INHALTSVERZEICHNIS
I EINLEITUNG: VERFREMDUNG ALS METHODE DER
DARSTELLUNG 3
II ANALYSE DER SONGS IM DRAMA MUTTER COURAGE
UND IHRE KINDER VON BERTOLT BRECHT 4
1. Song der ersten Szene 4
2. Das Lied vom Weib und dem Soldaten 5
3. Das Lied vom Fraternisieren 5
4. Das Horenlied 6
5. Das Lied von der großen Kapitulation 7
6. Das Lied eines Soldaten vor der Schenke 8
7. Die Songs der Courage in der siebenten und achten Szene 8
8. Der Salomon-Song 9
9. Das Lied von der Bleibe 10
10. Das Wiegenlied in der zwölften Szene 10
11. Der Schlussgesang in der zwölften Szene 11
III ZUSAMMENFASSUNG: DIE FUNKTIONEN DER SONGS 12
IV LITERATURVERZEICHNIS 13
2
I. EINLEITUNG: VERFREMDUNG ALS METHODE DER DARSTELLUNG
Auf den folgenden Seiten soll der Song als ein Mittel zur Verfremdung betrachtet werden, denn „Verfremdung ist in der Tat die Grundstruktur von Bertolt Brechts Dichtung.“ 1 Diese Erkenntnis von Reinhold Grimm wird auch dadurch bekräftigt, dass das von Brecht entworfene und verwendete Epische Theater als Theater der Verfremdung definiert ist. Helmut Jendreiek betrachtet das marxistische Programm der klassenkämpferischen Weltveränderung als gedankliches Fundament des Epischen Theaters, wobei Brecht seiner Ansicht nach durch die Technik der Verfremdung den Nachweis erbringt, dass Veränderung notwendig und möglich ist. 2 Ziel dieses Effekts der Verfremdung von Figuren und Vorgängen ist dabei die Aufhebung jeder Selbstverständlichkeit. Das Vertraute soll neu, fremd und fragwürdig erscheinen. Die dadurch verhinderte Einfühlung in die Figuren soll den Zuschauer aus seiner passiven Haltung lösen und zu gesellschaftspolitischer Bewusstheit und Aktionsbereitschaft führen. Als Mittel zur Verfremdung verwendet Brecht im Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ 3 (wie auch in den meisten anderen Dramen) unter anderem ein vorwiegend atektonisches Aufbauprinzip mit betonter Nebenordnung, eine Einleitung der einzelnen Szenen durch projizierte Titel, Umwertungen der Sprache und vor allem Songs. Da eine umfassende Darstellung aller aufgezählten Möglichkeiten sowohl den zeitlichen als auch den räumlichen Rahmen sprengen würden, soll eine Analyse in dieser Arbeit auf die Lieder 4 beschränkt bleiben.
1 Reinhold Grimm: Bertolt Brecht. Die Struktur seines Werkes. - Nürnberg 4 1965, S. 76. Zitiert nach Alfred Reisinger: Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“. Ein Beitrag zur Erkenntnis der ästhetischen Struktur des literarischen Kunstwerks. - Wien, Phil. Diss. 1973, S. 63.
2 Vgl. Helmut Jendreiek: Bertolt Brecht. Drama der Veränderung. - Düsseldorf: Bagel 1969, S. 31-47. 3 Die Stücke von Bertolt Brecht in einem Band. - Frankfurt/Main: Suhrkamp 1978.
Die Begriffe „Song“ und „Lied“ werden - entsprechend der verwendeten Literatur - synonym benutzt
II. ANALYSE DER SONGS IM DRAMA „MUTTER COURAGE UND IHRE KINDER“ VON BERTOLT BRECHT
In den zwölf Szenen der „Chronik des Dreißigjährigen Krieges“ finden sich insgesamt zwölf Songs, wobei in der fünften und elften Szene keine vorkommen, im dritten und zwölften Bild jeweils zwei enthalten sind und in den übrigen Szenen jeweils ein Lied eingebaut ist. Formal betrachtet unterscheiden sie sich vom übrigen Text durch Vers, Reim und Vertonung.
Brecht betont, dass die Songs eigenständige lyrische Einlagen darstellen und verlangt daher bei deren Vortrag den deutlichen Wechsel zu einer anderen ästhetischen Ebene. 5 Wie wir bei der
anschließenden Betrachtung jedes einzelnen Songs sehen werden, bleiben die Lieder jedoch - trotz des geforderten Einlagen-Charakters - in die dramatische Handlung eingebunden.
1. Song der ersten Szene
Das zweistrophige Lied „Ihr Hauptleut, laßt die Trommel ruhen...“ 6 , hat für die Mutter Courage die Bedeutung eines Auftrittsliedes, das - so Jendreiek - ihren Gestus 7 näher bestimmen soll. 8 Zugleich stellt
der Song eine nähere Definition der Selbstbezeichnung „Geschäftsleut“ dar, er ergibt sich also aus dem Verlauf der Handlung und steht mit ihm in enger Verbindung. Die poetische Ebene wird zu einer Verlängerung der dramatischen und enthält wichtige Voraussetzungen für die weiteren Handlungen der Courage, die den Inhalt des Liedes belegen (Bejahung des Krieges) und ergänzen (Bestreben nach Schutz der eigenen Kinder vor dem Krieg). 9
Die Courage glaubt, am Krieg nur gewinnen zu können, ohne dafür zahlen zu müssen, doch diese merkantile Interpretation des Krieges im Song wird dramatisch widerlegt, indem die Courage durch die Werbung Eilifs ihren ersten Tribut zollt (was sie aber nicht begreift). So soll dem Zuschauer durch den Kontrast von Song und dramatischer Handlung bewusst gemacht werden, was Krieg wirklich bedeutet. 5 Vgl. Reinhold Zimmer: Dramatischer Dialog und außersprachlicher Kontext. - Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1982 (= Palaestra 274), S. 191.
6 Stücke von Bertolt Brecht, S. 543.
Vgl. Jendreiek 1969, S. 200.
Vgl. Andrzej Wirth: Über die stereometrische Struktur der Brechtschen Stücke. - In: Sinn und Form. Beiträge zur Literatur 9 (1957), S. 365f.
Quote paper:
Marion Luger, 1998, 'Mutter Courage und ihre Kinder'. Die Analyse des Songs als Mittel zur Verfremdung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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