1 Einleitung
In diesem Punkt möchte ich kurz meine persönlichen Beweggründe, welche mich dazu veranlasst haben die Quelle „Luther über den Tod der Frauen im Kindbett“ 1 zu bearbeiten, darstellen. Zum einen empfinde ich die innerhalb der Quelle implizierte Darstellung einer Frau, bzw. die darin zum Ausdruck gebrachte Haltung gegenüber dem weiblichen Geschlecht, als äußerst interessant. Diese durchaus negative Illustration weckte mein Interesse im Hinblick auf die Frage, ob ein derartiges Frauenbild in der Frühen Neuzeit üblich war oder ob es sich dabei um ein persönliches Empfinden Luthers handelt? Des Weiteren regte mich diese Quelle an, mich mit den Begründungen, sowie Argumentationen für eine derartige Einstellung den Frauen gegenüber auseinanderzusetzen. Dabei richtete ich meinen Blick nicht nur auf Luther, sondern ebenfalls auf die allgemeine Einstellung der Bevölkerung der Frühen Neuzeit, da diese sicherlich mitunter Luthers Äußerungen initiierte.
2 Die „Ws“ der Quellenanalyse
2.1 Was steht in der Quelle?
In dieser Quelle skizziert Luther die Aufgaben, sowie die Funktion einer Frau im Zeitalter der Frühen Neuzeit. Dabei steht die Kinderpflege und Erziehung, jedoch ebenso die Mithilfe bei der Arbeit des Mannes, sowie ihre Gehorsam ihm gegenüber im Vordergrund. Derart ist es von Gott selbst gewollt und geschaffen. Dabei schreibt Luther ihr die primäre Funktion als Gebärende zu, wobei ein Tod der Frau bei einer Geburt, angesichts Gottes Werkes toleriert werden soll. Denn Gott habe sie auf Grund dessen geschaffen, um Nachkommenschaft zu gewährleisten. Ist dies „verrichtet“ und die Frau stirbt dabei, so ist dies das Werk Gottes, welches konzediert werden muss.
2.2 Wer?
Der Urheber dieser Quelle ist Martin Luther, welcher als zu den Augustinermönchen gehörender Theologieprofessor zu einem der bedeutsamsten theologischen Initiatoren der Reformation zu zählen ist. Darüber hinaus zählt er noch heutzutage zu den bekanntesten deutschen Persönlichkeiten. 2 Diese Quelle gehört einer seiner Tischreden an, welche er üblicherweise im weiten Kreise der Familie und Freunde hielt. Diese Tischrunden fielen daher auch des Öfteren sehr üppig aus, mit bis zu 50 Personen. Zu den häufigsten Gästen sind dabei sein Freund Phillipp Melanchton zu zählen, Probst Jonas, sowie Caspar Cruziger. Das
1 Luther, Martin, Werke. Weimarer Ausgabe,Bd 10/2, Weimar 1907, S. 296
2 Vgl. Martin Greschat/Günther Lottes: Luther in seiner Zeit, Kohlhammer/Stuttgart/Berlin/Köln 1997
2
Beiwohnen an den Tischreden Luthers blieb jedoch auch Reisenden, Fürsten und Adligen nicht verwehrt. 3 Demnach adressiert Luther bei dieser Tischrede, die daran Teilnehmenden. Wer dies hierbei im speziellen war, ist nicht überliefert. Lediglich verweist die Quelle auf den Namen „Greta“. Diese Frau wird Luthers Tischrede über den Tod der Frauen im Kindbett beigewohnt haben, wobei jedoch ebenfalls nicht zu eruieren ist, in welcher Hinsicht diese Greta Luthers Verwandtschafts- bzw. Freundeskreis angehört.
2.3 Wann?
Martin Luther wird in der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit hineingeboren, welche durch zahlreiche Spannungen und Konflikten geprägt ist. Viele Kontroversen im sozialen Bereich schlagen sich in Unruhen und Ängste der Bevölkerung nieder. Pestepidemien, sowie Bedrohungen durch Kriege verstärken dieses Unbehagen. Ebenso kommt es zur Entstehung eines neuen Weltbildes, sowie einer neuen Geistesströmung, dem Humanismus. Modifikationen, die sich gravierend auf das gesamte Leben der damaligen Bevölkerung auswirken. In dieser Zeit, genauer im Jahre 1522, hielt Luther die Tischrede von dem Tod der Frauen im Kindbett. Die Umstände in diesem Jahr wirkten sich ebenfalls auf Luthers Werdegang aus. 1521, durch den Kirchenbann als Ketzer abgestempelt, soll Luther nun auch seine Lehren widerrufen. Dies tut er jedoch nicht und muss nun inkognito auf der Wartburg leben, als über ihn die Reichsacht (Wormser Edikt) verhängt wurde. In dieser Zeit beschäftigt er sich intensiv mit dem Neuen Testament und übersetzt dies schließlich ins Deutsche, welches 1522 im Druck erschien. 4 Nun schienen die radikalen Kräfte der Reformation Überhand zu gewinnen, sodass Luther 1522 aus der Verbannung zurück nach Wittenberg kehrt um die reformatorische Bewegung wieder auf seine „gemäßigte Linie“ 5 zu bringen. In diesem Jahr, sowie in den darauf folgenden geht Luther daran, seine Lehren praktisch, mittels Schriften und Predigten umzusetzen. Er sieht seine primäre Aufgabe nun darin, den Menschen das Evangelium zu verkünden und zu erläutern. 6 Alles in allem befand sich Luther zur Zeit seiner Vorbringung dieser Tischrede in einem sehr turbulenten Lebensabschnitt, welcher durch seine Vorgeschichte bereits geprägt, nun sehr engagiert und motiviert versucht, seine anfangs verurteilten Lehren, unters Volk zu bringen.
3 Vgl. Appell, Wolfgang: Das Familienleben der Lutherfamilie, 2007, http://www.qoqa.de/qoqa4.html,
24.08.2007 ; 16:18 Uhr
4 Vgl. Ebert, Martin: Martin Luther - die Zeit, 2003, http://www.luther.de/leben/worms.html, 24.08.2007 ; 16:29
Uhr
5 Ebert, Martin: Martin Luther - die Zeit, 2003, http://www.luther.de/leben/bauernk.html, 24.08.2007 ; 16:34
Uhr
6 Vgl. ebenda
3
2.4 Warum?
Luthers Tischreden boten Gelegenheit zum Informations-, sowie Meinungsaustausch. „Zum Privaten in seinen Tischreden gehörten auch Lebenserinnerungen aus fernen Tagen.“ 7 In den ausgedehnten Gesprächen wurden ebenso Themen diskutiert, welche insbesondere Luther die Gelegenheit boten, seine teils sehr exzessiven Ansichten lautstark zu vertreten, sowie sein Umfeld von diesen zu überzeugen. Hinsichtlich des Inhalts seiner Äußerungen bezüglich des Todes der Frauen im Kindbett bezieht Luther klar Stellung zum Wirkungskreis einer Frau in seiner Zeit. Theologisch unterfüttert, argumentierte Luther für seine diesbezügliche Ansicht. Die untergeordnete Stellung der Frau, sowie ihre Aufgaben, zu welchen primär die Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt gehören, sollte den an der Tischrunde Beteiligten näher gebracht werden, sodass auch diese, die untertänige Stellung der Frau als gottgewollt, sowie rechtens empfinden.
2.5 Wo?
Die Tischrede Luthers über den Tod der Frauen im Kindbett hielt er voraussichtlich in Wittenberg, wohin er aus der Verbannung, aufgrund reformatorischer Komplikationen, zurückkehrte.
2.6 Wie?
Luther richtet sich in mündlicher Form an die Beteiligten der Tischrunde, indem er seine Ansichten und Überzeugungen direkt formuliert.
3 Ansätze in der Forschung/Sekundärliteratur
Die in Luthers Tischrede demonstrierten Aufgaben des weiblichen Geschlechts, insbesondere ihre primäre Funktion als Gebärende, welche ihr von Luther zugeschrieben wird, sind in weiterführender Literatur ausgiebig thematisiert. Welche Ansätze es im speziellen bereits zum Thema des untergeordneten, sowie eingeschränkten Frauenbildes in der Forschung gibt, erläutere ich im folgenden Abschnitt.
Zum Zeitpunkt Luthers Tischrede befand man sich im Zeitalter der Frühen Neuzeit. Das Denken, sowie Handeln in dieser Epoche entsprach teils noch immer dem mittelalterlichen Glauben. Dies wirkte sich insbesondere auf das Frauenbild aus. Die weibliche Natur war in jedem Fall im Kontext einer bestimmten sozialen Funktion zu verstehen. Weiblichkeit wurde als von der Natur bestimmt, sowie durch zweckorientierte organische Funktionen definiert.
7 Appell, Wolfgang: Das Familienleben der Lutherfamilie, 2007, http://www.qoqa.de/qoqa4.html, 24.08.2007 ;
15:02 Uhr
4
Arbeit zitieren:
Dorothee Kremietz, 2007, Quellenanalyse - Luther über den Tod der Frauen im Kindbett, München, GRIN Verlag GmbH
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