Liam
Hopewell
[
DIE PROPSTEI-
KIRCHE BOCHUM
UND IHRE
KATASTROPHEN
]
Bisher wurde erstaunlich wenig Forschungsarbeit gegenüber
der Propstei-Kirche St. Peter und Paul Bochum geleistet. Die
meisten Untersuchungen verbleiben bei einer für die Kirche
selbst sehr oberflächlichen Betrachtung. Dabei bietet die
Geschichte dieser Kirche, welche ihre Gründung stolz auf Karl
den Großen zurückführen kann, unglaublich viele
Ansatzpunkte für eine detailierte Untersuchung. Drei große
Katastrophen sollen exemplarisch für dieses Feld einmal
vorgestellt werden und die Geschichte der Propstei-Kirche
Bochum neu beleuchten.
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Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
Einleitung
Der Pfarrgemeinde Sankt Peter und Paul Bochum kann man
sich auf den verschiedensten Wegen nähern. Immerhin ist sie
eine Pfarrei mit einer Geschichte, die weit in die
Vergangenheit reicht und ihre Gründung stolz auf Karl den
Großen zurückführen kann. Und sicherlich wird man dieser
Pfarrei nicht gerecht werden können, wenn man nur einen
Aspekt herausgreift und darstellt. Dennoch gilt es genau
diesen Versuch zu unternehmen.
Führt man in einem ersten Schritt eine Literaturrecherche
durch, um eine genaue Übersicht der bisher erarbeiteten
Thematik zu gewinnen, verwundert es ein wenig, dass das
Interesse an dieser Pfarrgemeinde im Speziellen sehr gering
gewesen sein muss. Die häufigsten Darstellungen sind vor
allem an allgemeinen Aussagen der Pfarrei interessiert und
beleuchten ihr Dasein von globalen historischen Aspekten
aus. So gibt es zum Beispiel Untersuchungen zum Verhalten
der Katholiken in Bochum zur Zeit des Kulturkampfes oder
aber Studien zur konfessionellen Ausprägung der Bürger.
Andere Arbeiten befassen sich schließlich mit der
allgemeinen Kirchengeschichte und berichten von den
Geschehnissen in grober chronologischer Abfolge, ohne
großartige Verknüpfungen herzustellen oder Rückfragen zu
stellen. Nur selten werden ganz spezielle und persönliche
Aspekte dieser Pfarrgemeinde angesprochen und dargestellt.
Alle Publikationen zusammen ergeben so jedoch ein sehr
genaues Bild von der Geschichte der Pfarrei und dem Leben
in ihr.
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Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
Die vorliegende Untersuchung möchte es sich so nun zum Ziel
machen, die bereits differenziert ausgearbeiteten Ergebnisse
zur Geschichte und Entwicklung, weiter zu vertiefen, in dem
sie einen Aspekt der Geschichte dieser Pfarrgemeinde
thematisiert, der in der Literatur meist nur beiläufig als
simples Faktum wiedergegeben wird, jedoch der Bedeutung
für die Pfarrgemeinde an sich in keinster Weise gerecht wird
dem Verlust der Kirche.
Die Katholiken Bochums kennen dabei gleich drei
schwerwiegende Ereignisse in ihrer Geschichte, durch die sie
die von Karl dem Großen gegründete Propstei-Kirche St.
Peter und Paul verloren und plötzlich ohne ein Gotteshaus da
standen und mit diesem Umstand fertig werden mussten.
Alle drei sollen hier betrachtet werden, während vor allem
das Augenmerk auf den Kirchbrand von 1920 gelegt werden
soll, da hieran sehr gut gezeigt werden kann, wie die
Reaktionen auf den Brand waren und welche Bedeutung die
Kirche für die Menschen Bochums hatte.
Generell möchte diese Untersuchung so also den Fragen
nachgehen: Welche Ereignisse oder besser gesagt
Katastrophen führten zum Verlust der Kirche? Welche
Bedeutung hatte dies für die Katholiken in Bochum? Und
darauf aufbauend: welche Bedeutung hatte die Propstei-
Kirche St. Peter und Paul somit ganz allgemein für die
Bochumer Katholiken bzw. Bürger der Stadt? Diese
Abhandlung möchte somit schlussendlich jenes Kapitel in der
Geschichte der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul näher
beleuchten, in denen das Gemeindeleben durch den Verlust
der Kirche stark getroffen wurde.
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Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
Die Quellen dieser Untersuchung bilden in erster Linie
Zeitzeugen-Berichte, welche in den Beständen des
Stadtarchivs ausfindig gemacht werden konnten, sowie
Wiedergaben in der Sekundärliteratur, welche auf
Recherchen im Kirchenarchiv beruhen. Die Arbeit selbst kann
dabei am Ende dennoch nur in Teilen ein Bild der damaligen
Situation zeichnen, da das vorliegende Material trotz alle
dem nicht sehr umfangreich ist. Sie beansprucht
entsprechend nicht eine vollständige Darstellung zu sein,
setzt sich aber zum Ziel, die Situation dennoch stichhaltig und
nachvollziehbar aufzuzeigen.
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Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
Der große Stadt-Brand von 1517
a.
Grund und Ausmaß der Katastrophe
Es war wohl der verheerendste Brand, den die Stadt Bochum
jemals erlebt hat. Im Jahre 1517 brannte ganz Bochum
nieder. Auch die Kirche St. Peter wurde nicht von den
Flammen verschont. In der Kirchenzeitung der Nachkriegszeit
Bochums ,,Kirche und Heimat" erschienen so
Archivaufzeichnungen, die die Ergebnisse sehr bildlich
wiedergeben. Es heißt dort: ,,Am Freitag vor dem 1. Mai 1517
kletterte der Rote Hahn über das Dach der ehrwürdigen
Kirche hinweg, den Turm hinauf und spie seine feurigen
Zungen über die Stadt. Die ganze Stadt war ein einziges
Feuermeer, über dem die Kirche wie eine riesige rote Fackel
leuchtete."
1
Bestätigt wird diese Aussage durch Funde im Dortmunder
Stadtarchiv, wo sich zum Brand die folgende Notiz findet: ,,Dis
jahrs am avende Marci brante Bouchum rein uet mit der
Kerken."
2
1
So zu finden bei Kühne, Peter / Grotenhermen, Klaus: Die
Propsteikirche Sankt Peter und Paul Bochum. Geschichte von Karl d.
Gr. Bis zur Gegenwart, Bochum 1994, S. 13f. [im Folgenden zitiert
als Kühne/Grotenhermen: Propsteikirche]
2
Wird entsprechend in der Festschrift des Hauses Laer zum
650jährigen Bochumer Stadtjubiläums von 1971 wiedergegeben, vgl.
Eriemeier, Hans/Fernkorn, Paul/Frielinghaus, Volker: Die Bochumer
Propsteikirche und ihre Kunstschätze. 1000 Jahre Kultur im
mittleren Ruhrrevier, in: Schriftreihen des Archivs Haus Laer in
Bochum, Bochum 1971, S. 13. [im Folgenden zitiert als Eriemeier
u.a.: Künstschätze]
6
Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
Festzuhalten bleibt so erst einmal, dass Bochum Anfang Mai
1517 alles verloren hatte und scheinbar völlig vernichtet
wurde
3
unter anderem auch die Kirche mit ihrer stolzen
Tradition. Sie ging nicht nur in ihrer Gründung auf Karl den
Großen zurück
4
und war auf diese Weise zu einer sehr
wichtigen Missionskirche im Gebiet geworden
5
, sondern war
seit nun fast einem Jahrhundert auch zu einer Wallfahrts-
Kirche erhoben worden.
6
Es gilt also nun an dieser Stelle zu fragen, wie es zu diesem
verheerenden Brand überhaupt kommen konnte. Leider sind
die Unterlagen nur sehr schwer einsehbar gewesen bzw.
konnte nicht viel in Erfahrung gebracht werden. Als
informativ stellte sich jedoch die Arbeit des Heimatforschers
Franz Darpe heraus, der um 1900 herum eine Geschichte der
Stadt Bochum veröffentlichte und nicht nur die weiter unten
wiedergebende Brandursache beschrieb, sondern auch
herausstellte, welchen Verlust die Stadt erlitten hatte, wie
3
So spricht Franz Darpe davon, dass die Bochumer alles verloren
hätten auch ihren beweglichen Besitz und am Ende der Verlust
so groß gewesen sei, dass der Wiederaufbau der Stadt fast zwei
Jahrzehnte gedauert hat, die Bochumer während dieser Zeit aber in
großer Armut lebten, da sie nicht nur alles verloren hatten, sondern
auch noch durch die Kosten des Wiederaufbaus hoch verschuldet
gewesen seien, vgl. Darpe, Franz: Geschichte der Stadt Bochum,
Band 1, Nachdruck der Originalausgabe von 1894, Bochum 1991, S.
119f. [im Folgenden zitiert als Darpe: Bochum]
4
Eriemeier, u.a.: Kunstschätze, S. 11, als auch
Kühne/Grotenhermen: Propsteikriche, S. 3f.
5
Ebd.
6
Ernennung zur Wallfahrts-Kirche 1415 durch Papst Johannes
XXIII, also einem jener Päpste, die nach dem Schisma von 1378 zu
Gegenpäpsten gewählt wurden, vgl. Kühne/Grotenhermen:
Propsteikirche, S. 11.
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Die Propstei-Kirche Bochum und ihre Katastrophen
die Bevölkerung selbst jahrelang an den Folgen litt und wie
der Aufbau der Stadt samt der Kirche wieder vorangetrieben
wurde. Dies kann hier allerdings nicht näher wiedergegeben
werden und so soll nur auf die Zeitungsartikel von 1920
eingegangen werden, welche als Quelle für den Brand von
1920 vorliegen, aber auch den Brand von 1517 thematisieren,
dabei vor allem aber offensichtlich aus Darpes Stadtbiografie
zitierten. Ergänzend wird Darpe aber auch selbst zu zitieren
sein, um ein möglichst komplettes Bild der Situation zu
erhalten.
Danke Franz Darpe sind so nun um 1920 die Informationen
über den Brand der Stadt von 1517 allgemein bekannt
gewesen. So kann man nämlich in den Zeitungsartikeln, die
nach dem Kirchbrand von 1920 veröffentlicht wurden,
zahlreiche Darstellungen der Ereignisse von 1517 finden und
beobachten, wie jede Zeitung ihren Vergleich zu den
aktuellen Geschehnissen zog.
7
Durch diese gesammelten
Informationen lässt sich schließlich ein ungefähres Bild von
dem zeichnen, was 1517 in Bochum geschehen sein muss. Es
ist wenig verwunderlich, dass der große Stadtbrand scheinbar
auf Unachtsamkeit bei der Verwendung von Feuer
zurückging. Es wird so in dem gesichteten Material davon
berichtet, dass ein Rentmeister, sein Name soll Schriver
7
So etwa bei einem Artikel der Rheinisch Westfälischen Zeitung,
vom 24. September 1929, vgl. Stadtarchiv Bochum, B51 / 13. Diese
Artikel bauen zu großen Teilen vor allem aber auf den Informationen
aus Darpes Stadtbiografie auf, was wenig verwunderlich sein dürfte,
erschien die Biografie gerade einmal 20 Jahre vor dem Brand.
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