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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Definition: Wechselwähler. 4
3 Zunehmende Volatilität des Wahlverhaltens? 5
4. Sozialer Wandel. 6
5 Theorien des Wahlverhaltens. 8
5.1 Columbia School 10
5.2 Michigan School. 11
5.3 Cleavage-Theorie 13
5.4 Rational Choice-Theorie 15
6 Schlussbemerkung 18
Literaturverzeichnis 21
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1 Einleitung
In einer demokratisch organisierten Gesellschaft erfüllen Wahlen bekanntlich die Funktion, politische Herrschaft für eine begrenzte Zeitspanne zu legitimieren. Legitimität wird erreicht, indem die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse, die unmittelbar aus Wahlen resultieren, darüber entscheiden, ob eine politische Kraft die Regierung bilden darf oder sich mit der Rolle der Opposition begnügen muss. Ist eine Legislaturperiode verstrichen, verliert die jeweilige politische Führung ihre demokratische Legitimation, und es wird erneut gewählt. Dabei kann sowohl die aktuelle Regierung bestätigt als auch die bisherige Opposition mit der Staatsführung beauftragt werden. 1 Wahlen sind also für Parteien und andere politische Kräfte von großer Bedeutung, denn nur über Wahlen können sie die Macht erlangen, um ihre Interessen und Ziele zu verwirklichen. Einer bestimmten Wählergruppe kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Relevanz zu - den Wechselwählern. Im Gegensatz zu den Stammwählern, die ihr Leben lang ausschließlich für eine bestimmte Partei stimmen, sind sie für Veränderungen verantwortlich und ermöglichen Machtverschiebungen bzw. -wechsel. Würde es keine Wechselwähler geben, wären Wahlen überflüssig, da sich ein einziges Wahlergebnis immerzu wiederholen würde; ein einmal gefundener Status Quo bliebe auf ewig unverändert. Die Forschungsgruppe Wahlen formulierte die dargestellte Bedeutung der Wechselwähler für Politik und Forschung wie folgt:
Wieviele Wähler zwischen zwei Wahlterminen ihre Wahlentscheidung
ändern, zwischen welchen Parteien sie wechseln oder eventuell nicht
wählen, ist sicher eine der interessantesten Fragen der Wahlforschung, für
Politiker und Parteien vielleicht sogar die wichtigste überhaupt.
(Forschungsgruppe Wahlen 1985: 22)
Die vorliegende Analyse widmet sich dem Phänomen des Wechselwählers nun anhand von zwei Fragen. Zum Einen soll untersucht werden, wie sich wechselndes Wahlverhalten erklären lässt, zum Anderen wird die in der Politikwissenschaft weit verbreitete Auffassung überprüft, der Anteil der Wechselwähler an der gesamten Wählerschaft sei in den vergangenen Jahrzehnten beträchtlich gestiegen. Auf der Suche nach einer Erklärung für
1 Gelegentliche Machtwechsel gelten gemeinhin als Beweise für das Funktionieren einer Demokratie
(Vgl. Korte-Krieger 1994: 11).
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wechselnde Wahlentscheidungen kann leider auf keine umfassende Theorie des Wahlverhaltens zurückgegriffen werden. Stattdessen hat die Politikwissenschaft zahlreiche unterschiedliche Forschungsansätze
hervorgebracht. Daher werden im Folgenden die wichtigsten Theorietraditionen aufgezeigt und auf ihre Erklärungskraft im Bezug auf schwankendes Wahlverhalten analysiert. Bevor jedoch weiter von Wechselwählern die Rede ist, muss eindeutig definiert werden, welche Verhaltensweisen dieser Begriff umfasst.
2 Definition: Wechselwähler
In der politikwissenschaftlichen Fachliteratur - insbesondere in einführenden Texten - wird der Begriff des Wechselwählers häufig nicht eindeutig definiert. Stattdessen wird er geradezu sorglos in seiner alltagssprachlichen Bedeutung verwendet, während seine semantische Vielfalt unbeachtet bleibt. 2 Ist dieses Vorgehen für Autoren einführender Literatur unvermeidbar, weil sie den gesamten Bereich der Politikwissenschaft erfassen wollen und somit zu einer knappen Darstellungsweise gezwungen sind, so sollte eine Analyse, die sich auf den Wechselwähler konzentriert, eine genaue Definition desselben leisten. Zumindest muss auf die Problematik verschiedener Bedeutungsvarianten hingewiesen werden.
Am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang wohl die Frage, ob Nichtwähler zu den Wechselwählern zählen oder nicht. Denn in gewisser Weise ändert ein Wähler, der sich im Gegensatz zur vorausgehenden Wahl seiner Stimme enthält, seine Wahlentscheidung; er wechselt sie. Beantworten lässt sich diese Frage am besten wie folgt:
Bisher existiert innerhalb der Politikwissenschaft keine allgemein anerkannte Erklärung für wechselndes Wählerverhalten. Daher ist es also denkbar, dass die Phänomene Nichtwahl und Wechselwahl auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen sind. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, Begriffe und Analyseeinheiten möglichst eng zu definieren, um nicht ungewollt eine Mischung mehrerer Zusammenhänge zu erfassen. Enge Definitionen vereinfachen also die Ursachenanalyse. Und falls Nicht- und Wechselwahl
2 Vergleiche beispielhaft: Andersen / Woyke 2000: 634, Kevenhörster 1997: 197
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schließlich doch aus den gleichen Faktoren resultieren, kann die Definition des Wechselwählers problemlos um das Lager der Nichtwähler erweitert werden. Besonders gut zu erkennen ist das beschriebene Prinzip - möglichst differenziert definieren, solange eine umfassende Theorie fehlt - an der empirischen Forschung. Beispielhaft wird hier eine Erhebung von Rüdiger Schmitt-Beck und Peter R. Schrott zum Thema “Dealigment durch Massenmedien” angeführt. Ohne es explizit zu erwähnen, grenzen die beiden Autoren das Phänomen des Nichtwählers von vornherein aus. Weiterhin spalten sie - und das nun explizit - die verbliebenen Wechselwähler in drei Gruppen auf. Es wird unterschieden zwischen Wechselwahl in Form “des Stimmensplittings, des Parteiwechsels seit der letzten Wahl [und] des Wechsels von Wahlabsichten im Verlauf des Wahlkampfes” (Schmitt-Beck / Schrott 1994: 546). Im Umkehrschluss bedeutet das Faktum, dass die empirische Forschung auf exakte Definitionen angewiesen ist, allerdings nicht, dass im Zusammenhang mit theoretischen Überlegungen auf diese verzichtet werden kann. Vielmehr sollte auch hier möglichst genau festgelegt werden, worüber räsoniert wird. Unter dem Begriff des Wechselwählers wird also im weiteren Verlauf der vorliegenden Hausarbeit Folgendes verstanden: Ein Wechselwähler für die Dauer einer Legislaturperiode ist, wer im Vergleich zur vorausgehenden Wahl gleichen Typs seine Stimme einer anderen Partei gibt. Wer lediglich seine Wahlentscheidung kritisch überprüft oder nicht an der Wahl teil nimmt, zählt vorerst nicht zur Gruppe der Wechselwähler.
3 Zunehmende Volatilität des Wahlverhaltens?
Im Kontext des tiefgreifenden sozialen Wandels, den die Gesellschaften der westlichen Industrienationen seit Ende der 60er Jahre vollziehen, ist in der Politikwissenschaft häufig auch von einer angeblich wachsenden Wechselwählerschar die Rede. 3 Aus veränderten sozialen Verhältnissen wird mehr oder weniger unmittelbar auf ein verändertes Wahlverhalten geschlossen. Uwe Andersen und Wichard Woyke argumentieren beispielsweise in ihrem Standardwerk “Handwörterbuch des politischen Systems” gemäß dieser Logik. Nachdem sie die Beschaffenheit des sozialen Wandels skizziert haben, treffen Andersen und Woyke folgende Aussage:
3 Unter Punkt 4 findet sich eine ausführliche Darstellung des angesprochenen sozialen Wandels.
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Nach wie vor bestimmen die parteigebundenen Stammwähler das Bild,
wenngleich die Zahl der Wechselwähler doch beachtlich angestiegen ist, vor
allem dann, wenn man die Wahlen sämtlicher politischer Systemebenen,
also auch Landtags- und Europawahlen, mit in die Betrachtung einbezieht.
(Andersen / Woyke 2000: 634)
Den Anteil der Wechselwähler bei Bundestagswahlen beziffern sie mittlerweile mit 15 bis 20 % (Vgl. Andersen / Woyke 2000: 634). Außer Andersen und Woyke sieht unter anderem auch Paul Kevenhörster die sozialen Umwälzungen der vergangenen 30 Jahre von schwächer werdenden Parteibindungen, rascherem Wählerwechsel und häufigerer Nichtwahl begleitet (Vgl. Kevenhörster 1997: 208). Obwohl die naheliegende Schlussfolgerung, dass eine veränderte Sozialstruktur nicht ohne Auswirkungen auf das gesellschaftliche Wahlverhalten sein kann, auf breite sozialwissenschaftliche Zustimmung stößt, wird sie doch vereinzelt kritisch hinterfragt. So hat beispielsweise Ute Korte-Krieger die zahlenmäßige Entwicklung der Wechselwählergemeinschaft bei Bundestagswahlen untersucht und herausgefunden, dass der Anteil der Wechselwähler zwischen 1961 und 1990 relativ konstant bei 10 % zu verorten ist (Vgl. Korte-Krieger 1994: 23). 4 Auf eine ganz andere Art und Weise versucht Carsten Zelle in seiner Dissertation, den logischen Schluss, veränderte soziale Verhältnisse führen zu verändertem Wahlverhalten, einzuschränken. Er bestreitet dazu weder die Existenz des sozialen Wandel noch eines veränderten, volatileren Wahlverhaltens. Auch einen gewissen Zusammenhang der beiden Phänomene erkennt er an. Allerdings schlägt er eine Alternativerklärung für das veränderte Wahlverhalten vor, die seiner Meinung nach eine weitaus größere Erklärungskraft besitze als die soziale Entwicklung der westlichen Gesellschaften. (Vgl. Zelle 1995)
4. Sozialer Wandel
Im Unterschied zur These einer womöglich anwachsenden Wechselwählerschaft ist die bereits angesprochene Annahme eines tiefgreifenden sozialen
4 Auffällig ist die relativ große Differenz zu dem von Andersen / Woyke genannten und sich auf die
Bundestagswahlen von 1998 beziehenden Wert. Mögliche Erklärungen sind hier das in Folge der
Wiedervereinigung 1990 zahlenmäßig gewachsene Elektorat oder schlicht - gemäß der unter Punkt 2
geschilderten Problematik - unterschiedliche Definitionen des Wechselwählers.
Arbeit zitieren:
Malte Peters, 2005, Phänomen Wechselwähler, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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