1. Einleitung
Das deutsche Reich war in der Epoche der Frühen Neuzeit vor allem durch seine Struktur der so genannten Kleinstaaterei geprägt. Das heißt das Land war in zwischen dem 15. bis 18. Jahrhundert in viele verschiedene Territorien aufgegliedert. Durch diese Einteilung kam es im Reich immer wieder zu Erbfällen, in welchen ein Territorium ein anderes Gebiet aus genealogischen Gründen hinzugewann oder auch Kriegen, in denen Gebietsansprüche aber auch die vorwiegende Rolle spielten.
In der nachfolgenden Ausarbeitung möchte ich mein Augenmerk im Speziellen auf zwei Territorien, Kurpfalz und Kurbayern, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts richten. Hierbei habe ich mir als Hauptpunkt den Sulzbacher Karl Theodor herausgegriffen, da ich denke, dass dieser eine sehr bedeutsame Position einnahm. Durch Untersuchungen wird man sich erst bewusst, dass Karl Theodor schon als Kind Verantwortung trug und diese auch für seine zukünftige Regierungszeit benötigte. Aufgrund von familiären Zufällen kam es nämlich zu der Besonderheit, dass Karl Theodor Kurfürst von zwei Territorien zur gleichen Zeit wurde, wie schon oben erwähnt, von Bayern und der Pfalz.
Bevor ich direkt auf Karl Theodor eingehe, werde ich im nächsten Punkt zuerst einmal die Ausgangslage in den beiden Territorien beschreiben, das heißt ich nenne die Vorgänger des Kurfürsten, erwähne Gebiete, welche für die Herrschaftszeit Karl Theodors von Bedeutung sind und erläutere kurz die Zusammenhänge zwischen den Erblinien. Im dritten Punkt werde ich dann mit der Kindheit Karl Theodors bis zu seinen Regierungsanfängen beginnen. Anschließend werde ich mit der Zeit fortsetzen, in welcher er als Kurfürst der Pfalz tätig war. Diesem Punkt habe ich zwei Unterpunkte gegeben, einmal werde ich auf seine Leistungen eingehen, die er für sein Gebiet erbracht hat und zum anderen werde ich seine private Situation genauer erläutern. Im fünften Gliederungspunkt beschäftige ich mich mit der Phase, in der Karl Theodor parallel Kurfürst der beiden Territorien Bayern und Pfalz war. Hier habe ich zusätzlich drei Unterpunkte gewählt, in denen ich dem Ausbrechen des Bayerischen Erbfolgekrieges, wirtschaftlichen und sozialen Problemen, mit denen sich der Kurfürst auseinandersetzen musste und den Fortschritten in der Bildung und Kultur des Staatswesens auf den Grund gehen werde. Der sechste Punkt stellt einen kurzen Ausblick auf die Zeit nach Karl Theodor dar. In einer abschließenden Bemerkung werde ich in einer Zusammenfassung die eigentliche Bedeutung Karl Theodors hervorheben.
Das Ziel der Arbeit soll es sein, den eigentlichen Stellenwert Karl Theodors für die Geschichte hervorzuheben und zu zeigen, welche Leistungen dieser Herrscher vollbracht hat.
1
2. Vorgeschichte
Um das Wesen und die Regierungszeit des Kurfürsten Karl Theodors besser einordnen zu können, bedarf es vorweg noch einigen Informationen über dessen Vorgänger und die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Linien.
Dazu äußern sich Karl Bosl und H. Schreibmüller in ihrem Buch über die „Geschichte Bayerns II.- Die Neuzeit“. Die beiden Autoren betrachten in ihren Ausführungen das kurfürstliche Bayern im Rahmen der europäischen Politik. Dies begann mit dem Kurfürsten Max Emanuel, welcher ihren Aussagen nach, von 1678 bis 1726 regierte. In seiner Regierung ging es nach den Berichten der Verfasser zufolge vor allem um die Behauptung einer Hegemonialstellung gegenüber anderen großen Mächten, wie etwa Frankreich oder Österreich. Bosl und Schreibmüller schätzen Max Emanuel als einen sehr verschwenderischen Herrscher ein, der immer nach dem Vorbild des Sonnenkönigs Ludwig XIV. lebte. So kam es dazu, dass sich das Land Bayern stark verschuldete. Diese finanziellen Nöte sollten der Ansicht der Verfasser nach, noch lange Zeit für die Nachfolger Max Emanuels eine folgenreiche Rolle spielen.
Darauf folgend übernahm der Sohn Max Emanuels, Maximilian III. Joseph die Regentschaft im bayerischen Reich. Bosl und Schreibmüller schätzen ihn, im Gegensatz zu seinem Vater, als recht bescheiden ein, der jederzeit um Fortschritte im Landesinneren bemüht war. Er förderte die Kultur, usw. Aus der europäischen Mächtepolitik versuchte er sich zum größten Teil herauszuhalten. Während seiner gesamten Amtszeit war er damit beschäftigt, die Schulden seines Vorgängers auszugleichen, aber alle Nöte konnte er nicht bereinigen, so dass ein Teil Restschulden auf Karl Theodor übergingen. 1
Der pfälzische Kurfürst war in der Zeit von 1716 bis 1742 Karl III. Philipp, welcher der Linie Pfalz- Neuburg entstammte. Hierzu äußert sich Ludwig Holzfurtner in seinem Buch „Die Wittelsbacher- Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten“. Er schreibt, dass Karl III. Philipp das Zentrum der neuburgischen Länder vom Rhein in die Pfalz verlegte. Aus dessen Ehe entstammte, den Aussagen des Verfassers zufolge, eine Tochter, Elisabethe Auguste Sophie, welche im Jahre 1717 mit Josef Karl Emanuel, dem Sohn des Pfalzgrafen Theodor Eustach von Sulzbach verheiratet wurde. So war die Linie Sulzbach die nächstliegende Linie, welche auf die Erblande Karl III. Philipp Ansprüche hatte. 2 „Da Elisabethe Auguste jedoch wieder
1 Vgl. Bosl, K.; Schreibmüller, H.: Geschichte Bayerns II- Die Neuzeit. Schnell und Steiner Verlag, München 1955, S. 39.
2 Vgl. Holzfurtner, L.: Die Wittelsbacher- Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 347 f.
2
nur drei Töchter gebar, musste die endgültige Sicherstellung auf die nachfolgende Generation verschoben werden.“ 3 Holzfurtner stellt fest, dass das Gebiet Jülich- Berg auf einen männlichen Nachfolger bestand. So kam es, seinen Aussagen zufolge, dazu, dass sich Karl III. Philipp seinen bayerischen Verwandten zuwandte und somit die Verhandlungen der wittelsbachischen Hausunion begannen. So kam es schließlich dazu, dass Karl Theodor als pfälzischer Nachfolger ernannt wurde. 4
So begann die bedeutende und umfangreiche Regierung des Kurfürsten Karl Theodors, welche einige Veränderungen mit sich brachte.
3. Kindheit Karl Theodors
In dem Buch „Das Haus Wittelsbach“ von Ludwig Hüttl erfährt man, dass Karl Theodor am 11. Dezember 1724 in den österreichischen Niederlanden auf Schloss Drogenbusch bei Brüssel zur Welt kam. Laut den Aussagen des Autors war sein Vater der Pfalzgraf Johann Christian von Sulzbach. Zur Erklärung beschreibt Hüttl Sulzbach als eine Nebenlinie des seit 1685 in der Kurpfalz regierenden Hauses Pfalzneuburg. Seine Mutter war die Herzogin Henriette Maria de La Tour d` Auvergne. Laut den Aussagen des Verfassers verstarb diese jedoch schon am 28. Juli 1728. 5 „Da Karl III. Philipp von der Pfalz keine Söhne hatte, war die Linie Pfalz- Sulzbach der nächste Erbe der pfälzischen Kurlande und des Herzogtums Pfalz-Neuburg.“ 6 Hierzu kann ich sagen, dass in einem Erbfalle immer die nächstliegende Verwandtschaft als Nachfolger auserwählt wurde. So schreibt Hüttl, dass Karl Theodor mit seinem Vater nach Mannheim, dem Sitz der Pfalz, ging, um dort in seine späteren Erblanden hineinwachsen zu können.
Der Verfasser beschreibt das Kind Karl Theodor als einen Jungen mit einer aufgeschlossenen Ausstrahlung, der jedoch wusste, welchen Situationen Anstand gebührte. Besonders bemerkt Ludwig Hüttl die herausragende Klugheit des Knaben. 7 Meiner Meinung nach, ist diese zu erwähnen, da Karl Theodor schon mit neun Jahren eine außergewöhnliche Lern- und
3 Holzfurtner, L.: Die Wittelsbacher- Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 347.
4 Vgl. Holzfurtner, L.: Die Wittelsbacher- Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 347 f.
5 Vgl. Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 292.
6 Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 292.
7 Vgl. Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 292 f.
3
Wissbegierde besaß. Des Weiteren beherrschte er die deutsche und französische Sprache fließend, in Latein und Italienisch übte er sich bereits in den Anfangsgründen. Laut den Ausarbeitungen des Autors genoss der junge Karl eine umfangreiche bildende Erziehung und auch eine Einführung in die Religion. Dies geschah durch den Ingolstädter Jesuiten Franz Seedorf. 8 „ Anschließend studierte Kral Theodor an den Universitäten zu Leyden und Löwen die geistlichen und weltlichen Rechte, das allgemeine und deutsche Staatsrecht, Finanzwissenschaften, Staatsökonomie, Staatenkunde, Diplomatie, Genealogie, Heraldik. Eine militärische Ausbildung ergänzte den Erziehungs- und Studienplan.“ 9 Meiner Ansicht nach, kann man an dieser vielfältigen Unterrichtung erkennen, dass Karl Theodor eine gute Allgemeinbildung und Fähigkeiten in allen Bereichen besaß, welche für seine spätere Regierung von brauchbarer Bedeutung waren.
Des Weiteren berichtet der Autor darüber, dass Karl Theodor schon früh mit den Regierungsgeschäften seines Vaters und die von Karl III. Philipp vertraut gemacht wurde. Detaillierter liest man im Folgenden weiter, wie sich der amtierende Pfalzgraf Karl III. Philipp bei Abwesenheit durch den jungen Karl Theodor vertreten ließ. 10 Ich denke, dies waren für den zukünftigen Pfalzgrafen gute Möglichkeiten, um sich in das Geschehen einzuarbeiten und Erfahrungen für seine späteren Handlungen zu sammeln. Ludwig Hüttl erwähnt in seinen Ausführungen weiterhin, dass Karl Theodor bereits 1741, also mit erst 17 Jahren, als volljährig erklärt wurde. 11 Danach waren seine Fähigkeiten schon sehr bald gefragt. Darüber berichtet der Autor wie folgt: „…; er übernahm die Regierung im Herzogtum Sulzbach und in der niederländischen Markgrafschaft Bergen- op- Zoom, die er von seiner früh verstorbenen Mutter ererbt hatte.“ 12 In dem Buch „Das Haus Wittelsbach“ erfährt man im Weiteren, dass Karl Theodor im darauf folgenden Jahr 1742 auch die Regierung in den Herzogtümern Jülich und Berg übernommen hat. Zu Karl Theodors Kindheit sagt Hüttl abschließend, dass Karl III. Philipp im gleichen Jahr noch starb und der junge Kurfürst letztendlich auch in der Pfalz die Regierung antrat. 13
8 Ebd. S. 293.
9 Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 293.
10 Vgl. Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 293.
11 Ebd.
12 Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 293.
13 Vgl. Hüttl, L.: Das Haus Wittelsbach- Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, S. 293.
4
Arbeit zitieren:
Annegret Busse, 2009, Die Bedeutung Karl Theodors für die Territorien Bayern und Pfalz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Parteien und Parteiensystem im Kaiserreich
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Habermas und die Studentenbewegung der 60er Jahre
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Examensarbeit, 79 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 20 Seiten
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 20 Seiten
Annegret Busse's Text Die Bedeutung Karl Theodors für die Territorien Bayern und Pfalz ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Annegret Busse hat den Text Die Bedeutung Karl Theodors für die Territorien Bayern und Pfalz veröffentlicht
Annegret Busse hat einen neuen Text hochgeladen
Quali-Trainer Deutsch - Englisch - Mathematik / Bayern. Neue Ausgabe
Hauptschule Bayern. Gesamtband...
0 Kommentare