintritt in die Menschenwelt generell andere und unmittelbarere Ausdrucksmöglichkeiten wie Singen, Tanzen oder auch die Körpersprache näher als die der begrifflichen Sprache und steht somit in direktem Bezug zur Poesie. So vermag sie in der Funktion einer Muse, wie die Sirenen Odysseus oder FOUQUÉs Undine, zur Text- und Erzählproduktion anzuregen oder wird selbst „zur Sprachreflexionsfigur, in der sich Ingeborg Bachmanns sprach- und literaturtheoretische Überle-
gungen wiederspiegeln.“ 40
Prinzipiell stehen sich aber mit den Bereichen Wasserfrau/Wasser und Mensch/Welt verschiedene Ausdrucksformen gegenüber und schon allein aus diesem Grund tritt Sprache thematisch in den Vordergrund, als es insofern immer auch um die Verständigungsmöglichkeiten zwischen zwei unterschiedlichen Welten und den ihr angehörigen Wesen geht, wie besonders ANDERSENs Seejungfrau verdeutlicht. Insgesamt stellt sich daher in diesem Zusammenhang die Frage, was welche Sprache vermag und was nicht, weshalb an dieser Stelle auch ein Blick auf die Sprachmöglichkeiten und -grenzen geworfen werden soll.
Sprache versucht die Welt begrifflich zu erfassen und abzubilden und kann als derart ordnendes und klärendes Sinnsystem ein Mittel der Wahrheitserkenntnis darstellen. Zugleich liegt in der sprachlichen Benennung aber auch ein vereinseitigendes und ausgrenzendes Moment, denn die Form der Sprache, der Begriff, vermag niemals die Wirklichkeit oder das ganze Wesen einer Sache erschöpfend zu begreifen, weshalb sie gleichzeitig entwertend, verblendend und verführend wirken, weil der Eindruck entstehen kann, sie gebe die gänzlich erfaßte Wirklichkeit wieder.
Die unbenennbaren und unbeschreiblichen Erfahrungen in den Momenten der Liebe, des Glücks, der Erkenntnis werden in Begriffe gepfercht, die, indem sie nie ganz bezeichnen, was unter ihnen gefaßt sein soll, die unerhörten Momente unterschlagen, 41 [...]
In der formenden und ordnenden Kraft der Sprache liegt zugleich also auch ihr Mangel und ihre Grenze begründet, denn obwohl sie für die Verständigung des Alltäglichen ausreichen mag, scheitert sie an der Erfassung und Vermittlung der Gesamtheit
40 Fassbind-Eigenheer: Undine oder die nasse Grenze zwischen mir und mir. S. 175 41 Althoff: Weiblichkeit als Kunst. S. 115
21
der Erscheinungen und Wahrnehmungen. Weil Sprache immer nur auf etwas verweisen, es aber nicht unmittelbar sprechen kann, daher also immer nur inkongruentes Mitteilen ist, stellt sie lediglich ein Ersatz für reale Erfahrungen und die Wirklichkeit dar, der gleichsam immer, sowohl trennend als auch verbindend, zwischen dem bezeichneten Objekt und dem Menschen steht und somit allenfalls eine Annäherung an die Wirklichkeit bedeuten kann. Uneigentlich und indirekt bleibt Kommunikation mittels Sprache auch deshalb, weil sie selbst ein reales Gebilde darstellt, das eine eigene Welt erschafft. Aus dem Wissen um diese inadäquate Vermittlungskraft resultiert denn auch eine Sprachskepsis, weil „[d]amit überhaupt bezweifelbar [wird], ob
42 Sprache etwas über Wirklichkeit, etwas ‚Wahres’ ausdrücken kann.“ An die als unzulänglich empfundene Mittelbarkeit der Sprache knüpfen sich jedoch auch Hoffnungen, denn würde man eine Sprache finden, die die Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit besser und getreuer abbilden würde, könnte sie in ihrer realitätsschöpfenden Wirkung die vorhandene defizitäre auf eine vollkommenere Welt hin verändern, indem mit den Grenzen der Sprache auch die der Welt in Annäherung an
ein utopisches Ziel hin erweitert würden. 43 Gerade BACHMANN versteht „Dichtung als Ausdruck des menschlichen Wunsches nach Grenzüberschreitung“ 44 und sieht in dem „utopische[n] Richtungsnehmen [...] die entscheidende Funktion und Aufgabe
45 von Literatur“ , wobei es „[z]war [...] nicht möglich [ist], die Grenzen zu über- 46 schreiten, aber die Möglichkeit [besteht], sie zu verschieben.“ Eine Überschreitung oder Auflösung der Grenzen würde das Individuum bedrohen, denn dann träte es in einen Verschmelzungszustand mit dem Objekt oder der Wirklichkeit, die zwar erst eine unmittelbare Mitteilung ermöglichen würde, die aber gleichzeitig den Selbstverlust des Individuums bedeuten kann. Solche Vereinigungen sind dennoch mittels der poetischen Imagination im Bereich der Poesie möglich, welche imstande ist, ähnlich einer magischen Kraft, die Distanz zwischen den Menschen aufzuheben.
42 Horn: „Ich ohne Gewähr“. S. 71
43 vgl. ebd. S. 74-77
44 ebd. S. 74 45 ebd. S. 76 46 ebd. S. 76
22
Arbeit zitieren:
Magistra Artium Alice Männl, 2002, Liebe, Sprache und Kunst in der europäischen Wasserfrauenliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Philosophie Friedrich Nietzsches
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Zwischenprüfungsarbeit, 21 Seiten
Wahrheit und ihre Konsequenz bei Platon und Nietzsche
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 28 Seiten
Leben als verantwortliches Individuum
Überlegungen zu den Grundlagen...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Wissenschaftlicher Aufsatz, 5 Seiten
Über den Ressentiment-Begriff bei Friedrich Nietzsche
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Sokrates kontra Dionysos oder: Die Notwendigkeit der Illusion
Philosophie - Philosophie der Antike
Seminararbeit, 15 Seiten
Grundlegende Einsichten für se...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 19 Seiten
Friedrich Nietzsches Wahrheitskritik im außermoralischen und moralisch...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Nihilismus - Eine okzidentale Krankheit? Zur Genealogie des metaphysis...
Hausarbeit (Hauptseminar), 39 Seiten
Das Hauptstück der Sprachkritik des frühen Nietzsche - 'Ueber Wahr...
Hausarbeit, 20 Seiten
Der Tod Gottes und die ewige Wiederkehr des Gleichen - Kritik der The...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Gesamtschule: Konzept, Leistung, Probleme
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 19 Seiten
Nietzsche, Friedrich - Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Nietzsche, Friedrich - Über Wahrheit und Lüge
Referat / Aufsatz (Schule), 3 Seiten
Über den Geist und Ungeist Deutscher Bildungsanstalten
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 22 Seiten
Wir spielen mit Fliegenklatsche und Luftballon
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Unterrichtsentwurf, 19 Seiten
Demokratie Lernen im Sachunterricht: Ansätze und Konzeptionen
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Examensarbeit, 100 Seiten
Die Funktion der Moral nach Nietzsche
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Zur Ästhetik der Auslassungen bei Marguerite Duras
Am Beispiel von "Le ravis...
Französisch - Literatur, Werke
Hausarbeit, 30 Seiten
aik chatzikyriakou folgt nun Liebe, Sprache und Kunst in der europäischen Wasserfrauenliteratur
Alice Männl's Text Liebe, Sprache und Kunst in der europäischen Wasserfrauenliteratur ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Alice Männl hat den Text Liebe, Sprache und Kunst in der europäischen Wasserfrauenliteratur veröffentlicht
El Soldadito de Plomo: Versin del Cuento de Hans Christian Andersen
Susan Blackaby, Blackaby, Charlene Delage
La Princesa del Guisante: Version del Cuento de Hans Christian Anderse...
Susan Blackaby, Charlene Delage, Patricia Abello
Hans Christian Andersen: Between Children's Literature and Adult Liter...
Hans Christian Andersen, Johan De Mylius, Aage Jorgensen
El patito feo se va a trabajar : sabiduría empresarial a partir de los...
Mette Norgaard, Ángela García Rocha
0 Kommentare