Inhaltsverzeichnis
1. Zu eruierende Problematik und Vorgehensweise dieser Arbeit 1
2. Gespräch Dialog Konversation Definitorisches Dilemma
in der alltäglichen wie epistemologischen Wortverwendung 3
3. Die bedeutendsten Richtungen der Gesprächsforschung im Überblick 6
3.1. GS Forschung 6
3.2. conversational analysis 7
3.3. Sprechaktforschung discourse analysis 9
4. Gespräch Dialog Konversation Ein Versuch 12
4.1. oberflächenstrukturelle Kriterien von Gespräch
Dialog und Konversation 12
4.1.1. Beteiligung mindestens zweier Interaktanten
Notwendigkeit mindestens eines Sprecherwechsels 12
4.1.2. Identität des Zeitraumes 13
4.2. tiefenstrukturelle Kriterien 13
4.2.1. Gespräch 13
4.2.2. Dialog 15
4.2.3. Konversation 16
4.3. Die definierenden und differenzierenden Kriterien
der einzelnen Kategorienim Überblick 19
4.4. Anmerkung zum Kriterium „Natürlichkeit“ 20
5. Anwendung der Systematik auf Castigliones Der Hofmann
und Guazzos Zivilisierte Konversation (IV. Buch) 20
5.1. Analyse zu Castigliones Hofmann 21
5.1.1. Makroanalyse 21
5.1.1.1. Gespräch 21
5.1.1.2. Dialog 22
5.1.1.3. Konversation 23
5.1.1.4. Ergebnisüberblick Makroanalyse 25
5.1.2. Mikroanalyse 25
5.1.2.1. Gespräch 25
5.1.2.2. Dialog 26
5.1.2.3. Konversation 27
5.1.2.4. Ergebnisüberblick Mikroanalyse 29
5.2. Guazzo Zivilisierte Konversation (IV. Buch) 29
5.2.1. Analyse zu Zivilisierte Konversation 30
5.2.1.1. Gespräch 30
5.2.1.2. Dialog 31
5.2.1.3. Konversation 32
5.2.1.4. Ergebnisüberblick 33
6. Ergebnisbilanzierung und Ausblick 34
7. Literaturverzeichnis 38
8. Anhang 39
1. Zu eruierende Problematik und Vorgehensweise dieser
Arbeit
Jede Sprache verfügt über zentrale Vokabeln, deren Bedeutungs- und Anwendungsbereiche offensichtlich jedermann klar erscheinen. In Wirklichkeit ist eine derartige Klarheit nur möglich, da diese Begriffe über die Zeit hinweg einem Automatismus in Semantik und Gebrauch zum Opfer fielen, der sich jeder kritischen Prüfung wie Definierbarkeit entzieht – so ist dies auch im Deutschen. 1 Es wird die Aufgabe dieser Arbeit sein, die Begriffe Gespräch, Dialog und Konversation aus diesem semantischen Sumpf zu befreien und sie einer längst fälligen, differenzierenden Analyse zu unterziehen. An deren Ende werden insbesondere drei grundlegende Fragen geklärt sein:
(i) Anhand welcher greifbaren Kriterien können Gespräch, Dialog und Konversation definiert werden?
(ii) Ist eine Systematisierung der Begriffe mittels dieser möglich?
(iii) Welchen Nutzen hat die entworfene Systematik für die Praxis und welche Schlüsse lässt sie über die Kommunikation bei Castiglione und Guazzo zu?
Kapitel 2 formuliert zunächst anhand von Beispielen aus Wissenschaft und Alltag einen Ist-Zustand, der deutlich macht, in welchem diffussemantischen Spannungsfeld sich die Worte Gespräch, Dialog und Konversation aktuell befinden.
In Kapitel 3 werden anschließend die bedeutendsten Richtungen der Gesprächsforschung mit ihren unterschiedlichen Ansätzen, Zielen und Wurzeln dargestellt.
Nachdem Kapitel 2 und 3 die nötigen Hintergrundinformationen bereitgestellt haben, rücken im nachfolgenden Kapitel 4 die Fragen (i) und (ii)in den Fokus.
Es wird der Versuch unternommen - unter Berücksichtigung verschiedener linguistischer Ansätze -, handfeste Kriterien zu formulieren, mittels derer zwischenmenschliche Kommunikation entweder als Gespräch, Dialog oder Konversation kategorisierbar sein soll. Die Antwort auf die dritte Frage, hält Kapitel 5 bereit. Einerseits wird die Praktikabilität der zuvor erarbeiteten Klassifizierung zur
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Diskussion gestellt, indem versucht wird, diese auf zwei frühneuzeitliche Werke - Castigliones ,Hofmann’ und Guazzos ,Zivilisierte Konversation’(IV. Buch)- anzuwenden. Andererseits wird hinterfragt, ob die Einordnung der beiden Werke als „Konversationsliteratur“ nicht nur inhaltlich, sondern auch kommunikationstheoretisch haltbar ist.
In Kapitel 6 sollen die im Verlauf der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse abschließend interpretiert, und in gegenwärtiger wie prospektiver Dimension diskutiert werden.
Mit Blick auf den begrenzten Umfang dieser Hausarbeit sind einige Einschränkungen nötig.
So wird eine Vertrautheit mit den in Kapitel 5 herangezogenen Werken von Castiglione und Guazzo vorausgesetzt.
Auf eine Inhaltszusammenfassung oder ein Personenregister wird zu Gunsten einer vertiefenden Darstellung des Themas verzichtet. Aus gleichem Grund kann in Kapitel 3 keine ausführliche theoretische Erläuterung der einzelnen Forschungsrichtungen erfolgen. Desweiteren wird, soweit angebracht, jede literaturwissenschaftliche wie auch sprachphilosophische Perspektive zum Vorteil einer möglichst harten Faktizität ausgeblendet.
2. Gespräch, Dialog, Konversation - Definitorisches Dilemma in der alltäglichen wie epistemologischen
Wortverwendung
Die CDU startete dieses Jahr in ihre „Dialog-Tour 2007“ 2 , auf der sich Ronald Pofalla „[…]spannende Gespräche[…]“ 3 erhofft. Dem neuen Volkslexikon Wikipedia zu Folge, wird als Gespräch „[…]allgemein die verbale Kommunikation von Menschen bezeichnet.“ 4 Metaphern wie „Dialog der Kulturen“ oder „Vier-Augen-Gespräch“ haben sich längst als beliebte Floskeln in unserer Sprache etabliert und für stilistisch ambitionierte Journalisten der Bild-Zeitung ist der „[…] Mega Zoff […]“ 5 inklusive „[…] Kopfwäsche […]“ 6 Inhalt einer Konversation. 7 Bereits das reine Sprachgefühl kritischer Leser dürfte folgende Fragen aufwerfen:
Warum heißt es „Dialog-Tour“, wenn „Gespräche“ ihr Ziel sind? Findet ein Dialog nicht zwischen zwei Interessengruppen statt, ernsthaft, zielorientiert? Ein Gespräch hingegen unverbindlicher, offener, nicht zwangsläufig lösungsorientiert?
Wie sieht eine ernsthafte Auseinandersetzung in Form einer Konversation aus? Verbinde ich mit Konversation nicht eher Attribute wie oberflächlich, beiläufig und locker?
Ein Blick in den Duden schafft bei solch sprachkritischen Fragen des Alltags meist schnell Klarheit und verhindert, dass weitere Fragekaskaden ein Gefühl der sprachlichen Ohnmacht aufkommen lassen. Dem Bedeutungswörterbuch der Duden-Reihe ist folgendes zu entnehmen:
Gespräch: „mündlicher Austausch von Gedanken zwischen zwei oder
Dialog: „Gespräch zwischen zwei oder mehr Personen /Ggs. Monolog.“ 9 Synonyme: „Besprechung, Debatte, Diskussion, Erörterung,
Konversation: „unverbindliches, oft nur um der Unterhaltung
Das Ergebnis ist auf zwei Arten zu interpretieren:
1. Es herrscht eine Synonymie der Begriffe Gespräch und Dialog, und eine Abgrenzung zur Konversation kann vage nach dem Kriterium der kommunikativen Ernsthaftigkeit erfolgen.
2. Der Duden hilft nicht weiter, seine Ausführungen sind zirkulär und führen die Semantik ad absurdum.
Es ist wohl akzeptabel, dass sich der kritische, aber germanistisch uninteressierte Leser aufgrund alltagspragmatischer Überlegungen für die erste Lösung entscheidet, darf dies für den sprachwissenschaftlichen, rhetorischen Wortgebrauch - und somit für diese Arbeit - nicht gelten.
Doch auch in der deutschen Linguistik sowie in der Rhetorik, scheint eine klare Begriffsdefinition bislang nicht vorzuherrschen. So schreibt E.W.B. Hess-Lüttich in seinem Artikel „Gespräch“ im Historische Wörterbuch der Rhetorik:
„Über die Abgrenzung von Nachbarbegriffen wie
13
Hess-Lüttich verweist mit seinen vagen Definitionen auf Brinkner, welcher wiederum seine Unterscheidung am Duden ausrichtet.
14
Damit wäre erneut der Zirkel der Ratlosigkeit geschlossen. K.-H. Göttert formuliert in seinem Artikel „Konversation“, ebenfalls aus dem Historischen Wörterbuch der Rhetorik, noch unklarer: „Die
ò
Ú
Im Anschluss folgt, wie auch schon bei Hess-Lüttich, lediglich ein historischer Exkurs zur Begrifflichkeit.
Franck verwendet in ihrer Dissertation „Grammatik und Konversation“,
- allen guten konversationstheoretischer Ansätze zum Trotz – Konversation und Gespräch synonym, wie folgende Stellen belegen: „Die Organisation des Gesprächs geschieht weitgehend aus der Konversation heraus“. 16 „Ein ganz wichtiger Faktor in der Organisation der Konversation ist die Entwicklung […] des Themas. Das Thema spielt sowohl global wie lokal eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Gesprächs“ 17 .
Dieser freie definitorische Umgang ist nicht nur bei Franck auszumachen. Ebenso könnten Müllerová 18 , Weydt 19 und viele andere als Beispiel angeführt werden.
Was bleibt an diesem Punkt zu konstatieren?
Zum einen, dass im alltäglichen Sprachgebrauch keine Klarheit vorherrschen kann, wenn nicht einmal in der episteme eine klare Trennung existiert.
Zum anderen, die eindeutige Dringlichkeit einer klaren Definition von Gespräch, Dialog und Konversation anhand greifbarer Kriterien, möchte man die Begriffe effektiv und wissenschaftlich operationalisieren und nicht weiter ein halbseidenes Tänzeln um den heißen Brei veranstalten.
Jedoch soll zuvor ein Überblick über die wichtigsten Forschungsrichtungen erfolgen.
3. Die bedeutendsten Richtungen der Gesprächsforschung im
Überblick
Bevor bestimmt werden kann, welche Traditionslinien die „Gesprächsforschung“ bisweilen prägen, ist es notwendig, eine Begriffsklärung für den Terminus selbst vorzunehmen. Die „Gesprächsforschung“ hat keineswegs – wie das Wort nahelegt – ausnahmslos das „Gespräch“ zum Forschungsinhalt.
Was Hess-Lüttich bereits über das Begriffsverhältnis von Gespräch, Dialog und Konversation schrieb, findet hier im Begriff „Gesprächsforschung“ seine Fortsetzung. Eine Unklarheit gegenüber den genauen Inhalten, zwingt zu einer gewissen Offenheit gegenüber der Namensgebung. So werden die Bezeichnungen „Dialogforschung“, „Dialoganalyse“ und seltener „Kommunikationsanalyse“ oder „Konversationsanalyse […]“ 20 neben dem Ausdruck „Gesprächsforschung“, als Oberbegriff verwendet 21 , unter welchem viele uneinheitliche Schulen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengefasst werden. 22
3.1. GS – Forschung
Erst seit den 60er Jahren kommt es in der germanistischen Sprachwissenschaft zur systematischen Erforschung der gesprochenen Sprache (GS). Unter GS ist hierbei zu verstehen, „daß gesprochensprachliche Texte nicht zuvor eine Realisierung in geschriebener Form durchlaufen haben.“ 23 Liegt bis zu diesem Zeitpunkt der Fokus ausschließlich auf dem Geschriebenen, wächst nun das Interesse an einer Sprachpragmatik „[…] über die Satzgrenzen hinaus“ 24 . Es entsteht erstmalig ein nachhaltiges Bewusstsein dafür, dass gesprochene Sprache offensichtlich anders generiert wird, als es die Regeln der Grammatik vorschreiben, ohne dass dies jedoch innerhalb der mündlichen Kommunikation als fehlerhaft oder störend interpretiert wird. 25 Der neuen Gleichwertigkeit von gesprochener zu geschriebener Sprache verleiht die Gründung der Freiburger Forschungsstelle „Gesprochene Sprache“ im Jahre 1966, unter der Leitung von H. Steger, Ausdruck. Während der frühen Forschungsphase steht der grammatische Beschreibungsaspekt – die Untersuchung von Syntaxmerkmalen der GS im
Vergleich zur geschriebenen Sprache – im Vordergrund. Mit dem Beginn der 70er Jahre – ausgelöst durch die „pragmatische Wende“ in der Linguistik - vollzog die GS-Forschung einen internalen Perspektivwechsel. Zögerlich verlagerte sie ihr Gewicht weg von einer syntaktischen Betrachtungsweise, hin zu einer kommunikativfunktionalen. 26 Doch erst seit der Rezeption der „conversational analysis“ sowie der „Sprechakttheorie“ seit Ende der 70er, geraten die eigentlich interessanten Aspekte der GS – Prosodie, Formulierungsverfahren, Sprachvariation, die dialogische Konstitution des Gesprochenen – auch wirklich in den Blickpunkt. Jedoch sind bis heute die Untersuchungen zur Lexik, Semantik oder Prosodie bei weitem nicht in gleichem Maße vorangeschritten, wie die Forschungen zu syntaktischen Erscheinungen oder Textherstellungsverfahren. 27
3.2. conversational analysis
Wie schon der Ausdruck „Gesprächsforschung“, verleitet auch die Bezeichnung „conversational analysis“ schnell zu Missverständnissen, die es im Vorfeld auszuräumen gilt.
Einerseits suggeriert „conversational“, dass sich die Forschung lediglich auf den Kommunikationstyp „Konversation“ konzentriert. Dies ist unzutreffend. Zwar wird dem „[…] informellen-alltäglichen Gespräch […]“ 28 in der Konversationsanalyse „[…] eine zentrale Bedeutung als Grundform der sprachlichen Interaktion zugeschrieben […]“, doch ebenso wenig wie „Gespräch“ in „Gesprächsforschung“ eine eindimensionale Festlegung impliziert, ist dies für „conversational“ der Fall.
Andererseits legt „conversational“ nahe, dass die wissenschaftlichen Bemühungen ausnahmslos die Sprache zum Gegenstand ihrer Betrachtungen machen. Dies ist ebenfalls falsch. Die Konversationsanalyse hat sich bereits früh auch mimisch-gestischen, proxemischen wie kinesischen Interaktionsaspekten zugewandt. 29 Der letzte Punkt der hier präventiv Erwähnung finden soll, bezieht sich auf den terminologischen Gebrauch.
Die Bezeichnung „Konversationsanalyse“ wird in der deutschsprachigen Literatur oftmals als Allgemeinbegriff für diejenigen Forschungsansätze gebraucht, welche die Analyse von natürlichen, verbalsprachlichen, Texten zum Inhalt haben. Dies birgt die Gefahr, dass theoretische wie methodologische Charakteristika, die für ein
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Dominic Hand, 2007, Gespräch? Dialog? Konversation?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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