Vivian Gjurin
Litwiss. Seminar, WS 2004/2005
1. Einführung 3
2. Alfred de Vigny- Biographie und Werk. 3
3.Thomas Chatterton- Biographie 4
4. Chatterton, das Drama 5
4.1. Inhalt. 5
4.2. Die Positionierung des Dramas 5
4.3. Die Ideen und die Tendenzen des Dramas 6
4.4. Chatterton vs. Chatterton 7
5. Die Protagonisten des Dramas aus der Gender Studies- Perspektive 8
5.1. Kitty Bell 8
5.2. Chatterton 10
5.3. John Bell, Lord Talbot, Le Quaker, Lord Beckford 11
5.3.1. John Bell. 11
5.3.2. Lord Talbot 12
5.3.3. Le Quaker 12
5.3.4. Lord Beckford. 12
6. Schlusswort. 13
7. Bibliographie 15
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Vivian Gjurin
Litwiss. Seminar, WS 2004/2005
1. Einführung
In Vignys romantischen Drama Chatterton wird in erster Linie die Problematik des Dichterdaseins besprochen. Die einzige weibliche Protagonistin ist Kitty Bell. Beide Figuren haben kategorische romantische Züge. Die sozialen Tendenzen des Dramas, wo sich Vigny offensichtlich für die Arbeiterbewegung und die Abschaffung der Kinder- und Frauenarbeit einsetzt sind mehr als Unterstreichung der Misere des Dichterdaseins zu sehen, als eigentliches sozialpolitisches Engagement, wobei dieses nicht abzusprechen ist, und auch zu den Merkmalen eines romantischen Dramas zählt. Chatterton, das romantische unerfüllte Genie und Kitty, ein zartes romantisches Wesen mit starker Gefühlsempfindung sind in einer nicht lebbaren, unerfüllten Liebe gefangen. Chatterton als dichterisches Genie scheitert an der Gesellschaft und die Liebe ist auch nicht wegen der gesellschaftlichen Zwänge möglich. Der einzige Ausweg für den romantischen Helden ist der Selbstmord. Kitty stirbt den romantischen Seelentod.
In folgender Arbeit wird versucht die Problematik des Dichterdaseins in Chatterton zu veranschaulichen, wie auch die Rolle von Kitty Bell als Frau und als romantische Heldin. Die romantischen Wesensmerkmale, welche stereotypisch die weiblichen sind, scheinen der Frau in der Romantik einen besseren Stellenwert, eine neue Rolle in der Gesellschaft, eine neue Art von Anerkennung ermöglicht zu haben. Am Beispiel von Kitty Bell in Vignys Drama Chatterton soll dieses überprüft werden. Weiter wird die Lage des Poeten mit der Lage der Frau in der Romantik verglichen werden
2. Alfred de Vigny- Biographie und Werk
Alfred de Vigny (1797-1863), aus einem alten Adelsgeschlecht stammend, das durch die Revolution ruiniert wurde, erlebt er als romantischer Dichter in der Restaurationszeit die komplette Degeneration des feudalen Elements und den Fall der bürgerlichen Ideale vom Erbe der Revolution und Napoleon. 1
In der Zeit der großen öffentlichen Beichten, der sentimentalen Ausgüsse und der Apotheose der Natur, wie auch der Wiederaufnahme der Mystifizierung von Religion ist sein Werk erstaunlich zurückgehalten, voller scharfer Intelligenz, ernster Gedanken und humanistischem Pathos. Er teil zwar den Weltschmerz der Romantiker, jedoch empfindet er die Natur eher als
1 Kindlers Neues Literatur Lexikon, Kindlerverlag, München, 1988 Seite 3 von 15
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Grab, und bringt den Schmerz- und Freudeausgüssen reine Ideen, l’esprit pur, entgegen. Vigny zeigt den Menschen ohne Gott, allein gelassen in Angst und Verlassenheit. In seiner Poesie bevorzugt er biblische Stoffe zur sinnbildlichen Darstellung einsamer und verlassener Größe und etabliert das in der bisherigen französischen Literatur unbekannte mythische Poem. 2
Das Zentralmotiv seines Schaffens ist von Anfang an das des unverstandenen scheiternden Genies. Sei es als Soldat, der im Gewissenskonflikt zwischen Ehrgefühl und pragmatischer Politik steht oder als Dichter. Meist im Kontext mit der nachrevolutionären Ära und der Krise des Bourbonenstaates. Werke:
Cinq-Mars (1826), Stello (1832), Servitude et grandeur militaires(1835) , Les Destinées (1864), Übersetzungen von Shakespeares Dramen vie Othello, The Marchant of Venice, Romeo and Juliet
3.Thomas Chatterton- Biographie 3
Thomas Chatterton (1752-1770), der Sohn eines armen Küsters aus Bristol, arbeitet mit 13 Jahren als Advokatenschreiber. Während seiner Schulzeit schreibt er schon Gedichte und träumt sich in die Rolle des fiktiven Mönchs Thomas Rowley aus dem 15. Jahrhundert und veröffentlicht als dieser Gedichte in Mittelenglischer Sprache auf altem Pergament. Zu jener Zeit sind solche Täuschungen an der Tagesordnung. 1760 bis 1763 gibt Macpherson Ossian heraus, welcher einen Siegeszug durch ganz Europa antritt, bis er 1840 entlarvt wird. Es gibt jedoch wegen der Werke von Chaucer, Lydgate und Wickliff genügend Vergleichsmaterial aus dem 15. Jahrhundert im Unterschied zu der dunklen keltischen Stammzeit von Ossian. 4
Da Chatterton zu wenig geschichtliches Wissen besitzt, wird er wegen mangelnder Authentizität entlarvt.
2 Theisen, Josef: Geschichte der Französischen Literatur, 6. Auflage, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1964
3 Kindlers Neues Literatur Lexikon, Kindlerverlag, München, 1988
4 Schnak, Hans: Alfred de Vignys ‚Stello’ und ‚Chatterton’. Ein Beitrag zur Geschichte des Romanticismus in
Frankreich., Universitäts- Buchdruckerei von Adlers Erben, Rostock, 1905 Seite 4 von 15
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Er verzweifelt nicht engültig, sondern schreibt fleißig weiter Novellen, politische Gedichte, Zeitschriftenartikel, Operettentexte, um überleben zu können. Seine größte Hoffnung, Lord Bekford, der Lordmayor von London, ein möglicher Gönner bzw. Herausgeber stirbt einen plötzlichen Tod. Er hat trotz seiner Arbeit, nicht ausreichend Mittel um sich Brot leisten zu können. Sein Ehrgefühl lässt keine Geschenke zu und nach zweitägigem Hungern begeht er Selbstmord. Angeblich kam in seiner Familie Wahnsinn vor. Er wird zum Heros der Romantik als unerfülltes Genie, die historische Ungenauigkeit seiner Gedichte sind bedeutungslos.
Eine englische Poetin erlangt auch solch einen Herosstatus als unerfülltes Genie in der Romantik. Mary Tighe (1772-1810) veröffentlicht 1792 das vielbeachtete Langgedicht Psyche und stirbt mit 28 Jahren an Tuberkulose. 5
4. Chatterton, das Drama
4.1. Inhalt
Chatterton, Drama in drei Akten, 1835 uraufgeführt.
Im Drama wohnt Chatterton bei Kitty und John Bell in sehr bescheidenen Verhältnissen in einem Zimmer, um sich unerkannt vollständig seinen Gedichten zu widmen. Kitty ist ein zartes romantisches Wesen, das mit John, einem reichen Großindustriellen verheiratet ist. Es entwickelt sich eine nicht greifbare, reine Liebe zwischen Kitty und Chatterton. Kitty weicht seiner Anwesenheit, um nicht die sprossende Liebe zuzulassen. Chatterton wird von seinem Oxforder Studienfreund Lord Talbot erkannt und des Vorhabens Kitty zu entführen bezichtigt, da dieser sich keinen anderen Grund vorstellen kann, wieso Chatterton in Bells Haus verweilen sollte. Als Chatterton auch noch Plagiat vorgeworfen wird, an Hunger leidend, von seinem erhofften Gönner die Poesie zur unnützen Jugendtorheit erklärt, von ihm eine Dienerstelle angeboten bekommt, begeht er Selbstmord. Kitty stirbt an gebrochenem Herzen bzw. den romantischen Seelentod.
4.2. Die Positionierung des Dramas
Vigny wie auch Hugo wollen als Romantiker der Gattung Drama, die am meisten an ihrer Weiterentwicklung wegen klassizistischer Zwänge einbüßen musste, ein neues Programm
5 Hof, Renate: Gender als Analysekategorie der Literaturwissenschaft, Campus Verlag, Frankfurt, 1999 Seite 5 von 15
Arbeit zitieren:
Vivian Gjurin, 2005, Über den Roman "Chatterton" von Alfred de Vigny, München, GRIN Verlag GmbH
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