Einleitung
Konsistenztheorien:
- der Pionier des Konsistenzprinzips war Heider (1944), der mit dieser Theorie alle weiteren Konsistenztheorien nach sich zog. Es sind viele Theorien zu diesem Gedanken aufgestellt worden, wir aber werden uns auf zwei Theorien beziehen, die Folgende sind:
- die Balancetheorie von Heider (1946,1958)
- die kognitive Dissonanztheorie von Festinger (1978)
- die Kernaussagen dieser Theorien sind, dass einzelne Eindrücke so zu einem Gesamtbild gefügt werden, dass keine Inkonsistenz, also kein Widerspruch entsteht
- z.B. kann eine Person verschiedene Einstellungen haben. Wenn aber eins oder mehrere dieser Einstellungen nicht widerspruchsfrei zu dem Rest sich verhalten, so wird sich Inkonsistenz einstellen
- d.h. dass ein Motiv im kognitiven System dieser Person entsteht, diesen Zustand so zu verändern, dass keine Spannung in diesem System herrscht, indem einzelne kognitive Aspekte (Überzeugungen, Einstellungen) oder das ganze Verhalten geändert wird
- in den Konsistenztheorien werden zwei Oberbegriffe benutzt, die beschreiben, ob ein System ausgeglichen oder nicht ausgeglichen ist
- nämlich die beiden Fachtermini Konsistenz und Inkonsistenz
- die Konsistenztheorie geht davon aus, dass Menschen ihren gewonnenen Gesamteindruck bezüglich verschiedener Situationen einer bestimmten Regel, und zwar der internen psychologischen Vereinbarkeit, anpassen und sogar einzelne Aspekte eines Gesamteindrucks ändern, damit dieser wieder der Konsistenz folgt
- alle bekannten kognitiven Strukturen werden in konsistente und inkonsistente Systeme eingeteilt
- konsistente Systeme sind spannungsfreie Systeme, deren Elemente miteinander harmonieren, die relativ stabil sind
- solche werden als angenehm empfunden.
- die Elemente sind hierbei Einstellungen oder auch Bewusstseinsinhalte genannt
- dagegen werden inkonsistente Systeme als unangenehm empfunden, da sie nicht spannungsfrei sind und zu teilweise Veränderungen tendieren, damit sie wieder konsistent sind oder wenigstens weniger inkonsistent sind
- solche Systeme sind daher ziemlich instabil
Kognitive Dissonanztheorie von Festinger (1957):
- Leon Festinger veröffentlichte seine Theorie zum ersten Mal im Jahr 1957
- danach wurden etliche weitere Theorien dieser Art veröffentlicht
- jedoch haben solche Forschungen in den letzten 20 Jahren abgenommen, da man annimt, dass motivationale Ansätze nicht mehr interessant genug seien
- Kog. Dissonanz bezeichnet ein Unbehagen verursacht durch Kognitionen, die nicht miteinander im Einklang stehen
- sie wirkt als Motiv, die Inkonsistenz zu beseitigen
- in dieser Theorie wird angenommen, dass einstellungswidersprüchliches Verhalten Dissonanz erzeugt
- z.B. kann dies passieren, wenn bezüglich eines bis dahin positiv bewerteten Einstellungsobjekts negative oder widersprüchliche Meinungen vorgebracht werden
- durch solche Situationen können dann Inkonsistenzen auftreten, die aber zu Konsistenz streben
- dies wird dadurch möglich, indem das Einstellungsobjekt niedriger bewertet wird, seine Einstellung bezüglich der Kommunikation ändert oder versucht, den Kommunikator von seiner eigenen Einstellung zu überzeugen
- z.B. wird eine Lüge, die man oft erzählt hat, irgendwann für einen selbst glaubhaft, denn das eigene Verhalten passt sich der inkonsistenten Kognition an, damit im Einstellungssystem wieder Konsistenz herrscht
Kognitionen und deren Relationen:
- Festinger unterscheidet Beziehungen v. Kognitionen zwischen irrelevanten und relevanten Beziehungen
- relevante Beziehungen sind Kognitionen, d. im internen System einer Person etwas miteinander zu tun haben
- z.B. „ich liebe Kinder sehr“ und „ Ich möchte irgendwann selbst Kinder haben“
- irrelevante Beziehungen sind das Gegenteil von relevanten Beziehungen und erzeugen Dissonanz
- z.B. „ich rauche viel“ und „Rauchen ist sehr gesundheitsschädigend“
Kognitive Dissonanz und Dissonanzreduktion:
- Höhe von Dissonanz, auch Dissonanzstärke genannt, bezieht sich auf das Verhältnis von der Anzahl dissonanter u. konsonanter Kognitionen
- vor allem auch auf d. subj. Wichtigkeit der Kognitionen, die in dissonanter Weise zueinander stehen
- durch Dissonanz entsteht im internen System ein Motiv, um die entstandene Inkonsistenz zu reduzieren
- es gibt fünf Grundlegende Annahmen, die Dissonanz hervorrufen: > zwei psychologisch widersprüchliche Eindrücke einer Person über Situationen lassen Dissonanz entstehen
> je wichtiger dissonante Eindrücke sind und je mehr Elemente diese Eindrücke verbinden, umso mehr steigt die Dissonanz
> je stärker die Dissonanz ist, umso stärker wird das Motiv, diesen Zustand zu verändern > je größer die Anzahl und je wichtiger die Elemente, die mit einer Kognition verbunden sind, umso unwahrscheinlicher ist die Änderung dieser Kognition bezüglich der Dissonanzreduktion
- die Veränderung des kog. Systems derartig erfolgt durch drei Weisen
> nämlich durch das Addieren von neuen konsonanten Kognitionen >durch das Subtrahieren von dissonanten Kognitionen > durch gleichzeitige Anwendung beider Strategien
- welcher dieser Arten von Dissonanzreduktion verwendet wird, hängt vom Änderungswiderstand der beteiligten Kognitionen ab
- nach Festinger hängt der Widerstand von der Anzahl der Kognitionen davon ab, mit wie vielen Kognitionen sie verbunden ist
- aber Kognitionen, deren Verbindungen zu anderen Kognitionen vielfach sind und dennoch geändert werden, können neue und schwierigere Dissonanzen erzeugen
- von daher sind solche Kognitionen besonders änderungsresistent
- es sind auch solche Änderungsresistent, die an eine öffentliche Meinung gebunden sind
- private Einstellungen können von daher eher geändert werden, d.h. sie haben eine geringe Änderungsresistenz
- Festinger unterschied zw. 4 Arten von Anfangsbedingungen, unter denen das Auftreten einer Dissonanz sehr wahrscheinlich ist
- diese sind:
> Dissonanz nach Entscheidungen („postdecisional dissonance“) > Forcierte Einwilligung („forced compliance“) > Selektive Auswahl von neuen Informationen („selective exposure“) > Soziale Unterstützung („social support“)
Dissonanz nach Entscheidungen: (Subtraktion v. diss. Kog.)
- diese These postuliert, dass eine Wahl aus vielen Entscheidungsalternativen im Nachhinein fast immer Dissonanz entstehen lässt, denn die positiven Seiten der nichtgewählten und die neg. Seiten der gewählten Entscheidung lassen im kog. System Dissonanz entstehen
- eine zweite Annahme ist, dass neben der Attraktivitätsveränderung von Entscheidungen auch die Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der Entscheidung eine Rolle spielt
- z.B. sind sich Personen nach einem Wettabschluss relativ sicher zu gewinnen, mehr als vor dem Wettabschluss
- man fand heraus, dass dieser Effekt sich bei Gruppen gegenüber Individuen verstärkt
- dies ist dadurch zu erklären, dass Gruppen dem Einzelnen ein geringes Gefühl der Verantwortlichkeit und ein ansteigendes Gefühl der Sicherheit geben
- die Dissonanzreduktion kann in der Regel durch eine Attraktivitätsreduktion von Entscheidungsalternativen erfolgen
- diese Art der Reduktion ist eher wahrscheinlich, da sie eine geringe Änderungsresistenz erfordert
- eine hohe Änderungsresistenz wäre in diesem Fall, wenn statt der Attraktivitätsreduktion eine Umentscheidung stattfinden würde, was nicht mit dem kog. System konform einhergehen würde, da sie eine höhere psych. Belastung erfordert
- d.h. es ist der bessere und sicherere Weg, die Einstellungen den Entscheidungen anzupassen
- als Endeffekt würde sich herausstellen, das die gewählte Alternative positiver bewertet würde als die nicht gewählte
- dieser Effekt wird „spreading apart“ - Effekt genannt, sie ist die häufigste und effektivste Art der Dissonanzreduktion nach Entscheidungen
- z.B. wurden Probanden Konsumartikel vorgestellt, die sie in eine Beliebtheitsreihenfolge bringen sollten
- dann sollten sie zwischen zwei Alternativen wählen
- tatsächlich kam heraus, dass die gewählte Alternative positiver bewertet wurde, als die nicht gewählte
Arbeit zitieren:
Hülya Bayram, 2003, Konsistenztheorien - Kognitive Dissonanztheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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