Abgabetermin : 31. März 2000
Inhaltsverzeichnis
Seite
I. Einleitung 1
II. Die US-Invasion in Panama - Operation Gerechte Sache 1
1. Die USA, Panama und die Invasion 1
2. Zur Vorgeschichte: Die US-Invasion in Grenada 3
3. Der „National Media Pool“ bei der Invasion Panamas 4
4. Zur Kritik der Medien am „National Media Pool“ 7
5. Die Berichterstattung 8
5.1. Die Berichterstattung über El Chorrillo 10
5.2. Die Darstellung von Manuel Noriega 11
5.3. Manuel Antonio Noriega und George Bush 12
5.4. Zur Berichterstattung über die völkerrechtlichen Zulässigkeit der 13
Invasion Panamas
6. Die Untersuchung des Data-Center Oakland 13
7. Ergebnis der Berichterstattung 14
III. Schlussbemerkungen 14
Literaturverzeichnis
I. Einleitung 1
Die Invasion amerikanischer Truppen in Panama ist ein glänzendes Beispiel dafür, wie Realität und Berichterstattung in den Medien auseinander klaffen können. Die Größe dieser Kluft soll im Rahmen dieser Arbeit beleuchtet werden. Wie kommt es, dass die Medien, oftmals als „Vierte Gewalt“ apostrophiert, in einem militärischen Konflikt diesen Ausmaßes keine adäquate Berichterstattung zu Stande bringen? Wie gelingt es Politikern und Militärs, die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren? Zur Klärung dieser Fragen werden Vorgeschichte und Ablauf der Invasion, die Berichterstattung aus der Sicht von Medien und Politik (respektive Militär) und einige Schlüsselereignisse betrachtet.
II. Die US-Invasion in Panama - Operation Gerechte Sache
1. Die USA, Panama und die Invasion
Der Staat Panama wurde 1903 von Franklin D. Roosevelt gegründet, um den Panama-Kanal zu bauen. Dazu wurde Kolumbien gezwungen, das entsprechende Gebiet abzutreten. Die Regierungen Panamas hingen in der Folgezeit von den USA ab, die den Kanal von Panama pachteten und bis zum 1. Januar 2000 selbst verwalteten. Manuel Antonio Noriega, der, obwohl er nur der Armeechef war, faktisch die Regierungsgewalt ausübte, machte zu Beginn seiner Amtszeit insofern keine Ausnahme. 2 Die USA zählen Panama zu ihrem direkten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Einflussbereich. Das beinhaltet politische, wirtschaftliche und militärische Interventionen, zum Beispiel die Installation pro-amerikanischer Regierungen. Die USA betrachten Zentralamerika als Lieferant von billigen Arbeitskräften und agrarischen Rohstoffen. 3 Noriega manipulierte 1984 die Präsidentschaftswahlen, um einem den USA genehmen Kandidaten die Präsidentschaft zu ermöglichen. Des weiteren unterstützte er die USA in ihrem Kampf gegen die Sandinisten in Nicaragua, indem er die Aktivitäten der Contras förderte. Der Bruch zwischen Noriega und den USA erfolgte im Streit um die Entsendung von panamaischen Militärberatern nach Nicaragua im Jahr 1985. Bereits drei Jahre später, im Februar 1988 wurde der ehemalige Verbündete der USA wegen Drogenhandels und Geldwäsche vor
1 Diese Hausarbeit ist abgefasst nach den neuen Rechtschreibregeln vom 1. August 1998.
2 Vgl.: Der Spiegel. 52 / 1989. S. 90.
3 Vgl.: Beham, Mira: Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik. München 1996. S. 99.
1
amerikanischen Gerichten angeklagt. Die USA versuchten mittels Wirtschaftssanktionen und Putschen bereits zwei Jahre vor der Invasion am 20.12.1989, Panamas Diktator von der Macht zu entfernen - immer vergeblich. 4
Nachdem der US-Marine Leutnant Robert Paz Fitcher von panamaischen Truppen erschossen wurde, ließ US-Präsident George Bush 24000 US-Soldaten in Panama einmarschieren. Damit war das Kräfteverhältnis zwischen US-Truppen und panamaischen Streitkräften, inklusive der Schlägertrupps von Noriega, ungefähr gleich, mit natürlich überragender logistischer Übermacht der USA. Gezielt wurden Infrastruktur und Stützpunkte von Noriega bombardiert. Nach der Eroberung einer Fernsehstation durch US-Truppen wandte sich der proamerikanische Politiker Guillermo Endara, der auf einem US-Stützpunkt vereidigt worden war, als neuer Präsident an die Bevölkerung und das Militär. Endara, Sieger der von Noriega annullierten Wahlen im Mai, verkündete die Absetzung Noriegas und rief zu Ruhe und Besonnenheit auf. Trotzdem kam es während des fünftägigen Krieges zu Straßenschlachten zwischen US-Truppen und Noriega-Anhängern in Militär und Bevölkerung. 5 Manuel Noriega, dessen Ergreifung und Anklage eines der Kriegsziele der US-Amerikaner gewesen war, konnte sich in die päpstliche Nuntiatur in Panama flüchten. Nach elf Tagen Aufenthalt und entsprechendem Druck der Amerikaner und des päpstlichen Nuntius stellte sich Noriega den US-Truppen. Die amerikanische Drogenfahndung überführte ihn in Ketten in einem Militärflugzeug in die USA. Die höchstmögliche Strafe für Noriega addierte sich auf 145 Jahre. Ein US-Gericht verurteilt ihn zu 40 Jahren Haft, die später auf 30 Jahre reduziert wurden. 2007 ist eine vorzeitige Entlassung möglich. Heute ist die Konservative Mireya Moscoso Präsidentin von Panama. 6
Sowohl über die Strategie und das genaue militärische Vorgehen der US-Streitkräfte, als auch über die Zahl der Toten auf panamaischer Seite gibt es keine präzisen Informationen. Die Zahl toter Zivilisten rangiert im drei- bis vierstelligen Bereich. 7 Mehr als 20 US-Soldaten wurden getötet, weitere 200 verletzt. 8
4 Vgl.: Der Spiegel. 52 / 1989. S. 91.
5 Vgl.: Ebenda, S. 90.
6 Vgl.: Der Spiegel. 2 / 1990. S. 112.
7 Vgl.: Beham, Mira: a. a. O., S. 98.
8 Vgl.: Stern 1 / 1990. S. 100.
2
2. Zur Vorgeschichte: Die US-Invasion in Grenada
Die Invasion Grenadas war bestimmt von den Erfahrungen, die Briten und Argentinier im Falklandkrieg gemacht hatten. Daraus hatte eine US-Kommission vier Schlussfolgerungen gezogen, die von der Armee während der folgenden Invasion der mittelamerikanischen Insel Grenada peinlich genau umgesetzt wurden. Dazu gehörte, die Grausamkeiten der eigenen Truppen zu verschweigen, keine verletzten oder toten US-Soldaten zu zeigen, den Zugang der Medien zum Kriegsschauplatz zu beschränken und die Medien für Regierungszwecke zu instrumentalisieren. Ziel dieser Maßnahmen war eine möglichst große Unterstützung der Politik der Regierung durch die Öffentlichkeit. 9
Im Ergebnis fand die Invasion Grenadas unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien statt. Selbst die Pressestellen des Weißen Hauses und des Pentagons wurden erst im Nachhinein von den Geschehnissen informiert. Regierung und Militär gelang es, eine totale Nachrichtensperre nicht nur zu verhängen, sondern sie auch durchzusetzen und die Medien eine ganze Woche vom Kriegsschauplatz fernzuhalten. Medien und Öffentlichkeit, die mit dem Vorgehen der Regierung auf Grenada im Kern einverstanden waren, wissen noch heute nicht genau, was auf Grenada ablief und wie viele Opfer der Feldzug forderte. Allerdings wurde in den Medien nicht daran Kritik geübt, sondern an der systematischen Verhinderung einer angemessenen und authentischen Berichterstattung; an der Einschränkung der Informationsfreiheit der Presse. Als Ergebnis wurde der „National Media Pool“ ins Leben gerufen. In ihm waren die großen Medien mit ihren Korrespondenten im Pentagon vertreten. Dieser Pool war eine dauerhafte Einrichtung und besaß das vom Pentagon zugesagte Recht, bei militärischen Konflikten sofort an den Schauplatz der Auseinandersetzung gebracht zu werden. Die Mitglieder des Pools wechselten nach einem Rotationsprinzip zwischen den Medien. 10
9 Vgl.: Beham, Mira: a. a. O., S. 93.
10 Vgl.: Ebenda, S. 96.
3
3. Der „National Media Pool“ bei der Invasion Panamas 11
Der „National Media Pool“ wurde von Journalisten als „A select group of combat journalists that is never permitted to see combat“ 12 bezeichnet. Das Motto sei semper tardis - immer zu spät. 13
Obwohl sich die sogenannte Pool-Lösung bereits im Vorfeld der Invasion Panamas nicht bewährt hatte, weil Journalisten bei Auseinandersetzungen zwischen US-Truppen und ihren Gegnern regelmäßig zu spät an Orte gebracht wurden, an denen sich militärisch sowieso fast nichts abgespielt hatte, wurde der Pool von der Regierung, den Militärs und Medienvertretern beibehalten. 14 „Following the Grenada invasion press debacle a new system of media coverage had been approved by the Pentagon. According to the Sidle Commission directed by Major General Winant Sidle, the press had agreed to a pool system in which select journalists and photographers representing various media giants would share their coverage with other media members waiting at the Pentagon. However, the Pentagon did not fulfill ist ends of the agreement completely, resulting in the Washington pool arriving at the scene hours after the fighting began. It was not until the conclusion of the invasion that the Pentagon offered what one source has described as ‘journalism’s equivalent of a cleanup mission’“. 15 Das Weiße Haus traf die Entscheidung über eine Invasion Panamas sonntags, informierte die eigene PR-Abteilung aber erst dienstags, zwölf Stunden vor den ersten Kampfhandlungen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Pool noch nicht informiert; er war offensichtlich nicht Teil des Invasionskonzeptes. 16
Die 16 Korrespondenten, die gemäß dem Rotationsprinzip gerade dem „National Media Pool“ angehörten, wurden am 21. Dezember, zwei Stunden vor Beginn der Invasion Panamas, auf der Andrews Air Force Base in ein Militärflugzeug gesetzt und durften zusehen, wie amerikanische Fallschirmjäger über Panama absprangen. Anstatt im Anschluss direkt zu den Schauplätzen der militärischen Auseinandersetzung gebracht zu werden, wurden die Korrespondenten zum US-Stützpunkt Howard Air Force Base und später ins Fort Clayton in Panama ge-
11 Dem„National Media Pool“ gehörten Journalisten von Associated Press, UPI, Reuters, Time, NBC, ABCradio, Houston Chronicle, Houston Post und Dallas Morning News an. Vgl.: Garneau, George: Military press pool misses most of the action. In Editor & Publisher. Vol. 123/1 January 6 th 1990. S. 84.
12 Vgl.: Boot, William: Wading around in the Panama Pool. In: Columbia Journalism Review. Vol. 28/6 March/April 1990. S. 18. William Boot ist der „pen name“ von Christopher Hanson, Washingtoner Korrespondent des Seattle Post-Intelligencer.
13 Vgl.: Komarow, Steven: Pooling around in Panama. In: Washington Journalism Review. März 1990. S. 45.
14 Vgl.: Beham, Mira: a. a. O., S. 97.
15 Roth, Mitchel P.: Historical Dictionary of War Journalism. Westport 1997. S. 231.
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Thomas Zimmerling, 2000, Die US-Invasion in Panama - Operation Gerechte Sache, München, GRIN Verlag GmbH
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