J üdische Identität und Judentum in Aleksandar Tišmas Kapo
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Begriffsklärungen und Theorie 3
2.1 Judentum 3
2.2 Jüdische Identität/ jüdischer Geist 4
2.3 Jüdischer Selbsthass 5
3 Aleksandar Tismas „Kapo“ 7
3.1 Jüdische Figuren in „Kapo“ 7
3.1.1 Vilko Lamian 7
3.1.2 Vilko Lamians Eltern 7
3.1.3 Branka Frank 8
3.1.4 Isak Nahmijas 8
3.1.5 Helena Lifka 8
3.1.6 Julija Milþec 9
3.2 Die jüdische Gemeinde in Tišmas „Kapo“ 9
3.3 Vilko Lamian - Der Protagonist 9
3.3.1 Umgang mit dem Judentum - prägende Stationen 9
3.3.2 Vilko Lamian - ein Selbsthasser? 16
4 Schlussbemerkung 17
5 Bibliografie 18
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Jüdische Identität und Judentum in Aleksandar Tišmas >>Kapo<<
1 Einleitung
„Jude sein, das hieß für mich von diesem Anfang an, ein Toter auf Urlaub sein, ein zu Ermordender, der nur durch Zufall noch nicht dort war, wohin er rechtens gehörte, und dabei ist es in vielen Varianten, in manchen Intensitätsgraden bis heute geblieben.“ 1 Aleksandar Tišma stellt in seinem Buch „Kapo“ einen Protagonisten dar, der mit ähnlichen Empfindungen durch das Leben geht. Hin- und hergerissen zwischen jüdischer Identität und der Angst davor, als Jude entlarvt zu werden, lebt Vilko Lamian ein einsames Leben. Wie der Protagonist aus „Kapo“ mit seiner jüdischen Herkunft umgeht und wie andere jüdische Charaktere von Tišma dargestellt werden, wird in der folgenden Arbeit beschrieben. Zu Beginn soll jedoch eine theoretische Grundlage geschaffen werden, indem die wichtigsten Begriffe zum Thema definiert und beschrieben werden. Es wird versucht, auf folgende Fragen eine Antwort zu geben: Was ist das Judentum und wer ist ein Jude? Welche Charakteristika weist der jüdische Geist bzw. die jüdische Identität auf? Was ist jüdischer Selbsthass?
2 Begriffsklärungen und Theorie
2.1 Judentum
Der Begriff Judentum, der keinen Plural besitzt, entstand aus dem hebräischen Wort Yehuda und dem Suffix -tum. 2
Judentum ist der Überbegriff für die Religion, die Kultur und die Geschichte des Volkes der Juden mitsamt den Traditionen. Die Bezeichnung Judentum steht auch für die älteste monotheistische Weltreligion. 3
Das Wort Jude kommt aus dem Hebräischen (jehudi) und bezeichnet ursprünglich die Bewohner Judas, eines Stammes von Israel. Der Begriff wurde später auf das ganze Volk Israels ausgedehnt. 4 Ein Jude ist jeder, dessen Mutter Jüdin ist. „Jude sein bedeutet, die jüdische Religion zu leben, dabei ist es egal in welchem Land man lebt.“ 5 Auch wer zum jüdischen Glauben konvertiert, ist ein Jude.
In der nationalsozialistischen Ideologie wurde dem Juden die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse angedichtet. 3
1 AMÉRY, Jean: Jenseits von Schuld und Sühne: Bewältigungsversuche eines Überwältigten. Stuttgart 1977, S. 141.
2 vgl.: 2006: Judentum. Wikitionary. Das freie Wörterbuch. In: http://de.wiktionary.org/wiki/Judentum <17.01.2007>.
3 vgl.: o.J.: Judentum - Was ist das? Jüdische Geschichte und Kultur. In: http://www.judentumprojekt.de/religion/judentumwasistdas/index.html <17.01.2007>
4 vgl.: 2007: Jude. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie. In: http://de.wikipedia.org/wiki/Jude <17.01.2007>
5 o.J.: Judentum - Was ist das? Jüdische Geschichte und Kultur. In: http://www.judentumprojekt.de/religion/judentumwasistdas/index.html <17.01.2007>
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Jüdische Identität und Judentum in Aleksandar Tišmas >>Kapo<<
2.2 Jüdische Identität/ jüdischer Geist
In der vorliegenden Arbeit werden die Bezeichnungen jüdische Identität und jüdischer Geist als Synonyme verwendet, obwohl diese Begriffe in der Fachliteratur auch unterschiedliche Phänomene benennen können.
Alphons Silbermann beschreibt in seinem Buch „Was ist jüdischer Geist?“ Faktoren, welche die Identität der Juden ausmachen. Er unterteilt diese in: sozio-religiöse, sozio-kulturelle, sozio-politische und sozio-psychologische Faktoren. 6 In der vorliegenden Arbeit werden nur die für das Thema relevanten Konstituenten des jüdischen Geistes nach Silbermann beschrieben.
Zu den sozio-religiösen Faktoren zählt Silbermann den Talmud, das wichtigste jüdische Werk, welches das gesamte religiöse, kulturelle, soziale und moralische Leben der Juden begleitet. Wichtig sind auch die Traditionen, die besonders von orthodoxen Juden gepflegt werden. Zu den Hauptereignissen im Leben eines Juden gehören: die Beschneidung und die Bar Mizwa der Jungen, die Eheschließung, das Begräbnis und zwei hohe Feiertage. 7 Durch die zunehmende Emanzipation der Juden und deren „Drang nach Freiheit“ 8 gehen die Traditionen aber immer mehr verloren.
Aus sozio-kultureller Sicht beschreibt Silbermann die „Skepsis“ 9 als kollektive Eigenschaft der Juden. Er bezeichnet sie als Abwehrmechanismus „einer am Rande der Gesellschaft lebenden ethnischen Minorität“ 10 , der sich im Laufe der (Leidens-)Geschichte der Juden entwickelt hat. 11
Zu den sozio-politischen Faktoren zählt Silbermann die Assimilation, die er als „Prozess der Angleichung, bei der Übernahme sozialer Wertstandards, Orientierungs- und Verhaltensmuster auch [als] eine Umformung von Lebensinteressen sowie einen bewußten Wandel in der Gruppenzugehörigkeit“ 12 definiert.
Weitere sozio-politische Faktoren sind der „Zwang“ 13 und die „Freiheit der Wahl“ 14 . Juden waren in ihrer Geschichte schon immer vom Willen einer Autorität abhängig und die Selbstbestimmung wurde ihnen in der Vergangenheit nur selten zuteil.
6 vgl.: SILBERMANN, Alphons: Was ist jüdischer Geist? Zur Identität der Juden. Zürich: Edition Interfrom 1986, S. 42ff.
7 vgl.: SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S.51.
8 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S.52.
9 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 61.
10 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 62.
11 vgl.: SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 61f.
12 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 64.
13 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 65.
14 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 68.
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Jüdische Identität und Judentum in Aleksandar Tišmas >>Kapo<<
Der Glaubensübertritt ist ein wichtiger Teil der jüdischen Identität. Nur selten stehen religiöse Gründe hinter einer Konvertierung. Viele Juden sehen darin eine Chance, Konflikten aus dem Weg zu gehen und ihre eigene Lebenssituation zu verbessern. Beispielsweise versuchten in der NS-Zeit viele Juden durch einen Übertritt zum Christentum ihr Leben zu retten. 15 Aus sozio-psychologischer Sicht ist das Judentum durch seine „Außenseiterposition“ 16 , die nicht selten zur Assimilation führt, geprägt. Ein weiterer Faktor, der den jüdischen Geist seit langer Zeit mitdefiniert ist die „Angst“ 17 , welche durch all die Formen von Antisemitismus entstanden ist.
Silbermann kommt zu dem Schluss, dass jüdische Identität vor allem dem gemeinsamen Leiden entspringt, denn die Geschichte des Leidens berührt jeden Juden in seinem Jude-Sein. 18
2.3 Jüdischer Selbsthass Was ist Selbsthass?
Ganz allgemein geht es beim Selbsthass um die Verhaltensweise gegenüber dem Fremden. Eine von einer Autorität als fremd empfundene Person verleugnet seine Identität und denunziert selbst auch genau diese Fremdartigkeit bei anderen. 19
Wie kommt Selbsthass zustande?
Eine dominante Gruppe erschafft sich aus ihrer Angst des Machtverlustes einen Feind - den Fremden - der bestimmte negative Eigenschaften besitzt. 20
Der Fremde spürt, dass er von dieser Majorität abgelehnt wird, er akzeptiert dieses Fremdbild und macht es zu seinem eigenen Selbstbild. 20
Er empfindet, dass tatsächlich etwas an ihm anders ist und spaltet diesen Teil von seiner Persönlichkeit ab. 20
In der Folge fühlt er sich als ein Mitglied der dominanten Gruppe und beginnt selbst damit, diejenigen, die das als anders Empfundene an sich haben, auszugrenzen. 21
15 vgl.: SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 70ff.
16 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 98.
17 SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 103.
18 vgl.: SILBERMANN, Alphons: a.a.O., S. 116.
19 vgl.: GILMAN, Sander, L.: Jüdischer Selbsthaß. Antisemitismus und die verborgene Sprache der Juden. Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag 1993, S. 11.
20 vgl.: GILMAN, Sander, L.: a.a.O., S. 14.
21 vgl.: BERNSTEIN, Fritz: Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses. Königsstein: Jüdischer Verlag 1980, S. 217.
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Arbeit zitieren:
Mag. Sylvia Jungmann, 2007, Jüdische Identität und Judentum in Aleksandar Tismas 'Kapo', München, GRIN Verlag GmbH
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