1 Einleitung
In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema der menschlichen Spracherwerbsprozesse und mein Ziel ist die Klärung der Frage, wie der Mensch genau zur Sprache kommt. Bevor ich auf die konkreten Spracherwerbsprozesse eingehe, werde ich im zweiten Kapitel erst einmal klären, was Sprache genau ist und was sie ausmacht. Zum Einstieg gebe ich hier schon einmal eine kurze Definition von Sprache. Laut dem Sprachwissenschaftler Noam Chomsky ist „Sprache das wichtigste Medium der zwischenmenschlichen Kommunikation, gleichzeitig aber auch eine der kompliziertesten Fähigkeiten des Menschen“. 1 Desweiteren werde ich in diesem Kapitel auf die Unterschiede zwischen Körpersprache, Lautsprache und Schriftsprache eingehen.
Im dritten Kapitel komme ich dann zum Kern meiner Hausarbeit, dem Spracherwerb. Zuerst werde ich mich mit zwei Theorien auseinandersetzen, der Theorien der Induktion, Generalisierung und Erprobung und der Theorie der angeborenen Universalgrammatik. Daran anschließend werde ich vier weitere theoretische Erklärungsversuche anführen, den Behaviorismus, den Nativismus, den Kognitivismus und den Interaktionismus. Gegen Ende des dritten Kapitels werde ich mich dann mit den konkreten Entwicklungsphasen des Spracherwerbs beim Kind auseinandersetzen.
Im vierten Kapitel werde ich auf die Unterscheidung zwischen Erstsprache (Muttersprache) und Zweitsprache eingehen. Unter der Erstsprache versteht man die erste Sprache, die ein Mensch erwirbt und unter der Zweitsprache, jede Sprache, die nach der Erstsprache erlernt wird. 2
Im fünften Kapitel folgt dann der Schluss, in dem ich meine Forschungsergebnisse noch einmal zusammenfassen und ein abschließendes Fazit ziehen werde, und als letztes das Literaturverzeichnis.
1 Chomsky, zitiert nach Günther 2007, S.31
2 vgl. Günther 2007, S. 56-57
2
2 Sprache
2.1 Definition Sprache
In diesem Kapitel geht es um das Thema der Sprache, da es meiner Meinung nach unerlässlich ist, erst einmal zu klären, was Sprache ist und was sie ausmacht, bevor dann im dritten Kapitel auf den konkreten Spracherwerb eingegangen werden kann. In der Sprachwissenschaft versteht man unter Sprache das Inventar an Wörtern, das einem Menschen zur Verfügung steht (Wortschatz) und die Regeln für die Kombination der Wörter in einem Satz (Grammatik). 3 In der Realität ist Sprache aber mehr als Wortschatz und Grammatik. „Sprache ist das wichtigste und ausschließlich spezifisch menschliche Kommunikationsmittel, das einerseits dem Austausch von Informationen dient und andererseits kognitive sowie affektive Funktionen erfüllt“. 4 Außerdem ist die Sprache, die wir als Erstsprache erwerben, Träger unserer Gedanken, unserer Fantasie, unserer Emotionen, unserer Werte und Normen und unserer Kultur. 5
Sprache wird meistens mit Sprechen in Verbindung gebracht, also der sogenannten Lautsprache. Das hat verschiedene Gründe. Erstens folgt historisch gesehen die Entwicklung der Schrift auf die Entstehung der gesprochenen Sprache, zweitens überwiegt rein quantitativ die mündliche Kommunikation vor der schriftlichen und drittens ist der mündliche Gebrauch der Sprache nicht an die Beherrschung von Lesen und Schreiben gebunden. 6 Es gibt aber auch noch zwei andere Arten von Sprache, die Körpersprachen und die Schriftsprache. Auf die genaue Unterscheidung wird im Folgenden eingegangen.
2.2 Unterscheidung Körpersprache, Lautsprache, Schriftsprache
2.2.1 Körpersprache
Die Körpersprache ist die älteste menschliche Form der Kommunikation. Sie steht seit Jahr-hunderten im Fokus des Interesses, aber noch immer gibt es keine Einigung darüber, ob sie dem Menschen angeboren ist oder er sie im Laufe der Sozialisation erwirbt.
3 ders. S. 31
4 Günther 2007, S. 31
5 vgl. Günther 2007, S.37
6 vgl. Microsoft Encarta 1999
3
Man kann die Körpersprache in zwei verschiedene Kanäle unterteilen, den visuellen Kanal und den auditiven Kanal. Unter dem visuellen Kanal versteht man einerseits die Körperhaltung, Gestik und Mimik eines Menschen und andererseits Dinge wie Kleidung oder Frisur. Unter dem auditiven Kanal versteht man dagegen die Stimmlage, den Rhythmus und die Sprechgeschwindigkeit eines Menschen. 7 Anhand dieser Aufteilung fällt es leichter zu beurteilen, ob die Körpersprache nun angeboren oder ein Resultat des Sozialisationsprozesses ist. Meiner Meinung nach sind dem Menschen bestimmte Dinge angeboren, wie Körperhaltung, Gestik und Mimik, Stimmlage und Sprechgeschwindigkeit. Mit einem entsprechenden Training sind natürlich auch diese Dinge innerhalb bestimmter Grenzen erlernbar und veränderbar. Andere Aspekte, wie Kleidung und Frisur sind ganz klar eine Folge des Sozialisationsprozesses, da diese beliebig verändert werden können und auch Mittel sind, die bewusst eingesetzt werden können, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Wie wichtig die Körpersprache für die menschliche Kommunikation ist, verdeutlicht das folgende Zitat: „Die Körpersprache arbeitet mit Zeichen, die ausschließlich mit dem Körper produziert werden. Während die Lautsprache verbal ausgerichtet ist, wird die Körpersprache durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt: Blickkontakt, Mimik, Körperhaltung, Ausstrahlung und Kleidung. Der ganze Mensch ist beteiligt und der Körper vermittelt Botschaften. [...] in einem Gespräch [wird] über die Hälfte an Informationen über die Körpersprache aufgenommen“. 8
2.2.2 Lautsprache
Die Lautsprache ist das wichtigste Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation und ist für die Herstellung der Kontakte und Beziehungen der Menschen untereinander, unerlässlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Die Lautsprache ist als eine allgemeine menschliche Fähigkeit, als ein soziales System von festgelegten Zeichen der jeweiligen Muttersprache und als eine besondere Form des menschlichen Handelns zu verstehen.
Die Lautsprache gibt es noch nicht ganz so lange wie die Körpersprache, aber schon die Vorfahren der Neandertaler verfügten über eine Art von Lautsprache, die allerdings noch nicht so differenziert und umfangreich war wie unsere heutige Sprache. 9
7 vgl. Günther 2007, S. 39
8 ders. S. 39-40
9 vgl. Günther 2007, S. 41
4
2.2.3 Schriftsprache
Sowohl die Körpersprache, als auch die Lautsprache sind in bestimmter Hinsicht begrenzt, zum einen zeitlich auf den Moment der Produktion und zum anderen räumlich aufgrund der ausschließlichen Verwendung bei lokaler Nähe von Sprecher und Hörer. 10 Die Lösung für dieses Problem ist die Schriftsprache. Anhand der Schriftsprache lassen sich Äußerungen und Texte über den Moment der Produktion hinweg festhalten und außerdem über Distanzen hinweg an einen größeren Adressantenkreis verteilen. Dabei werden sprachliche Informationen von der akustischen Ebene in die visuelle Ebene übertragen.
Die Schriftsprache ist die jüngste der drei Arten von Sprache und entstand erst in der letzten Phase der Menschheitsentwicklung.
3 Spracherwerb
3.1 Spracherwerb und Universalgrammatik
Spracherwerb lässt sich definieren als Vorgang des Erlernens einer Sprache. Es ist zu unterscheiden zwischen Erstspracherwerb (Erwerb der Muttersprache) und Zweitspracherwerb. 11 Genaueres dazu folgt im vierten Kapitel.
Man kann grob davon ausgehen, dass der Spracherwerb eines Kindes sich in drei Schritten vollzieht, der Induktion, der Generalisierung und der Erprobung. Induktion bedeutet, dass das Kind aus der Sprache die es hört, nicht nur Wörter, sondern auch grammatische Regelhaftigkeiten entnimmt. Bei der Generalisierung dehnt es diese Regeln auf alle gleichartigen Fälle aus, bildet sich also Hypothesen und bei der Erprobung testet das Kind diese Hypothesen, indem es selber Sätze nach den betreffenden Regeln hervorbringt. 12 Wenn ein Kind beispielsweise weiß, dass das Plural von Maus, Mäuse ist und er daraufhin von einem Erwachsenen gefragt wird, was denn das Plural von Haus ist, wird das Kind die ihm bekannte Hypothese anwenden und antworten, dass das Plural von Haus, Häuse ist. Wenn der Erwachsene ihn jetzt darauf hinweist, dass seine Hypothese im Fall von Maus zutrifft, im Fall von Haus jedoch nicht, wird das Kind daraufhin eine weitere Hypothese bilden. So tastet sich das Kind Hypothese für Hypothese vorwärts.
10 ders. S. 42
11 vgl. Microsoft Encarta 1999
12 vgl. Zimmer 1986, S. 12-13
5
Arbeit zitieren:
Mira Kremer, 2009, Wie kommt der Mensch zur Sprache - Über Spracherwerbsprozesse, München, GRIN Verlag GmbH
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