1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Begriff der kulturellen Identität. 2
2.1. Die kulturelle Identität Japans. 3
2.2. Kulturelle Identität und Medien 6
3. Die politische Fernsehberichterstattung in Japan. 8
4. Zusammenfassung und Fazit. 13
Literatur : 15
2
1. Einleitung
Die politische Berichterstattung in Japan wird in der Literatur unter dem Schlagwort der „Video-Legitimation“ oft als Instrument des Staates interpretiert, deren Aufgabe sich im Geiste konfuzianistisch geprägter Loyalität darin erschöpft, den Staat als funktionierenden Beamtenapparat darzustellen. 1 Die isolierte Lage des Landes und die Betonung der eigenen kulturellen Identität verstärken einen solchen Verdacht und angesichts der Verbreitung des Fernsehens in der Bevölkerung 2 gerät besonders die japanische Fernsehberichterstattung ins Blickfeld. Doch was ist das besondere an der japanischen Berichterstattung?
Kann man die Medien als ein Instrument verstehen, dessen sich eine Kultur bedient oder sind die Medien eine Macht, die die Kultur formt?
Um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, die sicherlich zwischen diesen extremen Positionen liegen muss, möchte ich im folgenden, ausgehend von grundsätzlichen Überlegungen zum Kulturbegriff und zur kulturellen Identität Japans, Zusammenhänge zwischen Medien und Kultur anhand der politischen Fernsehberichterstattung in Japan darstellen.
2. Der Begriff der kulturellen Identität
Andreas Hepp definiert in seinem Buch „Netzwerke der Medien: Medienkultur und Globalisierung“ die Kultur als „Summe der verschiedenen Klassifikationssysteme und diskursiver Formationen, auf die Kommunikation Bezug nimmt, um Dingen Bedeutung zu verleihen.“ 3 . Kultur wird damit nicht auf ein Territorium oder eine Sprachgemeinschaft begrenzt, sondern verstanden als etwas, das die „alltägliche Bedeutungsproduktion“ 4 strukturiert und in den Köpfen der Menschen existiert. Somit ist „Kultur“ auch zu unterscheiden von den „materiellen Kulturmanifestationen“ 5 , die oftmals auf ein Territorium beschränkt sind und ihre Bedeutung erst dadurch erhalten, dass Menschen in ihrer Kommunikation sich auf diese beziehen. Auch Pavel Donec scheint einen solchen Kulturbegriff zu favorisieren, indem er behauptet: „Kultur […] besteht nicht aus Gegenständen, Menschen, Verhaltensweisen oder Gefühlen, vielmehr ist sie die Organisation
1 Vgl. dazu Krauss, 2000, S. 120f.
2 Vgl. Plitsch-Kußmaul, 1995, S. 199ff.
3 Hepp, 2004, S. 174
4 Ebd.
5 Ebd., S. 173
3
dieser Dinge, die die Menschen in ihren Köpfen haben, ihre Modelle, wie sie wahrnehmen, in Beziehung zueinander setzen oder anderweitig interpretieren.“ 6 Beide Autoren gehen also von einer Gemeinschaft von Menschen aus, deren alltägliche Kommunikation und Interaktion bestimmte Muster aufweist und es gilt nun, solche Muster zu erkennen und zu beschreiben. Ausgehend von einem ähnlichen Kulturbegriff 7 versucht beispielsweise der japanische Autor Y. Nakanishi in einer Untersuchung über die japanische Fernsehwerbung (auf die ich später zurückkommen werde), solche Muster kategorial zu erfassen und von anderen Kulturen abzugrenzen. Er kommt dabei zu dem Schluss: „Instead of focussing on static, structural features of culture that might influence communication, the cultural processes by which these structures are created should be examined.“ 8 Es kommt also vor allem darauf an, sich klar zu machen, dass Kultur immer wieder neu geschaffen wird. Man kann sich deswegen nicht darauf beschränken, zu untersuchen, wie feste Traditionen und Werte die heutige Gesellschaft prägen, sondern muss versuchen, bestimmte kulturspezifische Muster im Handeln und Kommunizieren zu erkennen, die sich eventuell in einem zweiten Schritt mit bestimmten Traditionen in Verbindung bringen lassen. Es ist dennoch sinnvoll, zuerst mit einer Beschreibung der kulturellen Identität Japans zu beginnen, bevor man untersucht, inwieweit Medien die alltäglichen Verhaltensmuster prägen oder, andersherum, solche Verhaltensmuster den Umgang mit den Medien bestimmen.
2.1. Die kulturelle Identität Japans
Ich möchte im folgenden einige Aspekte der japanischen Kultur beleuchten, die für die weitere Untersuchung relevant sind.
Zunächst unterscheidet sich das kulturelle Selbstverständnis einer Nation von dem Kulturbegriff, wie er weiter oben beschrieben ist. Um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu gewährleisten wird die nationale auch als eine kulturelle Gemeinschaft verstanden, die durch gemeinsame Abstammung und Traditionen bestimmt wird 9 . So werden im Laufe der Geschichte bestimmte Geistesströmungen, Religionen und Kulte im Sinne einer Staatsideologie umgedeutet und deren historischer Ursprung geleugnet. 10 In Japan gilt beispielsweise der Kaiser Jimmu als erster japanischer Kaiser, der von der Sonnengöttin
6 Donec, 2002, S. 31f.
7 Er verwendet folgende Definition von Kroeber&Kluckholm: „culture consists of patterns, eplicit or implicit, of
and for behaviour acquired and transmitted by symbols.“; Donahue, 2002, S.401
8 Ebd.
9 Vgl. Hepp, 2004, S.173: A.Hepp spricht in diesem Zusammenhang von „Territorialisierung“ und
„Stabilisierung“ von Kultur
10 Noch in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg wurden archäologische Forschung zum Ursprung der japanischen
Kultur verboten; Colcutt/Jansen/Kumakura, 1997, S. 32
4
Amatatseru abstammt und noch in direkter Verwandtschaft mit dem heutigen „Tenno“ (Kaiser) steht. Der Shintoismus, der dieser Vorstellung einer göttlichen Abstammung zugrunde liegt, kann tatsächlich als Volksreligion verstanden werden 11 und auch heute noch spielt der rituelle Gang zum so genannten Shinto-Schrein, einer bestimmten Naturkräften oder Personen gewidmeten Gebetsstätte, eine bedeutende Rolle im politischen Leben. 12 Für die nationale Bedeutung ist dabei unerheblich, dass der Shintoismus als relativ flexibles Glaubenssystem sich im Laufe der Geschichte mit Elementen des Buddhismus gemischt hat 13 , welcher aus Indien über China und Korea nach Japan eingewandert ist. Insgesamt lassen sich viele solcher von außen kommenden Einflüsse auf die japanische Kultur feststellen, besonders aus China, das lange Zeit als Vorbild galt 14 und durch den Konfuzianismus, einer chinesischen Moral-und Staatsphilosophie, die politische Ordnung Japans prägte. Vor allem die „Verfassung in 17 Artikeln“ („Nihon soki“) aus dem Jahre 604, die zur Zeit des japanischen Kronprinzen Shokutu Taishi einer zentralistischen Beamtenbürokratie zugrunde gelegt wurde, ist deutlich vom Konufzianismus inspiriert. Betont wird in dieser Verfassung die Bedeutung der Loyalität zwischen Untertan, Kaiser und Beamten. So müssen die „oben stehenden auf Harmonie bedacht und die unten Stehenden guten Willens [sein]“ 15 , um ein reibungsloses Funktionieren des Staatsapparates zu gewährleisten. Ein solches Funktionieren des Staates zeigt sich vor allem in der „formvollendeten Sitte“ und verlangt von den Ministern und Beamten, sich loyal gegenüber dem Vorgesetzten zu verhalten und sich zum Wohl des „öffentlichen allgemeinen Interesses“ von privaten Interessen abzuwenden. Dies ist nicht mit blindem Gehorsam gleichzusetzen 16 . Vielmehr wird verlangt, dass „wichtige Angelegenheiten […] nicht durch einen einzelnen entschieden werden“, sondern „unbedingt von mehreren erörtert werden“ 17 müssen.
Dennoch hat gerade die Forderung nach Harmonie und Loyalität, die bis heute Arbeitsethos und Lebensprinzipien der Japaner bestimmen 18 , dazu geführt, dass sich in Japan nur schwach eine mit der westlichen vergleichbare, politische Streitkultur herausgebildet hat: „Der
11 Vgl. hierzu: Schinzinger, 1983, S. 16f.
12 Erst vor kurzem (18.10.05) demonstrierte der japanische Ministerpräsident mit seinem Gang zum Yasukuni-
Schrein (Kriegsschrein) politisches Selbstbewusstsein gegenüber China und Korea
13 Schinzinger, 1983, S.16f.
14 China prägte sowohl die Grundzüge der japanische Sprache, als auch Kunst, Architektur, Münzhandel und
Ackerbautechniken; Colcutt/Jansen/Kumakura, 1997, S. 49/53
15 Paul, 1993, S. 198
16 Ebd., S. 202
17 Ebd., S. 198f.
18 Kawashima spricht vom konfuzianistisch inspirierten Prinzip des Familismus, wobei jedes Machtverhältnis
durch eine auf Harmonie bedachte Unterordnung gekennzeichnet ist; Kawashima, 1983, S.24,38
Arbeit zitieren:
Daniel Kock, 2005, Kulturelle Identität und Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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