VORWORT
Meine angefertigte Arbeit bietet nur ein sehr beschränktes Spektrum auf die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas und deren Glaubensansichten. Trotz allem habe ich versucht einen kleinen Einblick zu geben, inwiefern die Angehörigen der religiösen Gruppierung in Konflikte und Konfliktsituationen geraten bzw. geraten können. Meine Informationen habe ich teilweise von der religiösen Vereinigung selbst (persönliche Telefonate mit aktiven Zeugen Jehovas, Broschüren wie „der Wachturm“ oder „Erwachet“ und die offizielle Homepage der Zeugen Jehovas), vom deutschen Ärzteblatt, aber auch von unparteiischen Quellen, wie zum Beispiel das Brockhaus der Religionen, neutrale Berichte über die Zeugen Jehovas im Internet und Bücher über die religiöse Gruppierung. Manche von mir verwendeten Begriffe entstammen der medizinischen Fachsprache oder sind allgemein in der Vereinigung üblich, außerhalb dieser eventuell aber nicht so geläufig. Daher habe ich im Anhang eine Erläuterung zu einigen Begriffen angefertigt, so dass diese in aller Kürze nachgeschlagen werden können.
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1a) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – die Gründung
Die Zeugen Jehovas wurden 1870 von dem amerikanischen Geistlichen Charles Taze Russell in Pittsburgh (Pennsylvania) gegründet. Ihren offiziellen Namen tragen sie allerdings erst seit 1931. In den USA (und auch in vielen weitern Ländern) kennt man die Zeugen Jehovas unter dem Namen „The Watch Tower Association“ (zu deutsch die Wachtturm-Organisation).Die Zeugen Jehovas verstehen sich selbst, als die „älteste religiöse Gruppe von Anbetern des wahren Gottes“. Sie sind davon überzeugt, dass ihre Geschichte weiter zurückreicht als die des Christentums oder selbst des Judentums. 1 (vgl. S.694 Das Brockhaus der Religionen, Brockhaus GmbH, Leipzig – Mannheim 2004)
1b) Ein kurzer Überblick über die Zeugen Jehovas – Daten und Fakten
Der momentane Präsident der Vereinigung ist Milton Henschel. Weltweit wird die Zahl der Mitglieder auf rund 6 Millionen (in 233 Ländern) geschätzt, davon etwa 170 000 in Deutschland, 20 000 in Österreich und etwa 18 000 in der Schweiz. 2 (Microsoft ® Encarta ® Enzyklopädie 2004. © 1993-2003 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten) Über eine Millionen Mitglieder leben alleine in den USA. Jährlich verzeichnet die religiöse Gruppierung einen Mitgliederzuwachs von etwa 1,3%. Dieser Zuwachs findet größtenteils in Osteuropa und in den Entwicklungsländern statt; in westlichen Ländern ist die Mitgliederschaft eher rückläufig. Die Zeugen Jehovas sind vor allem für ihre Zeitschrift – den Wachtturm -, die Ablehnung von Bluttransfusionen und die Verweigerung des Militärdienstes bekannt.
Die Jehovas leiten ihren Glauben einzig von ihrem Verständnis der Bibel ab. Ihre Interpretation der Bibel weicht dabei aber in vielen Punkten von denjenigen ab, die in den meisten anderen christlichen Glaubensgemeinschaften zu finden sind. 3(vgl. S.709-711 Metzler Handbuch der Religionen, Verlag J.B. Metzler Stuttgart Weimar, Februar 2005) Die Zeugen haben einen weit größeren Einfluss auf die Gesamtbevölkerung, als es zunächst den Anschein haben könnte. In manchen Ländern sind sie als Religion ebenso bedeutend wie die Katholische Kirche, die Baptisten oder die Lutheraner. Darüber hinaus deutet manches darauf hin, dass es heute erheblich mehr ehemalige als aktive Zeugen Jehovas gibt. Viele davon haben die Gemeinschaft zwar verlassen, halten aber an Ansichten und Bräuchen der
Zeugen fest. 4 (Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kids-lev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006))
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2a,b) Die Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas
Angebetet wird der allmächtige Gott JEHOVA. Er ist ein unsichtbarer Geist, der unabhängig von den Menschen lebt, dennoch persönliches Interesse an jedem einzelnen Menschen auf der Erde zeigt. Die Trinitätslehre lehnen die Zeugen Jehovas strikt ab. Die Mitglieder der Vereinigung sind davon überzeugt, dass die Endzeit bereits angebrochen ist. Christus habe 1914 den himmlischen Thron bestiegen und seine Herrschaft über die Erde angetreten. Schon mehrmals berechneten die Zeugen Jehovas den Zeitpunkt des letzen Gerichts, des Harmagedons, welches sie erwarten – nie trat dieses bisher ein. Die treuen Zeugen Jehovas glauben, dass sie dieses Endgericht überdauern und in einem tausendjährigen Paradies leben werden. Dagegen werden alle die, welche sich des Lebens nicht würdig erwiesen haben, in einem Feuer- und Schwefelsee vernichtet werden. Ausgangspunkt ist in ihrer Weltsicht der Hauptwidersacher Gottes - Satan (ein abgefallener Engel). Er versucht die Menschen zu verführen. Da Satan seinen schlechten Einfluss geltend mache, gebe es auf der Erde zurzeit so viel Leid und Ungerechtigkeit, erklären die Zeugen Jehovas, auf die Frage, warum ein allmächtiger, guter Gott so viel Leid auf der Welt zulassen könne. Die Zeugen Jehovas sind der Auffassung, dass die Tatsache ein Mitglied der Gemeinschaft zu sein, kein Freibrief für das Überleben des Harmagedons (Endgericht) sei. Für sie zählt die Handlungsweise der einzelnen Person. Letztendlich gehe es darum, die uneingeschränkte Autorität Gottes über den Menschen zu akzeptieren, sich zu beugen und dementsprechend zu leben.
Die Gemeinschaftsmitglieder beschreiben sich selbst als Menschen, wie alle anderen. Sie geben zu Probleme wie jeder andere zu haben und Fehler zu machen, wie jeder andere. Sie selbst seien weder vollkommen noch unfehlbar.
Was sie aber von ihren Mitmenschen unterscheide ist – nach deren Angaben – die Tatsache, dass sie sich Gott hingegeben haben, um seinen Willen zu tun, und sie bemühen sich dementsprechend zu leben. Bei allem, was sie tun, suchen sie die Anleitung des Wort Gottes. Zeugen Jehovas glauben, dass alle religiösen Lehren anhand der inspirierten Schriften geprüft werden sollten. Die religiöse Gemeinschaft stützt sich dabei auf beide Teile der Bibel (Altes wie Neues Testament), und nimmt diese stets wörtlich. 5(vgl. S.18 und S.19 Was lehrt die Bibel wirklich?, Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft der Zeugen Jehovas e.V., Selters/Taunus) Zeugen Jehovas bleiben in der Regel unter sich. Ihr Leben, ihr Alltag sind auf die Verkündigung ihrer Lehre ausgerichtet. Beim so genannten Predigerdienst stehen sie an Plätzen und in Fußgängerzonen, um ihre Zeitschriften – den Wachtturm, Erwachet! etc. –
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abzugeben. Auch gehen sie von Tür zu Tür, um zu missionieren. Ihre Hauptzeitschrift - der Wachtturm - gilt als Sprachrohr Gottes, durch welches Jehova zu seinem Volk spricht. Die Gemeinschaft betreibt eine umfangreiche Verlegertätigkeit und veröffentlicht Bücher und Flugschriften in vielen Sprachen. Der „Wachtturm“, erscheint in über 130 Sprachen, die
Zeitschrift „Erwachet!“ in 83 Sprachen. 6 (vgl. S 709-711 Metzler Handbuch der Religionen, Verlag J.B. Metzler Stuttgart – Weimar, Februar 2005)
2c) Grundregeln der Zeugen Jehovas und deren gewöhnlicher Alltag
Das Alltagsleben der Zeugen Jehovas, wird vorwiegend durch die religiöse Gemeinschaft bestimmt. Ihre persönlichen Entscheidungen, das Leben innerhalb der Familie und auch ihr Verhalten gegenüber Außenstehenden sind durch die strengen Vorschriften der Watch Tower Association geregelt. Die Zeugen Jehovas lehnen die meisten traditionellen Feste ab, da sie ihrer Meinung nach heidnischem Ursprungs sind. Die Zugehörigkeit zu politischen Parteien wird abgelehnt, ebenso die Mitarbeit in Vereinen, welche ideologische oder ideelle Zwecke verfolgen. 7 (Das Brockhaus der Religionen, Brockhaus GmbH, Leipzig – Mannheim 2004) Jeder, der sich für ein Leben bei den Zeugen Jehovas entscheidet, wird automatisch zum Verkündiger. Das bedeutet, dass es für ihn zur Pflicht wird, Versammlungen zu besuchen, Literatur der Gemeinschaft zu lesen und vor allem sich am Predigtdienst zu beteiligen. Die Versammlungsstätten der Zeugen Jehovas werden Königreichssäle genannt und sind meist zweckmäßig für 60 bis 200 Personen eingerichtet. Es fehlen jegliche religiöse Symbole wie Altar, Kreuze oder Heiligenbilder. Wöchentlich finden normalerweise fünf Zusammenkünfte statt, die insgesamt fast fünf Stunden dauern (Versammlungsbuchstudium, Theokratische Predigtdienstschule, Zusammenkunft, Zusammenkunft für die Öffentlichkeit und das Wachtturm-Studium). Durch diesen Zeitaufwand bleibt wenig Zeit für sonstige private Beschäftigungen und Hobbys. Dies ist durchaus so beabsichtigt. Die ständige Beschäftigung mit der eigenen Religion führt schrittweise zur vollkommenen Übernahme der Standpunkte durch die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft.
Vielfach sind einzelne Zeugen nicht in der Lage, sich gegenüber Außenstehenden anzupassen, können dies aber innerhalb der Gemeinschaft recht gut. Ihre Loyalität gehört voll und ganz der Wachtturm-Gemeinschaft, und deshalb können sie sich keiner anderen Autorität anpassen, auch nicht rein äußerlich.
Die Loyalität der Zeugen geht so weit, dass es ihnen sogar schwer fällt, überhaupt enge Freundschaften in ihren eigenen Reihen zu schließen. Und da die Loyalität gegenüber der Wachtturm-Organisation bei den meisten höher steht, als die gegenüber ihren Glaubensbrüdern, kommt es durchaus vor, dass sie die Schwächen ihrer "Freunde" den
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Ältesten der Gemeinschaft melden. Das kann dann zu Verlust von "Vorrechten" in der Gemeinde und zu Geschwätz führen, man wird von den anderen gemieden oder sogar
ausgeschlossen. 8(Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kids-lev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006)) Jeder Zeuge Jehovas sollte, mit anderen Menschen über seinen Glauben sprechen. Über seine geleistete Arbeit fertigt er jeden Monat einen so genannten Predigtdienstbericht an, den er an den Sekretär der Versammlung weiter gibt.
Im Allgemeinen halten sich die Anhänger der Zeugen Jehovas an die staatlichen Gesetze. Es kann aber durchaus zu Konflikten zwischen Staat und den Glaubensüberzeugungen der Zeugen Jehovas kommen. Sie sind besonders dafür bekannt geworden, strikt den Militärdienst zu verweigern. Auch lehnen sie alle Handlungen ab, die ihrer Meinung nach der Verehrung des Staates oder seiner Repräsentanten gleich kommen. Da ihnen meist der Kontakt zu Außenstehenden fehlt, besteht keine Möglichkeit zum kritischen Gespräch über Glaubensansichten oder Lebenseinstellungen. Und innerhalb der Zeugen Jehovas dürfen heikle Themen über die Organisation nicht angeschnitten werden. 9 (vgl.S.54-70 Organisiert, unseren Dienst durchzuführen, Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft der Zeugen Jehovas e.V., Wiesbaden 1983) Ihre Sicht der Welt wird von einem Ichideal verzerrt. Um wirkungsvoll im Leben zurechtzukommen, muss man sich ein funktionierendes Weltbild aufbauen. Dieses Idealbild wirkt sich dann seinerseits auf die Lebensweise und Handlungen aus. Die Deutung, die die Zeugen Jehovas der Wirklichkeit geben, wird dadurch verstärkt, dass sie sich gegen soziale Kontakte mit Personen außerhalb der Wachtturm-Organisation aussprechen und dafür zum Umgang mit anderen Zeugen ermuntern. So halten sie fast ausschließlich an einer einzigen Sichtweise fest, der der Wachtturm-Gesellschaft. Alle Fakten, die dieser widersprechen, werden als Teil der "Welt Satans" zurückgewiesen und sind daher wertlos. 10 (Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kids-lev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006)) Wie bereits erwähnt, werden an die Mitglieder der Gemeinschaft hohe Anforderungen gestellt. Die Beschäftigung mit ihrem Glauben, ihre zu erbringenden Dienste und der „religiöse Unterricht“ erlauben es einem Zeugen Jehovas kaum Lebensziele außerhalb der Gemeinschaft zu entwickeln. Da die Erfüllung der Pflichten, aber nicht nur zu den Regeln der Organisation zählt, sondern auch als ein Maß für die Treue und Liebe gegenüber Gott gilt, ist jeder Zeuge Jehova einem enormen psychischen Druck ausgesetzt. Die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft, aber auch die Ältesten, lassen keinerlei Entschuldigung gelten, wenn man seinen Pflichten nicht in genügendem Maße nachkommt. Das Leben jedes einzelnen hängt sozusagen davon ab, wie viel Zeit er für die Vereinigung, und deren Lehre opfert. So heißt es in einer Schrift der Zeugen Jehovas: „ Nur die Verkündiger des
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Königreichs Gottes können erwarten in der Zeit des Endes dieser Welt beschützt zu werden.“ Diese Aussagen bewirken, dass viele eine große Angst vor dem eigenen Versagen und damit vor der Vernichtung haben. Der andauernde Druck lässt es kaum zu zwischendurch einmal zu verschnaufen und nachzudenken. Das ständige Antreiben der Mitglieder untereinander, bewirkt zu dem, dass Angehörige der Vereinigung häufig mehr von sich abverlangen, als gut für sie ist. Das Leben eines Zeugen Jehovas muss sich dem Dienst des Predigens und der Mission unterordnen. Um dies zu veranschaulichen, eine Strophe aus einem Lied der Zeugen Jehovas:
„Predigen bringt uns Frieden und Glück, führt uns zum Leben auch zurück.“ 11( vgl. S.15 HAACK
Friedrich-Wilhelm: Jehovas Zeugen, Münchener Reihe, Evangelischer Presseverband für Bayern, 15. Auflage, München, 1993 )
3a) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – dem Druck
standhalten
Grundsätzlich: Wer sich vollkommen der Sache der Zeugen Jehovas verschreibt, hat mehr zu verlieren, wenn er die Entdeckung macht, dass bei der Organisation nicht alles zum Besten bestellt ist. Engagierte Zeugen werden also stärkere innere Konflikte erleben, denn sie haben viel investiert und entsprechend auch mehr zu verlieren, wenn sich herausstellt, dass ihre Befürchtungen, die Zeugen könnten falsch liegen, sich bewahrheiten. Wer sich weniger stark eingesetzt hat, wird weniger Probleme haben, wenn er diese Entdeckung macht. 12(Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kids-lev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006)) Ein Zeuge Jehova kann nun in sofern in einen Konflikt geraten, als dass er stets den Regeln und Vorschriften der Vereinigung gerecht werden will, egal welche persönlichen Opfer er dafür erbringen muss. Er wird seine ganze Kraft für die Gemeinschaft und den Dienst an ihr aufbringen. Es kommt nun noch ein weiterer Druck hinzu, der auf den meisten Gläubigen lastet: Die ständige Angst im Hinterkopf, nicht gut genug zu sein, und nicht genügend zu leisten, um zu den Auserwählten zu gehören, die das große Harmagedon überleben werden. Die Mitglieder ringen sich immer noch eine Stunde der Mission und eine Stunde des Unterrichts mehr ab, um stets besser zu werden. Man strebt nach einer Perfektion, die niemals zu einem Ende führt, die sich immer noch steigern lässt. Dem eigenen körperlichen, seelischen und psychischen Zustand wird dabei kaum Beachtung geschenkt. 13 ( vgl. S.138
BAYERL Marion: Die Zeugen Jehovas, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2000, Geist und Wort Schriftenreihe der Professur für christliche Spiritualität und Homiletik Hrsg. Prof. Dr. Erwin Möde)
Die Vorstellung, dass alle Mitglieder der Vereinigung, für einen Fehler, den ein einzelnes Mitglied begangen hat, leiden müssen, trägt auch dazu bei, dass ein Zeuge Jehovas ständig den Drang zur Perfektion verspürt. Der Glaube, die ganze Versammlung könne "den Geist
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Gottes verlieren", wenn ein einzelnes Mitglied eines der Gebote ungestraft übertritt, kann sich unter den Zeugen Jehovas verheerend auswirken, besonders wenn jemand nur ein sehr schwaches Selbstbewusstsein besitzt. 14 (Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kidslev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006))
Durch eine meist streng autoritäre Erziehung werden zahlreiche Zeugen Jehovas von klein auf dazu angehalten, feindselige Gefühle zu unterdrücken oder zu umzulenken. Wer seine Gefühle auslebt, wird üblicherweise streng zurechtgewiesen und damit gezwungen, die feindseligen Regungen nach innen zu richten. Die Folge sind Depressionen oder sogar verschleierte Aggressionen. Da die Wachtturm-Organisation ihren Mitgliedern nur wenige Möglichkeiten lässt, über deren Aggressionen zu sprechen und mit ihnen umzugehen, werden sie meist nach innen gelenkt und rufen dann unter anderem Depressionen, Schuldgefühle und Nervosität sowie diverse körperliche Beschwerden hervor. Wer sich niemandem ungefährdet anvertrauen kann, behält seine Gefühle für sich, und das verstärkt häufig die Depressionen und kann sogar zu aggressivem Verhalten führen, nicht selten auch zum Einsatz körperlicher Gewalt. Man kann gar nicht ausreichend hervorheben, wie schwer es für die Zeugen ist, all die Vorschriften einzuhalten und auch immer auf dem neuesten Stand zu sein. Werden nicht alle Verbote beachtet, entsteht automatisch ein Schuldgefühl, das nach außen als Aggression sichtbar wird, und zwar in Form von offenen Konflikten entweder in den Reihen der Zeugen Jehovas selbst oder mit Außenstehenden. Wendet sich die Aggression aber nach innen, sind Depression, Nervosität und sogar Selbstmord die Folge, besonders wenn der Betreffende wegen seiner Schuld von den anderen verstoßen wird. Der starke Konformitätsdruck wirkt sich ebenso auf Angelegenheiten aus, die eigentlich offiziell der Gewissensentscheidung des einzelnen überlassen sind. Die vielen Probleme, die es im Lehrgebäude der Zeugen Jehovas gibt, sorgen dafür, dass es unweigerlich zu Konflikten kommt. 15 (Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas http://www.kids-lev.com/presse/bergmann.htm (10.07.2006))
3b) Konflikte, die im Leben eines Zeugen Jehovas auftreten können – Isolation von
der „Alten Welt“
Das strikte Eingebundensein in die Gemeinschaft und deren Dienste bringen Isolation und Abgrenzung von dem „ehemaligen bzw. früheren“ Umfeld eines neuen Mitgliedes mit sich. Zeugen Jehovas bleiben meist unter sich und meiden Andersgläubige, da sie sich für „etwas Besseres“ halten. Sie leben in der Wahrheit und zählen zu den Auserwählten Gottes. Die Isolation der neuen Gläubigen geschieht meist nicht nur durch deren eigenen Willen, sondern ist auch eine Folge ihres neuen Lebensstils und ihrer Überzeugungen. Diese These kurz erläutert:
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Arbeit zitieren:
Lydia Haltenberger, 2005, Zeugen Jehovas, München, GRIN Verlag GmbH
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