INHALT
Vorwort 9
Heilige Elisabeth 36
von Thüringen
Das Vorbild der Caritas
Heilige Angela Merici 11
Die Gründerin
Heilige Franziska 40
der Ursulinen
Rom
Heilige Bernadette 15
Die Schutzherrin
der Autofahrer
Soubirous
Die Seherin
Selige Franziska 43
von Lourdes
Schervier
Bilhildis 19
Die Mutter der Armen
aus Aachen
Die Mainzer Heilige
Franziska Streitel 47
Heilige Birgitta 22
von Schweden
Die Dienerin Gottes
aus Franken
Die Schutzherrin
der Pilger
Waltraud Frodien 53
Heilige Brigitta 26
Die erste deutsche Dekanin
von Kildare
Heilige Genovefa 56
Die Schutzherrin
Die Schutzherrin von Paris
Irlands
Heilige Gertrud 59
Heilige Edith Stein 28
von Helfta
Die frühe Laientheologin
Die große deutsche Mystikerin
und spätere Märtyrerin
Heilige Gertrud 62
Heilige Elisabeth Ann 32
von Nivelles
Bayley Seton
Die Schutzherrin
Die erste
der Feld und Gartenfrüchte
heilige Amerikanerin
4
Selige Katharina 95
Hedwig die Heilige 65
Tekakwitha
Die Schutzherrin
Die erste
von Schlesien
selige Indianerin
Heilige Hemma 69
Heilige Katharina 100
von Gurk
von Genua
Die „Mutter Kärntens“
Die Mystikerin
aus Italien
Hildegard von Bingen 73
Heilige Katharina 104
von Siena
Jeanne d’Arc 78
Italiens Hauptpatronin
Die französische Nationalheilige
Selige Klara Fey 108
Maria Jepsen 82
Die Aachener Ordensgründerin
Die erste evangelisch-
lutherische Bischöfin
Heilige Johanna 86
Franziska von Chantal
Heilige Kunigunde 116
Die Mitbegründerin
der Salesianerinnen Die Wohltäterin
Juliana von Lüttich 89
Heilige Lioba 120
Die Initiatorin
des Fronleichnamstages Die „Lehrerin Germaniens“
Selige Karoline 92
Heilige Louise 123
Gerhardinger de Marillac
Die Gründerin Die Schutzherrin
der „Armen Schulschwestern“ der Sozialarbeiter
Heilige Maria Magdalena 147 Heilige Ludmilla 126
von Pazzi
Die Schutzherrin
Die große Mystikerin von Böhmen
Heilige Maria Rosa 149
Heilige Magdalena 129
Julie Billiart
Sophie Barat
Die Pionierin
Die Burgunder
der Mädchenerziehung Ordensgründerin
Mathilde die Heilige 153
Heilige Margareta Marie 131
Alacoque
Die Klostergründerin
Die Initiatorin
Heilige Odilia 156
des Herz-Jesu-Freitags
Die Schutzherrin
Heilige Margareta 135
des Elsaß
von Schottland
Selige Pauline 158
Die Schutzherrin
Schottlands
Die Adlige mit dem Herz
für Menschen in Not
Mazzarello
Die Mitbegründerin
Die Gründerin
der „Don Bosco-Schwestern“
der Katharinerinnen
Heilige Maria Goretti 142
Heilige Rosa von Lima 166
Die Märtyrerin
Die Schutzherrin der Jungfräulichkeit
von Lateinamerika
Heilige Maria Magdalena 144
Heilige Teresa von Àvila 168 Postel
Die erste
Fortschrittliche Pädagogik
Kirchenlehrerin war ihr Ziel
Mutter Teresa 172
Der „Engel der Armen“
Selige Theodelinde 176
Die „Friedensfürstin“ der Langobarden
Selige Therese 179
Die Frau mit dem apostolischen Herzen
Heilige Theresia 183
Die Schutzfrau der Weltmission
Heilige Walburga 187
Die Fürsprecherin aller, die in Not sind
Maria Ward 190
Die „Mutter“ der „Englischen Fräulein“
Literaturverzeichnis 195
Der Autor 200
VORWORT
Der schwierige Weg zu Gott
Katharina von Genua schlief mit acht Jahren auf einem Brett und übte sich zeitweise im Schweigen. Maria Dominica Mazzarello opferte als Mädchen ihren Morgenschlaf, sie stand manchmal bereits um zwei Uhr auf, damit sie nach der Frühmesse pünktlich zur Arbeit im Weinberg oder auf dem Feld erscheinen konnte. Rosa von Lima ertrug tapfer die Amputation eines gequetschten Fingers ohne jeglichen Schmerzenslaut. Teresa von Àvila wollte als Kind mit ihrem Bruder bettelnd ins Maurenland ziehen, den Martertod finden und rasch ins Paradies kommen.
So heroisch ging es manchmal bereits in der Kindheit und Jugendzeit von Frauen zu, die später selig oder heilig gesprochen wurden. Früh zeigte sich auch in anderen Fällen die Berufung. So hörte Jeanne d’Arc seit ihrem
13. Lebensjahr im Garten ihres Elternhauses die „Stimmen“ der Heiligen
Michael, Katharina und Margarete. Katharina von Siena erlebte als Sechsjährige ihre erste Vision. Und Maria Rosa Julie Billiart versammelte im Alter von acht Jahren regelmäßig Mädchen und Jungen um sich und erzählte ihnen vom Leben Jesu Christi.
Doch es gab auch Frauen, die relativ spät den schwierigen Weg zu Gott suchten und fanden. Elisabeth Ann Bayley Seton zum Beispiel, die erste heilige Amerikanerin, betrat erst als 29-jährige Witwe während einer Italienreise zum ersten Mal eine katholische Kirche und war dort vom Anblick des Allerheiligsten fasziniert.
Das vorliegende Buch schildert das ungewöhnliche Leben und Werk von
52 Frauen aus dem Bereich Religion. Nicht alle von ihnen sind Selige oder
Heilige, was jedoch ihre Verdienste im Glauben nicht schmälert.
Ernst Probst
9
Heilige
Angela Merici
Die Gründerin
der Ursulinen
A ls Gründerin einer Gesell-
edelmann Giovanni Merici, führte das Landgut „La Grezze“ bei De- schaft allein stehender jünge- senzano. Ihre Mutter stammte rer Frauen, aus der sich später der aus der vornehmen Familie Bian- Orden der Ursulinen entwickelte, cosi.
tat sich die heilige Angela Merici Nach dem frühen Tod ihrer Eltern (1470/1475–1540) hervor. Die und ihrer Schwester kam Angela fromme und mildtätige Italienerin Merici in die Obhut eines Onkels rief die Gesellschaft erst wenige Jahre vor ihrem Tod ins Leben und mütterlicherseits in Salò am West- leitete sie als erste Oberin. Heute ufer des Gardasees. Während einer wirken Ursulinen in aller Welt mit mittäglichen Erntepause, in der sie am Kultur- und Sendungsauftrag alleine auf dem Feld für ihre tote der katholischen Kirche.
Schwester betete, erlebte Angela Angela Merici wurde zwischen eine Vision: Sie sah inmitten einer 1470 und 1475 in der Altstadt von Schar von Engeln ihre tote Schwes- Desenzano am Südwestufer des ter, die ihr sagte, Gott wolle durch Gardasees geboren. Das viel- sie eine Gesellschaft geweihter fach nachlesbare Geburtsdatum Jungfrauen gründen.
21. März 1474 ist historisch nicht
In Salò schloss sich Angela Merici belegt. Angelas Vater, der Land- dem Dritten Orden des heiligen
11
Witwe Caterina de Patengola zog Franziskus (1182–1226) an, der
Angela Merici in das Haus des Laien die Möglichkeit bietet, sich
Kaufmanns Antonio Romano nahe entschiedener dem Dienst in der
der Kirche San Agata von Brescia Kirche zu widmen. Damit über-
ein, wo sie bis 1529 wohnte. Dort nahm sie eine Regel und bestimmte
führte sie ein bescheidenes Leben, Gebetsverpflichtungen und durfte
nahm nur karge Mahlzeiten ein, aß häufiger als Laien die heilige Kom-
nie Fleisch, trank keinen Wein, munion empfangen.
arbeitete tagsüber ununterbrochen Im Alter von etwa 20 Jahren kehrte
im Dienst für andere, betete nachts Angela Merici nach Desenzano
stundenlang und schlief wenig.
zurück, wo sie bei ihrer Arbeit auch
1524 unternahm Angela Merici vornehme Bürger aus Brescia ken-
zusammen mit Antonio Romano nen lernte. Darunter war die Familie
und ihrem Vetter Bartolomeo Bian- Patengola, die in Nähe der Stadt
cosi eine von Franziskanern geführ- große Güter besaß. Nachdem Cate-
te Wallfahrt in das Heilige Land rina de Patengola kurz hintereinan-
nach Palästina. Während eines Zwi- der ihren Ehemann und ihre beiden
schenaufenthaltes auf Kreta erblin- Söhne verloren hatte, wandte sie
dete sie fast völlig und erlebte die sich in ihrem Schmerz an die
heiligen Stätten nur aus der Be- Franziskaner, die Angela 1516 ba-
schreibung der Begleiter. Die mys- ten, nach Brescia zu gehen und der
teriöse Augenkrankheit wich erst Witwe in ihrem Leid beizustehen.
nach der Wallfahrt.
In Brescia hatte Angela Merici mit
Anlässlich des „Heiligen Jahres“ der „Campagnia di Divino Amore“
pilgerte Angela Merici 1525 mit („Gesellschaft der Göttlichen Lie-
zwei Priestern nach Rom. Bei dieser be“) Kontakt. Diese Gemeinschaft
Gelegenheit stellte der päpstliche von Männern arbeitete in Hospitä-
Kämmerer Pietro della Puglia, der lern und setzte sich für eine religiö-
sie von der Wallfahrt ins Heilige se Erneuerung ein. Angela bildete
Land her kannte und schätzte, Papst den Mittelpunkt eines ähnlichen
Klemens VII. (1478–1534) vor. Der Kreises von Frauen. Zusammen mit
Heilige Vater bat sie vergeblich, sie ihren Gefährtinnen betreute sie Ju-
solle bei der Betreuung von Kran- gendliche und half Menschen aus
ken in Spitälern mitarbeiten.
unterschiedlichen Gesellschafts-
Kriegswirren veranlassten im Früh- schichten mit Rat und Trost.
jahr 1529 die Einwohner Brescias Nach einigen Monaten im Haus der
12
das Buch der Gesellschaft ein und zur Flucht. Angela Merici ging
kehrten in ihre Familien zurück.
damals mit Freunden nach Cremo-
1537 übergab Angela Merici ihren na, erkrankte dort schwer und
mittlerweile 76 Gefährtinnen die kehrte zurück, als die Flüchtlinge
von ihr ausgearbeitete Regel. Am im August jenes Jahres in die Stadt
18. März 1537 wurde sie auf
zurück strömten, nachdem Kaiser
Lebenszeit zur „Madre Generale“ Karl V. (1500–1558) mit dem Senat
(Generalmutter) der Ursulinen ge- von Brescia Frieden geschlossen
wählt. 1572 wandelte der heilige hatte.
Karl Borromäus (1538–1584) die Danach lebte Angela Merici in einer
Gemeinschaft in eine Kongregation kleinen Wohnung neben der Kirche
um. 1614 erfolgte der Übergang zu „San Afra“ in Brescia und traf sich
einem wirklichen Orden nach der täglich mit jungen Leuten in einem
Regel des heiligen Augustinus großen Raum, den ihr die Witwe
(354–430).
Elisabetta de Prato in ihrem Haus
Der Ursulinen-Orden („Ordo Sanc- zur Verfügung gestellt hatte. All-
tae Ursulae“ = OSU, oder „Societas mählich scharte Angela eine kleine
Sanctae Ursulae“ = SSU) wirkte Gemeinschaft von zwölf Mädchen
bald richtungsweisend für das reli- und jungen Frauen um sich.
giöse Gemeinschaftsleben von Mit 15 Gefährten wagte Angela
Frauen. Er entwickelte sich zum Merici im Winter 1529/1530 eine
berühmtesten sowie größten Frau- beschwerliche Wallfahrt in die Al-
enorden für Erziehung und Unter- pen zum „heiligen Berg“ Sacro
richt der weiblichen Jugend.
Monte bei Varallo. Dort waren auf
In ihrem letzten Lebensjahr verfass- Initiative der Franziskaner die Lei-
te Angela Merici die Schriften densszenen Christi dargestellt. Zwei
„Testament“ und „Ermahnungen“ Jahre später pilgerte Angela erneut
(„Ricordi“), die an die Leiterinnen zum Sacro Monte.
der Ursulinen gerichtet waren. 1539 Am Festtag der heiligen Katharina
erkrankte sie schwer, am 27. Januar von Alexandria, dem 25. November
1540 starb sie im Alter von etwa 1535, gründete Angela Merici zu-
65 Jahren. Am nächsten Tag wurde
sammen mit 28 Mädchen in Brescia
sie um vier Uhr früh feierlich die „Gesellschaft der heiligen Ursu-
inmitten einer großen Menschen- la“ („Compagnia di Santa Orsola“).
menge in die Kirche „San Afra“ Nach der heiligen Messe gelobten
getragen, wo man sie auch bestatte- sie, ehelos zu leben, trugen sich in
13
te. Dieses Gotteshaus heißt seit dem Angela Merici wurde 1786 selig
und 1807 heilig gesprochen. Ihr Zweiten Weltkrieg San Angela Me-
rici. In der kleinen Seitenkapelle Gedenktag ist der 27. Januar. Die
Ursulinen widmeten sich zunächst rechts vom Hochaltar dieses Gottes-
der Arbeit in den Hospitälern, später hauses an der Piazza Moretto steht
ein Glasschrein mit dem Leichnam vor allem der Katechese und dem
von Angela und ihrem Pilgerstab. Unterricht.
14
Heilige
Bernadette
Soubirous
Die „Seherin
von Lourdes“
M it dem Ehrentitel „Seherin
hatten oft nicht einmal das Notwen-
digste zum Leben. Bernadette litt von Lourdes“ ging die
bereits als Kind unter starken Asth- heilige Bernadette Soubirous
maanfällen und führte ein frommes (1844–1879) in die Geschichte der
Leben. Bevor sie ab Jahresanfang katholischen Kirche ein. Ihr wurde
1858 die Schule besuchte, hütete sie 1858 innerhalb von fünf Monaten
Schafe.
die Gnade von 18 Begegnungen mit
Am 11. Februar 1858 erlebte die der Muttergottes zuteil. Dem einfa-
14-jährige Bernadette ihre erste chen Mädchen vom Lande verdankt
Marienerscheinung, als sie mit zwei die bekannteste Marienwallfahrts-
Geschwistern am Ufer des Gave bei stätte der Welt, Lourdes in Süd-
Lourdes angeschwemmtes Holz frankreich nahe der spanischen
sammelte. Dabei blieb Bernadette Grenze, ihren Weltruhm.
ein wenig zurück, zog ihre Schuhe Bernadette Soubirous kam am 7.
und Strümpfe aus, um durch das Januar 1844, einem kalten Winter-
eiskalte Wasser zu warten, hörte tag, als ältestes von sechs Kindern
plötzlich ein gewaltiges Rauschen, eines armen Müllers in der herun-
erschrak sehr und sah, wie sich vor tergekommenen Boly-Mühle bei
der nahen „Grotte Massabielle“ die Lourdes im Departement Hautes
Büsche heftig bewegten.
Pyrénées zur Welt. Ihre Eltern
15
seine Augen mit dem Quellwasser In der Grotte erschien in einer
aus der „Grotte Massabielle“ be- goldschimmernden Wolke eine
netzte und daraufhin wieder sehen wunderschöne junge Frau, die ein
konnte, sorgte die Nachricht von der langes, weißes Gewand mit einem
Heilkraft des Wassers weltweit für blauen Gürtel und eine gelbe Rose
Aufsehen. Zahlreiche unheilbar auf jedem Fuß trug und in den
Kranke sollen später an der Quelle Händen einen Rosenkranz hielt.
auf wundersame Weise gesund ge- Innerhalb der folgenden fünf Mona-
worden sein.
te erblickte das Mädchen am selben
Wegen der Erscheinungen an der Ort 17 weitere himmlische Erschei-
„Grotte Massabielle“ erlebte Berna- nungen.
dette eine schwere Zeit. Sie wurde Die prächtige weibliche Gestalt –
von der Polizei vernommen; man von Bernadette als „Dame“ be-
erwog, sie ins Irrenhaus zu stecken; zeichnet – gab sich später als
Kritiker beschimpften sie „Hysteri- „Que soy èra Immaculado
kerin“ und „Angeberin“. In die Councepciou“ („die unbefleckte
Verleumdungskampagne schalteten Empfängnis“) zu erkennen. Sie
sich auch die Presse und sogar der versprach Bernadette, sie im Jen-
französische Schriftsteller Émile seits glücklich zu machen, verlangte
Zola (1840–1902) ein.
von ihr, für die Sünder beten und
Nach der letzten Erscheinung am forderte, der Pfarrer von Lourdes
16. Juli 1858 führte Bernadette
solle am Ort der Erscheinung eine
Soubirous wieder ein ganz norma- Kirche errichten lassen, zu der man
les Leben. Sie sprach nie wieder in Prozessionen Wallfahrten unter-
über ihre ungewöhnlichen Erlebnis- nehmen solle.
se. 1862 wurden ihre Marienvisio- Am 15. Februar 1858 forderte die
nen – nach vierjähriger strenger „Dame“, Bernadette solle an die
Prüfung durch eine bischöfliche Quelle gehen, daraus trinken und
Untersuchungskommission – kir- sich darin waschen. Obwohl sie
chenamtlich bestätigt. Der Bischof keine Quelle erblickte, kratzte Ber-
von Tarbes bestätigte im Januar nadette in der „Grotte Massabielle“
jenes Jahres im großen Hirtenbrief etwas Erde weg, woraufhin an
ihre Visionen.
dieser Stelle klares Wasser sprudel-
Auf Wunsch des Bischofs trat te, dessen Strahl immer stärker
Bernadette Soubirous am 7. Juli wurde.
1866 in das Kloster der Kranken- Nachdem ein erblindeter Mann
16
Vier Jahrzehnte nach Bernadettes und Schulschwestern von Saint-
Ableben wurde anlässlich ihrer Gildard in Nevers-sur-Loire (Zen-
Seligsprechung am 14. Juni 1925 tralfrankreich) ein. An ihrem ersten
ihr Grab geöffnet. Dabei fand man Tag hieß man sie zusammen mit
ihren Leichnam unverwest vor, zwei anderen Postulantinnen herz-
während ihr Leichentuch vermodert lich willkommen.
und ihr Sterbekreuz verrostet war. Als Schwester trug Bernadette Sou-
Heute ruht der unverweste Leich- birous den Namen „Marie-Ber-
nam von Bernadette in einem kost- nard“. Sie pflegte aufopferungsvoll
baren Glasschrein der Kirche des Kranke und wurde selbst oft von
Klosters Saint-Gildard von Nevers- Schmerzen gepeinigt. Zu ihren Mit-
sur-Loire.
schwestern sagte sie, es sei ihre
Papst Pius XI. (1857–1939) sprach Aufgabe, krank zu sein, was bei
Bernadette Soubirous am 8. Dezem- diesen auf Unverständnis stieß. Im
ber 1933 heilig. Man gedenkt ihrer Kloster schob man die Ablegung
jeweils am 16. April (ihr Todestag). ihres Gelübdes immer wieder hin-
Bernadette wird meistens als Bau- aus, um die „Seherin von Lourdes“
ernmädchen oder als Nonne vor der vor Hochmut zu bewahren.
Grotte oder vor der heiligen Maria Kurz vor ihrem Tod fragte man
kniend und mit dem Rosenkranz in Schwester Marie-Bernard noch ein-
der Hand dargestellt. Im Museum mal über ihre Marienerscheinun-
von Lourdes befindet sich das so gen. Ihre Antwort lautete: „Sehen
genannte „blaue Porträt“, das Ber- Sie, meine Geschichte ist ganz
nadette mit einem blauen Kopftuch einfach: Die Jungfrau hat sich
zeigt.
meiner bedient und dann hat man
Über der „Grotte Massabielle“ er- mich in die Ecke gestellt. Dort ist
hebt sich die bereits erwähnte Basi- mein Platz, dort bin ich glücklich,
lika, daneben steht die Kirche und dort bleibe ich“.
„Notre Dame du Rosaire“. Zu den Am 16. April 1879 starb die unter
beiden Gotteshäusern führt von der Atemnot und Herzbeklemmungen
Brücke über den Gave her die leidende Bernadette völlig er-
„Esplanade des Processions“. Unter schöpft im Alter von nur 35 Jahren
den Anlagen wurde 1958 eine dritte in Nevers-sur-Loire. Ihre letzten
unterirdische Pilgerkirche einge- Worte waren: „Heilige Maria, Mut-
weiht. Nach Lourdes pilgern all- tergottes, bitte für mich arme Sün-
jährlich etwa zwei Millionen Men- derin“.
17
schen, darunter mehr als 25000 Das Leben der Heiligen wurde in
dem Film „The Song of Bernadette“ Heilung suchende Kranke. Ein stän-
diges Ärztebüro untersucht die Hei- („Das Lied von Bernadette“, 1943)
dargestellt. Für die Hauptrolle als lungen, die nach einem Bad in der
Bernadette erhielt die amerikani- Quelle auftreten. Die katholische
Kirche erkannte zahlreiche Heilun- sche Schauspielerin Jennifer Jones
gen als Wunder an. den „Oscar“.
18
Bilhildis
Die
Mainzer Heilige
A ls Gründerin und erste Äbtis-
Mathilda in „hocheim iuxta litus mogontis fluvii“ – Veitshöchheim sin eines Mainzer Marien- bei Würzburg (Bayern) – zur Welt. klosters, vielleicht eines der ältesten Ihre Eltern waren Christen und Frauenklöster des Rheinlandes, ist hatten zwei weitere Töchter namens die heilige Bilhildis (um 655/660– Hildegart und Reginhilt. Aus unbe- um 750) bezeugt. Ihren Gedenktag kannten Gründen wurde Bilhildis begeht man am 27. November. Sie nicht getauft.
gilt als Patronin der Kranken. Auf Offenbar lebte Bilhildis als Kind in Gemälden wird Bilhildis im Ge- Würzburg, wo sie – wie es damals wand einer Äbtissin und mitunter oft üblich war – außerhalb ihrer auch als Fürstin im kostbaren Her- Familie erzogen wurde. Während melin dargestellt.
dieser Zeit sind in Würzburg die Über das Leben und Werk von Awaren – in der Historeographie der Bilhildis weiß man wenig. Nach der Merowingerzeit meistens als Hun- von Margarete Weidemann 1994 nen bezeichnet – eingefallen. Nach neu untersuchten Vita, die in mehre- dem Abzug des Awarenheeres kehr- ren Fassungen tradiert ist, kam te Bilhildis nach Veitshöchheim Bilhildis in der zweiten Hälfte des zurück.
7. Jahrhunderts als Tochter des
Als der in Würzburg residierende Grafen Jberin und seiner Frau
19
Nach Hetans Tod verwendete die verwitwete Frankenherzog Hetan I.
Witwe ihr Erbe dazu, Hungernde zu (geb. um 640) Bilhildis zur Frau
speisen und Arme zu bekleiden. begehrte, lehnte ihr Vater die
Außerdem besuchte und pflegte sie Brautwerbung ab, weil ihm seine
Kranke. Um 700 kaufte Bilhildis – Tochter für eine Ehe noch zu jung
wie eine Urkunde bezeugt – von erschien. Bald darauf starb der
Erzbischof Rigibert ein Grundstück Vater, und die Mutter stimmte dem
und gründete darauf mit seiner Hilfe Heiratsantrag zu.
das später Altmünster genannte Die Eheschließung zwischen Hetan
Kloster. Dieses zählt zusammen mit I. und Bilhildis erfolgte um
dem Kloster der Königin Plektrudis 670/675. Während Bilhildis von
(gest. 725) in Köln und dem Kloster ihrem offenbar ungeliebten Gatten
der heiligen Odilia (um 660–um ein Kind erwartete, musste dieser
720) auf dem Odilienberg im Elsaß auf Befehl des Königs Heeresdienst
zu den ältesten Frauenklöstern des leisten. Ehe Hetan loszog, versi-
Rheinlandes.
cherte er sich der Treue von Bilhil-
Als sich das Leben von Bilhildis dis, die ihm versprochen wurde,
dem Ende näherte, träumten – wenn sie nach Veitshöchheim zu-
laut Legende – drei ihrer Kloster- rückkehren dürfe.
schwestern, ihre hochverehrte Äb- Aus Veitshöchheim flüchtete Bilhil-
tissin habe noch nicht die heiligen dis heimlich mit einem Schiff auf
Sakramente der Taufe und Firmung dem Main nach Mainz. Dort nahm
empfangen. Sie berichteten Bilhil- sie ihr Onkel Erzbischof Rigibert
dis davon, der die Nachricht un- (geb. um 640), wohl ein Bruder
glaublich vorkam und die deswegen ihrer Mutter, freundlich auf. Bilhil-
mit dem Erzischof Rücksprache dis brachte einen Sohn zur Welt, der
hielt. Der Erzbischof entschied, das bald danach starb. Der Erzbischof
ganze Kloster solle wachen, fasten half seiner Nichte, ihre Angelegen-
und beten, damit Gott Aufklärung heiten in Veitshöchheim zu regeln.
schicke, was tatsächlich geschah. Danach lebte sie in Mainz zurück-
Daraufhin spendete der Erzbischof gezogen in Furcht vor dem verlasse-
der Äbtissin vorsorglich die beiden nen Ehemann, der jedoch keinerlei
Sakramente.
Anstalten machte, sie zurückzuge-
Danach verließ Bilhildis ihr Kloster winnen. Auch die Schwestern von
nicht mehr und bereitete sich sorg- Bilhildis zogen in die Mainzer
fältig auf ihren Tod vor. Als sie 734 Gegend.
20
del von Bilhildis sowie Reliquien in Mainz starb, soll sie ein wunder-
anderer Heiliger aufbewahrt. Au- barer Glanz überstrahlt haben. Ihr
ßerdem ist im Altar das Schweiß- Leichnam wurde im Chor der
tuch Christi in einem Reliquiar Münsterkirche beigesetzt. Nachts
ausgestellt.
sollen oft Lichter wie Sterne um ihr
Die in Mainz vertretene „Bruder- Grab gefunkelt haben.
schaft vom Heiligen Schweißtuch“ Der früheste Nachweis für die
unseres Herrn erwarb zu Beginn des Verehrung von Bilhildis ist im
19. Jahrhunderts den Altar, da das
Kalender eines Mainzer Sakramen-
Kloster bereits 1781 zugunsten des tars aus der zweiten Hälfte des
Universitätsfonds aufgehoben wor- zehnten Jahrhunderts enthalten, der
den war und die Kirche säkularisiert vermutlich anlässlich der Erhebung
wurde. Die Bruderschaft ließ die der Klostergründerin zur Heiligen
Reliquien in der Emmeranskirche verfasst wurde. Darin wird Bilhildis
aufstellen und hielt dort regelmäßig – ungeachtet ihrer Mutterschaft –
am Ostermontag eine besondere als Jungfrau („virgo“) mit dem
Andacht ab. „St. Emmeran“ wurde Eintrag „Sce Bilihilde virg“ unter
1945 bombardiert und zerstört. dem 27. November als Heilige
Heute befinden sich der Reliquien- aufgeführt. Der damalige Kult blieb
schrein in der Domsakristei und das bis zum 18. Jahrhundert auf Mainz
verehrte Schweißtuch in der Ost- beschränkt. Der Name Bilhildis
krypta des Mainzer Domes.
fehlt in den beiden Kalendern des
An das Wirken der Klostergründe- nahe gelegenen Klosters Lorsch aus
rin, Äbtissin und Heiligen erinnert dem Ende des zehnten Jahrhunderts
heute die Bilhildisstraße in Mainz. und frühen elften Jahrhunderts. Seit
Wo sich einst das Altmünsterkloster dem 18. Jahrhundert wird die Heili-
befand, steht jetzt die evangelische ge auch an ihrem Geburtsort Veits-
Altmünsterkirche. Der im Mainzer höchheim verehrt.
Dom aufbewahrte Schädel von Bil- 1289 errichtete man im Altmünster-
hildis wurde 1991 von Anthropolo- kloster einen Altar zu Ehren der
gen wissenschaftlich untersucht und heiligen Bilhildis. In einem eigenen
für echt befunden.
Reliquienschrein wurden der Schä-
21
Heilige Birgitta
von Schweden
Die Schutzherrin
der Pilger
A ls Gründerin des Birgittenor-
ten Jesus Christus, der wollte, dass dens, den man auch Erlöseror- sie seine Botschaften weitererzählte. den nennt, ging die heilige Birgitta Im Alter von nur 13 Jahren heiratete von Schweden (1302/1303–1373) Birgitta auf Wunsch ihres damals in die Geschichte der katholischen bereits verwitweten Vaters den 18-jährigen Adligen Ulf Gudmars- Kirche ein. Man verehrt sie als son. Während ihrer glücklichen Ehe Patronin Schwedens, für eine gute brachte Birgitta vier Söhne und vier Todesstunde und der Pilger, weil sie Mädchen zur Welt. Eines der Kin- in ihrem Leben viel unterwegs war. Sie hinterließ mindestens acht dicke der war Karin, die spätere heili- Bücher, zu denen sie von Jesus ge Katharina von Schweden (1331–1381).
Christus inspiriert wurde.
Das Ehepaar hatte eine einflussrei- Birgitta (Brigitta) wurde 1302/1303 che Stellung im Königreich Schwe- als Tochter des Landvogts Birger den. Ulf Gudmarsson bekleidete das Pederson und seiner Frau Ingeborg Amt des Landvogts der Provinz Bengtsdotter aus dem Geschlecht der Folkunger auf Gut Finsta bei Närke in Mittelschweden, Birgitta verwaltete die ausgedehnten Fami- Uppsala in Schweden geboren. Be- liengüter und erwarb mit Hilfe der reits ab ihrem siebten Lebensjahr Hauslehrer ihrer Kinder eine für erlebte sie Visionen des gekreuzig-
22
von Namur vielfach, was jedoch ihre Zeit ungewöhnlich hohe Bil-
noch weniger fruchtete als bei deren dung.
Gatten. Birgitta charakterisierte ihre Birgitta war fleißig, freigebig und
Herrin einmal als „abgenagtes Ap- gastlich. Sie arbeitete in der Küche,
felgehäuse“.
im Waschhaus und im Garten, sah in
Der König befolgte zwar oft Birgit- Molkerei, im Brauhaus und in der
tas Rat, aber für grundlegende Mühle nach dem Rechten, stiftete
Veränderungen reichte ihr Einfluss Spitäler, unterstützte Klöster, ließ
nicht aus. Deshalb verließ Birgitta Kirchen und Schulen erbauen und
den Hof und pilgerte 1341/1342 mit speiste täglich zwölf Arme an ihrem
ihrem Ehemann zu Fuß von Schwe- Tisch. Weil sie schöne Gewänder
den nach Spanien, wo beide das und Prachtentfaltung liebte, flehte
mythische Grab des Apostels Jakob sie Gott an, er möge sie von
in Santiago de Compostela aufsuch- Hoffahrt und Lust an der Welt
ten. Nach dieser strapaziösen Reise befreien.
erkrankte ihr Gatte lebensgefähr- 1335 wurde die 33-jährige Birgitta
lich, er starb 1344 im Zisterzienser- zur Hofmeisterin der Grafentochter
kloster Alvastra.
Blanka von Namur (1318–1363),
In Alvastra erlebte die 42-jährige der Gemahlin ihres jungen Vetters
Witwe himmlische Visionen, bei König Magnus II. Eriksson
denen ihr Gott befahl, an den Hof (1316–1374) berufen. Gleich bei
des Königs Magnus II. Eriksson ihrer Ankunft erklärte sie: „Der
nach Schweden zurückzukehren so- König muss so beschaffen sein, dass
wie ihn zu warnen und zu ermah- er von den Jüngeren gefürchtet, von
nen. Im Bußkittel prangerte sie vor den Älteren geehrt, von den Wei-
dem eleganten Hofstaat die Ver- bern gelobt, von den Gerechten
schwendungssucht der Großen, das geliebt und von den Unterdrückten
Raubritterunwesen, die Grausam- herzlich begehrt wird“. Niemals
keit der Steuern eintreibenden Vög- dürfe ein König vergessen, dass er
te, die Schändung des Sonntags und Gott und seiner Kirche Treue und
das unsittliche Leben der Geistlich- Gehorsam schulde.
keit an.
Als der Herrscher sich nicht an
König Magnus II. Eriksson wurde diese Ideale hielt, beschimpfte ihn
von der Rede der prophetisch be- Birgitta als „Kind auf dem Königs-
gabten Birgitta tief beeindruckt. Er thron“, „Hasenherz“ und „gekrön-
bekannte öffentlich sein Unrecht, ten Esel“. Sie ermahnte auch Blanka
23
wollte sie mit Hilfe ihrer Tochter verfügte Verordnungen gegen Wu-
Katharina die Anerkennung für cher sowie zum Schutz der Witwen
ihren Orden erreichen. In Rom trat und Waisen und erließ den Armen
sie auch mutig für die Eintracht der die Steuern. 1346 schenkte der
sozialen Stände, den Frieden zwi- König der Mystikerin das Schloss
schen den Völkern, die Wiederver- Vadstena (Bjälboättens-Palast) in
einigung der Ost- und Westkirche Südschweden, wo Birgitta noch im
sowie für die Versöhnung von Papst selben Jahr das erste Kloster für den
und Kaiser ein.
neuen Birgittenorden („Ordo
1370 bestätigte Papst Urban V. (um Sanctissimi Salvatoris“ = OSSalv,
1310–1370) die Regeln für den deutsch: „Orden des Allerheiligsten
Birgittenorden. Im Frühjahr 1372 Erlösers“) gründete.
unternahm Birgitta eine Pilgerreise Als Birgitta den von Magnus II.
ins Heilige Land, während der sie Eriksson geforderten Krieg gegen
die Königin Eleonora von Zypern Rußland ablehnte, feindeten der
besuchte, der sündigen Bevölke- König, der Hof und die Priester sie
rung der Mittelmeerinsel den Unter- an. Man beschimpfte, kränkte und
gang androhte und bei einem Sturm verhöhnte sie wegen ihrer Visionen,
ihre letzte Habe verlor. 1373 wurde was sie gelassen ertrug. Der Krieg
Zypern von Genua und später von Schwedens gegen Rußland endete
den Türken erobert.
mit einer vernichtenden Niederlage.
Auch Neapels Königin Johanna I. Danach prophezeite Birgitta die
von Anjou (um 1326–1382) schlug Pest, die 1348 ganz Europa plagte.
Birgittas Warnungen, sie solle ihr Auch andere Vorhersagen Birgittas
lasterhaftes Leben ändern, in den sind später in Schweden eingetrof-
Wind. Neapel erlebte in der Folge- fen. Trotzdem hörte Magnus II.
zeit verheerende Kriege, Königin Eriksson nicht auf sie. Es kam zum
Johanna wurde exkommuniziert, Bürgerkrieg, der König verlor sei-
abgesetzt und endete gewaltsam im nen Thron, schmachtete sieben Jah-
Kerker.
re im Kerker, ertrank vor der
Am 23. Juli 1373 starb Birgitta norwegischen Küste, und seine Frau
während einer Messe in Rom. Ihre wurde vergiftet.
letzten Worte waren: „Vater, in Birgitta wäre gerne Nonne in dem
deine Hände befehle ich meinen von ihr gegründeten Kloster Vadste-
Geist“. Die Christenheit betrauerte na geworden, doch Gott schickte sie
sie als ihre Mutter und als eine nach Rom, wo sie 1349 eintraf. Dort
24
1521 in Nürnberg gedruckt wurden. Prophetin, die von Gott erweckt
Diese acht Bände blieben bis ins wurde, um die Kirche und das
18. Jahrhundert das am weitesten
entartete christliche Abendland zu
verbreitete christliche Erbauungs- reformieren.
buch.
1374 überführte Katharina von
Ein neunter Band enthält verstreute Schweden die sterblichen Überreste
kleinere Offenbarungen Birgittas. ihrer Mutter von Rom über Polen
Diese so genannten „Außergewöhn- nach Vadstena in Schweden. Ein
lichen Offenbarungen“ („Revelatio- abgetrennter Arm der Toten blieb
nes extravagantes“) wurden nach als Reliquie in Rom zurück. Bald
dem Tod von Birgitta von einem danach entstand in Danzig das erste
geistlichen Begleiter zusammenge- Tochterkloster des Ordens. Dort
stellt. Aus ihrer Feder stammen besuchten Lech Walesa und seine
auch kleinere Schriften wie die katholischen Genossen von der
Ordensregel und mehrere Gebete. Gewerkschaft „Solidarnos´c´“ die
Der Birgittenorden umfasste im Sonntagsmesse in der Birgittenkir-
15. Jahrhundert schon dreißig
che, die das der Lenin-Werft am
Klöster. Die meisten Birgittenklös- nächsten gelegene Gotteshaus ist.
ter wurden jedoch bereits während Am 7. Oktober 1391 sprach Papst
der Reformation im 16. Jahrhundert Bonifatius IX. (um 1350–1404)
geschlossen. In Deutschland exi- Birgitta heilig, wofür sich deren
stiert nur noch ein Birgittenkloster Tochter Katharina besonders enga-
in Altomünster (Bayern). Birgittas giert hatte. Der Heiligsprechungs-
Gedenktag feiert man am 23. Juli, kommission lagen Birgittas acht
den ihrer Tochter Katharina am Bücher der „Offenbarungen“ vor,
24. März.
die 1492 erstmals in Lübeck und
25
Heilige Brigitta
von Kildare
Die Schutzherrin
Irlands
I nnige Verehrung als Patronin
ihm nach sechsjähriger Gefangen- schaft die Flucht gelang.
Irlands („Mary of the Gael“), Vermutlich lebte Patrick dann eini- ihres irischen Geburtsortes Kildare ge Jahre als Mönch in Gallien. In und der deutschen Großstadt Es- Auxerre empfing er die Bischofs- sen genießt die heilige Brigitta weihe und den Auftrag, die von (Brigida) von Kildare (um 453– seinem Vorgänger Bischof Palladius 523). Die wohltätige Nonne gründe- in der ersten Hälfte des fünften te in Kildare ein Doppelkloster für Jahrhundert begonnene Christiani- Frauen und Männer. In ihrer Heimat sierung Irlands fortzusetzen. Er auf der „grünen Insel“ heißt sie lehrte, taufte und schuf in Irland Brigid.
eine kirchliche Organisation.
Brigitta kam um 453 in Fochart Bereits im Alter von 14 Jahren (heute Faugher in Nordirland) zur wählte Brigitta den Schleier und Welt. Ihre Taufe nahm der heilige baute sich – so erzählt die Legende Patrick (385–461), der Apostel Ir- – unter einer Eiche eine Zelle. Dort lands, vor. Patrick war von plün- gründete Brigitta bald darauf ein dernden Piraten in Britannien ge- Frauenkloster und danach ein Män- raubt und als Sklave nach Irland nerkloster. Erste Äbtissin dieser verkauft worden, wo er als Schaf- Gemeinschaft wurde Brigitta.
hirte in den Bergen arbeitete und
26
Dublin bewahrt man einen Schuh- Das Doppelkloster Kildare entwi-
rest auf.
ckelte sich zu einem der berühmte-
Der Gedenktag Brigittas von Kilda- sten Klöster Irlands. Von den Bau-
re wird am 1. Februar begangen. Sie lichkeiten ist heute noch ein Turm
gilt auch als Schutzherrin der erhalten. Laut Überlieferung sollen
Wöchnerinnen, der unehelichen sich im Leben Brigittas immer
Kinder und des Viehs. Man fleht wieder Wunder ereignet haben.
ihre Hilfe gegen Unglück und Spätere Legenden schildern ihre
Verfolgung an.
Hilfe bei der Heilung kranker
Im 15. Jahrhundert wurde Brigitta Haustiere.
von Kildare als Äbtissin mit Stab Die große irische Wohltäterin starb
und Buch (Symbol der Klosterre- am 1. Februar 523 in Kildare. Im
gel) oder auch mit Palme (ihren dortigen Kloster soll bis zum 13.
himmlischen Lohn andeutend) und Jahrhundert ihr zu Ehren ein ewi-
einer Kuh, die auf ihre bäuerliche ges Feuer – das so genannte
Herkunft hinweisen soll, darge- Brigidenfeuer – unterhalten worden
stellt. Ab dieser Zeit kam es oft zu sein.
Verwechslungen mit der heiligen Reliquien von Brigitta verehrt man
Birgitta von Schweden (1302/ in Belèm (Portugal) und Brügge
1303–1373).
(Belgien). Im Nationalmuseum von
27
Heilige
Edith Stein
Die frühe Laientheologin
und spätere Märtyrerin
E ine der ersten Laientheologin-
bekenntnisses und der Läuterung, geboren wurde, betrachtete ihre nen Deutschlands wurde die tiefreligiöse Mutter sie als etwas Karmelitin und Philosophin Edith Besonders und liebte die Jüngste Stein (1891–1942). Die Tochter mehr als die anderen Kinder.
einer kinderreichen jüdischen Fami- Im Juli 1893 ist Ediths Vater auf lie wechselte im Alter von 30 Jahren tragische Weise ums Leben gekom- zum katholischen Glauben über. Sie men. Er fuhr an einem glühend und ihre Schwester Rosa mussten in heißen Tag aufs Land, um Holz zu der Gaskammer des Konzentrati- kaufen, ging im Wald ein Stück zu onslager Birkenau bei Auschwitz Fuß und erlitt dabei einen Hitz- ihr Leben lassen.
schlag. Ein Briefträger sah ihn Edith Stein kam am 12. Oktober zwar am Boden liegen, dachte aber 1891 als jüngstes von elf Kindern irrtümlich, er wolle sich nur aus- des Holzhändlers Siegfried Stein ruhen, und ging vorbei. Erst als der und seiner Frau Auguste in Breslau Postbote Stunden später den ver- (Schlesien) zur Welt. Von ihren meintlich Schlafenden immer noch zahlreichen Geschwistern sind vier an derselben Stelle liegen sah, schon früh gestorben. Weil Edith bemerkte er, dass der Mann tot am höchsten jüdischen Feiertag war.
Jom Kippur, dem Tag des Sünden-
28
Nach dem Tod ihres Ehemanns Mainz und fuhr mit ihrer Freundin,
leitete Auguste Stein die Holzhand- der Mainzer Fabrikantentochter
lung. Ihre Tochter Edith hatte im Pauline Reinach (1866–1944), nach
Alter von 15 Jahren – nach eigener Frankfurt am Main, wo sie im Dom
Aussage – Gott total aus ihrem eine Szene beobachtete, die sie tief
Leben gestrichen und „sich das beeindruckte.
Beten ganz bewusst aus freien Über dieses Erlebnis schrieb sie:
Stücken abgewöhnt“. Nach dem „Wir traten für einige Minuten in
Verlassen der Viktoriaschule in den Dom, und während wir in
ihrem Geburtsort studierte die ehrfürchtigem Schweigen dort ver-
hochbegabte Edith an der Universi- weilten, kam eine Frau mit ihrem
tät Breslau Germanistik und Ge- Marktkorb herein und kniete zu
schichte. Ihr Berufsziel war es, einem kurzen Gebet in einer Bank
Lehrerin zu werden.
nieder. Das war für mich etwas ganz
Großes Aufsehen erregte Edith Neues. In die Synagogen und in die
Stein, als sie bei dem jüdischen protestantischen Kirchen, die ich
Psychologen und Philosophen Pro- besucht hatte, ging man nur zum
fessor William Stern (1871–1938) Gottesdienst. Hier aber kam je-
in Breslau auch Philosophie beleg- mand mitten aus den Werktagsge-
te, was damals für eine Frau schäften in die menschenleere Kir-
geradezu als unerhört galt. Ähnlich che wie zu einem vertrauten Ge-
betrachtet wurde ihr 1913 erfolgter spräch. Das habe ich nie vergessen
Wechsel nach Göttingen zu dem können“.
Philosophen Professor Edmund Im November 1917 fiel Dr. Adolf
Husserl (1859–1938) für dessen Reinach im Alter von 34 Jahren als
Lehre der Phänomenologie sie sich Leutnant in Flandern. Um seinen
stark interessierte. Husserls Assi- Nachlass zu ordnen, fuhr Edith
stent war der aus einer angesehenen Stein nach Göttingen. Dort traf sie
jüdischen Mainzer Familie stam- dessen Witwe Anna, mit der Rein-
mende Dr. Adolf Reinach ach vom jüdischen zum evangeli-
(1883–1917).
schen Glauben übergetreten war.
Im Juli 1916 reiste Edith Stein nach Sie wunderte sich, statt einer ver-
Freiburg im Breigau, wohin Profes- zweifelten Witwe eine gefasst wir-
sor Edmund Husserl berufen wor- kende Frau vorzufinden, die den
den war und wo sie promovieren Tod ihres Gatten als von Gott
wollte. Sie unterbrach die Reise in bestimmt hinnahm.
29
nahm sie ein Angebot aus Südame- 1921 entschloss sich Edith Stein
rika nicht an.
während des Besuches bei ihrer
1933 trat Edith Stein in den Orden evangelischen Freundin Hedwig
der Karmelitinnen in Köln-Linden- Conrad-Martius (1888–1966) in
thal ein. Am 15. April 1934 fand das Bergzabern, zum katholischen
Fest der Einkleidung statt, wofür ihr Glauben überzutreten. Was sie zu
ihre ältere Schwester Rosa aus diesem Schritt bewog, ist unbe-
Breslau die weiße Seide für ihr kannt. Am 1. Januar 1922 wurde
Gewand geschickt hatte. Ihr Or- Edith Stein in Bergzabern getauft,
densname war fortan „Teresia Be- wobei ihre evangelische Freundin
nedicta a Cruce“. 1936 folgte Rosa mit bischöflicher Erlaubnis als
Stein, die sich ebenfalls katholisch Taufpatin fungierte. Bald danach –
taufen ließ, ihrer Schwester ins am 22. Februar 1922 – firmte der
Kölner Kloster.
Speyerer Bischof Ludwig Sebastian
Unter dem Eindruck der sich ver- (1862–1943) die 27-Jährige in sei-
stärkenden Judenverfolgungen ver- ner Privatkapelle. Als Edith Stein
fasste Schwester Teresia Benedicta ihrer Mutter kniend erklärte: „Mut-
am 9. Juli 1939 ihr Testament. Darin ter, ich bin katholisch“, brachen
schrieb sie unter anderem: „Schon beide in Tränen aus.
jetzt nehme ich den Tod, den mir Von 1923 bis 1931 unterrichtete die
Gott zugedacht hat, in vollkomme- „Doktorin der Philosophie“ Edith
ner Unterwerfung unter seinen hei- Stein als Lehrerin am Dominikane-
ligsten Willen mit Freuden entge- rinnenkloster St. Magdalena in
gen. Ich bitte den Herrn, daß er Speyer. 1924 erschien ihr Werk
mein Leben und Sterben annehmen „Eine Untersuchung über den
möchte... zur Sühne für den Un- Staat“ und 1931 „Das Ethos der
glauben des jüdischen Volkes..., für Frauenberufe“. Im Frühjahr 1932
die Rettung Deutschlands und den folgte sie einem Ruf als Dozentin an
Frieden der Welt, schließlich für das Institut für wissenschaftliche
meine Angehörigen, Lebende und Pädagogik in Münster. Als dort
Tote, und alle, die mir Gott gegeben nationalsozialistische Studentinnen
hat: dass keines von ihnen verloren- lautstark Störversuche unternah-
gehe“.
men, war die zarte Frau mit ihrer
Schon nach dem Juden-Pogrom leisen Stimme dem im Bemühen um
vom 9. November 1938 war eine sachliche Diskussion nicht
Schwester Teresia Benedicta auf gewachsen. Ungeachtet dessen
30
dessen Frau sowie ihre Schwester Drängen ihrer Priorin in das nieder-
Elfriede in Konzentrationslagern ländische Karmelitinnenkloster
ihr Leben lassen. Drei andere Echt übergesiedelt, wo man sie und
Geschwister konnten nach Süd- und ihre Schwester Rosa in Sicherheit
Nordamerika fliehen.
glaubte. Doch dies erwies sich als
1950 erschien postum Edith Steins ein folgenschwerer Irrtum.
Werk „Endliches und Ewiges Sein. Am Sonntag, 2. August 1942,
Versuch eines Aufstiegs zum Sein“. wurden Schwester Teresia Benedic-
1987 wurde die Märtyrerin, die ihr ta und ihre Schwester Rosa im
Leben als Sühneopfer einsetzte, von Kloster Echt von der „Geheimen
Papst Johannes Paul II. in Köln Staatspolizei“ („Gestapo“) verhaf-
selig gesprochen. Er ehrte damit tet. Teresia Benedicta ergriff die
eine tiefreligiöse Frau, hochbegabte Hand ihrer Schwester, die verstört
Wissenschaftlerin, Kämpferin für auf der Klosterschwelle verharrte,
die Rechte der Frauen in Studium und sagte zu ihr: „Komm, wir gehen
und Beruf und jüdische Märtyre- für unser Volk“. Vermutlich sind die
rin.
beiden Frauen schon wenige Tage
Ab 12. Oktober 1991 beging man in später – am 9. August 1942 – in der
Speyer den 100. Geburtstag von Gaskammer des Konzentrationsla-
Edith Stein mit einer dreitägigen gers Birkenau bei Auschwitz ermor-
Feier. Am 11. Oktober 1998 erfolgte det worden.
ihre Heiligsprechung durch Papst Außer Edith und Rosa Stein
Johannes Paul II. in Rom.
mussten auch deren Bruder Paul,
31
Heilige Elisabeth
Ann Bayley Seton
Die erste
heilige Amerikanerin
A ls Gründerin des ersten Frau-
Elisabeth Ann und ihre ältere Schwester 1777 auf das Landgut enordens der USA, der ihres Onkels nach New Rochelle im „Schwestern der Barmherzigkeit“ US-Bundesstaat New York ge- („Sisters of Charity“), machte sich schickt. Im Alter von 13 Jahren die heilige Elisabeth Ann Bayley kehrte Elisabeth Ann Bayley nach Seton (1774–1821), geborene Bay- New York zurück, wo ihr Vater ley, verdient. Die erst als erwach- mittlerweilen neu geheiratet hatte. sene Frau vom protestantischen Bei der Stiefmutter fühlte sie sich zum katholischen Glauben überge- nicht besonders wohl. Mit dem tretene Amerikanerin gilt als die Vater jedoch, „der immer mehr erste aus den USA stammende ihren Geist erkannte und beurteil- Heilige. Ihr Gedenktag fällt auf den te“, verstand sie sich gut.
4. Januar.
Am 25. Januar 1794 heiratete die Elisabeth Ann Bayley kam 19-jährige Elisabeth Ann Bayley
28. August 1774 als Tochter des
den attraktiven und wohlhabenden Arztes Richard Bayley und seiner Nachkommen einer New Yorker Frau Catherine in der anglikani- Kaufmannsfamilie, William Magee schen Pfarrei „Holy Trinity“ in Seton (1767–1803). In ihrem Heim New York zur Welt. Nach dem an der Wall Street in New York frühen Tod ihrer Mutter wurden
32
Im Spätsommer 1803 reisten Elisa- waren oft bedeutende Persönlich-
beth Ann Bayley Seton, ihre älteste keiten zu Gast. Bald gingen aus der
achtjährige Tochter und ihr Ehe- Ehe des jungen Paares drei Kinder
mann nach Italien. Die übrigen hervor.
Kinder blieben bei Freunden in den Trotz ihrer vielfältigen Verpflich-
USA zurück. William Magee Seton
tungen in der Gesellschaft und der
wollte sich im günstigen Klima der Familie nahm sich Elisabeth Ann
Toskana erholen, kehrte aber tragi- Bayley Seton noch Zeit, um sich
scherweise von dieser Reise nicht karitativ zu betätigen. Sie beteiligte
mehr zurück.
sich an der Gründung des so
Bei der Ankunft am 18. November genannten „New Yorker Witwen-
1803 in Livorno (Italien) durften die vereins“, der vor allem Bedüftige
Setons nicht an Land gehen, weil betreute.
die toskanischen Behörden wegen Nach dem Tod seines Vaters 1798
einer in New York grassierenden übernahm William Magee Seton die
Gelbfieberepidemie sämtliche von Leitung der Firma und die Sorge für
dort kommenden Reisenden unter die jüngeren Geschwister. Bald
Quarantäne stellten. Einen Monat drückte ihn die Last der Verantwor-
lang verbrachten die Setons in tung so schwer, dass seine ohnehin
einem feuchten, barackenähnlichen labile Gesundheit spürbar beein-
Gebäude, in dem der kranke Famili- trächtigt wurde. Unsichere Han-
envater vom Fieber geschüttelt delsgeschäfte mit dem von Kriegen
wurde.
erschütterten Europa führten zum
William Magee Seton überlebte Bankrott von Setons Firma.
zwar die Quarantäne, starb aber am Während dieser schwierigen Zeit
zweiten Tag nach Weihnachten im standen Elisabeth Ann Bayley
Alter von nur 36 Jahren im Haus Seton ihre Schwägerin Rebecca, die
seiner Gastgeber in Livorno. Als die sie später als die „Schwester ihrer
29-jährige Witwe mit ihren Gast- Seele“ bezeichnete, und der neue
freunden, den Brüdern Filippo und Geistliche an der Pfarrei „Holy
Antonio Filicchi, in Florenz zum Trinity“, John Henry Hobart
ersten Mal eine katholische Kirche (1775–1830), seelisch bei und heil-
betrat, war sie vom Anblick des ten sie von gewissen romantischen
Allerheiligsten fasziniert. Dieses Vorstellungen. 1800 und 1802
Erlebnis sowie die Lektüre der schenkte sie noch zwei weiteren
Werke des heiligen Franz von Sales Kindern das Leben.
33
Schwesternschaft, die an der der (1567–1622) und der Mariengebe-
Pfarrei angegliederten Konfessions- te des heiligen Bernhard von
schule in Emmitsburg unterrichte- Clairvaux (um 1090–1153) wirkten
ten, auch „Sisters of St. Joseph“ so lange, dass sie ihre Rückreise in
genannt. Die Ordensstifterin beklei- die USA bis zum 7. Apri 1804
dete fast ein Jahrzehnt lang das Amt hinausschob. Am 15. März 1805 trat
der ersten Generaloberin. Die Kon- sie zum katholischen Glauben über
fessionsschule der Schwestern war und am Tag von Mariä Verkündi-
die erste dieser Art in den USA. gung empfing sie zum ersten Mal
Später nahm die Gemeinschaft die die heilige Kommunion.
Regel der „Töchter der Liebe“ des Am 9. Juni 1808 zog Elisabeth Ann
französischen Heiligen und Ordens- Bayley Seton mit ihren Töchtern
gründers Vinzenz von Paul von New York nach Baltimore, wo
(1584–1660) zum Vorbild.
sie fortan als Lehrerin wirkte.
1818 erkrankte Elisabeth Ann Bay- Dorthin hatte sie zuvor bereits ihre
ley Seton, nachdem sie kurz zuvor beiden Söhne geschickt, die von
die ersten Schwestern mit dem Bischof John Carroll (1735–1815),
Auftrag, Waisenhäuser und Schulen einem Jesuiten, in das von ihm
zu gründen, nach Philadelphia und gegründete College in Georgetown
New York entsandt hatte. Die von aufgenommen wurden. Carroll war
ihr geschaffene Konfessionsschule der erste katholische Bischof der
breitete sich über die ganzen USA USA.
aus.
1809 gründete Elisabeth Ann Bay-
Elisabeth Ann Bayley Seton starb ley Seton in dem Dorf Emmitsburg,
am Morgen des 4. Januar 1821 im
18 Meilen von Baltimore entfernt,
Alter von 46 Jahren in Emmits- die Schwesternschaft „Sisters of
burg. Ihre letzten Worte lauteten: Charity“. Hierfür hatte ihr der
„Seid Kinder der Kirche, bleibt Besitzer und Kapitän eines Han-
Kinder der Kirche“. Papst Johannes delsschiffes, Samuel Sutherland
XXIII. (1881–1963) sprach sie Cooper (1769–1843), der 1807 Ka-
1963 selig und Papst Paul VI. tholik und 1818 Priester wurde,
(1897–1978) am Sonntag, 14. Sep- 10000 US-Dollar für den Ankauf
tember 1975, heilig. An der Heilig- eines Grundstücks gespendet und
sprechung unter freiem Himmel auf zur Auflage gemacht, ihre Einrich-
dem Petersplatz in Rom nahmen tung müsse in Emmitsburg liegen.
etwa 60000 Menschen, darunter Anfangs wurden die Mitglieder der
34
führlich und stellte das Leben und circa 15000 Amerikaner, teil. Die
Werk der neuen Heiligen in einem Zeitung „L’Osservatore Romano“
Porträt vor.
berichtete über dieses Ereignis aus-
35
Heilige Elisabeth
von Thüringen
Das Vorbild
der Caritas
W egen ihres hingebungsvollen
Welt. Man verlobte sie 1211 als Vierjährige mit dem thüringischen Einsatzes für die Armen gilt Landgrafensohn Hermann und die heilige Elisabeth von Thüringen übergab sie – mit einem reichen (1207–1231) als Vorbild für das Brautschatz versehen – am Hof von größte deutsche soziale Unterneh- dessen Vater auf der Wartburg in men: die Caritas. Sie gründete nach Thüringen.
dem Tod ihres Ehemannes in Mar- Die Erziehung von Elisabeth oblag burg (Hessen) ein Hospital und ihrer Schwiegermutter Sophie. Von zehrte sich bei der Pflege von den Schwiegereltern wurde die wil- Armen und Kranken so auf, dass sie de und kaum zu bändigende Elisa- früh starb. Man verehrt sie als beth mehr als skeptisch betrachtet. Patronin von Hessen, Thüringen, Früh erlitt die ungarische Prinzessin der Bäcker, Bettler, Witwen, Waisen harte Schicksalsschläge: 1213 wur- und unschuldig Verfolgten.
de ihre Mutter ermordet, 1215 Elisabeth kam 1207 als Tochter hauchte ihr väterlicher Beschützer des ungarischen Königs Andreas II. Graf Hermann von Thüringen sein (um 1176–1235) und dessen erster Leben aus. Bevor die geplante Frau Gertrud von Andechs- Hochzeit Elisabeths mit ihrem Meranien (gest. 1213) auf der Burg Bräutigam Hermann stattfinden Sàros-Patak in Nordungarn zur
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kette verstieß. Kritiker warfen ihr sollte, starb auch dieser. Statt mit
vor, sie eigne sich eher zu einer ihm vermählte man 1221 die
Dienstmagd oder bigotten Nonne 14-Jährige mit dessen Bruder Lud-
als zu einer Fürstin.
wig IV. dem Heiligen (1200–1227).
Ludwig IV. starb am 11. September Das Paar führte sechs Jahre lang
1227 zu Beginn eines Kreuzzuges eine glückliche Ehe, aus der die drei
unter Kaiser Friedrich II. (1194– Kinder Hermann, Sophia und Ger-
1250) in Otranto (Apulien). Nach trud hervorgingen.
dem Tod von Elisabeths Gatten Während einer großen Hungersnot
stellte dessen jüngerer Bruder Hein- von 1226, als ihr Gatte beim
rich Raspe (um 1204–1247) die Reichstag in Cremona weilte, ver-
unbequeme Wohltäterin vor die teilte Elisabeth die in den gräflichen
Wahl, sich entweder dem höfischen Kornkammern aufbewahrte Jahres-
Leben anzupassen oder die Wart- ernte. Außerdem verkaufte sie ihren
burg zu verlassen. Die junge Witwe Schmuck, gab den Erlös den Ar-
entschloss sich mitten im Winter men, teilte Mahlzeiten an Bedürfti-
1227/1228 für das Letztere und ge aus, verschenkte Kleider und
hauste zunächst mit ihren drei Erntesicheln und ließ am Fuß der
kleinen Kindern in einem Schwei- Wartburg ein Hospital errichten. Ihr
nestall von Eisenach.
tiefreligiöser Gatte verteidigte sie
Als Elisabeths Verwandte von ih- gegen Kritik wegen ihres unhöfi-
rem Elend erfuhren, holte sie ihr schen Lebensstils und sagte einmal:
Onkel Egbert, der Bischof von „Wenn sie mir nur die Wartburg
Bamberg, zu sich und riet ihr nicht verschenkt, bin ich’s zufrie-
vergeblich zu einer zweiten Heirat. den“.
Doch die Witwe wollte – nach dem Elisabeth provozierte ihre Standes-
Vorbild der Franziskaner – den Weg genossen häufig durch ihr mutiges
der Armut, der Keuschheit und des Verhalten und ihren radikalen Glau-
Gehorsams gehen. Auf Drängen des ben. An der Festtafel fragte sie laut,
Vatikans und Verwandter musste durch welche Betrügereien die
der Thüringer Hof das einbehaltene Köstlichkeiten beschafft worden
Witwengut an Elisabeth herausge- seien. Während der Fastenzeit un-
ben. Daraufhin ging Elisabeth mit terzog sie sich härtesten Kasteiun-
ihren Kindern nach Marburg, wo sie gen. Bei kirchlichen Prozessionen
ihr Beichtvater, Konrad von Mar- ging sie barfuß mit, womit sie
burg, der seit 1227 päpstlicher eindeutig gegen die damalige Eti-
37
Inquisitor und Ketzerrichter in Katalog mit 106 Wunderberichten
Deutschland war, zu strenger Aske- zusammengestellt. 1235 errichtete
se anhielt.
der „Deutsche Orden“ als Rechts-
1228 gab Elisabeth unter dem nachfolger von Elisabeths Marbur-
Druck Konrads von Marburg ihre ger Stiftung die Elisabethkirche, in
Kinder weg, verzichtete auf ihre die man 1236 in Anwesenheit von
treuen Hofdamen Guda und Isen- König Friedrich II. (1194–1250) die
trud, trat als Terziarin in den Dritten Gebeine der Heiligen in einen
Orden der Franziskaner ein und kostbaren Schrein überführte.
legte am Karfreitag die Gelübde ab. 1245 wurde der Schrein, der drei
Von da an widmete sie ihr Leben nur Jahrhunderte lang die Reliquien der
noch der Nächstenliebe, geißelte heiligen Elisabeth barg, mit der
ihren Körper und legte sich Bußen Inschrift „Gloria Teutoniae“
und Fasten auf. Mit Hilfe ihres („Ruhm der deutschen Lande“)
Witwengutes gründete sie 1228/ versehen. Elisabeths Grab in der
1229 in Marburg das Franziskus- Marburger Elisabethkirche bildete
Hospital, das sie nach dem heiligen lange Zeit das Ziel von Wallfahrten,
Franz von Assisi (1182–1226) be- die 1539 ihr Ende fanden, als der
nannte, und opferte sich dort im mit der Reformation sympathisie-
Dienst der Armen- und Kranken- rende Landgraf Philipp I. von
pflege auf.
Hessen (1504–1567) die Reliquien
In der Nacht zum 17. November größtenteils aus dem Heiligen-
1231 starb Elisabeth im Alter von schrein entfernen ließ, um der
nur 24 Jahren – aufgezehrt von der Verehrung ein Ende zu bereiten.
Sorge und dem Mitleid für andere – Im Kloster der Elisabethinnen an
im Franziskus-Hospital in Marburg. der Landstraße in Wien werden das
Konrad von Marburg setzte sich Haupt und zwei Beinknochen der
unverzüglich für ein Heiligspre- heiligen Elisabeth aufbewahrt. An-
chungsverfahren ein, wurde jedoch dere Reliquienteile befinden sich im
1233 wegen seiner erbarmungslo- „Historischen Museum“ in Stock-
sen Strenge von Rittern erschlagen. holm. In Andechs, wo Elisabeth als
Papst Gregor IX. (um 1170–1241) zweite Patronin der Klosterkirche
sprach Elisabeth schon zu Pfingsten verehrt wird, bewahrt man in der
1235 in der Dominikanerkirche von Reliquienkapelle das Brautkleid
Perugia (Italien) heilig. Die von ihm und ein Brustkreuz der Heiligen
eingesetzte Kommission hatte einen auf.
38
beth von Thüringen ist mehrfach in Nach der heiligen Elisabeth sind
der bildenden Kunst dargestellt einige Orden benannt worden. Dazu
worden. Auf einem um 1340 ent- gehören unter anderem die 1622 in
standenen Relief im Magdeburger Aachen gegründeten Elisabethin-
Dom trägt sie ein Kirchenmodell. nen, die „Schwestern von der heili-
Eine um 1360 entstandene Statue gen Elisabeth“ und die „Barmherzi-
im Straßburger Münster zeigt sie im gen Schwestern von der heiligen
Witwenschleier mit Kanne und Elisabeth“ in Essen-Bredeney. Wei-
Brot, umgeben von Kranken und tere Vereinigungen, die Elisabeths
Armen. In Lübeck erinnert der Namen tragen, entstanden in Padua
Elisabeth-Zyklus an sie. Elisabeths und Neapel.
Gedenktag ist der 19. November. Die Mildtätigkeit der heiligen Elisa-
39
Heilige Franziska
von Rom
Die Schutzherrin
der Autofahrer
P atronin der Autofahrer ist –
schenkte. Ab 1424 lebte sie mit ihrem Ehemann enthaltsam.
neben Christophorus und Elias Als Frau opferte sich Francesca de – die heilige Francesca Romana Ponziani für die Familie auf und oder Franziska von Rom (1384– kümmerte sich vorbildlich um ihre 1440), geborene Francesca de Bus- Kinder. Wenn der Haushalt und die si, verheiratete de Ponziani. Sie Kinder es zuließen, suchte sie die stiftete den Orden „Nobili Oblati di von ihr im Dachgeschoss eingerich- Tor de’Specchi“ und leitete diesen tete Betstube auf, um dort zu beten. nach dem Tod ihres Ehemanns als Außerdem beschenkte sie Arme Oberin. Der heilige Franz von Sales reich und pflegte in Spitälern sogar (1567–1622) bezeichnete Franziska Pestkranke.
als „eine der größten Heiligen“. Die fromme Wohltäterin erlitt meh- Francesca de Bussi kam 1384 als rere Schicksalsschläge: Ihr Ehe- Tochter eines italienischen Adligen mann wurde bei Straßenkämpfen in in Rom zur Welt. Sie wollte bereits Rom schwer verwundet und musste als Elfjährige in ein Kloster eintre- flüchten. Daraufhin plünderte man ten, was ihre Eltern jedoch verbo- sein Haus, konfiszierte sein Vermö- ten. Später wurde sie mit dem gen und entführte seinen ältesten Adligen Lorenzo de Ponziani ver- Sohn Giovanni als Geisel nach heiratet, dem sie sechs Kinder
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2001, Superfrauen 2 - Religion, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Angela Merici und die Ursula-Gesellschaft
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit, 20 Seiten
Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Nathan Zuckerman in Philip Roths Trilogie "Zuckerman Bound"
Identitätsfindung und Identitä...
Magisterarbeit, 61 Seiten
Oppression and shame - an analysis of sexuality in Willa Cather’s &quo...
Hausarbeit, 14 Seiten
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