Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Gleichheit und Verschiedenheit 4
3. Die Offenbarung der Person im Handelns 5
3.1 Das Versagen der Sprache. 6
3.2 Das Prinzip des Anfangs. 7
3.3 Der freie Mensch. 8
3.4 Das Verstricktsein in Geschichten 9
4. Der ethische Aspekt des Handelns. 10
4.1 Die Macht des Verzeihens 12
4.2 Die Macht des Versprechens 13
5. Kritische Reflexionen 14
Bibliographie. 17
2
1. Einleitung
Hannah Arendt (1906-1975), die von Hans Jonas als „leidenschaftliche Querdenkerin“ 1 hochgeschätzt wird, analysiert in ihrem Werk »Vita activa oder Vom tätigen Leben« aus dem Jahr 1958 (dt. 1960) die Bedingungen menschlicher Existenz, die sich in den drei Grundtätigkeiten des Menschen, dem Arbeiten, dem Herstellen und dem Handeln, manifestieren. Ihr Ansatzpunkt ist hierbei „nicht das Wesen des Menschen, sondern die menschliche Bedingtheit im doppelten Sinne von »conditio per quam« und »conditio sine qua non« als die sich in wechselseitiger Verschränkung Gebürtlichkeit und Sterblichkeit erweisen.“ 2 Jürgen Habermas deutet ihr Werk als eine „Anthropologie des sprachlichen Handelns“ 3 . Jürgen Habermas Deutung folgend werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die höchste der drei Grundtätigkeiten des Menschen, das Handeln, richten. Als Text-grundlage dient uns hierbei das fünfte Kapitel über »Das Handeln« und im Speziellen die Abschnitte 24,25,26, sowie die letzten beiden Abschnitte des Kapitels, die Abschnitte 33 und 34.
Nachdem wir uns als erstes mit dem Phänomen der menschlichen Gleichheit und Verschiedenheit (Kapitel 2) beschäftigen werden, erreichen wir daraufhin den zentralen Kern der Schrift, die Offenbarung der Person im Handeln (Kapitel 3). In diesem Zusammenhang soll das Versagen der Sprache (Kapitel 3.1) thematisiert werden. Dieses manifestiert sich neben der Bestimmung der personalen Einzigartigkeit, auch in einer der fundamentalsten Fragen der Philosophie, nach dem Wesen des Menschen. Im Anschluss richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Prinzip des Anfangs (Kapitel 3.2), dem Hannah Arendt eine fundamentale Bedeutung anerkennt. Ihre Reflexionen über den freien Menschen (Kapitel 3.3) werden als nächstes erläutert und ein Bezug zu der politischen Philosophie des Aristoteles hergestellt. Die Tatsache, dass nicht der Mensch, sondern Menschen die Erde bevölkern, führt uns zu der Thematik des Verstricktseins des Menschen in Geschichten (Kapitel 3.4). Danach werden wir uns dem ethischen Aspekt des Handelns (Kapitel 4) zuwenden. In diesem Kontext spielen die Macht des Verzeihens (Kapitel 4.1) und die Macht des Versprechens (Kapitel 4.2) eine entscheidende Rolle.
1 Marit Rullmann: Philosophinnen (S. 153)
2 Franco Volpi (Hrsg.): Großes Lexikon der Philosophie (S. 58)
3 Marit Rullmann: Philosophinnen (S. 158)
3
Während das Verzeihen eine Verknüpfung zur Vergangenheit herstellt, eröffnet die Tätigkeit des Versprechens eine Perspektive in die Zukunft. Abschließend werden kritische Reflexionen (Kapitel 5) über die Schrift vorgestellt. Hierbei soll Hannah Arendts These, dass sich die Person im Handeln den Mitmenschen offenbart, untersucht werden. In diesem Kontext wird zusätzlich ein Bezug zur Freiheit des Menschen, sowie zur ethischen Verantwortung gegenüber anderen Menschen hergestellt werden.
2. Gleichheit und Verschiedenheit
Das Faktum menschlicher Pluralität offenbart sich in Gleichheit und Verschiedenheit. Gleichheit und Verschiedenheit, diese beiden scheinbar konträren Begriffe, sind für das Wesen des menschlichen Zusammenlebens charakteristisch, denn „ohne Gleichartigkeit gäbe es keine Verständigung unter Lebenden, kein Verstehen der Toten und kein Planen für eine Welt, die nicht mehr von uns, aber doch von unseresgleichen bevölkert sein wird.“ 4 In diesem Zitat treten die drei Zeitdimensionen, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, zum Vorschein, die in Hannah Arendts Reflexionen eine wichtige Funktion einnehmen. Existierte hingegen keine Verschiedenheit, „das absolute Verschiedensein jeder Person von jeder anderen, die ist, war oder sein wird“ 5 , würde ein primitiver Kommunikationsstil in Form einer Zeichen- und Lautsprache ausreichen, um die eigenen Grundbedürfnisse den Mitmenschen mitzuteilen. Man könnte den Menschen rein zur Gattung des Homo sapiens zählen und ihn in die Reihe der übrigen Tiergattungen eingliedern. Im Sprechen enthüllt sich schließlich diese existente Verschiedenheit, die der Mensch mit allem Lebenden teilt.
Mit allem Seienden teilt er hingegen die Besonderheit. Bereits in der Philosophie des Mittelalters wurde die Eigenschaft der „alteritas“ 6 zu den Universalien gerechnet. Durch seine Besonderheit und Einzigartigkeit, die im Handeln zum Vorschein tritt, grenzt sich der Mensch von allem Lebenden ab. Der Mensch zeichnet sich durch die Aktion und das Tier durch die Reaktion aus. Das Tier ist reaktiv und weist verschiedene Verhaltensmuster auf, jedoch kann es die Welt, die es umgibt, nicht
4 Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben (S. 213)
5 a. a. O. (S. 213)
6 a. a. O. (S. 213)
4
entwerfen. Es ist nur in der Lage seine Grundbedürfnisse mitzuteilen. Das Schöpfertum liegt somit in den Händen des Menschen. „Sprechend und handelnd unterscheiden Menschen sich aktiv von einander, anstatt lediglich verschieden zu sein; sie sind die Modi, in denen sich das Menschsein offenbart.“ 7 Die Verschiedenheit, welche sich im Sprechen manifestiert und die Einzigartigkeit, die im Handeln zum Ausdruck kommt, stehen der Gleichheit gegenüber. „Sprechen und Handeln [sind] gleichursprüngliche Artikulationen der personalen Einzigartigkeit von Individuen, die allesamt durch die Tatsache der Natalität als Wesen charakterisiert sind, die einen gebürtlichen Anfang haben und ein ihr Leben anschließendes Ende.“ 8 Die fundamentale Bedeutung der Gebürtlichkeit wird im weiteren Verlauf noch explizit dargestellt.
3. Die Offenbarung der Person im Handelns
„Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden, und diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen.“ 9 Ohne diese »zweite Geburt« ist das Leben eines Menschen nicht mehr und nicht weniger als „ein in die Länge eines Menschenlebens gezogenes Sterben“ 10 und zeichnet sich durch vollkommenes Schweigen und vollständige Passivität aus. Die Mitwelt ist in dieser Situation ausschließlich in der Lage die Erscheinung des Körpers wahrzunehmen, die personale Einzigartigkeit des Menschen bleibt hingegen unsichtbar. „Wir wüßten (sic!) von ihm nicht mehr als wir, die Lebenden, von denen wissen, die in den Tod schwinden, den wir nicht kennen.“ 11 Der Mensch wird erst durch sein Handeln und Sprechen zum Menschen. Im Handeln und Sprechen ist gleichsam seine Existenzbegründung verborgen.
„Das Handeln beruht auf der Grundbedingung der Pluralität, auf der Tatsache, dass nicht der Mensch überhaupt, sondern viele und voneinander verschiedene Menschen
7 Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben (S. 214)
8 Annemarie Pieper: Selber denken (S. 98)
9 Hannah Arendt: Vita activa oder Vom tätigen Leben (S. 215)
10 a. a. O. (S. 215)
11 a. a. O. (S. 215)
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Arbeit zitieren:
Tina Wuttke, 2005, Hannah Arendt: Über die Offenbarung der Person im Handeln , München, GRIN Verlag GmbH
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