1 Einleitung:
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Nachrichtensendungen im Deutschen Fernsehen und soll einen Vergleich zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Formaten anstellen. Speziell analysiert werden hierbei die Formate „die Tagesschau“ auf der ARD und „RTL Aktuell“ auf RTL.
Zu Beginn werden einige allgemeine Daten angeführt. Es wird eine Definition von Nachrichtensendungen gegeben und die drei Kategorien von Nachrichtenformaten benannt und erklärt. Im Anschluss wird ein geschichtlicher Abriss von Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen nach 1945 gegeben und besonders auf die Einführung des dualen Rundfunksystems und dessen Folgen eingegangen.
In einem weiteren Schritt werden die Sendungen „die Tagesschau“ und „RTL Aktuell“ besonders im Hinblick auf Aufbau und Gestaltung, Inhalt und Sendeablauf und Sprache der Formate miteinander verglichen.
Im Anschluss wird dann ein exemplarischer Vergleich dieser Sendungen vom 23.02.2009 geliefert.
Dieser Gegenstand wird behandelt, da sich Nachrichtenformate im Fernsehen in Deutschland zur wichtigsten Informationsquelle für die Menschen entwickelt haben, aber an der Qualität vor allem der privaten Sender oftmals gezweifelt wird.
In dieser Arbeit wird ermittelt werden, ob Nachrichtensendungen heutzutage immer noch informieren oder zu so genannten „Infotainment“ Formaten geworden sind, die Information und Unterhaltung miteinander verbinden und sich danach richten, was der Zuschauer sehen möchte und ob dies eher beim öffentlich-rechtlichen oder beim Privatfernsehen der Fall ist. Die Analyse der beiden Nachrichtensendungen dient der Klärung, wer wirklich eine „qualitativere“ Berichterstattung liefert und inwiefern es Unterschiede in den Nachrichtenformaten beim öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen gibt.
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2 Allgemeines zu deutschen Nachrichtensendungen:
2.1 Definition von Nachrichtensendungen:
„Fernsehnachrichten gelten oft als ideologiefreier informatorischer Rohstoff über Ereignisse, der - in den ´richtigen Proportionen´ verteilt - von den Empfängern regelmäßig zur eigenen gesellschaftlichen und politischen Orientierung verarbeitet werden kann“ 1 Bei fast jedem Sender in Deutschland finden sich täglich mindestens eine, meistens mehrere aktuelle Berichterstattungen des Tages. Bei den meisten Menschen sind die Nachrichten ein fester Bestandteil ihres Tagesablaufes und die primäre Quelle aktueller Information. 2 Eine Nachrichtensendung ist ein Format, welches primär die Funktion hat, den Rezipienten über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren; so verlangen es Rundfunkgesetze und Programmrichtlinien. 3 In der Regel dauert eine Sendung fünf Minuten, bis zu einer halben Stunde, je nach Sender und Tageszeit. Verschiedene Darstellungselemente einer Nachrichtensendungn können sein:
„(verlesene) Textnachrichten, durch Photos, Grafiken, Schrifteinblendungen, Karten illustrierte Textnachrichten, Nachrichtenfilme, Berichte, Reporter-Berichte, Live-Reportagen, Statements, Interviews und Kommentare.“ 4
Diese Elemente werden in einen festen Rahmen einer Sendung eingebunden. Jede Sendung beginnt mit dem gleichen Vorspann und endet mit der Verabschiedung durch den Sprecher, dem Wetterbericht und dem akustischen Leitmotiv der Sendung. 5 Es haben sich im laufe der Jahre drei verschiedene Arten von Nachrichtenformaten mit unterschiedlichen Präsentationsweisen herausgebildet, die im Folgenden kurz aufgelistet werden: 1. Die Sprechersendung:
Bei der Sprechersendung handelt es sich um eine traditionelle Art der Fernsehnachrichten, die man hauptsächlich vom öffentlich-rechlichten Fernsehen kennt. Ein so genannter Nachrichtensprecher führt neutral, ohne Kommentare und Ausschmückungen durch die Sendung. Während der gesamten Sendung wird von der Kamera eine frontale Grundeinstellung gehalten, da nichts vom Inhalt ablenken soll. Die Sprache und das
1 Geyer M.: Nachrichten und gesellschaftliche Interessen- Überlegungen zu einer öffentlich-rechtlichen Misere. In Schmidt. H./ Paetzoldt U.: Solidarität gegen Abhängigkeit- auf dem Weg zur Mediengesellschaft. S. 78
2 Vgl: Buchwald M.: Nachrichtensendungen. In: Schult G./ Buchholz A.: Fernsehjournalismus: Ein Handbuch für Aufbildung und Praxis S. 243
3 Vgl. Wittwen A.: Infotainment. Fernsehachrichten zwischen Information und Unterhaltung S.9.
4 Lesche D.: Nachrichtensendungen. In: Schult G./ Buchholz A.: Fernsehjournalismus: Ein Handbuch für Aufbildung und Praxis S. 243
5 Vgl. Buchwald M..: Nachrichtensendungen. In: Schult G./ Buchholz A.: Fernsehjournalismus: Ein Handbuch für Aufbildung und Praxis S. 243
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Vokabular, welches verwendet wird, ist sehr anspruchsvoll, es wird ein formeller Sprachstil benutzt und komplexe Sätze gebildet. Inhaltlich dominiert die „klassische Aktualität“, es wird hauptsächlich „Hard News“, das heißt über politische und wirtschaftliche Themen berichtet und die Dramaturgie folgt dem Prinzip der abfallenden Wichtigkeit. 6 Andreas Wittwen schreibt hierzu:
„Das Repertoire journalistischer Präsentationsformen ist stark eingeschränkt, da die Sprechersendung vorwiegend Ereignis- und Ergebnisberichterstattung betreibt, ohne diese zu kommentieren oder in grössere Zusammenhänge zu stellen. Dem entspricht, dass die traditionelle und neutrale Sprechermeldung überproportional vertreten ist.“ 7
Ein Beispiel für eine klassische Sprechersendung im deutschen Fernsehen ist „die Tagesschau“ auf der ARD, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit explizit eingegangen wird. 2. Das Nachrichtenjournal
Das Nachrichtenjournal, auch Nachrichtenmagazin genannt, hat den Anspruch, die aktuellen Tagesereignisse zu vertiefen und zusätzlich Hintergrundinformationen zu den Themen zu liefern. Es gibt einen oder auch mehrere Moderatoren, welche Ereignisse nicht nur melden, sondern auch bewerten und einordnen und sich dem Rezipienten als wichtige Bezugsperson anbieten, dabei aber immer eine bestimmte Seriösität beibehalten. Es werden besonders originelle Überleitungen und eine angestrengte Lockerheit vermieden, die Moderatoren können zwar in Ansätzen untereinander kommunizieren, jedoch wird der geschwätzige Austausch von Banalitäten vermieden. Der Studioraum ist hier optisch angedeutet, die Moderatoren können in verschiedenen Kameraeinstellungen erfasst werden, diese hat aber keine eigentliche Funktion. Im Gegensatz zur Sprechersendung muss das relevanteste Thema nicht unbedingt am Anfang stehen, sondern es werden Zwischenhöhepunke gesetzt. Die thematischen Inhalte sind gemischter, es herrscht ein größerer Spielraum bei der Themenauswahl, auch die Attraktivität von Nachrichten spielt eine Rolle, es werden auch kulturelle- und Populärthemen angesprochen. Beispiele für typische Nachrichtenjournale sind das „heute journal“ auf ZDF und die „Tagesthemen“ auf der ARD. 8 3. Die News Show
Die News Show, die ursprünglich aus den USA kommt, selektiert ihre Themen nach ganz anderen Kriterien als die Sprechersendung. Gefragt sind hier aktuelle Nachrichten hauptsächlich aus dem Inland, die für den Rezipienten leicht verständlich und interessant sind. Sie werden nicht nach Relevanz, sondern nach Zuschauerinteresse geordnet. Die Meldungen
6 Vgl. Wittwen A.: Infotainment. Fernsehnachrichten zwischen Information und Unterhaltung S.30
7 Wittwen A.: Infotainment. Nachrichten zwischen Information und Unterhaltung S.30
8 Vgl. Wittwen A.: Infotainment. Nachrichten zwischen Information und Unterhaltung S. 31-33
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sind weniger komplex und das Sprachniveau wird vereinfacht. Die wichtigsten Themen hierbei sind so genannte Spot und Soft News, das heißt Sport, Wetter, Unfälle und Verbrechen spielen eine bedeutende Rolle. Dieter Lesche ein ehemaliger RTL Aktuell Chefredakteur (1988-1994) sagte hierzu:
„Die News Show ist nichts anderes als der Versuch, die Meldungen des Tages im Fernsehen attraktiver und leichter konsumierbar zu vermitteln.“ 9
Der Moderator ist im Gegensatz zum emotionslosen Nachrichtensprecher ein erfahrener Journalist, der glaubwürdig die Informationen vermittelt und Kompetenz und Sympathie ausstrahlt. Die Äußerungen werden durch Zäsuren, Mimik und kleine Gesten unterstützt, sodass auch weniger interessante Meldungen zu lebendigen Botschaften werden. Das Studio ist „lebendig“, es gibt mehrere Präsentatoren, die sich auch abwechseln (Sportredakteur oder „Wetterfee“). In der Dramaturgie werden bewusst dramaturgische Spitzen und Ruhepunkte gesetzt, die mehr Abwechselung, mehr Tempo und mehr Leben in die Sendung hineinbringen. 10 / 11
2.2 Geschichtliche Entwicklung von Fernsehnachrichten in der Nachkriegszeit:
2.2.1 Frühphase:
Nach dem 2. Weltkrieg standen die Wochenschauen, die es schon während der NS-Zeit gegeben hat, zunächst unter dem Einfluss der Besatzungsmächte. Die erste Sendung, die unter deutscher Regie gedreht wurde, war in der BRD im Jahre 1949 die „Neue Deutsche Wochenschau“, die vom Nord-West-Deutschen Rundfunk (NWDR) produziert wurde und einmal pro Woche lief. Ab Oktober 1951 gab es täglich einige aktuelle Photos, die von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesendet und von der Hörfunk- Nachrichtenredaktion betextet wurden. Am 20.12.1952 wurde die „Tagesschau Nr.1“ gesendet, die allein von drei Personen produziert wurde und einen (noch) vergleichbaren Stil zur Wochenschau hatte. Schon wenige Jahre später am 1.11.1954 beginnt die Hamburger Tagesschau-Redaktion, Filmmaterial und Beiträge von anderen Fernsehstationen der BRD und von internationalen Filmdiensten zu bekommen, sodass eine viel größere Informationsdichte vorhanden war. So konnte man ab dem 01.10.1956 täglich die „Tagesschau“ (außer sonntags) im deutschen Fernsehen senden. Diese „Urform“ der heutigen Tagesschau bestand zum Großteil aus Filmnachrichten mit Kommentartext, entwickelte sich aber immer weiter bis zu der Form, die
9 Lesche D.: News Show. In: Schult G./ Buchholz A.: Fernsehjournalismus: Ein Handbuch für Aufbildung und Praxis S. 246
10 Vgl. Wittwen A.: Infotainment. Nachrichten zwischen Information und Unterhaltung S. 33-43
11 Vgl. 11 Lesche D.: News Show. In: Schult G./ Buchholz A.: Fernsehjournalismus: Ein Handbuch für Aufbildung und Praxis S. 246-248
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Arbeit zitieren:
Sabine Kessel, 2009, Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
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