INHALT
Olympe de Gouges 35 Dank 9 Die Verfasserin einer Frauenrechtserklärung Vorwort 11
FEMINISMUS Germaine Greer 38 Sie schrieb über die Befreiung der Frauen Susan Brownell Anthony 13 Eine Kämpferin für das Frauenwahlrecht Marianne Hainisch 40 Österreichs erste Frauenrechtlerin Anita Augspurg 16 Die radikale deutsche Feministin Hedwig Heyl 43 Die große Praktikerin der deutschen Frauenbewegung Gertrud Bäumer 19 Sie stritt für die Gleichberechtigung Ottilie Hoffmann 45 Die Kämpferin gegen den Alkoholmissbrauch Simone de Beauvoir 22 Die Leitfigur der neuen Frauenbewegung Aletta Jacobs 48 Die Mitbegründerin des Weltbundes Lily Braun 25 für das Frauenrecht Die bürgerliche Frauenrechtlerin
Helene Lange 51 Juana Inés de la Cruz 28 Der Kopf der deutschen Der „Phoenix von Amerika“ Frauenbewegung Hedwig Dohm 30 Die frühe Radikale Louise Otto-Peters 54 Die „Lerche aus Deutschland der Frauenbewegung“ Betty Friedan 33 Die Urmutter Emmeline Pankhurst 57 Englands der Frauenbewegung radikale Suffragette in den USA
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Christine de Pisan 59 Mary Wollstonecraft 84
Sie schuf die „Stadt der Frauen“ Englands erste Frauenrechtlerin Alice Salomon 61 Die Missionarin AUCH SIE KÄMPFTEN des sozialen Gedankens FÜR DIE RECHTE
Auguste Schmidt
Die Frauenrechtlerin Lady Ishbel Maria Marchioness aus Schlesien of Aberdeen and Temair - Abigail Adams - Mathilde Franziska Anneke - Luise Aston - Ottilie Alice Schwarzer 66 Die Vorkämpferin der Baader - Marie Baum - Emmy deutschen Frauenbewegung Beckmann - Aphra Behn -Amelia Bloomer - Luise Büchner
- Josephine Elizabeth Butler - ElizabethCady Stanton 69 Marie Calm - Minna Canth -Die Organisatorin des Carrie Chapman Catt - Minna ersten Frauenrechtskongresses Cauer - Hedwig Dransfeldin Amerika Mathilde Fibiger - Ika Freudenberg - Matilda Joslyn Gage - HeleneStöcker 71
Betty Gleim - Elisabeth Gnauck-Die Pionierin für Mutterschutz Kühne - Marie Goegg - Henriet-und Sozialreform te Goldschmidt - Vida Goldstein - Emilie Gourd - Marie de Jars Anne-Josèphe de Gournay - Emma Graf - Théroignede Méricourt 75
Angelina Emily Grimké - Ida A. Die „Amazone der Freiheit“ Husted Harper - Lida Gustava Heymann - Jenny Hirsch - DorothyThompson 78
Camilla Jellinek - Raden Adjeng Die Gründerin der Kartini - Minna Kautsky - Ellen „Weltorganisation der Mütter Key - Margarete Gräfin Keyseraller Nationen“ lingk - Fanny Lewald - Marie-Elisabeth Lüders - Mary Lyon - SojournerTruth 82
Rosa Manus - Rosa Mayreder -Die Sklavin, Katherine Dexter McCormickdie zur Feministin wurde
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FAMILIE Lina Morgenstern - Lucretia Mott - Bertha Pappenheim -Franziska Plaminkowa - Adel- EllyHeuss-Knapp 123 heid Popp - Ernestine Rose -Sie hob das Josephine St. Pierre Ruffin -Müttergenesungswerk Gertrud Guillaume Schackaus der Taufe Henriette Schrader-Breymann -Adele Schreiber - Olive Schrei- AnneJarvis 126 ner - Jeanette Schwerin -Der Muttertag Rosika Schwimmer - Ethel war ihr Lebenswerk Smith - Lucy Stone - Marie Stritt
- Mariya Trubnikova - Else Ulich Bertha von - Rahel Varnhagen - Dorothee Marenholtz-Bülow 129
von Velsen - Marianne Weber -Die Baronin, Frances Willard - Agnes von die für Kindergärten kämpfte Zahn-Harnack - Clara Zetkin
Barbara Stratzmann 132 MEILENSTEINE DER Die Frau, FRAUENBEWEGUNG 117 die angeblich 53 Kinder gebar
LITERATURVERZEICHNIS 135
DER AUTOR 137
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DANK
Für Auskünfte, kritische Durchsicht Dr. Dorothea Frandsen, von Texten (Anmerkung: geborene Lange, Bonn Etwaige Fehler gehen zu Lasten des Torsten Franz, Oldenburg Verfassers), mancherlei Anregung, Dr. Jürgen Frölich, Diskussion und andere Arten der Hilfe Archiv des Deutschen Liberalismus, danke ich herzlich: Friedrich-Naumann-Stiftung, Gummersbach Christian Asmussen, Lübeck Ralf T. Göllner, Mag. Christa R. Bader, Ungarisches Institut München Österreichische Nationalbibliothek, Stephan Schreiber-Hassa, Heroldsbach Abteilung Wissenschaftliche Heilbronner Stimme, Information, Wien Dokumentation und Archiv Günther Berger, Gabi Henkel, Journalistin, Mainz Stadtarchiv Heidelberg Dr. Rainer Hering, Heike Brandt, Berlin Staatsarchiv Hamburg Werner Baumbauer, Mackenrodt Monika Hirsch-Sprätz, bpi-info Service de résponses Deutsches Zentralinstitut à distance, Paris für soziale Fragen, Berlin David Brown, Dr. Peter Honigmann, Curriculum Corporation, Zentralarchiv zur Erforschung Victoria der Geschichte (Australien) der Juden in Deutschland, Heidelberg Klaus Peter Creamer, Freya Jeschke, Beltz Presse, Weinheim Bibliothek, Goethe-Institut New York Daily News, Infostore, New York Ingrid Kaluza, Dr. Uwe Eckardt, W.O.M.A.N., Stadtbetrieb Historisches Zentrum, Welt-Organisation Stadtarchiv der Mütter Bettina Ernst, aller Nationen, Staats- und Universitätsbibliothek Wilhelmshaven Bremen Pfarrer Günther Kempka, Eningen Dr. Ursula Ferdinand, Heinz Klement, Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e. V., früherer Bundessekretär, Berlin Blaues Kreuz in Deutschland e. V., Adriana Feustel, Berlin Bundesgeschäftsstelle, Wuppertal Professorin Dr. Heike Fleßner, Hana Klucarová, Institut für Erziehungswissenschaften, II. Botschaftssekretärin, Carl von Ossietzky Universität Botschaft der Tschechischen Republik Oldenburg Kurier, Wien
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Dr. Vera Lasch, Göttingen Iris Schilke, Johann Lehner, Verein zur Erforschung Redaktion Österreich-Lexikon der Dresdner Frauengeschichte e. V., Dr. Susanne Maurer, FrauenStadtArchiv, Dresden Universität Tübingen Regine Schoch, Louise-Otto-Peters-Gesellschaft, Historisches Forschungszentrum, Leipzig Bibliothek der Jane S. Mauerhofer, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn Schweizerische Landesbibliothek, Julinda Schönborn-Brouwer, Informationszentrum Helvetica, Bern Abteilung für Presse und Kultur, Silke Mehrwald, Königlich Niederländische Botschaft Archiv der deutschen Dr. Christiane Schuchard, Landesarchiv Berlin Frauenbewegung, Kassel Dr. Jürgen Michael Schulz, Dr. Ariane Neuhaus-Koch, Fachbereich Philosophie Frauen-Kultur-Archiv, und Sozialwissenschaften, Frauenforschungs-Transfer-Stelle, Institut für Publizistik-Heinrich Heine Universität Düsseldorf und Kommunikationswissenschaften, Gerd von Pacensky, Publizist, Köln Freie Universität Berlin Cornelia Pfordt, Ekkehard Thon, Schöppenstedt Diplom-Bibliothekarin, Gerhard Thorn, Niedersächsische Staats-Stadtbibliothek Wuppertal und Universitätsbibliothek Göttingen Verein für Fraueninteressen e. V., OAR. Magdalena Pisarik, München Stadtbücherei Baden Mary Walsh, Sudra Vries-van-Poorten, Internet & Reference Librarian, International Informatiecentrum University of Colorado en Archief voor die Vrouenbeweging, Health Sciences Center, Denver Amsterdam Barbara Zenker, Doris Probst, Mainz-Kostheim British Council Informations Centre, Sonja Probst, Mainz Köln Stefan Probst, Mainz-Kostheim Gabriele Zich, Professorin Dr. Luise Pusch, Hannover Frauenstudien- und -bildungszentrum Anna-Maria Reinhold, Wuppertal der Evangelischen Kirche Dr. Günther Rohdenburg, Deutschlands (EKD), Gelnhausen Staatsarchiv Bremen Kurt Sartorius, Historische Gesellschaft Bönnigheim e. V.
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VORWORT
Wer kennt schon Anita Augspurg,
Lily Braun und Hedwig Dohm?
Simone de Beauvoir, Germaine Greer oder Alice Schwarzer - die Namen dieser berühmten Autorinnen und Feministinnen kennt fast jede Frau. Aber wer weiß schon Genaueres über Anita Augspurg, Gertrud Bäumer, Lily Braun, Hedwig Dohm, Hedwig Heyl, Louise Otto-Peters, Alice Salomon und Helene Stöcker? Das vorliegende Taschenbuch „Superfrauen 11“ präsentiert Biographien von 27 Frauenrechtlerinnen aus Deutschland und dem Ausland in Wort und Bild. Es schildert den langen und schwierigen Weg der Frauen bei ihrem gerechten Kampf um die Gleichberechtigung. Viele Ziele sind inzwischen erreicht. Nicht allen Frauen - und natürlich auch nicht allen Männern - ist heute bewusst: Erst seit 1900 dürfen Frauen in Deutschland studieren, und erst seit 1918 ist ihnen möglich, das Wahlrecht auszuüben. Auch viele andere Ungerechtigkeiten dem weiblichen Geschlecht gegenüber gehören gottlob mittlerweile der Vergangenheit an.
Am Ende des Buches stehen die Lebensläufe einiger Frauen, die sich um das Wohl der Familie, der Mütter und der Kinder verdient gemacht haben. Zu ihnen habe ich auch Barbara Stratzmann gerechnet, die sage und schreibe 53 Kindern das Leben schenkte.
Ernst Probst
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FEMINISMUS
Susan Brownell
Anthony
Die Kämpferin
für das Frauenwohlrecht
A ls Pionierin der Frauenbewegung
York. Dort besuchte Susan zunächst die in den USA tat sich die amerikani-Distriktsschule, später die von ihrem sche Feministin Susan Brownell An-Vater gegründete Schule und ein Interthony (1820-1906) hervor. Bekannt nat bei Philadelphia. wurde sie vor allem durch ihren Kampf Nach ihrer Ausbildung nahm Susan B. für die Durchsetzung des Stimmrechts Anthony 1839 eine Stelle als Lehrerin für Frauen und als Präsidentin der in einem Quäker-Seminar in New „National American Woman Suffrage Rochelle (New York) an. Von 1846 bis Association“. Außerdem engagierte sie 1849 unterrichtete sie an einer Höheren sich gegen den Alkohol und die Mädchenschule im Hinterland von Sklaverei. New York. Susan Brownell Anthony kam am Weil sie mit ihrer Arbeit als Lehrerin 15. Februar 1820 als zweites von acht unzufrieden war, kündigte Susan B. Kindern eines Quäkers und Gegners Anthony und arbeitete auf der Farm der Sklaverei in South Adams (Massa-ihrer Familie unweit von Rochester in chusetts) zur Welt. Ihre Eltern besaßen New York. Dort begegnete sie etlichen eine Baumwollspinnerei. Susan wurde führenden Gegnern der Sklaverei wie in der Tradition der Quäker erzogen, Frederick Douglass (1817-1895), Parwar ein frühreifes Kind und lernte ker Pillsbury (1809-1898), Wendell schon mit drei Jahren Lesen und Phillips (1811-1884), William Henry Schreiben. Channing (1810-1884) und William 1826 zog die Familie Anthony nach Lloyd Garrison (1805-1879) und wur-Battenville im US-Bundesstaat New de von deren Ansichten überzeugt.
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Außerdem lernte sie auf der Farm ausgeber der neuen Zeitschrift „Revo-Elizabeth Cady Stanton (1815-1902) lution“. Im Mai 1869 gründeten Susan kennen. und Elizabeth die „National Woman Zu jener Zeit sympathisierte Susan B. Suffrage Association“ (NWSA). 1870 Anthony auch mit der Antialkohol-musste die Zeitschrift „Revolution“ Bewegung. Bei ihren Vortragsreisen verkauft werden, weil die Mittel von fiel ihr bald auf, dass man sich weniger Susan, Elizabeth und Parker erschöpft gegen die Ideale wandte, die sie vertrat, waren. Der exzentrische George Franals vielmehr gegen die Tatsache, dass cis Train (1829-1904), der das Blatt sie es als Frau wagte, öffentlich zu finanzierte und als Gegenleistung seine einer Frage Stellung zu nehmen. Nach politischen Ansichten artikulieren durfeinem Treffen mit Amelia Bloomer te, war nicht mehr länger willens, (1818-1894), der ersten Frau, die eine weiter Geld zu verlieren. Etwa ein Jahr Zeitung für Frauen herausgab, und der nach dem Verkauf wurde die Zeitschrift erwähnten Elizabeth Cady Stanton eingestellt. Susan unternahm Vortragsengagierte sie sich für die Frauen-reisen, um mit den Honoraren die rechtsbewegung. Schulden der Zeitschrift begleichen zu Als Susan B. Anthony 1852 in Albany können.
bei einem Treffen der Antialkohol-Obwohl Frauen damals in den USA Bewegung keine Rede halten durfte, noch kein Wahlrecht besaßen, gab gründete sie die „Woman’s New York Susan B. Anthony bei den Präsident-State Temperance Society“. Präsiden-schaftswahlen 1872 in Rochester (New tin dieser Bewegung wurde Elizabeth York) ihre Stimme ab. Daraufhin Cady Stanton. Susan entwickelte sich wurde sie verhaftet, kam ins Gefänginnerhalb kurzer Zeit zu einer der nis, wurde zu einer Geldstrafe von eifrigsten Verfechterinnen für die 100 US-Dollar verurteilt, weigerte sich Rechte der Frau. jedoch, diese zu bezahlen. In der frühen Phase des „Amerikani-Wieder in Freiheit, kämpfte Susan B. schen Bürgerkrieges“ (1861-1865) Anthony auf Reisen, bei denen sie oft half Susan B. Anthony bei der Organi-von Elizabeth Cady Stanton begleitet sation der „Women’s National Loyal wurde, für das Wahlrecht der Frauen. League“, welche die Sache der Eman-Dieses Ziel wurde 1871 in Kalifornien zipation vorantrieb. 1863 hob sie die erreicht, 1874 in Michigan sowie 1877 „Women’s Loyal League to support in Colorado und anderswo, jedoch erst Lincoln’s government“ mit aus der 1920 landesweit in den USA. 1888 half Taufe. Nach dem Bürgerkrieg war sie Susan bei der Gründung des „Internaeine der ersten, die sich für die Rechte tional Council of Women“ (ICW, der Schwarzen einsetzte. 1866 beteilig-„Weltbund der Frauen“). te sie sich an der Gründung der Von 1892 bis 1900 bekleidete Susan B. „American Equal Rights Association“. Anthony das Amt der Präsidentin der „National American Woman Suffrage Ab 1868 fungierten Susan B. Anthony Association“. Zusammen mit den ameals Besitzerin sowie Elizabeth Cady rikanischen Frauenrechtlerinnen Eli-Stanton und Parker Pillsbury als Her-
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zabeth Cady Stanton, Matilda Jocelyn Am 13. März 1906 starb Susan Brow-Gage (1822-1898) und Ida A. Husted nell Anthony im Alter von 86 Jahren in Harper (1851-1931) gab sie die ersten Rochester. Ihr Leben und Werk wurde vier Bände der sechsteiligen Reihe in den Biographien „Susan B. An„The History of Woman Suffrage“ thony“ (1959) von Alma Lutz, „The (1881-1886) heraus. Life and Work of Susan B. Anthony“ 1899 kam Susan B. Anthony als (1898-1908, drei Bände) von Ida A. Leiterin der US-Delegation des Husted Harper und „Susan B. An„Council of Woman“ nach London und thony“ (1988) von K. Barry geschil-1904 nach Berlin. Mit 80 trat sie als dert. 1979 bildete man Susan Brownell Präsidentin der „National American Anthony als erste Amerikanerin auf Woman Suffrage Association“ zurück. einer neuen Dollarmünze ab.
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Anita Augspurg
Die radikale
deutsche Feministin
E ine engagierte Kämpferin für die
Berlin und absolvierte dort erfolgreich Rechte der Frauen, den Frieden das Lehrerinnenexamen, später legte und die Freiheit war die deutsche sie auch die Turnlehrerinnenprüfung Lehrerin, Schauspielerin und Führerin ab. Nach einer Erbschaft ließ sie sich des radikaldemokratischen Flügels der als Schauspielerin ausbilden und trat in deutschen Frauenbewegung, Anita der Provinz auf. Anschließend eröffne-Augspurg (1857-1943). Sie gründete te sie mit einer Freundin in München den „Deutschen Verband für Frauen-das Fotoatelier „Elvira“, zu dessen stimmrecht“, hob die „Internationale Kundschaft vor allem Künstler gehör-Frauenliga für Frieden und Freiheit“ ten.
mit aus der Taufe und war die erste Die Mitarbeit Anita Augspurgs im deutsche Juristin. Frauenverein „Reform“ führte 1893 Anita Augspurg wurde am 22. Septem-zur Gründung eines Mädchengymnasiber 1857 in Verden an der Aller ums in Karlsruhe, an dem die Hoch(Niedersachsen) als Tochter des Ober-schulreife erworben werden konnte. gerichtsanwalts Wilhelm Augspurg 1893 begann sie ein Jurastudium an der und seiner Frau Auguste geboren. Ihr Universität Zürich, wo sie 1897 mit 40 Vater hatte sich an der Revolution von Jahren zum „Doktor der Rechte“ und 1848 beteiligt und deswegen eine zur ersten deutschen Juristin promo-Festungshaft verbüßen müssen. In Bio-vierte.
graphien über Anita heißt es, sie sei ein Beim „Internationalen Frauenkongreß“ verträumtes Kind mit einem ausge-in Berlin 1896 begegnete Anita Augprägten Gerechtigkeitssinn gewesen spurg erstmals der Feministin Lida-und habe früh gegenüber der Kirche Gustava Heymann (1868-1943), die eine kritische Haltung eingenommen. später ihre Lebensgefährtin wurde. Um der Enge ihres Heimatortes zu 1897 nahm Anita am „Internationalen entfliehen, zog Anita Augspurg nach Abolitionistischen Kongreß“ in Lon-
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don teil. Als Abolitionismus (englisch: naten nach Berlin, um dort politisch to abolish = abschaffen) wird die tätig zu sein. Von 1907 bis 1912 war Bewegung zur Abschaffung der Skla-sie Herausgeberin der „Zeitschrift für verei in Großbritannien und in den Frauenrecht“ und 1912/1913 des USA bezeichnet. Hinterher initiierte sie Verbandsorgans „Frauenstimmrecht“. in Deutschland zahlreiche Vereins-Nachdem 1908 auch Frauen in politigründungen, die gegen die staatliche sche Parteien eintreten konnten, Reglementierung der Prostitution und schloss sich Anita Augspurg der liberagegen die Sittlichkeitsbewegung von len „Deutschen Freisinnigen Partei“ Hanna Bieber-Böhm (1851-1910) (DFrP) an. Diese Partei verließ sie aber kämpften. bald wieder, weil sie meinte, sie Auf Anita Augspurg sind viele An-verschwende ihre Kräfte an Männerpostöße zur Verbesserung im sozialen, litik.
wirtschaftlichen und politischen Be-Während des Ersten Weltkrieges reich in Deutschland zurückzuführen. (1914-1918) tat sich Anita Augspurg In Gesetzesänderungsvorschlägen, die als Pazifistin hervor. 1915 war sie eine weibliche Belange berührten, brachte der Initiatorinnen der „Internationalen sie ihre Rechtskenntnisse ein und klärte Frauenfriedenskonferenz“ in Den Haag über die juristische Stellung der Frau (Niederlande) und beteiligte sich an der auf. Gründung der „Internationalen Frauen-Mehr als ein Jahrzehnt lang bildeten liga für Frieden und Freiheit“. Danach Anita Augspurg und die Feministin hob sie zusammen mit ihrer Lebensge-Minna Cauer (1842-1922) den Mittel-fährtin in deutschen Städten nationale punkt der radikalen Frauenbewegung. „Frauenausschüsse für dauernden Frie-Beide gingen mit einer Sondergeneh-den“ aus der Taufe. migung im „Deutschen Reichstag“ in Wegen ihren Aufsehen erregenden Berlin ein und aus. Anita redigierte die Aktionen für den Frieden wurde Anita Beilage „Parlamentarische Angelegen-Augspurg vom „Bund Deutscher Frauheiten und Gesetzgebung“ in der envereine“ ausgeschlossen. Zur Zeit Zeitschrift „Die Frauenbewegung“ von des Ersten Weltkrieges erhielt sie Minna Cauer. Redeverbot und musste Hausdurchsu-Anita Augspurg gehörte zum Vorstand chungen hinnehmen. des Vereins „Frauenwohl“ und zu den Nach der Ausrufung der Räterepublik Gründerinnen des „Verbands fortin Bayern 1918 setzte sich Anita schrittlicher Frauenvereine“, in dem sie Augspurg für deren Ziele ein. Sie war als zweite Vorsitzende fungierte. Zufasziniert von der Idee der Einberufung sammen mit Lida-Gustava Heymann von Frauenräten und saß als Vertreterin gründete sie 1902 den „Deutschen der Frauenbewegung in dem im No-Verband für Frauenstimmrecht“ und vember 1918 gewählten provisorischen wurde dessen Präsidentin. Parlament. Im Dezember 1918 kandi-1907 zogen Anita Augspurg und Lidadierte sie erfolglos für den bayerischen Gustava Heymann nach Bayern. Fortan Landtag. Von 1919 bis 1933 gaben kam Anita nur noch in den Wintermo-Anita Augspurg und Lida-Gustava
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Heymann die Zeitschrift „Die Frau im Schweiz. Beide standen auf der Liste Staat“ heraus und engagierten sich in der zu liquidierenden Personen, ihr der „Internationalen Frauenliga für Besitz wurde konfisziert und ihr Frieden und Freiheit“ (IFFF) für Abrü-Frauenarchiv vernichtet. Am 20. Destung und ein Verbot der Entwicklung zember 1943 starb Anita Augspurg im chemischer Waffen. Alter von 86 Jahren in ihrem Zürcher Nach der Machtergreifung der Natio-Exil.
nalsozialisten 1933 in Deutschland kehrten Anita Augspurg und Lida-Gustava Heymann von einer Auslands- DieBiographie von Anita Augspurg reise nicht mehr in ihr Heimatland steht auch in meinem Taschenbuch zurück und lebten fortan in der „Superfrauen 3 - Politik“.
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Gertrud Bäumer
Sie stritt
für die Gleichberechtigung
E ine bedeutende deutsche Frauen-der Gründung der Magdeburger Lehrerechtlerin war die Lehrerin, Politi-rinnenvereinigung. Damals lernte sie kerin und Schriftstellerin Gertrud die Führerin der bürgerlichen Frauen-Bäumer (1873-1954). Zusammen mit bewegung, Helene Lange, kennen. Von dem Politiker Friedrich Naumann 1898 bis 1900 absolvierte sie ein (1860-1919) und der Frauenrechtlerin Oberlehrerinnenstudium in Berlin, und Helene Lange (1848-1930) setzte sie von 1900 bis 1904 studierte sie sich mit Nachdruck zur Lösung sozia-Germanistik, Theologie, Philosophie ler Fragen und für die Gleichberechti-und Soziologie. 1904 promovierte sie gung der Frau ein. Als Vorsitzende des über das Werk „Satyros“ von Johann „Bundes Deutscher Frauenvereine“ ge-Wolfgang von Goethe (1749-1832). hörte sie dem „International Council of Zwischen 1907 und 1910 wirkte Ger-Women“ („Weltbund der Frauen“) an. trud Bäumer als Redakteurin bei „Neue Gertrud Bäumer kam am 12. Septem-Bahnen“, der Zeitschrift des „Allgeber 1873 als Tochter eines evangeli-meinen Deutschen Frauenvereins“ schen Pfarrers in Hohenlimburg -(ADF).
heute ein Stadtteil von Hagen in Zu Gertrud Bäumers frühen Werken Nordrhein-Westfalen - zur Welt. Ihre gehören das fünfbändige „Handbuch Familie zog 1876 nach Pommern, wo der Frauenbewegung“ (ab 1901), das der Vater als Kreisschulinspektor arbei-sie mit ihrer Lebensgefährtin Helene tete. Nach dem Abschluss der „Höhe-Lange herausgab, sowie die Bücher ren Töchterschule“ in Halle/Saale be-„Die soziale Idee in den Weltanschausuchte Gertrud das Lehrerinnensemi-ungen des 19. Jahrhunderts“ (1910) nar in Magdeburg. und „Die Frauengestalt in der deut-Ab 1894 wirkte Gertrud Bäumer als schen Frühe“ (1927). Lehrerin in Halberstadt, Kamen und Von 1910 bis 1919 fungierte Gertrud Magdeburg. 1896 beteiligte sie sich an Bäumer als Vorsitzende des „Bundes
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Deutscher Frauenvereine“ (BDF). Zu-Gertrud Bäumer gehörte 1919/1920 der sammen mit Friedrich Naumann gab „Weimarer Nationalversammlung“ an sie von 1912 bis 1940 die Zeitschrift und war von 1920 bis 1930 Mitglied „Die Hilfe“, eine Wochenschrift für des „Deutschen Reichstages“ in Berlin Politik, Literatur und Kunst, heraus. und stellvertretende Vorsitzende der Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges DDP. Am 19. Februar 1919 hörte sie gründete Gertrud Bäumer 1914 den die erste Parlamentsrede einer Frau in „Nationalen Frauendienst“, der in Ko-Deutschland, die von der Abgeordneoperation mit Wohlfahrtsverbänden ten der „Sozialdemokratischen Partei und dem „Roten Kreuz“ die entstehen-Deutschlands“ (SPD), der Kölner Sozide soziale Not an der „Heimatfront“ alarbeiterin Marie Juchacz (1879mit karitativen Leistungen zu lindern 1956), in der „Weimarer Nationalverversuchte. Zu den Tätigkeiten des sammlung“ gehalten wurde. „Nationalen Frauendienstes“ gehörten 1922 wurde Gertrud Bäumer als erste Arbeitsvermittlung und -beschaffung, deutsche Ministerialrätin in die kultur-Vermittlung freiwilliger Hilfskräfte, politische Abteilung des Reichsinnen-Kinder- und Jugendfürsorge, Wöchne-ministeriums berufen. Dort leitete sie rinnen- und Säuglingsfürsorge, Organi-das Schulreferat und die Jugendwohlsation von Speisungen und Lebensmit-fahrt und verhalf dem Kulturprogramm telverteilungen, Truppenspeisungen, der Weimarer Verfassung zum Durch-Lebensmittelpreiskontrolle, Schu-bruch. Beim Beitritt Deutschlands zum lungsprogramme für den ökonomi-Völkerbund sandte man sie 1926 als schen Umgang mit Nahrungsmitteln Delegierte in die Kommission für sowie Beratungs- und Auskunftsdien-soziale und humanitäre Fragen. Von ste. 1930 bis 1932 saß sie für die „Deutsche 1916 wurde Gertrud Bäumer Heraus-Staatspartei“ im „Deutschen Reichsgeberin der Zeitschrift „Die Frau“, des tag“.
Organs der bürgerlichen Frauenbewe-Nach der Machtergreifung der Natiogung. Von 1916 bis 1920 leitete sie das nalsozialisten von 1933 wurde Gertrud „Sozialpädagogische Institut“ in Ham-Bäumer als „politisch unzuverlässig“ burg. An diesem Institut, einem Semi-eingestuft, ihrer Ämter enthoben und nar zur Ausbildung von Frauen für die mit einer Volksschullehrerpension entsoziale Arbeit, unterrichtete von 1917 lassen. Danach zog sie nach Gießbis 1920 auch Helene Lange. mannsdorf (Schlesien), widmete sich Am 12. November 1918 verkündete verstärkt ihrer schriftstellerischen Täder „Rat der Volksbeauftragten“ die tigkeit und machte sich einen Namen Einführung des gleichen, geheimen, als Autorin. direkten und allgemeinen Wahlrechts In dem Buch „Lebensweg durch eine für alle männlichen und weiblichen Zeitenwende“ (1934) schilderte Ger-Personen über 20 Jahre. Dies ermög-trud Bäumer ihren eigenen Entwicklichte es Gertrud Bäumer, für die lungsgang. Weitere wichtige Werke aus „Demokratische Partei“ (DDP) zu kan-ihrer Feder waren „Männer und Frauen didieren und gewählt zu werden. im geistigen Werden des deutschen
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Volkes“ (1934), „Ich kreise um Gott. „Eine Woche im May. 7 Tage des Der Beter Rainer Maria Rilke“ (1935) jungen Goethe“ (1947), „Die christ-und der bekannteste unter ihren großen liche Barmherzigkeit als geschicht-historischen Romanen, „Adelheid, liche Macht“ (1948), „Helene Lange. Mutter der Königreiche“ (1936). Im Zum 100. Geburtstag“ (1948), „Frau Jahre 1936 setzte man sie als Herausge-Rath Goethe. Die Mutter der Weisheit“ berin der Zeitschrift „Die Frau“ ab. (1949), „Ricarda Huch“ (1949), „die Während der Zeit des Nationalsozialis-drei göttlichen Komödien des mus erschienen auch Gertrud Bäumers Abendlandes“ (1949), „Der Jüngling Bücher „Der Park“ (1937) „Krone und im Sternenmantel. Größe und Tragik Kreuz“ (1938), „Der Berg des Königs. Ottos III.“ (1949), „Das geistige Das Epos des langobardischen Volkes“ Bild Goethes im Licht seiner Werke“ (1938), „Gestalt und Wandel. Frauen-(1950) sowie „Otto I. und Adelheid“ bildnisse“ (1939) und „Die Macht der (1951).
Liebe. Der Weg des Dante Alighieri“ 1948 zog Gertrud Bäumer nach Bad (1941). Godesberg um, wo sie die „Christlich-Nach dem Zweiten Weltkrieg engagier-Demokratische Union“ (CDU) unterte sich Gertrud Bäumer ab 1945 in stützte. Im September 1953 erschien Bamberg (Bayern) für den politischen anlässlich ihres 80. Geburtstages die Wiederaufbau in den westlichen Besat-überarbeitete Fassung ihrer Autobiozungszonen und hob die „Christlich-graphie „Im Lichte der Erinnerung“. Soziale Union“ (CSU) mit aus der Am 25. März 1954 starb sie im Alter Taufe. Im Jahr darauf erschienen ihre von 80 Jahren in Bethel bei Bielefeld Werke „Der neue Weg der deutschen (Nordrhein-Westfalen). Zwei Jahre Frau“ (1946) und „Die Reichsidee der nach ihrem Tod wurden in dem Buch Ottonen“ (1946). Es folgten die Bücher „Des Lebens wie der Liebe Band“ „Der Dichter Fritz Usinger“ (1947), (1956) ihre Briefe veröffentlicht.
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Simone
de Beauvoir
Die Leitfigur
der neuen Frauenbewegung
D ie bedeutendste Theoretikerin der
der Pariser Sorbonne. Seit dieser Zeit neuen Frauenbewegung war die begann sie sich „gegen die hohlen französische Schriftstellerin, Existen-Worte und die heuchlerische Moral“ zialistin und Marxistin Simone de ihrer Gesellschaftskreise aufzulehnen. Beauvoir (1908-1986). Sie deutete die 1929 legte sie an der Sorbonne ihr traditionell passive Rolle der Frau in Diplom als „Agrégée der Philosophie“ der Gesellschaft als Ergebnis einer (Staatsexamen für den höheren Schul-Entwicklung patriarchalischer Struktu-dienst) und als „Licenciée dés lettres“ ren und forderte deren Veränderung mit (Lehrbefugnis für Collège) ab. dem Ziel einer Selbstverwirklichung Die 21-jährige Simone de Beauvoir der Frau. Außer in der Frauenbewe-lernte 1929 den französischen Philosogung engagierte sie sich auch gegen die phen und Schriftsteller Jean-Paul Sar-Kriege in Algerien und Vietnam. tre (1905-1980) kennen. Sie war Simone de Beauvoir kam am 9. Januar fasziniert von seinem Ruf, er würde nie 1908 als Tochter eines Anwalts und aufhören zu denken, und wurde seine einer Bibliothekarin in Paris zur Welt. Schülerin und Lebensgefährtin. Später In der französischen Hauptstadt be-verriet sie, er sei der erste Mann suchte das wohlbehütete Mädchen die gewesen, mit dem sie schlief. Doch private höhere Mädchenschule „Insti-sexuell habe dies - vor allem seinetwetut normal catholique Adelina-Desir“. gen - wenig gebracht. Sartre sei ein Später wurde sie in Neuilly-sur-Seine „hitziger, quicklebendiger Mann -, an der „Institution Sainte-Marie“ unter-überall, außer im Bett“, gewesen. richtet. Mit 15 Jahren schrieb sie einer 1931/1932 arbeitete Simone de Beau-Freundin ins Poesie-Album: „Ich will voir als Lehrerin am „Lyzée eine berühmte Schriftstellerin werden“. Montgrand“ in der südfranzösischen Ab 1925 studierte Simone de Beauvoir Hafenstadt Marseille. Von 1933 bis Philosophie an der „Faculté des lettres“ 1937 unterrichtete sie am „Lyzée
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Jeanne d’Arc“ in Rouen und von 1938 von Artikeln für diese Zeitschrift bis 1943 in Paris am „Lyzeé Molière“ schätzte sie besonders, dass man dabei und am „Lycée Camille-Sée“. Zur Zeit im Gegensatz zu einem Buch „die der Vichy-Regierung wurde sie 1943 Aktualität im Flug fangen“ konnte. als Lehrerin entlassen und schriftstelle-Fast nebenbei stieß sie auf das Thema risch aktiv. „Unterdrückung der Frau“. Simone de Beauvoirs Leben und ihre Bei ihrer ersten Tournee in den USA Schriftstellerei sind entscheidend begegnete die 39-jährige Simone de durch Jean-Paul Sartre geprägt worden. Beauvoir 1947 dem ein Jahr jüngeren In ihrem ersten Memoirenband „Mé-und einen Kopf größeren amerikanimoires d’une jeune fille rangée“ (1958, schen Schriftsteller Nelson Algren deutsch: „Memoiren einer Tochter aus (1909-1981). Ihm verdankte sie, wie gutem Hause“, 1960) schilderte sie ihre sie später ihrer Biographin Deirde Bair Entwicklung bis zur Zeit der Begeg-anvertraute, den ersten Orgasmus ihres nung mit Sartre. Demnach fühlte sie Lebens. Von der Liebe der Feministin lange Zeit nirgends Verständnis für ihre zu dem Macho zeugen 304 Briefe Ablehnung jeder „mittelmäßigen Exi-Simones, die 1997 in dem Buch stenz“. Erst mit Aufnahme ihrer Lehr-„Lettres á Nelson Algren. Un amour tätigkeit fand sie Sicherheit. transatlantique 1947-1964“ veröffent-Nach Ansicht von Kritikern entwickel-licht wurden. te sich Simone de Beauvoir durch ihre Simone de Beauvoir versprach ihrem schriftstellerischen Arbeiten zu einer Geliebten Nelson Algren, mit dem sie der führenden Repräsentantinnen des drei Jahre auf Reisen persönlich und französischen Existentialisten-Kreises. insgesamt 17 Jahre brieflich verkehrte, Dieser Tatsache verdankt sie den treu zu sein wie eine Frau, den Boden Ehrentitel „Hohepriesterin des Existen-zu wischen und Essen zu kochen und zialismus“. zehn Mal in der Nacht und ebenso oft In den 1940-er Jahren verfasste Simone am Tag mit ihm Liebe zu machen. de Beauvoir unter anderem die Roma-Damals verfasste sie gerade das Manune „L’Invitée“ („Sie kam und blieb“, skript für die „Jahrhundertanalyse zur 1943), „Le Sang des autres“ („Das Blut Benennung und Befreiung der Frauen“ der anderen“, 1944), „Der Gast“ mit dem Titel „Das andere Ge-(1945), „Alle Menschen sind sterblich“ schlecht“.
(1947), die philosophischen Schriften Nach einer der vielen Reisen Simone „Pyrrhus und Cinéas“ (1944) und die de Beauvoirs ist ihr Buch „L’Amerique „Moral der Zweideutigkeiten“ (1947) au jour le jour“ (1947, deutsch: sowie das Schauspiel „Les Bouches „Amerika Tag und Nacht“, 1948) inutiles“ (1945, deutsch: „Unnütze entstanden. Dieser Titel erregte in den Mäuler“). USA wegen seiner marxistischen und antiamerikanischen Note erhebliches 1945 gründete Jean-Paul Sartre die Aufsehen. Das Werk hatte sie dem Zeitschrift „Les temps modernes“. Die Amerikaner Richard Wright (1908einzige Frau in der Redaktion war 1960), der als einer der profiliertesten Simone de Beauvoir. Am Schreiben
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schwarzen Autoren des 20. Jahrhun-detaillierte und grausame Schilderung derts gilt, gewidmet. über das Sterben ihrer Mutter lieferte Die Bücher „Le deuxième Sexe“ sie in „Une mort trés douce“ (1964, (1949, deutsch: „Das andere Ge-deutsch: „Ein sanfter Tod“, 1965). schlecht“, 1951) und „Les Mandarins“ Schonungslos und ehrlich waren auch (1954, deutsch: „Die Mandarine von ihre Bücher „Eine gebrochene Frau“ Paris“, 1955) aus der Feder Simone de (1968) und „La Vieillesse“ (1972, Beauvoirs wurden von der katholi-deutsch: „Das Alter“). 1972 kam ihrer schen Kirche auf den Index gesetzt. vierter Memoirenband „Tout Compte In dem Werk „Le deuxième Sexe“ zog fait“ („Alles in allem“) heraus, in dem Simone de Beauvoir zwei Schlussfol-sie über ihre politischen Enttäuschungerungen: Einerseits vertrat sie die gen mit kommunistischen Ländern Auffassung, in der patriarchalischen berichtet. Gesellschaft werde die Frau als das Von 1970 an engagierte sich Simone de „Andere“ definiert, während der Mann Beauvoir in der Frauenbewegung. Im die Norm sei, an der sich die Frau zu Frühjahr 1971 beteiligte sie sich an der messen habe. Anderseits meinte sie, Aktion „J’ai avortee“ (deutsch: „Ich Weiblichkeit sei keine angeborene habe abgetrieben“), die von 343 Frauen Wesensqualität. Man komme nicht als unterschrieben und im „Nouvel Obser-Frau zur Welt, sondern werde es. vateur“ veröffentlicht wurde. Zusam-In „Les Mandarins“ gab Simone de men mit einer kleinen Frauengruppe Beauvoir ein Sittenbild der linkssozia-redigierte sie die Frauenseite der Zeitlistischen Kreise um Sartre und Albert schrift „Les temps modernes“ und Camus (1913-1960) sowie ihrer Desil-betreute die Rubrik „sexismus ordinailusionierung nach dem Zweiten Welt-re“ („der alltägliche Sexismus“). krieg. 1953 vertrat sie auch „offiziell“ Simone de Beauvoir lehnte jeglichen marxistische Positionen. Glauben an eine „Natur der Frau“ kategorisch ab und warnte immer Nach einer Chinareise mit Jean-Paul wieder vor der „Falle der Ehe und Sartre im Herbst 1956 schrieb Simone Mutterschaft“. Nach ihrer Ansicht de Beauvoir das Buch „La Longue klammerten sich Frauen viel zu sehr an Marche“ (1967, deutsch: „China, das ihre Mütterlichkeit. Sie meinte, jede weitgesteckte Ziel“, 1959), das zwar Frau sei ein bißchen homosexuell, weil umstritten blieb, aber wegen seines Frauen begehrenswerter seien als Mänmitreißenden Stils gelobt wurde. Bei ner. Nach der Gründung der „Liga für ihren Reisen wurde sie zum Teil von Frauenrechte“ 1974 leitete sie diese als Claude Lanzmann begleitet, mit dem Präsidentin. sie einige Jahre liiert war. Am 14. April 1986 starb Simone de Der zweite Memoirenband Simone de Beauvoir im Alter von 78 Jahren in Beauvoirs hieß „La Force de l’âge“ Paris. Kurz vor ihrem Tod hatte sie (1960, deutsch: „In den besten Jahren“, noch der „Sozialistischen Partei“ beim 1961), und ihr dritter hatte den Titel Wahlkampf ihre Unterstützung ver„La Force des choses“ (1963, deutsch: sprochen. „Der Lauf der Dinge“, 1966). Eine
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Lily Braun
Die bürgerliche
Frauenrechtlerin
Z u den bedeutendsten Sozialdemo-anderen. Erst durch den Einfluss ihrer kratinnen und Frauenrechtlerinnen Großmutter wurde ihr Blick von Äu-Deutschlands während der Wende vom ßerlichkeiten weg zu geistiger Betäti-19. zum 20. Jahrhundert gehörte die gung gelenkt. Nach der Bearbeitung Schriftstellerin und Politikerin Lily des schriftlichen Nachlasses ihrer Braun (1865-1916), geborene von Großmutter, die den deutschen Dichter Kretschman. Neben Romanen und Johann Wolfgang von Goethe (1749-Dramen schrieb sie ihre zwei-1832) noch persönlich gekannt hatte bändigen „Memoiren einer Soziali-und einen umfangreichen Briefwechsel stin“, die als wichtiges Zeugnis ihrer hinterließ, unternahm Lily erste litera-Zeit gelten. rische Versuche. Lily von Kretschman wurde am 2. Juli Als Lilys Vater wegen kritischer Äuße-1865 als Tochter des preußischen rungen über die Außenpolitik Napolé-Generals Hans von Kretschman (1832-ons in den Ruhestand versetzt wurde, 1899) in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) zog die Familie 1890 nach Berlin. Dort geboren. Ihre Großmutter Jenny von lernte Lily 1891 den Professor für Gustedt (1811-1890) war ein uneheli-Philosophie und Publizisten, Georg ches Kind von Napoléons Bruder von Gisycki (1851-1895), kennen, den Jérôme Bonaparte (1784-1860) und sie 1893 heiratete. Ihr Mann war einer der verheirateten Diana von Pappen-der Führer der „Gesellschaft für ethiheim (1788-1844). Jérôme regierte sche Kultur“, für deren Zeitschrift Lily von 1807 bis 1813 das neugeschaffene ihre ersten Aufsätze zu aktuellen Fra-Königreich Westfalen und ging als gen der sozialistischen und der Frauen„König Lustig“ in die Annalen der bewegung schrieb. Geschichte ein. Obwohl Georg von Gisycky kein In ihrer Jugend hetzte Lily von einer Mitglied der „Sozialdemokratischen gesellschaftlichen Verpflichtung zur Partei Deutschlands“ (SPD) war, sym-
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pathisierte er mit deren Politik. Unter nach der Heirat brachte Lily ihren Sohn dem Einfluss ihres Gatten, mit dem sie Otto (1897-1918) zur Welt. eine Arbeitsehe führte, engagierte sich Im so genannten Revisionsstreit stell-Lily in der bürgerlichen Frauenbewe-ten sich Heinrich und Lily Braun auf gung. Bald interessierte sie sich außer-die Seite des SPD-Politikers Eduard dem für die Lebensbedingungen der Bernstein (1850-1932). Dies ver-Arbeiter und vor allem der Arbeiterin-schärfte die innerparteiliche Situation nen. Nachdem Gisycki 1895 an Influ-vor allem nach dem Dresdener Parteienza starb, war sie weitgehend auf sich tag 1903, wo der revisionistische allein gestellt. Flügel eine empfindliche Niederlage in Durch Kontakte mit Vertreterinnen der der innerparteilichen Auseinandersetproletarischen Frauenbewegung und zung erlitt. durch die Bekanntschaft mit dem Als Lily Brauns zentrales Werk gilt ihre Sozialpolitiker Heinrich Braun (1854-durch empirische Daten gestützte Stu-1927) trat Lily in die SPD ein und die „Die Frauenfrage - Ihre geschichtengagierte sich politisch. Mit diesem liche Entwicklung und ihre wirtschaft-Schritt setzte sie sich zwischen alle liche Seite“ (1901). Die Autorin war Stühle: Ihre Familie distanzierte sich wohl eine der ersten überhaupt, die das von ihr und enterbte sie, und in der SPD Geschlechterverhältnis in Prozentzahbegegnete man ihr wegen ihrer gutbür-len ausdrückte. Sie verfasste auch gerlichen Herkunft mit großem Miss-zahlreiche Artikel für die „Ethische trauen. Zeitschrift“ und die „Gleichheit“ sowie Nachdem Lily von Gyscky versuchte, Kommentare und Berichte für sozialdie bürgerliche und die proletarische demokratische Tageszeitungen. Frauenbewegung zusammenzuführen, Dank der Zeitungshonorare konnte geriet sie mit der damals führenden Lily Braun die zeitweise sehr prekäre Frauenpolitikerin der SPD, Clara Zet-finanzielle Lage ihrer Familie lindern. kin (1857-1933), in Konflikt. Sie Die von Heinrich Braun gegründete wurde in der Partei zunehmend ausge-Zeitschrift „Neue Gesellschaft“ scheigrenzt und verlor ihre bisherigen terte schon nach der zweiten Ausgabe. Einflussmöglichkeiten. Aus finanziellen Motiven entstanden Als Lily von Gysycki 1896 den zwei Lily Brauns kitischige Romane „Im Mal geschiedenen Politiker und Be-Schatten des Titanen“ (1908), „Die gründer des „Archivs für soziale Ge-Liebesbriefe der Marquise“ (1912), setzgebung und Statistik“, Heinrich „Mutter Maria“ (1913) und „Die Le-Braun, heiratete, löste sie in der SPD benssucher“ (1915), die innere Koneinen Skandal aus. Der SPD-Vorsitzen-flikte von Frauenfiguren behandeln. de August Bebel (1840-1913) schrieb In ihrer zweibändigen Autobiographie in einem Brief an sie, das Verhältnis „Memoiren einer Sozialistin“ (1909 zwischen ihr und Heinrich Braun habe und 1911) schilderte Lily Braun ihren natürlich gewaltig Staub aufgewirbelt Lebensweg sowie die damit verbunde-und die männlichen und weiblichen nen Ent- und Verwicklungen. Obwohl Philister in Erregung versetzt. Im Jahr sie die Personen darin anders nannte,
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wurde Eingeweihten bald klar, dass der Frau in der Kranken- und Säuges sich bei der häufig kritisierten lingspflege. „Wanda Orbin“ um Clara Zetkin han-1915 schrieb Lily Braun an ihren Sohn delte. Otto Braun, es sei nun einmal ihre Art, Auf politische Konflikte und die damit nur im Fieber etwas leisten zu können, verbundenen Anfeindungen, die sie sie brauche Besessenheit. Am 8. Audurch ihr eigenes zeitweise kompro-gust 1916 starb sie im Alter von nur 51 missloses Verhalten nicht gerade ab-Jahren in Berlin-Zehlendorf. Julie milderte, reagierte Lily Braun ausge-Braun-Vogelstein (1883-1971), die sprochen empfindlich. Ab 1910 ver-zweite Frau von Heinrich Braun, schlechterte sich ihr gesundheitlicher veröffentlichte die Aufzeichnungen Zustand zusehends. von Lilys Sohn Otto unter dem Titel In ihrem Werk „Die Frauen und der „Aus nachgelassenen Schriften eines Krieg“ (1915) äußerte sich Lily Braun Frühvollendeten“ (1919) und die Bio-euphorisch über den Ersten Weltkrieg graphie „Lily Braun. Ein Lebensbild“ und forderte die Frauen zur Mutter-(1922).
schaft auf, damit für jede Hand, die sich jetzt sterbend um die Waffen klammere Die Biographie von Lily Braun steht andere Hände geschaffen würden. Au- auchin meinem Taschenbuch „Super- ßerdemkämpfte sie für das Dienstjahr frauen 3 - Politik“.
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Juana Inés
de la Cruz
Der „Phoenix
von Amerika“
A ls Mexikos erste Feministin,
de Asbaje i Ramírez de Cantillana an „zehnte Muse“ und „Phoenix von den Hof des Vizekönigs von Neu-Amerika“ würdigt man heute die Spanien, wo sie Gesellschafterin von dichtende Nonne Sor Juana Inés de la dessen Frau, der Marquesa de Mance-Cruz (1651-1695), geborene Juana ra, wurde. Der Vizekönig war von Inés de Asbaje i Ramírez de Cantillana. der gebildeten Jugendlichen so beein-Die katholische Klosterschwester er-druckt, dass er sie in einem Examen langte im 17. Jahrhundert mit ihrer 40 berühmten Gelehrten gegenüber-Lyrik und mit Theaterstücken, die im stellte, denen sie keine Antwort schulganzen spanischen und portugiesischen dig blieb. Reich aufgeführt wurden, einen für Aufgrund einer „tiefen Abneigung eine Frau ihrer Zeit und Gesellschaft gegen den Ehestand“ wollte Juana Inés beispiellosen Ruhm. Verständnislose nicht heiraten. Wegen ihrer bescheide-Zeitgenossen bereiteten ihr einst gro-nen und unehelichen Abstammung ßen Kummer. hätte sie schlechte Heiratschancen ge-Juana Inés de Asbaje i Ramírez de habt. Deshalb trat sie 1669 in den San-Cantillana wurde am 12. November Jerónimo-Orden in Mexiko-City ein. 1651 unehelich auf einem mexikani-Dort erschienen ihr jedoch die klösterschen Landgut in San Miguel de lichen Pflichten eher als eine Last, viel Nepantla geboren. Bereits als Dreijäh-lieber nutzte sie ihre Zeit mit Lesen und rige lernte sie lesen, als Achtjährige Schreiben in ihrer Zelle, in der sich schrieb sie ihre ersten Dichtungen. zahlreiche Bücher und wissenschaftli-Später wollte sie - was ein völlig che Geräte häuften. ungewöhnlicher Wunsch war - als Obwohl Juana Inés die Klausur streng Mann verkleidet an der Universität in befolgte und nie die Klostermauern Mexiko-City studieren. verließ, hatte sie Kontakt mit der Im Alter von 17 Jahren kam Juana Inés Außenwelt: Sie empfing im Besuchs-
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2001, Superfrauen 11 - Feminismus und Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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